! Dieses Heerlager von Soldaten eignet sich nicht für ein Weib . « » Und warum nicht ? Ich bin jung , ich bin schön und werde Freunde finden in Menge , die mich mehr lieben , als Du , und weniger finster sind . Denn ich weiß , Herr , Du liebst mich nicht . Du ziehst rastlos umher und ich bin nur das Spielwerk Deiner Laune und Dir längst zur Last . Ich mag nicht nach Constantinopel . « » Du bist ein Kind , Nedela , und weißt nicht , was Du willst . Nachdem ich mich Deiner angenommen , kann ich Dich nicht hilflos verlassen . Ich will Dich zu Deinen Verwandten im Fanar zurückbringen , von denen Du mir erzählt , und Dich reichlich versorgen , wenn Du mich nicht ferner begleiten willst . Ueberlege Deinen Entschluß wohl bis morgen . « Er verließ sie . Das eitle und gefallsüchtige Mädchen , das während der Abwesenheit des Baronets bereits ein Verständniß mit Sali-Pascha angeknüpft hatte und dessen Favoritin zu werden hoffte , sann unruhig auf Mittel , wie sie sich der Aufsicht ihres Beschützers entziehen könne , denn der vorsichtige Pascha hatte sich streng geweigert , einen Streit oder Bruch ihrethalben mit dem Gastfreund herbeizuführen . In diesem Sinnen störte sie ein leises Kratzen an der Thür des Gemaches . Sie klatschte in die Hände , zum Zeichen des Eintritts und Vassili , der griechische Diener , erschien sofort auf der Schwelle und hob den Teppichvorhang . Der arme verliebte Soldat , den Caraiskakis , unter Veränderung seines Namens Vaso in Vassili , in den Dienst des Pascha ' s gebracht hatte , war durch die Färbung seiner Haare , das Wachsen seines Bartes nach türkischer Sitte , während die Griechen das Kinn glatt geschoren tragen , und ein Pflaster auf einem Auge , völlig unkenntlich geworden . Selbst seine Stimme hatte der Wunsch , immer in der Nähe der früheren Braut zu sein und die Furcht , sobald er erkannt worden , von ihr gewiesen zu werden , zu verändern gewußt . Die Ergebenheit und der Diensteifer , den er bei jeder Gelegenheit für die Leichtsinnige zeigte , waren auch von ihr nicht unbemerkt geblieben und sie benutzte ihn für alle vertrauten Dienste . Dennoch lag in diesem feigen zertretenen Herzen eine heftige Leidenschaft , eine glühende Eifersucht verborgen , die einst zur blutigen That werden sollte . » Herrin ; « flüsterte der Diener , » bist Du allein ? « » Ich bin ' s , Vassili , was hast Du ? « » Ein Armenier , der in das Konak gekommen , bittet Dich dringend , ihn zu sprechen . Er sagt , er brächte Dir Botschaft von Deinem Vater . « Das Mädchen sprang empor , wie von einer Feder geschnellt . » Von Janos , meinem Vater ? Es ist unmöglich ! « Vaso hatte die Thür geöffnet , der Armenier in Barett und Bart schlüpfte herein . Durch die Oeffnung sah man zugleich neben Vaso die Gestalt eines jungen türkischen Matrosen . » Wer bist Du ? woher kommst Du ? « fragte hastig Nedela . Der Fremde nahm Barett und Bart ab . » Du bist Nausika , die Tochter Jani ' s , des Kameeltreibers , « sagte Gregor Caraiskakis , » erkennst Du mich , Mädchen ? « Die junge Smyrniotin hatte sich einige Schritte zurückgezogen , ihr Antlitz zeigte den schnellen Wechsel der Farben . » Heilige Maria ! Du bist der Mann , der mich Aermste aus dem Bosporus rettete , der im Fanar ... - « Sie vollendete nicht , das Bild jener Nacht stand vor ihrer Seele , wenn auch mit einem unbehaglichen Gefühl der Erinnerung , denn die Erscheinung und die Ansprüche