gewesen und hat auf einen ihm gemachten Vorschlag den Prediger aus Teupitz kommen lassen . Aber auch dieser hat ihn nicht zufriedenstellen können . « 66 Das eine Meile weiter nördlich gelegene Tempelberg , oder doch wenigstens die Tempelberger Kirche , weist mehr Erinnerungen an die Wulffensche Zeit auf als Steinhöfel . Außer einem Epitaphium zu Seiten des Altars befinden sich noch sechs Wulffensche Grabsteine in der Kirche , die fast den halben Raum des Mittelschiffes einnehmen . Einer derselben zeichnet sich durch eine ganz besondere Sinnigkeit aus . Luisa Lucretia von Wulffen aus dem Hause Steinhöfel war an einen von Wulffen in Tempelberg vermählt und starb 1720 , wahrscheinlich im Kindbett . Am Oberende des Grabsteins bemerkt man zwei Bäume , die sich mit ihren Wipfeln einander zuneigen . Darunter steht : » Eine gleiche Neigung verbindet uns « . Dann folgen Zeilen , in denen der Tod der jungen Frau gemeldet wird , bis zuletzt ein Baum mit der Inschrift : » Bei meinem fruchtbar sein / Da stellet Last sich ein « das Ganze nach unten hin abschließt . Ein siebenter Grabstein , der eine Zeitlang auch im Kirchenschiffe lag , steht jetzt an einem Wandpfeiler . Es ist dies der Grabstein der Frau Anna Lucretia von Gölnitz , einer gebornen von Götze . Sie lebte verwitwet in dem ihr befreundeten Wulffenschen Hause und wurde , als sie in Tempelberg starb , in der Tempelberger Kirche beigesetzt . Sie hatte aber keine Ruhe unter den Wulffens und sehnte sich zu den Götzes zurück . Es begann zu spuken und immer wenn Margarethe von Wulffen , die Freundin der Verstorbenen , in die Kirche trat , war es ihr , als ob eine Stimme riefe : » Grete , mach ' auf . « Das geschah denn auch endlich und man schaffte den Sarg nach dem Familiengute der geborenen von Götze hinüber . Da war es ruhig . Der Grabstein aber blieb in Tempelberg und ward in den Wandpfeiler eingemauert . Eine ähnliche Geschichte – darin ähnlich , daß Verstorbene keine Ruhe haben , bis sie an rechter Stelle bestattet sind – wird aus einem der Teltowdörfer zwei Meilen südlich von Berlin berichtet . Es ist das die Geschichte vom » französischen Tambour « . Das betreffende Dorf gehörte damals ( 1813 ) der alten Familie v. H. Vater und Sohn ( der älteste ) standen im Felde , die Mutter und die jüngeren Geschwister aber lebten seit dem Tage von Großbeeren in der nahen Hauptstadt . So war das Herrenhaus verwaist . Als auch die Schlacht bei Dennewitz geschlagen war , nahm der älteste Sohn Urlaub und kam herüber , um auf dem väterlichen Gute , das viel Einquartierung gehabt hatte , nach dem Rechten zu sehen . Er traf spät abends ein . Bei seiner Ankunft baten ihn die Leute , nicht im Schloß , sondern im Wirtschaftshause zu schlafen : » im Schlosse spuke es seit vierzehn Tagen . « Herr v. H. nahm natürlich keine Notiz davon und bezog wie immer seine Giebelstube im Herrenhaus . Um Mitternacht ward er durch Trommelwirbel geweckt und als er aufsprang , hörte er deutlich , daß durch das ganze öde Schloß hin treppauf treppab die französische Reveille geschlagen wurde . In der nächsten Nacht wiederholte es sich . Herr v. H. stellte nun Nachforschungen an und man entdeckte zuletzt in einem der Keller des Hauses , die Trommel neben sich , einen französischen Tambour , der tot unter Werg und Hobelspänen lag . Er hatte eine tiefe Kopfwunde . Wie er dort hinkam , wußte niemand zu sagen . Er erhielt nun ein ehrlich Begräbnis und das Trommeln wurde nicht länger gehört . 