ihre Sache ohne ihn ausmachen könnten , wankte in eine Ecke und blieb dort , den Kopf zwischen den Händen , sitzen . Die andern wollten eben darangehen und , seinem freundlichen Rate folgend , die Sache ohne ihn zum Austrag bringen , als der Wirt herbeigeeilt kam . » Hansl ! Hansl ! « zeterte er . Aber der Rabensohn meldete sich mit keinem Laut , er hatte sich vor das Haus geschlichen und war den geängstigten Dirnen , die zu den Fenstern hinaus flüchteten , beim Heraussteigen behilflich . Ohne auf den Ungeratenen zu warten , stürzte sich der Wirt mitten unter seine aufgeregten Gäste . » Ausghalten ! « befahl er . » Das sag ich enk , Bubn , grauft wird da nit bei mir ! « » Meng dich nit ein « , schrie man ihm entgegen . Mit autoritativer Gebärde streckte der Wirt gegen einen der Schreier den Arm aus , da ward er aber gleichzeitig von einem Dutzend angefaßt und flog aus der Stube , daß der Türstock schütterte und der Kalk von der Wand blätterte . Er kam nicht wieder zum Vorschein , überließ es den Gästen , sich selbst zu bedienen , und wünschte aus ergrimmter Seele Tiefen , daß keiner dabei zu kurz kommen möge . Indes waren die Zwischenbüheler und die Schwenkdorfer aneinandergeraten ; aber bald schämten sie sich , daß sie wie die Bestien des Waldes sich mit Zähnen und Klauen , Pranken und Hufen anfallen sollten , das Gefühl menschlicher Würde erwachte und rüttelte auch die Erfindungsgabe auf ; Schwache , die auf eine Ausgleichung der Kräfte bedacht waren , Starke , deren Arme an den zurückweichenden Feigling nimmer zu reichen vermochten , begannen Stuhlbeine auszudrehen und nach beweglichen Gegenständen zu suchen , die , nach festen Zielpunkten geschleudert , sich oft sehr nützlich erwiesen . Nicht lange , so arbeitete man nur mit künstlich verlängerten Armen und mit Wirkungen in die Ferne . Dumpfes Gestrampfe und Geschiebe , einzelne Flüche und Aufschreie begleiteten den Vorgang , die Bursche vermieden alles überflüssige Getobe und Gelärme und führten den Kampf mit einer Art Verbissenheit . Die eine wie die andere Partei sah zwei Fälle für möglich an , die Verwirklichung des einen galt es anzustreben , die des andern zu verhindern , aber das hielt jede für ausgemacht , zum Schlusse mußten die Zwischenbüheler das Haus behaupten und die Schwenkdorfer draußen liegen oder umgekehrt ; doch daran dachte keine von beiden , daß es noch ein Drittes gebe , das unversehens eintreten könne , und dieses Ungeahnte ward mittelbar durch zwei Bursche herbeigeführt , die bewegliche Gründe hatten , sich aus dem Schlachtgewühle zurückzuziehen . Der eine war der überlange Zwischenbüheler , dem ein äußerst unangenehmes Schmerzgefühl die noch unangenehmere Vermutung erweckte , man habe ihm linksseits alle Rippen eingeschlagen . Er lehnte bleich und schwitzend an der Mauer , jammerte und flehnte wie ein Kind , was ihn aber nicht hinderte , sobald sich ihm in dem allgemeinen Gebalge der Rücken eines Schwenkdorfers nahe schob , unter Tränen auf denselben loszudreschen , daß der Betroffene schreiend sich wegwand ; dabei unterbrach er für keinen Augenblick seine Schmerzausbrüche und heulte ohne Aufhören in gellend hohen Tönen : » Ös Raubergsindel miteinander ! Ös Mörderbande ! Was wird mein Mutter dazu sagn ? Ös Schindersknecht ! ... « Der kindliche Zug - die Bedachtnahme auf seine Mutter - würde ihm alle Ehre gemacht haben , wenn man nicht gewußt hätte , daß er der armen Alten , die nah auf einem Bauernhofe in harter Arbeit verkümmerte und verkrümmte , seit Jahren nicht nachfragte ; es wäre vielleicht lohnend für Physiologen und Psychophysiker , nachzuforschen , inwieferne