aber auf eine längere Dauer und auf eine bessere Weise wäre doch durch ein solches Gesetz gesorgt , als wenn gar keines wäre . Den besten Schutz für Kunstwerke der Vorzeit würde freilich eine fortschreitende und nicht mehr erlahmende Kunstempfindung gewähren . Aber alle Mittel , auch in ihrer größten Vollkommenheit angewendet , würden den endlichen Untergang eines Kunstwerkes nicht aufhalten können ; dies liegt in der immerwährenden Tätigkeit und in dem Umwandlungstriebe der Menschen und in der Vergänglichkeit des Stoffes . Alles , was ist , wie groß und gut es sei , besteht eine Zeit , erfüllt einen Zweck , und geht vorüber . Und so wird auch einmal über alle Kunstwerke , die jetzt noch sind , ein ewiger Schleier der Vergessenheit liegen , wie er jetzt über denen liegt , die vor ihnen waren . « » Ihr arbeitet an der Herstellung eines zweiten Altares , « sagte ich , » da Ihr einen schon vollendet habt : würdet Ihr auch noch andere herstellen , da Ihr sagt , daß es mehrere in dem Lande gibt ? « » Wenn ich die Mittel dazu hätte , würde ich es tun , « erwiderte er , » ich würde sogar , wenn ich reich genug wäre , angefangene mittelalterliche Bauwerke vollenden lassen . Da steht in Grünau , hart an der Grenze unseres Landes , an der Stadtpfarrkirche ein Turm , welcher der schönste unseres Landes ist und der höchste wäre , wenn er vollendet wäre ; aber er ist nur ungefähr bis zu zwei Dritteilen seiner Höhe fertig geworden . Dieser altdeutsche Turm wäre das erste , welches ich vollenden ließe . Wenn Ihr wieder kommt , so führe ich Euch in eine Kirche , in welcher auf Landeskosten ein geschnitzter Flügelaltar wieder hergestellt worden ist , der zu den bedeutendsten Kunstwerken gehört , welche in dieser Art vorhanden sind . « Wir traten bei diesen Worten den Rückweg aus dem Trockenhause in die Arbeitstube an . Mein Begleiter sagte auf diesem Wege : » Da Eustach jetzt vorzugsweise damit beschäftigt ist , die im Laufe befindlichen Werke auszufertigen , so hat er seinen Bruder , der herangewachsen ist , unterrichtet , und dieser versieht jetzt hauptsächlich das Geschäft des Zeichnens . Er ist eben daran , die Verzierungen , die in unserem Lande an Bauwerken , Holzarbeiten oder sonstwo vorkommen , und die wir in unseren Blättern von größeren Werken noch nicht haben , zu zeichnen . Wir erwarten ihn in kurzer Zeit auf einige Tage zu rück . An diesen Dingen könnte auch die Gegenwart lernen , falls sie lernen will . Nicht bloß aus dem Großen , wenn wir das Große betrachteten , was unsere Voreltern gemacht haben , und was die kunstsinnigsten vorchristlichen Völker gemacht haben , könnten wir lernen , wieder in edlen Gebäuden wohnen oder von edlen Geräten umringt sein , wenigstens wie die Griechen in schönen Tempeln beten ; sondern wir könnten uns auch im Kleinen vervollkommnen , die Überzüge unserer Zimmer könnten schöner sein , die gewöhnlichen Geräte , Krüge , Schalen , Lampen , Leuchter , Äxte würden schöner werden , selbst die Zeichnungen auf den Stoffen zu Kleidern und endlich auch der Schmuck der Frauen in schönen Steinen ; er würde die leichten Bildungen der Vergangenheit annehmen , statt daß jetzt oft eine Barbarei von Steinen in einer Barbarei von Gold liegt . Ihr werdet mir recht geben , wenn Ihr an die vielen Zeichnungen von Kreuzen , Rosen , Sternen denkt , die Ihr in unsern Blättern mittelalterlicher Bauwerke gesehen habt . « Ich bewunderte