Kleidung von dem Rest der Nation und trugen Bart und Haar lang herabwallend , während die übrigen Ranen Bart und Haar geschoren trugen . Sie gehörten zu den Edlen des Landes ; kriegerische und priesterliche Tätigkeit galt überhaupt den Wenden als wohl vereinbar . Auch hier in Arkona diente das » weiße Pferd « zur Zeichendeuterei . Alle Poesie knüpfte sich an dasselbe . Nicht selten fand man es des Morgens mit Schaum und Schmutz bedeckt in seinem Stall ; dann hieß es , Swantewit selber habe das Pferd geritten und es im Streit gegen seine Feinde getummelt . Die Formen , unter denen das Orakel erteilt oder die Frage » Krieg oder Friede « entschieden wurde , waren denen in Rethra nah verwandt , aber doch nicht voll dieselben . Drei Paar gekreuzte Lanzen wurden in den Boden gesteckt und das Pferd herangeführt . Schritt es nun mit dem rechten Fuß zuerst über die Speere , so war das Zeichen glücklich , unglücklich , wenn das Tier den linken Fuß zuerst aufhob . Entschiedenes Heil aber versprach das Orakel nur , wenn das weiße Pferd über alle drei Lanzenpaare mit dem rechten Fuß hingeschritten war . Der Swantewittempel auf Arkona war das letzte Bollwerk des Heidentums . Es fiel endlich , wie schon hervorgehoben , in den Dänenkämpfen , im Kriege mit » Waldemar dem Sieger « , nachdem es nicht nur den Radegasttempel Rethras , wenigstens den Ruhm desselben , um ein Jahrhundert , sondern auch den uns in gewissem Sinne näher angehenden Triglawtempel zu Brennabor um zwanzig und einige Jahre überlebt hatte . Dieser Triglawtempel , wenn auch für die Gesamtheit der Wenden nur ein Tempel zweiten Ranges , erheischt noch ein kurzes Verweilen . Triglaw war eine ursprünglich pommersche Gottheit und wurde , wie es scheint , erst in späterer Zeit , sei es aus Eifersucht oder sei es aus Mißtrauen gegen den Radegast ( in Rethra ) von Pommern her in die Havelgegenden eingeführt . In Kürze haben wir ihn schon an anderer Stelle beschrieben . Er hatte drei Köpfe , weil er Herr im Himmel , auf Erden und in der Unterwelt war , und sein Gesicht war verhüllt , zum Zeichen , daß er die Sünden der Menschen übersah und verzieh . In seinen Händen hielt er einen gehörnten Mond , ein Symbol , über dessen Bedeutung nur Vermutungen existieren . Seinen Haupttempel hatte er in Stettin , der den Schilderungen nach , die wir davon besitzen , den aus Holz aufgeführten , mit Bildwerk und Schnitzereien ausgeschmückten Tempeln in Rethra und Arkona sehr verwandt gewesen sein muß . Auch der Triglawdienst war dem Dienst des Radegast oder Swantewit mehr oder weniger verwandt . Die Zeichen wurden in ähnlicher Weise gedeutet , das Roß schritt über die gekreuzten Lanzenspitzen hin , und das Berühren dieser oder jener Lanze mit dem einen oder andern Fuß – alles hatte seine Bedeutung zum Heil oder Unheil . Nur das Roß selbst war nicht weiß , sondern schwarz , vielleicht weil Triglaw selbst mehr den finstern als den lichten Göttern zugehörte . Um 982 , unmittelbar nach dem großen Wendenaufstande , war es , daß nunmehr diesem Triglaw zu Ehren auch in Brennabor ein Tempel errichtet wurde . Derselbe erhob sich auf dem Harlungerberge und sah triumphierend in das dem Heiden- und Wendentum wieder zurückeroberte Land hinein . Es war höchstwahrscheinlich kein Holzbau mehr , wie der Stettiner , sondern ein Steinbau , nach Art der christlichen Steinkapellen 3 , und M. W. Heffter , in seiner trefflichen Geschichte Brandenburgs , stellt sogar die Hypothese auf , daß aus diesem alten heidnischen Tempelbau , zunächst ohne wesentliche Umgestaltung , die später so berühmt gewordene Marienkirche auf dem Harlungerberge hervorgegangen sei . Wir halten dies für wahrscheinlicher als nicht , finden indessen den Beweis dafür weniger in der