eines alten Liebhabers harmonirten keineswegs mit ihren Plänen . Aber Gregor , von einem doppelten Gefühl erfüllt , der Erinnerung an den alten Freund , der mit seinem Blut die Treue besiegelt , und den Schwüren jener Nacht voll Wollust , Vergessen und Liebe , unterbrach sie . » Höre mich an , Nausika , « sprach er hastig , » die Minuten sind uns gezählt , ich komme , Dich zu retten aus diesen unwürdigen schmachbedeckten Fesseln , in die Deine bedachtlose Jugend Dich geführt . Ich komme , um gut zu machen eine theure Schuld an Deinem Vater , eine Schuld an Dir . Welche Vergangenheit auch an Dir klebt , Gregor Caraiskakis wird Dich zu seiner Gattin machen und sein Namen wird jeden Flecken von Dir nehmen . « Er breitete die Hände nach ihr aus , die ehemalige Odaliske schien jedoch wenig beeilt , sich seiner Sorge anzuvertrauen . » Du kommst von Janos , meinem Vater - es sind Jahre vergangen , daß ich nicht von ihm hörte und ich bin seine Tochter nicht mehr . « » Du bliebst es , denn Du warst ein willenloses Opfer des Frevels . Er hat ihn gerächt , aber er ist selber hinüber gegangen zu den Gefilden der Glückseligen . Ich vollziehe sein Erbe , indem ich Dein Retter und Schützer werde für ' s Leben . « Selbst die Nachricht von dem Tode ihres Erzeugers , schien nur wenig Eindruck auf das in den Intriguen und Gelüsten des Harems verdorbene Herz der Schönen zu machen . » Wohin willst Du mich führen , wenn ich Dir folge ? « fragte sie . » Ich werde Dich an einen sichern Ort geleiten , wo Du bleibst , bis diese Kriegsstürme ausgetobt . Du wirst mit Nicolas , meinem Bruder , nach dem russischen Gebiet fliehen . « Das Mädchen schüttelte verächtlich den Kopf . » Wozu ? ich habe Freunde hier - der Beisädih ist mein Beschützer . « » Fluch über den Verräther ! Sein falsches Herz hat das Leben meiner eigenen Schwester gebrochen , und er wird Dich eben so verstoßen , wie er sie verstoßen hat . Die Rache ist auf seinen Fersen . « » Du bist sein Feind ? « » Bis über das Grab hinaus . Drei Dinge führen mich hierher : Dich zu holen , den gefangenen Freund vor dem schimpflichen Tode zu retten und mich an dem Inglis zu rächen . Wo ist er ? « Die Odaliske sah ihn mit einem seltsamen , forschenden Blick an . » Meinst Du den deutschen Arzt , den der Inglese hat zum Tode verurtheilen lassen ? « » Denselben . Er kannte Deinen Vater - er ist für uns ' re Sache in Gefahr . « » Und Du willst ihn retten vor seinen Feinden und diese verderben ? « » So wahr mir die Märtyrer helfen mögen , ja ! « Sie faßte seine Hand , - ihr Hauch blies die Lampe aus , daß er in dem Dunkel des Gemaches die frohlockende Miene nicht sehen konnte : » Bist Du bewaffnet ? « Er legte ihre Hand auf seine Brust , sie fühlte unter dem Gewand die Knäufe der Pistolen und den Griff eines Dolches . » So komm ' ! « Sie zog ihn hastig durch mehrere Gemächer ; die Matten und Teppiche dämpften das Geräusch ihrer Schritte . Dann auf eine letzte Thür deutend , deren Spalt einen hellen Lichtschimmer ausströmen ließ , flüsterte sie : » Dort ! ich erwarte Dich ! « und entfloh . Gregor Caraiskakis näherte sich der Thür , durch die ihm zwei bekannte Stimmen entgegenschallten . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - In einem Gemach des steinernen Hauptgebäudes des Pascha-Konaks , wohin er nach dem Kriegsgericht gebracht worden , saß der deutsche Arzt , bemüht , mit möglichster Fassung und Ergebung das traurige Schicksal zu erwarten , das ihm für den nächsten Morgen zuerkannt worden . Er vermochte nicht zu entscheiden , ob seine Vertheidigung mehr an dem bösen Willen oder der Gleichgültigkeit der Beisitzer des Gerichts gegen ein Menschenleben gescheitert war , aber bei dem vollen Bewußtsein seiner Unschuld blieb er doch gerecht genug , anzuerkennen , daß die Beweise gegen ihn schwer und erdrückend gewesen . - Die Nacht vor einem Duell , - die Nacht vor der Hinrichtung , - les derniers heures d ' un condamné , - sind eine Zeit , die der Dramatiker und Romanschreiber wohl mit Redensarten von Ruhe und Heroismus ausfüllt , deren Furchtbarkeit aber selbst für das bestgeordnete Gewissen nur Der zu fassen versteht , der Aehnliches erlebt . - Sterben - diese große Schlußscene des Lebens , auf die man sich niemals vorbereitet ! - Sterben - dieses unsägliche und undurchdringliche Geheimniß des Daseins , mit dessen Lösung das größte Elend uns zufriedengestellt sehen würde , mit dessen unheimlichem Räthsel alles Glück und alle Güter der Erde uns schwarz erscheinen ! - Sterben - jene Hoffnung der Liebe und des Unglücks , jene Marter des Gewissens und des Genusses ! - Sterben - jene heilige Phantasie des Glaubens und jene schreckliche Leugnung der Selbstständigkeit des electrischen Funkens , Leben genannt durch die Aerzte und Philosophen ! - Sterben - auf welchem denkenden Herzen lastete die furchtbare Aussicht nicht ! Thoren erzählen von dem Heroismus , mit dem Männer zum Tode gegangen . Thoren sehen nur die äußere Hülle , nur die göttliche Stolzeskraft der Seele , die den Körper aufrecht erhält - nicht die Gefühle des Herzens . Sein Leben rollte Bild auf Bild an ihm vorüber , - die Kinderjahre im Hause des Vaters , auf dem Straßenpflaster der preußischen Residenz - die Universitätsjahre , der Eintritt in das wogende unverstandene politische Leben . Noth und Leichtsinn , Kummer und Stolz in Paris - die drückenden Fesseln des politischen Bundes , - die farbenhellen Bilder des Orients , Ruhe und Kampf , Jammerschrei und pulsirendes Leben - Blut neben Gold - Schlacht und Seuche - und jene Nacht ! jene Nacht mit ihren geheimnißvollen Räthseln und Freuden - - - » Fare well ! « Die Riegel an seiner Thür rasselten , durch die geöffnete trat eine Gestalt , in den Militairmantel gehüllt , herein und blieb vor ihm stehen . Langsam entfernte sie die bergende Hülle , - der Baronet , Edward Maubridge , stand vor dem Verurtheilten . Sein Gesicht war bleich , sein Auge entschlossen . » Sie hier ? - was wollen Sie ? - Sie haben Ihr Werk vollendet . « » Hören Sie mich , « sagte der Baronet , » hören Sie mich ruhig an , wie es dem Mann zum Manne ziemt . Dann fassen Sie Ihren Entschluß . « Er hielt einen Augenblick inne , dann fuhr er , als habe er diesen Auftritt , jede Sylbe seiner Erklärung , durch seinen Entschluß festgestellt , ruhig fort : » Das Schicksal hat uns zusammengeführt , die wir der Wege verschiedene wandelten . Es warf Sie in den meinen , als Gefährten eines Mannes , den ich hätte lieben können und den ich hassen und verfolgen mußte , und diesem Haß sind auch Sie zum Opfer gefallen . Ich bin ein Engländer , - das heißt hartnäckig und stolz . Die Frauen sind meine Leidenschaft oder meine Schwäche . Ich sah in Smyrna die Schwester Ihres Freundes , Diona , und liebte sie . Bei dem Normannen-Blut meiner Väter ! ich liebte sie ! Nur die