hast ? « heißt es vielfach . » Nein , es ist nur unsere Magd , « antwortete Rosel . Mehrere Bettler aus Haldenbrunn die hier waren , betrachteten Barfüßele staunend ; sie kannten sie offenbar nicht und erst als sie sie lange angesehen hatten riefen sie : » Ei , das ist ja das Barfüßele . « » Das ist nur unsere Magd . « Dieses Wörtchen » nur « war Barfüßele tief in ' s Herz gedrungen , aber sie faßte sich schnell und lächelte , denn in ihr sprach es : » Laß dir nicht von einem Wörtchen deine Freude verderben . Wenn du das anfängst , da trittst du überall auf Dornen . « Die Rosel nahm Barfüßele bei Seite und sagte : » Geh ' du nur einstweilen auf den Tanzboden , oder anderswohin wenn du sonst Bekannte im Ort hast . Bei der Musik sehe ich dich hernach schon wieder . « Ja , da stand Barfüßele wie verlassen und sie kam sich vor , als hätte sie ihre Kleider gestohlen und gehöre gar nicht daher , sie war ein Eindringling . » Wie kommst du dazu , daß du zu so einer Hochzeit gehst ? « fragte sie sich und sie wäre am liebsten wieder heimgekehrt . Sie ging durch das Dorf aus und ein , dort an dem schönen Hause vorbei , das für den Brosi erbaut worden war und worin auch heute viel Leben sich zeigte ; denn die Oberbauräthin hielt mit ihren Söhnen und Töchtern hier ihre Sommerfrische . Barfüßele ging wieder das Dorf hinein und schaute sich nicht um und doch wünschte sie , daß Jemand sie anrufe , damit sie sich zu ihm geselle . Am Ende des Dorfes begegnete ihr ein schmucker Reiter auf einem Schimmel , der das Dorf hereinritt . Er trug eine fremde Bauerntracht und sah stolz drein ; jetzt hielt er an , stemmte die Rechte mit der Reitgerte in die Seite , mit der linken klaschte er den Hals seines Pferdes und sagte : » Guten Morgen , schönes Jungferle ! Schon müde vom Tanz ? « » Das ist leicht gefragt vom Gaul herunter , « lautete die Antwort . Der Reiter ritt davon und Barfüßele saß lange Zeit hinter einer Haselhecke und mußte Allerlei in sich hineindenken und ihre Wangen glühten von einer Röthe , die der Aerger über sich selbst , über die spitze Antwort auf eine harmlose Frage , die Betroffenheit und ein unbegreifliches inneres Wogen anfachte : Was kann der gute Mensch dafür , daß du so verdrießlich bist ? Und gut ist er . Er hat so eine herzliche Stimme gehabt . Und schmuck ist er auch . Aber was geht das Alles mich an ? Ich will von der ganzen Welt nichts mehr , von gar nichts ... So zu Jubel gespannt hatte sie den Tag begonnen und jetzt wünschte sie sich den Tod . » Hier hinter der Hecke einschlafen und nicht mehr sein , o wie herrlich wäre das ! Du sollst keine Freude haben , warum noch so lange herumlaufen ? « Wie zirpen die Heimchen im Grase und ein warmer Dampf steigt auf von der Erde und eine Grasmücke zwitschert immer fort und es ist als ob sie mit ihrer Stimme immer in sich hinein lange und frische noch innigere Töne heraushole und sich gar nicht genug thun könne , das so recht von ganzem Herzen zu sagen was sie zu sagen hat , und droben singen die Lerchen und jeder Vogel singt für sich und Keiner hört auf den Andern und Keiner stimmt dem Andern bei und doch ist Alles ... Noch nie in ihrem Leben war Amrei am hellen Tag und nun gar des Morgens eingeschlafen und jetzt , sie hatte ihr Kopftuch über die Augen gezogen , und jetzt küßte der Sonnenstrahl ihre geschlossenen Lippen , die im Schlafe noch immer wie trotzig gepreßt waren und die Röthe auf ihrem Kinn färbte sich röther . Sie schlief wohl eine Stunde , da wachte sie zuckend plötzlich auf . Der Reiter auf dem Schimmel war auf sie zugeritten und jetzt eben hob