eigentümlichen Architektur der Kirche , als in dem historisch nachgewiesenen Umstande , daß sich unter den märkischen Wenden der Übergang aus dem Heidentum ins Christentum schließlich in aller Ruhe vollzog , etwa wie vierhundert Jahre später der Übergang aus dem Katholizismus in den Protestantismus . Der Fürst Pribislaw wurde Christ ; das Volk folgte teilweise widerwillig , aber doch vielfach auch willig und zwanglos . Man hatte sich bereits mit- und nebeneinander eingelebt , und der bloße Umstand , daß das gestürzte Bild des Triglaw nicht verbrannt oder zerstört , vielmehr , allen bekannt und allen zugänglich , bis 1526 in einer Seitenkapelle der Marienkirche aufbewahrt wurde ( in welchem Jahre Christian II. von Dänemark es unter Zulassung Joachims I. mit fortnehmen durfte ) , deutet darauf hin , daß die Wandlung der Gemüter sich friedfertig genug vollzogen und der Christengott den Wendengott in aller Stille beiseite gedrängt haben muß . Diese Umwandlung des Triglawtempels in eine Marienkirche erfolgte zwischen 1136 und 1141 . Sechshundert Jahre lang hat dann vom Harlungerberge aus die berühmte Marienkirche ins Land gesehen . Ihre Entstehung drückte das Siegel auf den endlichen Sieg des Christentums über das Heidentum im Lande zwischen Elbe und Oder . Auf der Stätte des Triglawtempels ging ein neues Leben auf , und der dreieinige Gott sprach hinfort statt des dreiköpfigen Gottes zu seinem Volke . So , wie vorstehend geschildert , waren die Wenden zur Zeit der endgültigen deutschen Eroberung 1157 . Es bleibt uns noch die Beantwortung der Frage übrig : Was wurde aus den Wenden ? Sie wurden keineswegs mit Stumpf und Stiel ausgerottet , sie wurden auch nicht einfach zurückgedrängt bis zu Gegenden , wo sie Stammesgenossen vorfanden , – sie blieben vielmehr alle oder doch sehr überwiegenden Teils im Lande und haben in allen Provinzen jenseits der Elbe unzweifelhaft jene Mischrasse hergestellt , die jetzt die preußischen Provinzen bewohnt . Einzelne Historiker haben dies bestreiten wollen , aber wir glauben mit Unrecht . Einmal würde eine solche konsequent durchgeführte Rassengeschiedenheit gegen die historische Überlieferung aller andern Staaten , bei denen ähnliche Verhältnisse obwalteten , sprechen , andererseits dürfte es , von allen Analogien abgesehen , nicht schwerhalten , in achthundert Einzelfällen solche Mischung der beiden Rassen nachzuweisen . Es ist wahr , die Deutschen brachten den Stolz des Siegers mit , ein Rassegefühl , das , auf geraume Zeit hin , eine Schranke gezogen haben mag ; wir halten uns aber nichtsdestoweniger überzeugt , daß , noch ehe die Hohenzollern ins Land kamen , jedenfalls aber noch vor Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts , diese Unterschiede so gut wie verwischt waren . Sie mögen an einzelnen Orten länger bestanden haben , es mag Ortschaften geben , wo sich bis diesen Tag eine Exklusivität findet , die auf jene alte Wendenabneigung zurückzuführen ist , im großen und ganzen aber liegt die Verschmelzung weit zurück . Wir wollen dabei andererseits gern zugeben , daß , wenn innerhalb der seitdem verflossenen Jahrhunderte die Generationen in den Dörfern , säend und erntend , in einem ewigen Wechsel und doch zugleich in einem ewigen Gleichmaß des Friedens aufeinander gefolgt wären , diese Empfindungen und Äußerungen des Rassendünkels vielleicht fortgedauert hätten . Aber » die Not gibt wunderliche Schlafgesellen « , und die Konservierung alter Vorurteile wurde durch die Verhältnisse , durch Brand und Krieg , durch die Gemeinschaftlichkeit des Unglücks unmöglich gemacht . Das Aufeinander-angewiesen-sein riß jede Schranke nieder , die die Fülle selbstbewußten Glücks aufgerichtet hatte . Mehrfach ging der schwarze Tod durch das