teuflische Einflüsterung des Schurken von Consuls in Smyrna ließ das Recht mich in Händen behalten , die Gültigkeit unserer Ehe je nach meinem Willen anzuerkennen oder zu verweigern . Bei Gott - hätten nur ihre Augen gesprochen , das Kind unter ihrem Herzen , mein besseres Ich hätte gesiegt und ich sie nach England geführt als meine Gattin . « » Wozu mir das , einem Sterbenden ? « » Sie werden es sogleich erfahren , Sir . Als Sie mit dem Banditen Janos in unser Asyl einbrachen und Diona mir nahmen , fühlte ich erst recht die Stärke meiner Liebe ; als Ihr Freund auf dem Verdeck des Niger mir jedoch die Rechte seiner Schwester abtrotzen wollte , da stieg der Teufel meines Trotzes und Stolzes in voller Stärke in mir empor , und es begann ein Kampf zwischen mir und ihm , der vielleicht nur mit unserm Leben endet . Ein freundliches Wort hätte am Grabe des Achill , als ich die Pistole gegen ihn hob , wahrscheinlich unser Aller Schicksal gewendet . « » Das Wort auszusprechen , Sir , war an Ihnen . « » Es ist möglich , - ich will nicht streiten darüber , es geschah nicht und der Kampf war begonnen . Sie wissen wahrscheinlich , daß mein Weib auf der See bei Geburt ihres Kindes starb , daß ich als Gefangener nach Sebastopol geführt wurde , daß Ihr Freund mich von meinem Kinde trennte und geschworen hat , es mir nie zurückzugeben . Schwur gegen Schwur , ich muß meinen Sohn haben und setze mein Leben daran . Caraiskakis war in meinen Händen , er wurde mir entrissen und ich glaubte ihn bei einer Scene des Aufstands im Fanar von Constantinopel erschlagen . « » Ich wiederhole die Frage , - wozu mir das ? einem Sterbenden ? « » Sie waren der Freund , der Vertraute des Mannes , den ich verfolgte . Sie wußten vielleicht um das gegen alle meine Spione wohlverwahrte Geheimniß des Kindes . Ihre Spur führte nach Silistria und ich ging dahin . Dort erhielt mein Verdacht die Bestätigung , daß Diona ' s Bruder , mein Gegner , am Leben , denn mit dem Briefe des Russen , den Ihnen mein Diener stahl , fiel ein solcher jenes Mannes in meine Hände : Er ist in Varna . « » Es ist möglich . « » Es ist gewiß ; ich weiß es , aber es ist all ' meinen Anstrengungen unmöglich gewesen , ihn aufzufinden . Sie kennen seinen Aufenthalt . Ihr Verrath in Silistria in Verbindung mit Ihrem Freunde ... « Der Gefangene legte die Hand auf den Arm des Baronets . » Halten Sie ein , Sir , und thun Sie einem Sterbenden nicht ein Unrecht . Sie wissen , daß ich unschuldig bin , daß von dem politischen Fanatismus des Mannes , den ich Freund nannte , mein Name , meine Diener gemißbraucht sind zu der entehrenden Spionage , daß ich selbst aber keinen Theil daran habe . « » Ich weiß nicht , ob Sie unschuldig sind , oder schuldig , « sagte der Brite heftig , » die Beweise sind gegen Sie und Sie sind auf mein Zeugniß verurtheilt , das ich gegeben , wie ich es als Mann verantworten kann . Jedenfalls hat Sie Ihr Freund , in diese Lage gebracht , und Sie haben keine Rücksicht mehr auf ihn zu nehmen . Ihr Leben , Sir , Ihre Rettung liegt dagegen in meinen Händen . « » Wie das ? « » Ich habe die Mittel , Sie noch in dieser Stunde aus Varna zu führen . Antworten Sie mir als Mann von Ehre : kennen Sie den Aufenthalt meines Kindes ? « » Ich weiß nur , daß es in der Krimm von seinem Oheim zurückgelassen worden ist , Nichts mehr . « » Sie kennen den Aufenthalt des Herrn Caraiskakis hier in Varna ? - Sir , es gilt Ihr Leben . « » Ich glaube ihn zu kennen . « » Wenn ich Sie aus diesem Kerker noch in dieser Stunde befreie , wollen Sie mich und einige der Meinen zu ihm führen , daß ich mich seiner Person bemächtigen kann ? - Merken Sie Wohl , ich will ihn nur zwingen , mein Kind mir auszuliefern , und Goddam ! diesmal soll er mir nicht entrinnen . In dem Augenblick , wo er mir seinen Besitz abtritt , soll er frei sein . « » Sir , ich bin kein Verräther - außerdem , ich kann mein Leben nicht durch Flucht retten . « » Sie sind ein Thor ! Er hat Sie betrogen und zum Werkzeug seiner Zwecke gemacht , wie Sie sagen , - er selbst hat das Band der Freundschaft , des Vertrauens gebrochen ... « » Er ist hier , es einzulösen ! « sagte eine leidenschaftliche Stimme , » Du aber , doppelter Feind und Verräther , nimm Deinen Lohn ! « In der Thür stand der Armenier , seine Augen funkelten ... ... » Caraiskakis - Goddam , er selbst - ich verhafte Sie ... « Gleich dem Tiger sprang der verkleidete Grieche auf ihn zu , das Messer blitzte in seiner Hand und sein Stoß warf den Baronet zu Boden ... » Hell and damnation - zu Hilfe ... « Sein Blut überströmte den Boden , mit der Linken hielt Caraiskakis seinem Opfer den Mund zu . » Rasch , Nicolas , rasch - das Bündel mit den Kleidern . « » Was haben Sie gethan , Gregor ! ? « Der Arzt kniete zu dem Verwundeten und beschäftigte sich mit ihm . Der starke Blutverlust hatte den Baronet bereits ohnmächtig gemacht . » Bei der Panagia , Freund , eilen Sie , wir haben keinen Augenblick zu verlieren - legen Sie diese Kleider an ! Nicolas , bewache die Thür ! « » Lassen Sie mich , Herr - ich besudle meine Ehre nicht mit einer schimpflichen Flucht . « » Um aller Heiligen willen , - Freund , - Bruder , keinen falschen Stolz ! Ich habe mein Leben gewagt , Sie zu retten - Sie müssen entfliehen ! « Der Deutsche achtete nicht auf ihn - er zerriß sein Tuch , um die Wunde des Engländers zu verbinden . Plötzlich erhob sich in der Ferne ein furchtbares Geheul , das immer höher und höher schwoll - Trommeln wirbelten , Signalhörner bliesen , ganz Varna mit seinen Heermassen schien aus dem Schlaf der Nacht zu erwachen . » Jangin-war ! - Jangin-war2 ! « Der Feuerruf scholl in zehn Sprachen durch die Nacht , durch alle Straßen Varna ' s - im Konak wurde es lebendig , Menschen liefen umher , Geschrei , Fragen - - » Um des Himmels Willen , ich beschwöre Sie , Welland , werfen Sie die Kleider über und fliehen Sie mit uns - jeder Augenblick Zögerung ist Verderben . « Der Deutsche erhob sich , der Verband war angelegt . » Entfernen Sie sich , Herr Caraiskakis , « sagte er streng . » Die Bande , die uns verknüpften , hat Ihr Trug zerrissen . Ich entschuldige Sie mit dem Fanatismus für Ihr Vaterland und vergebe Ihnen meinen Tod . Aber ich bin ein Preuße , Herr , und das graue Haupt meines Vaters werde ich nicht beschimpfen , indem ich durch feige Flucht die Anklage des Spionenhandwerks bestätige . « » Ewiger Gott - - hören Sie mich ... « » Gehen Sie - sichern Sie sich selbst , oder ich rufe um Hilfe . Gehen Sie und lassen Sie mich versuchen , dieses Opfer Ihres Thuns zu retten . « Er beugte sich , gleichgültig gegen die Beschwörungen des früheren Freundes , wieder zu dem Verwundeten und begann mit der Sorgfalt des Arztes seinen Puls zu prüfen und die Wunde näher zu untersuchen , während draußen durch die Straßen der Stadt immer lauter der