zu Tag nur schwieriger , das Geld blieb aus und unser Fieberkranker , dem kräftige Speisen verordnet waren , mußte von Semmel und Weintrauben leben . Wer weiß , was geworden wäre , wenn nicht der Hauswirt , voll jenes Zartsinns , von dem die Italiener trotz aller Vetturine doch auch ihre Proben geben , sich ins Mittel gelegt und von freien Stücken offeriert hätte , » bis auf weiteres mit seiner Küche vorliebnehmen zu wollen . « Dies geschah und – endlich kam das Geld . Schinkel und sein Reisegefährte ( Steinmeyer ) bestellten nun eine gebratene Ente , worauf der Italiener lachend erwiderte : capisco , i denari son ' venuti . Die Rückreise nach Deutschland ging über Paris , dessen jedoch in den betreffenden Briefen nur flüchtig Erwähnung geschieht ; die Sehnsucht , nach fast zweijähriger Abwesenheit , stand wieder nach der Heimat und Ende Januar 1805 war er zurück . Hier bot sich für seine Wirksamkeit als praktischer Architekt vorläufig wenig , und durch die unglückliche Katastrophe , die das Jahr darauf hereinbrach , wurde vollends alle Aussicht gestört . Dies war ein Unglück . Waagen indes äußert sich dahin , daß das , was anfänglich unbedingt als eine schwere Fügung des Schicksals erscheinen mußte , schließlich der mehrseitigen Entwickelung Schinkels fördersam gewesen sei und auf seine reifere Ausbildung zum praktischen Architekten den wohltätigsten Einfluß ausgeübt habe . Wir lassen dies dahin gestellt sein und verzeichnen unsererseits nur die Tatsache , daß unser Ruppiner Superintendentensohn , den wir uns gewöhnt haben als Architekten und nur als solchen zu kennen und zu bewundern , daß unser Schinkel , sag ' ich , zum Teil der eigenen Neigung , aber mehr noch dem Zwange gebieterischer Umstände nachgebend , zehn Jahre lang ( von 1805 bis 1815 ) vorwiegend ein Landschaftsmaler war . Er malte große hochpoetische Landschaften in Öl , vor allem jenen reichen Zyklus perspektivisch-optischer Bilder ( meist für die Gropiusschen Weihnachtsausstellungen ) , worin er fast aus allen Teilen der Welt das Schönste und Interessanteste vor den staunenden Augen seiner Landsleute entrollte : Ansichten von Konstantinopel , Nilgegenden , die Kapstadt , Palermo , Taormina mit dem Ätna , den Vesuv , die Peterskirche , die Engelsburg und das Kapitol in Rom , den Mailänder Dom , das Chamonixtal , den Markusplatz , den Brand von Moskau , die Leipziger Schlacht , Elba , St. Helena usw. Vor allem verdienen hier die 1812 für das kleinere Gropiussche Theater gemalten » Sieben Wunder der alten Welt « einer besonderen Erwähnung . Sie gaben ihm eine erwünschte Gelegenheit , neben der vollen Entfaltung seines malerischen Geschicks , sich auch als genialen Architekten aufs glänzendste zu bewähren . Franz Kugler nannte diese Arbeiten » die geistreichsten Restaurationen der Wunderbauten des Altertums . « Auch Staffeleibilder in großer Zahl entstanden um diese Zeit : Landschaften in Öl , Gouache , Aquarell und Sepia . Er entwickelte auf diesem Gebiet eine Vielseitigkeit , wie die Kunstgeschichte sonst kein Beispiel aufweist , so daß er nach der Meinung Waagens als der mutmaßlich größte Landschaftsmaler aller Zeiten dastehen würde , wenn er die Technik der alten Meister besessen und seine ganze Kraft diesem Fache hätte zuwenden können . Denn er vereinigte das lebhafte und innige Gefühl für die bescheidenen , anspruchslosen Reize einer nordischen Natur , welche uns die Bilder eines Ruisdael , eines Hobbema so anziehend machen , mit dem Liniengefühl und dem Sinn für zauberhafte Beleuchtung eines Claude Lorrain . Andere seiner Bilder erinnern durch eine gewisse Klassizität und kühle , harmonische Farbenwirkung an die Landschaften Nikolaus Poussins . Was uns , die wir die Mark durchreisen und