acht , daß nicht etwa Ernst daraus wird ! « » Bei mir wird jeder Spaß zum Ernste . Ist das bei Euch etwa anders ? « Da trat er hart an mich heran und drohte : » Ich warne Euch ! « » Pshaw ! « machte ich wegwerfend . » Ja , ich warne Euch ! Aber aus ganz anderem Grunde , als Ihr denkt . Pferde sind keine dummen Maultiere . Es werden Euch entweder die Knochen zerschmettert , oder Ihr brecht den Hals ! « » Das wartet ruhig ab ! « Ich hielt es nun nicht mehr für nötig , mich zu verstellen . Ich schwang mich auf das Maultier , welches Pappermann am Zügel hielt . » Wie wird es mit den Pferden ? « fragte er mich leise . » Ganz ebenso ! « antwortete ich . » Aber sie lassen doch Niemand an sich heran ! « » Habt keine Sorge ! Ich komme nicht nur hinan , sondern auch hinauf ! « Nach diesen Worten flog ich über den Platz und über die Mauer hinüber . Als ich den Mulo10 in den Hof brachte , stand dieser schon fast ganz voller Menschen . Die Sache war publik geworden , und die Leute kamen herbei , ihr beizuwohnen . Dem Wirte war das lieb , weil er dadurch Gäste bekam . Auch die benachbarten Höfe und » Gärten « hatten begonnen , sich mit Zuschauern zu füllen . Mein Koffer war da . Das Herzle war selbst mit oben gewesen . Sie sagte mir , daß vier Zeugen an unsern Fenstern ständen , drei Polizisten und ein Herr , den man ihr als Corregidor bezeichnet habe . » Das heißt so viel wie Bürgermeister . Die Leute mexikanischer Abstammung pflegen sich dieses spanischen Ausdrucks zu bedienen , « erklärte ich ihr . » Er ist erst nachträglich gekommen . Er wurde nämlich von einem der Polizisten geholt , und zwar aus einem mir unbekannten Grunde , welcher uns aber , wie er mir versicherte , außerordentlich interessieren wird . Er war sehr höflich . Brauchst du etwas aus dem Koffer ? « » Ja . Zunächst meinen Beratungsrock . « Ich öffnete den Koffer und entnahm ihm das bezeichnete , aus weißem Leder gefertigte Kleidungsstück , dessen Nähte mit Skalplocken verziert sind . » Uff ! « verwunderte sich der Indsman in halblautem Tone . » Das darf nur ein Häuptling tragen ! Aber auch nur am Beratungsfeuer und bei Stammesfestlichkeiten ! « Ich zog meinen Rock aus und legte dafür dieses indianische Gewand an . » Warum ? « fragte das Herzle . » Hörst du , wie deine Kontrahenten darüber lachen und spotten ? « » Laß sie es tun . Es kommt sogar noch der Häuptlingsschmuck dazu . Es ist der Pferde wegen . Sie haben indianische Dressur . Sie lassen außer ihrem Herrn kein Bleichgesicht zu sich heran , und auch ich käme , ohne mich umzukleiden , gewiß nicht in den Sattel . « » Ah ! Darum die Bedingung , dich aus- und anziehen zu können , ganz wie es dir beliebt ? « » Ja . Du siehst , daß jedes Wort erwogen war , obgleich auch du selbst nicht wußtest , warum und wozu . « Als ich den Häuptlingsschmuck aus seiner Hülle rollte , stieß der Indsman einen zweiten Ruf der Verwunderung aus : » Uff , uff ! Das echte , wirklich echte Gefieder des Kriegsadlers , den es jetzt nicht mehr gibt ! Sind es fünfmal zehn Federn ? « » Noch mehr , « antwortete ich . Da stand er ehrerbietig auf und sprach : » So muß ich meinen Gruß und meine Bitte um Verzeihung - - - « » Still , still ! « unterbrach ich ihn . » Wir sind hier nicht am Beratungsfeuer , und nur um zu den köstlichen Pferden zu gelangen , enthülle ich diese Heimlichkeit , deren Bedeutung man glücklicherweise hier wohl nicht kennt . « Zu der Art von Schmuck , um die es sich hier handelt , durften nur die zwei äußersten Schwungfedern des Kriegsadlers genommen werden . Der meinige reicht hinten vom Kopfe bis auf die Erde herab , ist von sorgfältigster , indianischer Arbeit und hat seine eigene , sehr ergreifende Geschichte . Als ich ihn aufsetzte , begannen zwei oder drei von den Sechs von Neuem zu lachen . Da aber fuhr Howe sie zornig an : » Schweigt ! Seht ihr denn nicht , was es nun geben wird ! Er kennt das Geheimnis der drei Hengste ! Da gibt es nichts zu lachen ! Aber ich hoffe , er bricht trotzdem noch den Hals ! « Ich ging mitten zwischen ihnen hindurch , hinaus zu den Pferden . Da standen die Peone . Keiner von ihnen sagte ein Wort ; aber wenn Blicke die Wirkung von Büchsenkugeln besäßen , so wäre ich unter den ihren sofort zusammengebrochen . Die Fliegenschimmel hielten sich noch eng beisammen . Ich schritt langsam auf sie zu . Sie betrachteten mich , ohne sich zu bewegen . Ihre rötlichen Nüstern blähten sich . Ihre kleinen Ohren begannen , zu spielen . In ihre langen , prächtigen Schwänze kam Bewegung . Zwei von ihnen ließen mich heran ; der dritte aber schnaubte . Er wich zurück , doch ohne nach mir zu schlagen oder zu beißen . Der war der Klügste . Den hob ich mir auf bis zuletzt . Er hatte eine kleine , hellweiße Mouche grad über der Nase , kaum so groß wie ein Pfennig , ein tiefklares und gesundes Auge , ein charaktervolles , trockenes Köpfchen , eine seidenglänzende Haut und einen so tadellosen Bau , daß ich schon jetzt , wo er mir noch gar nicht gehörte , beschloß , ihn für mich selbst zu nehmen . Jetzt aber schwang ich mich auf einen der beiden andern . Er ließ sich das ohne jeden Widerstand gefallen , trug mich zweimal im Galopp und im Kreise herum und flog dann mit mir über die Mauer , als ob sie nur eine niedrige Stufe sei . Lauter Beifall erscholl in den Höfen . Die sechs » Künstler « aber waren still . Ich brachte das Pferd bei den Maultieren unter und ging dann hinaus , um das zweite zu holen . Auch das gelang . Als ich dann zum letzten Male hinaus zu den Peonen kam , trat der von ihnen , welcher mich schon einmal angesprochen hatte , auf mich zu und sagte : » Sir , Ihr gebt doch wohl zu , daß Ihr darauf ausgegangen seid - - « » Euch eine Lektion zu erteilen ? « unterbrach ich ihn . » Ja , das wollte ich allerdings . « » Nun gut ! Es ist geschehen . Dabei soll und muß es aber nun sein Bewenden haben ! Wir machen nicht mehr mit ! « » Ich auch nicht ! Ist überhaupt gar nicht nötig ! Wir werden ja gleich fertig sein ! « » Noch nicht ganz . Denn auf dieses Pferd kommt Ihr nicht ! « Er ging von vorn auf den Hengst zu , um ihn am Zügel zu fassen ; ich aber war schneller als er . Das Pferd , welches ihn kommen sah , dachte , er wolle in den Sattel . Es wendete ihm Kopf und Brust zu und schnaubte ihm drohend entgegen . Das benutzte ich . Mit einigen schnellen Schritten kam ich von hinten - - ein kräftiger Ansatz , ein Sprung , ein Schwung , und ich saß oben . Nun aber schnell in die Bügel und an die Zügel ! Da ging der Schimmel auch schon mit allen Vieren in die Luft . Der Peon war gezwungen , auf die Seite zu springen , um nicht von den Hufen getroffen zu werden . » Hund ! « brüllte er mich an . » Das sollst du mir büßen ! « Und zu seinen Kameraden gewendet , fügte er hinzu : » Kommt schnell hinein in den Hof ! Die Abmachung darf nichts gelten ! Er muß sie alle wieder herausgeben , sie alle ! « Er rannte mit ihnen fort . Da ich nun einmal auf dem Pferde saß , konnten sie mich nicht mehr daran hindern , nun auch den letzten Sprung noch auszuführen . Es galt also nur noch , mich um den wohlverdienten Ertrag meiner Mühe zu bringen . Darum beeilten sie sich , mir womöglich noch vorauszukommen . Sie waren nämlich überzeugt , daß