solchen Reiz der Freiheit hinbieten , ihre bildlose Fülle , die ich zu tausend Bildern schaffen kann , diese unerschöpfliche Menge , die nie das erreichen kann , dessen Teil sie nur ist , alle Liebe und die meine , die ich doch so ganz umfaßte , ängstigte mich zuletzt , als hätte ich ein Spiel in Händen , das sich kühn über den Meister erhebt und mit ihm selbst spielt , oder zu dem ich selbst würde . Ich bestehe selbst , und so im Kampfe , mit dem Ganzen eins zu sein , daß mir nur das schnelle Umfassen des Ganzen mit einem Blicke ein Genuß werden kann . In seinem Blicke sprach sich mir alles Licht , alle Farbe , alle Malerei meiner Welt deutlich aus . Wenn er an meinem Arme im Garten auf und ab ging , waren mir die Töne der Natur nicht mehr roher und ungebildeter als die Töne der Kunst . Er war mir der Mittler ; indem ich mich mit ihm verbunden fühlte , war in ihm alle Kunst , ohne die Härte des Alleinstehens , leise aus der Natur weggeleitet , und so leise , daß keine Verwunderung , keine Unerklärbarkeit mehr zwischen ihr und mir lag . Ich war zum Selbstbewußtsein gekommen , daß ich vom Äußern und das Äußere von mir unzertrennlich sei , und daß wir in einer freundlichen lebendigen Abhängigkeit voneinander leben . Es ist mir nur immer , als hätten die Menschen , da die Liebe die Erde verließ und mit dem süßesten , tätigsten Nichtstun , mit dem Bestehen durch aus sich selbst würkende unendliche Kraft die schreckliche Mühe und die Maschinerie ohne Perpetuum mobile abwechselte , als hätten damals die Menschen in schneller Eile das Deutlichste und Reinste aus dem herrlichen Haushalte der Welt stückweise errettet und in künstlichen Kisten und Kasten verschlossen . Das sind nun die einzelnen Künste , deren Zusammenhang sie ängstlich zusammensuchen , und sie mit den Resten des allmächtigen Verstandes zusammenkleben und beschreiben wollen . Mir stehen sie itzt nur da , wie ich Ihnen schon sagte , wie traurige Denksäulen verlorner Göttlichkeit , die uns ewig winken ; wir sollen hin zu jener Welt , die vor uns geflohen ist , und die wir mit unendlicher Sehnsucht erwarten . Wir liegen halb aufgerichtet vor diesen göttlichen Aposteln , die in alle Welt versandt sind , und werden von den göttlichen Trümmern eines Ganzen gerührt , das wir selbst mitbildeten . Wir knieen vor der Reine unsrer eignen Schönheit in weinender Rührung - und die beste Theorie der Kunst scheint mir immer antiquarisch und unzuverlässig . Obschon es ein schönes Beginnen ist , die göttlichen Trümmer mit Mühe zu ergänzen und zu erläutern , so bleibt mir doch der Gedanke traurig , daß wir uns dann selbst mit zerlegen und zusammensetzen müssen , um in unserm Einzelnen die wenigen Strahlen , die das Verlorne zurückgelassen hat , aufzufinden , und so aus uns verderbten und verkehrten Wesen die entarteten Gliedmaßen herzustellen , die den Torso ergänzen sollen . Wenige Schöne sind mehr in der Welt , die durch Unwissenheit sich schuldlos fühlen , die das Verlorne nicht suchen , weil sie es nicht vermissen , indem die freie Liebe , die Mutter aller Kunst , in ihnen wohnt . Wie reine Wesen erblicken sie den Spiegel , in dem sie sich spiegeln , und tragen aus der Welt mit ihrem eignen Bilde die Welt in sich zurück . Sie durchströmt das Leben , das sie selbst durchströmen , und das Schaffen , das sie mit dem Ganzen in sich aufnahmen , schafft unwillkürlich wieder in ihnen . Wie alle mit der süßen Gewalt der Geschlechtsliebe im Innern auf die rege Bahn treten , so treten nur wenige mit der Allmacht der freien Liebe ins Leben . Denn das Schaffen liegt im Geschaffenen . So wie die Materie aus ihrem allgemeinen Dasein in der Geschlechtsliebe in die Vereinzlung und Ähnlichkeit des Liebenden tritt , so spricht auch die freie Liebe den Geist , oder die Gottheit , in schönen Kunstwerken aus , indem sie das