beschreiben , mit besonderer Genugtuung erfüllt , ist der Umstand , daß die herrlichen Gegenden des Südens , in denen er so lange geschwelgt , ihn nicht unempfindlich für die Reize seiner märkischen Heimat gemacht hatten . Er verachtete unsere Landschaft keineswegs , wie so viele tun , die sich dadurch das Ansehen feineren Kunstverständnisses zu geben vermeinen . Neben Palermo oder Taormina malte er » die Oderufer bei Stettin « , und selbst » Stralau und die Spree « erschienen seinem Künstlerauge nicht zu gering . Alle unsere großen Landschafter haben in diesem Punkte empfunden wie Schinkel . Ich nenne nur Blechen , anderer jüngerer , wie Riefstahl und Bennewitz von Loefen zu geschweigen . Vieles von den zahlreichen Arbeiten jener Epoche – namentlich alles bloß Dekorative , für eine bestimmte Gelegenheit Entworfene – ist verlorengegangen , anderes ist in den Schlössern und Herrenhäusern der Mark zerstreut , in denen ich , wie z.B. in Neu-Hardenberg , Steinhöfel , Radensleben und Friedrichsfelde einer ganzen Anzahl von Gouache- und Ölbildern begegnet bin . 24 Wie manches aber auch dem Auge entzogen oder verlorengegangen sein mag , das Wesentlichste , das er als Landschafter geleistet , ist unserer Hauptstadt erhalten geblieben , und die jetzt der National-Galerie zugehörige Wagnersche Sammlung bietet uns Gelegenheit , einen Einblick in die reiche schöpferische Kraft Schinkels auch als Maler zu tun . Die Technik ist seitdem eine andere geworden und die Schinkelsche Farbe , wie nicht geleugnet werden soll , hat zum Teil etwas kalkig-nüchternes , das uns heutzutage , wo wir an die Farbenzauber der Achenbachs gewöhnt worden sind , befremdlich ansieht , aber als stilisierte Landschaften sind sie schwerlich seitdem ihrem inneren Gehalte nach übertroffen worden . Bis hierher haben wir uns fast ausschließlich mit Schinkel dem Maler beschäftigt , der Friedensschluß von 1815 aber schuf einen plötzlichen Wandel , und von nun ab tritt der Baumeister in den Vordergrund . Es fällt diese Wandlung der Verhältnisse ( nachdem er übrigens schon 1810 in die Ober-Bau-Deputation berufen war ) mit seiner Ernennung zum Geheimen Oberbaurat zusammen . Man darf fast sagen , er wurde lediglich auf Vertrauen und Diskretion hin in diese Stellung eingeführt , denn noch war es ihm versagt geblieben , durch irgendeinen ausgeführten Bau von Bedeutung die Aufmerksamkeit oder gar die Bewunderung der Fachleute auf sich zu ziehen . Fünfundzwanzig Jahre lang , in runder Zahl von 1815 bis 1840 , war er nun als Baumeister im großen Stile tätig , und in eben diesem Zeitraume gelang es ihm , » Berlin – wie seine Verehrer sagen – in eine Stadt der Schönheit umzugestalten « , jedenfalls aber unserer Residenz im wesentlichen den Stempel aufzudrücken , den sie bis diese Stunde trägt . Denn auch das , was nach ihm gebaut worden ist , ist zu gutem Teile Geist von seinem Geist . Wenige Städte ( wenn überhaupt ) zeigen etwas Gleiches . In Hamburg , München , Petersburg liegen die Dinge doch anders , und selbst die London-City , die in gewissem Sinne als eine Schöpfung Christopher Wrens betrachtet werden darf , bietet nur ähnliches . Es verlohnt sich zu zeigen , worin der Unterschied liegt . Wenn man in London auf der Blackfriarsbrücke steht und neben der Kuppel von St. Paul die zweiundfünfzig Türme überblickt , die , bis an den Tower hin und darüber hinaus , das Häusermeer der City überragen , so darf man sagen , dies in Nebel und Sonne zauberhaft daliegende Stück London ist das Werk Christopher Wrens , – alles war niedergebrannt und auf dem Trümmerschutt des alten London fiel ihm die Aufgabe zu , ein neues London aufzurichten . Aber dennoch , wie schon angedeutet , stellt sich auch hier eine sehr wesentliche Verschiedenheit