Grundfarbe aller Geschichte ist . Über den Ausgang des Abtes Hermann erfahren wir nichts ; sehr wahrscheinlich , daß er noch eine Reihe von Jahren dem Kloster vorstand . Erst 1352 finden wir den Namen eines Nachfolgers verzeichnet . Abt Heinrich Stich ( etwa von 1399 bis 1432 ) Heinrich Stich , vor seiner Abtwahl Kellermeister ( cellerarius ) des Klosters , wurde sehr wahrscheinlich im Jahre 1399 zum Abt gewählt . Seine Regierung fällt in die sogenannte » Quitzowzeit « , und wir werden in nachstehendem zu berichten haben , wie vielfach gefährdet Kloster Lehnin damals war und wie glücklich es , großenteils durch die umsichtige Leitung seines Abtes , aus allen diesen Gefahren hervorging . Die Geschichte jener Epoche , soweit sie das Kloster berührt , entnehmen wir den Aufzeichnungen Heinrich Stichs selber , der im Jahre 1419 ein Gedenkbuch anzulegen begann , in welchem er , zurückgehend bis auf das Jahr 1401 , über die Streitigkeiten des Klosters mit seinen Nachbarn berichtet . Einiges ergänzen wir aus einer andern , ziemlich gleichzeitigen Chronik . Das Kloster hielt es all die Zeit über , seinen Traditionen getreu , mit der Landesobrigkeit , d.h. also , Abt und Mönche waren im allgemeinen gegen die Quitzows . Da indessen die Landesobrigkeit damals sehr schwankend und eine Zeitlang , halb angemaßt , halb zugestanden , bei den Quitzows selber war , so entstanden daraus sehr verwickelte , zum Teil widerspruchsvolle Verhältnisse , deren Gefahren und Schwierigkeiten nur durch große Klugheit zu überwinden waren . Die schwankenden Verhältnisse nötigten auch zu einer schwankenden Politik . Die Grundstimmung des Klosters blieb gegen die Quitzows gerichtet , wiewohl wir einer , indes jedenfalls nur kurzen Epoche zu erwähnen haben werden , wo das Kloster mit den Quitzows ging . Zwischen 1401 und 1403 , so scheint es , sammelten die Quitzows Material gegen das Kloster . Inwieweit sie dabei bona fide handelten , ist schwer zu sagen ; doch macht ihr Vorgehen allerdings den Eindruck , als hätten sie , voll übermütigen Machtbewußtseins , die Dinge einfach daraufhin angesehen , wie sie ihnen paßten , unbekümmert um den Wortlaut entgegenstehender Urkunden und Verträge . Sie stellten sich zunächst , als machten sie einen Unterschied zwischen dem Abt des Klosters und dem Kloster selbst , und sich das Ansehen gebend , als sei die Persönlichkeit oder der Eigensinn des Abtes an allem schuld , verklagten sie ihn beim Konvent seines eigenen Klosters . Als diese Klage , wie sich denken läßt , ohne Einfluß blieb , schritten sie zu einer förmlichen Anklageschrift , in der sie dem Kloster all seine vorgeblichen Vergehen und Eingriffe entgegenhielten . Diese Anklageschrift enthielt , unter vielen anderen Paragraphen , drei Hauptpunkte : 1. Das Kloster habe ihnen , den Quitzows , zweimal den Landschoß verweigert , wiewohl sie doch die » Statthalter in Mark Brandenburg « wären . 2. Das Kloster habe den Quitzowschen Knechten auf seinen , des Klosters , Gütern jedes Einlager verweigert und die Zuwiderhandelnden mit Mord bedroht . 3. Endlich , das Kloster habe dabei beharrt , die Havel bei Schloß Plaue als sein Eigentum anzusehen , während sie doch ihnen , den Quitzows , als den zeitigen Besitzern von Schloß Plaue gehöre , denn weil das Wasser bei dem Schlosse sei , so müßte es auch zu dem Schlosse gehören , und führe das Schloß nicht umsonst den Namen » Schloß Plaue an der Havel « . Abt Heinrich erwiderte auf alle Anklagepunkte in würdiger Weise , alle seine Aussagen urkundlich belegend . Er wies aus den Schenkungsurkunden und verbrieften Gerechtsamen des Klosters nach , daß sie , Abt und Mönche , erstens ihre Güter » in aller Freiheit « besäßen und