Unendliche in die Form ihrer Ähnlichkeit trägt und dieser Form ein Leben im Einzelnen giebt . Durch eben diese Vereinzlung werden wir sonderbar gerührt , weil die Mannichfaltigkeit bis zur Unkenntlichkeit in ihr gebunden ist , das Einzelne ungeheurer und seltsamer vor uns steht , und wir erregt werden , indem wir das vor uns und mit uns leben sehen , worin und wodurch wir leben . - Über ein schönes Kind kann ich mich ebenso sehr freuen als über ein schönes Kunstwerk , weil diese zwei Arten sehr in mir zusammenhängen und ich zu der ersten eine größere Fähigkeit habe . Je mehr der einzelne Teil der Göttlichkeit in dem Werke in sich selbst geründet ist , je weniger schmerzhaft dem Blicke der Übergang von dem Alleinstehen des Einzelnen in die volle Verbindung des Lebens ist , je schöner ist das Werk , je reiner , je vollkommner ist ein Sinn hingestellt , ohne uns an das traurige Vermissen des Ganzen zu mahnen . Die meisten Verbindungen der Künste zu einem Einzelnen werden mir daher gräßlich und erhalten etwas sonderbar Totes und Ekelhaftes . Masken und Wachsfiguren können mir nie schön werden . Unsre Stümperei erscheint hier verbunden mit unsrer Unwissenheit . Die Farbe darf nie mit der greiflichen toten Form zusammenkommen , denn sie begleitet nur den Wechsel , indem sie sich selbst nicht angehört , sondern dem Lichte . - Deswegen sind Augäpfel an der Bildsäule so unerträglich . Denn eine Bildsäule soll nur die Oberfläche aussprechen , sie erscheint mir wie ein umgekehrtes erdichtetes Leben , in dem die Seelenäußerung von außen nach innen geht . - Ich habe Ihnen geschrieben , wie es mir mit dem Singen erging , mit dem Zeichnen und Malen wird es mir nie anders ergehen . Ja hätte ich das reizende Bild in mir , das mich in süßer Bewunderung auflösen kann , bestimmt mit allen seinen feinsten Umrissen , wie es in meinen Glauben , meine Liebe , in mich selbst hinüberschwebt , ohne Grenze ewig und vollkommen , und könnte ich es fest , wie es nur die Allmacht kann , auf eine Stelle hinbannen , ohne ängstlich die Linie an die Linie , den Punkt an den Punkt zu reihen - o des Mechanismus im Lebendigsten ! - so würde ich malen . Wo ist der Künstler , der sich erreichte , und wer kann im Staube nachbilden , was seine Seele ahndet ? Die großen angestaunten Bildner geben mir nichts als das Gefühl ihres Übergewichts . Wir stehen in Staunen hingerissen vor Bildern , die wir nicht begreifen können , wir schreiben dicke Bände über Gefühle bei einzelnen Kunstwerken , die uns unerklärbar sind . Sein Gemälde , das er in der Seele trug , hat der Künstler nur hingestümpert , und das Gemälde unsrer Seele bei weitem übertroffen ; ihm selbst wird kein reiner Genuß , denn es ist unedel , im Gefühle des Schwächeren den Strahl seiner Stärke brechen zu lassen . Darum muß man weit über mich erhaben sein , um in seinem stets mißlungenen Werke mein gelungenstes Ideal hinzustellen , und ich selbst kann mich also nicht damit trösten . Ja es ist mir mehr Genuß , mich , durch den leisen schwimmenden Nebel der Ahndung von meinem Geiste getragen , bescheiden dem größten Bilde meiner Phantasie zu nähern , als es schändend zum Spotte meiner Augen in Handgreiflichkeit vor mein Erröten herabzuzerren . Übrigens ist in meinen Idealen der Übergang , der Wechsel , die Beweglichkeit zu reißend , um sie je in den stillen bildenden Künsten zu suchen ; nicht der Blick , nein der Augenblick des Blicks , ist meine Sehnsucht , nicht die Bildung der Glieder , nein der Tanz , reißt mich fort . Wenn ich vortreffliche Kupferstiche oder Gemälde betrachte , überfällt mich eine Bangigkeit , eine Unruhe , die oft in Schwermut übergeht , wenn gleich diese Gemälde diese Empfindung nicht schildern . Ich glaube diesen Eindruck durch das Gesagte hergeleitet zu haben . So ergeht es mir , lieber Freund , in den einzelnen