wohl solch ein plötzliches Wiedererwachen der Kindesliebe mit einer leichteren oder schwereren körperlichen Verletzung im Zusammenhange steht . Während der Lange heulte , wütete ein kurzer , stämmiger Schwenkdorfer , dem man einen Krug allerdings sehr unpassend und unsanft auf das Nasenbein gesetzt hatte , Stube aus und Stube ein , brüllte die bindendsten Schwüre , daß er » alles zusammhauen « werde , und wo er auf einen Gegenstand traf , der zu Splitter oder Scherben gemacht werden konnte , da erfüllte er auch als Christ seinen Eid . Die Wirkung blieb nicht aus , mag man sie nun durch Hinweise auf den menschlichen Nachahmungstrieb , auf das Zusammenstimmen der Nervenstränge vieler mit denen eines einzelnen , welche den Grundton eines Überreizes angeben und festhalten , oder durch eine Kombination dieser beiden Annahmen zu ergründen versuchen , sicher ist , daß das , was sich nun ereignete , seit alther beobachtet wurde und zu den Sprichwörtern : » Böses Beispiel verdirbt gute Sitten « , » Ein Narr macht zehn « und ähnlichen Anlaß gab . Die Raufer , die sich bisher in Ausbrüchen des Schimpfes und Zornes , der Lust über anderer Leid und des Leides über anderer Lust so zurückhaltend bezeigt hatten , wurden infolge des langgezogenen Geheuls und des brüllenden Gefluches , unter dem Holzwerk zerkrachte und Geschirr zerbarst , immer aufgeregter und lauter , bis zuletzt das Haus dröhnte von wüstem , weithin hallendem Lärm . Der war zwar nicht darnach , die Toten zu erwecken , aber jene , die draußen im Wirtshausgarten in seliger Selbstvergessenheit lagen , rief er wieder ins Bewußtsein . Es waren ihrer fünf . Sie setzten sich auf , rieben sich die Augen und lauschten ; ein Lächeln verklärte ihre Gesichter , und sie versuchten es , wenn sie auch etwas stier dazu sahen , einander verständnisinnige Blicke zuzuwerfen ; plötzlich aber verfinsterten sich ihre Züge , es erfüllte sie mit bitterem Groll , sich von einer solchen Ergötzlichkeit ausgeschlossen zu finden . Mit einem Ruck rafften sie sich vom Boden auf , brachen Zaunpfähle aus , schlugen mit einer Mistharke und einer Gartenhaue so lange gegen die Steine an der Kellertüre , bis ihnen die Stiele in Händen blieben , und so bewehrt , schritten sie in das Haus . Ihr Eintritt in die Stube wurde gar nicht beachtet . Sie sprachen kein Wort , es schien ihnen das auch ganz überflüssig , in der Sache sahen sie ganz klar , wenn auch das sonst nicht der Fall war ; hier wurde gerauft und ohne sie ! Kein Gefühl für Landsmannschaft und Ortskindschaft bewegte ihr starres Herz . Sie holten mit ihren Knütteln so hoch und kräftig aus , daß ein wettsüchtiger Engländer keinen Penny für die härteste Schädeldecke riskiert haben würde , zum Glück aber versagten ihnen die Arme , und die Streiche fielen wuchtig auf Waden und Schienbeine hernieder ; noch ein und ein anderes Mal wiederholten sie diese Bedrohung der Köpfe und Schädigung der Beine , dann war die Stube und das Haus leer . Ein Blick auf die Angreifer hatte auch die Hartnäckigsten belehrt , daß sie es mit Leuten zu tun hätten , die nicht mit sich reden ließen , und wer bei dem Versuch dazu den zweiten Streich abbekam , der hatte vollauf und nicht Lust , den dritten abzuwarten , und so waren denn alle , fluchend , ärgerlich lachend und so eilig , als sich dies hüpfend und hinkend tun ließ , hinausgeflüchtet . Die fünfe blickten sich unter ernstem Kopfnicken an , stützten sich auf ihre Tremmel und verschnauften . Als sie das Haus verließen , war , so weit sie vor und hinter sich sehen konnten , kein Mensch mehr um die Wege ; sie schritten in einer Reihe und schweigend dahin , nur wenn zufällig einer an einen anderen taumelte , so wiegte der Angestoßene im Handgelenke den Knüttel und fragte leise , aber eindringlich : » Willst was , willst leicht was , du ? « , worauf ihn der Angeredete treuherzig beruhigte : » Nein , nix nöt , gar nix nöt . « So gingen sie mit hallenden Tritten durch die stille Nacht , ernst und wortlos , wie Racheengel , die eine strenge , aber unabweisbare Pflicht erfüllt hatten . Schon bevor die allgemeine Schlägerei losbrach , hatte sich der Toni vom Sternsteinhof mit Helenen entfernt . Er benützte den Augenblick , wo der Wirt vermitteln wollte , und schlüpfte mit der Dirne auf den Flur hinaus . Beide gingen dann durch den Garten und über die Wiese und gewannen den Fußsteig , der hinter dem Orte , an den Planken und Umzäunungen der Gärten , hinlief . Während dieses Paar den Weg hoch über der Straße verfolgte , bewegte sich unten auf dieser ein anderes mühselig fort , das einen dritten buchstäblich auf den Händen trug . Kaum hatte der Wirtshansl die Matzner Sepherl aus dem Fenster gehoben , so bat und beschwor ihn diese , den Kleebinder Muckerl nach Hause schaffen zu helfen . Der Bursche ließ sich dazu bereden ; für die Person des Herrgottlmachers empfand er einiges Mitleid , und für seine eigene versprach er sich von dem Geschleppe eine » Hetz « und an Ort und Stelle Dank und Preis als Helfer , Befriedigung seiner Neugierde , wie sich die alte Kleebinderin dazu gehaben werde , vielleicht auch nasse Augen , denn Tränen über fremdes Mißgeschick stehen einem wohl an und werden stets von einem beruhigenden , tröstlichen Gefühle begleitet . Sepherl und der Wirtshansl hoben den Muckerl von der Stelle , wo er zusammengebrochen war , auf , sie gaben sich die Hände , er mußte sich darauf setzen und seine Arme um die Nacken beider schlingen , und so trugen sie ihn fort . Sepherl zürnte , schmähte und schalt während des ganzen langen Weges Helenens halber , indes der Wirtssohn aus Widerspruchsgeist diese zu entschuldigen und zu rechtfertigen versuchte , der Kleebinder Muckerl schüttelte gleichermaßen über Anklage und Verteidigung den Kopf . Toni und Helene kamen von rückwärts an die Zinshofersche Hütte heran . » Nix , gar nix verschlagt ' s , sag ich dir « , sprach eifrig der Bursche , » und was ich dir sag , das wirst mir doch glaubn ? Gelt du ? « Er hatte seinen Arm um die Hüfte der Dirne gelegt , jetzt zog er sie an sich , daß sie stillestehen mußte , und suchte ihre Lippen mit den seinen . » Bist mein , wirst mein und bleibst mein ! Verlaß dich ! Nur bis zun Hals hnauf hab ich s ' schon ghabt , die Heimlichtuerei , mich selbn hat s ' schon redscheu gmacht , und wann ich vorm Vadern damit hab hrausrucken wolln , war mir , als könnt ich an ' m ersten Wort erwürgen ; das hat ' s jetzt Rat , aufs heutige fahrt er schon morgen über mich los . Soll sich nur ausreden . Was will er denn machen ? Offen hab ich Farb bekennt , und ' n Käsbiermartel hab ich ihm verfeindt , das halt ! Ich kenn die zwei Alten , is einer wie der andere dickkopfet ; der Langnasete kann mir sein Dirn nimmer nachwerfen , er muß beleidigt tun , und mein Vader is z ' stolz , sie ihm abzfordern , so bleibt s ' vom Sternsteinhof weg und kommt ein vieltausendmal Liebere und Schönere drauf ! Gelt ? « - Er zog sie wieder an sich . - » Nur kein Angst ! Auf morgn hab ich mich vorgsehn und stell mein Mann , wie ich ' n heut gstellt hab . Bist nit schlecht drüber erschrocken , was ? Ja , hättst mer ' s Streitigmachen nit nahlegen dürfen , wo du hättst wissen können , daß ich dich ' m Teufel streitig mach , wann ' s drauf ankäm . Morgen laß ich ' n