dieses letzte Pferd mir nicht so willig gehorchen werde wie die beiden vorangehenden . Aber da irrten sie sich . Nun ich einmal fest im Sattel saß , unternahm es keinen Versuch , mich abzuwerfen . Das war die Wirkung der indianischen Kleidungsstücke . Aber es hatte mich trotz derselben doch wiedererkannt . Es wußte , daß ich kein Roter , sondern ein Weißer sei , und darum zögerte es . Ich hütete mich , es durch die Sporen zu zwingen . Ich gab vielmehr gute Worte . Weil ich der Ansicht war , daß es einer Dakotakreuzung entstamme , versuchte ich es erst in dieser Sprache , und zwar mit den bei den Dakotastämmen gebräuchlichen Anfeuerungsworten für Pferde : » Schuktanka waschteh , waschteh ! Tokiya , tokiya - sei gut , sei gut , liebes Pferd ! Lauf , lauf ; geh weiter ! « Diese Aufforderung war ohne allen Erfolg . Ich setzte den Versuch also im Apatsche fort : » Yato , yato ! Tatischah , tatischah - - sei lieb ; sei gut ! Lauf , lauf ! « Es spitzte die Ohren und wehte mit dem Schwanze . Es kannte also diese Worte , die aber noch nicht die richtigen waren . Darum probierte ich es nun mit dem Komantsche : » Ena , ena ! Galak - - geh weiter ; geh - - « Ich hielt mitten in diesem Zurufe inne . Ich hatte nicht nötig , ihn zu vollenden , denn der Hengst stieß einen tiefen Ton der Freude aus und begann sofort , mit allen Hufen zu spielen . Und da kam mir eine Idee , die eigentlich weit hergeholt erschien , sich aber dann später als wahr erwies . Es fiel mir nämlich der edle , dunkle Rotschimmel ein , den mein Freund Apanatschka , damals noch Häuptling der Naiini-Komantschen , mit großer Vorliebe geritten hatte . Ich habe dieses Pferd in » Old Surehand « Band 3 Seite 51 erwähnt und beschrieben . Und ich wußte , daß sowohl Apanatschka wie auch Old Surehand sich große Mühe gegeben hatten , diesen schönen Komantschenschlag mit Winnetous Lieblingen und besten Dakotatrabern zu vereinen , um Pferde zu ziehen , in denen die Vorzüge dieser drei Rassen zusammenflossen . Dieses Vorhaben war gelungen . Sie besaßen nun Beide mehrere große Züchtereien , deren bedeutendste drüben am Bijou-Creek liegt , der ein Nebenfluß des südlichen Platte ist . Dort hatte Old Surehand sich zu den Wirtschaftsgebäuden ein Wohnhaus bauen lassen , in dem er einige Monate des Jahres zuzubringen pflegte . Dieser mit sehr gutem Geschmack eingerichtete Landsitz war gemeint , als er mir in seiner auf Seite 10 befindlichen Mitteilung schrieb : » Betrachte mein Haus als das Deinige , auch wenn wir nicht daheim sind . « Sollten die drei Fliegenschimmel von dorther kommen ? Vielleicht auch die Maultiere ? Sollten die sechs sogenannten » Künstler « samt ihren Peonen Pferdediebe sein ? Unmöglich war das keineswegs . Trinidad ist seines Pferdehandels wegen weithin bekannt und für derartiges Gesindel ein ebenso bequemer wie gesuchter Ort , die geraubte Ware an den Mann zu bringen . Das Alles fuhr mir jetzt blitzschnell durch den Kopf , ohne daß ich aber Zeit hatte , den Gedanken festzuhalten und weiter zu bewegen . Der Rappschimmel begann , wie bereits gesagt , mit allen vier Hufen zu tänzeln und zu spielen . Seine beiden Freunde und Verwandten waren fort . Er wollte ihnen nach , wollte zu ihnen . Ich nahm ihn fest zusammen und legte ihn dann in Galopp , aber nur bis an die Mauer . Da blieb ich halten . Er bat in tiefknurrenden Tönen , ihn doch hinüber zu lassen . Das hatte ich hören wollen . Er war nicht stumm ; er sprach ! Nun erfüllte ich seinen Wunsch . Die Mauer wurde , wie der Reiter vom Fach sich auszudrücken pflegt , von dem Hengst » mit höchster Eleganz genommen « . » Gewonnen , gewonnen ! Die Pferde sind sein , sind sein ! « ertönte ein vielstimmiger Ruf . Pappermann war schleunigst hinter mir hergerannt . Ich übergab ihm das Pferd , um es zu den andern in den Hof zu schaffen . » Halt ! Dableiben ! « rief Howe ihm befehlshaberisch zu . » Der Hengst gehört uns , und die andern alle auch . Sie müssen wieder herein , hierher , zu uns ! « Er griff nach den Zügeln . Da trat ich zu ihm heran und antwortete : » Hand ab vom Gaul ! Ich zähle bis drei : Eins - - zwei - - drei - - ! « Er ließ nicht los . Darum stieß ich ihm bei » drei « die Faust in die Seite , daß er mitten unter seine Kameraden hineinflog und dann zur Erde stürzte . Er wollte sich augenblicklich aufraffen , um mir diesen Stoß schleunigst zu vergelten , brachte dies aber nicht fertig . Er konnte sich nur langsam wieder erheben , und ehe dies geschah , hatte sich schon ein Anderer seiner Sache angenommen , nämlich der Peon , von dem ich ein » Hund « genannt worden war . Er kam mit geballten Fäusten auf mich zu und schrie : » Schlagen , schlagen willst du auch ? Das soll dir wohl nicht gut - - - « Er kam nicht weiter . Er wurde von dem neuen Wirt unterbrochen , welcher soeben in den Garten trat , gefolgt von einigen robusten , muskelstarken Männern , die er sich schnell zusammengewinkt hatte , um grad im entscheidenden Augenblicke mit ihnen dazwischen zu treten . » Still , still ! Haltet den Schnabel ! « überschrie er den Peon . » Hier kommt das Essen ! Die Suppe ! Macht eure Sache aus , wenn gegessen worden ist ! In meinem Hotel ist es nicht erlaubt , sofort mit allen Fäusten dreinzuschlagen ! Sondern hier heißt es , erst die Henne und dann das Geschäft ! « Der Mann war pfiffig . Um den Peon zu beruhigen , warf er die Schuld zunächst auf mich , winkte mir dabei aber mit den Augen die Bitte zu , mir das » sofort mit allen Fäusten dreinschlagen « nicht etwa zu Herzen zu nehmen . Während die Andern hinter ihm die Teller und Bestecke brachten , trug er die Terrine mit der Hühnersuppe . Er griff während seiner Worte hinein , zog die alte , ausgekochte Henne an einem Beine heraus und hob sie so hoch empor , daß Jedermann sie sehen konnte . Was er so klug berechnet hatte , das geschah . Aus den anliegenden Höfen und Gärten scholl ein lautes Gelächter zu uns herüber , und eine Menge von lustigen Stimmen rief durcheinander : » Ganz richtig ! Ganz richtig ! Erst die Henne und dann das Geschäft ! Vivat die Henne ! Sie lebe hoch ! « Das wirkte . » Well ! « rief der Peon . » Es sei ! Erst die Henne und dann die Pferde ! Setzt euch ! Wir essen ! Dieser Mr. Burton kann warten , bis wir fertig sind ! « » Nein ! Er soll nicht warten ! « entgegnete Howe , der nach seinem Stuhle hinkte , um sich zu setzen . » Er soll uns Musik machen ! Tafelmusik ! Er bläst die Ziehharmonika , und Mrs. Burton spielt Gitarre ! « » Ja , das soll er , das soll er ! « stimmte der Peon ihm bei , indem er mir gebieterisch winkte . » Her mit der Ziehharmonika ! Und her mit der Gitarre ! « » Sogleich ! « antwortete ich . » Sogleich ! « Ich trat zum Herzle , nahm die zwei Revolver aus den beiden Außentaschen des vorhin abgelegten Rockes und fragte sie : » Kannst du dir denken , was jetzt kommen muß ? « » Ja , « antwortete sie . » Und hast du Mut ? « » Ich denke es ! « » So komm ! « Ich spannte beide Revolver und gab ihr den einen in die Hand . Bis jetzt hatte ich so gestanden , daß man die Waffen nicht sehen konnte . Nun aber drehte ich mich um und ging auf die Tafel zu , das Herzle folgte mir sogleich . Die rechte Hand mit dem Revolver hebend , sagte ich : » Hier