Künsten ; wie sollte es mir besser gelingen in der Seele aller , in der Poesie ? Bin ich doch selbst ein Gedicht , und meine ganze Poesie . Aber ich lebe in einer Zeit , wo die schöne Form verloren ging , und so fühle ich mich geängstet , und unglücklich , weil ich nicht in meiner eigentlichen Gestalt lebe . Nimmer werde ich der Welt ein Lied hingeben , denn sie giebt mir nichts hin . Die Gedichte der Natur , sie gehen stille vor mir auf und nieder , und ich traure , wenn ich in das Morgenrot sehe , und in das Abendrot , in den heißen treibenden Tag , und die tiefe volle Nacht . Sie rühren mich , als träten sie vor mich und sagten flehend zu mir : O , gieb uns eine Seele und ein Leben , daß wir deinesgleichen seien , daß wir mit dir sein können und mit dir lieben . Ich stehe vor ihnen wie ein Spiegel , sie sehen in mich und ich in sie , und sie sinken vor mir hinab , denn ich kann sie nicht befestigen . Im Leben muß ich sie sehen , um sie freudig zu erblicken . Nichts kann ich umarmen , denn mir ist die freie Liebe versagt . Zwischen mir und dem Geliebten muß die Poesie stehen , die von mir selbst ausgeht . Wenn er mich umarmt , und ich mich in ihm umfasse , so ist die Gestalt in mir und ihm , und ich habe gedichtet . So wie mir das einzige Talent des Bildens in der Geschlechtsliebe liegt , so ist wohl durch die Stummheit mancher Sänger verstummt , so wie der größte Maler blind , und der größte Tonkünstler taub geblieben sein mag . Aber diesen letztern bleibt ein Ausweg , die Poesie ist und bleibt die Seele ihres Drangs zu bilden , und sie sind Maler , Sänger oder Tonkünstler geworden durch die größere Macht eines einzelnen Organs in ihnen . So kann denn aus den Gemälden des Blinden eine Musik oder ein Gedicht werden , und aus der Musik des Tauben ein Gemälde . - Nur der Größte und Gesundeste und Freudigste kann ein großer Dichter werden , der alles dichtet , denn wem die Macht der Ausübung und des Stoffs , das Leben und der Genuß im vollen blühenden Gleichgewichte stehen , der wird und muß ein Dichter werden . Menschen mit voller Lebensfähigkeit , und so auch ich , stehen immer im Kampfe mit dem geregelten Leben . Sie sind bloß für das Dasein , und nicht für den Staat gebildet . Schmerzhaft schlägt sie die bürgerliche Gesellschaft in das eiserne Silbenmaß der Tagesordnung , und sie kämpfen , und verderben , weil die Liebe in ihr in das Handwerk des Ehestands gewaltsam eingezünftet ist . Häusliches Glück und gesellige Freude trägt man ihnen auf , die nur weltliches Glück und Freude des Universums erkennen . Viele , die frühe schon in diesem Kerker eingefangen sind , ja die in ihm die Augen eröffnen , siechen mit ihrer größern oder geringern Anlage fort , oder brechen durch übergroßen Reiz einseitig hervor , und der geringste muß wenigstens in einem Fieber , in einem Rausche , und oft schrecklich im Wahnsinn , der ewigen Poesie ihren Tribut bezahlen . Solche heftige Reize sind Einsamkeit , Freundeslosigkeit , und Eitelkeit . - Nimmer werde ich das wunderbare Mädchen vergessen , die ein junges Opfer des Lebens fiel . Kordelia war innig an mich gefesselt , und glücklich , da ich noch unfähiger meine Glut in unbestimmte Sehnsucht ergoß , und doch wendete ich mich schon leise zur Sinnlichkeit , und konnte keine weite Aussicht ertragen . Sie war eine Schottländerin , und ihren Eltern entflohen . Sie ward dem Prediger , der mich erzog , zugeführt , man hatte sie bettelnd in den Straßen aufgefangen und meinem Pflegevater überbracht . Sie sagte ihren Namen nie , so sehr man sich darum bemühte , denn sie fürchtete sich , zurückgebracht zu werden . Nach dem Tode meines Pflegevaters , der bald darauf erfolgte , blieb sie bei mir , und war enge mit mir verbunden . Sie arbeitete nie , ja sie hatte einen seltsamen Abscheu vor der Arbeit , was sie auch bewogen