jedem Athemzug über seine Lippen . » Es ist mein Kismet ! - Der Tag des Todes ist gekommen - mögen Munkir und Nekir3 ) gnädig mit mir verfahren ! - Freunde , gebt mir die Kiblah4 ! « Mehrere der türkischen Offiziere hoben ihn empor und trugen ihn in die Vorhalle der Moschee , wo sie ihn an einen Pfeiler lehnten , mit dem Antlitz gen Mekka . Der Arzt war eifrig um ihn beschäftigt und untersuchte die schreckliche Wunde . » Ist Hoffnung vorhanden ? « Der Capitain frug es auf Deutsch - Doctor Welland antwortete in derselben dem Sterbenden unverständlichen Sprache . » Keine , « sagte er hastig , » in wenigen Augenblicken steht er vor dem allmächtigen Richter . Das Eisenstück hat die Lebensarterien getroffen und steckt noch in seiner Seite . Jeder Versuch würde ihm nur unnützen Schmerz machen . « Alle standen um den sterbenden Kommandanten bestürzt und stumm und das mit Blitzesschnelle sich verbreitende Gerücht füllte schnell die Halle der Moschee und den Platz vor derselben mit Menschen an . Der Verwundete athmete mühsam , aber er blieb bei voller Besinnung . » Der Padischah hat mir diese Stadt vertraut , aber Gott bestimmt es anders . Hussein-Aga , Dir übergebe ich den Schlüssel des Thores , vertheidige ihn wie Deinen Bart und achte auf den Rath dieser Franken . Möge der Prophet Eurer Tapferkeit den Sieg geben ! « Der Arzt , der neben ihm kniete und seinen Puls mit den Fingern bewachte , winkte mit den Augen den Umstehenden . Hussein-Aga legte seinen Tisbeh oder Rosenkranz ihm zwischen die Hände und einige Augenblicke hörte man zwischen dem entfernten Donner der Kanonen und dem Krachen der einschlagenden Kugeln keinen Laut , als die röchelnden und immer kürzer werdenden Athemzüge mit jenem schauerlichen Gurgeln in der Kehle , das bei Bluterstickung den Tod verkündet . Dann quoll ein schwarzer Strom dieses Blutes aus dem Mund , die kräftige Gestalt des Pascha ' s zuckte zusammen und streckte sich - her tapfere Krieger hatte geendet . » Er ist zum Barzakh5 eingegangen , « sagte Hussein-Aga ernst , » die Mizam6 des Barmherzigen wird seine Thaten wägen und ihm das Dschennet7 der sieben Himmel öffnen . Bei Eblis , dem finstern Geiste , wir wollen seinen Schatten rächen mit dein Tode von tausend Moskows ! « » Möge der Sieg Dich begleiten , Bey , Du bist unser Kommandant nach dem Willen des Todten , und der Sirdar wird sicher Deine Tapferkeit ehren . « Die türkischen Offiziere machten dem neuen Befehlshaber ihren demüthigen Gruß . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Den russischen Generalen war der Antrag eines Waffenstillstandes zur Beerdigung der Leichen nur willkommen gewesen , da ihre Truppen noch mehr wie die Türken von dem Miasma litten und die Krankheiten bereits in ihren Reihen wütheten . Die weiße Fahne , die auf den Bastionen Silistria ' s wehte , ließ die Nachricht von der Uebergabe der Festung die Runde durch Europa machen , aber schon am andern Tage - am 3. Juni - nachdem beide Theile ihre Todten begraben hatten und auch der Kommandant von Silistria seine Ruhestätte unter den so tapfer vertheidigten Wällen gefunden hatte , entbrannte der Kampf auf ' s Neue und mit verdoppelter Energie . Die Russen unternahmen an diesem Tage einen allgemeinen Sturm und griffen die Forts an , während ihre Flotille die Stadt bombardirte . Der Kampf war mörderisch , aber ohne Erfolg für die Angreifer . Gegen Abend war es diesen zwar gelungen , eine Mine unter der ersten Batterie von Arab-Tabia herzustellen , aber die Capitaine Depuis und Grach hatten rechtzeitig eine Gegenmine