heraus . Was Wren für die London-City tat , war unendlich mehr und unendlich weniger . Wren hat der City nach außen hin eine bestimmte Physiognomie gegeben , was sich von Schinkel in bezug auf Berlin nicht sagen läßt . Eingetreten in beide Städte jedoch erkennen wir , daß Wren , den die großen Aufgaben des Kirchenbaues beschäftigten , ohne jeden bemerkenswerten Einfluß auf die Straßen und Häuser , auf die Details der Stadt geblieben ist , während dasselbe Berlin , das nach außen hin kaum einen einzigen Schinkelschen Zug verrät , in seinem Innern den Stempel Schinkels trägt . Inwieweit dies der Fall ist , das wird am ehesten erhellen , wenn ich einfach aufzähle , welche Häuser und Paläste , welche Brücken und Plätze wir der fünfundzwanzigjährigen baukünstlerischen Tätigkeit unseres Schinkels verdanken . Es sind : die Königswache , die Domkirche ( Restauration ) , das Kreuzbergmonument , das Monument für den General von Scharnhorst auf dem Invalidenkirchhof , das Schauspielhaus , das Potsdamer Tor und die Wachthäuser rechts und links neben demselben , das alte Museum samt Lustgarten und Springbrunnen , die Schloßbrücke samt ihren Statuen , die Friedrich-Werdersche Kirche , die vier Kirchen einerseits in Wedding und Moabit , andrerseits vor dem Rosentaler Tor und auf dem Gesundbrunnen , die Palais der Prinzen Karl und Albrecht , die neuen Packhofsgebäude , das Graf Redernsche Palais , die Einfahrt in die Neue Wilhelmstraße , die Sternwarte am Enckeplatz , die Bauschule . Bedeutsam wie diese Bauten sind – vorzüglich für den , der die Geschichte derselben verfolgt und die Schwierigkeiten in Anschlag bringt , die sich der Ausführung entgegenstellten – , so geben sie doch zum kleinsten Teile nur eine Vorstellung von der umfassenden und geradezu Staunen erregenden Tätigkeit , die Schinkel zunächst innerhalb der Hauptstadt und ihrer Umgebung 25 und im weiteren im Lande Preußens überhaupt entfaltete . Wenn wir uns annähernd ein richtiges Bild davon entwerfen wollen , welcher Art und welchen Umfanges sein Schaffen war , so müssen wir nicht allein das im Auge haben , was er widerstrebenden Gewalten gegenüber aus Berlin wirklich machte , sondern vor allem auch das , was er daraus machen wollte ; wir müssen in den Kreis seiner schöpferischen Tätigkeit alles das mit hineinziehen , was in hundert ausgeführten Blättern auf dem Papiere lebt , aber an der Ungunst der Zeiten scheiterte . An der Stelle , wo jetzt das Potsdamer Tor steht , sollte sich beispielsweise die große Friedenskathedrale zur Erinnerung an die Freiheitskriege erheben . Die Linden entlang gedachte er in Statuen und Denkmälern eine monumentale Siegesstraße zu ziehen , und an Stelle des alten Domes sollte ein wirklicher Dom hoch in die Luft steigen , glänzend genug , um sich den anderen Prachtbauten jenes Platzes würdig anzureihen . So waren die Pläne , aber nur die Mappen Schinkels geben Auskunft darüber , was damals alles gedacht , entworfen , erstrebt wurde . Das wenigste trat ins Leben . » Er diente einem sparsamen König in einer geldarmen Zeit . « Diese Mappen , die eigentlichste Hinterlassenschaft Schinkels , sind es , die uns ein Bild der Gesamttätigkeit des Meisters erschließen , einer Tätigkeit , die fast alle Gebiete des künstlerischen Lebens umfaßte . Gab es eine neue Spontinische Oper , wer anders als Schinkel konnte die Dekorationen , gab es ein fürstliches Begräbnis , wer anders als Schinkel konnte die Zeichnung zu Monument oder Grabstein entwerfen ? Das ganze Kunsthandwerk – dieser wichtige Zweig modernen Lebens – ging unter seinem Einfluß einer Reform , einem mächtigen Aufschwung entgegen . Die Tischler und Holzschneider schnitzten nach Schinkelschen Mustern , Fayence und Porzellan wurden