seinem Inwendigen wird , wird er auch zufriedener mit seinen Meisterleuten . Und je mehr er zu etwas kömmt , um so mehr erkennt er den Wert der Dinge , huset nicht nur für sich , sondern es reut ihn überhaupt , etwas zu vergeuden , er huset also auch den Meisterleuten , um so zufriedener werden diese auch mit ihm . Es stellt sich sein Name fest : er ist ein hauslicher , arbeitsamer Bursche . Was dieser Name bedeute und wie jeder Name auch seine Versuchungen herbeilocke , so wie jede Blume ein Insekt , jede Frucht einen Esser , das sollte er bald erfahren . Der Titel » Es ist ein huslicher Bursche , « ist ein Lockvogel , und auf der Stelle finden sich , freilich nicht Insekten , sondern Mädchen ein , die den Vogel locken möchten . Bei ihnen waren zwei Mägde , die Meisterjumpfere und die Untermagd . Die Erstere war griesgrämlich , gab nicht drei gute Worte im ganzen Jahr , häßlich , sie hatte haarichte Warzen im Gesicht und Blattergruben und rote Augen und weiße Lefzgen und eine blaue Nase ; daneben war sie arbeitsam , sparsam und hätte für ihr Leben gerne einen Mann gehabt ; aber ihre Liebe konnte sie nicht anders zeigen als durch Rauen und Knurren ( so ein Gemisch von Hunde- und Katzengeschrei ) , und jedesmal rauete und knurrte sie mit dem am meisten , den sie am liebsten gehabt hätte . Es schien , als ob sie alle Augenblicke auf ihn schießen , ihn kneipen , kratzen oder beißen wollte . Die sagte : Erst wenn sie einen Mann hätte , sei es sich recht der wert , zu arbeiten und zu sparen ; dann wolle sie zeigen , daß mit Husen sie Keine möge . Die Andere aber war ein leichtfertig Ding mit leichtfertigem Gemüt , leichtfertigem Gesicht , leichtfertigem Leibe : alles schön rot und weiß angestrichen , glatt gerieben , und die Augen wußte sie so süß zu stützen und den Mund so süß zu spitzen , daß es jeden dünkte , er müßte daran kleben bleiben . Sie putzte sich gerne , arbeitete um so ungerner , wußte nichts von Sparen ; gut Leben war ihr um so lieber , aber am allerliebsten wäre ihr ein Mann gewesen . In einem Mann dachte sie sich Heil , Glück , Seligkeit , kurz alles beieinander . Die knurrte nicht und biß nicht , die wußte sich anlässig zu machen und strich an einem herum wie eine Katze , wenn sie bei guter Laune ist . Die meinte , wenn sie einmal einen Mann hätte , so wollte sie ihn lieb haben wie Keine , und dann wollten sie es sich recht wohl sein lassen . Es zwings kei Tüfel länger zu dienen , bis es einen Mann hätte ; dann wolle es kochen , was ihm gschmöcke , und aufstehen , wenn es ihm gefalle . Beide richteten ihre Augen auf Uli und wollten ihn glücklich machen , Beiden gefiel er . Die Erste meinte , der werde ihr husen helfen , die Zweite , der werde husen , daß sie mit ihm glücklich sein könne , das heißt daß sie nichts zu tun brauche und doch alles habe , nach was es sie gelüste . Beide warfen ungefähr zu gleicher Zeit nach dem Glücklichen ihre Netze aus . Stini zankte allemal mit ihm , wenn er in der Küche mit einem Schwefelholz oder auch mit einem Span die Tabakpfeife anzünden wollte : Seine Finger wären nicht zu vornehm , ein Köhli zu nehmen , er werde sie einmal nicht verbrennen dar , ob . Es schnauzte ihn allemal an , wenn er in die Laterne wollte ; bald füllte er das Ampeli zu sehr , bald kam ein Tropfen daneben . Er werde noch anders müssen husen lernen , sagte Stini . Seine Lederschuhe stunden oft eine Woche lang zum Salben in der Küche , Stini rührte sie nicht an . Es tue ihm sauft , die Holzböden zu tragen ; was mangle er , um das Haus herumzustopfen , Lederschuhe ? Das sei ihm eine neue Mode ! Stini hoffte , wenn Uli keine Lederschuhe habe , so müsse er daheim bleiben . Wenn zuweilen nach dem Feierabend die Knechte noch auf