sind « , sagte Peka traurig , » auf dem Pallas sehr überflüssig . Wir können unsre künstlerischen Pläne nicht wirkungsvoll zur Ausführung bringen . Was wir in den Wänden des Nordtrichters anbringen könnten , würde immer verschwindend und wirkungslos bleiben . Der Nutzbau hat den Kunstbau verdrängt . Die wissenschaftliche Neugier ist mächtiger gewesen als die künstlerische Schöpferkraft . Ich glaube nicht , daß ich das lange überleben werde . Meine Pläne kommen ins Museum für veraltete Kunstphantasie . Meine Gedankenwelt löst sich langsam auf , da ich nicht mehr daran glauben kann , daß ich jemals nennenswerte Formänderung im Pallas durchsetzen könnte . « Wieder schwiegen die Drei , und ihre Rauchblasen stiegen langsam zum hohen Turmgerüst empor und funkelten oben im blendenden Licht der Spinngewebewolke . Und von vier Türmen aus rollten nun hoch oben drei Meilen lange Stangen zur Mitte zu ; Dex führte die nächste Etage zur Wolke empor . Die Arbeit nahm dieses Mal lange nicht soviel Zeit in Anspruch , wie man geglaubt hatte . Und bald stand auch das fünfte Stockwerk hoch oben unter einem Winkel von fünfundvierzig Grad . Jede der vierundvierzig Stangen hatte ganz unten rechts und links wieder im rechten Winkel zwei kürzere Stangen gehabt , die sich oben , nachdem alle Stangen hinausgedreht waren , aneinanderschlossen und so abermals einen Ring mit vierundvierzig Ecken bildeten . Dieser Ring war garnicht mehr groß zu nennen ; er hatte einen Durchmesser von sechs Meilen , sodaß man leicht von einer Seite zur andern fliegen konnte . Das ließ sich natürlich nur am Tage durchsetzen . Nachts ging die Spinngewebewolke ganz tief hinunter bis in die Mitte des dritten Stockwerks . Im Ganzen hatte man jetzt eine Höhe von fünf Meilen erreicht . Die Hälfte des Turms war vollendet . Alle glaubten , daß jetzt die Hauptarbeit getan sei . Und es entstand eine sehr freudige Stimmung , die nur von Peka , Labu , Manesi und ihren Anhängern nicht geteilt wurde ; die waren trauriger als je , und das bedrückte die Andern . Währenddem aber hatte es Sofanti glücklich fertig gebracht , ganz durchsichtige Hautstücke herzustellen . Doch viel von diesen ganz durchsichtigen Hautstücken existierte noch nicht . Immerhin - das Wenige genügte ja zu Beobachtungszwecken . Und so wurden durchsichtige Hautstücke in den Bandbahnbedachungen des obersten Ringes untergebracht - und die Beobachtung der Spinngewebewolke konnte beginnen . Es hatten an den Beobachtungsstellen nur zwanzig Pallasianer Platz . Und die sahen nun bei Anbruch der nächsten Nacht mit teleskopisch vergrößerten Augen durch die kleinen Hautfenster in die dunkle Spinngewebewolke hinein und ließen Scheinwerfer durch die Wolke durchgehen . Das Gewebe wurde wieder leblos und starr wie bei der ersten Beobachtung . Man zog daher die Scheinwerfer zurück und versuchte , im Dunkeln etwas zu erkennen . Da sah man aber garnichts . Danach machte man in der Beobachtungsstation ganz vorsichtig etwas Licht und verstärkte das Licht allmählich . Und da sah man plötzlich ganz kleine , winzig kleine Köpfchen in der Wolke - Köpfchen mit ganz spitzen , dunkelvioletten Stielaugen . » Jetzt wissen wir genug ! « rief der Biba . Und man sah auf allen vier Stationen , von denen aus beobachtet wurde , die winzig kleinen Köpfchen mit den dunkelvioletten Stielaugen . Die Beobachter verständigten sich rasch drahtlos , daß sie unten zusammenkommen wollten . Und auf den Bandbahnen fuhren sie hinunter zum ersten Stockwerk . Auf der Spitze jenes Turms , den Nuse zuerst eine