geschlagen , und diese sprengte an 400 Mann der Angriffs-Colonne in die Luft , als diese auf das Sprengen einer Bresche harrten . In der durch die unerwartete Explosion entstandenen Verwirrung machten die Türken einen Ausfall und zerstörten die nahe liegenden Schanzen . Von diesem Tage an ruhten kurze Zeit die Sturmangriffe und es begann der furchtbare Krieg unter der Erde , jener Krieg mit der Bussole und dem Spaten , der Krieg der lebendig Begrabenen - der Bergleute des Blutes und des Todes ! Das war der unheimliche gespenstische Kampf , zu dem man wie zum Orkus aus dem hellen Sonnenlicht hinabstieg und in dem General Schilder , der gespenstische Seher der Zukunft , ein Meister war . Die Russen drängten Tag um Tag , Stunde vor Stunde ihre Laufgräben vorwärts gegen die schwer bedrohte Stadt , und in der Heimlichkeit , in dem Schutz der aufgeworfenen Erde wühlte der General gleich dem Maulwurf seine Gänge gegen die Wälle und Bastionen . Es war ein Glück für die Festung , daß der neue , noch jungkräftige und kecke Kommandant doch die Manen seines Vorgängers dahin achtete , die Talente und Kenntnisse der europäischen Rathgeber zu ehren . Während er den Krieg der Ausfälle und offenen Vertheidigungen leitete , überließ er den beiden Genie-Offizieren die unbestrittene Leitung der Befestigungsrenovationen und der Gegenarbeiten . Trotz der verdoppelten Thätigkeit der Vertheidiger konnte man sich dennoch nicht verhehlen , daß die Fortschritte der Belagerung , wenn auch langsam , doch jeden Tag bemerklicher wurden . Es war bereits mehrfach zwischen den Minirern und Gegenminirern zum erbitterten unterirdischen Gefecht gekommen . Am 8. hatten die Russen eine Sappe aus Schanzkörben , mit Baumwolle gefüllt , bereits bis an den Rand der südöstlichen Contreescarpe getrieben , hinter welcher sich die Minirer mit dem Ausgraben zweier Schachte beschäftigten . Die Führer entwickelten dabei eine unablässige Thätigkeit . Was der fortwährende Kartätschen- und Granatenhagel der Türken bei Tage niederwarf , zeigte sich am anderen Morgen wieder aufgebaut . Am 7. und 8. hatten kleine Ausfälle und Gefechte mit wechselndem Glück stattgefunden . Der 9. Juni war ein blutiger Tag gewesen . Nachdem des Morgens eine Mine gegen zwei der Wasserforts gesprengt worden , versuchten die Russen die Breschen zu nehmen , wurden aber mit bedeutendem Verlust von den neuen Hilfstruppen , denen es , 3000 Mann stark , unter Rifat-Pascha am Tage nach Mussa ' s Tode gelungen war , von Rasgrad her sich in die Festung zu werfen , zurückgeschlagen . Zu gleicher Zeit machte Paskewitsch selbst mit einer bedeutenden Truppenzahl - 31 Bataillonen Infanterie , 32 Schwadronen Kavallerie und 8 Sotnien Kosaken mit 12 Feldbatterieen - eine große Recognoscirung um alle Befestigungen bis zu dem Flecken Kalopetra auf der südöstlichen Seite . Hier stieß die Colonne auf türkische Kavallerie aus der Festung und zwang dieselbe , sich in das Fort Abdul-Medschid zurückzuziehen , das nunmehr ein heftiges Feuer eröffnete . Eine matte Kugel , die zu den Füßen des Pferdes des Fürsten von Warschau niederfiel und dasselbe zu Boden riß , fügte dem greifen Führer selbst eine Contusion an der rechten Hüfte zu . Der Feldmarschall achtete jedoch nicht darauf und blieb bis zum Ende der Kanonade zu Pferde . Wir führen den Leser an demselben Abend wieder in ' s russische Lager . Es ist in Kalarasch selbst , dem Hauptquartier des Fürsten , wo wir die Scene wieder aufnehmen . Der greise Statthalter lag in dem frühern Quarantainegebäude , das zu seinem