' s ihnen zu - daß das Würmchen zwei kleine Beinchen haben soll und auch mit schier unendlich großen Glaslinsen beim besten Willen nicht sichtbar zu machen ist . Wie das die eisernen Sterne hören , müssen sie mordsmäßig lachen , daß der ganze Himmel dröhnt - als führten Billionen Glockensterne Krieg miteinander . Es gehen doch noch lustige Geschichten in den Sternvölkern um . Dieses Würmchen ! Dieses unsichtbare zweibeinige Würmchen ! Die eisernen Sternvölker brummen bald nicht mehr . Späße bebrummt man nicht . Krebsrot Ein Herren-Scherzo Auf der großen Freitreppe stand einer - der besann sich plötzlich auf sich selbst . Er betrachtete sich und sah , daß Alles an ihm krebsrot war . » Bin ich ein gekochter Krebs ? « Also kam ' s dem Besonnenen über die schmunzelnden Lippen . » Gut ! « fuhr er aber fort , » dann sollen Alle zu gekochten Krebsen werden ! « Und er ging hinauf in sein hohes Haus und wollte alle seine Freunde verwandeln . Es gelang ihm aber nicht . Der Radaubengel Nihilisten-Ulk Eben waren die guten Hofmeister vom Tode auferstanden und wünschten sich gemütlich guten Morgen - da schlug der Blitz in eine gesunde Eiche , und der Donner schüttelte alle Himmel . Das war aber noch gar nichts , denn gleichzeitig stieg der nie besiegte General Hohnke aus seinem Grabe heraus und fing so fürchterlich über die Bedeutung der Freiheit zu reden an , daß die guten Hofmeister schleunigst wieder in ihr altes Grab krochen . Hohnke jedoch schlug Alles kurz und klein - auch die sämmtlichen Himmel . » Freiheit ! « brüllte er kanonenmäßig . Dies Gebrüll war aber nicht mehr zu hören , denn die Himmel waren mit allem Zubehör nicht mehr am Leben - Hohnke stand im Nichts . Er wunderte sich mächtig - half ihm leider nichts . Was weg ist , ist weg ! Nichts kann so viel zerstören wie das Freiheitsgebrüll - sämmtliche Himmel mit allem Zubehör bringt es einfach um . Die Freiheit will eben weiter nichts als - Nichts . Hohnke ! Du kannst mir leid tun ! Wo bist Du jetzt ? Hohnke ist wohl auch nicht mehr am Leben . O Hohnke ! General Hohnke ! Mein Großvater » Das ist Alles so lächerlich ! « sagte mein Großvater , als er das sah , was ich schrieb . Ich schaute meinen Großvater freundlich an und meinte : » Großvater , das verstehst Du nicht ! « Großvater schwieg , denn er war sehr klug und wußte , daß mit mir nicht zu spaßen sei . Schließlich wußte ich nicht , was ich mit ihm anfangen sollte ... Und da fing ich an , mich mit ihm zu prügeln ... Er zerbrach mir mein Nasenbein . Diese vier Stücke schienen den alten Herren zu gefallen ; sie lachten , steckten die Köpfe zusammen und zeigten sich einzelne Stellen . Ich bewunderte , wie geschickt sie mit ihren Pincetten umzugehen verstanden . Ich sah mir die Blutmedusen auf der schwarzen Sammetdecke genauer an und sah , daß jede einen ganz anderen Gesichtsausdruck zeigte . Und ich verglich diese vielen Gesichter mit dem Gesichte der großen Sonne , die mir die Augen geblendet hatte . Währenddem sagte der King Thutmosis lächelnd : » Unser Scheerbart hat ohne Frage das ernsthafte Bestreben , seine verehrte Nase tiefer in die Weltgeheimnisse zu stecken . Er sucht überall nach großen Hintergründen . Das ist schon richtig . Aber die Hauptsache verliert er immer aus den Augen . Daß diejenige Erscheinungsform der Welt , die uns offenbar wird , in allen ihren Äußerungen unendlich viele Daseinsmasken vornimmt , das stimmt