dot , Junge ! « » Wenn du man ne dot büst : deleewt ! « » De sünd jo so lütt , Junge ! « » Wenn du man ne lütt büst : de sünd grot ! « Er ließ sich nicht verblüffen . » Soßtein forn Mark ? Oppen annern Ewer gift achttein ! « » Denn goh dor man hin : hier gift dat bloß süßtein ! « Er paßte aber auch auf : » Vadder , de Olsch hett noch ne betohlt ! « Da sollte der Schollenhandel wohl in Flor kommen , bei einem so guten Hilfsmann ! » Vadder , dat middelste Schott is all leddig ! « Die Mutter sah besorgt auf seinen neuen Anzug : » Wat mokt he sik ok doch utsehn ! « Aber Klaus Mewes lachte sie aus und sagte : » Worum hest du em dat nee Tüch antohn ? Harrst em jo man inne Ingelschleddern mitloten kunnt ! Süßtein förn Mark ! Süßtein grote Schullen ! « Gegen zehn Uhr waren sie schon so weit , daß sie die Luken zumachen konnten : die paar Stiege , die noch im Bünn saßen , brauchte Klaus Mewes selbst . Ausverkauft ! Knecht und Junge spülten das Deck ab , das aussah , wie ein Stück vom Deich bei Regenwetter : Klaus Mewes aber ging mit Frau und Kind in die Kajüte und entleerte seine dicken Taschen . Ein Hause von Groschen , Marken und Talern bedeckte den Tisch : als er abgezählt war , waren es nahe an dreihundert Mark , die er in acht Tagen aus der See geholt hatte . Es war wieder Glück dabei gewesen , daß er einen guten Markt getroffen hatte . Dreihundert Mark in acht Tagen ! Das kam den Bauern so groß vor , daß sie immer nur von den großen Seefischern sprachen und auf sie schalten , denn hatten sie einmal einen ordentlichen Knecht , so lief er ihnen weg und wurde Fischer . Dreihundert Mark in acht Tagen : wie kam das den Tagelöhnern vor , die den ganzen Tag für sechs Groschen wie Pferde arbeiten mußten : wenn sie nicht zu alt für die Fahrt gewesen wären , sie hätten es wohl auch noch mit der Fischerei versucht ! Wir wollen der Schollenzeit ihr Leuchten nicht trüben : sie ist und bleibt die beste , schönste Zeit für den Fischermann . Wie sie Taler haben mit der Aufschrift : » Segen des Mansfelder Bergbaues « , so könnte die hamburgische Münze für Finkenwärder Taler prägen mit der Aufschrift : Segen des Schollenfanges . Wenn auch die Seefischerfrauen sagen , daß so viel davon abginge : die Kasse , die Kurren , die Leute , die Segel , die Zinsen , der Winter , - wir wollen sie dennoch preisen , die schöne schöne Schollenzeit ! * * * Nachmittags rollte die Kette wieder vor dem Neß durch die Klüsen . » Dol de Seils ! « Als sie zusammengebunden waren , ging es mit Boot und Kahn an Land , mit Schollen und Scharben , mit Taschen und Seesternen . Gesa mußte die Taschen kochen , Hein Mück hängte die Scharben auf , daß die Leinen den Deich wie Girlanden überzogen . Klaus Störtebeker mußte die Schollen austragen , die sein Vater in fürstlicher Weise verteilte : von der ersten Reise bekam alle Freundschaft , Verwandtschaft und Nachbarschaft lebendige Schollen . » De keen Fisch utgeben mag , is ne wiert , wat he welk wedder fangt « , hieß es am Deich . Die Bauern auf den Wurten , die Handwerker , die Tagelöhner : keiner wurde vergessen . Sogar an die alte Sill dachte er . Störtebeker lief gern mit den Schollen , es machte ihm Freude , wenn die Leute fragten : » Non , Junge , is dien Vadder her ? « » Jo ! « » Mit Schullen ? « » Jo ! « Dabei bekam er hier einen Groschen und da zwei , der Bäcker gab ihm einen Kringel und der Krämer einen Kakerlatje aus Zucker , Bauer Feldmann goß ihm den Eimer voll Milch , Sill aber wühlte wieder ins Stroh hinein und holte richtig noch einen schönen Apfel hervor . Er verzehrte ihn jedoch wohlweislich unterwegs , damit er ihn nicht erst wieder aus der Erde zu graben brauche und im Graben abwaschen müsse . Es war ein fetter Tag für ihn . In der Schummerei aber saß er mit seinen Makkern auf dem Deich und ging mit dem Hammer auf die gekochten Taschen los , deren Scheren so fest waren , daß sie anders nicht geöffnet werden konnten . Des Vollmondes wegen saßen sie voll Fleisch und schmeckten vorzüglich . Im Binnendeich schlichen die Katzen mit erhobenen Schwänzen heran und knurrten einander wegen der Abfälle an . Gesa stand in der Tür : Klaus Mewes saß unter den Linden auf der Bank und verklarte dem alten Jäger , der am Staket lehnte , die Schollenfischerei bei Juist und Borkum , während die Nacht anbrach und die Lichter im Fahrwasser aufleuchteten und die Masten des Ewers gewaltiger und schwerer in den Heben hineinwuchsen . Vom äußern Neß kam ein Aalfischer , der alte Jakob Derner , mit seinen Aalkörben beladen . » Non , könt hier utholen ? « » Jo , Jakob ! « Er blieb einen Augenblick stehen . » Loopt de Ool all , Jakob ? « » Ne , Klaus , is noch nix mit den Fang , is noch to kold ! De Ool will Warms hebben . « » Jä , Jakob , de Schull will ok Warms hebben : de hebbt wi nu doch ober all eulich belurt , ik kann di seggen , as de Voß de Geus un as de Hund de Rotten ! Wi weet de Stä , Junge , Junge ! Fiefmol no de Wesser , güstern an Altno : gode föfteinhunnert Stieg hebbt wi all holt : wenn dat de Gildbütel man afkann ! « Diese Rede war aber gar nicht nach Jakobs Gemüt : er dachte an die drei , vier kleinen Aale , die er jede Tide aus den Körben schrapte , und ärgerte sich über den großen Seefischer , der mit Tausenden von Schollen um sich warf , wie der Bajazzo mit den Glaskugeln . » So , so « , knurrte er und stiefelte weiter . Gesa schüttelte den Kopf . » Wat magst du woll so dull prohlen , Klaus Mees , as wenn du unsen Herrgott sien best Jung würst ? « Er sah sie groß an . » Wat meenst du dat ? « fragte er verwundert . » Ik kann mien Leben doch ne anners moken ast is : grot un klor un scheun ! Dor steihst du , dor sitt mien Jung , hier steiht mien Hus , dat sünd mien Linnenbäum , dor buten ligt mien Eber , un hier bün ik sülben , oder is dat all ne wohr ? Lot den Dübel klogen : ik frei mi to dat , wat ik hebb ! Un ik gläuf , uns Herrgott süht ok leber een vergneugten Minschen as een trurigen ! « » Wees ne se troß , Klaus Mees ! Du büst ok bloß een Minsch un wullt wedder no See ! « mahnte sie , er aber schüttelte die Worte ab , wie die Ente das Wasser . Achter Stremel . Es war Ostern auf Finkenwärder . An den Gräben standen die Wicheln mit silbernen Katzen , und die Erlen ließen braune Troddeln im Winde wehen . Die Pappeln leuchteten im Sonnenschein und glommen wie Frühlingsbräute mit hellblonden Scheiteln . Die Elstern bauten ihre Nester im Lande . Über den Wischen gaukelten die Kiebitze zu Hunderten , und über dem hohen Neß schwebten die grauen Reiher . Und die Finkenwärder Fahrensleute feierten Ostern , indem sie um ihr Eiland gingen . Nur Ostern taten sie das , sonst nicht . Wann käme sonst auch wohl ein Fischermann dazu , einen Gang um sein Land zu machen ? Er geht sowieso nicht gern , denn Seebeine sind nicht für Landwege geschaffen . Wintertags , wenn er zu Hause ist , lassen die grundlosen Wege es nicht zu , für die sie früher Stelzen gehabt haben , die aber abgekommen sind . Sommertags hat er zwischen Jütland und Niederland zuviel zu beschicken . Nur Ostern ging es klar . Der Brauch entstammte der alten Zeit , als die Fischerei den ganzen Winter eingestellt war und die große , allgemeine Ausreise erst nach Ostern stattfand . Da lag es nahe , daß der Fischer noch mal seine Insel auf den Kieker nahm , bevor er sich der See für lange Monde anvertraute ! Auch die Konfirmanden , die mit zur See sollten , hatten ein Verlangen , den Deich noch einmal ganz unter den Füßen zu haben , bevor sie an Bord gingen . 