das Pferd seine beiden Vorderfüße , um sie auf ihre Brust zu stellen . Es war nur ein Traum gewesen und Amrei schaute sich um , als wäre sie plötzlich vom Himmel gefallen ; sie sah staunend wo sie war , betrachtete verwundert sich selbst ; aber Musikklang aus dem Dorfe weckte schnell Alles und sie ging neu gekräftigt in ' s Dorf zurück , wo bereits Alles noch lebendiger geworden war . Sie spürte es , sie hatte sich ausgeruht von dem Allerlei was heute schon mit ihr vorgegangen war . Jetzt sollten sie nur kommen die Tänzer ! Sie wollte tanzen bis zum andern Morgen und nicht ausruhen und nicht müde werden . Die frische Röthe eines Kinderschlafes lag auf ihrem Angesicht und Alles sah sie staunend an . Sie ging nach dem Tanzboden ; da tönte die Musik , aber in den leeren Raum , es waren keine Tänzer da . Nur die Mädchen , die heute zur Bedienung der Gäste gedungen waren , tanzten miteinander herum . Der Krappenzacher betrachtete Barfüßele lange und schüttelte den Kopf . Er schien sie offenbar nicht zu kennen . Amrei drückte sich an den Wänden hin und wieder hinaus . Sie begegnete Dominik dem Furchenbauer , der heut ' in voller Freude strahlte . » Mit Verlaub , « sagte er , » gehört die Jungfer zu den Hochzeitgästen ? « » Nein , ich bin nur eine Magd , und bin mit meiner Haustochter , des Rodelbauern Rosel gekommen . « » Gut , so geh ' hinauf auf den Hof zur Bäuerin , und sag ' ihr , ich schick ' dich , du wolltest ihr helfen ; man kann heute nicht Hände genug in unserm Hause haben . « » Weil Ihr es seid , recht gern , « sagte Amrei und machte sich auf den Weg . Unterwegs mußte sie viel daran denken , daß der Dominik auch Knecht gewesen sei und ... » Ja , so Etwas kommt nur alle hundert Jahr ' Einmal vor . Und es hat viel Blut gekostet ehe er zu dem Hof gekommen ist , daß ist doch arg . « Die Furchenbäuerin Ameile hieß die Ankommende , die im Anerbieten ihrer Dienste zugleich die Jacke abzog und sich eine große Schürze mit Brustlatz ausbat , freundlich willkommen ; aber die Bäuerin that es nicht anders , Amrei mußte vorher selber sattsam Hunger und Durst stillen ; bevor sie Andere bediente . Amrei willfahrte ohne viel Umstände und schon mit den ersten Worten gewann sie die Furchenbäuerin , denn sie sagte : » Ich will nur gleich zugreifen , ich muß gestehen , ich bin hungrig und ich will Euch nicht viel Mühe machen mit Zureden . « Amrei blieb nun in der Küche und gab den Auftragenden Alles so geschickt in die Hand und wußte bald Alles so zu stellen und zu greifen , daß die Bäuerin sagte : » Ihr beiden Amrei ' s , du da und meine Bruderstochter , Ihr könnt jetzt schon Alles machen und ich will bei den Gästen bleiben . « Die Amrei von Siebenhöfen , die sogenante Schmalzgräfin , die weit und breit als stolz und trotzig bekannt war , benahm sich ausnehmend freundlich gegen Barfüßele und die Furchenbäuerin sagte einmal zu Barfüßele : » Es list schad , daß du kein Bursch bist ; ich glaub ' , die Amrei thät ' dich auf dem Fleck heirathen und dich nicht heimschicken wie alle anderen Freier . « » Ich hab ' einen Bruder , der ist noch zu haben , aber er ist in Amerika , « scherzte Barfüßele . » Laß ihn drüben , « sagte die Schmalzgräfin , » am besten wär ' s , man könnte alle Mannsleute hinüberschicken und wir blieben allein da . « Amrei verließ den Hof nicht , bis wieder Alles an Platz gestellt war und als sie ihre Schürze auszog , war sie noch so weiß und unzerknittert wie beim Anziehen . » Du wirst müd sein und nimmer tanzen können , « sagte die Bäuerin , als Amrei endlich mit einem Geschenk Abschied nahm , und