Land und entvölkerte die Dörfer ; was der schwarze Tod nicht tat , das taten , in nie rastenden Kriegen , die Pommern und Polen , und was die Pommern und Polen nicht taten , das taten die Hussiten . Im Barnim befinden sich vielleicht zwanzig oder dreißig Feldmarken , die Namen wie Wüste-Sieversdorf , Wüste-Gielsdorf , Wüste-Büsow usw. führen , Benennungen aus jener Epoche immer neuer Verödungen her . Die wüst gewordenen Dörfer , namentlich solche , wo einzelne bewohnte Häuser und Hütten stehengeblieben waren , wieder neu zu besetzen , war die Aufgabe der Landesverwaltung , die in Brandenburg von jeher den friderizanischen Satz verfolgte : » Menschen ; vor allem Menschen « . Man freute sich jeden Zuzugs , ohne nach der Rassenabstammung zu fragen . Das deutsche Dorf , in dem vielleicht ein Fritze , ein Hansen , ein Dietrichs wohnte , war froh , einen Kroll , einen Noack , einen Posedin die wüst gewordenen Stätten einnehmen zu sehen , und ebenso die wendischen Dörfer empfingen den deutschen Zuzug mit Freude . Die Namensverzeichnisse im Landbuch von 1375 , wie die Urkunden überhaupt , lassen keinen Zweifel darüber . Alle diese Anführungen haben selbstverständlich nur die Regel , nur die Verhältnisse in ihren großen Zügen schildern sollen , ganz besonders aber die der Mittelmark . Die Mittelmark , im Gegensatz zu den mehr oder- und elbwärts gelegenen Landesteilen , war der eigentliche Mischungsbottich . Die Verhältnisse forderten dazu auf . Auf dem platten Lande war es die Not , in den Städten war es die Gelegenheit , die die Menschen ohne sonderliche Rücksicht auf ihre Abstammung zusammenführte . Die alten Bürgerfamilien freilich beharrten in ihrer Abgeschlossenheit und betrachteten den Wendenkiez um kein Haarbreit besser als ein jüdisches Ghetto , aber dem » Zuzug « gegenüber kamen die alten , alles nach Zunft und Rasse sondernden städtischen Traditionen wenig oder gar nicht in Betracht , und die » kleinen Leute « taten sich zu sammen , unbekümmert um die Frage : wendisch oder deutsch . So lagen die Dinge in der Mittelmark , d.h. also in Teltow und Barnim , im Ruppinschen , in Beeskow-Storkow , in der Westhälfte von Lebus , überhaupt in allen Landesteilen , in denen sich Deutschtum und Wendentum einigermaßen die Waage hielten . Anders freilich war es in West und Ost . Je mehr nach der Elbe zu , je exklusiver hielt sich das Deutschtum , weil es ihm leicht gemacht war , sich aus seinen Stammesgenossen jenseits der Elbe zu rekrutieren ; umgekehrt , je näher der Oder und den eigentlichen slawischen Landen zu , je länger blieb das Wendentum in Kraft . Jetzt indessen , wenige Stätten abgerechnet , ist es im Leben unseres Volkes verschwunden . Es lebt noch fort in der Mehrzahl unserer Städte- und Dorfnamen , in dunklen Erinnerungen , daß in einzelnen , den Namen eines Wendengottes bis heute festhaltenden Lokalitäten ( in Jüterbog , in Gütergotz ) ein Tempel stand , vor allem in den Heidengräbern und Wendenkirchhöfen , die sich allerorten in der Mark verbreitet finden . Aber es ist charakteristisch , daß eben das einzige , was aus der alten Wendenwelt noch zu uns spricht , ein Begrabenes ist . Alles geistig Lebendige ist hinüber . Selbst der Aberglauben und die in ihm wurzelnden Gebräuche , Sitten und Volksweisen , die wohl dann und wann für wendische Überreste gehalten worden sind , lassen sich vielfach auf etwas Urgermanisches zurückführen , das , auch vor den Wenden schon , hier heimisch war . Mit Sicherheit lebt noch Altdeutsches in den Gemütern , und das Volk erzählt von Wodan und Fricke ( Freia ) und von dem Hackelberger Jäger . Aber Radegast und Czernebog sind tot . Das Wendische ist weggewischt , untergegangen in dem Stärkern , in dem germanischen Leben und Gemüt , und nur am Ende der Oder hin , den polnisch-slawischen Landen zu , zeigt sich je zuweilen , neben dem slawisch Heiteren , auch noch jener auf Hartnäckigkeit und Verschlossenheit deutende finstere Zug , der an die alte Zeit und ihre Bewohner mahnt . Die Zisterzienser in der Mark Die Zisterzienser in der Mark Der Morgen graut und lacht der Nacht entgegen , Im Osten leuchtet schon des Lichtes Segen ; Die Finsternis entflieht . Bruder Lorenzo ( Romeo und Julia ) Die beiden Ereignisse , die über das Wendentum an Havel und Spree entschieden , waren die Erstürmung Brennabors am 11. Juni 1157 und unmittelbar darauf , wenn der halb sagenhaften Überlieferung Glauben zu schenken ist , die » Havelschlacht gegenüber dem Schildhorn « , in der Jaczo , der Neffe Pribislaws , und seine noch einmal zusammengeraffte Wendenmacht entscheidend geschlagen wurde . Schon zweihundert Jahre früher , unter den ersten Sachsenkaisern , waren die Deutschen bis ebenfalls an die östliche Havel vorgedrungen , und schon damals waren , in ihren ersten Anfängen wenigstens , der Havelberger und Brandenburger Dom gegründet worden , aber Leichtsinn , Unklugheit , Grausamkeit von seiten der Sieger hatten zunächst zu Auflehnungen der Besiegten und endlich zu völliger Abschüttelung des Jochs geführt . Das alte Wendentum war auf einhundertundfünfzig Jahre hin wieder glänzend aufgeblüht . Jetzt , nach der Niederwerfung Jaczos , war es zum zweiten Mal unterlegen , und es galt nunmehr , die Mittel und Wege ausfindig zu machen , um einer abermaligen Auflehnung vorzubeugen . Albrecht der Bär , von dem es im Volksliede heißt : Heinrich de Leuw und Albrecht de Bar , Dartho Frederik mit den roden Haar , Dat waren dree Herren , De kunden de Welt verkehren – dieser Albrecht der Bär war just dazu angetan , diese Mittel ausfindig zu machen und das früher durch Unklugheit Gescheiterte durch Mut und Ausdauer endgültig siegreich hinauszuführen . Es ist bekannt , daß er , nach Plan und System , die Kolonisierung des Landes begann ; zu den Kirchen und Burgen aber , die schon einmal die Bekehrung und Beherrschung des Landes versucht hatten , gesellte er , als ein neues , drittes , die Vereinigung von Burg und Kirche – die Klöster . Mönche wurden ins Land gerufen , vor allem die Zisterzienser , ein Orden , der eben damals auf seinem europäischen Siegeszuge bis an die Saale und Unstrut vorgedrungen war . Da diesem überall hin pionierenden Orden die Aufgabe zufiel , auch namentlich für die Kultur und geistige Eroberung der Mark von hervorragender Bedeutung zu werden , so mag es gestattet sein , bei seiner Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte einen Augenblick zu verweilen und das Fortschreiten desselben auf seinen großen Etappen von West nach Ost zu begleiten . Die ersten Klöster , die zumal in Süd- und Westeuropa ins Leben gerufen wurden , waren Benediktinerklöster , d.h. Klöster , in denen die Regeln des heiligen Benedikt : Gehorsam , Armut , Keuschheit , die Fundamentalsätze alles Klosterlebens , Geltung hatten . Die Benediktiner übten diese Tugenden jahrhundertelang , aber jene Epoche , die den Kreuzzügen unmittelbar vorausging , war eine Epoche des kirchlichen , mindestens des klösterlichen Verfalls , ganz in ähnlicher Weise , wie derselbe fünf Jahrhunderte später zum zweiten Mal in die Geschichte eintrat , und » sittliche Reform « , worauf zunächst die Reformation gerichtet war , war eine Parole , die , wie vielfach während des Lebens der Kirche , so auch um die Zeit der ersten Kreuzzüge gehört wurde . Dies Ringen nach Reform , nach Wiederherstellung jener Klosterheiligung , wie sie die ersten Klöster gekannt hatten , gab Veranlassung zur Gründung eines neuen Ordens . Dieser neue Orden war der der