Meile hoch erbaute , versammelten sich die Zwanzig , um die große Entdeckung zu besprechen . » Wir haben also « , sagte Biba , » endlich entdeckt , daß unsre große Wolke keine leblose Masse ist . Es ist von uns endlich festgestellt , daß wir hier ganz feine Lebewesen vor uns haben , von denen wir vielleicht sehr viel lernen können . Indessen - daß diese Wolke zur Tageszeit leuchtet , das ist nach meiner Meinung nicht abhängig von diesen zarten Wesen ; dieses Leuchten wird wohl nur durch die Nähe des kometarischen Lichtes im Kopfsystem unsres Sterns erzeugt . Wie das allerdings erzeugt wird , das wissen wir nicht - wissen wir nicht - wie so viele andre Dinge . Wir leben in einer sehr rätselvollen Welt . Aber wir brauchen nicht ungeduldig zu werden , daß uns diese Welt so viele Rätsel aufgibt . Würden wir zu viele dieser Rätsel auf einmal lösen , so könnten wir ganz bestimmt diese Fülle der neuen Erscheinungen nicht ertragen . Wir haben schon an dem , was wir erleben , reichlich genug . Wenn wir nicht so trockene Naturen wären , könnten wir das Erlebte ganz bestimmt nicht überleben . Die Veränderung der Lage des Attraktionscentrums ist schon wunderbar genug . Die feinen Spinngewebefäden mit den winzig kleinen Köpfen und deren dunkelviolette Stielaugen sind noch wunderbarer als alles Bisherige . Wir haben jedenfalls den Bau unsres Turms nicht zu bedauern . Er hat uns in eine neue höhere Atmosphäre gebracht . Jetzt wollen wir zusehen , was wir von den kleinen Köpfen mit den dunkelvioletten Stielaugen erfahren können ; vielleicht sind sie klüger als wir alle zusammen . Wundern würde ich mich auch darüber nicht . « » Das Gewaltigste « , rief da der Lesabéndio « , muß aber jedenfalls das Kometensystem hoch oben über uns sein . Von dem können wir bestimmt noch mehr erfahren als von den kleinen Köpfchen mit den Stielaugen . « » Das geht aber nicht « , sagte da der Dex , » der Lesa hat keine Ruhe mehr . Er will immer nur , daß wir weiterbauen . Und wir haben doch zunächst einmal ein Resultat erzielt . Damit müssen wir uns doch erst abfinden . Lesa hat eine Unruhe in sich , die uns ganz heftig machen könnte . « » Verzeiht ! Verzeiht ! « rief da der Lesa . Und nun wurden zuerst die Stationen für die Fernschalter in Bewegung gesetzt . Dumpf knallten die Explosionstöne durch die Nacht , und alle Pallasianer richteten ihre Kopfhaut den Stationen zu und hörten nun , was man entdeckt hatte . Und darauf flogen alle Pallasianer wild durch den Nordtrichter - und dann zum Turm hinauf . Alle wollten die Kleinen sehen . Und - man sprach sehr eifrig darüber , wie man sich wohl mit den Kleinen verständigen könnte . Und man dachte natürlich gleich daran , den Quikkoïanern den Auftrag zu geben , ein paar Verständigungsmanöver einzuleiten . Nax mit den Seinen war selbstverständlich gern bereit , erklärte aber gleich , daß er die Ahnung habe , hier vor unmöglich lösbare Aufgaben gestellt zu sein . Doch man begann : Nax ließ sich in einer Hautblase tief in die Wolke hineinstecken ; die Hautblase war durchsichtig und durch einen langen , durch Draht versteiften Schlauch mit der durch Häute geschützten Beobachtungsstation verbunden - Nax konnte durch den Schlauch leicht zurückkommen , wenn die durchsichtige Hautblase , die ziemlich groß für Naxens faustgroßen Körper war , verletzt werden sollte . Die Hautblase , in der sich Nax befand , war ebenfalls durch feinen Draht versteift . Nax veränderte nun seinen Körper , machte ihn fadenförmig , gab sich einen ganz kleinen Kopf und zwei lange Stielaugen , und diese ließ er elektrisch aufleuchten . Auf der Beobachtungsstation war alles dunkel . Und dort sah man jetzt erst den kleinen Nax im Lichte seiner Stielaugen , die blaßrot leuchteten . Die kleinen Köpfe aus der Wolke kamen jetzt zu Hunderten näher , und die kleinen dunkelvioletten Stielaugen der Wolkenwesen legten sich vorsichtig an die Wände der Hautblase . Und nun veränderte der kleine Nax seinen Körper , machte ihn spiralförmig , er drehte sogar das eine Auge , daß es spiralförmig aussah . Die kleinen Köpfe außerhalb der Blase flogen hin und her und schienen sich lebhaft zu unterhalten . Aber es währte nicht lange - dann verschwanden sie plötzlich allesamt und ließen sich nicht mehr sehen . Nax konnte nun in seiner Blase hinkommen , wohin er wollte - die kleinen Köpfe blieben unsichtbar - nur das Spinngewebe schien in ängstlicher Bewegung , wenn der Quikkoïaner näher kam . Und dann zog sich auch das Spinngewebe zurück . Und man sah garnichts . Die Experimente wurden fünf Nächte hindurch immer wieder mit neuen Blasen fortgesetzt - und immer wieder erfolglos . Da sagten die Pallasianer allesamt : » Wir müssen es aufgeben ! die Kleinen sind viel zu scheu . « Und man gab es auf . Lesabéndio sagte zum Dex : » Du nennst mich so unruhig . Und ich glaube doch , daß es das Beste ist , wenn wir mit dem Bau des Turms fortfahren . Das Wichtigste erfahren wir doch erst da oben . Und wenn wir schon die Hälfte des Turms gebaut haben , so können wir doch jetzt nicht mehr aufhören . Daß wir uns der Spinngewebewolke nicht weiter nähern können , zeigt doch , daß wir weiterbauen sollen . « » Das sagst Du alles so ruhig ! « rief der Dex , » aber ich habe die größte Arbeit zu leisten . Und ich muß gestehen , daß ich beinahe müde werde . « » So warten wir , bis Du wieder frisch bist ! « sagte der Lesa . Und dann kam der Biba und tröstete den Dex . Dex aber sagte schließlich : » Es kommt mir doch beinahe seltsam vor , daß wir uns eine riesige Arbeit aufladen , ohne eigentlich zu wissen , warum wir das tun . Anfänglich wollten wir unsern Stern künstlerisch ausbilden - Rhythmik in Flächen und Räume hineinbringen . Und dann kam plötzlich der Lesa vom Stern Quikko und erzählte uns , daß wir über unsrer Lichtwolke ganz sicher ein Kopfsystem unsres Sterns hätten . Die Quikkoïaner bestätigten Lesas Erzählung . Und wir waren plötzlich alle so für dieses kometarische Kopfsystem begeistert , daß wir den Turm bauten . Aber zufrieden sind wir jetzt trotzdem alle nicht mehr mit dem Bau . Wir wissen ja jetzt , daß unsre Lichtwolke aus lebendigen Wesen besteht . Die fliehen uns aber . Was haben wir also von unsrer neuen Erkenntnis ? Wird es uns nicht ebenso gehen , wenn wir oben das Kopfsystem von Angesicht zu Angesicht sehen ? Wir wissen noch nicht einmal , ob in diesem kometarischen Kopfsystem irgendetwas enthalten ist , was unsrer Kopfform entspricht . Können wir hoffen , daß wir da oben weiterkommen , wenn wir bis da hinaufgelangen ? Man bestürmt mich von allen Seiten , daß ich doch mit dem Turmbau aufhören möchte . Man will wieder künstlerische Pläne versuchen . Peka , Labu und Manesi tun mir leid . Man will im Allgemeinen nicht mehr mit . Und ich kann doch allein die Widerstrebenden nicht mitreißen - zumal ich garnicht mehr weiß , warum wir weiterbauen wollen . « Nun kam auch Sofanti zu den Dreien und erzählte , daß er jetzt endlich so viel Haut habe , um einen vier Meilen hohen Turm zu umhüllen , wenn er im Durchmesser nicht stärker als eine halbe Meile sei . Dex schwieg . Doch als die