niemals Landschoß zu zahlen gehabt hätten , daß es zweitens zu ihren vielfach verbrieften Gerechtsamen gehöre , keine Herren , keine Lehnsträger , Ritter oder Knechte wider Willen aufnehmen zu müssen , und daß sie drittens die Havel bei Plaue seit so langer Zeit als Eigentum besäßen , » daß niemand dessen anders gedenken möge « . Dieser dritte Punkt , weil es sich dabei um eine Eigentumsfrage handelt , die den praktischen Leuten des Mittelalters immer die Hauptsache war , bekümmerte den Abt nun ganz besonders . Da man sich nicht einigen konnte , wurden Schiedsrichter vorgeschlagen , wobei Hennig von Stechow und Hennig von Gröben als Abgesandte oder Mandatare der Quitzows auftraten . Das Recht des Klosters indessen war zu klar , als daß die eigenen Vertrauensmänner ( Stechow und Gröben ) der Gegenpartei es hätten übersehen oder umdeuten können , und so beschworen sie den Hans von Quitzow , » daß er um Gottes und seiner eigenen Seligkeit willen mit dem Abte nicht hadern und das Kloster samt seinen Gütern und Besitzungen nicht anfechten möge « . Aber die Quitzows – die vielleicht aus politisch-strategischen Gründen in dieser Frage besonders hartnäckig waren – beharrten auf ihrer Forderung und das Kloster mußte schließlich nicht nur auf sein Flußrecht Verzicht leisten , sondern auch noch weitere hundert Mark Silber zahlen , um sich guter Nachbarschaft und der Wohlgewogenheit der mächtigen Familie zu versichern . Diese Nachgiebigkeit und die damit verknüpften Schädigungen mögen dem Kloster schwer genug angekommen sein ; nachdem die Opfer aber einmal gebracht und mittelst derselben die Freundschaft und die guten Dienste der alles vermögenden Quitzowsippe gewonnen waren , lag es nun auch in der Politik des Klosters , diese Freundschaft zu pflegen und dadurch den eignen Vorteil nach Möglichkeit zu fördern . Die Niederlage blieb unvergessen , aber solange kein Stärkerer da war , um diese Niederlage zu rächen , wurde das Joch in Klugheit und Ergebenheit getragen . Aber dieser Stärkere kam endlich , und ob es nun wieder nur die alte Klosterklugheit war , die in dem Nürnberger Burggrafen sofort den Stärkeren erkannte , oder ob in diesem Falle der heimliche Groll mitwirkte , der all die Jahre über , unter der Maske guter Freundschaft , gegen die Quitzows unterhalten worden war – gleichviel , kaum daß der erste Hohenzoller ernstlich Miene machte , eine eigene Macht zu etablieren und den Übermut seiner Widersacher zu demütigen , so sehen wir auch schon Kloster Lehnin unter den Hilfstruppen des neuen Landesherrn , der , anders eingreifend als wie all die Stadthalter und Hauptleute vor ihm , in acht Tagen die vier Quitzowburgen und mit ihren Burgen auch ihr Ansehen brach . Die Klosterleute von Lehnin lagen samt den Bürgern von Beelitz , Jüterbog und Treuenbrietzen , vor Schloß Beuthen und warteten , wie berichtet wird , die Ankunft » der großen Büchse « , der sogenannten faulen Grete , ab . Ihr kriegerisches Verdienst scheint also , dieser Andeutung nach zu schließen , kein besonders hervorragendes gewesen zu sein und lediglich in einem geduldigen und möglichst gesicherten Davorstehen bestanden zu haben . Schwerlich empfanden Abt und Konvent einen Gram darüber . Es lag ihnen nicht an Kriegsruhm , sondern , wie immer , lediglich an Mehrung und Förderung der Klosterinteressen , an wachsendem Besitz und – guter Nachbarschaft . Diese gute Nachbarschaft hatte Lehnin , das mit den Rochows grenzte , ein halbes Jahrhundert schmerzlich vermissen müssen . Jetzt traf es sich , daß der Ausgang des Quitzowstreits unserm Kloster erwünschte Gelegenheit bot , sich auch dieser » guten Nachbarschaft « auf lange Zeit hin zu versichern . In Burg Golzow ( dem