Schinkelsch geformt , Tücher und Teppiche wurden Schinkelsch gewebt . Das Kleinste und das Größte nahm edlere Formen an : der altväterische Ofen , bis dahin ein Ungeheuer , wurde zu einem Ornament , die Eisengitter hörten auf , eine bloße Anzahl von Stangen und Stäben zu sein , man trank aus Schinkelschen Gläsern und Pokalen , man ließ seine Bilder in Schinkelsche Rahmen fassen und die Grabkreuze der Toten waren Schinkelschen Mustern entlehnt . In dieser Welt Schinkelscher Formen leben wir noch 26 , die wenigsten unter uns wissen es , aber dies Nichtwissen ändert nichts an der Tatsache . Seine Schule blüht und durchdringt unser Leben . Seiner Umfassendheit entsprach seine Rastlosigkeit . Selbst am Teetische , dem Gange der Unterhaltung folgend , zeichnete er mit Feder und Bleistift vor sich hin . Nur Reisen , immer ersehnt und immer willkommen , unterbrachen von Zeit zu Zeit den Gang der Geschäfte , das Gleichmaß des Schaffens . Freilich auch diese Reisen waren wieder Arbeit , aber doch nebenher eine Erfrischung , wie nichts anderes sie gewährte . 1820 war er in Jena und Weimar , um Goethe zu besuchen » an dessen persönlichem Umgang er sich erquickte « ; 1824 riß er sich abermals auf fünf Monate los , um in Gesellschaft des Professors Waagen Italien zum zweiten Male zu besuchen . Wir verweilen aber lieber bei einem in Begleitung seines Freundes Beuth im Frühjahr und Sommer 1826 nach Paris , England und Schottland hin unternommenen Ausfluge , weil wir in den speziell diese Reise schildernden , ziemlich reichhaltigen Briefen und Blättern am meisten Frische , Behagen und gute Laune und das reifste und zutreffendste Urteil über Dinge und Zustände zu finden glauben . Die Schilderungen sind von einer merkwürdigen Präzision . So schreibt er aus dem » Ossian-Lande « , von Staffa und Jona zurückkehrend , an seine Frau : » Die Fahrt ging durch den Sound of Mull zwischen der Insel Mull und der Halbinsel Morven hindurch , die mit hohen Küsten ihre Gipfel fast in ewigem Nebel verstecken . Doch gab es hier und da herrliche Sonnenblicke , wo dann die Gebirge , die aus Fels und Sumpf bestehen , in ihrer ganzen Nacktheit bis zur Spitze gespensterhaft hervortreten . Viele einzelne Felseninseln und Vorgebirge erstrecken sich ins Meer und tragen hier und da einmal einen alten Turm oder ein Kastell ; sonst gewahrt man an den schroffen und wilden Küsten entlang nur Hütten aus schwarzem Stein , schlecht zusammengepackt und mit Stroh gedeckt , über welches ein mit Steinen beschwertes Netz von Stricken aus Heidekraut gelegt ist , um gegen Sturm zu schützen . Auffallend dabei ist es , wie modisch die armen Einwohner dieser Hütten in mancher Beziehung sich kleiden . Namentlich der Kopfputz . In Lumpen gehüllt und barfuß , stülpen die Weiber dennoch ein feines Häubchen oder einen Hut mit Krausen und Band über das ungekämmte Haar . « Dann die Beschreibung Staffas . » Um zwölf Uhr etwa hatten wir Staffa erreicht . Man sieht beim Anfahren die ganze Architektur des Basalts und landet bei der Fingalshöhle . Nur die eine der beiden hübschen Töchter ( auch Schinkel findet die Töchter Englands und Schottlands immer hübsch , und mit Recht ) war mitgegangen , während die Mutter und Schwester wegen Seekrankheit in Tobermory hatten zurückbleiben müssen . Das Meer ist in der Höhle , die wie eine Kirche erscheint , sehr tief und hebt sich im Hintergrunde mit jeder einströmenden großen Welle über zwölf bis fünfzehn Fuß in die Höhe , wobei dann das donnernde Brausen nicht aufhört . Unsere deutschen Reisegenossen sangen im Hintergrunde eine Harmonie , die im Wogengeräusch wie Orgeltöne klang , zumal die ganze Höhle selbst einer großen Orgel gleicht und die fünfzig Fuß hohen Basaltsäulen ganz regelmäßig , wie