den Mann , der , da er so redete , in einem sonderbaren , ja abgeschmackten Kleide neben mir ging . » Wenigstens Achtung vor Leuten , die vor uns gelebt haben , könnte man aus solchen Bestrebungen lernen , « fahr er fort , » statt daß wir jetzt gewohnt sind , immer von unseren Fortschritten gegenüber der Unwissenheit unserer Voreltern reden zu hören . Das große Preisen von Dingen erinnert zu oft an Armut von Erfahrungen . « Wir waren bei diesen Worten wieder in die Werkstube gekommen , und verabschiedeten uns von dem Meister . Ich reichte ihm die Hand , die er annahm , und schüttelte die seinige herzlich . Da wir aus dem Hause getreten waren und ich umschaute , sah ich durch das Fenster , wie er eben seine grüne Schürze herab nahm und wieder umband . Auch hörten wir das Hobeln und Sägen wieder , das bei unserem Besuche des Werkhauses ein wenig verstummt war . Wir betraten den Gebüschpfad , und kamen wieder in die Nähe des Wohnhauses . » Ihr habt nun meine ganze Behausung gesehen « , sagte mein Gastfreund . » Ich habe ja Küche und Keller und Gesindestuben nicht gesehen « , erwiderte ich . » Ihr sollt sie sehen , wenn Ihr wollt « , sagte er . Ich nahm mein mehr im Scherze gesprochenes Wort nicht zurück , und wir gingen wieder in das Haus . Ich sah hier eine große gewölbte Küche , eine große Speisekammer , drei Stuben für Dienstleute , eine für eine Art Hausaufseher , dann die Waschstube , den Backofen , den Keller und die Obstkammer . Wie ich vermutet hatte war dies alles reinlich und zweckmäßig eingerichtet . Ich sah Mägde beschäftigt , und wir trafen auch den Hausaufseher in seinem Tagewerke begriffen . Das flache , feine Körbchen , aus welchem mein Beherberger die Vögel gefüttert hatte , lehnte in einer eigenen Mauernische neben der Tür , welche sein bestimmter Platz zu sein schien . Wir gingen von diesen Räumen in das Gewächshaus . Es enthielt sehr viele Pflanzen , meistens solche , welche zur Zeit gebräuchlich waren . Auf den Gestellen standen Kamelien mit gut gepflegten grünen Blättern , Rhododendern , darunter , wie mir die Aufschrift sagte , gelbe , die ich nie gesehen hatte , Azaleen in sehr mannigfaltigen Arten , und besonders viele neuholländische Gewächse . Von Rosen war die Teerose in hervorragender Anzahl da , und ihre Blumen blühten eben . An das Gewächshaus stieß ein kleines Glashaus mit Ananas . Auf dem Sandwege vor beiden Häusern standen Zitronen- und Orangenbäume in Kübeln . Der alte Gärtner hatte noch weißere Haare als sein Herr . Er war ebenfalls ungewöhnlich gekleidet , nur konnte ich bei ihm das Ungewöhnliche nicht finden . Das fiel mir auf , daß er viel reines Weiß an sich hatte , welches im Vereine mit seiner weißen Schürze mich eher an einen Koch als an einen Gärtner erinnerte . Daß die schmale Seite des Gewächshauses von außen mit Rosen bekleidet sei , wie die Südseite des Wohnhauses , fiel mir wieder auf , aber es berührte mich nicht unangenehm . Die alte Gattin des Gärtners , die wir in der Wohnung desselben fanden , war eben so weißgekleidet wie ihr Mann . An die Gärtnerswohnung stießen die Kammern der Gehilfen . » Jetzt habt Ihr alles gesehen , « sagte mein Gastfreund , da wir aus diesen Kammern traten , » außer den Gastzimmern , die ich Euch zeigen werde , wenn Ihr es verlangt , und der Wohnung meines Ziehsohnes , die wir aber jetzt nicht betreten können , weil wir ihn in seinem Lernen stören würden . « » Wir