67 Friedrich Gilly , Sohn des Oberbaurates David Gilly , wurde 1771 zu Berlin geboren und zählte zu den talentvollsten Schülern seines Vaters , den er an Bedeutung übertraf . Wenig befriedigt durch den Halb- oder Pseudoklassizismus seiner Epoche , stand er , als einer der ersten , in der Reihe derer , die damals beflissen waren , auf die hellenische Kunst zurückzugehen . Aber leider war es ihm nur vergönnt , in einer großen Zahl von unausgeführt gebliebenen Entwürfen seiner künstlerischen Überzeugung Ausdruck zu geben . Für monumentale Werke großen Stils hatte die damalige preußische Hauptstadt weder den Sinn noch die Mittel . So muß G. denn nach dem beurteilt werden , was er gewollt . Seine Skizzen sind damals und später viel bewundert worden , von keinem mehr als von Schinkel , der eine Zeitlang in Gillys Atelier tätig war und jederzeit den Einfluß anerkannt hat , den des jugendlichen Meisters Anschauungen auf seine Kunstrichtung ausgeübt haben . Wie Thorwaldsen um eben dieselbe Zeit freudig hervorzuheben pflegte , daß er Carstens die » entscheidende Anregung « verdanke , so nannte Schinkel den jungen Gilly den » Schöpfer alles dessen , was er sei « . Friedrich Gilly starb bereits 1800 , neunundzwanzig Jahre alt . Unter seinen Arbeiten befinden sich auch Aquarellskizzen zu einem Denkmale Friedrichs des Großen aus dem Jahre 1797 und Aufnahmen des Marienburger Schlosses aus dem Jahre 1799 . ( David Gilly , der Vater , wurde 1745 zu Schwedt a. O. geboren und überlebte den Sohn um acht Jahre . Er starb 1808 zu Berlin . ) 68 Arndt von Sparr war dreimal vermählt und zwar : mit Edell von Sparr , gest . im Kindbett am 13. November 1599 , mit Emerentia von Seestedt und mit Katharina von Ribbeck . Nach Angabe des Sparrschen Biographen König wäre Otto Christoph ein Sohn der Edell Sparr gewesen ; Theodor von Mörner aber hat in seinem vorzüglichen Werke : » Märkische Kriegsobersten des 17. Jahrhunderts « diese Königsche Angabe widerlegt . 69 Wegen schlechter Finanzlage des Landes wurden die Gehälter bald darauf ( 1660 ) herabgesetzt und Sparr erhielt von da ab nur noch ungefähr 500 Tlr . monatlich und 120 Scheffel Korn . 70 Das Stadthaus des Feldmarschalls lag in der Spandauerstraße und bildet jetzt mit seinen Seiten- und Hintergebäuden den dritten Posthof . Unmittelbar zur Linken , wenn man aus dem zweiten Posthof in den dritten eintritt , befindet sich ein in Stein gehauenes Brustbild des alten Sparr und unter demselben folgende , im Auftrage der Baronin von Blumenthal ( geb . von Schwerin ) angefertigte Inschrift : Aeternitati sacer heros Illustriss . L. B. Otto Christoph de Sparr Coeli possessiones occupaturus Gratam circumspexit posteritatem Et linqendae huic sedi Singulari mentis destinatione Heredem fecit Illustriss . dominam Loysam B. de Blumenthal Ex Domo Schvverinia Atque ea Testatura benefico cineri Qvanti fecerit hoc inter vivos donum Simul Ut perennius esset Generosae mentis monumentum Ingenti id sumptu A damnosa die vindicavit et restituit In firmitatem et decus hoc Qvod lector prospicis Servet hunc verticem salus Et limen custodiat Jehovae vigil . oculus Heroi autem nostro In sion esto habitatio Et in pace locus ejus . P. J. J. Anno CDDCLXVIII . ( In der Mitte des vorigen Jahrhunderts gehörte das Sparrsche Stadthaus dem Minister Adam Otto von Viereck . ) 71 Das Sparrsche Erbbegräbnis in der Marienkirche besteht in einem an der Nordseite des Chores gelegenen Anbau , dessen oberer Teil