diese sagte : » Was müd sein ? Das ist ja nur gespielt . Und glaubet mir , es ist mir jetzt wohler , daß ich heut schon Etwas geschafft habe . So einen ganzen Tag blos zur Lustbarkeit , ich wüßt ' ihn nicht herumzubringen , und das ist ' s gewiß auch gewesen , warum ich heute Morgen so traurig war , es hat mir was gefehlt ; aber jetzt bin ich vollauf zum Feiertag aufgelegt , ganz aus dem Geschirr , jetzt wäre ich erst recht aufgelegt zum Tanzen - wenn ich nur Tänzer kriege . « Ameile wußte Barfüßele keine bessere Ehre anzuthun , als indem sie sie wie eine vornehme Bäuerin im Hause herumführte und in der Brautstube zeigte sie ihr die große Kiste mit den Kunkelschenken ( Hochzeitsgeschenken ) und öffnete die hohen , blaugemalten Schränke , drauf Name und Jahrzahl geschrieben war und darin vollgestopft die Aussteuer und zahlreiches Linnenzeug , Alles mit bunten Bändern gebunden und mit künstlichen Nelken besteckt . Im Kleiderschranke mindestens dreißig Kleider , daneben die hohen Betten , die Wiege , die Kunkel mit den schönen Spindeln um und um mit Kinderzeug behangen , das die Gespielen geschenkt hatten . » O lieber Gott ! « sagte Barfüßele , » wie glücklich ist doch so ein Kind aus so einem Haus . « » Bist du neidisch ? « fragte die Bäuerin und im Andenken , daß sie das Alles einer Armen zeige , setzte sie hinzu : » Glaub ' mir , das viele Sach ' macht es nicht aus ; es sind Viele glücklicher , die keinen Strumpf von den Eltern bekommen . « » Ja wohl , das weiß ich , und bin auch nicht neidisch um das viele Gut , weit eher darum , daß Euer Kind Euch und so vielen Menschen danken kann für das Gute , was es von ihnen hat . Solche Gewänder von der Mutter müssen doppelt warm halten . « Die Bäuerin zeigte ihr Wohlgefallen an Barfüßele dadurch , daß sie ihr das Geleite gab bis vor den Hof , ebensogut als Einer , die acht Roßköpfe im Stall hatte . Es tummelte sich schon Alles wild durcheinander als Amrei auf den Tanzboden kam . Sie blieb zuerst schüchtern auf der Flur stehen . Wo ist denn die Kinderschaar , die sonst sich hier erlustigte und die Vorfreude des künftigen Lebens im Vorhof genoß ? Ach freilich , das ist ja jetzt von der hohen Staatsregierung verboten , das Kirchen- und Schulamt hat die Kinder verbannt , daß sie nicht zusehen dürfen oder gar sich selbst nach den Tanzweisen drehen wie einst noch in der Kinderzeit Amrei ' s. Es ist das auch einer jener stillen Mordschläge vom grünen Tisch . Auf der leeren Flur , über die nur manchmal Einer hin und her eilt , wandelt der Landjäger einsam auf und ab . Als der Landjäger Amrei so daher kommen sah , wie lauter Licht im Angesichte , ging er auf sie zu und sagte : » Guten Abend , Amrei ! So ? kommst auch ? « Amrei schauderte zusammen und stand leichenblaß : hatte sie etwas Straffälliges gethan ? Sie durchforschte ihr ganzes Leben und wußte nichts und er that doch so vertraut , als ob er sie schon einmal transportirt hätte . In diesen Gedanken stand sie schaudernd da als müßte sie eine Verbrecherin sein und erwiderte endlich : » Dank ' schön , ich weiß nichts davon , daß wir uns dutzen . Wollt Ihr was ? « » Oho wie stolz , ich fress ' dich nicht , darfst mir ordentlich Antwort geben . Warum bist denn so bös ? Was ? « » Ich bin nicht bös , ich will Niemand was zu leid thun , ich bin halt ein dummes Mädle . « » Stell ' dich nicht so duckmäuserig . « » Woher wisset Ihr denn was ich bin ? « » Weil du so mit dem Licht flankirst . « » Was ? Wo ? Wo hab ' ich mit dem Licht flankirt ? Ich nehm ' immer eine Laterne wenn ich in den Stall gehe . « Der Landjäger lachte und