hatte , ihre Eltern zu verlassen , für die sie nicht ohne Zärtlichkeit war ; aber auch diese Liebe war ihren Eltern nicht begreiflich gewesen , wie ihr Abscheu vor der Arbeit , wegen dem sie von ihnen öfters hart behandelt worden war . Ich fand sie einstens abends im Garten auf dem Angesichte liegen , und erschrak , weil ich glaubte , es müsse ihr etwas zugestoßen sein . Ich rief sie , da sprang sie auf , nahm mich bei der Hand , und lief mit mir den Garten hinaus , nach unsrer Wohnstube . Ich war heftig erschrocken , und da ich sie dringend bat , mir die Ursache ihres Zustandes zu erklären , sagte sie mir : » Sieh , ich saß im Garten , und sah die Abendsonne , ich war froh und glücklich , denn es war alles schön ; aber plötzlich zerriß sich der Himmel , und es war alles noch herrlicher , und immer anders , und wieder und wieder , da konnte ich es nicht allein ansehen , es war zu viel und zu schnell . Mir fiel ein , daß meine Mutter einstens sagte , wie der Abend so schön sei , und mir die Tränen dabei in die Augen traten , weil ich nicht draußen am Walde sein könnte ; da nahm mich meine Mutter hinaus in den Wald , setzte sich zu mir , und ich liebte sie unendlich , aber sie lief wieder zurück an die Arbeit , und war traurig , daß sie nicht dableiben durfte . Wie ich nun itzt im Garten saß , und den schönen Wechsel der Farben ansah , fühlte ich , daß meine Mutter itzt an der Arbeit sitze , und dies nicht sehe , und dies nicht ; so warf ich mich denn auf das Angesicht , um es auch nicht zu sehen , denn es zerriß mir das Herz , daß die Farben so schnelle verschwanden , und nicht warteten , bis wohl die Arbeit meiner Mutter vorüber sei . « So war ihre Liebe , die Vorstellung des Todes war ihr nur fürchterlich , insofern sie fürchtete , die Sonne nicht wieder zu finden , und den Mond ; ob ein andrer stürbe oder lebte , das rührte sie wenig . Nie waren wohl verschiednere Menschen verbunden als wir beide . Zwischen ihr und der toten Natur war kein Mittler nötig , so wie ich kein Interesse für die tote Natur habe , wenn sie sich mir nicht im Auge eines andern reflektiert . Der Abend- oder Morgenschimmer an den Bergen bestimmte ihre ganze Glückseligkeit . Jeder schöne Morgen war ihr ein freudiges Geburtsfest , jeder Tag ein glücklicher oder unglücklicher Freund , und jeder Abend ein Tod . Sie stiftete einzelnen Tagen , die ihr besonders lieb gewesen waren , Denkmäler , indem sie einzelne Blumen pflanzte , oder mehrere in eine bestimmte Ordnung stellte . An einem ähnlichen Tage erinnerte sie sich immer des verflossenen , und lebte mit der Zeit und ihren Gliedern in einer wunderbaren Verwandtschaft . Bei mondhellen Nächten war sie voll freudiger Wehmut , und sie saß dann oft in einer wunderbaren Begeisterung im Garten . Sie nannte die Nacht die enthüllte Zukunft und Vorzeit , jeder Stern war ihr das Bild eines Tages in weiter Entfernung , der vorbei sei oder komme , es ergriff sie dann eine heftige Sehnsucht , und sie schien sich selbst nicht gegenwärtig ; » ich eile nach und eile entgegen « , so drückte sie ihren Zustand aus . Sie liebte am Tage , und betete in der Nacht , dies war ihr Leben . Ich lehrte sie mit vieler Mühe schreiben , und sie schrieb dann die Geschichte ihrer verstorbenen Freunde , der Tage , auf , schrieb Briefe an sie , und dichtete im Winter elegisch . Sie entwickelte meine Anlage zur Schwärmerei , aber meine Schwärmerei war die der Sinnlichkeit . Wenn sie in den weiten Himmel sah , so berührte ich ängstlich , mit wunderbarem Entzücken , die Blätter und Blumen der Pflanzen , ich saß oder lag immer in mich selbst verschlungen im Garten , wenn wir solche Nächte zubrachten , und sie stand aufrecht und frei , mit gehobenem Gesichte . So trennten wir uns im Innern schon bestimmt , wie wir uns nachher ganz trennten . So wie ich geschloßne