wollen das auf eine spätere Stunde lassen , in der ich Euch daran erinnern werde , « sagte ich , » jetzt habe ich aber ein anderes Anliegen an Eure Güte , das mir näher am Herzen ist . « » Und dieses nähere Anliegen ? « fragte er . » Daß Ihr mir endlich sagt , « antwortete ich , » wie Ihr zu einer so entschiedenen Gewißheit in Hinsicht des Wetters gekommen seid . « » Der Wunsch ist ein sehr gerechter , « entgegnete er , » und um so gerechter , als Eure Meinung über das Gewitter der Grund gewesen ist , weshalb Ihr zu unserem Hause herauf gegangen seid , und als unser Streit über das Gewitter der Grund gewesen ist , daß Ihr länger da geblieben seid . Gehen wir aber gegen das Bienenhaus , und setzen wir uns auf eine Bank unter eine Linde . Ich werde Euch auf dem Wege und auf der Bank meine Sache erzählen . « Wir schlugen einen breiten Sandpfad ein , der anfangs von größeren Obstbäumen und später von hohen , schattenden Linden begrenzt war . Zwischen den Stämmen standen Ruhebänke , auf dem Sande liefen pickende Vögel , und in den Zweigen wurde heute wieder das Singen vollbracht , welches ich gestern schon wahrgenommen hatte . » Ihr habt die Sammlung von Werkzeugen der Naturlehre in meiner Wohnung gesehen , « fing mein Begleiter an , als wir auf dem Sandwege dahin gingen , » sie erklären schon einen Teil unserer Sache . « » Ich habe sie gesehen , « antwortete ich , » besonders habe ich das Barometer , Thermometer , so wie einen Luftblau und Feuchtigkeitsmesser bemerkt ; aber diese Dinge habe ich auch , und sie haben eher , da ich sie vor meiner Wanderung beobachtete , auf einen Niederschlag als auf sein Gegenteil gedeutet . « » Das Barometer ist gefallen « , erwiderte er , » und wies auf geringeren Luftdruck hin , mit welchem sehr oft der Eintritt von Regen verbunden ist . « » Wohl « , sagte ich . » Der Zeiger des Feuchtigkeitsmessers « , fuhr er fort , » rückte mehr gegen den Punkt der größten Feuchtigkeit . « » Ja , so ist es gewesen « , antwortete ich . » Aber der Elektrizitätsmesser « , sagte er , » verkündigte wenig Luftelektrizitat , daß also eine Entladung derselben , womit in unseren Gegenden gerne Regen verbunden ist , nicht erwartet werden konnte . « » Ich habe wohl auch die nämliche Beobachtung gemacht , « entgegnete ich , » aber die elektrische Spannung steht nicht so sehr im Zusammenhange mit Wetterveränderungen , und ist meistens nur ihre Folge . Zudem hat sich gestern gegen Abend Elektrizität genug entwickelt , und alle Anzeichen , von denen Ihr redet , verkündeten einen Niederschlag « » Ja , sie verkündeten ihn , und er ist erfolgt « , sagte mein Begleiter ; » denn es bildeten sich aus den unsichtbaren Wasserdünsten sichtbare Wolken , die ja wohl sehr fein zerteiltes Wasser sind . Da ist der Niederschlag . Auf die geringe elektrische Spannung legte ich kein Gewicht ; ich wußte , daß , wenn einmal Wolken entstünden , sich auch hinlängliche Elektrizität einstellen würde . Die Anzeichen , von denen wir geredet haben , beziehen sich aber nur auf den kleinen Raum , in dem man sich eben befindet , man muß auch einen weiteren betrachten , die Bläue der Luft und die Gestaltung der Wolken . « » Die Luft hatte schon gestern vormittags die tiefe und finstere Bläue , « erwiderte ich , » welche dem Regen vorangeht , und die Wolkenbildung begann bereits am Mittage , und schritt sehr rasch vorwärts . « » Bis hieher habt Ihr recht , « sagte mein