sagte : » Da , da , mit deinen braunen Guckerle , da flankirst du mit dem Licht , deine Augen , die sind ja wie zwei Feuerkugeln . « » Gehet aus dem Weg , daß Ihr nicht anbrennet , Ihr könntet in die Luft fahren mit Eurem Pulver da in der Patrontasche . « » Es ist nichts drin , « sagte der Landjäger in Verlegenheit , um doch Etwas zu sagen . » Aber mich hast du schon versengt . « » Ich sehe nichts davon , es ist Alles noch ganz . Es ist genug , lasset mich gehen . « » Ich halt ' dich nicht , du Krippenbeißerle ; du könntest Einem das Leben sauer machen , der dich gern hat . « » Braucht mich Niemand gern zu haben , « sagte Amrei und riß sich los , als wäre sie plözlich von Ketten befreit . Sie stellte sich unter die Thüre wo noch viele Zuschauer sich zusammendrängten . Eben begann wieder ein neuer Tanz , sie wiegte sich auf dem Platze nach dem Takt hin und her ; das Gefühl , Einen abgetrumpft zu haben , machte sie neu lustig , sie hätte es mit der ganzen Welt aufgenommen und nicht nur mit einem einzigen Landjäger . Dieser war aber auch bald wieder da , und stellte sich hinter Amrei und redete Allerlei zu ihr ; sie gab keine Antwort und that als ob sie gar nichts höre , sie nickte den Vorübertanzenden zu als ob sie von ihnen begrüßt worden wäre . Nur als der Landjäger sagte : » Wenn ich heirathen dürfte , dich thät ich nehmen , « da sagte sie : » Was nehmen ? Ich geb ' mich aber nicht her . « Der Landjäger war froh , wenigstens wieder eine Antwort zu haben , und er fuhr fort : » Wenn ich nur einmal tanzen dürfte , ich thät gleich Einen mit dir machen . « » Ich kann nicht tanzen , « sagte Amrei . Eben schwieg die Musik und Amrei stieß die Vordern mächtig an , drängte sich hinein , um ein verborgnes Plätzchen zu suchen ; sie hörte nur noch hinter sich sagen : » Die kann tanzen , besser als eine landauf und landab . « 10. Nur ein einziger Tanz . Der Krappenzacher reichte Barfüßele , die er jetzt erkannte , von der Musikbühne herab das Glas . Sie nippte und gab es zurück und der Krappenzacher sagte : » Wenn du tanzest , Amrei , da spiele ich alle meine Instrumente durch , daß die Engel vom Himmel herunter kämen und mitthäten . « » Ja , wenn kein Engel vom Himmel herunter kommt und mich auffordert , werde ich keinen Tänzer kriegen , « sagte Amrei halb spöttisch , halb schwermüthig , und jetzt dachte sie darüber nach , warum denn ein Landjäger beim Tanze sein müsse . Sie hielt sich aber bei diesem Gedanken nicht auf und dachte gleich weiter : er ist doch auch ein Mensch wie andere , wenn er auch einen Säbel um hat , und bevor er Landjäger worden ist , war er doch auch ein Bursch wie Andere , und es ist doch eine Plag ' für ihn , daß er nicht mittanzen darf . Aber was geht das mich an ? Ich muß auch zugucken und ich krieg ' kein Geld dafür . Eine kurze Weile ging Alles viel stiller und gemäßigter auf dem Tanzboden her , denn » die englische Frau , « so hieß Agy , die Frau des Oberbauraths Severin , noch immer im Dorf und in der ganzen Umgegend , war mit ihren Kindern auf den Tanz gekommen . Die vornehmen Holzhändler ließen Champagner knallen und brachten der Engländerin ein Glas , sie trank auf das Wohl des jungen Paares und wußte dann Jeden durch ein huldvolles Wort zu beglücken . In den Mienen aller Anwesenden stand ein stetiges wohlgefälliges Lächeln . Agy that manchem Burschen , der ihr im blumenbekränzten Glase zutrank , mit Nippen Bescheid , und die alten Weiber in der Nähe Barfüßele ' s wußten viel Lob von der englischen Frau zu sagen und waren schon lange aufgestanden , ehe sie sich ihnen nahte und ein