Pfeifen nebeneinander stehen . Die Decke wölbt sich spitzig aus nicht ganz formierten wilden Massen zusammen . Das Meer erscheint hinten in der Höhle sehr grün , und dadurch entsteht in dem ganzen schwarzen Basaltgestein für das Auge die Empfindung vom schönsten Purpur . Nachdem wir uns an diesem großartigen Naturspiele hinreichend ergötzt hatten , gingen wir die gefahrvollen Wege auf den abgebrochenen Säulen zurück ; dann erstiegen wir , den Felsen hinauf , die mit dünner Erdschicht überdeckte , obere Fläche der Insel . Einige wilde Pferde und ein paar Kühe , die einzigen Bewohner des Eilands , rissen beim Anblick der aus der Tiefe heraufkletternden Gesellschaft mit wütender Schnelligkeit nach der entgegengesetzten Seite aus , wobei mir Walter Scotts Schilderungen im Piraten einfielen . Man hat angefangen , ein kleines steinernes Hüttchen als eine Art von Wirtshaus oben zu bauen . « ( Existiert nicht mehr . ) Solchen Schilderungen pflegte Schinkel , mitten in die flüchtige Schreiberei des Briefes hinein , eine ebenso flüchtig entworfene Skizze des Gesehenen beizufügen , und es ist ein großes Verdienst Alfreds von Wolzogen , bei Herausgabe der Schinkelschen Briefe dem Text diese Zeichnungen mit beigegeben zu haben . Wer das Glück hat , diese wilden , hochpoetischen Gegenden der schottischen Westküste zu kennen , wird frappiert sein , in diesen wenigen , rasch mit Tinte hingekritzelten Skizzen das alte Ossian-Land wieder vor sich aufsteigen zu sehen . Auch den Briefen aus England , wie gleich hier bemerkt werden mag , sind solche Federzeichnungen beigegeben , flüchtige Skizzen , die durch die überaus geniale Art der Behandlung an ähnliche Arbeiten des schon einmal zitierten William Turner erinnern , der , wie Schinkel , es verstand , mit zwölf Strichen und ebenso vielen Punkten ein ganzes Landschaftsbild zu geben . Die Schinkelsche Skizze von Manchester ( S. Aus Schinkels Nachlaß . Band II , S. 144 ) ist mir nach dieser Seite hin immer wie ein kleines Wunderding erschienen . Ebenso scharf aber wie er zu sehen verstand , so scharf und zutreffend wußte er auch zu urteilen , und die kurzen kritischen Bemerkungen , die sich durch diese England-Briefe hindurchziehen , sind von höchstem Interesse . » Mr. Connel , Mr. Kennedy und Mr. Morris « , so schreibt er , » haben Gebäude sieben bis acht Etagen hoch , und so lang und tief wie das Berliner Schloß . Man sieht Gebäude stehen , wo vor drei Jahren noch Wiesen waren , aber diese Gebäude sehen so schwarz aus , als wären sie hundert Jahre im Gebrauch . Die ungeheuren Baumassen , bloß von einem Werkmeister , ohne alle Architektur und nur für das nackteste Bedürfnis allein aus rotem Backstein aufgeführt , machen einen höchst unheimlichen Eindruck . « In Liverpool ißt er vortrefflich zu Mittag und schläft gut , kehrt indessen doch mit dem Eindruck heim , » daß Liverpool zwar eine ernorme , aber im ganzen doch eine unansehnliche Stadt sei . « Diese Ruhe und Sicherheit in der Betrachtung der Dinge ist es , was diesen Briefen einen solchen Reiz verleiht . Alles Große , Reiche , Schöne findet eine willige , nirgends mäkelnde Anerkennung , zugleich aber steht dieser Anerkennung ein unerschütterliches Urteil zur Seite , das sich nicht beirren und weder durch Scheinkünste noch durch Massen oder Zahlen imponieren läßt . Schinkel selbst zählte später diese Reise zu seinen liebsten Erinnerungen . Die Art , wie Schinkel zu reisen pflegte , gewährte ihm ( ich deutete dies schon an ) eine große geistige Erholung , aber eine körperliche kaum . Denn er , dessen ganzes Wesen überhaupt derart auf das Geistige gerichtet war , daß er sich mit allen physischen Bedürfnissen so kurz und mäßig wie nur immer möglich abfand , hatte gerade dann am