Sternsteinhofbauer austoben , und dann , schön fürsichtig , daß nix bricht , bieg ich mir mein Sach , wie mir taugt . « Beide traten durch die rückwärtige Türe in die Hütte . Helen machte sich von dem Burschen los und lief auf die Mutter zu . » Denk dir « , rief sie aufgeregt , » was der Toni heut angstellt hat ! « Aber sie hatte kaum Zeit , in fliegender Hast das Vorgefallene zu berichten , da wurden außen Tritte hörbar , und es pochte an der vordern Türe ; Toni und Helene eilten zur rückwärtigen hinaus , und die alte Zinshofer öffnete . Die Kleebinderin stürzte herein . » Ist sie da ? « schrie sie . Die Zinshofer trat einen Schritt vor , um den Ausblick nach der halb offenstehenden Türe im Rücken zu decken , dann sagte sie : » Nein , wie d ' siehst . « » Oh , das schlechte , heillose Mensch ! « zeterte die Kleebinderin . » Nit umsonst hat mir ' s schon von allem Anfang an geahnt , daß kein Glück und kein Segen dabei sein kann , mit der zu gehen ! Nun liegt er dahin wie ein Hund und verlangt noch nach ihr , der Narr ! Jetzt soll er ' s nur auch gleich zu hören kriegen , daß sie nit einmal da is , und wie recht ich hab ! Aber du , Zinshoferin , du komm und schau dir an , wohin ' s mit einem kommt , der ' s mit so ' ner Schanddirn ehrlich meint , wie die deine eine is ! « Sie zerrte die Zinshofer an der Hand nach sich aus der Hütte . Helene hatte sich zitternd an Toni geschmiegt , jetzt löste sie die Arme von seinem Halse und sagte : » Jetzt geh . « » Nit , wann jetzt gleich afm Fleck die Welt unterging « , stammelte er , sie an sich pressend . » Heut spieln wir alles gegen alles , halt auch du ' n Einsatz . « Sie erschauerte , wollte reden , ihn zurückdrängen , aber sie öffnete nur den Mund , um mit lächelnden Lippen tief aufzuseufzen , und ihre Arme sanken kraftlos herab . X Am Morgen darauf war im Dorfe von nichts anderem die Rede als von dem Überfall der Schwenkdorfer unter der Führung des Toni vom Sternsteinhof , und die Dirnen , die mit letzterem an einem Tische gesessen , erzählten auch , daß er die Zinshofer Helen für sein künftige Bäuerin erklärt habe , was viel Spaß gemacht hätte , da die hochnäsige Gredl es für Ernst zu nehmen schien . Die Schürze voll dieser Neuigkeiten , kam die Matzner Sepherl zur alten Kathel , die sich über das Gehörte bekreuzigte und segnete . Knechte und Mägde auf dem Sternsteinhofe , die gestern dabeigewesen , zeigten sich zwar sehr rückhältig bei der Umfrage , welche die Alte unter ihnen hielt , als sie aber aus deren eigenem Munde hörten , was sie sich auszuschwatzen scheuten , da nickten alle bestätigend und lachten : » Was fragst denn , wann d ' eh alles weißt ? ! « Der Bauer stand nachdenklich inmitten des Hofes , als sich die getreue Schaffnerin an ihn heranschlich . Er sann gerade darüber nach , wo wohl der Toni Roß und Wagen gelassen haben mochte , die nirgends zu sehen waren . Es sind das doch keine Gegenständ , die einer wie Pfeife und Tabaksbeutel unter einer Wirtshausbank mag liegenlassen und vergessen . Die Kathel hatte ihre Meldung kaum beendet , als der alte Müller von Schwenkdorf auf den Hof gefahren kam . Er führte hinter seinem eigenen Wagen das vermißte Gefährt und Gespann mit . » Grüß Gott , Sternsteinhofbauer « , sagte er . » Grüß Gott « , murrte der und zog ein finsteres Gesicht . Von allen Menschen , die ihm zuwider waren , war ihm der Alte der zuwiderste . Der Müller blinzte ihn boshaft an , schnalzte paarmal mit der Peitsche , dann begann er : » Bring dir da dein Wagerl und dein Rösserl zruck , was uns gestert der Toni gliehen hat , zun einmal hrüber- und wieder umhifahren . Ein Mordsbursch , dein Toni ! Wünschet ich mir einen zweiten , wünschet ich mir den . An dem kannst noch dein Freud erlebn , Sternsteinhofbauer . Hihi . Kommt da angfahrn , packt ' n ganzen Rudel , dö rarsten Bubn , zsamm - heidi - , lassn mer d ' Schwenkdorfer Urseln sitzen und fahrn mer raufen nach Zwischenbühel ! Ladt s ' afn Leiterwagen und teufelt mit sö davon , ' m Bräunl sein d ' Augen ausm Kopf und d ' Zungen ausm Hals ghängt . Na , dann war aber auch bei uns drenten a Verdrießlichkeit und ein Erbosen ! Der Käsbiermartel hat sein Sali beizeiten aufpackt und is heim , und in seiner Stubn war er mehr mitm Kopf an die Tram wie mitn Füßen af der Erd , so gsprungen is er , wie ein greizter Aff im Käfig . Na und da herenten bei enk muß auch nit schlecht grauft worden sein . Mein Bub liegt mit drei Löcher im Kopf , in jeds könnt mer an Faust stecken . Gschieht ihm recht , dem Sakra . Mer muß nit nur schaun , wo mer selber hinhaut , sondern auch , wo ein anderer herhaun könnt . So habn wir ' s ghalten unserer Zeit . Was ? Han ? Nit ? « Der Sternsteinhofbauer runzelte die Stirne . » Ah , ja richtig ! Nix für ungut ! « fuhr der Alte fort . » Fallt mer grad bei , du warst ja ein schwacher Raufer ; wie oft hab ich dich selber wo in einm Winkerl ghabt und abtöllnt , daß ' s a Freud war . Viel Schur hab ich dir antan , bei dö Dirndeln auch . Jesses , wie lang dös schon her is ! Wenn mer bedenkt , wie die Zeit vergeht ! Na , ' s hat mich gfreut , daß ich dich bei derer Glegenheit wieder einmal gsehn hab , weil d ' mer ja sonst völlig überall ausweichst . Also bhüt Gott ! Aber eins noch , daß ich nit vergiß . Er schlaft wohl noch , dein Bub ? Könntst ihm ' s ausrichten , wann d ' so gut sein möchtst . Mein Bub laßt dein Bubn schön grüßen , und wann der Toni wieder einmal Kameraden sucht , dö d ' Schläg af ihnere Buckeln nehmen , während er sich mit einer saubern Dirn wegschleicht , so soll er nur ja nit afn Simerl vergessen ; laßt der ihm sagen ! A Feine muß dö aber wohl sein ! Drei Löcher im Kopf von meinm Bubn sein mir lieber , als der setzet sich so was drein ! Ja , so zwei , dö d ' nit zsammgibst und nit auseinandkriegst , können dir viel Unglegenheit machen . Hihi ! « Er riß sein Wägelchen herum und jagte davon . Der Sternsteinhofbauer mußte zur Seite springen , wollte er nicht die Räder über den Zehen haben . Er schickte einen schweren Fluch dem » alten Lump « nach , dann wandte er sich an die alte Kathel und hieß sie das Mittagessen auftragen . Er selbst begab sich hinauf nach der Schlafkammer seines Sohnes . Er pochte an die Türe . » Schon wach ? « fragte er barsch . » Ja « , tönte es von innen . » So komm , essen . « » Ich mag nix . « » Du könntst einm wohl auch ' n Appetit verderben « , murrte der Alte , dann sagte er laut : » Paar Löffel Suppen werdn deinm wüsten Magen ganz zutraglich sein . Komm nur ! « Als die beiden einander bei Tische gegenübersaßen , tat der Junge , über den Teller weg , einen raschen Blick nach dem Alten , der mit zusammengezogenen Brauen vor sich hinstarrte . Sicher , der wußte genug . Mag er - ! Vielleicht alles , was die wußten , die dabei waren , und auch nichts , wovon keiner ! - Noch einmal blickte der Bursche auf , wie ein Schalk , dann senkte er den Kopf und legte den Löffel weg . » Schon abgspeist ? « begann der Alte . » Ja . « » Ich hör , du hast dich gestert nit lang in Schwenkdorf verhalten ? « » Gar nit . Wir habn d ' Langweil gfürcht , ich und d ' andern . « » Dann seids hrüber ? « » Dann sein wir hrüber . « » Habts euch gut unterhalten ? « » So ziemlich . « » Sollst ja auch grauft habn ? « » Ja , ' n Herrgottlmacher hab