nach rechts ) ; da stand vor Jahresfrist noch das Remontedepot , einhundertundachtzig Pferde , alle schwarz . « » Und es schlug ein ? « » Es schlug ein und es gab ein Wetter , wie ich es hier nicht wieder haben möchte , und doch war es zugleich eine Stunde , daß mir das Herz im Leibe lacht , wenn ich daran denke . Da habe ich gesehen , was ein preußischer Futtermeister ist . « » Ein Futtermeister ? « » Ja , solch Remontedepot , müssen Sie wissen , hat einen Wachtmeister von altem Schrot und Korn , der regiert das Ganze ; er ist wie ein kleiner König . Und ich sage Ihnen , dieser Futtermeister , ... nun , der verstand es . Das Remontedepot hatte acht Türen . Als nun das Wetter über uns stand und die ersten Blitze herunterfuhren , stellte er seine acht Knechte an die acht Eingänge , sich selber aber mitten auf diesen Platz da . Da stand er wie ein Feldherr , während das Feuer in breiten Scheiben niederfiel . › Kerls ‹ , schrie er , › wenn ich rufe : Vorwärts , Türen auf ! dann ist ' s Zeit , dann hat ' s eingeschlagen ‹ . So vergingen wohl zehn Minuten ; die Blitze ließen nach , ein Hagelwetter kam , Körner wie die Taubeneier . Mit einem Mal schwieg auch das ; der Hagel war wie abgeschnitten . Aber im nächsten Augenblick › Krach ‹ und der Blitz lief über den First hin . › Vorwärts ! ‹ Alle Türen flogen auf ; die Schloßen fielen nieder wie ausgeschüttet , und im nächsten Moment jagten die einhundertundachtzig schwarzen Pferde an mir vorbei , hier über die Brücke hin , in die Bütenheide hinein , auf Pausin zu . Zwölf Minuten später hatten wir die Spritzen hier ; denn als die einhundertundachtzig schwarzen Pferde wie die wilde Jagd durchs Dorf jagten , da wußten die Pausiner , was los war . › Das Remontedepot brennt ‹ und heidi ging es in den Wald hinein , auf das Depot zu . Solch Wettfahren hat die alte Bütenheide ihr Lebtag nicht gesehen . Ein schöner Tag war es , aber ich mag ihn nicht wieder erleben . « 3. Die Königseiche 3. Die Königseiche Man sieht noch am zerhaunen Stumpf , Wie mächtig war die Eiche . Uhland Diese Erzählung konnte nicht umhin , uns leise daran zu mahnen , daß wir noch einen Teil unserer Wanderung vor uns hätten , ein letztes Drittel , einen Schlußabschnitt , den es auf alle Fälle gut sei hinter sich zu haben , umso mehr als das sich ansammelnde grelldurchleuchtete Gewölk am Himmel das Einbrechen eines Brieselanggewitters nicht geradezu unwahrscheinlich machte . Ein Wind machte sich auf , das Gewölk zerstreute sich wieder , die Schwüle ließ nach ; so ging es vorwärts . Als wir den entgegengesetzten Waldrand nahezu erreicht hatten , nahm unser Führer die Tete und brach mit dem Kommando » halb rechts « in das Unterholz der Bütenheide ein . Es schien undurchdringliches Gestrüpp , bald aber lichtete es sich wieder und in eine breite , durch den Forst gehauene Avenue tretend , hatten wir die Königseiche auf etwa dreihundert Schritte vor uns . Wir ließen sie zunächst als ein Ganzes auf uns wirken . Sie steht da , wie ein Riesenskelett mit gen Himmel gehobenen Händen . Die Avenue hat ganz den Charakter eines feierlichen Aufgangs , einer Trauerallee , die zu einem Denkmal oder Mausoleum führt . Erst ein Weißbuchen- , dann immer schmaler werdend ein Weißdornspalier , bis die Avenue in einen tannenumstellten Kreis mündet , aus dessen Mitte die » Königseiche « aufsteigt . Sie führt ihren Namen mit Recht . Es ist ein majestätischer Baum , acht Fuß Durchmesser , achtzig bis hundert Fuß hoch ; man braucht zwanzig Schritt , ihn zu umschreiten . Sein Holzinhalt wird auf