den Bänken vor dem Hause saßen , so jagte Stini sie ins Bett . » Kein Wunder , « sagte es Uli , » daß du am Morgen so dr Faulhung machst , wennd am Abe nie is Nest wottst ; aus dir gibts dir Lebetag nüt . « Der Meisterfrau redete Stini beständig von Uli , aber unter lauter Schimpfen und Schelten ; es war nichts recht , was er machte , so daß die Meisterin manchmal sagte : » Aber Stini , ich weiß gar nicht , was du über Uli hast ; er tut doch niemand etwas zuleid und ist einer von den brävsten Bursche , wo es gibt , einen tölleren sieht man nicht . « Ürsi machte es ganz anders . Ürsi flattierte , machte süße Büschelimüli , stund ganz nahe unter die Augen , hatte immer bei Uli was zu tun : entweder mußte es ihm helfen oder er ihm , es neckte ihn , bis er ihns anrühren , mit ihm ringen mußte . Bald wollte es ihm das Nastuch stehlen , bald eine Blume ab dem Hut , wollte ihm süße Äpfel zustecken oder teigge Biren . Beim Kornmähen wollte es ihm nachlegen und hatte immer ein gutes Wort für ihn auf der Zunge und eine Liebeserklärung in den Augen . Es wolle einen Mann , sagte Ürsi oft , und der solle es gut haben bei ihm ; man lebe ja nur einmal , und da wäre man ja einfalt , wenn man miteinander bös haben nicht miteinander glücklich sein wollte . Natürlich sagte es Beiden der weibliche Instinkt bald , daß sie Nebenbuhlerinnen seien , und jede suchte die Andere auszustechen . Stini schimpfte über die Mannevölcher , welche einem jeden Schlärpli nachliefen und beim Weiben nur auf das Gfräß sähen , und sagte Uli , er sei gerade einer von den Dümmsten und Nichtsnutzigsten , er sei eigentlich gar nicht wert , daß ein braves Mönsch sich mit ihm abgebe . So einer , der so eim wie dem Ürsi , dem liederlichsten Uflat , nachsehe und sich mit ihm abgebe , dem sött me dHose achela . Mit so eim zähl es sich dann notti nicht zusammen . Wenn es schon kein solch Gesichtli hätte , das man nicht an der Sonne brauchen könne , wenn es nicht abschießen solle , so hätte es doch zwei Dutzend Hemder und sieben Paar Sommerstrümpfe und fünf Winterstrümpfe ( einer sei ihm verloren gegangen ) , vier Kittle , zwe verfluecht brav und zwe minger , und dann Geld hätte es auch noch , es sage nicht wieviel . Aber wenn es mit eim anfinge zu husen , so für zwei Bett und zwei Kühe und vielleicht für ein Schaf auch noch brauchte der keinen Kummer zu haben . Das wär doch dann öppis angers als son es Plätterfüdle , wo nit emal Geld hätte für Stroh z ' kaufe , wenn es es einmal wischen möchte . Es könnte viel noch sagen , aber es sei kein so Anlässiges , das meine , es müsse einmal mannen ; es hätte zu leben , und sein lediger Leib sei ihm auch noch etwas wert . Allbets hätte es schon lange einen Mann gehabt , und vor zwanzig Jahren hätte es mehr als einmal mannen können aber jetzt sei nichts mehr zu machen , unter Hunderten gäbe es keinen vernünftigen Bursch mehr ; son e Mistmore sei heut , zutage allen lieber als es bravs Mönsch mit einer guten Hinter , lag . Zu einer solchen Rede machte es gewöhnlich ein Gesicht , daß man junge Katzen hätte erstecken können , und ließ Kräuel hervor , daß ein Lämmergeier schalus geworden wäre . Ürsi war nicht halb so böse über Stini , sondern lachte und spottete über dasselbe , führte es aus , wie gerne es mannen möchte , aber gäb wie es seine Augzähne hervorstrecke einem Eber zTrotz , wolle ihm Keiner daran bhangen . Es schnürfle zNacht , daß es Späne absprenge an der Wand , und brülle manchmal geradeaus mitts in der Nacht . Und wenn es dann frage , was es so brülle , so schreie es : » Es het mr ertraumt , es heyg mih eine la hocke , u ih ha scho gmeint , ih heyg ne . « Hemder habe es in der Nacht an , wo siebni keinen Ofenwüsch gäbten ; anstatt Gloschleni