ich wohl hinglegt , daß er afs Aufstehn vergessen hat . « » Rar dös ! Wann der klagbar wird , kann mer noch ' n Bader zahln . Wegn was is ' s denn hergangen ? « » Er wollt sein Dirn nit an unsern Tisch sitzen lassen . « » Und da mußtst du dich drum annehmen ? Versteht sich . Bist wohl in die Seine verschameriert ? « » Kann ' s nit laugnen . « » Is dö gar so sauber ? « » Kein so Saubere hast du noch gar nit gsehn , nit mal d ' Mutter . « » Dös is wenig gsagt , dein Mutter war nit sauber , aber zugbracht hat s ' brav . Wie heißt denn dieselbe ? « » Zinshofer Helen . « » Zinshofer ? Das is ja die Alte , die unter den Hungerleidern da unten am allermeisten nix hat ? « » Habn tun s ' nix , das is wohl wahr . « » Trotzdem hör ich , daß d ' hättst verlauten lassen , du nahmst die Dirn zur Bäurin ? « » So hab ich gsagt . « » Ein schlechter Gspaß , dös . « » Kein Gspaß ! ' s is mir völlig ernst . « » Du bist a Narr ! « » Kann sein , man sagt ja , Verliebte wärn närrische Leut . Ich hab mir nur denkt , weil mer doch eh ' s mehrste haben von alle da in der Gegend , so möcht just nit so dumm sein , wann afn reichsten Hof auch d ' schönste Bäurin z ' sitzen käm ! « » Laß mich aus mit der Schönheit ! ' s erst Kindbett nimmt dö oft mit fort ; dann hast ' n Schleppsack afn Hals , aber ' n leeren . Kein Kind bist nimmer . Dö Gschichten , was wir als klein anghört habn , wo Betteldirn ' n von Kaisern und Königen heimgführt wordn sein , dö habn sich im Fabelland zutragn ; daß aber der Sternsteinhof weit außerthalbn von selbm liegt , das brauch ich dir wohl nit erst z ' sagn ! « Er erhob sich und strich mit der flachen Hand über das Tischtuch . » Nun is gnug ! Schlag dir die Dummheit ausm Kopf . « » Das geht nit an « , sagte der Bursche . » Ich muß dir noch was eingstehn . « Er spreitete die Beine auf dem Sitze auseinander , beugte sich vor und sah starr nach dem Salzfasse , während er langsam sprach : » Wann ich auch die Dirn sitzenlassen möcht , was mir nit einfallt , so braucht sie ' s nit z ' leiden . Sie hat ' s schriftlich . « » Was schriftlich ? « » Mein Ehversprechen . « » Dein Ehversprechen ? « lachte höhnisch der Alte . » Ja , bist denn du in Jahrn , wo d ' ohne mein Einwilligung eins geben kannst ? Wärst drein , ich jaget dich jetzt af der Stell vom Hof ! So aber hat a Schriftlichs von dir noch gar kein Gültigkeit . Hat dir die Dirn drauf Glauben gschenkt , dumm gnug von ihr , dann kannst du dir in d ' Faust lachen , und sie muß sich gfalln lassen , wann s ' noch hinterher d ' Leut verspotten . « » Ich geb denen kein Anlaß dazu . Schriftlich oder mündlich , ich halt mein Wort . « » Du Himmelherrgottssakkermentslotter du ! « brüllte der Sternsteinhofbauer , mit der Faust in den Tisch schlagend . » Traust du dich , mir ins Gsicht z ' trutzen , mir ins Gsicht ? Wo du dasitz ' st und Wörtl für Wörtl zugebn mußt , daß mir nit um eins zviel bericht wordn is über dein gestrig Stückel ? ! « Der Bursche fuhr vom Stuhl empor und schrie dazwischen : » Dös is ' s erste nit , aber wann d ' dich dreinschickst , so könnt ' s wohl ' s letzte sein ! « » Daß ' s letzte sein wird , dafür laß nur mich sorgen , aber ' s Dreinschicken , das is dein Sach . Bisher hab ich dir allein Unbsonnenheiten und dumme Streich nachzsehen ghabt , gestert aber hast dich offen gegn mein Willn - gegn deins leiblichen Vaders Willen - aufglehnt ! Ich denk , du hast noch z ' wollen , wie ich will , und drum frag ich dich kurz und mein dir ' s gut : heiratst du seinzeit , dö ich dir bestimm , und gibst von heut alln Verkehr mit der Dirn da unten auf ? « » Dadrauf sag ich dir ebnso kurz , daß ich