heimliche Gegenden liebte , so war es ihr höchstes Entzücken , von Bergen oder Türmen weit hinaus zu sehen . Auch hatte sie das Bedürfnis nicht , sich mir zu nähern , wenn sie mit mir sprechen wollte ; jede Entfernung , die die Stimme bequem erfüllen konnte , war ihr schon hinlänglich und lieber als Annäherung , und jede Umarmung war ihr unerträglich . Sie erschrak leicht , wenn sie von ungefähr meine Hand oder irgend etwas Lebendes berührte , und war , bei einem hohen Grade von Schönheit , mit wunderbar durchsichtigen Bewegungen und Mienen , das keuscheste Weib durch Anlage . - Sie liebte mich , weil ich sie duldete , sonst empfand sie keine Neigung zu mir , noch zu irgend einem andern Menschen . Als Godwi mich kennen lernte , als er mir immer näher kam , und endlich am nächsten , war sie in ein kleines Gartenhäuschen gezogen , und in der Nacht , in der ich Karln gebar , verschwand sie . Vier Jahre nachher fand ich zufällig eine Sammlung von Gedichten in London , die ich für die ihrigen erkannte . In der Vorrede fand ich die Anzeige der Herausgeberin , daß die Verfasserin tot sei . Ich konnte nie erfahren , wer die Herausgeberin war . Meine Freundin hatte in der Zeit , da ich meinen Weg von dem ihrigen trennte , mehr gedichtet als gewöhnlich , und eines ihrer Lieder hat mich wunderbar gerührt . Es ist mit dem Namen des Tags nach der Geburt Karls überschrieben , da sie also schon geflohen war . Das Lied ist ein Quartett zwischen dem Monde , der Sonne , der Nacht und einer geblendeten Nachtigall , die sich zu Tode singt , weil sie die Stunden der Ruhe nicht mehr erkennen kann . So gehen ihre Lieder allegorisch fort , und nähern sich zum Ende einem ganz eignen Sterben in sich selbst ; alles , was mit den Sinnen erkannt wird , schwindet mehr und mehr . So klagt sie , daß der Mond immer dunkler werde , und die Sonne immer matter . Auch ist ein Klagelied darunter , an die ewige Dämmerung , die schon mehrere Wochen daure ; dann ein Ruf an die fliehende Natur , die Bitte , nicht so schnell zu fliehen , damit das Mädchen mitkönne ; dann ein Lied an das Leben , das einzige , in dem sie von Menschen spricht , und das letzte , die Wiedergeburt genannt . Sie beschreibt in ihm , wie sie in die tote Natur zerrinnt , wie sie nun die Rolle wechseln und so nach dem Leben schauen und das Lebendige besingen werde , wie sie bis itzt der toten Natur getan habe . - Wie wenig ich mich zur Dichterin schicke , beweist schon , daß ich immer auf den Verfasser zurückkehre . Ich kann nicht lange auf dem Gedichte verweilen , gleich überrasche ich mich auf dem Gedanken : » Welche Seele ! die so dichtet « , und nie habe ich die Schönheit des Werks , immer nur die Kraft und die Fülle des Meisters geliebt . Die Dichtkunst ist mächtiger als Malerei ; wie mir jene Herabzerrung des Ideals ist , so ist mir diese Beflügelung desselben oder doch wenigstens völliges Erreichen . In der Poesie übergebe ich das Werk sich selbst , und die Macht , welche bildet , bildet sich selbst , denn das Werk ist in ihr die ganze Kraft des Meisters . Ich habe in ihr mit der Phantasie begehrt , und erfülle mit einer ebenso großen Gewalt , mit der Phantasie . Die Bildung verhält sich in ihr zum Ideal wie die Sprache zum Denken , in der Malerei aber wie die Farben , die Gestalt zum Denken . Ich kann mein Ideal in mir in der gedrängtesten Gestalt empfinden , und es in der Dichtung unendlich ausbreiten und entfalten , denn das Wort hat Farbe und Ton , und beide haben Gestalt . So kann ich mit den Geistern aller Sinne mein Gedicht allen Sinnen übergeben , da ich in der Malerei das ganze weite vielgestaltete Bild auf die Macht des Auges beschränken muß , ich muß einen Sinn zum Richter der unendlichen Phantasie machen , und mit den Farben die Sprache erreichen wollen . - - Die Besinger sind den Malern so unähnlich