Zisterzienser . Sein nächster Zweck war nicht Abzweigung vom Benediktinertum , aus dem er hervorging , sondern Wiederherstellung desselben in seiner Ursprünglichkeit und Lauterkeit . Aber es scheint das Los solcher und ähnlicher Bestrebungen – vielleicht nach jenem Naturgesetz , welches die volle Wiederherstellung von etwas Verschwundenem unmöglich macht – jedesmal zu einer Neuschöpfung zu führen . Zu einer Neuschöpfung , die anfänglich , in aufrichtiger Demut , sich selbst nicht als eine Neuschöpfung betrachtet sehen will und doch , sich selbst zum Trotz , mit jedem Tage mehr eine solche wird . So gingen , gegen den Willen des Gründers , die Zisterzienser aus den Benediktinern hervor . Verfolgen wir , nach diesen allgemeinen Bemerkungen , die Entwicklung des neuen Ordens aus dem alten auch an den Trägern dieser Entwicklung , an den Personen . Robert ( später der heilige Robert ) , Abt des Benediktinerklosters zu Molesme an der Grenze von Champagne und Burgund , gab , um der eingerissenen Verderbtheit willen , die er in seinem eigenen Kloster wahrnahm , das Kloster Molesme auf und zog sich in das unwirtliche , nur mit Dornen und Gestrüpp bewachsene , durch ein Flüßchen kümmerlich bewässerte Tal von Cîteaux ( Cistercium ) in der Nähe von Dijon zurück , um daselbst mit zwanzig anderen Mönchen , die ihm gefolgt waren , getreu nach der ursprünglichen Vorschrift des heiligen Benedikt zu leben . Seine Trennung war eine rein äußerliche und lokale , er hatte sich von seinem Kloster getrennt , nicht von der ursprünglichen Klosterregel , ja , er kehrte nach einjähriger Abwesenheit in Cîteaux , auf Befehl des Papstes , in das Kloster Molesme zurück . Aber unwissentlich war ein neuer Keim gepflanzt , und der bescheidene Versuch , der , wie schon vorstehend angedeutet , eine alte Schöpfung nur neu gestalten sollte , schuf nicht in , sondern neben dem Alten ein Neues . In dem Tale von Cisterz ging ein neues Klosterleben auf . Die Träger dieses neuen Lebens aber waren nicht Benediktiner mehr , sie waren Zisterzienser . Bald zeigte sich die erfolgte Trennung auch in der äußeren Erscheinung , bald auch in den Zwecken und Zielen des Ordens , in der Art , wie er seine Aufgabe faßte . Was die Tracht angeht , so änderte bereits der heilige Alberich , der zweite Abt von Cîteaux , die Kleidung seiner Mönche , und das Kleid , das vorher schwarz gewesen war , wurde weiß mit einem schwarzen Gürtel und schwarzem Skapulier . Nach der schönen Sage des Ordens war seine , des Alberich , schwarze Kleidung unter der Berührung der Heiligen Jungfrau weiß geworden . 4 Wichtiger aber als diese äußeren Abzeichen war die Wandlung , die der neue Zweig der Benediktiner innerlich erfuhr . Er wurde eine Spezialität , er wurde der Orden der Kolonisation . Nie hat ein Orden einen rascheren und gewaltigeren Siegeszug über die Welt gehalten . Aus dem Mutterkloster Cisterz , gegründet 1098 , waren nach fünfzehn Jahren schon vier mächtige Töchterklöster : La Ferté , Pontigny , Morimond und Clairvaux hervorgegangen , den Töchtern folgten wieder Töchter und Enkeltöchter , und ehe ein halbes Jahrhundert um war , war nicht nur ein Netz von Zisterzienserklöstern über das ganze christliche Europa ausgebreitet , sondern auch tief in heidnische Lande hinein waren die Mönche von Cisterz mit dem Kreuz in der Linken , mit Axt und Spaten in der Rechten , lehrend und Acker bauend , bildend und heiligend vorgedrungen . Es war ein in jenen raschen Proportionen sich mehrendes Anwachsen , wie man es auf alten Stammbäumen veranschaulicht sieht , wo , von Generation zu Generation , aus jedem einzelnen Neuzweig wieder zahllos andere neue Zweige sprießen , anwachsend zu Multiplikationen , die der bekannten Verdoppelung der Schachbrettfelder