1887 war diese uralte Sitte noch allgemein . Wir denken an den Ostergang im Faust , lesende Seele , an den Doktor und seinen Famulus , an Bürger und Soldaten , Scholaren und Handwerksburschen und an all das andre bunte Gewimmel vor dem Tor der bunten , mittelalterlichen Stadt Frankfurt , - aber das muß verblassen vor der großen Deichwanderung der Fischer am Ostersonntag , die nachmittags anfängt und bis zum Abend währt und voll ist von Größe und Gewaltigkeit . Breit und blau grüßt die Elbe , - im Hintergrunde steigen die Blankeneser Berge auf . Dampfer gehen auf und ab . Ihr Rauch weht über den Strom . Deutsche , englische , französische , nordische und holländische Flaggen flattern im Winde , Hunderte von braunen und griesen Segeln beleben das Fahrwasser gleich Riesenvögel , und im Osten steigen die Hamburger Türme aus dem Hafendunst auf , wie Propheten aus dem Volk . Vom Bollwerk aber und von den Schallen grüßen die blanken Ewer und Kutter , die starken , schönen Schiffe , und ihre Flögel lachen im Sonnenschein , als wenn sie wüßten , daß es Ostern ist . Da liegt Schiff bei Schiff in nachbarlicher Eintracht , und jedes spiegelt sein Gesicht geruhig in dem stillen Wasser . Zwischen den Masten hängen die Kurren zum Trocknen , die sich ansehen lassen wie die Panzerhemden eines Hünengeschlechtes , das große Wäsche gehabt hat . Das ist die eine Seite des Deiches : auf der andern stehen die Fischerhäuser mit moosbewachsenen Stroh- oder Pfannendächern , mit grünen Türen , geröteten Steinen und blanken Fenstern , hinter denen Blutstropfen , Schuhbäume , Geranien und andre Blumen blühen . Binnendeichs stehen die großen Hamenanker , die ausgedienten Kurrbäume , die aufgefischten Hummerkästen : dahinter liegen die braunen Äcker , von Gräben durchzogen , die grünen Wischen , die Wurten mit den großen Bauerhäusern , mit hohen Eschen , Linden und Eichen : Inseln inmitten der Insel . Da kommen sie an , die Osterleute . Zuerst die Gören , de mol üm Finkwarder snurren wöt ! In Scharen kommen sie und setzen am Westerdeich einen Feekhaufen nach dem andern in Brand , - denn diesen Tag sind die Ostermoonen frei - , damit die Fahrensleute Leuchtfeuer haben , nach denen sie steuern können . Ihnen folgen die Schlingel , die ihre Kräfte an den morschen Wicheln versuchen , die in die Eschen klettern und in die Heisternester gucken , die über die Gräben jumpen und Enten und Gänse bange machen , die Deerns vom Deich stoßen und die Hunde reizen . Sind die vorüber , dann erscheinen die Konfirmandinnen in langer Reihe , sittsam in den langen Kleidern gehend , mit weißen Tüchern um die Schultern : aber doch summt ihnen schon der erste Schnellwalzer in den Ohren , doch gucken sie sich schon heimlich nach den Konfirmanden um , die nun kommen , etwas schwankenden Ganges , als wenn sie ihr Lebtag auf See gewesen wären . Sie tun , als hätten sie schon das kleine Schifferpatent in der Tasche , und gucken die Jungen gar nicht mehr an , bekümmern sich auch nicht mehr um die Osterfeuer , sondern sprechen von Schiffen und Mädchen . Der breitrandige , schwarze Hut , der Huler , sitzt verwegen auf dem Kopfe , etwas mit Backbordschlagseite , wie der Fischerknecht ihn gern aufsetzt . Jeder schmökt seine Zigarre ( un noher fangt se doch all an to prüntjern ) . Nach ihnen aber kommen die Seefischer , zu zweien oder dreien , in Gruppen zu fünfen oder sieben , in Schöwen zu zehn und zwanzig : die brauchen den ganzen Deich und gehen geruhig und langsam , bleiben stehen , kehren ein , sprechen mit andern , die ihnen entgegenkommen , und betrachten den Deich , die Häuser und die Schiffe , wie ein Bauer sein Vieh . Namentlich die Alten nehmen sie vor , die vor den Türen stehen oder aus den Fenster schauen , Hein-Bruer und Jan-Ohm , Thees-Unkel und Vadder Warnk , und fragen sie nach ihrer Gesundheit und ob das Essen noch schmecken wolle . Sie sehen nach , was auf den Werften gebaut wird , und wieviel neue Häuser das Jahr hinzugekommen sind . Dazwischen gilt das Gespräch der Fahrt und der Fischerei und dem Wetter . Neem hei fischt , und wat hei fungen : so geht es immerzu . Klaus Mewes und sein Junge müßten keine rechten Finkenwärder sein , wenn sie nicht auch unterwegs wären ! Auch sie machten die Runde um das Eiland , wobei sie sich ordentlich Zeit lassen mußten , denn weil das Mewesgeschlecht das größte auf Finkenwärder war , hatten sie an allen Huken Verwandte wohnen , denen sie Guten Tag sagen mußten , und wurden alle Augenblicke zu einer Tasse Kaffee hineingenötigt . Auch mit den Fischern , die er überholte , oder denen er begegnete , hatte Klaus Mewes manches zu beklönen . Störtebeker zog ihn schon ab und zu an der Jacke , damit sie nur weiterkamen , denn er wollte gern ganz um Finkenwärder herum . Beim Segelmacher wurde ein neues Großsegel bestellt , das bis Karkmeß geliefert werden sollte . Und als Klaus den Zimmerbaas auf der Helling stehen sah , bog er mit seinem Jungen vom Deich ab und betrat die Plaats . Zunächst bezahlte er die beiden Kurrbäume , die er noch an der Rechnung stehen hatte , dann besah er den neuen Kutter , den Simon Wriede bauen ließ . Ein hohes , stolzes Fahrzeug war es , das wie ein Königsschiff in den Heben ragte . » Wat köst de nu , Jochen ? « fragte er , als er alles befühlt und besehen hatte . » He löppt sowat up twölfdusend , Klaus « , erwiderte der Baas . » Dat Schipp is god « , lobte der Seefischer und erfreute sich wieder an dem scharfen Steven und dem schlanken Rumpf , » de schall woll seilen , Gotts den Dünner ! Dor mol mit no buten to flimsen ! Jochen , noch een poor Johr , denn sett ik mien Eber af , un denn schallst du mi een neen Kutter bon , noch greuter un noch scheuner as düsse hier ! Un denn will ik jo mol wiesen , wat Seilen un Fischen to bedüden hett , so gewiß as ik Klaus Mees heet ! « » Denn gifst du mi den Ewer , ne , Vadder ? « rief Störtebeker eifrig , der Baas aber strich den grauen Bart und sagte bedächtig : » Dor snackt wi noch mol ober , Klaus , wenn wi denn noch leewt un noch gesund sünd ! « » Hest upstünds noch mihr to bon , Jochen ? « » Noch een Kutter , Klaus . För Jan Harm . « » Geiht vörwarts mit de Fischeree , Jochen ! Wo lang schallt duern un wi hebbt H.F. 500 up See ! « Der Baas aber sagte nur : » Wi wöt dat best höpen « , denn er glaubte nicht daran . Vater und Sohn verließen die Werft und gingen weiter . * * * Abends saßen sie alle in der Dönß und warteten auf die Ostereier . Hein Mück sagte , er wolle ganz gewiß zehn essen , und Kap Horn erzählte , er habe schon den ganzen Tag nichts mehr gegessen und rechne auf drei-oder vierundzwanzig , so hungrig sei er . Da trat Gesa mit der großen Schüssel an , die gehäuft voll von den schönen , weißen Eiern war , und das Ostereieressen begann , das lustige Wettessen , bei dem der gewonnen hatte , der die meisten Eier aß . Mit glänzenden Augen löffelte Störtebeker ein Ei nach dem andern aus . » Wedder een , Vadder ! De smeckt as Sucker ! « » Söben « , rief sein Vater . » Kann ne angohn « , sagte Störtebeker aufgebracht , » du kannst heuchstens dree Eier up hebben . « Er zählte die Schalen : » Een , twee , dree , Vadder ! « Kap Horn beschäftigte von da an die Augen des Jungen bald auf dem Deich und bald bei den Bildern an der Wand und schob ihm , ohne daß