und bewurfen uns damit , item mit einem großen Stein , der aber auf ein Pferd fiel , also , daß es scheu wurde , und vielleicht den Wagen umbgeworfen hätte , wenn nicht ein Kerl hinzugesprungen und es gehalten . Solches geschahe allens vor der Schloßpforten , in welcher der Amtshaubtmann lächelnd stund , eine Reiherfeder auf seim grauen Hut , und uns zusahe . Als das Pferd aber zur Ruhe gebracht , kam er an den Wagen , und sprach spöttisch zu meinem Töchterlein : » sieh ! Jungfer , du wolltest nit zu mir kommen , und nun kommst du ja doch ! « worauf sie zur Antwort gab : ja ich kommeund möchtet Ihr einst zu Eurem Richter kommen , als ich zu Euch , worauf ich Amen sprach und ihn fragete , wie Se . Gestrengen es für Gott und Menschen verantworten wölle , was er an mir armen Mann und meim Kind thäte ? Aber er antwortete : warumb ich mitgekommen ? und als ich ihm von dem unartigen Volk hieselbst , item von dem argen Mühlenknappen sagte , vermeinete er : dieses wäre nicht seine Schuld , bedräuete auch das Volk umbher mit der Faust , so einen großen Rumor machte . Darauf befahl er meim Töchterlein abzusteigen , und ihme zu folgen , trat voran in das Schloß , winkete dem Büttel , so mitlaufen wollte , unten an der Treppe zu verharren , und hob an mit meim Kind allein den Windelstein in die obern Gemächer aufzusteigen . Aber sie bliese mir heimlich zu : » Vater verlaßt mich nicht ! « und folgete ich bald darauf ihnen sachte nach , hörete auch an der Sprach in welchem Zimmer sie waren , und legete das Ohr daran umb zu horchen . Und stellte der Bösewicht ihr für , daß , wenn sie ihn liebhaben wolle , sollt es ihr Allens Nichtes schaden , und hätt ' er schon Macht in Händen , sie für dem Volk zu erretten , wölle sie aber nit ; so käme morgen das Gericht , und möchte sie vor sich selbsten abnehmen , wie es ihr erginge , dieweilen sie , wie viel Zeugen gesehen , mit dem leidigen Satan selbsten Unzucht getrieben und sich von ihm küssen lassen . Hierauf schwieg sie stille , und schluchzete nur , was der Erzschalk vor ein gut Zeichen nahm und fortfuhr : hastu den Satan selbsten geliebt , kannstu mich auch schon lieben , und näher trat , umb sie zu umbhalsen , wie ich merkete . Denn sie stieß einen lauten Schrei aus , und wollte zur Thüren heraus , aber er hielt sie feste , und bate und dräuete , wie der Teufel es ihm eingab . Und wollte ich schon hineintreten , als ich hörete , daß sie ihm mit den Worten : » weiche von mir Satan ! « also in das Gesichte schlug , daß er sie fahren ließ . Worauf sie unversehens aus der Thüren sprang , so daß sie mich zur Erden stieß , und mit einem lauten Schrei selbsten über mir hinfiel . Hievor erstarrete der Amthaubtmann , so ihr gefolget war , hub aber alsobald wieder an zu schreien : » wachte Pfaffe , ich werde dir horchen lehren ! « und lief hinzu und winkete , dem Büttel , so unten an der Treppen stund . Selbigen hieß er , mich die Nacht in ein Loch stecken , weilen ich ihn behorchet , worauf er wiederkommen sölle , umb mein Töchterlein in ein ander Loch zu stecken . Aber er besunne sich wieder , als wir den Windelstein halb hernieder gestiegen waren , und sprach , er wölle es mir noch einmal schenken , der Büttel sölle mich nur laufen lassen und mein Töchterlein in ein fest Verwahrsam bringen , ihme nachhero auch die Schlüssel übergeben , angesehen sie eine verstockte Person seie , wie er aus dem ersten Verhör gemerket , so er mit ihr angestellet . Hierauf wurde denn mein arm Kind von mir gerissen , und ward ich unmächtig auf der Treppen , weiß auch nit , wie ich herniederkommen , sondern , wie ich wieder bei mir kam war ich in des Büttels seiner Stuben , und sein Weib sprützete mir Wasser unter der Nasen . Alldorten blieb ich auch die Nacht auf eim Stuhl sitzen , und sorgete mehr , denn ich betete , angesehen , mein Glaube fast schwach worden war , und der Herr kam nit , ihn mir zu stärken . Fußnoten 1 Gott tröst Ihn , was muß Er an Seinem Kinde erleben . 2 Wir wöllen dir lieber Feuer unter dem Rock anlegen , als für dich beten . Capitel 18. Vom ersten Verhör und was daraus erfolget . Am andern Morgen , als ich auf dem Vorhof auf- und niederginge , dieweil ich den Büttel vielmahls umbsonst gebeten mich zu meinem Töchterlein zu geleiten ( er wollte mir aber nit einmal sagen , wo sie säß ) und letzlich für Unruhe dorten umbher lief , kam gegen sechs Uhren auch schon ein Wagen von Uzdom1 auf welchem Se . Edlen , Herr Samuel Pieper Consul dirigens2 item der Camerarius Gebhard Wenzel und ein Scriba3 saßen , so ich zwar erfahren wie er geheißen es aber wieder vergessen hab . Auch mein Töchterlein hat es wieder vergessen , angesehen sie sonst ein fast trefflich Gedächtnüß hat , mir auch das Meiste von dem , was nunmehro folget , vorgesagt , alldieweil mein alter Kopf fast bersten wollte , so daß ich selbsten wenig mehr davon behalten . Trat also gleich an den Wagen und bate , daß Ein ehrsam Gericht mir erlauben wölle , bei dem Verhör zugegen zu sein , inmassen mein Töchterlein noch unmündig wär , welches mir aber der Amtshaubtmann nicht zugestehen wollte , so inzwüschen auch an den Wagen getreten war von dem Aerker , wo er übergeschauet . Doch Seine Edlen , Herr Samuel Pieper , so ein klein , kurz Männeken war mit einem feisten Bäuchlein und eim Bart , grau mengeliret und ihme bis auf den Gürtel herabhängende , reichte mir gleich die Hand und condolirete mich als ein Christ , in meiner Trübsale : sölle nur in Gottes Namen in das Gerichtszimmer kommen und wünschte er von Herzen , das Allens erstunken und erlogen wär , so man gegen mein Töchterlein fürgebracht . Aber ich mußte noch wohl bei zween Glockenstunden ausharren , ehe denn die Herren wieder den Windelstein herabkamen . Endlich gegen neun Uhren hörete ich , daß der Büttel die Stühl und Bänken im Gerichtszimmer rückete , und da ich vermeinete , daß nunmehro die Zeit gekommen , trat ich hinein und setzte mich auf eine Bank . Es war aber noch Niemand nicht da , außer dem Büttel und sein Töchterken , so den Tisch abwischte und ein Röslein zwischen den Lippen hielt . Selbige ließ ich mir verehren , umb daran zu riechen , und meine ich auch , daß man mich heute todt aus der Stuben getragen , wenn ich sie nicht gehabt . So weiß der Herr uns selbst durch ein schlecht Blümlein das Leben aufzuhalten , wenn es ihm geliebt ! - Endlich kamen die Herren und satzten sich umb den Tisch , worauf Dn . Consul4 auch allererst dem Büttel winkete , mein Töchterlein zu hohlen . Hierzwischen aber fragete er den Amtshaubtmann , ob er Ream5 habe schließen lassen , und als er nein ! sagete , gab er ihm einen Verweis , so daß es mir durch das Mark zog . Aber der Amtshaubtmann