Jahre hin , blieb Bötzow eine Quitzowsche Burg , bis zum endlichen Untergang der Familie . In dieser Zeit wird die Burg vielfach genannt . Nach Burg Bötzow war es , wohin die Quitzows den Herzog Johann von Mecklenburg-Stargard ( 1407 ) als Gefangenen abführten , nachdem er zuvor in ihrer Burg Plaue gesessen hatte . In denselben Turm setzten sie vierzehn Monate später den Berliner Ratsherrn Nikolaus Wins , den sie , mit andern Berliner Bürgern , bei der Tegeler Mühle ( 3. September 1410 ) geschlagen hatten , und noch 1414 , als der Stern des Hauses bereits im Niedergange stand , geschah es , daß ihr Hauptmann , Werner von Holzendorff , dem sie die Verteidigung der Burg anvertraut hatten , den Boten Kurfürst Friedrichs I. , der die Aufforderung zur Übergabe brachte , in den Turm werfen und mit Ruten streichen ließ . Aber das war das letzte Aufflackern und das kecke , kriegerische Leben ging seinem Ende rasch entgegen . Klugheit und Politik traten an die Stelle der Sturmleitern , und ohne Schwertstreich hielten alsbald die Hohenzollern ihren Einzug . An die Zeit der Quitzows aber erinnert der » Quitzensteig « , der bei dem nahe gelegenen Havelhausen vorüberführt . Von da ab ist die Geschichte Burg Bötzows stumm . Verpfändungen und Einlösungen folgten einander , bis endlich um 1550 die Burg selbst verschwindet und ein » Jagdhaus « an seine Stelle tritt . Aber auch über diesem Jagdhaus liegen Dunkel und Schweigen . Wir irren wohl nicht , wenn wir uns einen Bau mit Ecktürmen und gotischem Dache denken . 18 Im übrigen ist kein Bild des alten kurfürstlichen Hauses auf uns gekommen , noch weniger ein Bericht von Vorgängen innerhalb seiner Mauern . Kurfürst Joachim gab den Spreeforsten den Vorzug und das Jagdhaus zu Bötzow kam , dem Favoritjagdschloß zu Köpenick gegenüber , nur noch ausnahmsweise zu Ehren , wenn sich , zu dem Reize der Jagd überhaupt , auch noch der der Abwechslung gesellen sollte . Burg und Jagdhaus Bötzow sind spurlos verschwunden . Nur bei dem Umbau , dem , in jüngster Zeit erst , Schloß Oranienburg unterworfen wurde , stieß man auf gewölbte Feldsteinfundamente , die zweifellos wohl der alten Zeit von Burg Bötzow angehörten und bei weiterer Nachforschung ( die sich leider nicht ermöglichte ) vielleicht einigen Aufschluß über die Vorgeschichte der Burg gegeben haben würden . Schloß Oranienburg Schloß Oranienburg So kam das Jahr 1650 . Die Kurfürstin Luise Henriette , geborene Prinzessin von Oranien , seit dem 7. Dezember 1646 dem Großen Kurfürsten vermählt , pflegte ihren Gemahl auf seinen Jagdausflügen zu begleiten . Einer dieser Ausflüge führte das junge Paar im Laufe des Sommers 1650 auch in die Nähe von Bötzow , und hier war es , wo die junge Fürstin beim Anblick der lachenden Wiesen , die den Lauf der Havel einfaßten , sich lebhaft in die fruchtbaren Niederungen ihrer holländischen Heimat zurückversetzt fühlte und der Freude darüber den unverkennbarsten Ausdruck gab . Der Kurfürst , dessen Herz voller Liebe und Verehrung gegen die schöne , an Gaben des Geistes und Gemütes gleich ausgezeichnete Frau war , ergriff mit Eifer die Gelegenheit , ihr ein erneutes Zeichen dieser Liebe zu geben , und schenkte ihr das » Amt Bötzow mit allen dazu gehörigen Dörfern und Mühlen , Triften und Weiden , Seen und Teichen « . Die Schenkung wurde dankbar angenommen , und an die Stelle des alten Jagdhauses aus der Zeit Joachims II. trat jetzt ein Schloß , das im Jahre 1652 , in Huldigung gegen die Oranierin , deren Eigentum und Lieblingssitz es inzwischen geworden war , den Namen , » die Oranienburg « erhielt . In kürzester Frist tat auch die zu Füßen des Schlosses gelegene Stadt ihren alten Namen Bötzow beiseite