als die Sänger den Bemalern - der Dichter ist größer als der Maler , denn der erste hat mehr gedichtet als er malen konnte , der letztere aber kann nie malen , was er dichtete . Zum Maler bin ich zu klein , welch Lied würde das werden ? Alles dies hatte ich gedacht ; und gefühlt , daß die Kunst mir nimmer die Liebe ersetzen kann . Diese künstliche Kunst ! So war ich , als ich meinen Sohn fand - o könnte jeder , der einen Mißton in der Liebe griff , sich auf diesen Einklang retten . Diesen kann man mir nicht nehmen , nicht ich , nicht die Pflicht , nicht der Überdruß . Er ist von mir , er ist mein wieder beginnendes Leben , und wenn ich noch so viele Grundsätze zu befolgen habe , so kann dieser doch nie wegräsonniert werden . Oft ist mirs sehr wunderbar zu Mute mit den Grundsätzen , ich kann sie dann gar nicht begreifen , und möchte dann so ein halb Dutzend Grundsätze auf den Kopf stellen , und sie umgekehrt befolgen , gar nicht aus Verachtung der Grundsätze , nein - aus lauter Langeweile . Grundsätze ? - das ist mir so gar schwerfällig , als sollte ich eine Bastille aus Quadersteinen von Grundsätzen in mir erbauen , um die Gelüsten darinne einzusperren ; ich sage die Gelüsten , denn wer kann die Tat erwischen , wenn sie geboren ist ? Erklärt sie vogelfrei , sie ist unendlich geschwind , und fällt in die Anlage zur Handlung , wie ein Funke in das Pulver ; nimmer werdet ihr sie bändigen , denn sie ist das Leben . Godwi hat seinen Bedienten , der mich in meiner Morgens-Wallfahrt so unangenehm störte , einem Landedelmann , der mit seinem Sohne hier auf dem Landtage ist , überlassen , und von diesem Bedienten weiß ich , daß er bei Ihnen ist . Der gute naive Landjunker , der aus Unerfahrenheit mit den Sitten der Stadt einen Platz in meiner Loge nahm , erzählte mir viel von einem seltsamen Herrn Baron Godwi , der bei ihm gewohnt habe , und ich erfuhr mit einigem Unwillen , daß er mit der Schwester des Junkers recht vertraut gewesen sei , so daß es diesem wie eine pur angelegte Sache vorgekommen ist , wie er sich in seiner Unschuld ausdrückte . Nun so bin ich dann schon vergessen ; oder ist er einer von den Mächtigen , deren Leichtsinn Universalität , deren Treue Einseitigkeit , deren Langeweile Tiefe , deren Schwärmerei Höhe ist ? - Küssen Sie Ihre Otilie , danken Sie ihr für ihre Mühe an Eusebio . Sollte Godwi nicht auf diesen Kleinen wirken , und wie wird er es tun ? Molly Jost von Eichenwehen an seine Schwester Joduno Der Papa , liebe Klaudia , hat viel zu viele Geschäfte , darum hat er mir befohlen , zu schreiben , und siehst du , unter uns gesagt , es wäre auch ohne Geschäfte nicht so recht seine Sache mit dem Schreiben . Man kann es ihm auch nicht verüblen , denn zu seiner Zeit gings noch nicht so rasch mit der Kultur und der Aufklärung , wie es jetzt geht ; da denn der Sohn den Vater immer überschreiten muß . Es geht dir auch jetzt so höllisch geschwind , daß man ordentlich recht auf seiner Hut sein muß , um seinen Vormann nicht übern Haufen zu werfen . Mir brummt der Kopf vor lauter Bildung , und wenn ich mich nicht fast allein auf die Taktik und Heraldik legte , so würde ich sicher vor Eilen in der Aufklärung den Atem verlieren . Mit dem vierten Band vom Akazienbaum bin ich kaum fertig und habe noch viel von der Pockennot , und besonders vom Runkelrüben-Zucker vor mir . Ich möchte des Teufels werden , wenn ich denke , daß unsre Kühe so viel Zucker gefressen haben , den wir hätten zu unserm Kaffee brauchen können , und so viele Blattern gehabt haben , die wir hätten den Menschen inokulieren können . So geht es aber , wenn man in seiner Kindheit fortlebt . Wenn ich nur wieder zurückkomme , da soll eine ganz andere Bildung losgehen . Das Leben in der Residenz ist freilich ein ganz andres Savoir-vivre , da herrscht dir ein Ton , der sich darf hören