drei Andern immer dringlicher wurden , bat er einfach um Bedenkzeit . Biba meinte : » Wir wollen nicht verzagen ; Dex wird sich schon klarmachen , daß jetzt ein Zurücktreten von unserm großen Plane , nachdem wir so weit gekommen sind , eigentlich ganz widersinnig ist . « Lesa und Sofanti waren bald derselben Meinung . Sechzehntes Kapitel Biba spricht wieder mit Lesa über die Lichtwolke . Als diese runterkommt , entsteht auf allen Bergspitzen des Nordtrichterrandes ein großes Phosphoreszieren , wodurch die Pallasianer fast sämtlich nach oben gelockt werden . Manesi und Labu wollen dann eine riesige Blumenampel ins Attraktionscentrum hängen , ohne den Turm zu belasten . Das geschieht . Und der Turm wird zu einem Lichtfestturm . Ein Komet kommt vorbei und erhellt die Spinngewebewolke in der Nacht - so wie die Wolke am Tage vom Kopfsystem des Pallas erleuchtet wird . Dieser wunderbare Zusammenhang führt den Dex zum Weiterbau des Turms . Nax bekommt Heimweh und möchte auch zur Erde . Biba erzählt ihm etwas Wichtiges vom Jupiter . Drei Tage später saßen Biba und Lesa am Fuße eines Nuse-Turms oben am Nordtrichterrande auf einem der glatt polierten rechteckigen Felsblöcke , die Peka dort hingebracht hatte , um Haut darauf - wachsen zu lassen . Die Saugfüße der beiden Pallasianer saßen fest auf dem glatten Stein , sodaß sich ihre Körper leicht nach vorn und rückwärts biegen konnten ; taten sie das Erstere , so blickten sie hinab in das gigantische Schluchtenreich des Nordtrichters , bogen sie den Kopf zurück und nach oben , so konnten sie zum großen Turm hinaufblicken . Die Lichtwolke wurde oben fleckig ; sie mußte bald hinunterkommen . Und Biba sagte langsam : » Man kann dem Dex das Zögern nicht übelnehmen . Eigentlich ist ja der Turm nur ein großes Sprungbrett für Lesabéndio . Für Dich , lieber Lesa , wird der ganze Turm gebaut . Du willst oben in das Kopfsystem des Pallas - mit ihm eins werden . Du willst nicht in einem anderen Pallasianer mal aufgehen . Du willst oben in dem großen Kometensystem aufgehen - willst selbst ein Komet werden . « » Will ich das ? « fragte Lesa leise . Biba nickte und tausend Falten zuckten glitzernd über sein Gesicht . Und da kam die Lichtwolke herunter und wurde dunkel , gleichzeitig aber bekamen alle Bergspitzen des Nordtrichterrandes einen phosphoreszierenden Glanz - und Funken spritzten von den höchsten Bergspitzen ab . Und das währte eine gute Weile , sodaß es alle Pallasianer sahen und in Scharen hinaufkamen zum großen Turm . Das neue Wunder wurde eifrigst besprochen . Und man dachte lange nicht an den Schlaf auf den Pilzwiesen . Natürlich brachte man die seltsame Erscheinung mit den kleinen Köpfchen in der Lichtwolke zusammen . Zu diesen gehörten zweifellos sehr lange , ganz feine Fadenkörper , deren Struktur allerdings nicht weiter erforscht werden konnte . Aber dieses Aufleuchten der Bergspitzen hielt man doch für eine Antwort der scheuen Wolkenwesen ; diese Antwort konnte allerdings Niemand enträtseln . Doch die Folge dieser Antwort war , daß jetzt alle Pallasianer nur noch auf dem großen Turm leben wollten . Im Südtrichter sah man schon seit langer Zeit sehr selten einen Pallasbewohner , auch im unteren Teile des Nordtrichters ließ sich selten einer sehen . Nur wenn alle schlafen wollten , kamen die Pallasianer zu den Pilzwiesen hinunter , die unten im Nordtrichter und im Südtrichter lagen . Selbst die Sofanti-Musik im Centralloch wurde vernachlässigt . Man mußte sogar oben auf den Nuse-Türmen neue Scheinwerferuhren anbringen , da