paar Worte mit ihnen sprach . Und als Agy weggegangen war , brach der Jubel , Singen , Tanzen und Stampfen und Jauchzen mit neuer Macht los . Der Oberknecht des Rodelbauern kam auf Amrei zu und sie schauerte schon in sich zusammen , voller Erwartung , aber der Oberknecht sagte : » Da Barfüßele , heb ' mir meine Pfeif ' auf bis ich getanzt habe . « Und viele junge Mädchen aus dem Orte kamen und von der Einen erhielt sie eine Jacke , von der Andern eine Haube , ein Halstuch , einen Hausschlüssel , Alles ließ sie sich aufhalsen und sie stand immer mehr bepackt da , je mehr ein Tanz nach dem andern vorüberging . Sie lächelte immer vor sich hin , aber es kam Niemand . Jetzt wurde ein Walzer aufgespielt , so weich , das geht ja wie wenn man drauf schwimmen könnte . Und jetzt ein Hopfer , wer kann noch ruhig stehen ? Hei ! wie da Alles hüpft und stampft und springt , wie sie Alle in Lust hoch aufathmen , wie die Augen glänzen und die alten Weiber die in der Ecke sitzen , wo Amrei steht , klagen über Staub und Hitze , gehen aber doch nicht heim . Da ... Amrei zuckt zusammen , ihr Blick ist auf einen schönen Burschen geheftet , der jetzt stolz in dem Getümmel hin und hergeht . Das ist ja der Reiter , der ihr heute Morgen begegnete , und den sie so schnippisch abgefertigt . Alle Blicke sind auf ihn gerichtet , wie er die linke Hand auf dem Rücken , mit der rechten die silberbeschlagene Pfeife hält , sein silbernes Uhrgehänge tanzt hin und her , und wie schön ist die schwarzsammtne Jacke und die schwarzsammtnen weiten Beinkleider und die rothe Weste . Aber schöner ist noch sein runder Kopf , mit gerolltem braunem Haar , die Stirn ist schneeweiß , von den Augen an aber das Antlitz tief gebräunt und ein leichter voller Bart bedeckt Kinn und Wange . » Das ist ein Staatsmensch , « sagte eine der alten Frauen . » Und was hat der für himmelblaue Augen ! « ergänzte eine Andere , » die sind so schelmisch und so gutherzig zugleich . « » Woher der nur sein mag ? Aus der hiesigen Gegend ist er nicht , « sprach eine Dritte , und eine Vierte fügte hinzu : » Das ist gewiß wieder ein Freier für die Amrei . « Barfüßele zuckte zusammen . Was soll das sein ? Was soll das heißen ? Sie wird bald belehrt was damit gemeint ist , denn die Erste sagte wieder : » Da dauert er mich , die Schmalzgräfin führt alle Mannsleut ' am Narrenseil herum . « Ja , auch die Schmalzgräfin heißt Amrei . Der Bursche war mehrmals durch den Saal gegangen und ließ die Augen um und um schweifen , da plötzlich bleibt er stehen , nicht weit von Barfüßele , er winkt ihr , es überläuft sie siedend heiß , aber sie ist wie festgebannt , sie regt sich nicht . Und nein , er hat gewiß Jemand hinter dir gewinkt , dich meint er gewiß nicht . Er drängt vor , Amrei macht Platz . Er sucht gewiß eine Andere . » Nein , dich will ich , « sagte der Bursche ihre Hand fassend . » Willst du ? « Amrei kann nicht reden , aber was braucht ' s dessen auch ? Sie wirft schnell Alles was sie in den Händen hat in einen Winkel : Jacken , Halstücher , Hauben , Tabakspfeifen und Hausschlüssel . Sie steht flügge da und der Bursche wirft einen Thaler zu den Musikanten hinauf und kaum sieht der Krappenzacher Amrei an der Hand des fremden Tänzers , als er in die Trompete stößt , daß die Wände zittern , und fröhlicher kann es den Seligen nicht erklingen beim jüngsten Gericht als jetzt Amrei ; sie drehte sich , sie wußte nicht wie , sie war wie getragen von der Berührung des Fremden und schwebte von selbst , und es war ja gar Niemand sonst da . Freilich , die Beiden tanzten so schön , daß Alle