meine Ziehharmonika ! « » Hier meine Gitarre ! « drohte das Herzle . » Das Spiel beginnt ! « fuhr ich fort . » Wer von euch etwa auch nach der Waffe greift , bekommt auf der Stelle eine Kugel ! War unser Essen vorhin für euch , so ist das eure nun für uns ! Bitte Mr. Pappermann greift zu ! Hinüber zu uns mit dem Tafeltuch ! Hinüber mit Besteck und Geschirr ! Und hinüber mit der Henne ! « Einige Augenblicke lang herrschte rundum tiefes Schweigen . Ich sah , daß der Revolver in der Hand meines Herzle leise bebte . Sie griff mit der andern Hand nach meinem Arm , um fest zu sein . Aber die Drohung wirkte . Keiner der Künstler und Peone wagte , sich zu rühren . Und nun brach rundum ein jubelnder Beifall los . » Hinüber auch mit der Henne ! « rief , schrie , lachte und spottete Alles , was eine Stimme besaß . » Hinüber , hinüber ! Mit der Henne , mit der Henne ! « Pappermann griff zu , meine Weisung auszuführen , und Niemand hinderte ihn , es zu tun . Da entstand ein Gedränge draußen im Hof . Es wollte Jemand von dort heraus in den Garten . » Der Corregidor kommt ! « hörte ich sagen . » Der Corregidor ! « Also der Herr Bürgermeister selbst ! Und hinter ihm die drei Polizisten . Also unsere Zeugen . Aber sie kamen nicht nur als Zeugen , sondern aus einem noch ganz anderen , viel gefährlicheren Grunde . Der Corregidor wendete sich , als er uns erreichte , zunächst an mich : » Steckt die Revolver ein , Mr. Burton ! Sie haben ihren Dienst getan und sind nun , da ich mich der Angelegenheit selbst annehme , nicht mehr nötig . Die Pferde und Maultiere sind Euer . Kein Mensch kann sie Euch nehmen . Und auch Euer Geld gehört Euch wieder ! « » Oho ! « rief der schon wiederholt erwähnte Peon , der unsere Waffen nicht mehr auf sich gerichtet sah . » Dazu gehören wir wohl auch ! « » Allerdings gehört Ihr auch dazu ! Grad Ihr ! Besonders Ihr ! Es verlangt mich sehr , Euern Namen zu erfahren ! Aber nicht etwa einen falschen , sondern nur den richtigen ! « » Meinen Namen ? « fragte der Peon . » Warum ? Wozu ? Falsche Namen führe ich überhaupt nicht ! « » Ich kenne wenigstens zehn bis elf , die Ihr bisher brauchtet , um Euch zu verstecken . Euer wirklicher Name ist Corner . Unter dem letzten falschen Namen wurdet Ihr wegen Raub und Pferdediebstahl unten in Springfield verurteilt , seid aber ausgerissen ! « » Das ist nicht wahr ! Das ist eine Lüge ! Das ist eine Schändlichkeit ! Ich bin ein ehrlicher Mann und habe niemals einen andern Menschen auch nur um den Wert eines Cent gebracht ! « » Wirklich ? - Wollt Ihr eine Person sehen , welche das Gegenteil nicht nur behauptet , sondern dasselbe auch beweist ? « » Bringt sie mir ! « » Da ist sie ! « Der Beamte tat bei diesen Worten einen Schritt zur Seite , damit der bisher hinter ihm stehende Polizist zu sehen sei . Dieser nickte dem Peon ironisch zu und sagte : » Ihr kennt mich wohl , Mr. Corner ? Ich war es , der Euch in Springfield arretierte , und wiederhole das nun heut mit großem Vergnügen . Bin inzwischen hier in Trinidad angestellt worden ! « Kaum hatte der Peon diesen Polizisten gesehen und seine Worte gehört , so rief er aus : » Dieser Schurke ist hier , dieser Schurke ! Hole Euch alle der Teufel - der Teufel ! Kommt , kommt ! « Indem er diese letzte Aufforderung an seine Kumpane richtete , tat er einen Sprung , der ihn aus unserer Nähe brachte , und rannte spornstreichs davon , aus dem Garten auf das Oedland hinaus und nach der Stelle zu , auf welcher die Pferde standen . » Ihm nach , ihm nach ! Er will fliehen ! « befahl der Corregidor , indem er gleich in eigener Person hinter ihm