fünfundzwanzig Klafter und sein Alter auf tausend Jahre berechnet . Bis vor kurzem lebte er noch ; seit etwa drei Jahren indes ist er völlig tot , nirgends ein grünes Blatt , die Rinde halb abgefallen . Aber noch im Tode ist er gesund . Alles Kernholz . Die Forstleute sagen : er steht noch hundert Jahr . Dem wird jeder zustimmen , der die » Königseiche « sieht . Auf einen Laien macht sie den Eindruck , als halte sie nur einen langen Winterschlaf , als brauche sie dazu mehr Zeit als junge Bäume und müsse deshalb ein paar Sommer überschlagen , aber als sei ihr Erwachen unter allen Umständen gewiß und als würde es binnen kurzem im ganzen Brieselang heißen : sie lebt wieder . Eine Welt von Getier bewohnt die alte Eiche . Der Bockkäfer in wahren Riesenexemplaren hat sich zu Hunderten darin eingenistet ; am ersten großen Ast schwärmen Waldbienen um ihren Stock , und im kahlen Geäst , höher hinauf , haben zahllose Spechte ihre Nestlöcher . In den Tagen sich regenden deutschen Geistes , in den Tagen Jahns und der Turnerei , wurde die Eiche Wanderziel und Symbol . Dies war ihre historische Zeit . Damals vereinigte man sich hier , gelobte sich Treue und Ausharren und befestigte in Mittelhöhe des Stammes die Inschrifttafel , die bis diese Stunde dem Baum erhalten worden ist . Die Inschrift selbst aber , die um des Kaisergedankens willen , den sie ausspricht , in diesem Augenblicke wieder ein besonderes Interesse gewährt , ist die folgende : Sinnbild alter deutscher Treue , Das des Reiches Glanz gesehn , Eiche , hehre , stolze , freie , Sieh , Dein Volk wird auferstehn . Brüder , alle die da wallen Her zu diesem heil ' gen Baum , Laßt ein deutsches Lied erschallen Auf dem altgeweihten Raum : Wie in Sturmeswehn die Eiche , Stehet fest bei Treu und Recht , Einend schirme alle Zweige Einer Krone Laubgeflecht 15 Außer diesen Turnerfahrten scheint die Eiche , vorher und nachher , nicht allzuviel gesehen und erlebt zu haben . Sie lebte wie so mancher Alte , still und abgeschieden . Ein beständiges Gleichmaß in beständigem Wechsel . Auf Sommerdürre folgten die Stürme , dann fiel Schnee , dann war alles Sumpf und Bruch , dann wieder Sommerdürre ; – so kamen die Jahre , so gingen sie . Nichts geschah . Es gibt Holunderbäume in Pfarrgärten , die in fünfzig Jahren mehr gesehen haben , als die große Eiche in fünfhundert . Nur die letzten Jahrzehnte schufen einen Wandel : Landpartien und Berliner kamen . Es handelte sich jetzt für uns darum , ihr ein besonderes Zeichen unserer Huldigung zu geben . Ein dreimaliges Hurra erschien uns für unsere zivilen Verhältnisse teils zu prätentiös , teils unausreichend . Aus dieser Verlegenheit indes sollten wir alsbald gerissen werden ; – unser Reisegefährte hatte alles bereits sinnig erwogen . Er nahm seine umsponnene Flasche , füllte ein Glas mit rotgoldenem Kap-Konstantia-Wein , trat vor und sprach : » Eiche , tausendjährige , sei uns gegrüßt ! Hier hat der Wende gelagert und der Berliner , und allerlei Wein , fränkischer und deutscher , nicht minder die › gebrannten Wasser ‹ beider Indien , Jamaikas und Goas , sind dir zu Ehren an dieser Stelle verschüttet worden . Aber ob Südafrika , ob Mohrenland von jenseits der Linie , dir je gehuldigt , das ist mindestens fraglich . Empfange denn die Gabe aus Gegenden , in denen nur Freiligrath und der Kaffer › einsam schweift durch die Karroo ‹ , empfange diesen Tropfen Kap Konstantia ; – die Hänge des Tafelberges grüßen dich und den Brieselang ! « Damit goß er den Kapwein ihr zu Füßen . Wir schwenkten die Hüte , stimmten Lieder an von Arndt und Körner und machten uns auf den Rückweg . Im Fluge . Denn immer bedrohlicher zog sich ' s über uns zusammen und kein Wind machte sich mehr auf , das Gewölk zu zerstreuen . So ging es an den alten Stätten vorbei , am Forsthaus , am Remontedepot , an dem Elsbusch , aus dem uns Lampe , der » Jäger « , so bedrohlich entgegengetreten war . Als wir Finkenkrug erreichten , war es die höchste Zeit , wenn uns daran lag , mit den Extrazüglern , die eben in Sektionen formiert aufbrachen , den Rettungshafen der Eisenbahn zu gewinnen . Musik vorauf , so ging es durch die letzte Waldstrecke . Die Pauke tat wieder ihr Äußerstes , als plötzlich einer rief : Pauke still ! Und sie schwieg wirklich . Über das weite Himmelsgewölbe hin rollte der erste Donner . In den Wipfeln begann ein unheimliches Wehen , die obersten Spitzen brachen fast . » Rasch , rasch « , hieß es , » Laufschritt « ; alles drängte durcheinander , » sauve qui peut « und der Zug , der schon hielt , wurde im Sturm genommen . In demselben Augenblick aber brach es los ; die Blitze fuhren nieder , das Gekrach überdröhnte das Gerassel des Zuges ; wie ein Wolkenbruch fiel der Regen . Als wir eine Stunde später im klapperigen Gefährt über die Alsenbrücke fuhren , auf den Tiergarten zu , stand das Wasser in Lachen und Lanken . Wer um diese Zeit vom Finkenkrug bis zur » Königseiche « gewandert wäre , der hätte wohl den Brieselang gesehen wie vor tausend Jahren ! Der Eibenbaum im Parkgarten des Herrenhauses Der Eibenbaum im Parkgarten des Herrenhauses Die Eibe Schlägt an die Scheibe , Ein Funkeln Im Dunkeln . Wie Götzenzeit , wie Heidentraum Blickt ins Fenster der Eibenbaum . Nicht voll so alt wie die Brieselangeiche , von der ich im letzten Kapitel erzählt habe , aber doch auch ein alter , oder sehr alter Baum ist die Eibe , die in dem Parkgarten hinter dem Herrenhause steht . Von ihr will ich , einschaltend , an dieser Stelle erzählen . Der Stamm dieses Baumes , wie es seiner Art 16 in den Marken keinen zweiten gibt , ist etwa mannsdick , und die Spannung seiner fast den Boden berührenden Zweige wird dreißig Fuß sein . Die Höhe beträgt wenig mehr . Aus der Dicke des Stammes hat man das Alter des Baumes berechnet . Man kennt Taxusbäume , die nachweisbar zweihundert bis dreihundert Jahre alt sind ; diese sind wesentlich kleiner und schwächer als der Baum , von dem ich hier spreche . Man kennt ferner einen Taxusbaum , ( bei Fürstenstein in Schlesien ) , der nachweisbar tausend Jahr alt ist , und dieser eine ist um ein gut Teil höher und stärker als der unsrige . Dies läßt für diesen auf ein Alter von fünfhundert bis siebenhundert Jahren schließen , und das wird wohl richtig sein . Dieser unser Taxusbaum war vor einhundert oder einhundertundzwanzig Jahren eine Zierde unseres Tiergartens , der damals bis an die Mauerstraße ging . Als später die Stadt in den Tiergarten hineinwuchs , ließ man in den Gartenstücken der nach und nach entstehenden Häuser einige der schönsten Bäume stehen , ganz in derselben Weise , wie man auch heute noch verfahren ist , wo man die alten Elsen und Eichen von » Kemperhof « wenigstens teilweise den Villen und Gärten der Viktoriastraße belassen hat . Unser Taxusbaum , jahrhundertelang ein Tiergartenbaum , wurde , ohne daß er sich vom Fleck gerührt hätte , in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein Gartenbaum . Und noch etwa zwanzig Jahre später tritt er aus seiner bis dahin dunklen Vergangenheit in die Geschichte ein . Zu Anfang dieses Jahrhunderts gehörten Haus und