allerwenigsten ein Ohr für die Forderungen des Körpers , wenn sein Geist ( wie immer auf Reisen geschah ) doppelte und dreifache Nahrung empfing . So kam es , daß seine ursprünglich robuste Natur vor der Zeit zu wanken begann , weshalb er sich auch von 1832 an fast alljährlich genötigt sah , statt zu Reisen für Auge und Herz , zu Badekuren seine Zuflucht zu nehmen . Marienbad , Karlsbad , Kissingen wurden abwechselnd gebraucht . Auch im Sommer 1839 war er wieder in Kissingen gewesen , hatte von dort aus München besucht , wo die eben damals entstandenen griechischen Landschaften Rottmanns noch einen überaus harmonischen Eindruck auf ihn gemacht hatten , und allen Briefen nach , die eintrafen , schien er ein Genesener und bei heiterster Stimmung zu sein . Aber schon bei seiner Rückkehr nach Berlin zeigte sich eine große Erschöpfung . Er nahm noch teil an allem , indes die Mattigkeit wuchs . Auch ein Ausflug im nächsten Sommer versagte den Dienst und schwer krank kehrte er am 7. September ( 1840 ) nach Berlin zurück . Eine allgemeine Apathie kam über ihn , der Puls zeigte kaum noch fünfzig Schläge in der Minute , und eine Verdunkelung des einen Auges gab zur Befürchtung des Schlimmsten Veranlassung . Ein Aderlaß wurde angeordnet , aber schon nach wenigen Minuten sank er in eine tiefe Ohnmacht , um nie wieder zum vollen Bewußtsein zurückzukehren . Und doch lebte er noch länger als ein Jahr . » Ich habe ihn – so erzählt sein Biograph Prof. Waagen – in diesem Zustande nur selten gesehen . Der Anblick war mir zu schmerzlich . Als ich aber bei Thorwaldsens Anwesenheit im Jahre 1841 diesem die Entwürfe für die Malereien in der Museumshalle zeigte , wurde er , lange dabei verweilend , so von deren Schönheit ergriffen , daß er dem Verlangen , ihren hoffnungslos daniederliegenden Urheber einen Augenblick zu sehen , nicht widerstehen konnte . Als ich mit ihm an das Bett trat , fixierte ihn Schinkel sehr aufmerksam und sagte , ihn erkennend , leise : › Thorwaldsen ! ‹ Dann nach einer kleinen Pause : › Sie gehen nach Rom ? ‹ Er versuchte noch mehr zu sprechen . Aber Thorwaldsen , überwältigt von dem Gefühl , den Freund , den er früher in Rom so frisch und lebenskräftig gesehen und von dessen geistiger Tätigkeit er noch eben so herrliche Beweise gehabt , in solchem Zustande zu erblicken , flüsterte mir zu : › Ich kann es nicht mehr aushalten ‹ und wandte sich , indem die Tränen seinen Augen entstürzten , von ihm ab . Der Vergleich des hilflos daliegenden Schinkel , dessen Alter ihm noch eine Reihe von Jahren zu leben erlaubt hätte , mit dem kräftigen , in aller Fülle der Gesundheit vor ihm stehenden , so viel älteren Thorwaldsen 27 , hatte etwas unbeschreiblich Erschütterndes . « Dies war im Sommer 1841 . Das Leben zog sich noch bis in den Herbst desselben Jahres hin . Im September erfolgte ein Blutsturz , der Vorbote des Todes . Ein Fieber stellte sich ein , das ihn nicht wieder verließ . Am 9. Oktober starb er . Am 12. Oktober wurde er auf dem Friedhofe der Dorotheenstädtischen oder Friedrich Werderschen Gemeinde ( vor dem Oranienburger Tore ) bestattet . Es ist derselbe Friedhof , auf dem auch Fichte , Hegel , Franz Horn , Schadow , Beuth und Borsig ihre Ruhestätte gefunden haben . Ein unabsehbares Gefolge hatte sich angeschlossen , da alle Gewerke , die in irgendeiner Beziehung zu der Ausführung architektonischer Werke stehen , mit erschienen waren . Professor Stier hielt eine begeisterte Rede . Das Grabmal , das ihm das Jahr darauf auf dem Friedhofe errichtet wurde , war eine Nachbildung des Hermbstädtschen Monuments , das Schinkel selbst einige Jahre früher entworfen hatte . Man folgte dabei dem Rate Beuths , der sich wiederholentlich dahin äußerte : » man könne dem hingeschiedenen