alten Rochowsitz , in der Nähe Lehnins ) war Wichard von Rochow , der treue Anhänger der Quitzows , gefangengenommen worden . Durch Vermittlung des Abtes , der allen Groll zur rechten Zeit zu vergessen wußte , ward ihm jetzt , dem Wichard , allerdings erst nach Abtretung Potsdams an den Kurfürsten , die Freiheit und – Schloß Golzow zurückgegeben . Beide Teile , der Kurfürst und die Rochows , wußten es dem Vermittler Dank , und dem Kloster waren zwei Freunde gewonnen . – Abt Heinrich Stich starb wahrscheinlich um 1432 . Abt Arnold ( etwa von 1456 bis 1467 ) Die Amtsführung des Abtes Heinrich von 1399 bis etwa um 1432 war in eine unruhige Zeit gefallen , und wir sehen all die Zeit über das Kloster in seinen Verwickelungen nach außen ; die Regierung des Abtes Arnold fällt in friedlichere Tage , und die Urkunden , aus jener Zeit her , gönnen uns ausschließlich wieder einen Blick in innere Streitigkeiten . Sie berichten über Zerwürfnisse , die an die Zustände unter Abt Hermann erinnern , wie wir dieselben , in vorstehendem , nach den Aussagen » Dietrichs von Ruppin « geschildert haben . Hier wie dort begegnen wir Parteiungen und einem siegreichen Auftreten der Majorität , nur mit dem Unterschiede , daß sich Abt Hermann , in seinem Terrorismus , auf die Majorität des Konventes stützte , während Abt Arnold gegen diese Majorität ankämpfte und in diesem Kampfe unterlag . Die Urkunden aus der etwa zehnjährigen Zeit seiner Verwaltung sind ziemlich zahlreich und sprechen nicht gegen den Abt . Streitigkeiten werden geschlichtet , Vergleiche getroffen , Ländereien empfangen oder ausgegeben – nirgends erhellt aus ihnen ein Zerwürfnis zwischen Abt und Konvent . So verlaufen anscheinend die Dinge , bis wir , gleich aus den ersten Urkunden , die in die Regierungszeit seines Nachfolgers fallen , in Erfahrung bringen , daß Abt Arnold » wegen unstatthafter Veräußerung von Klostergütern « abgesetzt und Prior Gallus an seiner Statt ernannt worden sei . Wir erfahren ferner , daß inzwischen das Kloster Altenberg den Arnoldus zum Abte gewählt , und dieser letztere , von seinem jetzigen , dem Altenberger Kloster aus , eine heftige Schmähschrift ( libellum infamiae ) gegen den Prior und die Mönche von Kloster Lehnin gerichtet , diese Schmähschrift auch gleichzeitig als Anklageschrift beim Generalkapitel in Cîteaux eingereicht hatte . Diese Anklageschrift nun , von dem ehemaligen Abte des angeklagten Klosters ausgehend , scheint , wie begreiflich , ihre Wirkung auf das Generalkapitel nicht verfehlt zu haben , und so sehen wir denn im März 1469 die Äbte von Heilsbronn und Erbach als ernannte Untersuchungskommission in Lehnin eintreffen . Aber gleichzeitig mit ihnen treffen auch , als Zeugen in der Sache zur Begutachtung vorgeladen , die Äbte dreier märkischer Klöster , von Zinna , Chorin und Himmelpfort ein und bezeugen durch ihre Aussage , daß Abt Arnold in der Tat willkürlich das Klostergut veräußert und somit die Absetzung seitens des Klosterkonvents ( der sich dabei lediglich innerhalb seiner Befugnisse gehalten ) durchaus verdient habe . » Was seine Schmähungen aber gegen die sittliche Führung des Klosters angehe , dem er so lange vorgestanden , so treffe ihn – selbst wenn diese Schmähungen begründet sein sollten – die Hauptverantwortlichkeit , da es in zehnjähriger Führung seine Aufgabe gewesen sein würde , diesem Verfall der Sitte zu steuern . « Auch der Kurfürst Friedrich der Eiserne , in einem an die Kommissarien gerichteten Briefe , nimmt Partei für den Konvent gegen den abgesetzten Abt , und so sehen wir denn , ohne daß ein urkundliches Urteil der Kommissare in dieser Streitsache vorläge , den neuen Abt in seinem Amte verbleiben – eine