lassen , und du mußt mirs verzeihen , wenn ich manchmal in diesem Brief hie und da so etwas durchblitzen lasse , das dir Kopfbrechens kostet ; aber wenn man einmal in dem Strom der Aufklärung drinne sitzt , so muß man immer weiter mit fort , und ich möchte mir noch so viel ennui geben , ich kann mich nimmer auf meinen alten Stil und Schreibart besinnen . Ich habe aber auch die Ohren gespitzt , um alles recht zu erwischen , gieb Achtung . Morgens um - - zehn Uhr stehen wir auf , dann wirft man sich in eine Negligence und hat , man sagt aber nur so , nicht gut geschlafen . Dann geht man in der Stube auf und ab , bis der Friseur kömmt . Da geht es dann gleich mit der Bildung an , die schönen Wissenschaften nämlich , und zwar das Theater . Der Friseur macht alle Perücken für die Schauspieler , und wickelt einen mit lauter Komödienzetteln auf . Gestern hat er mich mit lauter Familienstücken gebrennt , und itzt habe ich den Gustav Wasa und Bayart von Kotzebue hinter den Ohren . Der Friseur sagt einem auch , was am stärksten gelesen wird , denn er sieht das immer , wenn er die Leute frisiert , wo er recht schöne Stellen den Leuten über die Schulter weg aus dem Buche liest und auswendig lernt . So hat er mir auch gesagt , daß im Wallenstein recht schöne Stellen wären . So komme ich denn so nebenbei zu den schönen Wissenschaften . Aber ich lese , wenn er mich frisiert , gewiß so kein Buch mit schönen Stellen , weil ich bemerkt habe , daß einen der Mensch dann rauft , und manchmal gar über den schönen Stellen dieser großen Köpfe an meinem kleinen eine Stelle sehr häßlich macht . Im Anfange wollte mir das lange Liegenbleiben des Morgens gar nicht recht vonstatten gehen ; ich hatte schon eine halbe Stunde lang die indianischen Blumen auf meiner Bettdecke betrachtet , und alle die seltsamen Figuren auf der Tapete , als ich es nicht mehr aushalten konnte . Ich machte mich also auf , und wollte mir die Stadt ein bißchen besehn . Die Hunde nahm ich mit , und nun ging es hinaus . Keine Menschenseele war zu sehen , nur einigemal kam eine Hetze Soldaten , guckten mich an , oder fragten mich aus . Auch bin ich in zwei große Verlegenheiten gekommen . Du kennst meine Wißbegierde zu der Taktik , ich stellte mich also an ein Schilderhaus und erzählte einem schönen großen Grenadier , der drinne stand , daß ich hier sei , um auch Soldat zu werden , und noch vieles dergleichen . Der Kerl antwortete nicht , und da er , als ich ihm einen guten Morgen bot , mit dem Kopfe nickte , so glaubte ich , daß er auf seinem Posten nicht sprechen dürfe , und erzählte ihm immer wacker zu . Er stand im Häuschen drinne , und ich hatte mich auch so halb hineingedrückt , weil es frisch war in der Morgenluft . Gerade in meinem besten Erzählen da ruft es draußen : Rund ! ich weiß nicht , was das bedeutet , und ein paar Augenblicke darauf prügelt es derb in das Häuschen herein . Das war dir eine schöne Geschichte , rühren konnte ich mich nicht , und der Soldat war wie verrückt , er wußte gar nicht , wer ich war , und ich hatte ihm doch alles erzählt . Endlich ging es an ein Examinieren , wie ich hierherkomme , was ich mit der Schildwache vorhätte . Ich erzählte alles , aber da war der Grenadier so undankbar , und schwur , daß ich ihn mit meinen Diskursen eingeschläfert hätte . Wir konnten gar nicht auseinanderkommen , bis ein Branntweinschenke seinen Laden aufmachte , und das Schild , das er eben heraushängen wollte , unter dem Arme haltend , zu uns hintrat . Da nahm das Ding gleich eine andre Wendung ; der Unteroffizier schlug vor , die Sache bei dem Manne auszumachen , und die ganze Gesellschaft trank meine Gesundheit bei dem Branntweinschenken . Ich bezahlte die Zeche , und machte die Bemerkung , wie äußerst wohltätig es im Staate ist , daß der Wehrstand und der Nährstand sich einander unter die