unwillkürlich anhielten und ihnen zuschauten . » Wir sind allein , « sagte Amrei während des Tanzes und gleich darauf spürte sie den heißen Athem des Tänzers , der ihr erwiederte : » O wären wir allein , allein auf der Welt ! Warum kann man nicht so fort tanzen bis in den Tod hinein ? « » Es ist mir jetzt grad , « sagte Amrei , » wie wenn wir zwei Tauben wären , die in der Luft fliegen . Juhu ! fort , in den Himmel hinein « und » Juhu ! « jauchzte der Bursche laut , daß es aufschoß , wie eine feurige Rakete , die zum Himmel aufspringt und Juhu ! jauchzte Amrei mit und immer seliger schwangen sie sich und Amrei sagte : » Sag ' ist denn auch noch Musik ? Spielen denn die Musikanten noch ? Ich höre sie gar nicht mehr . « » Freilich spielen sie noch , hörst du denn nichts ? « » Ja , jetzt , ja , « sagte Amrei und sie hielten inne , ihr Tänzer mochte fühlen , daß es ihr vor Glückseligkeit fast schwindelig zu Muthe werden wollte . Der Fremde führte Amrei an den Tisch und gab ihr zu trinken , er ließ dabei ihre Hand nicht los . Er faßte den Schweden-Dukaten an ihrem Halsgeschmeide und sagte : » Der hat einen guten Platz . « » Es ist auch von guter Hand , « erwiderte Barfüßele , » ich hab ' den Anhenker geschenkt gekriegt als kleines Kind . « » Von einem Verwandten ? « » Nein , die Bäuerin ist nicht mit mir verwandt . « » Das Tanzen thut dir wohl , wie es scheint ? « » O wie wohl ! Denk ' nur , man muß das ganze Jahr so viel springen und es spielt Einem Niemand auf dazu . Jetzt thut das doppelt wohl . « » Du siehst kugelig rund aus , « sagte der Fremde scherzend , » du mußt gut im Futter stehen . « Rasch erwiderte Amrei : » Das Futter macht ' s nicht aus , aber wie ' s Einem schmeckt . « Der Fremde nickte und nach einer Weile sagte er wieder halb fragend : » Du bist des Bauern Tochter von ... ? « » Nein , ich dien ' , « sagte Amrei und schaute ihm fest in ' s Auge , er aber wollte das seine niederschlagen , die Wimper zuckte , und er hielt das Auge gewaltsam auf , und dieser Kampf und Sieg des leiblichen Auges schien das Abbild dessen was in ihm vorging ; er wollte fast das Mädchen stehen lassen , doch wie im Selbsttrotze sich zwingend sagte er : » Komm ' , wir wollen noch einen tanzen . « Er hielt ihre Hand fest und nun begann von Neuem Jubel und Lust , aber diesesmal ruhiger und stetiger . Die Beiden fühlten , daß die Gehobenheit in den Himmel nun wohl zu Ende sei , und wie aus diesen Gedanken heraus sagte Amrei : » Wir sind doch glückselig mit einander gewesen , wenn wir uns auch unser Lebtag nimmer wieder sehen und Keines weiß wie das Andere heißt . « Der Bursche nickte und sagte : » Ja wohl . « Amrei nahm in Verlegenheit ihren linken Zopf in den Mund und sagte wieder nach einer Weile : » Was man einmal gehabt hat , das kann man Einem nicht mehr nehmen , und sei du auch wer du bist , laß dich ' s nicht gereuen , du hast einem armen Mädchen für sein Lebenlang ein Gutes geschenkt . « » Es reut mich nicht , « sagte der Bursche , » aber dich hat ' s gereut , wie du mich heute Morgen so abgetrumpft hast . « » O ja , da hast du Gottes Recht ! « sagte Amrei , und der Bursche fragte : » Getraust du dir mit mir in ' s Feld zu gehen ? « » Ja . « » Und traust du mir ? « » Ja . « » Was werden aber die Deinigen dazu sagen ? « » Ich hab ' mich vor Niemand zu verantworten als vor mir selber , ich bin ein Waisenkind . « Hand in Hand verließen die Beiden den Tanzsaal . Barfüßele hörte verschiedentlich hinter sich flüstern und pispern und sie hielt die Augen auf den Boden geheftet . Sie hatte sich doch wohl zu viel zugetraut . Draußen zwischen den Kornfeldern , wo eben kaum die ersten Aehren aufschossen und noch halb verhüllt in den Deckblättern lagen , da schauten die Beiden einander stumm an . Sie redeten lange kein Wort und der Bursche fragte zuerst wieder halb für sich : » Ich möcht ' nur wissen : woher es kommt , daß man einem Menschen beim ersten Anblick gleich , ich weiß nicht wie , gleich so ... gleich so ... vertraulich sein kann . Woher weiß man denn , was in dem Gesicht geschrieben steht ? « » Da haben wir eine arme Seele erlöst , « rief Amrei , » denn du weißt ja , wenn Zwei in derselben Minute das Gleiche denken , erlösen sie eine arme Seele , und just auf das Wort hin hab ' ich dasselbe was du sagst , bei mir gedacht . « » So ? und weißt du nun warum ? « » Ja . « » Willst du mir ' s sagen ? « » Warum nicht ? Schau , ich bin Ganshirtin gewesen ... « Bei diesen Worten zuckte der Bursche wieder zusammen , aber er that als ob ihm was in ' s Auge geflogen wäre und rieb sich die Augen und Barfüßele fuhr unverzagt fort : » Schau , wenn man so allein draußen sitzt und liegt im Feld , da sinnt man über Hunderterlei und da kommen Einem wunderliche Gedanken und da hab ' ich ganz deutlich gesehen : - gieb nur acht darauf , und du wirst es auch finden - jeder Fruchtbaum sieht , wenn man ihn so überhaupt und im Ganzen betrachtet , just aus wie die Frucht die er trägt . Schau den Apfelbaum , sieht er nicht aus , so in ' s Breite gelegt , so mit Schrundenschnitten , wie ein Apfel selber ? Und so der Birnenbaum und so der Kirschenbaum . Sieh sie nur einmal drauf an ; schau , was der Kirschenbaum einen langen Stiel hat , wie die Kirsche selber . Und so mein ' ich auch « ... » Ja , was meinst du ? « » Lach ' mich nicht aus . Wie die Fruchtbäume aussehen wie die Früchte die sie tragen , so wäre es auch bei den Menschen , und man sieht es ihnen gleich an . Aber freilich , die Bäume haben ihr ehrlich Gesicht und die Menschen können sich verstellen . Aber gelt , ich schwätz ' dummes Zeug ? « » Nein , du hast nicht umsonst die Gänse gehütet , « sagte der Bursche in seltsam gemischter Empfindung , » mit dir läßt sich gut reden . Ich möchte dir gern einen Kuß geben , wenn ich mich nicht einer Sünde fürchten thät ' . « Barfüßele zitterte am ganzen Leib ; sie bückte sich um eine Blume zu brechen , ließ aber wieder ab . Es entstand eine lange Pause und der Bursche fuhr fort : » Wir sehen uns wohl niemals wieder , drum ist ' s besser so . « Hand in Hand gingen die Beiden wieder zurück in den Tanzsaal . Und nun tanzten sie noch einmal ohne ein Wort zu reden und als der Tanz zu Ende war , führte sie der Bursche wieder an den Tisch und sprach : » Jetzt sag ' ich dir Lebewohl ! Aber verschnaufe nur und dann trink noch einmal . « Er reichte ihr das Glas und als sie es absetzte sagte er : » Du mußt austrinken , mir zu lieb , ganz bis auf den Grund . « Amrei trank fort und fort und als sie endlich das leere Glas in der Hand hatte und sich umschaute , war der fremde Bursche verschwunden . Sie ging hinab vor das Haus und da sah sie ihn noch nicht weit entfernt auf seinem Schimmel davon reiten ; aber er wendete sich nicht mehr um . Die Nebel zogen wie Schleierwolken auf dem Wiesenthal dahin , die Sonne war schon hinab , Barfüßele sagte fast laut vor sich hin : » Ich wollt ' es sollte gar nicht wieder morgen werden , immer heut , immer heut ! « und sie stand in Träumen verloren . Die Nacht kam rasch herbei . Der Mond wie eine dünne Sichel stand schon auf den dunkeln Bergen und nicht weit von ihm , Haldenbrunn zu , der Abendstern . - Ein Bernerwägelchen