Tatsache , die genugsam spricht . Über den Inhalt der Schmähschrift , des » libellum infamiae « , erfahren wir nichts ; es wird ein Verzeichnis der alten Klostersünden gewesen sein , wie sie entweder überall vorkamen oder doch überall berichtet wurden . Wenn nun einerseits diese Absetzung Abt Arnolds und seine darauf geschriebene Schmähschrift abermals dartun , daß die Tage Kloster Lehnins durchaus nicht so stillidyllisch verliefen , wie wohl je zuweilen berichtet worden ist , so gewähren uns andrerseits die betreffenden Urkunden noch ein besonderes Interesse dadurch , daß sie die Frage in uns anregen : wer war dieser Abt Arnold ? welchen Charakters ? war er im Recht oder im Unrecht ? Freilich nur wenige Anhaltepunkte sind uns gegeben , aber sie rechtfertigen die Vermutung , daß er ebensosehr ein Opfer seiner geistigen Überlegenheit wie seiner Übergriffe war . Wahrscheinlich gingen diese Übergriffe zum Teil erst aus dem Bewußtsein seiner Überlegenheit hervor . Er war , so schließen wir aus einer Reihe kleiner Züge , das , was wir heutzutage einen genialischen , aber querköpfigen Gelehrten nennen würden , sehr gescheit , sehr selbstbewußt , sehr eigensinnig , dabei lauteren Wandels , aber launenhaft und despotisch von Gemüt . Wem schwebten , aus eigener Erfahrung , nicht Beispiele dabei vor ! Die Gelehrtenwelt , in ihren besten und energischsten Elementen , war immer reich an derartigen Charakteren . Was speziell unsern Abt Arnold angeht , so scheint es , das Kloster wollte ihn los sein , weil er geistig und moralisch einen unbequemen Druck auf den Konvent ausübte . Daß er , um seines Wissens wie um seines Wandels willen , eines nicht gewöhnlichen Ansehens genoß , dafür spricht nicht nur der Umstand , daß ihn die Urkunden einen sacrae theologiae professor nennen , sondern mehr noch die Tatsache , daß er unmittelbar nach seinem Austritt aus dem Lehniner Kloster zum Abt von Altenberg erwählt wurde . Altenberg , seinerzeit ein berühmtes Kloster , liegt in der Rheinprovinz , in der Nähe von Koblenz . Wir möchten daraus beinahe schließen , daß er ein Rheinländer , jedenfalls ein Fremder war und an der märkischen Art ebensosehr Anstoß nahm , als Anstoß erregte . Abt Valentin ( etwa von 1509 bis 1542 ) Valentin war der letzte Abt des Klosters . Die Erscheinung , die sich so oft wiederholt , daß ersterbende Geschlechter und Institutionen vor ihrem völligen Erlöschen noch einmal in altem Glanze aufblühen , wiederholte sich auch hier , und die mehr denn dreißigjährige Regierung des Abtes Valentin bezeichnet sehr wahrscheinlich den Höhepunkt im Leben des Klosters überhaupt . Freilich haben wir dabei die glänzende fünfundzwanzigjährige Epoche bis 1535 von der darauffolgenden kurzen Epoche bis 1542 , die schon den Niedergang bedeutet , zu trennen . Wir sprechen von der Glanzepoche zuerst . Der Besitz – nach den kurzen Gefährdungen während der Quitzowzeit – war von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gewachsen und umfaßte in den Jahren , die der Reformation unmittelbar vorausgingen , zwei Marktflecken , vierundsechzig Dörfer , vierundfünfzig Fischereien , sechs Wasser- und neun Windmühlen , vierzehn große Forsten , dazu weite Äcker , Wiesen und Weinberge . Jeder Zweig des Betriebs stand in Blüte ; die Wolle der reichen Schafherden wurde im Kloster selbst verarbeitet , und die treffliche Wasserverbindung , mittelst der Seen in die Havel und mittelst der Havel in die Elbe , sicherte dem Kloster Markt und Absatzplätze . Reich und angesehen wie das Kloster , so angesehen und verehrt war sein Abt . Das Volk hing ihm an , und der Kurfürst Joachim I. – der ihn seinen » Gevatter « nannte , seit Abt Valentin bei der Taufe des zweiten kurfürstlichen Prinzen , des späteren Markgrafen Johann von Küstrin , als Taufzeuge zugegen gewesen war – war dem Abt zu Willen in vielen Stücken . 