entsprechen . Fünfzig Jahre nach der Gründung des Ordens gab es 500 , hundert Jahre nach der Gründung bereits 2000 Zisterzienserklöster , und Kaspar Jogelinus , ein Deutscher , hat uns allein die Beschreibung von 791 Zisterzienserklöstern hinterlassen . Von diesen 791 Klöstern waren 209 in Frankreich , 126 in England , Schottland und Irland und 109 in Deutschland . Die Frage drängt sich auf , was diesem Orden zu so rapidem Wachstum verhalf und ihm , zwei Jahrhunderte lang , in allen Ländern und allen Höfen ein alles überstrahlendes Ansehen lieh . Es waren wohl drei Ursachen , die zusammenwirkten : die gehobene Stimmung der ganzen christlichen Welt während der Epoche der ersten Kreuzzüge , die wunderbare , mit unwiderstehlicher Gewalt ausgerüstete Erscheinung des heiligen Bernhard , der , aus dem Orden heraus , bald nach Entstehung desselben erwuchs und ihn dann durchleuchtete , und endlich drittens die besondere , schon in aller Kürze angedeutete kolonisatorische Eigenart dieses Ordens , die ihn , in einer Zeit , in der geistig und physisch überall auszuroden und urbar zu machen war , als ein besonders geeignetes Werkzeug sowohl in der Hand der Kirche wie auch des weltlichen Fürstentums erscheinen ließ . 1115 existierten nur fünf Zisterzienserklöster , 1119 bereits vierzehn , aber sämtlich noch innerhalb Frankreichs und auf verhältnismäßig engem Gebiet . Zwanzig Jahre später sehen wir den Orden , in immer rascherem Wachsen , von der Loire an den Rhein , vom Rhein an die Weser und endlich von der Weser bis an und über die Elbe vorgedrungen . 1180 erschienen seine ersten Mönche in der Mark . An wenigen Orten mochten die Vorzüge dieses Ordens deutlicher hervortreten als in der Mark , weil sie nirgends ein besseres Gebiet für ihre Tätigkeit fanden . Wo die Unkultur zu Hause war , hatten die Kulturbringer ihr natürlichstes Feld . Rechnen wir die Nonnenklöster desselben Ordens mit ein , die , wenigstens was die Bekehrung , Lehre und Unterweisung angeht , die gleichen Ziele wie die Mönchsklöster verfolgten , so haben wir über zwanzig Zisterzienserklöster in der Mark und Lausitz zu verzeichnen , von denen die große Mehrzahl vor Ablauf eines Jahrhunderts entstand . Weder die Prämonstratenser und Karthäuser gleichzeitig mit ihnen , noch auch später die die Städte suchenden Dominikaner und Franziskaner sind ihnen an Ansehen und rascher Verbreitung gleichgekommen . Dem Zeitpunkt ihrer Entstehung nach folgen diese märkisch-lausitzischen Zisterzienserklöster wie folgt aufeinander : Zinna , Mönchskloster , in der Nähe von Jüterbog , 1171 . Lehnin , Mönchskloster , in der Nähe von Brandenburg , 1180 . Dobrilugk , Mönchskloster , in der Lausitz , 1181 – 1190 . Marienfließ oder Stepenitz , Nonnenkloster , in der Priegnitz , 1230 . Dransee , Mönchskloster , in der Priegnitz , 1233 . Paradies , Mönchskloster , im Posenschen ( früher Neumark ) , 1234 . Marienthal , Nonnenkloster , in der Lausitz , 1234 . Zehdenick , Nonnenkloster , in der Uckermark , 1250 . Friedland , Nonnenkloster , im Ober-Barnim , um 1250 . Mariensee , Mönchskloster , auf der Insel Pehlitz im Paarsteiner See , zwischen Oderberg und Angermünde ( Uckermark ) , um 1260 . Marienstern , Nonnenkloster , in der Lausitz , 1264 . Neuzelle , Mönchskloster , in der Lausitz , 1268 . Chorin , Mönchskloster , in der Uckermark , 1272 . Marienwalde , Mönchskloster , in der Neumark , 1286 . Heiligengrabe , Nonnenkloster , in der Priegnitz , 1289 . Zehden , Nonnenkloster , in der Neumark , 1290 . Bernstein , Nonnenkloster , in der Neumark , 1290 . Reetz , Nonnenkloster , in der Neumark , 1294 . Himmelpfort , Mönchskloster , in der Uckermark , 1299 . Himmelstädt , Mönchskloster , in der Neumark , 1300 . Seehausen , Nonnenkloster , in der Uckermark , 1300 . Das wichtigste unter den hier aufgezählten märkisch-lausitzischen Klöstern war wohl das Kloster Lehnin . Es wurde das Mutterkloster für diese Gegenden , aus dem Neuzelle , Paradies , Mariensee , Chorin und Himmelpfort hervorgingen . Alle diese Klöster , mit wenigen Ausnahmen , wurden in der Mitte des 16. Jahrhunderts unter Joachim II. säkularisiert . Viele sind seitdem , namentlich während des Dreißigjährigen Krieges , bis auf die Fundamente oder eine stehengebliebene Giebelwand zerstört worden , andere existieren noch , aber sie dienen der Kultur dieser Lande nur noch insoweit , als sie , oft in ziemlich prosaischer Weise , der Agrikultur dienstbar gemacht worden sind . Die Abtwohnungen sind zu Amtshäusern , die Refektorien zu Maischräumen und Brennereien geworden . Es ist allen diesen Klöstern ergangen wie ihrer großen , gemeinschaftlichen mater , dem Kloster zu Cîteaux selber . Den Verfall , den Niedergang , den hierzulande die Reformation still und allmählich einleitete , schuf dort die französische Revolution auf einen Schlag . » Auf den Trümmern der Abtei – so erzählt der Abbé Ratisbonne , der eine Geschichte des heiligen Bernhard geschrieben hat und Cîteaux um 1839 besuchte – erhob sich in dem genannten Jahre eine Runkelrüben-Zuckerfabrik , die selber wieder in Trümmer zerfallen war , und ein elender Schauspielsaal stand an der Stelle der Mönchsbibliothek , vielleicht an der Stelle der Kirche . Die Zelle des heiligen Bernhard , die vor ungefähr zwanzig Jahren noch existierte , hatte inzwischen einem Schmelzofen Platz gemacht . Nur noch der Schutt der Zelle war vorhanden . Aus den bloßen Trümmermassen des Klosters waren drei Dörfer erbaut worden . « In dieser kurzen Schilderung des Verfalls des Mutterklosters ist zugleich die Geschichte von über hundert Töchterklöstern erzählt . Auch die Geschichte der unsrigen . Die Klöster selber sind hin . Viele von denen , die hierlands in alten Klostermauern wohnen , wissen kaum , daß es Klostermauern sind , sicherlich nicht , daß es Zisterzienser waren , die vor ihnen die Stätte innehatten . Und hörten sie je das Wort , so wissen sie nicht , was es meint und bedeutet . Und doch waren es die Pioniere , die hundert und tausend andern Kolonisten , die nach ihnen kamen , die Wege bahnten . Das Gedächtnis an sie und an das Schöne , Gute , Dauerbare , das sie geschaffen , ist geschwunden ; uns aber mag es geziemen , darauf hinzuweisen , daß noch an vielen hundert Orten ihre Taten und Wohltaten zu uns sprechen . Überall , wo in den Teltow- und Barnimdörfern , in der Uckermark und im Ruppinschen , alte Feldsteinkirchen aufragen mit kurzem Turm und kleinen niedrigen Fenstern , überall , wo die Ostwand einen chorartigen Ausbau , ein sauber gearbeitetes Sakristeihäuschen , oder das Dach infolge späteren Anbaues eine rechtwinklige Biegung , einen Knick zeigt , überall da mögen wir sicher sein – hier waren Zisterzienser , hier haben Zisterzienser gebaut und der Kultur und dem Christentum die erste Stätte bereitet . Kloster Lehnin 1. Die Gründung des Klosters 1. Die Gründung des Klosters Wo das Kloster aus der Mitte Düstrer Linden sah . * Mit des Jammers stummen Blicken Fleht sie zu dem harten Mann Fleht umsonst , denn loszudrücken Legt er schon den Bogen an . Schiller Die erste Gründung der Zisterzienser in der Mark – Zinna war nicht märkisch – war Kloster Lehnin . Es liegt zwei Meilen südlich von Brandenburg , in dem alten Landesteil , der den Namen » die Zauche « trägt . Der Weg dahin , namentlich auf seiner zweiten Hälfte , führt durch alte Klosterdörfer mit prächtigen Baumalleen und pittoresken Häuserfronten , die Landschaft aber , die diese Dörfer umgibt , bietet wenig Besonderes dar , und