Feuerruf hallte , die Trommelwirbel schlugen , die Kommandoworte der hin- und herjagenden Offiziere ertönten . Durch die dunklen Gänge des Konaks rannten die Khawassen und Diener des Pascha ' s , die Wachen heulten ihr Jangin-war , die Pferde bäumten und rasten - der ganze weite Konak war auf den Beinen . In der Thür der Gefangenzelle erschien das bleiche Gesicht Vassili ' s , mahnend an die Flucht , Nicolas stürzte herein und riß mit Gewalt den Bruder fort . - » Das Vaterland gilt mehr , als ein Leben , und sei es das kostbarste ! « - so schleppte er ihn davon , denn aus allen Thüren stürzten Menschen , die Stimme Sali-Pascha ' s rief nach den Wachen , die treulose Nedela schrie jetzt Hilfe und Mord , Lichter erhellten die Vorplätze , über die Höfe goß die Feuersbrunst , deren Gluthwolken man hoch in den Himmel wirbeln sah , Tageshelle . Eine unbeschreibliche Verwirrung herrschte hier und Menschen und Pferde drängten durcheinander . Mitten im äußern Hofe sah Nicolas Grivas mit einem Blicke die Wölfin von Skadar auf dem schwarzen Roß halten und Befehle ertheilen , ihre Arnauten um sich sammelnd ; von dem Balkon des Tschardaks heulte der Derwisch der Kurdin seine Sprüche in ' s Getümmel , den Untergang Varna ' s verkündend , weil der » Schatten Gottes « sich mit den Dschau ' rs verbunden . Einen Moment glaubte der junge Grieche sich von dem Auge der Rächerin gestreift und tauchte unter in dem Gewühl von Menschen ; im nächsten waren sie außerhalb des Thores des Konaks und in dem Strom , der sich nach der nahen Stätte der Feuersbrunst ergoß . Das Gedränge hier , der Lärmen waren wahrhaft fürchterlich . Die anrückenden Compagnieen der Pionire und Sappeure mußten sich mit Hieben ihrer Axtstiele Bahn brechen . Wer unter die Füße getreten wurde , war verloren , ein jämmerlicher Tod wartete seiner . Araber , Franzosen , Engländer , Türken - zehn Nationen bunt durcheinander . Einzelne Griechen suchten sich eilig durch die Menge zu winden und zu entfliehen , denn schon hatte sich das Gerücht verbreitet , daß Griechen die Feuersbrunst angestiftet und mehrere beim Anzünden des Magazins ergriffen worden seien . Wilde Rufe nach Rache ertönten und die Erbitterung steigerte sich immer höher , als man bemerkte , daß die Häuser , in denen Griechen wohnten , fest verschlossen waren und kein Bewohner sich zeigte . Unfern des Konaks , wo die Straße zum sogenannten Corso und den Seethoren sich wendet , drückte Gregor dem Bruder die Hand . - » Fort mit Dir und erreiche das Schiff . Du weißt , wohin Du mir Nachricht zu geben hast . Die Heiligen schützen Dich ! « - Er warf sich - während Nicolas seinen Weg verfolgte - in die Lücke , welche das rücksichtslose Dahersprengen mehrerer Generale in die Menschenmauer riß , und gelangte so zu dem Platz , auf dem die Feuersbrunst wüthete . Ein nächtlicher Brand in der Türkei ist ein schreckliches Ding , so häufig es auch vorkommt . An vernünftige , einigermaßen wirksame Löschanstalten ist selbst in Constantinopel nicht zu denken . Das , was vor Allem bei dem Löschen fehlt , ist Wasser ! man müßte es geradezu kaufen . Die Bauart der Straßen und Häuser ist so eng und gefährlich , daß man sich meist damit begnügen muß , das brennende Quartier abzusperren und das Weitere dem Himmel anheimzustellen . Das thut der Türke überhaupt immer - es ist sein Kismet . Die Feuersbrunst auf dem übrigens ziemlich freien Platze war nicht