kein andere heirat und ' n Verkehr mit derer Dirn nit laß ! Verhalt mich dazu , wann d ' kannst ! Sperr mich ein , so brech ich dir aus . Tu , was d ' willst , so find ich mein Weg zu ihr und dort mein Bleiben . « Der Sternsteinhofbauer fuhr mit beiden Fäusten nach der Brust und schüttelte sich an der Jacke . Nachdem er eine Weile nach Atem gerungen , sagte er langsam und leise , doch dröhnte jedes Wort halblaut nach : » Merk dir ' s gut , was d ' mer gsagt hast : du nahmst kein andere und vom Verkehr mit derer Betteldirn vermöcht ich dich nit abzbringen ! « Toni nickte trotzig mit dem Kopfe . » Du hast mir damit « , fuhr der Alte fort , » ' n kindlichen Gehorsam aufkündt . Versteh mich wohl ! Es darf dich daher gar nit wundern , wann ich mein Hand von dir abzieh . Dadrauf mach dich nur gfaßt . « Er ging aus der Stube . Der Bursche blickte ihm verblüfft nach . Wie war das diesmal doch ganz anders gegen sonst alle Male , wo der Alte , wenn er ausgescholten hatte , begütigt davonging ? Freilich , die Sache war gewichtiger wie noch keine , und gleich , so auf das erste Wort hin , mochte der wohl nicht nachgeben ! Doch was er gesprochen , war sicher auch nicht sein letztes ! Bald , vielleicht morgen schon , kommt er wieder angerückt und dann so oft , bis er es müde werden wird . Da heißt ' s eben , sich mehrmal mit ihm herumbeißen , und heute , fürs erstemal , war es ja ganz gut abgelaufen . Ein blinder Schuß mag Spatzen und Diebe scheuchen und ein leeres Drohen Kinder und Narren ! Toni eilte hinab nach Zwischenbühel . Er hielt den Kopf hoch , als er rasch an den Hütten vorüberschritt , und wenn er merkte , daß er beobachtet wurde , so sah er mit herausfordernden Blicken hinter sich . Als er in der Zinshoferschen Hütte die Dirne , die auf seinem Schoße saß , in den Armen hielt , da vergaß er ganz , warum er eigentlich gekommen , und erst auf die Nachfrage Helenens erzählte er , was vorgefallen war ; da die beiden Frauenzimmer doch etwas ängstlich dareinsahen , so beruhigte er sie , es stünde ja alles ganz gut , würde nur immer besser werden , anders könne er es selber nicht sagen . Während er unten im Dorfe saß , fand sich der Käsbiermartel oben auf dem Sternsteinhofe ein . » Ich komm , mich über dein Bubn beklagen « , war sein erstes Wort , als er den Bauer erblickte . » Ich weiß eh alles « , murrte der . » Wann d ' eh alles weißt « , fuhr der Käsbiermartel fort , » so weißt auch , daß ' s hitzt mit unserer Verschwiegerung nix mehr sein kann . « » Warum nit ? « brauste der Sternsteinhofbauer auf . » Ist dir mein Bub etwa mit einmal z ' schlecht oder dein Dirn zu rar ? ! « Der Käsbiermartel sah ihn groß an , dann sprach er langsam , die verkniffenen Lippen mehr als sonst bewegend , als spräche er Brocken , die er vorher noch ein wenig glätten wolle : » Wann d ' mer so kommst , dann , frei hraus , ja ! « » Käsbiermartel ! « » Sternsteinhofer ! Was willst ? Is mer gleich dein Bub z ' schlecht , so bleibst doch du mir recht . Davon is der Beweis , daß ich heut schon da bin . D ' Verschwiegerung aufsagn hätt Zeit ghabt ; das geht mir nit gar so nah , wie ich auch siech , daß ' s dir nit nahgeht . Aber wann d ' dein Sohn von d ' Soldaten freikriegen willst , so wär jetzt d ' höchst Zeit , daß ich geh a gut Wort einlegn und du ... « Er machte eine allgemein verständliche Bewegung mit Daumen und Zeigefinger . » Spar du dir d ' guten Wort , ich spar ' s andere . « » Was meinst ? « » Daß ich mich für dein Freundlichkeit bedank , aber kein Gebrauch davon mach . « » Aber dann nehmen s ' dir ' n heilig . « » Solln s ' ' n. « » So redst hitzt , hintnach aber reut ' s