einen kleinen , jetzt zum Teil zur Bibliothek eingerichteten Saal enthält . Darunter befindet sich die eigentliche Gruft , über deren am inneren Chor befindlichen Eingange sich das Grabdenkmal von weißem Marmor erhebt . Dasselbe zeigt , in architektonischer Einfassung von zwei Säulen nebst Sims , einen etwas überlebensgroßen , geharnischten Mann , kniend vor einem Pult , auf welchem ein Buch nebst Totenkopf und Kruzifix . Hinter dem Betenden , zur Linken des Beschauers , ein helmtragender Edelknabe in ganzer Figur . Unter der Decke des Pultes schaut mit nach seinem Herrn gewandten Kopfe ein Hund hervor . An der mit leiser Architekturandeutung versehenen Fläche hinter der Hauptfigur stehen in deutscher Sprache die Verse Hesek . 37 , 3 – 6 und Hiob 19 , 25. Über dem Sims eine gleichsam zum Giebel sich gestaltende Gruppe : inmitten das einfache Sparrsche Wappen von Mars und Minerva gehalten , zu deren Seiten je zwei an Geschützen gefesselte sitzende Figuren . Dahinter eine Anzahl Fahnen . Das ganze im Übergang von Renaissance zum Barockstil , trägt zwar in der gebotenen herkömmlichen Anordnung die Manier oder den Charakter der Zeit , erweist sich dagegen in seiner Ausführung höchst verdienstlich . Ist gleich ein geharnischter Mann der möglichst ungünstige Gegenstand für Skulptur , so sind doch Kopf und Hände der knienden Hauptfigur vortrefflich modelliert , überhaupt aber ist im ganzen , wie in den Teilen , zumal in den Nebenfiguren , ein künstlerisch modifizierter Realismus unverkennbar . Es offenbart sich darin etwas von dem kräftigen Geiste Schlüters , verbunden mit einem Anfluge jener Manier , die die französische Bildhauerkunst des vorigen Jahrhunderts beherrschte . Wer das Werk schuf , ist nicht mit Sicherheit festgestellt . Die Tradition nennt den jüngeren Artus Quellinus , einen Holländer , den Sohn und Schüler seines gleichnamigen Vaters . Das Denkmal selbst trägt weder Namen noch Chiffre . 72 Es ist sehr interessant zu verfolgen , in welcher Art und nach welchen Gesetzen das Volk sich seine Helden ausstaffiert . Es verfährt dabei lediglich nach einem ihm innewohnenden romantischen Bedürfnis und ist gegen nichts gleichgültiger , als gegen den wirklichen historischen Sachverhalt . Otto Christoph von Sparr war in den letzten zehn Jahren seines Lebens ein frommer Kriegsheld . Hätte seine Frömmigkeit nach außen hin in irgend etwas Wundersamem eklatiert , so würde diese eklatante Tat für das Sagenbedürfnis der Prendener Stoff und Anlehnung geboten haben ; da Sparrs Frömmigkeit aber stille Wege ging und alles frappierend Wundersame vermied , so war sie für die Prendener so gut wie gar nicht da , die denn auch sein Leben um Züge befragten , die mehr in die Augen sprangen . Da hörten sie von Türkenzügen , vom Niederschießen des Marienkirchturms , von Kettenkugeln , von seinen sonstigen Wundern als Artilleriegeneral , und der Zauberer war fertig . Er hat nun Fausts Mantel und fährt , wie Derfflinger , über die Kirchtürme hin , an denen der eine die Peitsche des Kutschers , der andere die Teerbutte seines Wagens hängen läßt . Was den Stein mit den Krampen und Ketten und den vier Sklaven angeht , so ist es ersichtlich , daß das Reiterbild des Großen Kurfürsten , mit den vier Gefesselten am Sockel desselben , zu dieser wie zu ähnlichen Sagen Veranlassung gegeben hat . 