Freunde kein besseres Denkmal geben , als seine eigenen Arbeiten . « Das Monument ist etwa sechs Fuß hoch , aus Granit und Bronze aufgeführt und trägt neben Namen und Daten die Inschrift : Was vom Himmel stammt , was uns zum Himmel erhebt Ist für den Tod zu groß , ist für die Erde zu rein . Wir wenden uns jetzt der Frage nach der äußeren Erscheinung Schinkels , nach seinem Charakter und , soweit diese Frage nicht schon berührt wurde , nach seiner kunst-reformatorischen Bedeutung zu . Zunächst seine äußere Erscheinung . Er war von mittlerer Größe und schlankem Körperbau ; zu seiner gesunden Gesichtsfarbe paßte das früh schon silbergrau erglänzende , lockige Haupthaar vortrefflich . Meist trug er einen blauen Überrock und jederzeit weißeste Wäsche . Er war nicht schön , aber der ernst-milde Ausdruck seines unregelmäßig geformten Gesichts , dabei sein schöner , elastischer Gang , verrieten den Mann höherer Begabung . Am treffendsten hat ihn Franz Kugler geschildert : » Wenigen Menschen war so , wie ihm , das Gepräge des Geistes aufgedrückt . Was in seiner Erscheinung anzog und auf wunderbare Weise fesselte , darf man nicht eben als eine Mitgift der Natur bezeichnen . Schinkel war kein schöner Mann , aber der Geist der Schönheit , der in ihm lebte , war so mächtig und trat so lebendig nach außen , daß man diesen Widerspruch erst bemerkte , wenn man seine Erscheinung mit kalter Besonnenheit zergliederte . In seinen Bewegungen war ein Adel und ein Gleichmaß , um seinen Mund ein Lächeln , auf seiner Stirn eine Klarheit , in seinem Auge eine Tiefe und ein Feuer , daß man sich schon durch seine bloße Erscheinung zu ihm hingezogen fühlte . Noch größer aber war die Gewalt seines Wortes , wenn das , was ihn innerlich beschäftigte , unwillkürlich und unvorbereitet auf seine Lippen trat . « Die Anzahl der Bildnisse , die wir von ihm besitzen , ist ziemlich zahlreich . Wolzogen zählt acht Skulpturen ( Büsten , Reliefs , Statuetten ) und zwanzig eigentliche Bilder ( Zeichnungen , Stiche , Ölporträts usw. ) auf . Dazu kommt die große , von Drake gefertigte Bronzestatue , die seit einigen Jahren , neben den Statuen von Beuth und Thaer , auf dem Platz vor der Königlichen Bauschule steht . Ich leiste darauf Verzicht , die einzelnen Porträts Schinkels hier namhaft zu machen , nur das sei hervorgehoben , daß dem Wolzogenschen Werke , und zwar in vorzüglicher photographischer Nachbildung , vier Bildnisse Schinkels aus seinen verschiedenen Lebensepochen beigegeben sind . Es sind dies : 1. der zweiundzwanzigjährige Schinkel nach einem Ölbilde von Johann Karl Rößler ( Rom 1803 ) ; 2. der vierunddreißigjährige Schinkel nach einer Kreidezeichnung von ihm selbst ; 3. der dreiundvierzigjährige Schinkel nach einem Ölbilde von Begas ( Berlin 1824 ) ; 4. der zweiundfünfzigjährige Schinkel nach einem Ölbilde von Carl Schmid aus Aachen . Hieran reiht sich ein fünftes Bild , Holzschnitt , das einer kleineren Arbeit Wolzogens » Schinkel als Architekt , Maler und Kunstphilosoph « beigegeben ist und nach einem von Krüger gemalten , dem Grafen Raczinsky zugehörigen Bilde angefertigt wurde . Auch das sei noch hinzugefügt , daß sich das Porträt Schinkels auf den Reliefbildern der Blücherstatue von Rauch und des Beuthdenkmals von Kiß befindet . 