und nahm den Namen Oranienburg an . Das Jahr 1650 ( eigentlich 1652 ) bezeichnet also einen Wendepunkt . Bis dahin Burg und Stadt Bötzow , von da ab Schloß und Stadt Oranienburg . Auch die Geschichte von Schloß Oranienburg , der wir uns jetzt zuwenden , sondert sich in drei Hauptepochen und zwar in die Zeit der Kurfürstin Luise Henriette von 1650 – 1667 , in die Zeit ihres Sohnes , des ersten Königs , von 1668 – 1713 und in die Zeit des Prinzen August Wilhelm von 1744 – 1758 . Alles andere wird nur in Kürze zu erwähnen sein . Die Zeit Luise Henriettens von 1650 bis 1667 Die Zeit Luise Henriettens von 1650 bis 1667 Kaum war die Schenkungsurkunde ausgestellt , so begann auch die Tätigkeit der hohen Frau , die durch den Anblick frischer Wiesen nicht nur an die Bilder ihrer Heimat erinnert sein , die vor allem auch einen Wohlstand , wie ihn die Niederlande seit lange kannten , hier ins Dasein rufen und nach Möglichkeit die Wunden heilen wollte , die der Dreißigjährige Krieg diesen schwer geprüften Landesteilen geschlagen hatte . Kolonisten wurden ins Land gezogen , Häuser gebaut , Vorwerke angelegt und alle zur Landwirtschaft gehörigen Einzelheiten alsbald mit Emsigkeit betrieben . Eine Meierei entstand und Gärten und Anlagen faßten alsbald das Schloß ein , in denen der Gemüsebau , die Baum- und Blumenzucht ebenso das Interesse der Kurfürstin wie die Arbeit der Kolonisten in Anspruch nahmen . Sie war eine sehr fromme Frau ( ihr Leben und ihre Lieder zeugen in gleicher Weise dafür ) , aber ihre Frömmigkeit war nicht von der bloß beschaulichen Art und neben dem » bete « stand ihr das » arbeite « . Mild und wohlwollend , wie sie war , duldete sie doch keine Nachlässigkeit , und in diesem Sinne schrieb sie z.B. am 27. April 1657 nach Oranienburg , daß es schimpflich für alle Beamten und geradezu unverantwortlich sei , daß in allen Gärten nicht so viel Hopfen gewonnen werde , wie zum Brauen erforderlich , und könne daran nichts als eine schändliche Faulheit die Schuld sein . Eine Musterwirtschaft nach holländischem Vorbild sollte hier entstehen , aber die Hauptaufmerksamkeit der hohen Frau war doch dem Schloßbau , der Gründung eines Waisenhauses und der Aufführung einer Kirche zugewendet . Von dem Schloßbau werden wir ausführlicher zu sprechen haben ; nur die Kirche sei schon hier in aller Kürze erwähnt . Mit großer Munifizenz ausgestattet , war sie nur wenig über hundert Jahre eine Zierde der Stadt . Im Jahre 1788 brannte sie nieder und nichts blieb übrig oder wurde aus dem Trümmerhaufen gerettet als ein kleiner Sandstein , der als einzige Inschrift die Buchstaben trägt : L. C. Z.B. G. P. V. O. , A. MDCLVIII . ( Luise , Kurfürstin zu Brandenburg , geborene Prinzessin von Oranien 1658 ) . Diesen Sandstein hat man bei Aufführung des kümmerlichen Neubaues , der seitdem an die Stelle der alten Kirche getreten ist , in die Außenwand , nahe dem Eingang , eingefügt . Insoweit gewiß mit Unrecht , als er nunmehr die irrige Vorstellung weckt , daß dieser Bau es sei , den die fromme Werktätigkeit der Kurfürstin habe entstehen lassen . Waisenhaus und Kirche entstanden unter der christlichen Fürsorge Luise Henriettens , aber früher als beide entstand ihr Wohnsitz , das Schloß selber . Die Frage drängt sich uns auf : wie war dies Schloß ? Es war , nach allgemeiner Annahme , ein drei Stock hohes , fünf Fenster breites Gebäude von Würfelform , das nur mittelst eines stattlichen Frontispizes den Charakter eines Schlosses erhielt . Dies Frontispiz war drei Fenster breit und vier Stock hoch , so daß es nicht nur das Hauptstück der ganzen Front bildete , sondern auch den übrigen Teil des Gebäudes turmartig überragte . Auf dem