73 Es verlohnt sich , dies eigens hervorzuheben , denn unter den mannigfachen kleinen Strapazen , womit das Hinaufsteigen in alte Türme und das Hinabsteigen in alte Grüfte verbunden ist , steht das Glockeninschrift-Lesen obenan . Ohne » Licht und Leiter « geht es eigentlich kaum , aber beide sind nie zur Hand und so fällt einem das Los zu , sich zu helfen , so gut es geht . Das erste ist , daß alle Schallöcher geöffnet werden , die nun natürlich einen Zug herstellen , als sollte Wäsche getrocknet werden , während es dem vom Treppensteigen Erhitzten wie der Tod über den Rücken läuft . Nun sind die Schallöcher auf und das Licht dringt ein , aber entweder die Distanz oder die gotischen Buchstaben oder gar der Schwalbenguano spotten noch immer der Entzifferungskunst des unten Stehenden , der sich nun genötigt sieht , die Reste seiner Turnerschaft hervorzusuchen . Erst ein Griff nach dem Querbalken , dann ein Schwung in das Kreuzgebälk hinein , – so , halb hängend , halb stehend , beginnt die Lektüre . Ist nun ein gefälliger Küster , dem sich Wort für Wort diktieren läßt , mit in den Turm hinaufgestiegen , so kann das Schlimmste der Expedition als überstanden angesehen werden , hat er aber , aus diesem oder jenem Grunde , seine kleine Tochter mit hinaufgeschickt , so bleibt einem schließlich nichts anderes übrig , als sich , wie der Glöckner von Notre-Dame , seitwärts auf die Glocke zu werfen und , die » große Marie « fest umarmend , auf dem erzenen Nacken derselben die Inschrift abzuschreiben . 74 An der Mittelbiegung desselben und zwar dort , wo jetzt malerisch zwischen Wald und See das Dörfchen Altenhof gelegen ist , erhob sich noch ein zweites Werbellin-Schloß : Schloß Breden . Unter dem dortigen Forsthause befinden sich gewölbte Keller , die man vor etwa hundert Jahren entdeckte , als der Grund zur Aufführung einer neuen Försterei gelegt werden sollte . Man fand aber nicht bloß alte Gewölbe , sondern auch kupferne und eiserne Gerätschaften , die bis diesen Tag in der Försterfamilie ( seit über hundert Jahren immer dieselbe ) aufbewahrt werden . Die dörfliche Tradition spricht sogar von einem Fasse mit Wein , dessen Dauben bei der Berührung in Staub zerfielen , während der Wein , in der topasfarbenen Weinsteinkruste , die sich gebildet hatte , wie in einer Kristallbowle unverschüttet stehenblieb . 75 Schloß Grimnitz , in unmittelbarer Nähe des » Werbellin « am Grimnitzsee gelegen , war ebenso der bevorzugte Aufenthalt Ottos IV. , des sogenannten Markgrafen mit dem Pfeil , wie Schloß Breden und Schloß Werbellin die bevorzugten Plätze Markgraf Waldemars waren . » Hier war es auch wohl « , so schreibt F. Brunold , » wo Markgraf Otto mit seiner kühnen Gemahlin Heilwig von Holstein am Schachbrett saß , von Spielleuten umgeben , ganz so wie es uns ein Bild in der Manessischen Sammlung der Minnesänger noch heute zeigt . « 1529 ward auf Schloß Grimnitz ein Friede zwischen der Mark und Pommern geschlossen , der ausdrücklich der Friede zu Grimnitz heißt , und 1549 brach hier Kurfürstin Hedwig , die Gemahlin Joachims II. ( nicht die » schöne Gießerin « wie andere erzählen ) durch den morsch gewordenen Fußboden des ersten Stockes und nahm , auf die Hirschgeweihe der darunter befindlichen Halle niederstürzend , so schweren Schaden , daß sie von der Zeit ab an Krücken gehen mußte . 76 Eine gleich große Zahl befindet sich nur noch in dem berühmten Tiergarten ( » Dyrehave « ) von Kopenhagen . Als König Friedrich Wilhelm IV. 1844 in Kopenhagen war , besuchte er auch den Tiergarten , Treiber und Jagdbediente bildeten Spalier und vor dem im Portal der » Eremitage « stehenden Könige wurden gegen dreitausend Hirsche vorbeigetrieben . Die klugen Tiere verrieten keine Spur von Scheu . Die Leute in der Eremitage erzählen von dieser » Revue « bis diesen Tag . 