entschuldigte sich , daß er , angesehen ihres Standes solches nit gethan , sie aber in ein fest Gewahrsam habe bringen lassen , aus dem es unmüglich sei zu entkommen , worauf Dn . Consul zur Antwort gab , daß dem Teufel viels möglich sei , und sie nachhero würden die Verantwortung haben , wenn Rea fortkäme . Das verdroß den Amtshaubtmann und er vermeinete , wenn der Teufel sie könne durch das Gemäure führen , so bei sieben Fuß Dicke , und drei Thüren vor hätte , könne er ihr auch gar leichte die Ketten abreißen , worauf Dn . Consul antwortete : daß er sich nachhero selbsten die Gefängnüß besehen wölle . - Und meine ich , daß der Amtshaubtmann blos darum so gütig gewest , weil er noch immer in Hoffnung gestanden ( wie man solches auch nachmals erfahren wird ) mein Töchterlein zu seinem Willen zu beschwatzen . Nunmehro aber ging die Thüre auf , und mein arm Kind trat herein mit dem Büttel aber rücklings6 und ohne Schuhe so sie draußen mußte stehen lassen . Es hatte sie der Kerl bei ihren langen Haaren gegriffen , und leitete sie also vor den Tisch , worauf sie sich erst umbkehren und die Richter ansehen mußte . Dabei hatte er ein groß Wort und war in alle Wege ein dreuster und muthwilliger Schalk , wie man bald weiters hören wird . Nachdeme nun Dn . Consul einen großen Seufzer gelassen und sie von Kopf bis zu den Füßen sich angesehen , fragete er erstlich , wie sie heiße , und wie alt sie wär , item ob sie wüßte , warumb sie hieher gefordert ? Auf letzten Punkt gab sie zur Antwort : daß der Amtshaubtmann solches ja bereits ihrem Vater vermeldet , und wölle sie Niemand Unrecht thun , gläube aber , daß der Amtshaubtmann selbsten ihr zu dem Geschrei einer Hexen verholfen umb sie zu seinem unkeuschen Willen zu bringen . Hierauf verzählete sie , wie er es vom Anfang an mit ihr getrieben , und sie durchaus zu einer Ausgeberschen verlanget . Da sie aber solches nicht hätte thun wöllen , obgleich er selbsten unterschiedliche Malen zu ihrem Vater ins Haus gekommen , hätte er einsmals als er aus der Thüren gegangenfür sich in den Bart gemummelt : » ich will sie doch wohl kriegen ! « wie solches ihr Ackersknecht Claus Nels im Pferdestall , wo er gestanden , mit angehöret . Und solches habe er alsobald zu vollenführen gesucht indeme er viel mit einem gottlosen Weibe , so Lise Kolken hieße , und früher bei ihme im Dienst gestanden , conversiret . Selbige möchte wohl die Zauberstückchen gespielet haben , so man ihr andichte , sie wisse von keinem Zauber . Item verzählete sie : wie der Amtshaubtmann es gestern Abend mit ihr gemacht , als sie kaum angekommen , und wäre er nunmehro auch zum erstenmale frisch mit der Sprache herfurgerückt , weil er gläube , sie in seiner Gewalt zu haben . Ja er wäre selbsten dieser Nacht wieder ins Gfängnüß zu ihr kommen und hätte ihr abermals die Unzucht angetragen , und wölle er sie schon frei machen , wenn sie seinen Willen thäte . Da sie ihn aber abgestoßen , habe er mit ihr gerungen , wobei sie ein laut Geschrei erhoben , und ihne an der Nasen gekratzet , wie annoch zu sehen wäre , worauf er sie verlassen . Darumb könne sie den Amtshaubtmann nicht vor ihren Richter anerkennen , und hoffe zu Gott , daß er sie retten würd aus der Hand ihrer Feinde wie weiland er die keusche Susanna gerettet . - Als sie hierauf mit lautem Schluchzen schwiege , sprang Dn . Consul auf nachdem er den Amtshaubtmann , wie wir alle , nach der Nasen gesehen , und alldorten auch die Schramme befunden und rief wie verstürzet : Sprech Er , umb Gotteswillen , sprech Er , was muß ich von Sr. Gestrengen hören ? worauf der Amtshaubtmann , ohne sich zu verfärben , also zur Antwort gab : daß er zwar nicht nöthig habe vor Sr. Edlen zu sprechen , angesehen er das Oberhaupt vom Gericht wäre , und aus zahllosen indiciis herfürgehe , daß Rea eine boshafte Hexe sei , und darumb kein Zeugnüß gegen ihn oder männiglich ablegen könne , daß er aber dennoch sprechen wölle umb dem Gericht keine Aergernüß zu geben . Alle Anschuldigungen so diese Person gegen ihn herfürgebracht wären erstunken und erlogen . Doch hätte er sie in alleweg vor eine Ausgebersche miethen wöllen , inmassen er umb eine solche sehr benöthigt gewest , da seine alte Dorte schon schwach würde . Auch hätte er sie zwar gestern gleich insgeheimb fürgenommen , umb sie im Guten zum Geständnüß , und dadurch zur Milderung ihrer Strafe zu persuadiren , angesehen ihn ihre große Jugend gejammert , hätte aber kein unartiges Wort zu ihr gesaget , noch wäre er in der Nacht zu ihr kommen , besondern die Schramme hätte ihm sein klein Schooßhündlein , Below geheißen , gekratzet , mit dem er heute Morgen gespielet . Solliches könne seine Dorte bezeugen , und hätte die schlaue Hexe dieses gleich benutzet , umb das Gericht uneinig zu machen und dadurch mit des Teufels Hülfe ihren Vortheil zu gebrauchen , alldieweil sie fast eine verschmitzte Creatur wäre , wie das Gericht auch bald weiters ersehen würde . Nunmehro aber faßete ich mir auch ein Herze und stellte für , daß Alles so wahr sei , wie es mein Töchterlein ausgesaget , und ich gestern Abend selbsten vor der Thüren mitangehöret , daß Se . Gestrengen ihr einen Antrag gethan und Narrentheidinge mit ihr zu treiben versucht , item daß er sie schon in Coserow einmal hätte küssen wöllen , item , was Se . Gestrengen mir sonsten für Herzeleid von wegen dem Mistkorn zugefüget . Aber der Amthaubtmann überschriee mich alsobald und sprach : wenn ich ihne , als einen unschuldigen Mann in der Kirchen von der Kanzel verläumbdet , wie die ganze Gemeinde sein Zeuge wär , würd es mir ein Leichtes sein , solches auch hier für Gericht zu thun , unangesehen ferner , daß kein Vater für sein Kind ein Zeugnüß ablegen könne . Aber Dn . Consul wurde ganz wie verstöret und schwiege und stützete daraufsein Haupt in tiefen Gedanken auf den Tisch . Hiezwischen fing aber der dreuste Büttel an ihm zwischen den einen Arm durch an seinen Bart zu fingeriren und gläubete Dn . Consul wohl , es wäre eine Fliege , und schlug ohne empor zu schauen , mit der Hand darnach . Als er aber auf den Büttel seine Hand traf , fuhr er in die Höhe und fragete ihn was er wölle ? worauf der Kerl zur Antwort gab : O Em kröp da man ehne Luus de ick griepen wollde7 . Solche Dreustigkeit verdroß Se . Edlen also heftig , daß er dem Büttel eine Maultasche stach und ihm bei harter Strafe befohl aus der Thüren zu reisen . Hierauf wendete er sich an den Amtshaubtmann und schriee für Zorn : was , alle zehn Teufel , wie hält Se . Gestrengen den Büttel in Respeckt ? Und überhaupt ist das Allens ein seltsam Ding , woraus ich nicht klug werden kann . - Aber es antwortete der Amtshaubtmann : » nicht also ? sollte Er nit klug daraus werden , wenn er an die Aale gedenkt ? - Hierauf wurde Dn . Consul mit eim Mal ganz blaß , also daß er zu zittern begunnte , wie es mir fürkam , und er den Amtshaubtmann abseiten in ein ander Zimmer rief . Habe niemals erfahren können , was solches zu bedeuten gehabt , so er von den Aalen sagte . - - Hierzwischen saß aber Dominus Camerarius Gebhard Wenzel und käuete eine Feder , und schauete dabei mit viel Grimm bald auf mich , bald auf mein Töchterlein doch ohne ein Wörtlein zu sagen , auch antwortete er dem Scriba nicht , der ihm oft etwas ins Ohr bliese , denn daß er brummete . Endlich kamen die zwo Herren wieder zur Thüren herein , und begunnte Dn . Consul , nachdem er sich mit dem Amtshaubtmann wieder gesetzet , mein arm Kind fast heftig anzufahren , daß sie Ein löblich Gericht zu turbiren versuchet , inmaßen Se . Gestrengen ihme das Hündlein selbsten gezeiget so ihm die Schramme gekratzet , und dieses auch von seiner alten Ausgeberschen bezeuget wurde . ( Ja , die wollte ihn auch wohl nicht verrathen , denn die alte Vettel hat es Jahre lang mit ihm gehalten , und auch einen gadlichen8 Jungen von ihm , wie man noch weiters erfahren wird ! ) Item sagete er , daß so viel indicia ihrer Uebelthat fürhanden , daß es , unmöglich sei ihr Glauben zu stellen , sie sölle dannenhero Gott die Ehre geben und in allen Stücken aufrichtig bekennen , umb ihre Strafe zu mildern . Möchte alsdann noch , ihrer Jugend halben , mit dem Leben davon kommen etc. Hierauf setzte er sich die Brille auf die Nase und hube ansie bei vier Stunden zu verhören aus eim Papier , so er in Händen hielte . Und waren solches etwan die Haubtstücke , so wir Bede davon behalten haben Quaestio9 . Ob sie zaubern könne ? Responsio10 . Nein , sie wisse von keinem Zauber nicht . Q. Ob sie denn böten11 könne ? R. Wär ihr ingleichen unbekannt . Q. Ob sie wohl mal auf den Blocksberg gewest ? R. Der wäre vor sie zu weit , und kenne sie wenig Berge mehr , denn den Streckelberg , wo sie öftermalen gewest . Q. Was sie denn dorten fürgenommen ? R. Sie hätte zur Sehe überschauet oder sich Blümleins gepflücket , item sich auch wohl eine Schürze dürres Reiswerk gehohlet . Q. Ob sie dorten wohl den Teufel angerufen ? R. Wäre ihr niemalen in den Sinn gekommen . Q. Ob der Teufel ihr denn ohne Anrufen dorten erschienen ? R. Davor solle sie Gott bewahren . Q. Also sie könne nit zaubern ? R. Nein ! Q. Was denn Stoffer Zuter seiner bunten Kuh angekommen , so plötzlich in ihrem Beisein verrecket ? R. Das wisse sie nicht , und wäre das eine seltsame Frag . Q. Dann wäre es auch wohl eine seltsame Frag , warumb Käthe Berowschen ihr klein Ferkelken verrecket ? R. Allerdings , sie verwundre sich , was man ihr zur Last lege . Q. Also hätte sie dieses auch nit behexet ? R. Nein , da sei Gott vor . Q. Warumb sie denn aber der alten Käthen wenn sie unschuldig wär , ein Ferkelken wieder versprochen , wenn ihre Sau werfen würd ? R. Das hätte sie aus gutem Herzen gethan . Hiebei aber hube sie an , fast heftig zu weinen und sagte : sie sehe wohl , daß sie dieses Alles der alten Lise Kolken verdanke , welche ihr oftmalen gedrohet , wenn sie ihr Unbegehren nicht hätte erfüllen wöllen , denn sie verlange Allens , was ihren Augen fürkäme zu eim Geschenk . Selbige wär auch zu den Leuten gangen , als das Vieh im Dorf