schon . Es stimmt auch , daß es in unsrer Erscheinungsform der Welt nach allen Richtungen kein Ende gibt . Diese gewiß sehr großartige Tatsache kommt in der Welt von Eisen gut zum Ausdruck . « » Indessen , « fuhr nun der brummige Necho fort , » wenn das auch viel ist , ist ' s noch nicht genug . Du darfst nie vergessen , daß alle Sterne mit ihrer Unendlichkeit - nur eine einzige Erscheinungsform der Welt darstellen - und daß sich an diese eine einzige Erscheinungsform der Welt noch unendlich viele andere Erscheinungsformen anreihen , die uns vorläufig noch nicht faßbar sind . Und diese anderen Erscheinungsformen , deren Zahl eben in keiner Unendlichkeit Platz findet - machen uns die Welt eben unendlich viele Male größer , als sie uns bisher erschien . So kommt es , daß die unendliche Welt , die wir zu sehen vermeinen , jetzt nur ein Tropfen in einem unendlich viele Male größeren Meere für uns ist . « Mir wurde schwindlig - und ich sagte das . Da aber lachten Alle , und der Lapapi sagte freundlich : » Laß nur ! Das geht vorüber ! « Der König Ramses sprach darauf sehr feierlich : » Vergiß nicht , was ich Dir jetzt sage : Wenn Du in Deinem ganzen Leben nur dieses Eine von der unendlich großen Anzahl der Erscheinungsformen der Welt begriffen hättest - und wenn Du nie danach vergessen würdest , daß hinter jedem Stück , das Deine Sinne wahrnehmen , noch unendlich viele andre Dinge dahinterstecken , zu denen Du mit Deinen Sinnen nicht gelangen kannst - - - so hast Du das Größte erfaßt von Allem , was Du in Deinem armen Leben erfassen kannst . Dann ist aber Dein Leben nicht mehr arm - wie ' s auch sei ! Und darum kannst Du , wenn Dein Leben zu Ende geht , ruhig sagen : Ich habe einen Abglanz des Höchsten empfunden , und mehr kann mit meinem armen Sinnen Niemand empfinden . Und dann werden Dir Deine armen Sinne wieder reich erscheinen , wenn sie Dich auch oft scheinbar gequält haben . Und Du wirst ruhig sterben können - einen seligen Tod - da Du weißt , daß Du die ungeheure , Alles erdrückende , furchtbar erhabene Gewaltsonne der unendlichen Welt-Tiefe , die in alle Ewigkeiten hinein immerzu immer noch mehr geben kann , angestarrt hast - und selig wurdest . « Alle schwiegen . Und ich sah mit brennenden Augen auf die schwarze Sammetdecke , auf der die roten Medusenköpfe zu tanzen schienen . Nach langer Zeit , in der wir viel gesprochen hatten , baten mich die alten Herren wieder um ein paar Manuskripte . Ich erklärte ihnen feierlich , daß nach meinem Dafürhalten meine Arbeiten für sie keinen Wert haben könnten . Sie aber sagten , daß es sie trotzdem interessiere , wieder mal was von mir zu lesen , wenn auch der grandiose Hintergrund nicht da sein sollte . Und so kam ' s denn , daß ich wieder was gab - allerdings mit einem Gefühl , das vom Stolze weiter entfernt war -als der Bauer von der Erkenntnistheorie der Nilpferde , bei denen ich lebte . Sonnenschein Die alten Bäume waren so hoch . Und der Donner ging ab , hinten hinter die Berge . Die Wolken verzogen sich , als würden sie zerpflückt von einer großen Hand . Es regnete nicht mehr , auch das Blitzen ließ der gute Himmel sein . Dafür flog ein Sonnenstrahl durch die zerpflückten Wolken , und andre Sonnenstrahlen folgten . Da traten die alten Leute aus der Tür und gingen durch den Wald zur Lichtung der Sonne entgegen . Die Sonne schob ihre blanke Glatze aus einem dicken Wolkenknäuel heraus - und die Sonnenglatze glänzte . Und dann kam die ganze Sonne wieder in den blauen Himmel hinein - und blendete - und funkelte auf den nassen Blättern der mächtigen Bäume - glizerte auf der sommerbunten Wiese - und machte Alles wieder hell und leuchtend . Die alten Leute standen unter den alten Bäumen - da wo ' s rausging aufs Feld . Den alten Leuten schien die Sonne ins Gesicht , und sie standen da und hatten sich an die Hand gefaßt und schauten so in die frische Glanzwelt hinein . Sonnenschein ! Weisheit aus der Kreidezeit Es war einmal ein altes Mastodon , das lebte in der Kreidezeit . Und das Mastodon , das lebte in der Kreidezeit . Und das Mastodon war viel klüger als alle andern Mastodons - es sagte immer nur : » Mein Freund , wie ' s auch sei und wie ' s auch werden mag - sei überzeugt : es ist Alles so gut ! « Diese Worte waren außerordentlich trostreich für die ganze Kreidezeit . Das alte Mastodon gefiel den Nilpferden über alle Maßen ; sie beglückwünschten mich zu diesem Opus in einer Weise , die mir heute noch Spaß macht . » Das ist nicht bloß ein Simplicitätsdokument ! « sagte der Oberpriester . Und der Inspektor meinte freundlich : » Onkelchen , damit wäre eigentlich Alles gesagt ! Nun kommt es bloß darauf an , daß man diese Sache niemals in Zweifel zieht . Leicht ist eine Wahrheit auszusprechen . Schwer ist es , eine Wahrheit zu behalten , da das menschliche Gedächtnis sehr mangelhaft ist . Am schwersten ist es aber , einer gewonnenen Erkenntnis gemäß zu leben . « Der General Abdmalik fügte noch hinzu : » Sehr verwerflich ist es , wenn Jemand sagt : » Ich sage gar nichts mehr . Ein solches Individuum erklärt innerlich alles Seiende für veritablen Mist . Als wenn des Menschen Nase ein Hauptsinn wäre ! Onkelchen , ich sage Dir : der Mist vernichtet die Mystik keineswegs . « Nach diesen Worten gingen plötzlich alle Lampen aus , und wir saßen wieder mal im Dunkeln . Nun hörte ich die Nilpferde mit einander sprechen ; es klang so , als wären sie weit ab - und es hallte dazu . Ich konnte zuweilen die einzelnen Stimmen nicht mehr ordentlich unterscheiden - und wußte bald nicht mehr , ob da noch die Nilpferdchen sprachen . Die eine Stimme sagte jedenfalls : » Die Anzahl der komischen Dinge ist so schrecklich groß . Auch die Laster sind so komisch . « Eine andre Stimme sagte : » Der Gram ist auch sehr komisch - besonders , wenn man ihn täglich umdreht , wie man Brillanten umdreht , die doch auch so komisch sind . « Und eine dritte Stimme flüsterte ganz leise : » Der Schmierfink ist komischer als alles Andre . Jedes hübsche Bild muß er beschmieren . Und dabei kommt er sich noch so geistreich vor . O Du komischer Schmierfink ! Du denkst , Du bist ein Philosoph - und führst doch bloß Komödien auf . « Ich dachte an meine verlorenen Manuskripte - aber ich kam nicht weit mit diesem meinem Denken . Ich hörte plötzlich dicht an meinem rechten Ohr die brummige Stimme des Königs Necho : » Ih , Du Schlingel , « sagte er , » kannst Du Dir denn gar nicht Deine kleinlich-irdischen Gedanken abgewöhnen ? Sei doch froh , daß Du Deine traurigen Geschichten endlich mal verloren hast . Glaubst Du , es sei so unumgänglich notwendig , gleich Alles zu behalten und Alles auszuführen , was angefangen ist ? O nein ! Verschwende auch mal ! Die Natur verschwendet ebenfalls ! Also : gräme Dich nicht ! Du bist doch jetzt von der Traurigkeit befreit , demnach brauchst Du doch Deine traurigen Manuskripte nicht mehr wiederzufinden . Gib mal gleich eine Geschichte her , die so nach Befreiung schmeckt ! « Und King Necho stand im nächsten Moment mit einer brennenden Laterne vor mir . Ich saß in einem großen Keller auf einem Faß , suchte , mußte lächeln und gab am Ende dem brummigen König , was er begehrte . » Famos ! « rief er und las bei Laternenschein : Die Befreiung Eine japanische Novellette Mu-Schika , die Tochter des großen Topffabrikanten , saß in ihrem Turmzimmer und weinte bitterliche Tränen . Eingesperrt war das gute Kind . Der böse Gouverneur der Nordprovinz , der schlimmste Mädchenräuber seiner Zeit , hatte auch die edle Mu-Schika in heimtückischer Manier ihren Eltern geraubt . Doch da die Geraubte ihrem Peiniger mit größtem Trotz auseinandergesetzt hatte , daß sie niemals sein Weib werden könne , weil sie frei bleiben wolle zeit ihres Lebens , so hatte der böse Gouverneur das Mädchen eingesperrt in seinem hohen Turm , den er nur zum Zwecke der Mädchenzähmung auf dem höchsten Berge der Nordprovinz vor vielen Jahren erbauen ließ . Mu-Schika saß und weinte ; ihre Tränen flossen wie Gebirgsbäche zur Frühlingszeit . Und der herrlichen Aussicht , die sich ihr vom Fenster aus darbot , warf sie nicht einen einzigen Blick zu ; ihre Augen waren auch zu verweint . In jeder Stunde stampfte sie mehrmals mit ihren kleinen Füßen auf den Steinboden und rief voll stürmischer Leidenschaft : » Frei will ich sein ! Frei will ich sein ! Frei ! Frei ! « Diesen stürmischen Redestrom hörte der Sturmgott Lobu , der gerade die Nordprovinz einer eingehenden Untersuchung unterzog . Und der Sturmgott Lobu freute sich über die stürmische Art der Mu-Schika . Und er beschloß , das arme Mädchen zu befreien . Während er sich nun unten vor der eisernen Pforte an die Arbeit machte , trat ihm der junge Maler Tai-Tai , der die Gefangene gleichfalls liebte , mit bleichem Antlitz entgegen und rief : » Willst Du die Mu-Schika befreien ? Das laß nur bleiben . Ich befreie sie . Ich bin Tai-Tai ! « Der Sturmgott gab ihm eine Ohrfeige und rief : » Ich bin Lobu ! « Und nun fingen sie an , sich mächtig zu zanken . Jeder wollte vor lauter Eifersucht die Mu-Schika ganz allein befreien . Und während des Zankes prügelten sie sich öfters , wie das Rivalen zu tun pflegen . Dem Tai-Tai fehlten bald zwei Backenzähne , und dem Lobu blutete die Nase . Und dazu schien der Vollmond durch die ganze Nacht . Und durch die ganze Nacht zankten sich und prügelten sich die Rivalen , so daß es zur Befreiung gar nicht kam . Während oben Mu-Schikas Tränen in Strömen flossen , floß unten das Blut ihrer Befreier in Strömen . Und so dämmerte denn allmählich der Morgen , und vor dem Turmfenster erschien die Göttin der Morgenröte , die herrliche Ballikâra . In einer goldenen Barke saß die Göttin , und kleine Zwerge bekränzten die Barke mit dunkelroten Rosenketten . Der Himmel war oben tiefblau wie ein Meer . Und auch die Ballikâra hörte die wilden Freiheitsreden der Mu-Schika . Schnell riß sich die Göttin ein paar Rosen aus dem schwarzen Haar und warf sie durch das Turmfenster der Gefangenen in den Schoß . Da sprang das Mädchen erschrocken empor , starrte die herrliche Ballikâra wie ein Wunder an , fiel auf ein Knie und flehte weinend : » O Ballikâra , nimm mich mit und führe mich zu meinen Eltern zurück , denn ich will frei sein - frei - frei - frei ! « Da nahm die Göttin die Mu-Schika in ihre goldene Barke und fuhr mit dem verweinten Kinde durch die weißen Morgenwolken zu dem Hause des großen Topffabrikanten . An der eisernen Pforte des Turmes wischen sich unterdessen die Rivalen die Blutstropfen aus dem Gesicht und verbinden sich die Handgelenke . Und ihrem Treiben sieht oben aus dem Turmfenster mit glühenden Wutaugen der böse Gouverneur zu . Der Gouverneur hat sich durch eine Hintertür in den Turm geschlichen und hat sehen wollen , ob seine Mu-Schika noch nicht kirre wurde . » Und nun ist sie fort ! « schreit er voll Entsetzen in die Morgenluft hinein . Er glaubt , die beiden Kerls da unten an der Pforte hätten seine Mu-Schika befreit . Er geht hinunter und stellt die Leute zur Rede , wird aber gleich ganz eklig angelackt . Die beiden Rivalen gehen sofort mit vereinten Kräften auf den Gouverneur los ; der starke Tai-Tai zerbricht ihm die Kinnlade , und Lobu stößt ihm sein Schwert durch den Bauch , daß der Bösewicht gleich aufbrüllend den Geist aufgibt . Hierauf reicht der Sturmgott dem Maler die Hand und sagt bitter : » Junger Mann ! Während wir hier um Mu-Schika kämpften , ist das lockere Mädchen mit einem Andern durchgegangen . Wir wollen dieses Weib vergessen . « » Das wollen wir ! « ruft Tai-Tai , hackt dem toten Gouverneur den Kopf ab und erklärt den Sturmgott für seinen besten Freund . Sie schütteln sich lange die Hände , und bald gehen die ehemaligen Rivalen Arm in Arm dem nächsten Wirtshause zu . Doch die befreite Mu-Schika erzählt ihrem Vater , dem großen Topffabrikanten , wie sie von der herrlichen Ballikâra befreit wurde , zeigt jubelnd die dunkelroten Rosen der Göttin und küßt alle ihre Schwestern und auch ihre Mutter mit leidenschaftlicher Inbrunst . Der alte Vater lacht und erklärt seiner Tochter mit Feiertagsmiene : » Meine liebe Mu-Schika ! Da Du so mutig gewesen bist , sollst Du auch frei blieben - zeit Deines Lebens . Und kein Freier soll Dir nahen . Auch den Tai-Tai werfe ich die Treppe runter , wenn er kommt . « Aber Tai-Tai kam nicht , und andre Liebhaber kamen ebenfalls nicht . Mu-Schika blieb frei bis ans Ende ihrer Tage und ward gefeiert von allen Frauen der Nordprovinz und lebte glücklich ohne Mann - frei - frei ! Wir befanden uns jetzt in großen Kellergewölben , die recht dunkel und geheimnisvoll waren . Ich saß auf einer Tonne - aber die Tonne schwamm in einem dunkelgrünen Wasser , das den ganzen Boden bedeckte und recht tief zu sein schien ; ich nahm einen schweren Stein , der auf meiner Tonne neben mir lag , und warf ihn in das Wasser und horchte - und erst nach langer Zeit hörte ich den Stein unten dumpf aufschlagen . Der König Necho hatte währenddem meine Befreiung zu Ende gelesen ; er saß auch auf einer Tonne wie ich und leuchte mir nun mit seiner Laterne ins Angesicht . Da kamen auch die anderen Nilpferde auf Tonnen mit Laternen herangeschwommen , und es wurde heller durch die vielen Laternen . Ich wunderte mich über die Größe dieses Felsenpalastes und sprach auch über die unsichtbaren Geister , durch deren Dienste die Treppen so überflüssig geworden seien . Und ich bedauerte , daß die Eindrücke , die ein gewöhnlicher Mensch in seinem gewöhnlichen Erdenleben hat , so hart und umständlich sind . » Man muß , « erhielt ich zur Antwort , » das Eine wie das Andre zu schätzen wissen ; überall sind eben die unendlichen Reihen ; die