ziehe es Hudlen an einen Faden wie Bohnen , binde sie dann um den Leib und rühme , wie die grusam warm gäbten . Wenn es an einem Morgen Stinis Strümpfe anziehen sollte , so könnte es die ganze Nacht aus Angst nicht schlafen , ob es je zum Fürfuß kommen konnte , denn an manchem Ort seien sie fast zringsum abenandere und hingen nur an einzelnen Fäden , daß es das größte Wunder sei , wie es sie noch an die Beine bringen könne . Es nähme es nur wunder , wo es mit dem Geld hinkomme ; es schaffe nichts an und hätte doch nie fünf Kreuzer beieinander . Es wollte nur , es ließe sich einer anschmieren durch Stini und nähmte es , in der Hoffnung , er kriege eine reiche Frau ; der könnte ihns lächern , wenn er Hudlen zu erlesen bekäme statt Geld zu zählen . » Uli , das wäre eine für dich , « sagte dann Ürsi , » da könntest du eine Nase voll usenäh , daß du den Säumist nicht mehr riechen würdest , nicht einmal den Kuhdreck ; du hättest sie dein Lebtag voll genug von der Frau . Ich rühme mich nicht halb so als das Stinkloch ; aber es wäre mir doch noch ein himmelweiter Unterschied , eine süferliche Frau zu bekommen , als so ein Mistloch , so ein ungewaschenes Tier ; es gruset mich alle Nacht , wenn ich zu ihm ins Bett muß , und es kötzeret mich allemal , wenn es kochet und nicht die Meisterfrau . « So führten die Nebenbuhlerinnen ihre Gefechte hinter ihren respektiven Rücken ; indessen auch vorwärts schonten sie sich nicht , und Stini schimpfte Ürsi , und Ürsi verspottete Stini . Und Uli , den vernünftigen Kerli in seinem übrigen Betragen , hätte man vernünftig glauben sollen , glauben sollen , da werde es ihm nicht gehen wie einem Esel zwischen zwei Heuhaufen ; und doch ging es Uli , dem verständig gewordenen Knecht , so . Es ist eine ganz merkwürdige Sache , wie der gescheiteste Kerli in allen Dingen der Welt beim Heiraten ein dummer Stöffel werden kann . Wie irgend ein Trieb im Menschen , eine verborgene oder schon offenkundig gewordene Lust durch ein Weibsstück fast wie mit einer Lunte entflammt werden kann , daß Feuer in ihm aufgeht , ins Dach schießt und ihm wird , als müßte er mit diesem Stück glücklich werden und hätte die ganze Welt gerade nichts für ihn als dieses Stück , nichts Reiz für ihn mehr als dieses Stück , das sieht man alle Tage , und wer es hundertmal gesehen , den gibt es auch zu seiner Zeit , er ist an Andern nicht klug geworden . Man sieht tausend Ehen geschlossen werden , wo Tausende sagen mit aller Bestimmtheit : » So gewiß eins und eins zwei machen , werden die unglücklich « ; alle pflichten bei , der Erfolg gibt ihnen recht , nur die Beiden oder wenigstens eins ist blind , hörlos , es schmeckt und riecht nichts . Irgend eine Begierde lag in ihm in noch unentwickelter Kraft , in mächtiger Anlage ; ein Weibsstück tritt als Leben gebendes Element hin , zu , und nun entsteht eine Gärung , in welcher alle Besonnenheit untergeht , in welcher diese Aufwallung einzig den Willen bestimmt , alle sonstigen Rücksichten verdunkelt und einzig das ins Licht stellt , was Ziel jenes Triebes ist . Das ist allerdings eine sehr handgreifliche Erklärung vieler sogenannter Liebe . Aber man erkläre es mir anders , wenn die widerwärtigste Person wegen hundert Kronen geheiratet wird , das fäulste Schlärpli , weil es eine schöne Haut hat , die sinnlichste , üppigste Witwe , weil sie das Flattieren versteht , während aller früheres Leben , das meist den Betreffenden bekannt ist , ihre Umstände , ihre Anlagen die unglücklichste Ehe wie mir Kanonendonner predigen ! Kann man bei einem Menschen die Zeit dieser Gärung vorbeiweisen , ehe er ans Heiraten gekommen ist , so geht der Rausch vorbei ; er erwacht wie aus einem Traume , es ist ihm , als ob die Augen