Begleiter , » und die Natur hat Euch auch recht gegeben , indem sie eine ungewöhnliche Menge von Wolken erzeugte . Aber es gibt auch noch andere Merkmale , als die wir bisher besprochen haben , welche Euch entgangen sind . Ihr werdet wissen , daß Anzeichen bestehen , welche nur einer gewissen Gegend eigen sind und von den Eingebornen verstanden werden , denen sie von Geschlecht zu Geschlecht überliefert worden sind . Oft vermag die Wissenschaft recht wohl den Grund der langen Erfahrung anzugeben . Ihr wißt , daß in Gegenden ein kleines Wölklein an einer bestimmten Stelle des Himmels , der sonst rein ist , erscheinend und dort schweben bleibend ein sicherer Gewitteranzeiger für diese Gegend ist , daß ein trüberer Ton an einer gewissen Stelle des Himmels , ein Windstoß aus einer gewissen Gegend her Vorboten eines Landregens sind , und daß der Regen immer kömmt . Solche Anzeichen hat auch diese Gegend , und es sind gestern keine eingetreten , die auf Regen wiesen . « » Merkmale , die nur dieser Gegend angehören , « erwiderte ich , » konnte ich nicht beobachten ; aber ich glaube , daß diese Merkmale allein Euch doch nicht bestimmen konnten , einen so entscheidenden Ausspruch zu tun , wie Ihr getan habt . « » Sie bestimmten mich auch nicht , « antwortete er , » ich hatte auch noch andere Gründe . « » Nun . « » Alle die Vorzeichen , von denen wir bisher geredet haben , sind sehr grobe « , sagte er , » und werden meistens von uns nur mittelst räumlicher Veränderungen erkannt , die , wenn sie nicht eine gewisse Größe erreichen , von uns gar nicht mehr beobachtet werden können . Der Schauplatz , auf welchem sich die Witterungsverhältnisse gestalten , ist sehr groß ; dort , wohin wir nicht sehen , und woher die Wirkungen auf unsere wissenschaftlichen Werkzeuge nicht reichen können , mögen vielleicht Ursachen und Gegenanzeigen sein , die , wenn sie uns bekannt wären , unsere Vorhersage in ihr Gegenteil umstimmen würden . Die Anzeichen können daher auch täuschen . Es sind aber noch viel feinere Vorrichtungen vorhanden , deren Beschaffenheit uns ein Geheimnis ist , die von Ursachen , die wir sonst gar nicht mehr messen können , noch betroffen werden , und deren Wirkung eine ganz gewisse ist . « » Und diese Werkzeuge ? « » Sind die Nerven . « » Also empfindet Ihr durch Eure Nerven , wenn Regen kommen wird ? « » Durch meine Nerven empfinde ich das nicht « , antwortete er . » Der Mensch stört leider durch zu starke Einwirkungen , die er auf die Nerven macht , das feine Leben derselben , und sie sprechen zu ihm nicht mehr so deutlich , als sie sonst wohl könnten . Auch hat ihm die Natur etwas viel Höheres zum Ersatze gegeben , den Verstand und die Vernunft , wodurch er sich zu helfen und sich seine Stellung zu geben vermag . Ich meine die Nerven der Tiere . « » Es wird wohl wahr sein , was Ihr sagt « , antwortete ich . » Die Tiere hängen mit der tiefer stehenden Natur noch viel unmittelbarer zusammen als wir . Es wird nur darauf ankommen , daß diese Beziehungen ergründet werden und dafür ein Ausdruck gefunden wird , besonders , was das kommende Wetter betrifft . « » Ich habe diesen Zusammenhang nicht ergründet , « entgegnete er , » noch weniger den Ausdruck dafür gefunden ; beides dürfte in dieser Allgemeinheit wohl sehr schwer sein ; aber ich habe zufällig einige Beobachtungen gemacht , habe sie dann absichtlich wiederholt , und daraus Erfahrungen gesammelt