Situationskomödien sind in der Welt so mannigfaltig wie alles Andre . « Der Oberpriester Lapapi sprach vom Schattenspiel des irdischen Lebens und meinte milde : » Es ist doch nicht zu tadeln , daß gewisse Sinneswelten wie diejenige , die Du auf der Erde kennen gelernt hast , so viel scheinbar Konstantes und Kompaktes haben . Dafür hat ja auch der Mensch das Leben im Schlafe . Daß sein Leben im scheinbar wachen Zustande oft so feste , eckige Formen empfängt , steigert doch nur die Empfindungsfähigkeit . Wie wäre sonst der Begriff der Vergänglichkeit zu erzeugen ? Und der gehört doch auch ins große Dasein hinein . Alte Lampen können nicht so ohne weiteres als ewige Existenzdokumente auftreten - alte Manuskripte ebenfalls nicht- und alte Menschen erst recht nicht . Auch in diesen Vergänglichkeitskomödien bilden sich überall die schon so oft von uns erwähnten unendlichen Reihen . Sie wirken überall - und bewirken , daß wir über die Notwendigkeit oder Überflüssigkeit des scheinbar Daseienden nicht reden und auch nicht denken können . Die unendlichen Reihen des großartigen Spukreiches , das wir für Weltleben halten , umketten und umkränzen uns überall . Auch die Dummheit und die Klugheit zeigt überall die unendlichen Reihen- es kann Keiner der Dümmste und auch keiner der Klügste sein - drüber und drunter ist immer noch mehr . Und dieser Unendlichkeitszauber , der überall Alles beherrscht , ist das Herrlichste von Allem was wir haben . « Er sprach so weiter und mir wurde so - betrunken zu Mute ; die vielen Tonnen und der flüssige Boden trugen wohl zu meiner Stimmung bei . Wir schwammen jetzt aus einem Gewölbe ins andre - um mächtig dicke Säulen rum . Und ich bewunderte die Pilzbildungen in den Gewölben und an den Säulen , die an vielen Stellen weiß wie Schnee und dann wieder dunkelbraun und schwarz waren - auch mal ganz bunt schillerten - und zuweilen leuchteten - unheimlich- wie dicke Gespensterbeine . Als der Oberpriester Lapapi zu reden aufgehört hatte ( seine letzten Worte hatte ich gar nicht mehr begriffen ) , sprach ich von meiner Trunkenheit . Dazu lachten aber die alten Herren , und der Ramses rief mir laut lachend zu : » Da siehst Du nun , daß es auch unendlich viele Arten von Betrunkenheit gibt - auch in der stecken die unendlichen Reihen . « Ich wollte noch viel darüber sagen , den Alkohol für eine Krücke und die gewöhnlichen menschlichen Rauschzustände für bedauerlich in Folge der Katerleiden erklären , aber man schnitt mir kurz das Wort ab und behauptete , daß auch der Kater seine Glanzseiten habe - ich sollte nur mal nachsehen , ob ich nicht eine Geschichte hätte , die das beweisen könnte . Ich fand sehr schnell eine solche . Aber ich sollte sie nun vorlesen - wurde von unsichtbaren Händen auf ein großes Faß gestellt - und die sieben Herren zogen sich mit ihren sieben Laternen in die äußersten Winkel zurück . Ich wunderte mich jetzt , daß die Tonnen alle so schwammen , wie sie auf dem Erdboden stehen . Und dann las ich . Es war sehr unheimlich . Meine Stimme schallte oben in den Gewölben so laut , daß mir sehr bald die Ohren schmerzten . Aber ich las trotz meiner Ohrenschmerzen mit fester Stimme meine Geschichte zu Ende . Meine Tinte ist meine Tinte Ein Klexosophicum Eine sehr stille Sommernacht ! Matte Dämmerung mit traumschweren Gardinen und sanften säuselnden Winden . Ich liege in weichen schneeweißen Betten . Und die Betten