er ' s merkte , die leeren Schalen hin , wie der brütenden Henne Enteneier untergeschmuggelt werden . Die drei Fahrensleute rissen ein ordentliches Loch in den Eierhügel , aber schließlich mußten sie doch back brassen und sich für beet erklären . Da bekleidete Störtebeker sich mit der Würde eines Preisrichters und zählte die Eierschalen , die jeder vor sich liegen hatte . Bei seinem Vater waren es fünf . » U , wat wenig , Vadder ! Du säst söben ! Dat harr ik ne van di dacht ! « » Ik much ne tolangen , Störtebeker « , entschuldigte sein Vater sich , » ik dach , anners wörds du ne satt ! « Bei der Mutter kam Störtebeker zu dem niederschmetternden Ergebnis : » Twee ! Mudder , dat et de lütten Kinner ok all meist . Du müß gewiß de Pann wegdrägen ! « Hein Mück , der sechs Eier gegessen hatte , kam glimpflich davon , aber über Kap Horn , der nur ein Häufchen gänzlich zusammengedrückter Schalen hatte , goß er die volle Schale seines Spottes aus . Dann ging er an den eigenen Berg und steckte die Schalen zusammen . » Mit de poor Dinger is doch keen Stoot to moken « , stichelte Kap Horn . » Van wegen poor Dinger « , ereiferte der Junge sich und zählte sie in Gedanken schnell noch einmal durch , um sicher zu sein , daß er sich nicht verzählt hatte , » kiek hier : dree , süß , söben , acht , negen . Negen Eier ! Ik harr sülben ne dacht , wat soveel würn , ober kannst jo sehn ! « » Wohrraftig negen « , rief Klaus Mewes , der sich kaum des Lachens erwehren konnte , » wat kannt angohn , wat een swarte Koh witte Melk gift , un wat de Jung mihr Eier eten kann as wi groten Lüd ? « Kap Horn lachte : » Jo , he is de Boos un sall noher hochleben loten wardn . « Störtebeker aber sagte : » Junge , Junge ! « und knöpfte die Hose auf , um sich Luft zu schaffen , denn die vermeintlich gegessenen neun Eier lagen ihm nun doch mit einem Male schwer im Magen . » Vadder , nu komm ik ok doch mit no See ? « » Nu noch ne « , bremste die Mutter schnell , » is noch veel to kold buten , « Klaus Mewes sah sie jedoch bedeutsam an und sagte , er wolle morgen zu dem Schuster und Dampf dahinter machen : dann könne der Junge die andere Reise schon mit an Bord . » Och jo , Vadder ! Och jo ! « rief Störtebeker in heller Freude und sprang in der Dönß herum , wie ein Füllen auf der Wisch . Er müsse aber auch Ölzeug haben , gab Kap Horn zu bedenken : das wolle er ihm machen , denn auf so was verstehe er sich noch von den großen Schiffen her . Er ließ sich eine Elle geben und nahm gleich Maß , was dem Jungen den größten Spaß machte . Umständlich schrieb er Länge und Breite in sein Notizbuch mit Kalender von Anno Tobak ein und malte darüber : Ölzeug für Klaus Mewes junior . Spät am Abend standen sie auf dem Deich und guckten nach den drei großen Osterfeuern , die auf dem Opferberge bei Neugraben , der altgermanischen Tingstätte , auf dem Sande von Teufelsbrücke und auf dem Strande von Blankenese loderten und das Sonn-und Sommerverlangen des Niedersachsengaues in die Nacht hinausriefen . * * * So bald wurde es doch noch nichts mit Störtebekers Seefahrt , denn ein starker , stetiger Ostwind , von dem die Fahrensleute sagten , daß er bis Michaelis wehen könne , ließ seinen Vater nicht die Elbe herauf . Klaus Mewes machte sich wieder auf der Weser heimisch , denn mit dem ewigen Dampferschleppen vom vierten Feuerschiff bis Hamburg hatte er nicht viel im Sinn , und schrieb von Bremen und Bremerhaven . » He hett mi förn Narren « , sagte Störtebeker immer wieder erbittert zur Mutter , wenn er den Ewer nicht hergucken konnte . Längst hatte der Schuster die Siebenmeilenstiefel abgeliefert : aber sie hingen auf der Diele an dem Haken , an dem wintertags das geschlachtete