Quartier eingerichtet worden und mit Stabs- und Ordonnanz-Offizieren überfüllt war , auf einem freistehenden Feldbett in halb sitzender Stellung , neben sich einen niederen Tisch mit Papieren bedeckt . Das Gemach war ziemlich ärmlich ausstaffirt , aber glänzend erhellt , indem große Kerzen auf silbernen Leuchtern überall umherstanden . Der Leibarzt des Fürsten , der schon bei seiner Rückkehr in ' s Lager bedeutende Schmerzen gefühlt und nur mit Anstrengung nach Kalarasch gelangt war , - hatte so eben die Verletzung untersucht und ihm erklärt , daß sie zwar nicht gefährlich sei , ihn aber mehrere Wochen hindern werde , zu Pferde zu steigen . Während der Arzt fortfuhr , lindernde und frische Umschläge auf die verletzte Stelle zu legen , hatte der Fürst bereits sich zu wichtigen Geschäften gewendet . Es befanden sich außer dem Arzt und dem Stabschef General-Major Wranken , der eben auf die Nachricht der Verletzung eingetroffene Fürst Gortschakoff und General-Lieutenant Chruleff mit einem dritten hohen Offizier im Gemach , der , am Ruhebett stehend , dem Fürsten eine Depesche überreicht hatte , mit deren Durchsicht dieser eben beschäftigt war . So sehr der alte Krieger und Staatsmann auch Herr seiner Mienen sein mochte , war es doch allen Anwesenden sichtlich , daß der Inhalt des Briefes , dessen grünes Couvert und Siegel ein Handschreiben des Kaisers erwiesen , von großer Wichtigkeit sein mußte und einen tiefen Eindruck auf den Fürsten machte . Er faltete endlich das Papier langsam zusammen , steckte es wieder in das Couvert und schien einige Augenblicke in schwere Gedanken verloren . Dann - sich ihnen entziehend - wandte er sich zuerst zu dem Arzt : » Kann ich Deiner Hilfe auf eine Stunde entbehren , lieber Tschetukin ? « » Ich fürchte , nein , Durchlaucht - muß ich Sie jetzt verlassen , so kann ich für die Folgen nicht stehen - die Contusion ist vernachlässigt und die Geschwulst bereits eingetreten . « » Und wenn ich Dich gewähren lasse , in welcher Zeit bin ich fähig , das Lager zu verlassen ? « » Ich verlange nur für morgen Ruhe , Durchlaucht - zu Wagen sollen dann Ihre Bewegungen unbehindert sein . « » Gut , Staatsrath , - ich kenne Dich und weiß , daß ich mich auf Deine Verschwiegenheit verlassen kann . Kümmere Dich nicht um uns und fahre fort mit Deinen Mitteln , da die Erhaltung dieses alten Körpers in den nächsten Wochen vielleicht unserm Herrn , dem Kaiser , noch einigermaßen nützlich sein mag . Wir sind sämtlich hier treue und bewährte Söhne des heiligen Rußlands und ich kann daher ungescheut sprechen , wie es die ernsten und schweren Umstände erfordern . Nimm Platz , Schebesky , und Du Wranken , wir haben eine ernste und lange Berathung vor uns . Ihre Ankunft , Fürst , hat mir erspart , Sie rufen zu lassen . Der Tag hat wichtige Nachrichten gebracht . « » Auch ich habe dergleichen , Durchlaucht . « » Gut . Einer nach dem Andern . Hast Du vielleicht auch Nachricht von dem Gesandten aus Wien ? « » Mein Bruder benachrichtigt mich von dem Ausgang der Zusammenkunft des Kaisers von Oesterreich und des Königs von Preußen in Tetschen . « » Verdammniß über die österreichische Dankbarkeit , - ich wollte , wir hätten Ungarn den Rebellen gelassen . - Es ist , wie ich gefürchtet , Oesterreich wird in die Donau-Fürstenthümer einrücken und hat sich den Rücken gedeckt durch das Garantie-Cartell mit Preußen . « » Es sind Differenzen entstanden zwischen den beiden Herrschern über die Auslegung des Cartells . « » Ich weiß , ich weiß , - aber der Nutzen ist nur passiv . Preußen