flachen Dache befand sich ein mit einer Galerie umgebener Altan , auf dem sich in der Mitte ein hoher und an jeder der vier Ecken ein kleinerer Turm erhob . Der Schloßhof war mit einem bedeckten Gange umgeben , auf dessen Plattform zur Sommerzeit zahlreiche Orangenbäume standen . So war Schloß Oranienburg in den Jahren , die seiner Gründung unmittelbar folgten . Nichts davon ist der Gegenwart geblieben , und wir würden , da keine gleichzeitigen Pläne und Beschreibungen existieren , darauf verzichten müssen , uns eine Vorstellung von dem damaligen Schlosse zu machen , wenn nicht in dem Waisenhause ein großes , für die Lokalgeschichte Oranienburgs höchst wertvolles Gemälde existierte , das , früher den Prachtzimmern des Schlosses angehörig , jetzt dazu dient , uns , in Ermangelung jedes andern Anhaltepunkts , über die Gestalt der damaligen Oranienburg einen mutmaßlichen , wenn auch freilich immer noch sehr disputablen Aufschluß zu geben . Dies wandgroße Bild ( etwa elf Fuß im Quadrat ) , von dem sich eine gleichzeitige Kopie als Plafondgemälde in einem der Säle des Schlosses befand , stellt , unter Benutzung der alten Didosage , die Gründung Oranienburgs dar . In der Mitte des Bildes erkennen wir das kurfürstliche Paar , angetan mit allen Abzeichen seiner Würde . Luise Henriette als Dido . Hinter dem Kurfürsten , den Speer in der Hand , steht der Oberst La Cave , während die Gräfin von Blumenthal , eine schöne , stattliche Dame , die Schleppe der Kurfürstin trägt . Weiter zurück , der Gräfin Blumenthal zunächst , erblicken wir den Oberjägermeister von Hertefeld und einen von Rochow . Die Angaben fehlen , welchen . Alle die Genannten füllen die linke Seite des Bildes , während zur Rechten des Kurfürsten der Geheimrat Otto von Schwerin steht , in wenig schmeichelhafter Weise mit zurückgeschlagenen Hemdsärmeln und im günstigsten Falle in der Rolle eines behäbigen Gerbermeisters . Er hält eine Kuhhaut mit der Inschrift plus outre , » immer weiter « , in der Linken , während er mit der Rechten bemüht ist , die Haut in Streifen zu schneiden . Diese Streifen werden von drei oder vier geschäftigen Dienern zur Absteckung einer weiten , sich im Hintergrund markierenden Feldfläche benutzt , aus deren Mitte sich in grauweißer Farbe ein Schloß erhebt , nur skizziert , aber doch deutlich genug erkennbar , um ein verständliches , anschauliches Bild zu geben . 19 Schloß Oranienburg , wie es jetzt vor uns liegt , zeigt nichts mehr von dem Bau , den ich vorstehend ( S. 135 ) beschrieben habe . Weder Frontispiz noch Säulengänge , weder Altan noch Türme bieten sich zur Zeit dem Auge dar , und die Umwandlung , die im Laufe von zwei Jahrhunderten erfolgt ist , ist eine so vollständige gewesen , daß es zweifelhaft bleibt , ob auch nur eine einzige Außenwand des oranischen Schlosses stehengeblieben und dem Neubau , der 1688 begann , zugute gekommen ist . Ein ähnliches Schicksal hat über allem gewaltet , was die fromme Kurfürstin hier entstehen ließ . Jegliches ging zugrunde , meist durch Feuer , und existiert nur noch dem Wort und Wesen , aber nicht mehr seiner ursprünglichen Form nach . Das Schloß , die Kirche , das Waisenhaus von damals , und wenn wir von einem , übrigens in seiner Echtheit ebenfalls anfechtbaren Porträt absehen , so findet sich an Ort und Stelle nichts mehr , was sich mit Bestimmtheit auf die Zeit der Oranierin zurückführen ließe . Das ihr seitens der Stadt errichtete Denkmal , eine Neuschöpfung , stammt erst aus dem Jahre 1858 . Es ist ein überlebensgroßes Bildnis in Erz , aus der Hand Wilhelm Wolffs hervorgegangen , und führt die Inschrift : » Der hohen Wiederbegründerin dieser Stadt , Louise Henriette , Kurfürstin von Brandenburg , geb . Prinzessin von Oranien , zum dauernden Gedächtnis die dankbare Bürgerschaft Oranienburgs . « Und dieser Dank war Pflicht . Was Luise Henriette schuf , es hat das Kleid gewechselt , aber die Dinge blieben und der Segen lebt fort . Die Zeit Friedrichs III. von 1688 bis 1713 Die Zeit Friedrichs III. von 1688 bis 1713 Schloß Oranienburg war , wie wir es geschildert haben , ein Bau von mäßigen Dimensionen ( nur fünf Fenster breit ) , als 1688 , nach dem Tode des Großen Kurfürsten , der prachtliebende Friedrich III. zur Regierung kam . Es war eine Zeit für die bildenden Künste in unserem Lande , wie vielleicht keine zweite , 20 zumal wenn man die verhältnismäßig bescheidenen Mittel in Anschlag bringt , die dem fürstlichen Bauherrn zur Verfügung standen . Schloß Köpenick , wo der Kurfürst die letzten Jahre vor seiner Thronbesteigung zugebracht hatte , wurde zuerst beendet ; dann folgte , mit einer Munifizenz , die noch weit über das hinausging , was in Köpenick geleistet worden war , der Ausbau des Oranienburger Schlosses . Ob der Kurfürst damals die Absicht hatte , das Schloß an der Ober-Havel zu seinem bevorzugten Aufenthalt zu machen , oder ob er seiner Stiefmutter , der holsteinschen Dorothea , in nicht mißzuverstehender Weise zeigen wollte , wie heilig , wie wert ihm die Schöpfung und Hinterlassenschaft seiner rechten Mutter sei , gleichviel , Schloß Oranienburg wuchs alsbald aus seiner engen Umgrenzung heraus und ein Prachtbau stieg empor , wie die Marken damals , mit alleiniger Ausnahme des Schlosses zu Cölln an der Spree , keinen zweiten aufzuweisen hatten . Von 1688 bis 1704 dauerte der Bau , und das Schloß nahm im wesentlichen die Gestalt und Dimensionen an , worin wir es noch jetzt erblicken . An ein reich ornamentiertes Mittelstück ( corps de logis ) lehnten sich zwei Vorder- und zwei Hinterflügel , zwischen denen ein nach einer Seite hin geöffneter Hofraum lag . Ganz wie jetzt . Am Ende jedes der vier Flügel erhob sich ein Pavillon und das corps de logis trug zwischen dem Dach und den Fenstern des dritten Stockes die Frontalinschrift : A Ludovica princip . Auriac . matre optima exstruct . et nom . gentis insignit . aedes Friedericus Tertius Elector in memoriam Parentis piissimae ampliavit , ornavit , auxit MDCXC . ( Dies von der besten Mutter , der Prinzessin von Oranien , Luise , gebaute und durch den Namen ihres Geschlechtes ausgezeichnete Schloß hat der Kurfürst Friedrich III. zum Gedächtnis der frömmsten Mutter erweitert und geschmückt im Jahre 1690 . ) Diese Inschrift existiert noch . Es kann nicht Zweck dieser Zeilen sein , mit Hilfe noch vorhandener Aufzeichnungen den Leser durch eine lange Reihe von Prachtzimmern und Galerien , von Sälen und Porzellankabinetten zu führen , von denen , mit Ausnahme weniger Zimmer , die ich gegen den Schluß des Aufsatzes hin zu beschreiben gedenke , auch jede Spur verlorengegangen ist ; nur einiges werde ich hervorzuheben haben , um wenigstens eine Andeutung von dem Reichtum zu geben , der innerhalb dieser Mauern heimisch war . In dem Treppenhaus , das fast die halbe Breite des corps de logis einnahm , sprang eine Fontäne und trieb den Wasserstrahl bis in das dritte Stock hinauf ; die Treppe selbst aber war unten mit vier Jaspis- und weiter oben mit vier Marmorsäulen geschmückt . An der gewölbten Decke waren die vier Laster des Hofes : Gleisnerei , Verleumdung , Neid und Habsucht dargestellt , wie sie von ebenso vielen Engeln aus dem Himmel gestürzt werden . Deckengemälde , zum Teil ähnlichen symbolischen Inhalts , zeigen sich in fast allen größeren Sälen . Im Vorzimmer des Königs befand sich an den Plafond gemalt , wie schon