sind so schwer . Es plätschert was - tropft . Drüben ist es , am Schreibtisch . Aber da ist ja so viel Schwarzes auf dem Schreibtisch - so viel Schwarzes . Sanft säuselnde Winde draußen . Auf dem Schreibtisch tropft es - sollte das meine Tinte sein ? Meine Tinte ist meine Tinte . Aber sie ist so lebendig . Sie geht ja aus dem Tintenfasse raus . Und es ist viel Tinte , so viel schwarze Tinte . Jetzt ist sie bei mir und beugt sich über mein Bett - wie eine kleine Milchstraße - wie eine kleine schwarze Milchstraße . Jetzt tropft es wieder , und schwarze Tropfen fallen auf meine weißen Betten . Dort in der Ecke über meinem rechten Fuße sitzt ein großer schwarzer Klex . Und der Klex - ein ganz runder ist es - ist der Stil . Neben dem runden Klexe entsteht nun ein viereckiger Klex - der heißt Ziel . Und zwischen den Beiden bewegt sich ein schwarzer Tropfen wie eine Quecksilberkugel auf einer Menschenhand - die Kugel ist das Spiel - das große Spiel . Bin ich in einer Spielschachtel ? Woher kenne ich alle die klingenden Namen ? Sie klingen so gut zusammen wie die guten Reime in alten Gedichten . Am Stil ist das Ziel das Spiel , es dreht sich . Im Stil sitzt das Spiel hinterm Ziel . Hinterm Ziel ! Wie stilvoll das Spiel ist ! Auf dem Stil liegt der alte Nil - ein schwarzer Bindfaden . Jetzt weiß ich : der Nil ist der schwarze Faden , an dem spielt das Ziel mit dem Kiel und dem Zuviel - das sind neue Klexe - vieleckige Klexe - mit Raupen . Schwarze Raupen kriechen über den Nil - wohl Neger . Meine Tinte ist meine Tinte - bei der ist Alles möglich . Mein schöner weißer Kopfkissenbezug bekommt auch was ab - meine Betten sehen aus wie weiße Himmel - mit schwarzen Sternen - viele Himmel - - bergige Himmel - Schimmel mit Sterngewimmel . Es klingt ja so hübsch - ist das Gebimmel von Klexen ? Glocken sind ' s ! Aber da mittendrin ist ein roter Klex - und der nennt sich Ich . Das ist keine Tinte , denn ich habe ja rote Tinte gar nicht zu Hause . Ich wollte mir immer rote Tinte anschaffen . Aber ich hab ' s vergessen - nur die Namen der Klexe kenne ich sämtlich - die kenne ich ja schon seit Olims Zeiten . An der Bettkante im dicken Wassermann wackeln drei Sterne - sie heißen Welt , Wild und Wald . Die sind auch so mohrenschwarz und bedrängen jetzt das Ich - umkreisen das rote Ich . Ich muß mich doch geschnitten haben , denn das rote Ich muß ein Blutstropfen von mir sein . So was kommt wohl mal vor . Jetzt geht der Weltklex über mein Ich hinüber - dem schadet ' s aber nicht . Die Klexe Lust , Last und List kommen meinem Munde sehr nahe . Gehen die Klexe in meinen Mund ? Sie kommen mit Kuh , Ruh und Schuh auf meinen Mund los . Brr ! schmecken die sauer ! Sanfte Winde wehen - aber die wehen ja die sämtlichen Klexe in meinen Mund . Ich kann meinen Mund nicht schließen . Alle meine Klexsterne kullern hinunter in meinen Magen . Wie verschiedenartig die Klexe schmecken . Meine Tinte muß sehr gemischt sein - wohl mit den Giften aller Zeiten . Welt schmeckt nach Salpeter . Aber ich weiß nicht , wie Salpeter schmeckt - wahrscheinlich wie Bomben . Sehr gut ! Ich schließe die Augen , denn ich kann dieses fortwährende Heranrollen der schwarzen Sterne nicht vertragen . Das Rollen tönt wie Donnern und bricht plötzlich ab . Es hört Alles auf - ich muß schon Alles runter haben . Ein guter Magen ist ein guter Magen . Doch da rollt ja schon wieder was ! Die Augen