herrannte . Aber der Peon floh nicht allein . Seine sämtlichen Komplizen waren aufgesprungen und folgten seinem Beispiele mit einer Schnelligkeit und Gewandtheit , aus welcher zu sehen war , daß sie in Beziehung auf derartige Vorkommnisse bedeutende Uebung besaßen . Auch ich bin gewohnt , sehr schnell zu handeln , wenn es einmal zu handeln gilt . Ich griff also so rasch wie möglich zu , aber es gelang mir nur , grad den Letzten von ihnen noch zu erwischen und festzuhalten . Er wollte sich zwar wehren und losreißen , aber Pappermann , der überaus kräftig war , nahm ihn mir aus den Händen , warf ihn zu Boden und kniete ihm derart auf die Brust , daß er sich nicht mehr rühren konnte . Nun sah man sie laufen , alle , alle . Voran die Fliehenden , hinter ihnen her ihre Verfolger . Die Ersteren erreichten ihre Pferde , schwangen sich auf und jagten davon , indem sie das vierte Maultier und auch das Pferd ihres von uns überwältigten Kameraden mitnahmen . » Schurken ! « rief dieser zornig aus , als er das sah . » Was wird nun aus mir ! « » Das kommt auf dich an , « antwortete ich . » Wieso ? « fragte er . » Warte ! « Meine Aufmerksamkeit wurde nämlich durch die fast drollige Szene , die sich jetzt da draußen entwickelte , angezogen . Es hatten sich nicht etwa nur einige , sondern alle Anwesenden an der Verfolgung beteiligt . Ausgenommen waren nur Pappermann , der Wirt mit seinen Leuten , der Indianer , meine Frau und ich . Auch die Nachbarn mit ihren Zaun- oder vielmehr Mauergästen waren herübergesprungen und den Flüchtlingen nachgerannt . Es fiel ihnen jetzt , da diese davonritten , gar nicht etwa ein , stehen zu bleiben oder gar umzukehren , sondern wir hörten den Corregidor rufen : » Schnell nach den Corrals ! Und dann hinter ihnen her ! « Corrals sind umzäunte , freie Plätze , in denen man die Pferde unterbringt . Solcher Plätze gab es für die Bewohner von Trinidad mehrere . Ihnen eilte man jetzt zu , um sich schleunigst auch beritten zu machen und dann den Spuren der so schnell Verschwundenen zu folgen . Nun waren wir allein , und ich wendete mich an den Gefangenen , der von Pappermann noch immer festgehalten wurde : » Steh auf , Bursche ! Und höre , was ich dir sage ! « Da ließ Pappermann ihn halb los , so daß er sich erheben konnte . Ich fuhr fort : » Wenn du mir meine Fragen aufrichtig und wahr beantwortest , geben wir dich frei . « » So daß ich fort kann , wohin ich will ? « fragte er schnell . » Ja . « Er sah mich prüfend an ; dann sagte er : » Ihr seht nicht wie ein Lügner aus . Ich hoffe , daß Ihr Wort halten werdet . Also gebt mir an , was Ihr wissen wollt ! « » Von wem sind die drei Schwarzschimmelhengste ? « » Von der Farm eines gewissen Old Surehand . « » Und die Maultiere ? « » Von eben daher . « » Gestohlen ? « » Nein , eigentlich nicht . Es war nur Betrug , ein kleiner , allerliebster Betrug . Corner hatte erfahren , daß die besten Pferde und Maultiere Old Surehands für einen Deutschen bereitgestellt waren , der mit seiner Frau erwartet wurde . Auch erwartete man einige junge Maler und Bildhauer , die ausgerüstet werden sollten - - - « » Ausgerüstet ? Wozu ? « unterbrach ich ihn . » In das Apatschenland zu einer großen Schaustellung zu reiten . Der junge Surehand hatte sie dazu eingeladen , war aber , ebenso wie sein Vater , längst vorangereist . Da stellten wir uns ein . Es gab eine Art von Maskerade , von Fastnachtsspiel . Der Verwalter glaubte uns und gab Alles , was wir verlangten , her . « » Ah ! Darum seid Ihr auch jetzt noch Bildhauer und Maler ! « » So ist es ! « lachte er . » Fragt weiter ! « » Ich