und Ergebnisse zusammen gestellt , die eine Voraussage mit fast völliger Gewißheit möglich machen . Viele Tiere sind von Regen und Sonnenschein so abhängig , ja bei einigen handelt es sich geradezu um das Leben selber , je nachdem Sonne oder Regen ist , daß ihnen Gott notwendig hat Werkzeuge geben müssen , diese Dinge vorhinein empfinden zu können . Diese Empfindung als Empfindung kann aber der Mensch nicht erkennen , er kann sie nicht betrachten , weil sie sich den Sinnen entzieht ; allein die Tiere machen in Folge dieser Vorempfindung Anstalten für ihre Zukunft , und diese Anstalten kann der Mensch betrachten und daraus Schlüsse ziehen . Es gibt einige , die ihre Nahrung finden , wenn es feucht ist , andere verlieren sie in diesem Falle . Manche müssen ihren Leib vor Regen bergen , manche ihre Brut in Sicherheit bringen . Viele müssen ihre für den Augenblick aufgeschlagene Wohnung verlassen oder eine andere Arbeit suchen . Da nun die Vorempfindung gewiß sein muß , wenn die daraus folgende Handlung zur Sicherung führen soll , da die Nerven schon berührt werden , wenn noch alle menschlichen wissenschaftlichen Werkzeuge schweigen , so kann eine Voraussage über das Wetter , die auf eine genaue Betrachtung der Handlungen der Tiere gegründet ist , mehr Anhalt gewähren , als die aus allen wissenschaftlichen Werkzeugen zusammen genommen . « » Ihr eröffnet da eine neue Richtung . « » Die Menschen haben darin schon vieles erfahren . Die besten Wetterkenner sind die Insekten und überhaupt die kleinen Tiere . Sie sind aber viel schwerer zu beobachten , da sie , wenn man dies tun will , nicht leicht zu finden sind , und da man ihre Handlungen auch nicht immer leicht versteht . Aber von kleineren Tieren hängen oft größere ab , deren Speise jene sind , und die Handlungen kleinerer Tiere haben Handlungen größerer zur Folge , welche der Mensch leichter überblickt . Freilich steht da ein Schluß in der Mitte , der die Gefahr zu irren größer macht , als sie bei der unmittelbaren Betrachtung und der gleichsam redenden Tatsache ist . Warum , damit ich ein Beispiel anfahre , steigt der Laubfrosch tiefer , wenn Regen folgen soll , warum fliegt die Schwalbe niedriger und springt der Fisch aus dem Wasser ? Die Gefahr zu irren wird wohl bei oftmaliger Wiederholung der Beobachtung und bei sorglicher Vergleichung geringer ; aber das Sicherste bleiben immer die Herden der kleinen Tiere . Das habt Ihr gewiß schon gehört , daß die Spinnen Wetterverkündiger sind , und daß die Ameisen den Regen vorher sagen . Man muß das Leben dieser kleinen Dinge betrachten , ihre häuslichen Einrichtungen anschauen , oft zu ihnen kommen , sehen , wie sie ihre Zeit hinbringen , erforschen , welche Grenzen ihre Gebiete haben , welche die Bedingungen ihres Glückes sind , und wie sie denselben nachkommen . Darum wissen Jäger , Holzhauer und Menschen , welche einsam sind und zur Betrachtung dieses abgesonderten Lebens aufgefordert werden , das meiste von diesen Dingen , und wie aus dem Benehmen von Tieren das Wetter vorherzusagen ist . Es gehört aber wie zu allem auch Liebe dazu . « » Hier ist der Sitz , « unterbrach er sich , » von welchem ich früher gesprochen habe . Hier ist die schönste Linde meines Gartens , ich habe einen bessern Ruheplatz unter ihr anbringen lassen , und gehe selten vorüber , ohne mich eine Weile nieder zu setzen , um mich an dem Summen in ihren Ästen zu ergötzen . Wollen wir uns setzen ? « Ich willigte ein , wir setzten uns , das Summen war wirklich über unsern Häuptern zu hören , und ich fragte : » Habt Ihr nun diese Beobachtungen an den Tieren , wie Ihr sagtet , gemacht ? « » Auf Beobachtungen bin ich eigentlich nicht ausgegangen « , antwortete er ; » aber da ich lange in diesem Hause und in diesem Garten gelebt habe , hat sich manches zusammengefunden ; aus dem Zusammengefundenen haben sich Schlüsse gebaut , und ich bin durch diese Schlüsse umgekehrt wieder zu Betrachtungen veranlaßt worden . Viele Menschen , welche gewohnt sind , sich und ihre Bestrebungen als den Mittelpunkt der Welt zu betrachten , halten diese Dinge für klein , aber bei Gott ist es nicht so ; das ist nicht groß , an dem wir vielmal unsern Maßstab umlegen können , und das ist nicht klein , wofür wir keinen Maßstab mehr haben . Das sehen wir daraus , weil er alles mit gleicher Sorgfalt behandelt . Oft habe ich gedacht , daß die Erforschung des Menschen und seines Treibens , ja sogar seiner Geschichte nur ein anderer Zweig der Naturwissenschaft sei , wenn er auch für uns Menschen wichtiger ist , als er für Tiere wäre . Ich habe zu einer Zeit Gelegenheit gehabt , in diesem Zweige manches zu erfahren und mir einiges zu merken . Doch ich will zu meinem Gegenstande zurückkehren . Von dem , was die kleinen Tiere tun , wenn Regen oder Sonnenschein kommen soll , oder wie ich überhaupt aus ihren Handlungen Schlüsse ziehe , kann ich jetzt nicht reden , weil es zu umständlich sein würde , obwohl es merkwürdig ist ; aber das kann ich sagen , daß nach meinen bisherigen Erfahrungen gestern keines der Tierchen in meinem Garten ein Zeichen von Regen gegeben hat , wir mögen von den Bienen anfangen , welche in diesen Zweigen summen , und bis zu den Ameisen gelangen , die ihre Puppen an der Planke meines Gartens in die Sonne legen , oder zu dem Springkäfer , der sich seine Speise trocknet . Weil mich nun diese Tiere , wenn ich zu ihnen kam , nie getäuscht haben , so folgerte ich , daß die Wasserbildung , welche unsere gröberen wissenschaftlichen Werkzeuge voraussagten , nicht über die Entstehung von Wolken hinausgehen würde , da es sonst die Tiere gewußt hätten . Was aber mit den Wolken geschehen würde , erkannte ich nicht genau , ich schloß nur , daß durch die Abkühlung , die ihr Schatten erzeugen müßte , und durch die Luftströmungen , denen sie selber ihr Dasein verdankten , ein Wind entstehen könnte , der in der Nacht den Himmel wieder rein fegen würde . « » Und so geschah es auch « , sagte ich . » Ich konnte es um so sicherer voraussehen , « erwiderte er , » weil es an unserem Himmel und in unserem Garten oft schon so gewesen ist wie gestern , und stets so geworden ist , wie heute in der Nacht . « » Das ist ein weites Feld , von dem Ihr da redet , « sagte ich , » und da steht der menschlichen Erkenntnis ein nicht unwichtiger Gegenstand gegenüber . Er beweist wieder , daß jedes Wissen Ausläufe hat , die man oft nicht ahnt , und wie man die kleinsten Dinge nicht vernachlässigen soll , wenn man auch noch nicht weiß , wie sie mit den größeren zusammenhängen . So kamen wohl auch die größten Männer zu den Werken , die wir bewundern , und so kann mit Hereinbeziehung dessen , von dem Ihr redet , die Witterungskunde einer großen Erweiterung fähig sein . « » Diesen Glauben hege ich auch « , erwiderte er . » Euch Jüngeren wird es in den Naturwissenschaften