ihm aufgingen , Schuppen von denselben fielen , ganz anders sieht er alles an , ganz anders rechnet er , und sein Dringlichstes ist , von seinem sogenannten Lebensglück sich zu befreien . Daher das Geschrei über verschwundene Liebe , über Untreue , daher die Trennung vieler Brautpaare , daher die noch zahlreicheren sogenannten unglücklichen Ehen . Einen solchen Gärungsprozeß hat man halt für Liebe angesehen ; es hat nun ausgejäset , der natürliche Zustand kehrt wieder : da ist nun keine Liebe mehr ; was eins werden sollte , hat sich nicht binden wollen , sondern liegt ausgeschieden feindselig sich gegenüber . Nun steckte in Uli noch immer der einige zwanzig Jahre alte Bursche , der beim Flattieren warm wird und ein hübsches Mädchen lieber hat als ein wüstes , dem die Sinnlichkeit zur Brille wird , mit der er ein Mädchen und das durch dasselbe zu erlangende Glück ansieht . Aber in Uli regte sich auch die Huslichkeit , der Trieb , etwas Selbständiges anzufangen , ein Meister zu werden . Einige hundert Kronen und eine sparsame Frau hatten daher eine eigene Bedeutung in seinen Augen ; mit so einer glaubte er alles gewonnen und seine Dienstjahre um vieles abgekürzt . Daher konnte er sich nicht enthalten , mit Ürsi zu tschänzlen , zu denken , es sei doch ein liebes und gutes Meitschi , und mit ihm würde er ein gut Leben haben . Und er spielte oft in Gedanken mit diesem Leben und wie er und Ürsi es treiben , wie sie miteinander Kilbi haben und einen Haushalt führen wollten . Dann kam ihm wieder vor , daß man am Ende von der Hübschi nicht leben könne und daß Ürsi nicht nur nichts habe , sondern noch hoffärtig sei , zu ihren Kleidern nicht recht Sorge tragen könne , wie es eben nicht das Eifrigste in der Arbeit sei . Indessen , dachte er , daran könnte er es gewöhnen . Dann kam ihm aber auch Stini in Sinn , und es kam ihm vor , als ob er es mit demselben viel besser machen würde . Stini hatte Geld , war werchbar und huslig . Freilich war es hässig ; aber daran gewöhne man sich , dachte er , daß man es zuletzt gar nicht mehr achte . Es war sehr wüst ; aber dann dachte er wieder , zletzt sei eine Frau wie die ander , es könnten nicht alle schöne Weiber haben , und Mancher würde seine schöne Frau an eine wüstere tauschen , die aber minder hoffärtig und werchbarer wäre . Dann schwatzte er wohl mit Stini und ließ sich mit ihm an ; dann grinste Stini ihn noch grimmiger an , es war fast , als ob die Haare sich ihm zu Berge stellten , und zankte ihn noch einmal so innig und inbrünstig aus und sparte die Uflät und wüeste Hüng nicht , während es noch einmal so wenig Mehl und Anken in die Suppe tat . Dann dachte Uli , es sei doch wahrhaftig nicht alles , mit einer Frau leben zu müssen , deren Freundlichkeit Sauersehen , deren Wohlmeinenheit Zanken sei , und wenn sie ihm nichts gönne und er bei ihr keine Leute haben könnte , ob er nicht ein geschlagener Mann wäre , und was ihm dann das Schübeli Geld hülfe ? So wurde Uli von zwei Gewalten angezogen und abgestoßen ; immer dringlicher kam es ihm vor , sich bald zu entscheiden , denn es schien ihm , als ob er nach und nach veralte und daß wenn er sich nicht bald entscheide , es bei ihm mit dem Heiraten vorbei sein werde , so einen Alten Keine mehr nähme . Denn man kömmt sich heutzutage viel früher alt vor als ehemals ; der Schnuderbube will schon ein Mann sein , was kann daher ein Mann anders sein als ein Greis ? Ehedem schämte sich einer , zu heiraten vor dem dreißigsten Jahre , jetzt rümpfen die Meitscheni die Nase , wenn einer über fünfundzwanzig ist , und nehmen am liebsten mit den Flaumbärtigen von achtzehn bis zwanzig vorlieb . Das gibt einen guten Begriff , wie witzig die heutigen Mädchen sind und für was sie