1509 sprach Joachim die Befreiung des Klosters von kurfürstlichem Jagdeingelage » auf Lebenszeit des Abtes « aus , und 1515 ging er weiter und machte aus der zeitweiligen Befreiung eine Befreiung auf immer . Daß das Kloster selber den Tod Valentins nicht überleben würde , entzog sich damals , 1515 , noch jeder Berechnung und Voraussage . Die Wirren und Kämpfe , die bald folgten , ketteten den Kurfürsten , so scheint es , nur fester an unseren Lehniner Abt , und wir dürfen wohl annehmen , daß die Ratschläge dieses seines » Rates und Gevatters « nicht ohne Einfluß auf die Entschlüsse waren , die ihn , der Strömung der Zeit und den Verschwörungen der Kurfürstin gegenüber , bei der alten Lehre beharren ließen . Dies einfach als Hartnäckigkeit zu deuten , wäre Torheit ; es war das Wirken einer festen Überzeugung , was ihn das Schwerere wählen und – gegen den Strom schwimmen ließ . Joachim , fest wie er in seinem Glauben war , war auch fest in seiner Liebe zu Kloster Lehnin , und wiewohl er sich mit keiner Idee lieber und herzlicher getragen hatte , als mit der Gründung eines großen Domstiftes zu Cölln an der Spree ( wie es später unter Joachim II. auch wirklich ins Leben trat ) , so wollte er doch in Lehnin begraben sein , an der Seite seines Vaters , in der Gruft , die schon die alten Askanier ihrem Geschlecht erbaut hatten . Und unser Lehniner Abt , wie er all die Zeit über der Vertraute seines Fürsten war , so war er auch der Vertrauensmann der Geistlichkeit , und der zunächst Auserwählte , als es galt , den » moenchischen Lärmen « zu beschwichtigen , der in dem benachbarten Wittenberg immer lauter zu werden drohte . Unser Abt schien in der Tat vor jedem andern berufen , durch die Art seines Auftretens , durch Festigkeit und Milde , dem » Umsichgreifen der Irrlehre « , wie es damals hieß , zu steuern , und als Beauftragter des Brandenburger Bischofs Hieronymus Scultetus erschien er in Wittenberg , um den Augustinermönch zu warnen . Sein Erscheinen scheint nicht ohne Einfluß auf Luther geblieben zu sein , der nicht nur seinem Freunde Spalatinus bemerkte : » wie er ganz beschämt gewesen sei , daß ein so hoher Geistlicher ( der Bischof ) einen so hohen Abt so demütig an ihn abgesandt habe « , sondern auch am 22. Mai 1518 dem Bischof von Brandenburg schrieb : » Ich erkläre hiermit ausdrücklich und mit klaren Worten , daß ich in der Sache des Ablasses nur disputiere , aber nichts feststelle . « Abt Valentin , wie wir annehmen dürfen , ging viel zu Hofe , aber wenn schon er häufiger in dem Abthause zu Berlin als in dem Abthause des Klosters selber anwesend sein mochte , so war er doch nicht gewillt , um Hof und Politik willen den unmittelbaren Obliegenheiten seines Amtes , der Fürsorge für das Kloster selber , aus dem Wege zu gehen . Wir sehen ihn , wie er sich das Wachstum , die Gerechtsame , vor allem auch die Schönheit und die Ausschmückung seines Klosters angelegen sein läßt ; er schenkt Glocken , er errichtet Altäre , vor allem zieht er die unter Dürer , Cranach , Holbein eben erst geborene deutsche Kunst in seinen Dienst und ziert die Kirche mit jenem prächtigen Altarschrein , 7 der bis auf diesen Tag , wenn auch an anderem Ort , als ein Kunstwerk ersten Ranges erhalten , damals der Stolz des Klosters , die Bewunderung der Fremden war . Die wohl erhaltene Unterschrift : » Anno dni : 1518 . Sub . d. valentino Abbate « hat in aller Sichtlichkeit den Namen Abt Valentins bewahrt . Über fünfundzwanzig Jahre waren die Wirren der Zeit an Abt Valentin vorübergegangen , das Ausharren