erwähnt , eine Kopie des großen Terwestenschen Bildes , während im sogenannten » Orangesaal « ein anderes großes Deckengemälde die Verherrlichung des Oranischen Hauses symbolisch darstellte . In der Mitte desselben erblickte man eine weibliche Figur mit dem Oranischen Wappen und einem Orangebukett im Haar , während sie zugleich eine Schnur mit Medaillons in Händen hielt , wodurch die Geschlechtsfolge des Hauses Oranien veranschaulicht werden sollte . Neid und Verräterei mühen sich , die Schnur zu zerreißen , aber ein Blitzstrahl aus den Wolken fährt zwischen sie . In demselben Saale befanden sich die Bildnisse der Fürsten von Oranien von 1382 ab , daneben aber das Porträt König Friedrichs I. selbst , mit dem bekannten Distichon als Unterschrift , durch das einst der Königsberger Dichter Bödecker die Geburt Friedrichs verherrlicht und seine künftige Königschaft vorhergesagt hatte : Nascitur in Regis Friedericus Monte , quid istud ? Praedicunt Musae : Rex Friedericus erit . ( Königsberg heißt die Geburtsstadt des Prinzen Friedrich ; was folgt draus ? Musen kündet es laut : König wird Friedrich uns sein . ) So waren Säle und Treppenhaus . Fast noch prächtiger war die Kapelle : die Wände waren mit Marmor bekleidet und die Decke mit Kirchenbildern geziert , während der Altartisch auf vier vergoldeten Adlern ruhte . Bischof Ursinus hielt hier 1704 die Einweihungsrede . Nun ist alles hin , alles verweht und zerstoben . Nur Orgel , Kanzel und königliche Loge existieren noch , sind aber nach Französisch-Buchholz hin verpflanzt worden und zieren dort die Kirche bis diesen Tag . So war Schloß Oranienburg in den Tagen , die der oranischen Prinzessin unmittelbar folgten . Wir fragen weiter , wie war das Leben in diesen Räumen ? Darüber liegen leider wenige Aufzeichnungen vor und wir müssen auf Umwegen und durch Schlüsse zu einem Resultat zu gelangen suchen . Daß der Kurfürst häufig hier verweilte , geht weniger aus der Reichtumsfülle hervor , mit der er das Schloß ausstattete ( eine prächtige Ausstattung verrät noch keine persönliche Teilnahme , keine Herzensbeziehungen ) , als aus dem Eifer , mit dem er die Herrschaft Oranienburg zu erweitern und einige der im Umkreis gelegenen Dörfer in einen gewissen Einklang mit dem Schlosse selbst zu bringen suchte . Diese sorgliche Fassung , die er dem Edelsteine gab , bewies am besten , wie sehr er an demselben hing . So wurden Grabsdorf und Lehnitz , Kossebant und Perwenitz , vier in der Nähe befindliche Güter , angekauft und in Vorwerke oder Koloniedörfer umgewandelt . Grabsdorf erhielt ein Jagdschloß , das innerhalb seiner schmucklosen Mauern bis diesen Augenblick noch die eiförmigen Zimmer zeigt , die , nach damaliger Mode , ihm gegeben wurden . Dabei wurde der Name Grabsdorf , der an unbequeme Dinge erinnern mochte , beiseite getan und in » Friedrichsthal « umgewandelt , unter welcher Bezeichnung Dorf und Jagdschloß bis diesen Tag noch vorhanden sind . Auch Kossebant verlor seinen alten Namen und trat die Erbschaft des vakant gewordenen Namen » Bötzow « an . Das heutige Bötzow hat also nichts gemein mit Burg und Stadt Bötzow , die bis 1650 anstelle des jetzigen Oranienburg zu finden waren , sondern ist ein in der Nähe gelegenes Dorf , das bis 1694 den Namen Kossebant führte . Diese Neuschöpfungen , mit denen der Kurfürst Schloß Oranienburg umgab , beweisen genugsam , daß dies Havelschloß , dies Vermächtnis von der Mutter her , ein bevorzugter Aufenthalt des Kurfürsten und spätern Königs war , aber auch einzelne Berichte sind uns zur Hand , die uns , trotz einer gewissen Dürftigkeit der Details , den Kurfürsten ( damals schon König ) direkt an dieser Stelle zeigen . » Im