die Ehe ansehen und wie wenig sie darnach fragen , was Kinder mit Kindern anfangen sollen . Glücklicherweise für Uli wurde in diesem Hause nicht geduldet , daß die Dienstboten sich nächtlich besuchten ; zudem waren die beiden Nebenbuhlerinnen in einem Bette , da wäre jedenfalls ein strubes nächtliches Besuchen gewesen . Aber eben dieser Hemmungen wegen suchten sie ihn um so eifriger bei Tage auf , denn auch bei ihnen wuchs der Drang , die Vereinigung zu beschleunigen , Ulis sicher zu sein . Deswegen war Uli nirgends sicher . Im Stall beim Melken , im Futtergang beim Füttern , auf der Bühne beim Futterrüsten , beim Grasen und Misten schlich sich bald Stini , bald Ürsi herbei , Stini zankend , Ürsi liebelend . Aber kaum war Stini da , so war auch Ürsi nicht weit , trennte entweder die Zwiesprache oder plagte Uli später deswegen . Und kaum war Ürsi dem Uli an einem Ort unter die Augen gestanden und blinzelte mit den Augen zu ihm auf , so schoß Stini daher wie aus einer Büchse , ließ die Milch ins Feuer laufen , schnüzte wie eine taube Katze , warf mit ungschämten Mönschern um sich und Fotzelbuben usw. Je länger je ungerner ließ Ürsi und Stini sich vertreiben , immer mehr hielten sie einander stand , hielten sich gegenseitig die wüstesten Sachen vor , und Eine drohte der Andern immer , beim Meister sie zu verklagen : es nähmte sie wunder , ob er denn ein solches Zök und Gschleipf dulden wolle ? Der Meister und die Meisterfrau sahen das Ding schon lange und allerdings immer mehr mit Unwille , denn es störte den Gang der Arbeit , und weder Stini noch Ürsi hatten Sinn für ihre Geschäfte , vergaßen alles unter den Händen , auch Uli bösete es . Die Meisterin meinte schon lange , Johannes sollte doch mit dem Uli reden ; sie hätte schon manchmal den Mägden abgeputzt , aber es sei nur , wie wenn sie Öl ins Feuer schütte , es dunke sie , dieselben würden alle Tage stürmer , und sie hätte afe Kummer , Stini werde ein Narr , es hätte letzthin afe pläret , und das hätte es noch nie getan , so lange sie es kenne . Ürsi , selbem tue es nichts , das denke : Gits nit dä , su gits e angere . Johannes sagte , es sei ihm zuwider , mit Uli zu reden , er hätte ihm noch nichts davon gesagt ; aber wenn es nicht gute , so werde es doch sein müssen , so könne es nicht länger gehen . Uli kam die Sache auch immer peinlicher vor . Er schämte sich nach und nach seiner beiden Schätze , die Gärung war am Verrauchnen ; Eine war der Andern im Wege gestanden , und Beide hatten dem Uli Zeit verschafft , wieder zu sich selbst zu kommen . Er begann nach und nach , die Zwiesprachen zu vermeiden ; desto hitziger stellten sie ihm nach , desto wüster sagten sie einander . Er war ohne Laterne im Stall , desto emsiger suchten sie ihn . Einmal gab er den Rossen über Nacht , und kaum hatte er angefangen , so war Ürsi da und schätzelete mit ihm und fragte endlich ganz bedauerlich , was er auch habe , er sei nicht mehr der Gleiche . Daran sei nur Stini schuld , aber dem solle es gezeigt werden , es wolle Stini dahin helfen , wohin es gehöre . Und wie Ürsi das sagte , fing es draußen an zu poltern , zu plätschern und dann so wunderlich zu tönen und zu möggen . Ürsi jauchzte auf und schrie : » Es hets , es hets ! « , lief hinaus , und Uli zündete nach ; aus dem Hause liefen die Leute herbei , und da fanden sie Stini im Mistloch , das triefende Haupt aus der schwarzen Jauche emporstreckend und gar erbärmlich schnopsend , hustend und brüllend in allen Tönen . Es konnte nicht selbst heraus , und niemand mochte das triefende Mensch anrühren . Die ganze Haushaltung stund ums Loch herum ; niemand konnte sich des Lachens enthalten , selbst die Meisterin mußte auf die Seite , weil sie nicht mehr Meisterin