hält das wiener Gelüst in Schranken , aber nur , wenn wir auf unserm eigenen Gebiet stehen . Oesterreich kann nicht offen operiren , aber sein Druck zwingt uns zurück . Dennoch ist das nicht das Schlimmste . Ich habe heute wichtige Berichte über die Zusammenkunft in Varna erhalten . « » Die Rapporte unserer Agenten über den Kriegsrath am 19. liegen seit acht Tagen vor . « » Das ist es eben , Fürst , was uns getäuscht hat . Die Halunken taugen Nichts , - Marschall Arnaud und Lord Raglan wissen sehr wohl , daß sie von unseren Spionen umgeben sind , und was mit den Türken berathen wird , in der kürzesten Zeit uns bekannt ist . Ich sage Dir , Fürst , Deine Agenten in Schumla sind Dummköpfe und haben nur erfahren , was alle Welt weiß . Wie lautete doch der Bericht ? « Fürst Gortschakoff , einigermaßen pikirt , nahm aus seinem Taschenbuche ein Papier und entfaltete es : » Hier ist die Abschrift der Chiffern : Der Zusammenkunft am 19. in Varna wohnten der Marschall St. Arnaud , Lord Raglan , Omer Pascha , die Admirale Dundas und Hamelin und der Kriegsminister Riza-Pascha bei . Oberst Tignir machte den Dolmetsch , auch Aguiah-Pascha , der neu ernannte Pforten-Commissair im Lager des Muschirs , war zugezogen . Das Resultat war , daß Herrn von Saint-Arnaud die Leitung der Kriegsoperationen sämtlicher am Kriegsschauplatz aufgestellter Streitkräfte übertragen worden ist . Der Muschir erstattete über die Lage Silistria ' s Bericht und der Ersatz wurde beschlossen . Die beiden Generale sind vollständig auf die Pläne Omer ' s eingegangen und die Dampfboote mit den Ordres nach Skutari und Gallipoli abgegangen , um einen Aufbruch in Masse anzuordnen . - Die Berichte gingen uns allerdings spät zu , da die unglückliche Verhaftung unserer Hauptagenten in Constantinopel einige Verwirrung in die Sache gebracht hat . « » Sind das alle Ihre Nachrichten , Fürst ? « » Bis auf die neuen Meldungen über die Ersatzoperationen , die ich eben empfangen und später vorzutragen die Ehre haben werde , ja . « Der alte Feldmarschall lächelte . » Sei nicht ärgerlich , Kamerad , Deine Nachrichten sind gut , aber ich habe wichtigere . Nach der Rückkehr der Generale nach Varna hat eine zweite Berathung , aber diesmal ohne die Türken , auf dem französischen Flaggenschiff stattgefunden , und die Expedition gegen Sebastopol ist beschlossen worden . « Ein leises Lächeln , gedämpft durch die Ehrfurcht vor dem greifen Haupt des Fürsten-Statthalters ging durch den kleinen Kreis der Generale , doch blieb es von jenem nicht unbemerkt . » Du hast Unrecht , Fürst , und glaubst , weil Du ein Artillerist bist , daß es eine Unmöglichkeit sei , die furchtbaren Batterieen von Sebastopol zu überwinden . Ich bin kein Seemann und weiß nicht , was Schiffe gegen Granitwälle ausrichten können , aber ich sage Dir , ich wünschte , Fürst Mentschikoff verließe sich nicht allzusehr auf sie , - ich kenne diese Franzosen und sie werden irgend ein Auskunftsmittel finden , ihren Zweck zu erreichen . « » Darf ich etwas Näheres von den Nachrichten Eurer Durchlaucht erfahren ? « fragte einlenkend der Zweitkommandirende . » Der Versuch gegen Sebastopol ist ausdrücklich beschlossen , aber man wird mindestens zwei Monate mit den Vorbereitungen zubringen . Diese sollen möglichst geheim betrieben und die Truppen in Varna unter dem Anschein concentrirt werden , zum Entsatz von Silistria zu dienen . Die Aufgabe bleibt aber dem Muschir selbst überlassen . Die Uebertragung des Gesamt-Oberbefehls an Herrn von Saint-Arnaud ist eine leere Comödie und Omer-Pascha