Garten dem Generalintendanten von der Recke , der öfters von den Königlichen Kindern , zumal vom Kronprinzen , dem späteren König Friedrich Wilhelm IV. , Besuch empfing . Der Kronprinz liebte diesen von der Reckeschen Garten ganz ungemein ; es wurde ein bevorzugter Spielplatz von ihm , und der alte Taxusbaum mußte herhalten zu seinen ersten Kletterkünsten . Der Prinz vergaß das dem alten Eibenbaume nie . Wer überhaupt dankbar ist , ist es gegen alles , Mensch oder Baum . Vielleicht regte sich in dem phantastischen Gemüte des Knaben auch noch ein anderes ; vielleicht sah er in dem schönen , fremdartigen Baume einen Fremdling , der unter märkischen Kiefern Wurzel gefaßt ; vielleicht war er mit den Hohenzollern selbst ins Land gekommen , und es wob sich ein geheimnisvolles Lebensband zwischen diesem Baum und seinem eignen fränkischen Geschlecht . War es doch selbst an dieser Stelle erschienen , wie eine hohe Tanne unter den Kiefern . Das von der Reckesche Haus wurde verkauft ( ich weiß nicht , wann ) und die Mendelssohns kauften es . Sie besaßen es erst kurze Zeit , da gab es eine hohe Feier hier : die Freiwilligen zogen aus und ein Abschiedsfest versammelte viele derselben in diesem Garten . Eine lange Tafel war gedeckt und aus der Mitte der Tafel wuchs der alte Eibenbaum auf , wie ein Weihnachtsbaum , ungeschmückt – nur die Hoffnung sah goldne Früchte in seinem Grün . Und diese Hoffnung hatte nicht gelogen . Der Friede kam , und die heiteren Künste scharten sich jetzt um den Eibenbaum , der , ernst wie immer , aber nicht unwirsch dreinschaute . Felix Mendelssohn , halb ein Knabe noch , hörte unter seinem mondlichtdurchglitzerten Dach die Musik tanzender Elfen . Doch wieder andere Zeiten kamen . Vieles war begraben , Menschen und Dinge ; da zog sich auch über dem Eibenbaum ein ernstes Wetter zusammen . Wer weiß , was geschehen wäre , wenn nicht des Eibenbaumes bester Freund noch gelebt hätte . Der lenkte den Strahl ab . 1852 brannte die damals in der Oberwallstraße gelegene » Erste Kammer « nieder ; das Mendelssohnsche Haus , samt Garten und Eibenbaum , wurde gekauft und das Preußische Oberhaus hielt seinen Einzug an neuer Stelle . Niemand ahnte Böses . Da ergab es sich , daß die Räumlichkeiten nicht ausreichten , und ein großes , neu zu errichtendes Hintergebäude sollte den fehlenden Raum schaffen . So weit war alles klipp und klar , wenn nur der Eibenbaum nicht gewesen wäre . Der bereitete Schwierigkeiten , der » beherrschte die Situation « . Einige , mutmaßlich die Baumeister , wollten zwar kurzen Prozeß mit ihm machen und ihm einfach den Kopf vor die Füße legen . Aber die hatten es sehr versehen . Sie erfuhren bald zu ihrem Leidwesen , welch hohen Fürsprecher der Baum an entscheidender Stelle hatte . Was war zu tun ? Der Baum stand just da , wo das neue Gebäude seinen Platz finden sollte . 1851 in London hatte man über zwei alte Hydeparkbäume die Kuppel des Glaspalastes ruhig weggeführt und die Einweihungsfeier unter grünem Dach und zwitschernden Vögeln gehalten ; aber der alte Eibenbaum im Sitzungssaale des Herrenhauses , – das ging doch nicht . Man kam also auf die Idee einer Verpflanzung . Der König bot Sanssouci , der Prinz von Preußen Babelsberg zu diesem Behufe an . Wer wäre nicht bereit gewesen , dem Alten eine Stätte zu bereiten ! Konsultationen wurden abgehalten und die Frage aufgeworfen , » ob es wohl ginge ? « Aber selbst die geschicktesten Operateure der Gartenkunst mochten keine Garantie des Gelingens übernehmen . So wurde denn der Plan einer » Verpflanzung