überhaupt leichter , als es den Älteren geworden ist . Man schlägt jetzt mehr die Wege des Beobachtens und der Versuche ein , statt daß man früher mehr den Vermutungen , Lehrmeinungen , ja Einbildungen hingegeben war . Diese Wege wurden lange nicht klar , obgleich sie einzelne wohl zu allen Zeiten gegangen sind . Je mehr Boden man auf die neue Weise gewinnt , desto mehr Stoff hat man als Hilfe zu fernern Erringungen . Man wendet sich jetzt auch mit Ernst der Pflege der einzelnen Zweige zu , statt wie früher immer auf das Allgemeine zu gehen ; und es wird daher auch eine Zeit kommen , in der man dem Gegenstande eine Aufmerksamkeit schenken wird , von dem wir jetzt gesprochen haben . Wenn die Fruchtbarkeit , wie sie durch Jahrzehende in der Naturwissenschaft gewesen ist , durch Jahrhunderte anhält , so können wir gar nicht ahnen , wie weit es kommen wird . Nur das eine wissen wir jetzt , daß das noch unbebaute Feld unendlich größer ist als das bebaute . « » Ich habe gestern einige Arbeiter bemerkt , « sagte ich , » welche , obwohl der Himmel voll Wolken war , doch Wasser pumpten , ihre Gießkannen füllten und die Gewächse begossen . Haben diese vielleicht auch gewußt , daß kein Regen kommen werde , oder haben sie bloß Eure Befehle vollzogen , wie die Mäher , die an dem Meierhofe Gras abmähten ? « » Das letztere ist der Fall « , erwiderte er . » Diese Arbeiter glauben jedes Mal , daß ich mich irre , wenn der äußere Anschein gegen mich ist , wie oft sie auch durch den Erfolg belehrt worden sein mögen . Und so werden sie gewiß auch gestern geglaubt haben , daß Regen komme . Sie begossen die Gewächse , weil ich es angeordnet habe , und weil es bei uns eingeführt ist , daß der , welcher wiederholt den Anordnungen nicht nachkömmt , des Dienstes entlassen wird . Es sind aber endlich auch noch andere Dinge außer den Tieren , welche das Wetter vorhersagen , nämlich die Pflanzen . « » Von den Pflanzen wußte ich es schon , und zwar besser als von den Tieren « , erwiderte ich . » In meinem Garten und in meinem Gewächshause sind Pflanzen , « sagte er , » welche einen auffallenden Zusammenhang mit dem Luftkreise zeigen , besonders gegen das Nahen der Sonne , wenn sie lange in Wolken gewesen war . Aus dem Geruche der Blumen kann man dem kommenden Regen entgegen sehen , ja sogar aus dem Grase riecht man ihn beinahe . Mir kommen diese Dinge so zufällig in den Garten und in das Haus ; Ihr aber werdet sie weit besser und weit gründlicher kennen lernen , wenn Ihr die Wege der neuen Wissenschaftlichkeit wandelt und die Hilfsmittel benützt , die es jetzt gibt , besonders die Rechnung . Wenn Ihr namentlich eine einzelne Richtung einschlagt , so werdet Ihr in derselben ungewöhnlich große Fortschritte machen . « » Woher schließt Ihr denn das ? « fragte ich . » Aus Eurem Aussehen , « erwiderte er , » und schon aus der sehr bestimmten Aussage , die Ihr gestern in Hinsicht des Wetters gemacht habt . « » Diese Aussage war aber falsch , « antwortete ich , » und aus ihr hättet Ihr gerade das Gegenteil schließen können . « » Nein , das nicht , « sagte er , » Eure Äußerung zeigte , weil sie so bestimmt war , daß Ihr den Gegenstand genau beobachtet habt , und weil sie so warm war , daß Ihr ihn mit Liebe und mit Eifer umfaßt ; daß Eure Meinung desohngeachtet irrig war , kam nur daher , weil Ihr einen Umstand , der auf sie Einfluß hatte , nicht kanntet , und ihn auch nicht