bin fertig . Wenn ich weiter in Eure Geheimnisse eindränge , würde es mir wohl sehr schwer oder gar unmöglich sein , Euch mein Wort halten zu können . Ich mag also weiter nichts wissen . « » Und ich darf fort ? « » Ja . « » Ich danke ! Ihr seid ein Ehrenmann , Sir ! Aber ich bin ohne Pferd ! « » Da kann ich Euch nicht helsen . « » Könnt Ihr mir nicht wenigstens eines der Maultiere geben ? « » Gestohlenes Gut . - Nein ! « » Aber , nun Ihr wißt , daß die Tiere eigentlich gar nicht unser sind , dürft auch Ihr sie nicht behalten ! « » Will ich auch nicht . Ich kenne Old und auch Young Surehand . Ihr könnt Euch darauf verlassen , daß er wiederbekommt , um was er von Euch bestohlen worden ist , wenigstens so viel , wie ich retten konnte . Auch das Zelt behalte ich . « » Well ! Mir egal ! Aber ohne Pferd kann ich nicht fort . Ihr werdet heut erfahren , daß hier irgendwo und irgendwem eines abhanden gekommen ist . Wird das Euer Gewissen nicht beschweren ? « » Nicht im geringsten . Denn es fällt mir gar nicht ein , es für das , was Andere tun , mit herzugeben . Also geht ! « » Gut ! Fertig ! Lebt wohl ! « Er wendete sich , zu gehen . Da sagte der Wirt , welcher zugehört hatte , zu ihm : » Wenn Ihr partout ein fremdes Gewissen zu Rate ziehen wollt , so stelle ich Euch das meinige zur Verfügung . Ich werde sofort dafür sorgen , daß heut und hier kein Pferd abhanden kommt ! Nicht irgendwo und auch nicht irgendwem ! In zehn Minuten wird die ganze Stadt es wissen , daß Ihr uns ausgerissen seid und Pferde stehlen wollt . Fort mit Euch ! « Schon wollte der Mensch dieser Weisung Folge leisten , da nahm Pappermann ihn noch einmal beim Arme und sprach : » Noch auf ein Wort ! Diese beiden Gentlemen , die Euch laufen lassen wollen , haben die Hauptsache vergessen . Ihr habt doch Geld ? « » So viel , wie ich brauche , ja . « » Wo ? « » Hier in der Tasche . « Er zog einen wohlgefüllten Beutel heraus , um ihn uns prahlerisch zu zeigen , und fügte hinzu : » Warum fragt ihr nach meinem Gelde ? « » Der Zeche wegen ! « antwortete Pappermann , indem er ihm in das Gesicht lachte . » Ich heiße nämlich Mach Pappermann und lasse mich von solchen Kerls , wie Ihr seid , nicht an der Nase führen , Ihr werdet die Zeche zahlen , für Euch und Eure Genossen ! « » Für mich , meinetwegen ! Aber auch für die Andern , fällt mir gar nicht ein ! « » Das wird Euch gar wohl einfallen ! Her mit dem Beutel ! « Er riß ihn ihm aus der Hand , gab ihn mir schnell und sagte : » Habt Ihr die Güte , zu bezahlen , Sir ! Ich halte den Hallunken einstweilen fest . « Wie gesagt , so getan . Der neue Wirt machte die Rechnung ; ich bezahlte sie und gab dem Manne dann den Beutel mit dem übrigen Gelde zurück . Hierauf verschwand er , zwar fluchend und wetternd , aber doch so schnell wie möglich . - - - Drittes Kapitel Am Ohr des Manitou Nachdem der Pferdedieb sich entfernt hatte , gab ich den Häuptlingsschmuck und die Revolver in den Koffer zurück . Dann konnten wir endlich , endlich essen . Der » junge Adler « hatte wieder Lebensfarbe bekommen . Es war ihm sichtlich höchst unangenehm , daß wir Zeugen seiner Schwäche gewesen waren . Es lag ihm daran , von uns geachtet zu werden . Darum teilte er uns mit , daß ihm vor nun fast vier Tagen unten am Carriso-Creek sein Pferd gestohlen worden sei , und zwar mit dem ganzen Inhalte der Satteltaschen . Unterwegs gab es zu seiner Nahrung nur einige eßbare Wurzeln oder Beeren , weiter nichts . Er hatte sein schweres Paket nun selbst zu tragen , und so war es kein Wunder , daß er in so großer Uebermüdung hier eingetroffen war . Er erfuhr ,