im großen « aufgegeben und statt dessen die Idee einer Verschiebung , einer Verpflanzung im kleinen aufgenommen . Man wollte den Baum loslösen , den Garten abschrägen und nun den losgelösten Baum , mit Hilfe der Schrägung , bis mitten in den Garten hineinschieben . Aber auch diese Prozedur wurde , als zu bedenklich , ad acta gelegt und endlich beschlossen , den Baum am alten Platze zu lassen . Da unser Freund nicht in der Lage war , sich den Baumeistern zu bequemen , so blieb diesen nichts übrig , als ihrerseits nachzugeben und die Mauern des zu bauenden Hauses an dem Baume entlang zu ziehen . Man hat ihm die Mauer empfindlich nahe gerückt , aber der Alte , über Ärger und Verstimmung längst weg , reicht ruhig seine Zweige zum Fenster hinein . Ein Gruß , keine Drohung . Seine Erlebnisse indes , auch seine Gefährdungen während der Bauzeit , sind hiermit noch nicht zu Ende erzählt . Während des Baues ( so hatte es der hohe Fürsprecher gewollt ) war der Baum mit einem Brettergerüst umkleidet worden , in dem er ziemlich geborgen stand , eine Art Verschlag , der die hübsche Summe von dreihundert Talern gekostet hatte . Der Freund in Sanssouci gab es gern für seinen Freund im Reckeschen Garten . Der Verschlag war gut gemeint und tat auch seine Dienste . Aber er tat sie doch nicht ganz . Mauerstaub und Berliner Staub dringen überall hin und finden jeden feinsten Spalt aus , wie Luft und Licht . Als endlich das Haus stand und mit dem Baugerüst zugleich auch der Verschlag des Baumes fiel , da ging ein Schrecken durch alle Herzen – der Eibenbaum war weiß geworden . Wie Puder lag der Mauerstaub auf allen Ästen und Zweigen . Was war zu tun ? Gefahr war im Verzuge ; der Besuch des Königs stand nahe bevor . Da trat ein leuchtender Gedanke auf die Lippe des einen der Geängstigten und er sprach : Feuerwehr ! Sie kam , ganz still , ohne Geklingel , und mit kunstvoll gemäßigtem Strahl wusch sie jetzt den Staub von dem schönen Baume ab , der nun bald schöner und frischer dastand , als je zuvor . Er trieb neue Zweige , als ob er sagen wollte : » Wir leben noch « . Frisch und grün , wie der jüngsten einer , so steht er wieder da , schön im Sommer , aber am schönsten in Dezembernächten , wenn seine obere Hälfte sich unter dem Schnee beugt , während unten die Zweige wie unter einem Dache weitergrünen . Dies Schneedach ist sein Schmuck und – sein Schutz . Das zeigte sich vor einigen Jahren . Der Schnee lag so dicht auf ihm , daß es schien , seine Oberzweige würden brechen . Mißverstandene Sorgfalt fegte und kehrte den Schnee herunter ; da gingen im nächsten Sommer einige jener Zweige aus , denen man mit dem Schneedach ihr warmes Winterkleid genommen hatte . Aber er hat es überwunden und grünt in Frische weiter , und wenn ihm wieder Gefahren drohen , so oder so , möge unser Eibenbaum immer einen treuen Freund haben , wie in alter Zeit . Dies Vorstehende wurde im Herbst 1862 geschrieben ; in den Jahren , die seitdem vergangen sind , sammelte ich Material über allerhand » alte Bäume « , insonderheit auch über Eibenbäume , und ich lasse zunächst folgen , was ich darüber in Erfahrung brachte . Die Eibe , so scheint es , steht auf dem Aussterbeetat der Schöpfung . Wie bekanntlich im Laufe der Jahrtausende ganze Tiergeschlechter von der Erde vertilgt worden sind , so werden auch Baumarten ausgerottet , oder doch nahezu bis zum Erlöschen gebracht . Unter diesen steht die Eibe ( Taxus baccata ) mit in erster Reihe . Einst in den Wäldern von ganz Europa , Nord und Süd , so häufig wie der Auerochs , das