bezaubert gewest , und hätte ihnen zugeredet , daß , wenn nur eine reine Jungfer dem Vieh ein Paar Haare aus dem Schwanz griffe , es mit selbigem besser werden würde . So habe sie sich denn erbarmet und wäre hingangen , weilen sie sich eine reine Jungfer gefühlet , und hätt es auch etzliche Male geholfen , letzlich aber nicht mehr . Q. Weme es denn geholfen ? R. Zabels rother Kuh , item Witthanschen ihrem Schwein , auch der alten Lisen ihrer eignen Kuh . Q. Warumb es denn nachmalen nit mehr geholfen ? R. Das wisse sie nit , vermeine aber , wiewohl sie Niemand nit beschweren wölle , daß die alte Lise Kolkenso lange Jahre im gemeinen Geschrei als Hexe gewest , dieses alles angerichtet und unter ihrem Namen das Vieh bezaubert und auch wieder ungebötet , wie ihr geliebet , blos umb sie in das Elend zu stürzen . Q. Warumb die alte Lise denn auch ihre eigene Kuh bezaubert , item ihr eigen Ferkelken verrecken lassen , wenn sie den Rumor im Dorf gemacht und wirklich böten könne R. Das wisse sie nicht ; es möchte wohl einer sein , ( wobei sie den Amtshaubtmann ansahe ) der ihr allens doppelt erstatte . Q. Sie suche vergebens die Schuld von sich zu wenden , denn ob sie auch nicht dem alten Paasschen , ja ihrem eignen Vater die Saat bezaubert , und durch den Teufel umbstürzen lassen , item die Raupen in ihres Vaters Baumgarten gemacht ? R. Die Frage wäre bald so ungeheuer , denn die That . Da säße ihr Vater , Se . Edlen müge ihne selbsten fragen , ob sie sich jemals als ein ruchlos Kind gegen ihn gezeiget . Hier wollte ich aufstehen und das Wort nehmen , aber Dn . Consul ließ mich nit zu Worte kommen , sondern fuhr fort zu examiniren , weshalben ich verstürzet stille schwieg . Q. Ob sie denn auch leugne , daß sie daran Schuld gewest , daß die Witthahnsche einen Teufelsspök zur Welt gebracht , so gleich sich aufgenommen und durchs Fenster gefahren , auch nachhero als die Wehemutter nachgesehen , verschwunden gewesen . R. Jawohl , sie hätte eher denen Leuten Gutes gethan ihr Lebelang , denn ihnen geschadet , und sich oft selbsten in der grausamen Hungersnoth den Bissen vom Munde wegkgezogen , und ihn Andern , insonderheit den kleinen Kindleins abgetheilet . Solches müge ihr auf Befragen die ganze Gemeind bezeugen . Da nun aber die Zauberer und Hexen den Menschen Böses und nicht Gutes thäten , wie unser Herr Jesus Matth . am 12ten lehre , allwo die Pharisäer ihn auch gelästert , daß er durch Beelzebub die Teufel austriebe ; so möge Se . Edlen sich abnehmen , ob sie in Wahrheit eine Hexe sein könne . Q. Er werde ihr die Gotteslästerungen alsbald zeigen ; er sähe schondaß sie ein groß Maul hätte , und sölle sie nur antworten , auf was sie gefraget würd . Denn es käme nit darauf an , was sie denen Armen für Gutes gethan , sondern womit solches beschehen . Möchte dahero anzeigen , wie sie benebst ihrem Vater plötzlich zu solchem Reichthumb gelanget , daß sie in seidinen Kleidern einherstolzire , da sie vorhero doch ganz arm gewest ? Hiebei schauete sie auf mich und sprach : Vater soll ichs sagen ? worauf ich antwurtete : ja mein Töchterlein , jetzunder mußt du alles fein aufrichtig sagen , wenn wir dadurch auch wieder blutarme Leut würden . Sie bezeugete also wie sie zuerst in unserer großen Noth den Birnstein gefunden , und was für ein Gewinn uns daraus herfürgegangen durch die