28 Was den Charakter Schinkels angeht , so hat ihn niemand trefflicher geschildert als Waagen , der ihm , so viele Jahre hindurch , in Kunst und Leben nahestand . Er sagt von ihm : » An die Spitze der zahlreichen Vorzüge dieses reich begabten Naturells stelle ich seine hohe sittliche Würde , seine seltene moralische Kraft , seine noch seltenere Selbstverleugnung und außerordentliche Herzensgüte . « Durch diese Eigenschaften erhielt er für alle Lebensbegegnisse eine sichere Haltung und für öfters bedenklich erscheinende Lebensentschlüsse ( z.B. jung und mittellos die große Reise nach Italien anzutreten ) überhaupt für alle schwierigsten , langwierigsten und oft unangenehmsten Arbeiten eine eiserne Ausdauer . Nie habe ich eine so entschiedene , ja fast grausame Herrschaft des Geistes über den Körper beobachtet , als es bei ihm der Fall war . Nirgends sprach sich seine Selbstverleugnung schöner aus , als wenn Lieblingspläne von ihm , welche er in allen Teilen mit voller Hingebung streng durchgebildet hatte , entweder gar nicht zur Ausführung kamen oder doch mannigfach verändert und beschnitten wurden . 29 Wie lebhaft auch der Schmerz war , den er bei solchen Gelegenheiten empfand , so erzeugte er doch nicht jene so leicht begreifliche Verdrossenheit , welche in ähnlichen Fällen meist das Interesse an einer Aufgabe aufhebt , er nahm vielmehr von neuem seine ganze Kraft zusammen , um alles zu retten , was unter den beschränkenden Umständen zu retten war . Ja , er entwickelte öfter daraus wieder eigentümliche Schönheiten . Er bildete an seinen Werken mit einer ungeschwächten Liebe fort . Dessenungeachtet war er nichts weniger als blind für dieselben eingenommen . Mit echter Bescheidenheit betrachtete er sie immer nur als mehr oder minder gelungene Annäherungsversuche an eine in ihm lebendig gewordene Kunstidee . Ein unbedingtes und allgemeines Lob verletzte ihn daher , dagegen spiegelte sich seine Zufriedenheit auf die liebenswürdigste Weise auf seinem Gesicht , wenn jemand von selbst den Sinn seiner feineren künstlerischen Intentionen auffand und hervorhob . So kam es , daß er auch in seinen spätesten Jahren mit der Kunst keineswegs abgeschlossen hatte , sondern sich immer im freisten und frischesten Vorwärtsstreben befand . In der regen Begierde , etwas Neues zu lernen , in der Biegsamkeit und Empfindlichkeit seines Geistes für Aufnahme neuer , künstlerischer Eindrücke ist er immer ein Jüngling geblieben . Wie streng er aber in jeder Beziehung sich selbst beurteilte , so mild , so liebevoll anerkennend war er gegen andere . Nur innere Unwahrheit , falsche Ostentation , hohles Aufblähen , leerer Dünkel , geistige Trägheit , Oberflächlichkeit und Gemeinheit waren Eigenschaften , welche im Leben wie in der Kunst zu sehr mit seiner innersten Natur in Widerspruch standen , als daß sie nicht sein Mißfallen , bisweilen seinen lebhaften Tadel hervorgerufen hätten . Und in diesem Punkte , Wesen von Schein , Wahrheit von Lüge zu unterscheiden , besaß er eben vermöge seiner großen Reinheit einen sehr feinen , in unseren Tagen immer seltener werdenden Sinn . Sein ganzes Wesen war so durchaus auf das Geistige gerichtet , daß man von ihm , im Gegensatze zu denen , die nur leben , um zu essen , ohne Übertreibung sagen konnte : er aß nur , um zu leben . Was man anderen gewöhnlicheren Menschen mit Recht zum hohen Verdienst anrechnet , die größte Uneigennützigkeit , die strengste Rechtlichkeit , verstand sich bei einem so hohen , durchaus edlen Charakter wie Schinkel von selbst und nur selten ist mir im Leben eine Natur begegnet , auf welche Goethes schöne Worte über Schiller : » Und hinter ihm in wesenlosem Scheine , lag , was uns alle bändigt , das Gemeine « in so vollem Maße ihre Anwendung gefunden hätten . So viel über seinen Charakter . Wir wenden uns jetzt ausschließlich dem Künstler zu und legen uns zunächst die zwei Fragen vor : 1. Bestimmte die Antike , in deren Geist er zu bauen trachtete , von Anfang an seine Richtung ? und 2. inwieweit beherrschte ihn diese Richtung überhaupt ? Gehorchte er ihr ausschließlich , oder erkannte er Mängel und Grenzen innerhalb derselben an ? Zunächst ad 1. Die Hellenik war nicht ein Patengeschenk ,