seines kurfürstlichen Herrn hatte ihn vor den schwersten Kümmernissen bewahrt , da kam , fast unmittelbar nach dem Regierungsantritt Joachims II. , die sogenannte » Kirchenvisitation « , und auch Lehnin wurde ihr unterworfen . Man verfuhr nicht ohne Milde , nicht ohne Rücksicht in der Form , aber in Wahrheit erschienen die Visitatoren zu keinem andern Behuf , als um dem Kloster den Totenschein zu schreiben . Draußenstehende fingen an , es in ihre » Obhut « zu nehmen , man stellte es unter Kuratel . Es wurde dieses » In-Obhutnehmen « von Abt und Kloster auch durchaus als das empfunden , was es war , und ein schwacher Versuch der Auflehnung , ein passiver Widerstand , wurde geübt . Als es sich darum handelte , einem der Klosterdörfer einen neuen Geistlichen zu geben , wurde der alte Abt Valentin aufgefordert , die übliche Präsentation , die Einführung des Geistlichen in die Gemeinde , zu übernehmen . Abt Valentin lehnte dies ab , weil er es verschmähte , der Beauftragte , der Abgesandte protestantischer Kirchenvisitatoren zu sein . Darüber hinaus aber ging er nicht . Zu hofmännisch geschult , um dem Sohn und Nachfolger seines heimgegangenen Kurfürsten eine ernste Gegnerschaft zu bereiten , zu schwach für den Kampf selbst , wenn er ihn hätte kämpfen wollen , unterwarf er sich dem neuen Regiment , und schon zu Neujahr 1542 bittet er den Kurfürsten nicht nur , » ihm und seinem Kloster auch bei veränderten Zeitläufen allezeit ein gnädigster Herre zu sein « , sondern fügt auch den Wunsch bei , » daß seine kurfürstliche Durchlaucht ihm und seinen Fratribus , wie bisher , etzliches Wildpret verehren möge . « So verläuft der Widerstreit fast in Gemütlichkeit , bis im Laufe desselben Jahres der alte Abt das Zeitliche segnet . Sein Tod macht den Strich unter die Rechnung des Klosters . Keine Rücksichten auf den » alten Gevatter des Vaters « hemmen länger die Aktion des Sohnes , und der Befehl ergeht an die Mönche : keinen neuen Abt zu wählen . Den Mönchen selber wird freigestellt , ob sie » bleiben oder wandern « wollen , und die Mehrzahl , alles was jung , gescheit oder tatkräftig ist , wählt das letztere und wandert aus . 8 Die Alten blieben . Ob sie im Kloster selber ruhig weiterlebten , oder aber , wie andrerseits versichert wird , in dem dritthalb Meilen entfernten , dicht bei Paretz gelegenen Klosterdorfe Neu-Töplitz sich häuslich niederließen , ist nicht mehr mit voller Gewißheit festzustellen gewesen . Gleichviel aber , wo sie den Rest ihrer Tage beschlossen . sie beschlossen sie ruhig , friedfertig , ergeben , ohne jede Spur von Märtyrerschaft , ohne den kleinsten Schimmer von jenem Goldglanz um ihr Haupt , den zu allen Zeiten das Einstehen für eine Idee verliehen hat . Die letzten Lehniner standen für nichts ein , als für sich selbst , und das letzte Lebenszeichen , das wir , überliefert von ihnen , besitzen , ist eine Bitte des » Priors , Subpriors und Seniors so zu Lehnin verharren « , worin sie ihren gnädigsten Herrn und Kurfürsten ersuchen , unter vielen anderen Dingen jedem einzelnen auch folgendes zu gewähren : Mittagessen : vier Gerichte ; Abendessen : drei Gerichte ; Bier : eine Tonne wöchentlich ; Wein : acht Tonnen jährlich ; außerdem zu Neujahr und zu Mitfasten einen Pfefferkuchen . So erlosch Lehnin . Das vierhundertjährige Klosterleben , das mit der Ermordung Abt Sibolds begonnen hatte , schrieb zum Schluß einen Bitt und Speisezettel , es den Räten ihres gnädigsten Kurfürsten überlassend , » an den obgemeldeten Artikeln zu reformieren nach ihrem Gefallen . « 3. Kloster Lehnin , wie es war und wie es ist 3. Kloster Lehnin , wie es war und wie es ist Kapellen Das Schiff umstellen ; In engen Gängen Die Lampen