Sommer 1708 « , so erzählt Pöllnitz , » rieten die Ärzte dem Könige , das Karlsbad in Böhmen zu gebrauchen , wohin er sich im Laufe des Sommers auch wirklich begab . Vorher war er in Oranienburg und hatte auf dem dortigen Schlosse eine Zusammenkunft mit dem regierenden Herzog von Mecklenburg-Schwerin . Diese Zusammenkunft der beiden Fürsten war nicht ohne Bedeutung : sie hatte zunächst nur eine Erneuerung und Bestätigung des alten Erbfolgevergleichs im Auge , der im Jahre 1442 , zu Wittstock , zwischen Friedrich II. , dem Eisernen , und den Herzögen von Mecklenburg geschlossen worden war , mußte aber natürlich , da man Gefallen aneinander fand , einige Monate später die Schritte wesentlich erleichtern , die , im November 1708 , zu einer dritten Vermählung des Königs , und zwar mit Luisa Dorothee , der Schwester des regierenden Herzogs von Mecklenburg führten . » Am 24. November « , so fährt unsere Quelle fort , » traf die neue Königin in Oranienburg ein und wurde daselbst vom Könige und dem ganzen Hofe empfangen . Nachdem die Vorstellung aller Prinzen und Prinzessinnen stattgefunden hatte , verließ man das Schloß und begab sich nach Berlin , wo am 27. desselben Monats die Königin ihren feierlichen Einzug hielt . « Der König , trotz seiner Jahre , war anfänglich von der Königin bezaubert ; keine Ahnung beschlich sein Herz , daß , vier Jahre später , dieselbe Prinzessin geistesgestört und wie eine Mahnung des Todes an ihn herantreten werde . Das war im Berliner Schloß , in den Januartagen 1713 . Der König , krank schon , ruhte auf einem Armstuhl und war eben eingeschlummert , als er sich plötzlich angefaßt und aus dem Schlaf gerüttelt fühlte . Die geisteskranke Königin , die eine Glastür erbrochen hatte , stand weißgekleidet und mit blutenden Händen vor ihm . Der König versuchte sich aufzurichten , aber er sank in seinen Stuhl zurück . » Ich habe die weiße Frau gesehen . « Wenige Wochen später hatte sich die alte Prophezeiung seines Hauses an ihm erfüllt . Nicht zu seinem Glück hatte die mecklenburgische Prinzessin das Land und , als erste Stufe zum Thron , die Marmortreppe von Schloß Oranienburg betreten . Die Zeit des Prinzen August Wilhelm von 1744 bis 1758 Die Zeit des Prinzen August Wilhelm von 1744 bis 1758 Der Tod König Friedrichs I. traf keinen Punkt des Landes härter als Oranienburg ; bis dahin ein Lieblingssitz , wurde es jetzt von der Liste der Residenzen so gut wie gestrichen . Dem Soldatenkönige , dessen Sinn auf andere Dinge gerichtet war als auf Springbrunnen und künstliche Grotten , genügte es nicht , die Schöpfung seines Vaters sich selbst zu überlassen , er griff auch festen und praktischen Sinnes ein , um die in seinen Augen halb nutzlose , halb kostspielige Hinterlassenschaft nach Möglichkeit zu verwerten . Bauten wurden abgebrochen und die Materialien verkauft ; die Fasanerie , das Einzige , woran er als Jäger ein Interesse hatte , kam nach Potsdam ; die 1029 Stück eiserne Röhren aber , die der Wasserkunst im Schlosse das Wasser zugeführt hatten , wurden auf neun Oderkähnen nach Stettin geschafft . Schloß und Park verwilderten . Wie das Schloß im Märchen , eingesponnen in undurchdringliches Grün , lag Oranienburg da , als einunddreißig Jahre nach dem Tode des ersten Königs sein Name wieder genannt wurde . Im Jahre 1744 war es , wo Friedrich II. in betreff seiner Brüder allerhand Ernennungen und Entscheidungen traf . Prinz Heinrich erhielt Rheinsberg , Prinz Ferdinand das Palais und den Garten in Neu-Ruppin , der älteste Bruder August Wilhelm aber , unter gleichzeitiger Erhebung zum Prinzen von Preußen , wurde mit Schloß Oranienburg belehnt . Über die baulichen Veränderungen , die in