die tiefer gelegenen von oben aus nicht ordentlich gesehen werden konnten . » Das Interesse für den Lesa-Turm wird wieder größer werden ! « sagte der Biba . Und der Lesa nickte dazu und wurde sehr ernst , er sagte traurig : » Ob ich nicht zuviel will ? Du hattest vorhin meine innersten Gedanken erraten . Ja - ich will so , wie Du sagtest . Ich will ein Komet werden . Aber - so darf man wohl nicht sagen . Eins mit ihm werden - mit dem großen Lenker unsres Lebens ! Aber - ist das nicht zuviel ? Ich weiß nicht , ob es möglich ist . « » Für mich « , sagte Biba rasch , » wärs zuviel . Doch ich möchte , daß Du das ausführen könntest - was ich nicht kann . Der Kühnste empfindet doch immer das größte Glück . Das vergiß nicht . Der Klügste ist nicht so leicht zum größten Glücksempfinden hinzuleiten ; er ist kleinlich und bedenklich . Du aber sollst keine Bedenken in Dir aufkommen lassen . « » Du schickst den Dummen voran ! « sagte Lesa leise . » Den Kühnen , lieber Lesa , will ich voranschicken . Ich habe nicht gesagt , daß der Kühne dumm sein muß . Daß er nicht der Klügste zu sein braucht , das wollte ich allerdings feststellen . Das darf Dich also nicht kränken . « » Tuts auch nicht « , erwiderte der Lesa , » sehr klug erscheine ich mir selber nicht . Ich werde getrieben - von unbekannten Mächten - immerzu gradaus - zur Höhe empor . Und deswegen mußt Du Alles daransetzen , daß die Pallasianer das Leben oben auf dem Turm immer mehr schätzen lernen . Dex wird umgestimmt , wenn er sieht , daß alle sich oben sehr wohl fühlen - und wohl auch höher möchten . « » Gut ! gut ! « erwiderte Biba , » ich habe schon das Meinige getan . Ich habe ein Büchlein über den Flügelwert der Pallasianer photographieren lassen . Außerdem ließ ich auch etwas über die grandiosen künstlerischen Perspektiven , die sich vom Turm aus eröffnen , photographieren . Der kleine Nax macht ein Flugblättchen über die kometarische Geschwindigkeit unsrer Seilbahnen oben auf dem Gerüst . Jeder Turm ist ja jetzt neun Meilen lang im Ganzen . Die Schiefe der Türme gibt auch einen famosen Blick nach oben und nach unten und in den Sternhimmel hinein . Die langsameren Bandbahnen zu benutzen , ist oben am Tage doch ein Genuß künstlerischer Art. Die Pallasianer werden schon wieder Vertrauen zum Turmbau bekommen . « » Ich danke Dir ! « sagte Lesa weich . Biba jedoch fuhr eifrig fort : » Ich habe den Dex auch darauf aufmerksam gemacht , daß die langen Stangen für das nächste Stockwerk am besten auf Rädern weitergeführt werden , die oben auf den schon festgemachten Turmstangen laufen . Radsysteme haben wir eigentlich nur in den Rollen der Bandbahnen . Die Räder sollten wir beim Bau noch öfters verwenden . Ich wundre mich sehr , daß wir das noch nicht getan haben . Immer wieder sehe ich , daß die Klügsten so häufig das Nächstliegende nicht sehen und sich alles schwieriger machen , als nötig ist . Ich fange an , die Klugen zu bemitleiden . « » Das dachte ich auch schon sehr oft ! « sagte der Lesa . Und dann fuhren die Beiden rasch nach oben , allwo so viele Pallasianer in der Luft herumflogen , daß Biba lächeln mußte . » Wie schnell bei uns ein kleines Büchlein wirkt ! « rief er laut aus . Die Lichtwolke schien ganz hell , und Manesi mit Labu hatten Bibas Ausruf gehört , sie kamen herbei und fächelten lebhaft mit ihrer Kopfhaut . » Ist es nicht seltsam « , rief der Manesi , » daß wir noch nichts im Attraktionscentrum angebracht haben ? « » Was sollen wir denn da anbringen ? « fragte plötzlich lachend der Lesa . » Da hängt doch « , sagte Labu , » eine ganz schwere Last - so gut wie von selbst . Der Pallasianer sinkt nicht , wenn er in der Mitte fliegt . Folglich sinkt auch eine schwere Last nicht , die an Seilen hängt . « » Ich merke was ! « rief Biba , » Ihr wollt wohl Manesi-Pflanzen in die Mitte hängen , nicht wahr ? « » Wir wollen « , sagte Manesi , » das Gerüst nicht belasten und trotzdem da in die Mitte was hineinhängen . Labu und ich - wir haben doch noch nichts am Turm anbringen können . Wir möchten eine Blumenampel in die Mitte hängen . Labu will die Ampel machen in großen knolligen und in bogenartig aufgebauschten Formen - mit Kugeln und Henkeln - Trauben und Schalen . Ihr wißt ja - so wie es Labu gern möchte . Wie groß die Ampel werden soll - müssen wir natürlich vorher ausprobieren . Wir nehmen die Seile aus dem Südtrichter . Und die Magnete können wir wohl auch in der Ampel anbringen . Das kann eine halb schwebende Insel werden . Die Blumen in Guirlandenform und die Stoffe für die Wurzelnahrung besorge ich . Seid Ihr einverstanden ? « » Selbstverständlich ! « rief der Biba , und der Lesa sagte das auch . Und kurze Zeit darauf waren alle Pallasianer mit der Manesi-Labu-Ampel einverstanden . Und man konnte ihr einen Durchmesser von dreihundert Metern geben . Soviel blieb im Attraktionscentrum schwebend , ohne den Turm erheblich zu belasten . Dex sagte zu Biba , nachdem er alles berechnet hatte : » Eigentlich könnte die Ampel noch dreimal so schwer sein . Aber ich will sicher gehen . Jetzt können wenigstens die Guirlanden ruhig weiter wachsen an den Seilen . « An acht Seilen wurde die Ampel befestigt . Und die Pallasianer umschwebten alle diese schwebende Insel . Und viele Pallasianer saßen auf dem Rande der Ampel und unter dem Rande in den trefflichen plastischen Arbeiten des Labu . In der Mitte der Ampel oben wurde eine kleine Pilzwiese angelegt , auf der immer nachts ein paar hundert Pallasianer schlafen konnten . Sie priesen dann immer die Morgenstimmung mit so großer Begeisterung , daß die Ampel schließlich ein Mittelpunkt für das ganze gesellige Leben auf dem Pallas wurde - Scheinwerfer brachte man ebenfalls am Ampelrande an . Und die Magnetsteine wurden für ein paar Seilbahnen verwertet , die direkt zum obersten Stockwerk hinaufführten . Ringsum im ganzen Turm brachte man Lampions an , die aus durchsichtigen bunten Sofanti-Häuten hergestellt waren ; Glas verwendete man nicht - seiner Schwere wegen . Und so wurde der ganze Turm mit all den leuchtenden Nuse-Türmen zusammen ein einziger großer Lichtturm . Und der Nachtbeginn , wenn die Bergspitzen unten phosphoreszierend aufglänzten , wirkte immer berauschender . Nun gabs allabendlich stets ein großes Lichtfest , und man kam vom Turm nur noch herunter , wenn mans nötig hatte , unten auf den Pilzwiesen zu schlafen . Auf der Ampelwiese schliefen in jeder Nacht andere Pallasianer , sodaß bald alle mal da oben geschlafen hatten . Es hatte somit den Anschein , daß ein Weiterbau des großen Turms jetzt weiter keine Schwierigkeiten haben könnte . Und Dex wurde besonders von Sofanti und Nuse bestürmt , doch nicht weiter zu zögern . Dex aber hielt sich trotz allem zurück und wollte nicht mit der Sprache heraus . Da trat ein Ereignis ein , das der Gedankenrichtung der Pallasianer plötzlich eine ganz andere Wendung gab : ein großer Komet erschien und schwebte ganz dicht neben dem Pallas vorüber . Und dabei geschah etwas Ungeheuerliches : als die Lichtwolke eines Nachts herunterkam - wurde sie nicht dunkel wie sonst ; das Kometenlicht