weniger schrecklich , als wenn sie in dem engsten Quartier stattgefunden , furchtbarer noch durch die Stätten , die sie ergriffen . Auf der einen Seite stand das Lazareth in vollen Flammen ; auf der andern war ein großes Gebäude , das zum Militair-Magazin diente und an das sich gleich Schwalbennestern lange Reihen jämmerlicher Hütten klebten , zwar bereits von dem Feuer ergriffen , doch wurden die französischen Sappeurs , die rasend arbeiteten , denn in den untern Räumen lag eine bedeutende Quantität Pulver , - offenbar hier der Flammen Herr . Desto furchtbarer , über alle Beschreibung , war der Anblick des brennenden Lazareths , das von den Mordbrennern an mehreren Orten angesteckt worden und durch seine leichte Bauart mit vielem Holzwerk der Verbreitung der Flamme weniger Widerstand entgegen gesetzt hatte , als das größtentheils aus Stein errichtete und nur von großen hölzernen Anbau ' s gefährdete Magazin . Das Militair , namentlich ein französisches Linienregiment , das zum Aufbruch am andern Morgen bestimmt und daher marschfertig consignirt war , hatte bereits begonnen , eine Chaine um die Brandstätte zu bilden . Wasser war nicht zu haben , denn der nächstliegende Brunnen war bald erschöpft und das Meer zu weit entfernt ; man mußte das Gebäude den Flammen überlassen und nur noch versuchen , die einem schrecklichen Tode verfallenen Kranken zu retten . Aber es fehlte an Leuten , an allen Hilfsmitteln , die nicht die braven Truppen selbst herbeischaffen konnten . Durch die eingeschlagenen Thüren und Fenster des Erdgeschosses schwangen sich unbekümmert um Feuer und stürzende Balken , die Tapfern in den Flammenpfuhl und trugen auf ihren Rücken die Kranken heraus , gleichgültig gegen die Ansteckung der Seuche . Der ganze Boden umher , grell beleuchtet von der Flamme , war bedeckt mit jammernden halbnackten Gestalten , oft schon in der Agonie des Todes , den Flammen entrissen , um im nächsten Augenblick doch dem unbarmherzigen Würger in die Arme zu fallen . Die Soldaten riffen ihre Mäntel vom Gepäck , um die Armen zu bedecken . Dennoch fanden mindestens sechszig Menschen , Kranke und kecke Wagehälse , die sich in die Unmöglichkeit stürzten , ihren Tod in den Flammen , und wenn einer der Unglücklichen für Augenblicke an einer der obern Oeffnungen oder beim Einstürzen einer Wand erschien und die Arme vergeblich hilfesuchend nach Unten streckte , bis das stürzende Balkenwerk , der Flammenwirbel ihn verschlang , brach ein Gebrüll der Wuth und des ohnmächtigen Grimms aus der Menge , als wären tausend Tiger auf dem engen Raume versammelt . Der Marschall Saint Arnaud mit dem Prinzen , den Generälen Bosquet und Epinasse und einem zahlreichen Stabe hielt auf dem Platz mitten im Gedränge und ertheilte seine Befehle , während um den englischen Oberbefehlshaber erst wenige Offiziere versammelt waren , da die meisten Truppen der Briten weit außerhalb der Festungswerke lagerten . Lord Raglan wandte alle Aufmerksamkeit der Rettung des Magazins zu , das Werk der Menschenliebe seinen Alliirten überlassend . Plötzlich brach ein Geheul wilden Frohlockens über den Platz , Alles übertäubend , als jubelte eine Legion von Teufeln durch die Luft . » Les incendiaires ! les incendiaires ! « und wie ein Sturmwind flog die Nachricht über die Menge , daß in den Hütten am Magazin eine Bande der dahin geflüchteten Brandstifter , Griechen , entdeckt und ergriffen