ihrer Mienen war . Stini streckte beide Hände empor und begann zu fluchen . Ürsi lachte immer lauter , Stini brüllte immer wüster : Es wolle es Ürsi zeigen , sobald es heraus sei , denn das Mönsch und niemand anders hätte das Loch abgedeckt , daß es auf dem Weg zum Brunnen hätte hineinfallen müssen . Während die lachten und Buchten , wollte niemand zugreifen ; der Eine redete vom Misthaken , der Andere von einer Schoßgabel , der Dritte meinte , man solle es mit Pulver heraussprengen . Endlich erbarmte sich der Meister , nahm einen drei bis vier Fuß langen Knebel , hielt ihn an einem Ende und gab Uli das andere , und Stini mußte nun mit beiden Händen diesen Knebel in der Mitte fassen . So hoben sie mit Anstrengung aller ihrer Kräfte Stini langsam aus dem Loch empor . Man kann sich keine Vorstellung machen , was das im Scheine der Laterne für ein Luegen war , als die von Jauche triefende Gestalt , in schwarzen Kot gehüllt , mit den roten Augen , der blauen Nase , den weißen Lippen so nach und nach aus dem schwarzen Loch tauchte und schwarze Ströme nach allen Seiten aus ihren Kleidern sich ergossen , bis sie endlich wie ein eigentlicher Drecksack auf festen Boden gestellt werden konnte . Die Zuschauer wollten sich fast am Boden herumwälzen vor Lachen . Aber kaum fühlte Stini festen Boden , so stürzte es zsämefüeßlige wie eine Hyäne auf Ürsi los . Dieses , laut aufschreiend , wollte fliehen , aber schon war es von Stini umkrallt , an den Züpfen zu Boden gerissen ; auf dem schönen Ürsi wälzte sich der Drecksack , dessen gräßliche Finger wühlten in seinem glatten Gesicht , und wie das gestrählte Ürsi der tusig Gottswillen um Hülfe schrie , schrie wie am Messer , es kam ihm niemand zu Hülfe , niemand mochte Stini anrühren , das bei jeder Bewegung Jauche weit um sich her spritzte . Da mußte endlich Ürsi sich wehren , und Stini schrie auf , und sie wälzten , verschlungen , zu einem Knäuel geballt , sich am Boden . Von ferne hörte man Schritte ; die Meisterin sagte , wenn man die Möntscher nicht bald voneinandertun wolle , so wolle sie es selbst tun . Das durfte man sich nicht zweimal sagen lassen , man suchte Ürsi zu ergreifen . Aber Ürsi war um nichts sauberer als Stini ; wer zugriff , wurde besudelt , und als Uli helfen wollte , wären Beide bald über ihn hergefallen , an allem sollte er schuldig sein . Stini fluchte , daß er es habe ins Loch sprengen helfen , und Ürsi , daß er ihm Stini angereiset , und wenn der Meister nicht aus Angst vor den nach und nach sich nähernden Nachbarn die beiden Unholdinnen ins Haus gewiesen hätte allen Ernstes , so hätte Uli mit ihrem Zorn noch härter zu kämpfen gehabt als mit ihrer Liebe . Wie die beiden Liebhaberinnen ausgesehen , wie sie zusammen ins Gaden gekommen und dann endlich auch ins Bett , das muß ich der Einbildungskraft meiner Leser über , lassen . Nur das kann ich sagen , daß ihr Anblick Uli wirklich über den Magen kam und er von Stund an von Beiden genug hatte . Sie fühlten es Beide auch selbst , daß das Ding ein Ende haben müsse , und erneuerten nur sehr schwach ihre Versuche . Stini tröstete sich damit , das verfluchte Mönsch überkömm ihn emel auch nicht , und Ürsi faßte sich , im Vertrauen , es gebe noch Andere als Uli und wenn ein schönes Meitschi einen Mann wolle , so brauche es nur den kleinen Finger zum Fenster hinauszustrecken , so hingen ihm zehn daran ; einen jedern nehme es aber auch nicht , es sei nicht gewachsen , für an einem Orte der Schuhwisch zu sein . Aber ganz war Uli die Lust zum Weiben noch nicht vergangen ; es dünkte ihn noch immer , es wäre jetzt Zeit und er hätte nichts mehr zu versäumen . Zehntes Kapitel Wie Uli um eine Kuh handelt und fast eine Frau gekriegt hätte Einmal , und