Elentier , begegnet man ihr in unseren Tagen nur noch ausnahmsweise . In Hecken und Spalieren trifft man kleinere Exemplare allerdings noch an , am häufigsten in Anlagen nach französischem Geschmack , aber große , imponierende Exemplare sind selten . Vor der waldvernichtenden Axt älterer Ansiedler und neuer Industrieller haben sich nur einzelne knorrige Taxusbäume retten können , die jetzt , wo wir ihnen begegnen , ein ähnliches Gefühl wecken wie die Ruinen auf unseren Bergesgipfeln . Zeugen , Überbleibsel einer längst geschwundenen Zeit . In Mitteldeutschland ist dieser Baum jetzt schon recht selten , obwohl es bekannt ist , daß er hier , wie in ganz Europa , noch vor einem halben Jahrtausend allgemein vorkam . Zu Cäsars Zeiten war er , wie uns dieser gelehrte Feldherr selbst erzählt , sowohl in Gallien als in Germanien in großer Menge überall anzutreffen . Man findet in Thüringen nur noch einzelne verkrüppelte und verstümmelte Bäume . An einem einzigen Orte jedoch haben sie sich zahlreicher erhalten , nämlich am Veronikaberge bei Martinroda , unweit Ilmenau , wo noch zwanzig bis dreißig Fuß hohe Individuen mit einem Stammdurchmesser von 1 bis 11 / 4 Fuß stehen . Daß die Eibe in Thüringen ehemals einen wesentlichen Bestandteil der Wälder aus gemacht habe , ergibt sich aus den Ortsnamen » Ibenhain « , » Taxberg « , » Eiba « und anderen . Die ältesten und schönsten Exemplare dieses einst auch in Griechenland und Italien häufig gewesenen Nadelbaumes trifft man heutzutage noch in England an , besonders auf Friedhöfen , wo einzelne auf mehr als zweitausend Jahre geschätzte Stücke von prachtvollem Ansehen sich finden . 17 Der Taxus ist in England der Baum der Trauer , wie die Zypresse in den Mittelmeerländern und die Trauerweide in Deutschland . » Albero della morte « nennen ihn übrigens auch die heutigen Italiener . Eine große , zum Teil noch nicht völlig aufgeklärte Rolle spielte die Eibe in dem Mythus der germanischen und keltischen Völker , von der sich Nachklänge noch in manchen bis heute üblichen Gebräuchen erhalten haben . Wie der deutsche Name Eibe von dem gotischen aiw ( ivi ) , ewig , herrührt , weil der Baum immer grün ist , und das keltische Wort yw ( eiddew ) dieselbe Wurzel hat , so war dieser während des langen und schneereichen nordischen Winters im frischen Blattschmuck prangende Baum in Britannien und Skandinavien den ewigen Göttern geweiht , Die Druiden hatten bei ihren Heiligtümern ganze Haine davon , und manche in Cäsars Zeiten hinaufragende alte Eiben Englands mögen ehrwürdige Reste aus solchen heiligen Hainen sein . In der Nähe des berühmten heidnischen Tempels bei Upsala in Schweden stand ebenfalls , wie A. Krantz erzählt , » ein gewaltiger Baum mit dicht belaubten Zweigen , ebenso grün im Winter wie im Sommer ; niemand kannte seine Art. « Sehr wahrscheinlich war es eine Eibe . Daß dieser Baum in alter Zeit für heilig und geheimnisvoll gehalten wurde , ergibt sich aus gar vielen noch jetzt fortlebenden Bräuchen . In den östlichen Schären Skandinaviens wird die Eibe allgemein zu Maschenbrettern beim Netzstricken benutzt , weil man glaubt , daß alle Netze , welche über Bretter aus diesem Holze gestrickt worden sind , Glück beim Fischfang bringen . Aber nicht bloß für glückbringend und heilig , auch für geeignet zu geheimnisvollem Zauber und selbst zu teuflischem Beginnen galt und gilt noch der Eibenbaum . Daher fehlen in der Macbethschen Hexenküche neben dem Auge des Wassermolchs , dem Fledermaushaar , Eidechsbein und Käuzchenflügel und der gegabelten