hängen , Und werfen ihre düstren Lichter Auf grabstein-geschnittene Mönchsgesichter * Nach Waltham-Abtei hierher alsdann Sollt ihr die Leiche bringen , Damit wir christlich bestatten den Leib Und für die Seele singen . H. Heine Lehnin war nicht nur das älteste Kloster in der Mark , es war auch , wie schon hervorgehoben , das reichste , das begütertste , und demgemäß war seine Erscheinung . Nicht daß es sich durch architektonische Schönheit vor allen andern ausgezeichnet hätte – nach dieser Seite hin wurde es von Kloster Chorin übertroffen – aber die Fülle der Baulichkeiten , die sich innerhalb seiner weitgespannten Klostermauern vorfand , die Gast- und Empfangs- und Wirtschaftsgebäude , die Schulen , die Handwerks- und Siechenhäuser , die nach allen Seiten hin das eigentliche Kloster umstanden , alle diese Schöpfungen , eine gotische Stadt im kleinen , deuteten auf die Ausgedehntheit und Solidität des Besitzes . Der stattliche Mittelpunkt des Ganzen , die zahlreichen Giebel überragend , war und blieb die hohe Klosterkirche , deren mit Kupfer gedeckter Mittelturm dunkel bronzefarben in der Sonne glänzte . Diese Kirche selbst war ihrer Anlage nach eher schlicht als schön , mehr geräumig als prächtig , aber das Leben und Sterben der Geschlechter , Hoffnung und Bangen , Dank und Reue hatten die weiten Räume im Laufe der Jahrhunderte belebt , und die ursprünglich kahlen Wände und Pfeiler waren unter der Buntheit der Dekoration , unter dem wachsenden Einfluß von Licht und Farbe , von Reichtum und Schmuck zu einem immer schöneren und immer imposanteren Ganzen geworden . Seitenaltäre mit Bildern und Kruzifixen , Nischen mit Marienbildern und ewigen Lampen ( oft gestiftet , um schwere Untat zu sühnen ) zogen sich an Wand und Pfeiler hin , in den langen Seitenschiffen aber lagen die Leichensteine der Äbte , ihr Bild mit Mütze und Krummstab tief in den Stein geschnitten , während an der gewölbten Decke hin , schlanken Leibes und lächelnden Gesichts , die reichvergoldeten Gestalten der Heiligen und Märtyrer schwebten . In einer der Seitenkapellen lag der Grabstein Abt Sibolds , den die Nahmitzer erschlagen hatten . Einem reichen Schmuck an Bildwerken , an Erinnerungszeichen aller Art , begegnete der Besucher , wenn er vom Mittelpunkt der Kirche aus in das Längsschiff und die Seitengänge desselben niederblickte , aber die eigentliche Bedeutung von Kloster Lehnin erschloß sich ihm erst , wenn er , den Blick nach Westen hin aufgebend , sich wandte , um , statt in das Längsschiff hernieder , in den hohen Chor hinaufzusehen . Unmittelbar vor ihm , in den Fußboden eingelassen , sah er dann , schlicht und unscheinbar , den Stumpf der Eiche , unter der Markgraf Otto , der Gründer des Klosters , seinen Traum gehabt hatte ; zwischen dem Stumpf und dem Altar aber lagen die Grabsteine der Askanier , elf an der Zahl , die hier innerhalb des Klosters , das ihr Ahnherr ins Leben gerufen , ihre letzte Ruhe gesucht und gefunden hatten . Elf Askanier lagen hier , und einträchtig neben ihnen drei aus dem Hause der Hohenzollern , Friedrich mit dem Eisenzahn , Johann Cicero und Joachim I. Dieser stand nur ein einzig Jahr in der Gruft ( von 1535 – 1536 ) , dann wurde sein Sarg , wie der Sarg seines Vaters und Großoheims , nach Berlin hin übergeführt , wo ihnen im Dom eine Stätte bereitet war . Jener Tag der Überführung der drei Särge von Lehnin nach dem Dom in Cölln an der Spree war recht eigentlich der Todestag Lehnins . Die Güter wurden eingezogen , und innerhalb zwanzig Jahren war die Umwandlung vollzogen – der Klosterhof war ein Amtshof geworden . Der Krieg kam und begann sein Werk der Zerstörung , aber schlimmer als die Hand der Schweden und Kaiserlichen , die hier abwechselnd ihr Kriegswesen trieben , griffen in Zeiten tiefsten Friedens die Hände derer ein , die am ehesten die Pflicht gehabt hätten , diese alte Stätte zu schützen und zu wahren : die Um- und Anwohner selbst . Freilich waren diese Um- und Anwohner zumeist nur solche , die weder selbst , noch auch ihre Väter und Vorväter , das alte Lehnin gekannt hatten . 