setzt sich aus den üblichen Requisiten märkischer Landschaft zusammen : weite Flächen , Hügelzüge am Horizont , ein See , verstreute Ackerfelder , hier ein Stück Sumpfland , durch das sich Erlenbüsche , und dort ein Stück Sandland , durch das sich Kiefern ziehen . Erst in unmittelbarer Nähe Lehnins , das jetzt ein Städtchen geworden , verschönert sich das Bild , und wir treten in ein Terrain ein , das einer flachen Schale gleicht , in deren Mitte sich das Kloster selber erhebt . Der Anblick ist gefällig , die dichten Kronen einer Baumgruppe scheinen Turm und Dach auf ihrem Zweigwerk zu tragen , während Wiesen- und Gartenland jene Baumgruppe und ein Höhenzug wiederum jenes Wiesen- und Gartenland umspannt . Was jetzt Wiese und Garten ist , das war vor siebenhundert Jahren ein eichenbestandener Sumpf , und inmitten dieses Sumpfes wuchs Kloster Lehnin auf , vielleicht im Einklang mit jenem Ordensgesetz aus der ersten strengen Zeit : daß die Klöster von Cisterz immer in Sümpfen und Niederungen , d.h. in ungesunden Gegenden gebaut werden sollten , damit die Brüder dieses Ordens jederzeit den Tod vor Augen hätten . 5 Die Sage von der Erbauung Kloster Lehnins nimmt jedoch keine solche allgemeine Ordensregel in Aussicht , sondern führt die Gründung desselben auf einen bestimmten Vorgang zurück . Diesen Vorgang erzählt der böhmische Schriftsteller Pulkava ( wie er ausdrücklich beifügt , » nach einer brandenburgischen Chronik « ) wie folgt : » Otto I. , der Sohn Albrechts des Bären , jagte einen Tag lang in den dichten Waldrevieren der Zauche , und warf sich endlich müd und matt an eben der Stelle nieder , wo später Kloster Lehnin erbaut wurde . Er schlief ein und hatte eine Vision . Er sah im Traum eine Hirschkuh , die ihn ohne Unterlaß belästigte . Endlich ergriff er Bogen und Pfeil und schoß sie nieder . Als er erwachte und seinen Traum erzählte , drangen die Seinen in ihn , daß er an dieser Stelle eine Burg gegen die heidnischen Slawen errichten solle ; – die andrängende , immer lästiger werdende Hirschkuh erschien ihnen als ein Sinnbild des Heidentums , das in diesen Wäldern und Sümpfen allerdings noch eine Stätte hatte . Der Markgraf erwiderte : › Eine Burg werde ich gründen , aber eine Burg , von der aus unsere teuflischen Widersacher durch die Stimmen geistlicher Männer weit fortgescheucht werden sollen , eine Burg , in der ich ruhig den Jüngsten Tag erwarten will . ‹ Und sofort schickte er zum Abt des Zisterzienserklosters Sittichenbach , im Mansfeldischen , und ließ ihn bitten , daß er Brüder aus seinem Konvente , zur Gründung eines neuen Klosters senden möchte . Die Brüder kamen . Markgraf Otto aber gab dem Kloster den Namen Lehnin , denn Lanye heißt Hirschkuh im Slawischen . « So der böhmische Geschichtsschreiber . Das Kloster wurde gebaut , vor allem die Klosterkirche . Sie bestand in ihrer ursprünglichen Form bis zum Jahre 1262 . In diesem Jahre ließ die rasch wachsende Bedeutung des Klosters das , was da war , nicht länger als ausreichend erscheinen , und ein Anbau wurde beschlossen . Dieser Anbau fiel in die erste Blütezeit der Gotik , und mit der ganzen Unbefangenheit des Mittelalters , das bekanntlich immer baute , wie ihm gerade ums Herz war , und keine Rücksichtnahme auf den Baustil zurückliegender Epochen kannte , wurde nunmehr das romanische Kurzschiff der ersten Anlage durch ein gotisches Längsschiff erweitert . Dieser Erweiterungsbau hat der Zeit und sonstigem Wirrsal schlechter zu widerstehen vermocht als der ältere Teil der Kirche ; das Alte steht , der Anbau liegt in Trümmern . Unsere Schilderung führt uns später auf ihn zurück . Unsere nächsten Untersuchungen aber gehören der Geschichte des Klosters . Wir knüpfen die Aufzählung seiner Schicksale an