worden sei . Das Getümmel wurde fürchterlich , unbeschreiblich . » Zum Marschall ! zum Marschall ! In ' s Feuer mit ihnen ! « heulte der Ruf . Mit Kolbenstößen , ja , mit Bajonnetstichen mußte die starke Escorte , welche die Gefangenen umgab , sich Bahn brechen durch die Menge und die Unglücklichen vertheidigen . Tausend Hände waren gegen sie erhoben , tausend wuthflammende Gesichter umdrängten sie , ihnen hundertfachen Tod drohend . Einige der Gefangenen , - es waren ihrer sechs - mußten von Soldaten der Wache geschleppt werden , denn die ersten Mißhandlungen der wüthenden Franzosen hatten sie des Gebrauchs ihrer Glieder , beraubt oder betäubt - Einer dagegen , das bleiche Gesicht Blutstropfen überperlt , die aus einer Stirnwunde flossen , ging fest und aufrecht ; seine Hände waren mit einer Offizierschärpe auf den Rücken geschnürt . Ein Blick genügte für Gregor Caraiskakis - er erkannte Geurgios , den Fanarioten . Hinter den Gefangenen , den bloßen Degen in der Hand , den Offizier der Escorte unterstützend , schritt der Capitain Depuis , an seinem Arm hing ein schwarzer Knabe , ängstlich sich zusammenschmiegend , - Nursah , der Diener des verurtheilten Arztes , und an seiner Seite Paswan , der Kiradschia . Der Blick auf Geurgios und Nursah hatte dem Führer der Elpis alle drohende Gefahr enthüllt ; dennoch konnte er sich nicht entschließen , nach dem Schlupfwinkel zu eilen , in dem die griechische Verschwörung das Netz ihrer Fäden concentrirt hatte , um zu sehen , ob hier noch ihre wichtigen Papiere zu retten seien ; außer der Mauer von tobenden Menschen fesselte ihn das Interesse an dem Bundesbruder . Die zaudernde Wahl sollte jedoch bald und schrecklich entschieden werden . Kaum zehn Schritt noch von dem Marschall entfernt , brach plötzlich durch die finstern Blicke des Fanarioten voll Haß und Todesverachtung gereizt , eine Woge von Menschen , heulend , brüllend , durch die Escorte und riß den Unglücklichen aus ihren Reihen . Vergeblich waren alle Anstrengungen der Offiziere und Soldaten , ihn wieder zu befreien , man vernahm kein Kommando mehr , selbst die Befehle des Marschalls blieben unbeachtet in dem wüthenden Geschrei : » Zum Feuer ! zum Feuer ! « - Minuten lang sah man in der Gluth der noch immer hoch in die Luft schlagenden Lohe den Körper des Fanarioten über den Köpfen der Menge , wie er von Hand zu Hand weiter gelangt wurde , dann verschwand er einen Augenblick , um im nächsten wieder zu erscheinen , hoch durch die Luft geschleudert , hinein in den kochenden Heerd von Flammen . Ein einziger gellender Schrei - dann folgte eine lautlose plötzliche Stille auf dem ganzen Platz . - - » Fällt das Bajonnet ! Nieder mit Jedem , der sich an den Gefangenen vergreift . - In das Pascha-Konak mit ihnen zum Verhör ! « Des Marschalls eigenes Kommando klang weithin über die Menge , das Klirren der Gewehre verkündete , wie die Reihen sich um die Bedrohten schlossen ; von drüben her antwortete das Krachen der letzten einstürzenden Balken und Wände ; der Marschall , einem der Generäle das Kommando übergebend , wandte sein Pferd , gefolgt von seiner ganzen Umgebung . Gregor Caraiskakis , in die Menge gekeilt , hatte stumm den Tod des Bundesbruders mit angesehen . Im Augenblick , da Bewegung und Luft in die Masse kam , verschwand er im Gedränge . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Es war gegen 11 Uhr gewesen , als die Schaar