beiden holländischen Kaufleut . Q. Wie diese Kaufleut geheißen ? R. Dieterich von Pehnen und Jakob Kiekebusch , wären aber , wie wir durch einen Schiffer in Erfahrung gezogen in Stettin an der Pest verstorben . Q. Warumb wir solchen Fund verschwiegen ? R. Aus Furcht für unserm Feind , dem Amtshaubtmann , so dem Anschein nach uns zum Hungerstode verdammet , indeme er der Gemeind verboten , uns nichts mehr bei harter Pön zu verabreichen , und wölle er ihr schon einen bessern Priester zuweisen . Hierauf sahe Dn . Consul wieder den Amtshaubtmann scharf ins Angesicht , welcher zur Antwort gab : daß er solches in alleweg gesaget , angesehen der Priester ihn fast abscheulich abgekanzelt , daß er aber auch gar wohl gewußt , es sei noch weit mit ihm vom Hungerstod . Q. Woher so viel Birnstein in den Streckelberg käm ? Sie sölle nur gestehn , daß ihr der Teufel solchen zugetragen . R. Davon wisse sie nichts . Doch hätte es alldorten eine große Ader von Birnstein , wie sie männiglich noch heute zeigen könnte , und hätte sie ihn daraus gebrochen , das Loch aber wieder mit tännin Zweigen wohl verwahret , daß man es nit finden müge . Q. Wann sie in den Berg gangen wäre , des Tags oder des Nachts ? Hierauf verfärbete sie sich und hielt einen Augenblick inne , gab aber alsobald zur Antwort : daß solches bald des Tages bald in der Nacht beschehen sei . Q. Warumb sie stöttere , sie sölle nur frei bekennen , daß ihre Straf geringer würd . Ob sie nit den alten Seden dorten dem Satan übergeben , daß er ihn durch die Luft geführet , und nur sein Hirn und Haare noch zum Theil oben in der Eichen geklebet ? R. Sie wisse nit , ob es sein Haar und Hirn gewest , auch nit , wie es dorten hinkommen . Weilen ein Grünspecht eines Morgens so jämmerlich geschrieen , wäre sie an den Baum getreten ; item , der alte Paasch , so das Geschrei auch gehöret , wäre ihr alsobald gefolget mit seiner Holzaxt . Q. Ob der Grünspecht nicht der Teufel gewesen , so den alten Seden selber gehohlet ? R. Das wisse sie nicht . Er müsse aber schon lange todt gewest sein , dieweil das Hirn und Blut so der Junge vom Baum gehohlet , schon betrucknet gewesen . Q. Wie und wann er denn zu Tode kommen ? R. Das wisse der allmächtige Gott . Es hätte wohl Zutern sein klein Mädchen ausgesaget , daß sie eins Tages als sie Nessel vor das Vieh an Seden seinem Zaun gepflücket , vernommen , daß der Kerl sein gluderäugigt Weib bedräuet : er wölle es dem Priester sagen , daß sie , wie er nunmehro gewißlich in Erfahrung gezogen , einen Geist habe , worauf der Kerl auch alsbald verschwunden sei . Doch wären solches Kinderreden , und wölle sie Niemand nit damit beschweren . Hierauf sahe abermalen Dn . Consul dem Haubtmann steif ins Angesicht , und sagte : die alte Lise Kolken müsse noch heute eingehohlet werden , worauf aber der Haubtmann keine Antwort gab , und er fortfuhre : Q. Sie verbleibe also dabei , daß sie Nichtes vom Teufel wisse ? R. Dabei verbliebe sie und werde sie verbleiben bis an ihr selig Ende . Q. Und doch hätte sie sich , wie Zeugen gesehen , von ihm an hellem Tage in der Sehe umbtaufen lassen . Hier verfärbete sie sich aber eins und hielt ein wenig inne . Q. Warumb sie sich wiederumb verfärbe ? sie sölle doch umb Gottes willen an ihre Seligkeit gedenken und die Wahrheit bekennen . R. Sie hätte sich in der Sehe gebadet , angesehen der Tag sehr heiß gewesen , das sei die reine Wahrheit . Q. Welche keusche Jungfer sich wohl in der Sehe bade ? du leugst oder wiltu etwan auch leugnen , daß du den alten Paassch sein klein Mägdlein durch einen Stuten behext ? R. Ach wohl , ach wohl ! Sie liebte das Kindlein wie ihr eigen Schwesterken , hätte sie nit blos mit allen andern umbsonst informiret , besondern auch in der großen Hungersnoth sich den Bissen oftmalen aus dem Munde gezogen und ihr denselben eingestecket . Wie sie darumb ihr solch Leid hätte zufügen mügen ? Q. Wiltu noch immer leugnen ? Ehre Abraham wie verstockt ist sein Kind ! - Schaue denn her , ist das keine Hexensalbe12 so der Büttel diese Nacht aus deinem Koffer gehohlet ? Ist das keine Hexensalbe , he ? R. Wäre nur eine Salbe vor die Haut , so darnach fein weiß und weich werden sölle , wie der Apotheker in Wolgast ihr gesaget , bei dem sie solche gekaufet . Q. Hierauf fuhr er kopfschüttelnd fort : Was ? Wiltu denn auch endlich noch leugnen , daß du diesen verschienen Sonnabend den 10ten July , Nachts umb 12 Uhrenden Teufel deinen Buhlen auf dem Streckelberg mit gräulichen Worten angerufen , er dir darauf als ein großer und haarigter Riese erschienen und dich umbhalset hab , und geherzet ? Bei diesen Worten wurd sie blasser denn ein Leich , und fing an also heftig zu wanken , daß sie sich an einen Stuhl halten mußte . Als ich elender Mensch , der ich wohl vor sie mich in den Tod geschworen , solches sah und hörete , vergingen mir die Sinnen , also daß ich von der Bank stürzete und Dn . Consul den Büttel wieder hereinrufen mußte , umb mir aufzuhelfen . Als ich mich in etwas wieder vermündert13 und der dreuste Kerl unsere gemeine Verstürzung sahe , schrie er greinende das Gericht an : Ist ' t rut , ist ' t rut , hett se gebichtet14 ? worauf Dn . Consul ihme abermals die Thüre wies mit vielen Scheltworten , wie man sich selbsten abnehmen kann , und will dieser Bub genug dem Amtshaubtmann immer die Vetteln zugeführet haben , wie es heißt , denn sonsten achte ich , wär er nicht so dreust gewesen . Summa : ich wäre fast umbkommen in meim Elend , wenn ich nicht das Röslein gehabt , so mit des barmherzigen Gotts Hülf mich wacker hielt , als nunmehro das ganze Gericht aufsprange , und mein hinfällig Kind bei dem lebendigen Gott und ihrer Seelen Seligkeit beschwore , nit ferner zu leugnen , sondern sich über sich selbsten , wie über ihren Vater zu erbarmen , und die Wahrheit zu bekennen . Hierauf thät sie einen großen Seufzer , und so blaß sie gewesen , so roth wurde sie , inmaßen selbsten ihre Hand auf dem Stuhl wie ein Scharlaken anzusehen war , und sie die Augen nit von dem Boden hube . R. Sie wölle auch jetzunder die reine Wahrheit bekennen , da sie wohl sähe , daß böse Leute sie des Nachts beschlichen . Sie hätte Birnstein vom Berge gehohlt , und bei der Arbeit nach ihrer Weiß , und umb sich das Grauen zu vertreiben , das lateinische Carmen gerecitiret , so ihr Vater auf den durchlauchtigsten König Gustavum Adolphum gesetzet , als der junge Rüdiger von Nienkerken der oftermalen in ihres Vaters Haus gekommen und ihr von Liebe vorgesaget , aus dem Busch getreten wäre , und da sie für Furcht aufgeschrieen , sie auf lateinisch angeredet und in seinen Arm genommen . Selbiger hätte einen großen Wulfspelz angehabt , damit die Leute