1791 waren Landleute aus der Schweiz nach Amt Lehnin berufen worden , um bessere Viehzucht daselbst einzuführen . Kloster Lehnin wurde nun ein Steinbruch für Büdner und Kossäten und Haue und Pickaxt schlugen Wände und Pfeiler nieder . Die Regierungen selbst , namentlich unter Friedrich Wilhelm I. , nahmen an diesem Vandalismus teil , und weil die ganze Zeit eine die Vergangenheit schonende Pietät nicht kannte , so geziemt es sich auch nicht , dem einzelnen einen Vorwurf daraus zu machen , daß er die Anschauungsweise teilte , die damals die gültige war . Kloster Lehnin , wäre es nach dem guten Willen seiner Schädiger gegangen , würde nur noch eine Trümmerstätte sein , aber das alte Mauerwerk erwies sich als fester und ausdauernder als alle Zerstörungslust , und so hat sich ein Teil des Baues , durch seine eigene Macht und Widerstandskraft , bis in unsere Tage hinein gerettet . Werfen wir einen Blick auf das , was noch vorhanden ist , von der Kirche sowohl wie von der ganzen Klosteranlage überhaupt . Der älteste Teil , der romanische , steht ; der gotische Teil liegt in Trümmern . Da wo diese Trümmer an den noch intakt erhaltenen Teil der Kirche sich lehnen , hat man jetzt eine Quermauer gezogen und mit Hilfe dieser das Zerfallene von dem noch Erhaltenen geschieden . Das lange gotische Schiff hat dadurch freilich aufgehört ein Längsschiff zu sein und ist ein Kurzschiff geworden ; die Seitenschiffe fehlen ganz , und die Pfeilerarkaden , die früher die Verbindung zwischen dem Hauptschiff und den zwei Seitenschiffen vermittelten , bilden jetzt , nach Vermauerung ihrer Rundbogen , die Seitenwände jenes einen kurzen Schiffes , das überhaupt noch vorhanden ist . An die Stelle frischer Farben ist die leblose weiße Tünche getreten , und reparaturbedürftige Kirchenstühle , über denen sich , an einer Seite des Schiffs , eine ebenfalls hinfällige Empore mit vergilbten Brautkronen und Totenkränzen entlangzieht , steigern eher die Dürftigkeit des Anblicks , als daß sie sie minderten . Den Fußboden entlang , abgetreten und ausgehöhlt , liegen rote Fliesen ; die Grabsteine sind fort , ebenso die schwebenden Heiligen mit roten Bändern und Goldschein hoch oben an der Decke . Alles was einst glänzte und leuchtete , ist hin . Der schon erwähnte Altarschrein mit Schnitzwerk und Bilderpracht hat seine Stelle gewechselt , und statt des Purpurs und Brokats ist die übliche schwarzwollene Decke , die mehr zu einem Trauer- als zu einem Freudenmahle paßt , über den schlichten Altartisch gebreitet . Nur der alte , halb zu Stein gewordene Eichenstumpf , einstens die lebendige Wurzel , aus der dieses Kloster erwuchs , ist ihm geblieben und hat alles überdauert , seinen Glanz und seinen Verfall . Nichts mehr von Nischen und Marienbildern , von Kapellen und askanischen Grabsteinen ; nur Otto VI. , auch Ottoken genannt , Schwiegersohn Kaiser Rudolphs von Habsburg , der als Akoluth des Klosters verstarb , behauptet – auch in künstlerischer Beziehung ein interessantes Überbleibsel aus geschwundener Zeit – seinen Ehrenplatz an alter Stelle . Sein Grabstein liegt mitten im hohen Chor . Die Erinnerungszeichen an Abt Sibold sind zerstört ; seine Begräbniskammer , die noch im vorigen Jahrhundert existierte , ist niedergerissen , und statt des Grabsteins des Ermordeten , der fünf Jahrhunderte