nicht sehr gesonnen , sich unterzuordnen . Er trifft umfassende Anstalten zum Entsatz durch seine eigenen Truppen . « » Das Letztere stimmt mit meinen Nachrichten überein . Sie können Ihrem Berichterstatter vollkommen trauen , Durchlaucht ? « » Er hält sich bereits zwei Monate in Varna auf und ist mir von Bodinianoff in Constantinopel , als volles Vertrauen verdienend , empfohlen . Er ist ein Bruder des Führers der Griechen im Epirus , Caraiskakis .... « » Ich kenne den Namen und habe bereits selbst Beweise seines Eifers für die russische Sache erhalten . Ich glaube , daß auch unsere Verbindungen in Silistria unter seinem Einfluß stehen . « » Ehe wir zu einem Resultat kommen , sage mir Deine eigenen Nachrichten . « » Der Knabe , « berichtete der Fürst , » der am 28. die Nachricht von dem Ausfall an Selwan und später die Depeschen Mussa-Pascha ' s an den Muschir uns zur Durchsicht brachte , ist aus Schumla diesen Abend zurückgekehrt . « » Hat man ihn wieder als Boten benutzt ? « fragte hastig der Feldmarschall . » Man scheint blindes Vertrauen in ihn zu setzen und Nichts von der Eröffnung der Depeschen gemerkt zu haben . Hier sind die neuen . « Er legte mehrere Briefe auf den Tisch . Die Siegel waren durch das gewöhnliche Mittel heißer Dämpfe nach Abformung des Petschafts in Staniol geöffnet . » Der Inhalt , Fürst ? « » Hier ist der Auszug . Der Muschir bestätigt Hussein-Bey im Kommando , setzt ihm jedoch Rifaat-Pascha als ältern Offizier zur Seite . Ein vollständiger Plan des Entsatzes durch eine combinirte Truppenbewegung und einen Ausfall der Garnison ist für den 13. und 14. bestimmt . Said-Pascha in Rustschuk hat 30,000 Mann zum Aufbruch bereit , und Iskender-Bey von Widdin , der den Angriff von dieser Seite leiten soll , ist bereits über Nicopolis eingetroffen . Die Vorposten des Corps stehen bei Baba und Turkosimich . Zugleich wird Giurgewo angegriffen werden . Im Hafen von Rustschuk liegen zwei türkische Dampfschiffe und an achtzig Boote bereit , um die Expedition zu unterstützen . Der Muschir selbst wird mit Mehemed-Pascha von Schumla her in zwei Colonnen eine Diversion unternehmen . Sein rechter Flügel lehnt sich an die Anhöhe des Taiban-Dereh , - seine linke Flanke an den Dristra , das Centrum steht bereits bei Erekli an der Straße von Schumla nach Silistria . « » Wer führt die Vorhut und wie stark ist der Muschir ? « unterbrach der Feldmarschall . » Der Renegat Czaikowski mit den sogenannten türkischen Kosacken . Die Depesche giebt die Stärke des Südcorps auf 70,000 Mann an , also mit Said-Pascha an Hunderttausend . Am 13. soll das gemeinsame Vorrücken beginnen . Am 14. werden die Corps in der Nähe von Silistria stehen und am Morgen des 15. angreifen , indem Hussein-Pascha zugleich auf drei Stellen an den Wasserforts , aus dem Babadagh-Thor und Abdul-Medjid einen Ausfall machen soll . « » Wie stark sind wir in diesem Augenblick hier ? « » Mit Pawloff nur 64,000 Mann . Wir haben vor Silistria bereits über 6000 gelassen . « Das Gespräch , das bisher allein zwischen den beiden Führern gepflogen worden , verstummte jetzt ganz , - der greise Feldmarschall war in ernste Betrachtungen versunken und seine Hand faßte unwillkürlich zwei Mal nach dem Briefe des Kaisers . » Wir müssen zu einem Entschluß kommen . Recapituliren wir die Sachlage . Auf der einen Seite Bessarabien und die Krim über kurz oder lang bedroht ; - unsere Stellung in der großen Walachei nicht länger haltbar - kaum noch in der Moldau ; - Silistria fast noch eben so fest wie beim Beginn der Belagerung , und ein starkes Entsatzcorps in der Nähe . Die Truppen kaum genügend , den Gegnern die Spitze zu bieten , - an einen Uebergang über den Balkan nicht mehr zu denken und keinerlei Vortheil im längern Beharren auf dieser Seite der Donau . Wägen Sie selbst ab , meine Herren . « » Was würde man in Petersburg dazu sagen ! « » Schebesky kommt von dort . Er kann uns den besten Bescheid geben . « Der angerufene General zuckte die Achseln . » Ich glaube , man hält dort die Donau-Besetzung jetzt selbst für einen Fehler . Man hätte am Bosporus stehen oder innerhalb der russischen Gränzen bleiben müssen . « » Sehr wahr . Aber wir dürfen Silistria nicht aufgeben ohne des Kaisers ausdrücklichen Befehl , « sagte ziemlich heftig General Chruleff . Der Feldmarschall nickte ihm zu und zog dann langsam den Brief seines kaiserlichen Herrn aus dem Couvert . » Wollen Sie des Kaisers eigene Worte hören ? « Alle schwiegen ehrfurchtsvoll . » Hast Du , Fürst Iwan Feodorowitsch , « las der Feldmarschall , » bei Empfang dieses Briefes die Festung Silistria genommen , so wollen wir Gott und den Heiligen für diesen Sieg Rußlands danken . Weht der Halbmond noch auf ihren Mauern , so will ich Dir überlassen , was Du das Beste zu thun hältst . Bedenke jedoch , daß Rußlands Ehre nur in Rußland selbst liegt . Ich wiederhole die Vollmacht , die ich Dir bei der Uebernahme , des Kommando ' s ertheilt habe . « Der Fürst-Statthalter schwieg ; General Chruleff war der Einzige , welcher eine rasche Antwort hatte : » Wir können unmöglich von hier gehen , ohne wenigstens noch einen Schlag versucht zu haben . « Der alte Fürst lächelte . » Nein , tapferer Chruleff , « sagte er freundlich , » das sollst Du auch nicht . Ich sehe , daß wir einig sind über die Nothwendigkeit des Rückzuges , doch darf er natürlich nicht übereilt werden . Es gilt zunächst , die Combination des Muschirs zu vereiteln . « » Wir haben die Depeschen in unserer Hand . « » Ganz recht , aber ich halte es für zweckmäßiger und weiser , sie richtig in die Hand des neuen Kommandanten gelangen zu lassen , um nicht sein Mißtrauen wachzurufen . Es handelt sich blos darum , Zwiespalt und Verwirrung in ihre Beschlüsse zu bringen . « » Man könnte den Datum um zehn Tage ändern ! « sagte General Schebesky kaltblütig . Der Fürst von Warschau lächelte sein . » Das war meine Meinung ; im Kriege ist jede List erlaubt . Sobald dies mit der nöthigen Vorsicht geschehen , womöglich noch diese Nacht , Fürst , lasse den Boten nach Silistria laufen , triff aber Anstalten , daß wir genau von allen Vorgängen in der Stadt unterrichtet bleiben . Ich bin entschlossen , wie ich in Warschau beabsichtigte , mein Hauptquartier bis zum Eintreffen weiterer Befehle des Kaisers nach Jassy zu verlegen . Es ist der geeignetste Punkt - 32 Meilen von Silistria , 20 von Kamienecz und 22 von Odessa , - wir übersehen da das Feld . Du , Fürst Gortschakoff , übernimmst von diesem Augenblicke an wieder den Oberbefehl der moldau-walachischen Truppen . Lasse morgen das Bombardement gegen die Festung von den Inselbatterieen wieder beginnen , fange aber an , Dein anderes schweres Geschütz auf das linke Ufer zu bringen . Schilder muß so weit fertig sein , daß am 13. ein Versuch gegen die Citadelle gemacht werden kann . Beordere Pawloff , von Tuturkai aus sich dem Zuzug von Rustschuk entgegenzuwerfen , indeß Chruleff den Renegaten Mehemed8 und den Muschir angreift . Dadurch wird der ganze Operationsplan der Gegner zerstört und wir erhalten Zeit , zu sehen , was sich mit der Festung noch beginnen läßt . « » Ich werde die Befehle noch diese Nacht ertheilen . Ich höre , Lüders befindet sich auf dem Wege der Besserung ? « » So ist es . Gott und den Heiligen sei Dank ; dafür werden wir den braven Orloff verlieren . Ich bedaure seinen Vater , meinen alten Freund ! - Verdammt , Doctor , ich glaube , die Schmerzen nehmen wieder zu ! « » Wenn Euer Durchlaucht sich nicht sofort einige Ruhe gönnen , stehe ich für Nichts , am wenigsten für die Möglichkeit , abzureisen . « Die Generale verabschiedeten sich . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Es war am Morgen des 13. - Dienstag - , in der seit zwei Tagen durch ein unaufhörliches Bombardement schwer bedrängten Festung erwartete die Besatzung jeden Augenblick einen Sturmangriff der Russen , sobald die Minen des Generals Schilder ihr Werk gethan , deren bereits einige von den Russen in den letzten Tagen gesprengt worden , ohne daß sie jedoch mehr als leicht wie derherzustellende Mauer- und Erdrisse zu Wege gebracht hatten . Jedermann wußte , daß sie hauptsächlich gegen das Fort Abdul-Medjid gerichtet sein mußten , und daß hier die Entscheidung des Tages und des Schicksals der Stadt lag . Die Capitaine Grach und Depuis und selbst der alte Chef des Geniewesens , Mehemed-Bey , so weit seine Fähigkeiten reichten , waren indeß nicht müßig gewesen und der Spaten unter der Erde arbeitete rüstig an den geheimen , furchtbaren Gängen , bestimmt , die eindringenden Feinde in die Luft zu schleudern . Schon zwei Mal waren unter der Erde die feindlichen Mineurs aufeinander gestoßen und das blutige Würgen hatte das schauerliche Grab im wahren Sinne begraben . Das Sprengen der Minen war das Einzige , wovor die türkischen Soldaten , zum Theil aus ihrem bewußten Ungeschick , zurückbebten , während der passive Gehorsam der Russen darin bekannt war , und die Bewachung und Sprengung der türkischen Minen blieb daher einer Anzahl Freiwilligen anvertraut , die aus den kecksten und jedem Wagstück Trotz bietenden fremden Abenteurern gewählt waren und durch reichen Lohn gelockt wurden . Hussein-Aga oder , wie er jetzt bereits hieß , Hussein-Pascha , und sein Gefährte im Kommando , der Ferik Rifaat hatten am Tage vorher für den Morgen des 13. - auch ohne Kunde von den Demonstrationen der Ersatzcorps zu haben , - einen allgemeinen Ausfall beschlossen , und die Truppen standen daher , kampfgerüstet , innerhalb der Wälle und Thore . Auch diesmal hatten die Russen keine Ahnung davon - wir werden im Verlauf der Geschichte hören , durch welche Ursache , - und der Sturm gegen die Festung war erst für den Nachmittag 3 Uhr festgesetzt , nachdem drei große Minen , welche die Russen gegen die Forts Abdul-Medjid , Arab-Tabia und Yania gerichtet hatten , gesprengt sein würden . - - - Eine finstere undurchdringliche Nacht füllte wieder den etwa drei Fuß breiten , langen , winkligen Gang , der aus dem Souterrain der Bastion von Arab-Tabia unter dem Graben gegen den äußern Wall führte und dort in einer Kammer von etwa zehn Fuß Quadrat und Mannshöhe endete . Die schwarze Finsterniß dieser Kammer wurde gebrochen durch das matte Licht einer sorgfältig verwahrten Laterne von dickem Glase , die auf dem Fußboden am Eingang des Ganges stand und ihren Schein auf mehrere , an den feuchten Seitenwänden aufgestellte Fässer und zwei Männergestalten warf , die in der Mitte des engen Raumes in der gewöhnlichen türkischen Stellung auf dem Boden kauerten . Die Deckel der Fässer waren aufgeschlagen , schwarz , wie die Umgebung rings umher , war der Inhalt derselben - ein starker Zündsack lief von einer der Oeffnungen zu der andern . Am Eingang der Erdkammer hing an einem in die Seitenwand gestoßenen Querholz eine große Klingel , von deren Griff eine Schnur sich in das Dunkel des Ganges verlor . Die beiden Männer waren die Wächter der Mine , - in der Tiefe des einmündenden Ganges , um die Ecke des Winkels biegend , verlor sich eben der letzte Lichtschein einer sich entfernenden Laterne , - Capitain Grach mit seiner Ordonnanz , der eben die Minengänge nochmals revidirt hatte . Die Runde schien ein inhaltschweres Gespräch der beiden der Todesgefahr keck trotzenden Wachen gestört zu haben , denn als kaum jener letzte Lichtschein verschwunden war , begann es auf ' s Neue . Obschon in dieser Tiefe der Erde , weit entfernt von der Ausmündung der Gänge , selbst der lauteste Schrei von keinem menschlichen Ohr weiter gehört werden konnte , wurde das Gespräch doch leise , fast flüsternd geführt , - gleich als verböten die Schauer des grabähnlichen Ortes jeden lauten Ton . Der Schein der Laterne fiel auf die beiden Gesichter , wie sie manchmal in seinem Dunstkreis sich vorwärts beugten - auf das dunkle Antlitz des Mohren Jussuf mit den großen gelbweißen Augen , die er gedankenvoll auf den Zweiten gerichtet hielt , auf seinen neuen Freund und fast unzertrennlichen Gefährten - Sta Lucia , den ehemaligen corsischen Banditen . » Der Hekim-Baschi vermißt seit zwei Tagen einen wichtigen Brief , « sagte langsam der Mohr . » Bak - sieh - er glaubt , daß Du ihn gestohlen hast , während Du bei mir warst , denn er hat mich und meinen Bruder gewarnt vor Dir . Doch der Prophet weiß es , ich kann nicht von Dir lassen , und darum bin ich mit Dir in dieser Höhle der Schrecken , wo Eblis herrscht , der Fürst der Finsterniß . « Der Corse lachte . » Barbuasso ! bekommen wir nicht glänzendes schönes Gold dafür , daß wir den gefährlichen Posten übernommen , der nur Gefahr droht den Feigen und Ungeschickten , und hätten wir die Zechinen des Pascha ' s Andern lassen sollen ? - Aber genug , ich hatte noch eine andere Ursache , Dir den Posten vorzuschlagen , um unbelauscht hier sprechen zu können . « Er griff in seinen Gürtel , zog einen ledernen Beutel heraus und öffnete ihn im Licht der Laterne . » Kennst und liebst Du das ? « Der Beutel enthielt etwa 30 bis 40 Goldstücke . » Bismillah ! Kamerad - wie kamst Du dazu ? « » Höre mich an , Jussuf , « sagte der Andere , indem er den Beutel wieder einsteckte , » Du sollst halb Part haben und noch mehr als dies . Antworte mir aufrichtig bei Deinem Propheten : Hältst Du große Stücke auf den Hekim-Baschi , Du und Dein Bruder ? « » Was soll ich sagen , Freund - es ist so und es ist anders . Nursah , mein Bruder , ißt sein Brot ; aber er ist ein Franke , ein Dschaur . Was geht ein Ungläubiger mich an ? « Der Corse sah den schlauen beobachtenden Blick nicht , den sein Gefährte bei den Worten auf ihn schoß . » Per bacco ! das ist Recht , - ich konnte es mir denken . Jussuf , es ist wahr , ich habe den Brief . « » Wallah ! ich dachte es mir ! Ein Brief ist ein Brief und eine Erfindung des Teufels . Ich spucke auf alle Briefe und ihre Väter und Mütter . Was thust Du mit dem Briefe ? « » Ei zum Teufel ! Mir selbst ist wenig an dem Wisch gelegen , aber desto mehr , wie es scheint , dem Engländer , der die Ehre hat , mich jetzt als eine Art Leibdiener und Khawaß in seinen Diensten zu haben ! « » Dem Inglis ? « » Ja . Ich will Dir Etwas sagen - der Hekim-Baschi , Dein - oder vielmehr Deines Bruders Herr , ist ein Spion der Russen , er