damals war es heiß hatte er eine Kuh zu Markt geführt . Der Meister hatte ihm gesagt , wieviel er lösen solle ; was er darüberaus ermärte , das könne er behalten , aber er solle sich dabei wohl in acht nehmen , daß er nicht zwischen Stühle und Bänke komme und am Ende die Kuh heimbringen müsse . Es sei schon Manchem so gegangen , daß er den Preis hätte lösen können , aber zu hoch gespannt und zuletzt keinen Käufer mehr gefunden habe . Uli hatte beim Mästen dieser Kuh sich viele Mühe gegeben und ging gespannter Erwartungen voll auf den Markt . Kann ich wohl zwanzig , kann ich vierzig Batzen herausschlagen , oder muß ich mit gar nichts vorliebnehmen ? , das ging ihm beständig rundum im Kopfe . Schon weit vor der Stadt paßten Leute auf , schrien ihn an : » Junge , wie teuer das Kuhli ? « Sie griffen mit ihren Händen um die Kuh herum , führten alle Griffe aus , und die Haut sei gar dünn , sagten sie , und Unschlitt nicht viel mehr , als für einem Kind die Schühli zu salben . Sie führten die Kuh aus , daß Uli bald dreingeschlagen hätte . Dann kamen Andere und fingen an zu loben so halb und halb : Man müsse sie dieses Jahr nehmen , wie man sie finde ; es seien Häufen Kühe feil , aber das sei noch keine von den schlechtesten ; das Mästen gehe etwas hart bei grauem Heu . Fast wie Brämen das Vieh beim Eintritt in einen Wald empfangen , wurde Uli und seine Kuh von Leuten umsumst , die ausführten , rühmten , bald die Kuh , bald ihn , und verlangten , er solle sie schätzen , er solle doch sagen , was er fordern dürfe für so ein Rämpeli . Uli begann zu ahnden , daß die Ware besonders bsüchig sei , daß er einen Schnitt machen könne . Er forderte fünf Neutaler mehr , als der Meister ihm gesagt hatte . Nun erhob sich ein Gebrüll gegen ihn , wie wenn er in eine Wespern geguselt , und akkurat so fuhren die Menschen von ihm weg . Indessen bemerkte er doch , daß ihn Einige nicht aus den Augen ließen und sich den Ort merkten , wo er auf dem Märit sich und seine Kuh stellte . Einen Bekannten , der vorbeiging , rief er herbei , um die Kuh ihm einen Augenblick zu halten , und durchstrich flüchtig den Markt , um zu hören , was Kauf und Lauf sei . Er sah zu seiner Freude , daß seine Ahnung ihn nicht betrogen und heute etwas für ihn zu machen sei . Als er zurückkam , fand er seinen Stellvertreter in großer Verlegenheit : es waren Käufer da , wollten den Preis wissen , und er kannte ihn nicht . Alsobald kam Uli in Handel . Er blieb bei seiner Forderung ; man bot , man märtete , man ging weg , aber er merkte , daß die meisten der Bietenden die Kuh im Auge behielten , daß man ungern aus dem Märit ging und einen Andern dazuließ ; er kam zur Einsicht , daß er um eine Dublone Gewinn verkaufen könne , und er tat es endlich auch , fürchtend , durch zu langes Hinhalten möchte er endlich um alle Käufer kommen . Es verzögerte sich , bis er das Geld in Empfang genommen , und es brannte eben die heißeste Nachmittagssonne , als er heimging . Er war noch nicht weit außerhalb der Stadt , als er ein großes Weibsbild mit vier kleinen Schweinen sich herumtreiben sah . Diese wollten nicht parieren , und alle Fünfe lechzten und schnupeten zum Erbarmen . Er erkannte die Tochter eines ihrer Nachbarn , die fast atemlos und erschöpft ihn dr tusig Gottswille bat , er möchte ihr beistehen , sie bringe sonst die Donners Ketzern nicht lebendig heim . Uli half mit etwas mehr Ruhe , als das Mädchen gehabt , und bald brachten sie auch die Schweinchen in einen ruhigen Gang . Denn wie die Tiere tun , hängt meist von ihren Treibern ab . Es ließe sich da ein merkwürdig Kapitel für Eltern und Regenten anknüpfen . Doch diesmal haben wir nicht Zeit , uns mit ihnen abzugeben ; wir müssen jetzt erzählen , wie