diese Epoche von 1744 bis 1758 fallen , wissen wir nichts , mutmaßlich waren sie allergeringfügigster Natur , aber einzelne Berichte von Bielefeld und namentlich von Pöllnitz sind auf uns gekommen , die uns zum ersten Male Gelegenheit geben , die bis hierher nur äußerlich beschriebenen Prachträume auch mit Gestalten und Szenen zu beleben . Der Prinz bewohnte nur einen einzigen Flügel , also ungefähr den fünften Teil des Schlosses , aber die entsprechenden Zimmer genügten vollständig , zumal zur Sommerzeit , wo der Park mit seinen Laubgängen aushelfen konnte . Bielefeld entwirft von diesem Park folgende ansprechende Schilderung : » Den großen , nach Le Nôtres Plan angelegten Garten fand ich , durch die Verwilderung , zu der die lange Zeit von 1713 bis 1744 vollauf Gelegenheit gegeben hatte , wunderbarerweise verschönt . Die seit 1713 nicht mehr verschnittenen Buchenhecken haben sich verwachsen und verschlungen und bilden einen Gang , der so dicht jetzt ist , daß weder Sonne noch Wind hindurchdringen kann . In der größten Mittagshitze gewährt er Kühlung und Schatten und abends speist man darin , ohne daß die Luft die Kerzen auslöscht . Ein geschickter Gärtner , der die Verwilderung benutzte , hat viele geschmackvolle Gartenhäuser aus der Erde wachsen lassen . « Diese Schilderung paßt noch heute ; nur die Gartenhäuser sind seitdem wieder verschwunden . Prinz August Wilhelm lebte nur zeitweilig in Oranienburg ; sein Regiment stand zu Spandau in Garnison und die Pflichten des Dienstes fesselten ihn an den Standort desselben . Aber die Sommermonate führten ihn oft und so lange wie möglich nach dem benachbarten , durch Stille und Schönheit einladenden Oranienburg , und hier war es auch , wo er im April 1745 den Besuch seiner Mutter , der verwitweten Königin Sophie Dorothea , empfing . Über diesen Besuch liegt uns die Schilderung eines Augenzeugen vor – unverkennbar Pöllnitz selber , wenn sein Name auch nicht ausdrücklich genannt ist . » Am 14. April « , so heißt es darin , » brach die Königin Mutter von Berlin auf und traf am Nachmittag desselben Tages in Oranienburg ein . Ihr Hofstaat folgte ihr in einer langen Reihe von Karossen , wohl dreißig an der Zahl . Die Prinzessin Amalie saß im Wagen der Königin . Sobald dem Prinzen August Wilhelm das Herannahen des Zuges gemeldet war , eilte er die große Allee hinauf , dem Zuge entgegen , sprang angesichts des Wagens der Königinmutter vom Pferde und begrüßte sie , indem er entblößten Hauptes an den Schlag des Wagens trat . Dann schwang er sich rasch wieder in den Sattel und eilte dem Zuge in gestrecktem Galopp vorauf , um vor dem Eingang des Schlosses die Honneurs wiederholen zu können . Ihm zur Seite standen seine Gemahlin , die Prinzessin von Preußen ( eine geborne Prinzessin von Braunschweig ) , die Prinzen Heinrich und Ferdinand , außerdem die Hofdamen von Wollden , von Henckel , von Wartensleben , von Kamecke , von Hacke , von Pannewitz und von Kannenberg . Die Königin umarmte ihre Söhne aufs zärtlichste , begrüßte die Umstehenden und wurde dann die große Treppe hinauf in das für sie bestimmte Schlafgemach geführt , dasselbe , das König Friedrich I. bei seinen Besuchen in Schloß Oranienburg zu bewohnen pflegte . Die Königin fand in diesem Zimmer ein Staatsbett von rotem Damast vor , ebenso einen Fauteuil , einen Ofenschirm und vier Taburetts von demselben Stoff und derselben Farbe . Bald , nachdem die hohe Frau sich eingerichtet und an dem Anblick von Park und Landschaft erfreut hatte , erschien der Prinz , um ihr drei schöne Figuren von Dresdner Porzellan zu überreichen , an denen die Königinmutter , wie der Prinz wußte , eine besondere Freude zu haben pflegte . Aber die Königinmutter war es nicht allein , an die sich die Aufmerksamkeit dieses liebenswürdigen Prinzen richtete , auch Baron von Pöllnitz wurde einer ähnlichen Aufmerksamkeit gewürdigt . Seine Königliche Hoheit kannten sehr wohl die Vorliebe des alten Barons ( von Pöllnitz ) für alle Antiquitäten und Kuriositäten aus der Zeit König Friedrichs I. her , der ihm immer ein guter und gnädiger Herr gewesen war , und eingedenk dieser Vorliebe , überreichten Seine Königliche Hoheit dem alten Baron eine reich mit Gold gestickte Morgenmütze und ein Paar Pantoffeln , deren sich König Friedrich I. bei seinen Besuchen in Oranienburg zu bedienen pflegte , und die nun seit über zweiunddreißig Jahren unbeachtet und ungewürdigt in einer halbvergessenen Truhe gesteckt hatten . Nach Sonnenuntergang folgten Promenaden in den Park , dann wurden Spieltische arrangiert , bis gegen zehn die willkommene Nachricht , daß das Souper angerichtet sei , das Spiel unterbrach . Welche Feinheiten und Überraschungen aus dem Bereich der Küche , welche hochqualifizierten Weine , welch ' Frohsinn , welche Heiterkeit der Gäste ! Und doch zuletzt vollzog sich das Unvermeidliche , was schon König Dagobert seinerzeit bitter beklagt hat , daß auch die beste Gesellschaft ihr Ende habe und sich trennen müsse . Das war am 14. April . Früh am andern Morgen und früher fast als uns lieb war , weckten uns ungewohnte Klänge ; der Hirt trieb seine Herde , am Schloß vorbei , auf die frischen Felder hinaus . Den Beschluß machte ein Stier von so extraeleganter Schönheit , daß er kein anderer als der wohlbekannte glückliche Liebhaber der Jungfrau Europa sein konnte , ja die Art , wie er sich trug , dazu die Kraft seiner Brusttöne , schienen andeuten zu wollen , daß er ein Erscheinen unserer Damen an den verschiedenen Fenstern des Schlosses erwartet habe . Aber er sah sich getäuscht , unsere Damen , die die Geschichte gelesen haben mochten , fürchteten sich und hielten sich zurück , um sich und ihre Reize nicht ähnlichen Gefahren auszusetzen . Wie dem immer sei , der Morgenschlummer war gestört und an die Stelle des Schlafs , der nicht wieder kommen wollte , traten Promenaden in leichtem , flatterndem Morgenkostüm und , nach eingenommenem Frühstück , die gegenseitigen Besuche . Die Prinzessin Amalie empfing die Huldigungen , die ihrer Schönheit dargebracht wurden ; sie trug ein Korsett von schwarzem Atlas , das mit weißer Seide gesteppt war , und darunter ein silber-gesticktes Kleid , mit natürlichen Blumen aufgenommen . In diesem Kostüm stand sie da und übte sich im Flötenspiel : Euterpe selbst hätte sie beneiden können . Nach Tisch empfing die Königinmutter alle anwesenden Damen in ihrem Bettzimmer ; diejenigen , die eine Handarbeit dem Kartenspiel vorzogen , setzten sich auf Taburetts um die Königin her , während Baron Pöllnitz seinen Platz als Vorleser einnahm und in der Lektüre von › La Manche oder die Abenteuer des Mr. Bigaud ‹ fortfuhr . Die Königin folgte der Vorlesung und zog Goldfäden aus ( se mit à effiler de l ' or ) . Den Beschluß des Tages machte ein Ball in dem hell erleuchteten Tanzsaal , woran sich ein Souper in dem Staatszimmer , am Ausgange der Porzellangalerie , anschloß . Als die Königin eben in das Staatszimmer eintrat , bemerkte sie durch die hohen , gegenübergelegenen Fensterflügel , wie es plötzlich , inmitten des dunklen Parks , wie ein Flammenbaum aus der Erde wuchs . Immer deutlicher gestaltete sich das Bild , bis es endlich wie ein feuriger Laubengang dastand , der an höchster Stelle eine Krone und darunter die Worte › Vivat Sophia Dorothea ‹ trug . « So lebte man 1745 in Oranienburg . Sechs Wochen später wurde die Schlacht bei