leicht kennen konntet ; sonst würdet Ihr anders geurteilt haben . « » Ja , Ihr redet wahr , ich würde anders geurteilt haben , « antwortete ich , » und ich werde nicht wieder so voreilig urteilen . « » Ihr habt gestern gesagt , daß Ihr Euch mit Naturdingen beschäftiget , « fuhr er fort , » darf ich wohl fragen , ob Ihr eine bestimmte Richtung gewählt habt , und welche ? « Ich war durch die Frage ein wenig in Verwirrung gebracht , und antwortete : » Ich bin doch im Grunde nur ein gewöhnlicher Fußreisender . Ich besitze gerade so viel Vermögen , um unabhängig leben zu können , und gehe in der Welt herum , um sie anzusehen . Ich habe wohl vor kurzem alle Wissenschaften angefangen ; aber davon bin ich zurückgekommen , und habe mir nur hauptsächlich die einzelne Wissenschaft der Erdbildung zur Aufgabe gemacht . Um die Werke , welche ich hierin lese , zu ergänzen , suche ich auf den Reisen , die ich in verschiedene Landesteile mache , zu beobachten , schreibe meine Erfahrungen auf , und verfertige Zeichnungen . Da die Werke vorzüglich von Gebirgen handeln , so suche ich auch vorzüglich die Gebirge auf . Sie enthalten sonst auch vieles , das mir lieb ist . « » Diese Wissenschaft ist eine sehr weite , « entgegnete mein Gastfreund , » wenn sie in der Bedeutung der Erdgeschichte genommen wird . Sie schließt manche Wissenschaften ein , und setzt manche voraus . Die Berge sind wohl jetzt , wo diese Wissenschaft noch jung ist , und wo man ihre ersten und greifbarsten Züge sammelt , von der größten Bedeutung ; aber es wird auch die Ebene an die Reihe kommen , und ihre einfache und schwerer zu entziffernde Frage wird gewiß nicht von geringerer Wichtigkeit sein . « » Sie wird gewiß wichtig sein « , antwortete ich . » Ich habe die Ebene und ihre Sprache , die sie damals zu mir sprach , schon geliebt , ehe ich meine jetzige Aufgabe betrieb , und ehe ich die Gebirge kannte . « » Ich glaube , « entgegnete mein Begleiter , » daß in der gegenwärtigen Zeit der Standpunkt der Wissenschaft , von welcher wir sprechen , der des Sammelns ist . Entfernte Zeiten werden aus dem Stoffe etwas bauen , das wir noch nicht kennen . Das Sammeln geht der Wissenschaft immer voraus ; das ist nicht merkwürdig ; denn das Sammeln muß ja vor der Wissenschaft sein ; aber das ist merkwürdig , daß der Drang des Sammelns in die Geister kömmt , wenn eine Wissenschaft erscheinen soll , wenn sie auch noch nicht wissen , was diese Wissenschaft enthalten wird . Es geht gleichsam der Reiz der Ahnung in die Herzen , wozu etwas da sein könne , und wozu es Gott bestellt haben möge . Aber selbst ohne diesen Reiz hat das Sammeln etwas sehr Einnehmendes . Ich habe meine Marmore alle selber in den Gebirgen gesammelt , und habe ihren Bruch aus den Felsen , ihr Absägen , ihr Schleifen und ihre Einfügungen geleitet . Die Arbeit hat mir manche Freude gebracht , und ich glaube , daß mir nur darum diese Steine so lieb sind , weil ich sie selber gesucht habe . « » Habt Ihr alle Arten unsers Gebirges ? « fragte ich . » Ich habe nicht alle , « antwortete er , » ich hätte sie vielleicht nach und nach erhalten können , wenn ich meine Besuche stettig hätte fortsetzen können . Aber seit ich alt werde , wird es mir immer schwieriger . Wenn ich jetzt zu seltnen Zeiten einmal an den Rand des Simmeises hinaufkomme , empfinde ich , daß es nicht mehr ist wie in der Jugend , wo man keine Grenze kennt als das Ende des