Schwein hing , und er sollte sie vorher nicht tragen . Da hingen sie und ärgerten ihn alle Tage . Störtebeker war wieder wie ein Schiff ohne Kompaß , das hierhin und dorthin trieb , wohin gerade der Wind wehte : er fischte und schipperte , bemühte sich um das Sprechen der Nebelkrähe , verkaufte die jungen Kaninchen , er sprang mit den Jungen über die Gräben und trocknete sein Zeug im Winde , wenn es dabei naß geworden war , er watete schon in der Elbe , wenn die Mutter es nicht sehen konnte , und war der einzige vom Neß , der schon schwamm , - das Wasser war noch eiskalt und benahm ihm fast den Atem ! - er suchte Regenwürmer an feuchten Abenden und pödderte Aale , er ließ sein kleines Vollschiff segeln und kalfaterte seinen Kahn mit Hilfe des Jägers , er ging mit auf die Entenjagd und saß mäuschenstill in den Binsen , während die zahmen Lockenten nach den wilden Schwestern riefen , und Juno zum Sprunge bereit stand , er holte sich die getrockneten Scharben von der Leine , zog ihnen die Haut ab , schnitt sie in Stremel und verzehrte sie , er sorgte dafür , daß sie abends und vor aufkommenden Regenflagen unter Dach und Fach kamen , er machte sich Hupuppen , Flöten und Dreibässe aus dem leicht abnehmbaren Bast der jungen Weidenzweige und ketscherte an stillen Abenden die Maikäfer , die um die grüngewordenen Linden schwirrten , - aber es war keins rechte Herzenssache , war alles Notbehelf , bis sein Vater kommen mußte und er mit nach See sollte ! Alle seine Gedanken waren an Bord , und er konnte wieder jeden Tag nach dem Fahrwasser hinausfahren und Blankeneser , Cränzer und Finkenwärder nach H.F. 125 fragen . Da stand der alte Hans Benitt am Deich , der auf dem Altenteil lebte , unbeweglich auf seine Schaufel gestützt , und hatte die Maulwurfshügel unter den Augen . Regungslos stand er , wie ein Hecht im Graben . Wühlte aber ein Maulwurf , so schlich er hin , stach mit der Schaufel in den Hügel , warf den Schwarzrock in die Luft und tötete ihn durch einen Hieb auf die Nase . So reinigte er jeden Tag den landschützenden Deich von seinen schlimmsten Feinden , den Erdwühlern , die in alten Zeiten so manchen Deichbruch verschuldet hatten . Da kam ein Schnelläufer den Deich entlang , bunt gekleidet wie ein Kasper von St. Pauli , mit Schellen behängt , eine Glocke in der Hand , und hinter ihm her liefen Hunderte von Kindern . Die gingen nicht so sittsam hinter ihm wie die Kinder von Hameln hinter dem Rattenfänger : die lärmten und lachten , schrien und sangen wie rechte Gören des lauten Finkenwärders , des Eilandes , das gewohnt ist , zwischen Stürmen zu fischen und in schwarzen Kleidern zu tanzen . » U - een Snilläuper ! « Vorbei braust die wilde Jagd : Störtebeker läuft barfuß neben dem Schnelläufer , er überholt ihn und springt geschickt vom Deich , als er einen mit der Peitsche haben soll , aber dann fällt ihm ein , daß er mit dem Kahn los muß , und er kehrt batz um . Und als der bunte Mann langsam zurück kam und von Tür zu Tür ging , um sich für sein schnelles Laufen bezahlt zu machen , da dümpelte der Junge schon bei Blankenese in der Dünung und riet die Ewer an . Jan Lanker aber gab dem Schnelläufer nichts , als der seine Hand ausstreckte , sondern fragte nur : » Wat is dor los ? « - » Ik bün de Snelleuper un heff snell loopen ! « » Wat geiht mi dat an ! Du harrst jo man sinnig loopen kunnt « , sagte Jan patzig und machte ihm die Tür vor der Nase zu . Da kamen Straßenmusikanten , pfälzisches oder böhmisches Volk , nicht zu vieren , wie in Hamburg , sondern zu zwölfen und zwanzigen , und spielten , daß der ganze Deich tanzte , da kam der Schornsteinfeger , und die Kinder sangen : Schosteenfeger sitt upt Dack ; goh no Schol un lihr di wat ! Da kamen kroatische Mausefallenkerle , Nudelkastenmänner erschienen , denen weiße Mäuse aus den Taschen krochen , Elias kam mit Hüten und Geesch mit Wolle , Jan Timm mit Kirschen und Betti-Betti mit wat Räukerts , da kam der Scherenschleifer und ließ die Funken springen , der Wollkämmer kam und schor die Schafe , die Bauern kamen mit Pferd und Wagen : es gab wirklich viel zu gucken und zu hören am garn- und fischbehängten Deich , aber Störtebekers Augen waren westwärts gerichtet . Er lag die meiste Zeit auf dem Wasser und ließ Torpedoboote und Ochsendampfer , Jalken und Kuffen , Viermaster und Barken , Lühjollen und Steinewer vorbeidampfen und -segeln . Jonn Meier kam auf , der glückliche Störfischer , weithin kenntlich an den beiden Booten , die auf Deck standen , an den roten Bojen , den Pümpeln , die an den Wanten hingen , und an dem großmaschigen Störgarn , - - er hatte neun große Störe gefangen , die er an Stroppen hinter sich her schleppte , wie Etzel die Könige an Stricken mitnahm , - aber seinen Vater konnte Störtebeker nicht in Sicht kriegen . Was gingen ihn die Störe an : sein Vater fischte keine Störe ! Was kümmerte es ihn , daß Jan Mewes seine alte Jolle abschlachtete und mit dem Boot weiterfischte , daß Hein Schloo zwei Fischottern bei der Neßkule schoß , daß Paul Fahje sich einen neuen Großmast einsetzen ließ , weil er den alten abgesegelt hatte , daß Hinnik Saß doch nach dem Bauern mußte , weil er zu seekrank geworden war , daß der kleine Karsten Kölln in den Graben fiel und ertrank , daß Hans Peter sich aufhängte , weil sein Sohn von einem Dampfer in Grund gebohrt war , daß Hein Husteen und Marieken Kröger lustige Hochzeit gaben ? Was kümmerte es ihn , der auf seinen Vater lauerte ? Wie auch die Mutter sich bemühte , ihn an den Deich und an das Land zu gewöhnen , - er sprach von der See und guckte nach den Schiffen , als wenn es weiter nichts auf der Welt gäbe . Dann kam der Tag , an dem Gesa ihrem Jungen beiläufig klagte , daß sie keinen Sand mehr hätte und den Schweinen kaum noch streuen könnte : wenn Vater doch bald käme , daß er ein Boot voll Sand vom Nienstedter Fall holen könnte . Störtebeker merkte sich das und beschloß , sie zu überraschen und ihr heimlich einen Kahn voll Sand zu holen . Er nahm sich den dritten Tag , als es mit der Tide besser paßte , den kleinen Harm Rolf zu Hilfe , versah sich mit zwei Schaufeln und schipperte mit halber Ebbe westwärts , nach den Ausläufern des Nienstedter Falles , die bei Niedrigwasser als Sandbänke aus dem Wasser tauchten . Sie sollte nicht sagen , daß er nur zu schlechten Dingen zu gebrauchen sei . Als sie die rechte Stelle gefunden hatten , klaren Sand ohne Schlick und Kraut , ließ er den Kahn aufs Trockne laufen , zog Stiefel und Strümpfe aus , krempelte die Hose auf und sprang ins Wasser . Sein kleiner Macker machte es ihm nach . Als der Fall hoch genug aus dem Wasser guckte , häuften sie den Sand zunächst neben dem Kahn zu einem Berg , damit die Feuchtigkeit abziehen konnte , dann erst schaufelten sie den trockeneren Sand in den Kahn : so mußte er ja bedeutend mehr tragen können , sagte sich Störtebeker , und warf immer mehr hinein , bis der Hümpel mit der Ducht gleich war . Aber auch dann gab er noch nicht nach : er wollte eine ordentliche Last ans Bollwerk bringen und schaufelte unermüdlich . » Schullt ok woll all genog wesen ? « fragte Harm , aber Störtebeker schüttelte den Kopf und spuckte von neuem in die Hände . » Noch lang ne , Harm , smiet man noch in , de Sand is dreug , un de Kohn is een fixen Kohn , de drigt wat , kann ik di flüstern . « Er mußte sich schon den Schweiß von der Stirn wischen , so riß er