machte die Wolke auf der einen Seite fast genauso hell wie am Tage , wenn die Wolke oben hing . Hieraus ging für alle Pallasianer deutlich hervor , daß oben über der Wolke nur ein Komet das große Licht spenden könnte - ein gefesselter Komet . Da wurde der Dex von so vielen Pallasianern zum Weiterbau des Turms aufgefordert , daß er sich beim besten Willen nicht weiter weigern konnte . Und so beschloß der Dex , das nächste Stockwerk - und zwar nochmals gleich drei Meilen lang - unter einem Winkel von fünfundfünfzig Grad herzustellen . Lesa war sehr glücklich ; er war immer mit Biba zusammen , und die Beiden sprachen nur von dem großen Kometen hoch über ihnen , und von dem , der am Pallas vorbeizog zur Sonne hin . Biba sprach immer wieder von der Sonne und von dem großen Ring , den die Asteroïden zusammen bilden müßten - entsprechend dem Saturn-Ring . » Es ist Deine Aufgabe « , sagte er zum Lesa , » die Asteroïden zusammenzubringen ; sie müssen zusammen wie eine einzige Masse wirken - mindestens müssen sie so einig untereinander sein wie die Pallasianer auf dem Pallas . « » Du vergißt den Peka « , versetzte Lesa , » wir sind doch eigentlich noch nicht so einig . Und außerdem sollten wir nicht so übergroße Pläne haben . « » Irrtümlich scheint mir das « , fuhr Biba fort , » bist Du einmal so kühn gewesen , daß Du Dich mit dem Kopfkometen des Pallas verbunden hast , so kannst Du auch dieses Kopfsystem gedanklich beeinflussen . Möglich ist es ja , daß Du oben ganz untergehst in dem Großen . Dann würdest Du Dein Persönlichkeitsbewußtsein vollkommen verlieren . Dann wäre vielleicht für Dich alles aus . Aber es ist doch auch möglich , daß Du da oben selbständig bleibst . Und dann kannst Du doch das ganze Asteroïdenheer zusammenbringen wollen . Ein derartiges Zusammenleben mit einem gefesselten Kometensystem muß doch in Dir eine riesig große Kaft entfalten . « » Zu groß « , sagte Lesa , » erscheint mir das noch . An solche Gedankengänge bin ich noch nicht gewöhnt . Du weißt , was ich stets von der Ergebenheit dem großen Unbekannten gegenüber gesagt habe . Ich muß bei dem , was ich darüber sagte , bleiben . Ich kann davon nicht abkommen - so schnell wenigstens nicht . Dränge mich nicht . « Biba lächelte und schwieg . Da äußerte Nax zu Biba und Lesa , daß er Heimweh hätte . » Du darfst nicht fort « , sagte Biba , » wir werden Dich oben beim Bau noch öfters gebrauchen . « Da sagte der kleine Nax lustig : » Meinetwegen bleib ich auch noch hier . Aber Ihr müßt mir versprechen , mich später mit einem Pallasianer zum Stern Erde zu senden . Ich habe neulich ein Buch gefunden , in dem wird erzählt , die Erdianer könnten garnicht von der tollen Idee abkommen , daß sich die Sterne gegenseitig so anziehen , wie die Sterne ihre Oberflächenstücke anziehen . Das finde ich so schnurrig . Und deshalb möchte ich die Erdianer , die ja die drolligsten Lebewesen unsres Sonnensystem zu sein scheinen , doch mal kennen lernen . Dann kann ich doch wieder mal tüchtig lachen . Ihr seid mir zu ernst . « » Lieber Nax « , sagte da der Biba , » wenn einer von uns mal zur Erde hinwollte , sollst Du mitkommen . Aber so köstlich erscheint mir das Lächerliche dort nicht zu sein . Andrerseits finde ich , daß die Idee der Erdianer , wenn sie auch falsch ist , so unnatürlich garnicht genannt werden kann . Der Einfluß des Sterns , den die Erdianer Jupiter nennen , auf die Sonnenfleckenperiode der Sonne ist doch nicht zu leugnen . Fast zwölf Erdjahre ist diese Periode lang - in derselben Zeit umwandelt der Jupiter