Natterzunge auch nicht » Eibenzweige , abgerissen Bei des Mondes Finsternissen . « In Thüringen heißt es , daß die › Ife ‹ ( Eibe ) gegen Viehbezauberung schütze . Die Hälfte der Bewohner des Dorfes Angelroda bei Arnstadt , in dessen Nähe Eibensträuche noch ziemlich häufig sind , zieht an einem bestimmten Tage des Jahres hinaus und bricht sich Taxuszweige ab , um sie in die Viehställe zu stecken ! Im Spessart meint man , daß ein Stück Eibenholz , am Körper getragen , allen Zauber vertreibe . Das Volk sagt dort : » Vor der Euwe , ka Zauber bleibe . « Im Altertum wurde die Eibe ihres elastischen und festen Holzes wegen vorzüglich zu Bogen verwendet . Ebenso machte man Pfeile aus deren zähem Kernholz . Während des ganzen Mittelalters gab so der Eibenbaum den Stoff für die vorzüglichsten Kriegswaffen ab , besonders in England und Schweden . Auch Uller , der nordische Jagdgott , hatte nach der Edda einen Eibenbogen ( altnordisch ybogi ) . Heutzutage wird das rote oder purpurbraune Kernholz der Eibe zu viel friedlicheren und prosaischeren Gegenständen verarbeitet , namentlich zu Faßpipen . Besonders in Ungarn werden aus dem dort sogenannten » Theißholz « ( » tisza-fa « , welcher Name aber nicht auf die Theiß bezogen werden sollte , sondern slawischen Ursprungs ist , da die Eibe slawisch tis heißt ) viele Haus- und Wirtschaftgegenstände verfertigt und zahlreiche Pipen aus Eibenholz in den Handel gebracht . In modernem Englisch heißt die Eibe yew , der Efeu ivy ; dieses deutsch , jenes keltisch . Beide Wörter ( vgl. oben ) bedeuten » immergrün « . Ich kehre , nach dieser Exkursion in die Eibenwelt im allgemeinen , zu unserer Eibe im besonderen , im Herrenhausgarten , zurück Auch an ihr gingen die letzten Ruhmesjahre preußischer Geschichte nicht unbeachtet vorüber , ja einen der schönsten Tage feierte sie mit . Noch wichtiger , sie bereitete der Feier die Stätte . Unter ihrem Dache gab am 20. September 1866 das Herrenhaus dem siegreich heimkehrenden Heere ein Festmahl . Der König saß unmittelbar rechts neben dem Eibenstamm und sah den Mittelgang des Gartens hinunter . Das Schrägdach des Leinwandzeltes war in geschickten Verschlingungen , streifenweise , durch das Gezweig der Eibe gezogen ; rings umher brannte das Gas in Sonnen und Sternen , ein Anblick , von dem der alte Baum in seinen Jugendtagen schwerlich geträumt haben mochte . Als das Fest auf seiner Höhe war , erhob sich Graf Eberhard Stolberg zu einer Ansprache , begrüßte den König und schloß dann prophetisch fast : » und sollten Euer Majestät noch einmal zu den Waffen rufen , so wird Ihr Volk , wie es jetzt für seinen König geblutet und gesiegt hat , neue Taten mit eisernem Griffel in das Buch unserer glorreichen Geschichte schreiben . « Der König antwortete : » ... Sie wissen nicht , wie schwer es einem Fürsten wird , das Wort › Krieg ‹ auszusprechen . Es war ein gewagter Krieg ... Die Armee hat alle meine Erwartungen übertroffen ... Ich nehme gern die Gelegenheit wahr , derselben meinen Dank zu sagen ; zuerst Meinem Sohne , hier zu meiner Rechten , Meinem Neffen Friedrich Karl , den kommandierenden Generalen , unter denen ich einen schmerzlich vermisse . ( Wahrscheinlich Hiller von Gärtringen . ) Auch Ihnen , Graf Stolberg . « Das war im Herbst 1866 . Dem siegreichen Kriege , als eigentlichste Schöpfung desselben , folgte , das Jahr darauf , der » Norddeutsche Reichstag « , der , von 1867 bis 1870 in den Räumen des Herrenhauses tagend , auch nun seinerseits in Beziehungen zu unserem alten Eibenbaume trat . In die heitersten . Die Debattenflüchtlinge , sooft es das Wetter erlaubte , pflegten hier zu tagen , und während drinnen im Saale der Redner noch nach Beifall rang , unterlag er hier draußen bereits einer zersetzenden Kritik . Der Witz goß seine Lauge unter dem Eibenbaume aus . Aber er , der Alte , an dem so viele Zeiten ihre Eigenart versucht hatten , überdauerte auch das und eben jetzt ( 15. Mai 1872 ) haben alle seine Zweige neue Schößlinge getrieben , die , hellgelblich schimmernd , fast wie Holunderdolden auf dem dunklen Untergrunde liegen und den schönen Baum schöner und frischer erscheinen lassen , denn je zuvor . Schloß Oranienburg Burg und Jagdhaus Bötzow von 1200 bis 1650 Burg und Jagdhaus Bötzow von 1200 bis 1650 Wann Burg Bötzow gegründet wurde , ist nicht genau ersichtlich , wahrscheinlich zwischen 1170 und 1200 von einem der unmittelbaren Nachfolger Albrechts des Bären . 1217 ist urkundlich von einer Feldmark zu Bötzow die Rede , aber freilich erst 1288 von einer Burg zu Bötzow . Nichtsdestoweniger ist der Schluß berechtigt , daß sie schon volle hundert Jahre früher existierte . Öfter genannt wird die Burg zu den Zeiten des Markgrafen Waldemar ; Leben und Farbe jedoch erhalten die Überlieferungen erst zu Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts während der Quitzowzeit . Versuch ich es , in kurzen Zügen ein Bild jener Epoche zu geben ? 1402 war Bötzow eine markgräfliche oder kurfürstliche Burg , die durch einen Burgvogt im Namen des Markgrafen Jobst von Mähren , oder vielleicht auch seines Statthalters , Günther von Schwarzburg , gehalten wurde . Das Elend des Landes stand damals auf seiner Höhe ; wie ein hingeworfener Fetzen lag es da , von dem jeder Nachbar , ja jeder ehrgeizige Vasall im Lande selbst , glaubte nehmen zu dürfen , was ihm gut erschien . Sie hatten es samt und sonders leicht genug ; um aber noch sicherer und bequemer zu gehen , vereinigten sie sich zu gemeinschaftlichen Angriffen , nachdem die Verteilung der Beute zuvor festgesetzt worden war . Im genannten Jahre ( 1402 ) kam es zu einer Art von nordischem Bündnis gegen die offen daliegende Mark , zu einer Liga , die aus den Herzögen von Mecklenburg und Pommern , sowie aus den Ruppinschen Grafen bestand , deren Seele jedoch die Quitzows waren . Die letzteren , wiewohl selber Lehnsträger des Markgrafen , verfolgten , politisch genommen , den richtigen und gut zu heißenden Plan , sich in dem immer herrenloser werdenden Lande schließlich selber zum Herrn zu machen , und die Bündnisse , die sie schlossen , dienten ihnen nur als Mittel zum Zweck . Die Völker dieser Liga fielen endlich in die Mark ein , sengten und plünderten , wohin sie kamen , erstürmten Burg Bötzow und legten anstelle der märkischen nunmehr eine pommersche Besatzung in die Burg . Die Mark , nachdem die kurfürstliche Autorität durch diese Vorgänge , besonders aber infolge der Gefangennahme des Statthalters Günther von Schwarzburg ( durch die Quitzows 1404 ) einen Schlag nach dem andern erfahren hatte , suchte endlich eine Aussöhnung mit ihren gefährlichsten Gegnern , den Quitzows , herbeizuführen und war in ihren Verhandlungen – vielleicht eben deshalb , weil die beiden Brüder ein ebenso feines wie kühnes Spiel spielten – glücklich genug , diese selbst und ihren nächsten Anhang auf ihre Seite zu ziehen . Burg Bötzow wurde nun abermals gestürmt , diesmal von den Märkern , und die gefangenen Pommern im Triumph nach Berlin geführt . Eine Quitzowsche Besatzung , aber keine kurfürstliche , ward in die Burg gelegt . Von da ab , auf fast zehn