kann ich nicht aufmachen . Ach so ! Ich weiß ja ! Das ist ja mein rotes Ich - das kann ich nicht runterschlucken . Das Ich kann ich nicht verdauen . Sanfte Winde wehen um meine Stirn - da wird ' s aber naß . Ich meine : auf meiner Stirn wird ' s ganz naß . Ist das Angstschweiß ? Nein - ich fühle jetzt ganz deutlich - es sind nur die schwarzen Sterne , die allmählich aus meiner Stirne wieder rausperlen - wie Alkohol - wenn man ihn literweise getrunken hat - aus der Stirne rausperlt - so perlen auch die schwarzen Sterne aus der Stirne heraus . Die Winde draußen vorm Fenster müssen sehr kühl sein - oder sind die Sterne meiner Stirne so kühl ? Sind sie so kühl wie eine Birne ? Mein Ich fällt gleich vom Bette runter . Mein Ich fällt und platzt entzwei - auf dem Teppich . Jetzt ist Alles wieder gut . Bloß auf dem Teppich wird ein roter Klex sein . Das Schwarze verdunstet . Nachdem ich das gelesen hatte , umzuckten mich grüne Blitze , und ich hörte einen furchtbaren Donner . » Erschrick nicht , « rief da die Baßstimme des alten Necho , » wir klatschen Dir nur Beifall - daher die Blitze . « Ich war ganz verwirrt und mußte sehr lachen , obschon ich nicht wußte , ob das Hohn oder Huldigung bedeuten sollte . » Wenn wir gut gelaunt sind , « sagte da der Oberpriester Lapapi , » so kann uns eigentlich die Bedeutung einer Sache ganz gleichgültig sein . Da Du aber augenscheinlich etwas eitel bist , so kannst du ja mal den unsichtbaren Geistern was vorlesen . Wir wollen Dich verlassen , verpflichten Dich aber , mindestens sieben Sachen hinter einander vorzulesen . Tust Du das nicht , so lassen wir Dich hier für alle Ewigkeit allein . « Mir wurde bei diesen Worten so zu Mute - wie einem Menschen in der Hand eines Zahnziehers zu Mute wird . Ich rief ängstlich : » Ich will ja gern Alles tun . Gebt mir bloß eine Lampe ; im Dunkeln könnte mir ' s schwer fallen , was vorzulesen . « » Hast ja , « brummte da der Necho , » bei Deiner Tinte auch keine von unsern Lampen gebraucht . « Ich zog meine Papiere aus der Tasche und sah , daß die Papiere selber leuchteten . » Verzeihen Sie , meine Herren ! « rief ich nun lachend , » die Unsichtbaren haben meine Manuskripte leuchtend gemacht . Das hatte ich gar nicht bemerkt . Das ist ja riesig schmeichelhaft für mich . Verzeihen Sie , daß ich all die Wunder immer erst nachher bemerkte . Und verzeihen Sie mir , daß ich noch immer nicht für all die Wunder gedankt habe . Aber - Worte scheinen mir in allen diesen Fällen nicht zu genügen . Ich werde gleich lesen . Selbstverständlich ! Das tu ich ja so gern . Verzeihen Sie mir alle meine Taktlosigkeiten - doch ich bin so berauscht - von all dem Glück . « Da blitzte es abermals grünlich vor meinen Augen - zu hören war jedoch nichts . Die alten Ägypter sah ich nicht mehr . Und das Blitzen hielt an , so daß ich dabei lesen konnte . » Oho ! « sagte ich da zu mir selbst , » Du hast Dir vorhin eingebildet , Deine Manuskripte hätten Leuchtkraft - das war wohl wieder bloß eine große Einbildung von Dir . « Das Blitzen hielt an , und ich las bei dem grünlichen Blitzlicht die sieben folgenden Geschichten . Wieder donnerte meine Stimme oben in den Gewölben machtvoll und schauerlich - aber meine Ohren hatten sich schon daran gewöhnt . Die siebzehn Spitzen oder Das Quadrat des Ellipsoids Ich kutschierte durch die Vergangenheit und traf Napoelon den Ersten , Alexander den Großen und Cäsar