die Sonne . Beziehungen zwischen den Sternen sind also da . « Nax rieb sich seinen kleinen Rüssel und sagte : » Bei Euch muß man also auch das Lächerliche sehr ernst nehmen . « Siebzehntes Kapitel Dex wird mit den Pallasianern bei der Turmarbeit vorgeführt , die nur noch eine gedankliche Arbeit , keine handliche ist . Peka wird müde , sein Körper wird stellenweise durchsichtig , und er will sich in Lesabéndio auflösen , sagt das dem Bombimba , der den Lesa holt . Peka sieht , daß er nicht so tatkräftig wie der Lesa war und somit diesem weichen mußte . Sie nähern sich geistig einander , obschon sie im Leben immer einander widerstrebten . Pekas Auflösung in Lesa verändert diesen sehr , gibt ihm mehr Ruhe , worüber sich Biba sehr freut . Dex vollendet das nächste Stockwerk , und der Turm ragt jetzt fast sieben Meilen hoch zum Kopfsystem empor . Nun war der Dex wieder mitten in seiner Arbeit . Und die meisten Pallasianer halfen ihm , wo sie konnten . Die Maschinen , die den Kaddimohnstahl aus dem Pallasrumpf herauszogen , stampften wieder und ächzten . Und die großen Schmiedehammer dröhnten wie alte Metallglocken . Alles ging durch elektrische Kraft , kein Dampf war zu sehen - die Stoffe auf dem Pallas lassen sich nur sehr schwer in die Dampfform umsetzen ; es ist sogar so schwer , daß es die Pallasianer gänzlich aufgegeben , da ein unmittelbarer Nutzen aus der Dampfform nicht zu ziehen ist . Auch das Flüssigmachen der Stoffe ist , wie schon öfters erwähnt , außerordentlich schwer . Flüssigkeiten werden nur zu Heilzwecken verwandt , müssen also gelegentlich hergestellt werden . Das geschieht aber nur in Labus Atelier mit Hilfe der kompliziertesten Maschinen . Die Struktur der Pallasstoffe unterscheidet sich von der auf anderen Sternen so vielfach , daß ein Vergleich garnicht statthaft ist . Die Quikkoïaner , die auf einem gallertartigen Stern lebten , wunderten sich immer wieder über die verblüffende Trockenheit des Sterns Pallas . Die » Arbeiten « am Turm hatten nur am Anfange die Körperkräfte der Pallasianer in Anspruch genommen . Gleich danach hatten sich ein paar hundert Freunde des Dex bemüht , neue maschinelle Erfindungen einzuführen . Und dann galt es nur , die vielen Maschinen richtig zu bedienen und sie rechtzeitig zu reparieren . Und schließlich bemühten sich Alle nur darum , immer bessere Maschinen zu erfinden . Die » Arbeiten « bekamen somit sehr bald ein ganz anderes Gepräge - es wurde viel gerechnet und immer wieder etwas Neues ausprobiert . Eine gedankliche Tätigkeit trat allmählich überall an die Stelle der handlichen . Und alles wurde so praktisch und bequem wie möglich eingerichtet , sodaß Unfälle schließlich nicht mehr vorkamen . Besonders wurde die Anlage der Bandbahnen immer wieder verbessert , sodaß oben am Turm bald kein Band mehr vergeblich dahinrollte - die Bänder wurden so geschickt von einer Rolle zur andern übergeführt , daß jedes Stück mehrfach zu gebrauchen war . Für den Stahlstangentransport hatte man ein paar Zahnradbahnen versuchsweise eingeführt - doch sie bewährten sich nicht - durch Stahl versteifte , langsam rollende Bandbahnen bewährten sich für die Überführung der langen Stangen doch am besten . Und Peka wurde sehr müde , sein Körper begann schon , an einigen Stellen durchsichtig zu werden . Tief unten an einem Nuse-Turm im oberen Teile des Nordtrichters lag er eines Tages auf einem glatt polierten großen Steinwürfel , und Bombimba saß neben ihm . » Sie hören nicht mehr auf « , sagte der müde Peka , » ihre ganze Gedankenrichtung ist