77 Märkische Muränenseen waren zu Bekmanns Zeiten folgende : der Moriner- , der Soldiner- , der Lychener- und der Stechliner- , ferner der Lindower- und der Schermützel-See . Mehrere davon , wenn nicht alle , haben inzwischen ihre Muränen verloren , ebenso wie der » Werbellin « . 78 In China oder Japan , oder vielleicht in beiden Ländern , verstehen es die Bewohner , die Kormorans zum Fischfang abzurichten . Sie bedienen sich dazu der allereinfachsten Prozedur , indem sie dem Kormoran , nachdem ihm die Flügel gestutzt wurden , einen Ring um den Hals legen , der die Kehle des Tieres halb zuschnürt . Nun beginnt der Kormoran mit gewohntem Geschick seinen Fischfang , da er aber , der halb zugeschnürten Kehle halber , die Fische nicht herunterschlucken kann , so wirft er sie großmütig in neben ihm befindliche kleine Boote , wo sie die Fischer in Empfang nehmen . 79 Gegenüber dem Wandpfeiler , der diese Trophäe trägt , befindet sich , in gleicher Höhe mit den Emporen der Kirche , der ehemalig Pfuelsche Chor- oder Kirchenstuhl , groß und geräumig , nach Art eines Zimmers . An seiner Vorderwandung bemerken wir drei oder vier ineinander verschlungene Goldbuchstaben , die aller Entzifferung spotten , höchst wahrscheinlich aber einen Pfuelschen Namenszug darstellen . Der Kirchenstuhl selber hat etwas unheimlich Geheimnisvolles . Die Fenster sind ausgenommen und wenn man auf die Brüstung einer der Nebenemporen steigt , um von der Seite her hineinzulugen , so gewahrt man nichts als einen rostigen Kamin , Spinnweb und verstaubte Gewölbekappen , die unter den aufgerissenen Dielen sichtbar werden . Der Aufgang zu diesem Chorstuhl ist vermauert ( man erkennt noch die Stelle , wo die Treppe mündete ) und wie die Jahre wachsen , so wächst auch der Reiz der Frage : Wer hat diese Dielen aufgerissen ? Wer bangte vor diesem Platz ? Wer hat ihn vermauert ? Havelland Vorwort zur zweiten Auflage Entstanden zwischen 1863 und 1872 . Erstdruck : Berlin ( W. Hertz ) 1873 . Der Text folgt der » Wohlfeilen Ausgabe « von 1892 . Vorwort zur zweiten Auflage Auch diese neue Auflage des dritten Bandes der Wanderungen bat eine Umgestaltung erfahren . Wie bei Band I und II ist alles dem Spezialtitel Nichtentsprechende fortgelassen und durch ausschließlich Havelländisches oder doch dem Flußgebiet der Havel Angehöriges ersetzt worden . Auf diese Weise kamen hinzu : das Havelluch , Oranienburg , Tegel , Fahrland , die Fahrlander Chronik , Sakrow , » Wer war er ? « , Falkenrehde , » Zwei heimlich Enthauptete « und Wust , das Geburtsdorf Hans Hermanns von Katte . Daran schließt sich noch Kloster Chorin , das , wiewohl außerhalb des Flußgebietes der Havel gelegen , um Lehnins willen , dessen Tochterkloster es war , mit herangezogen wurde . Wobei zugleich der Wunsch mitwirkte , dem mehrere Kapitel umfassenden Abschnitt von der Kolonisation der Mark durch die Zisterzienser wenigstens annähernd einen Abschluß zu geben . Das Historische ( im Gegensatz zu » Oderland « ) tritt im ganzen genommen in diesem dritten Bande zurück , und Landschaft und Genre prävalieren . An nicht wenigen Stellen entstand für mich die Frage , ob ich nicht , über die bloße Form hinaus , auch inhaltlich zu Änderungen zu schreiten und von einem inzwischen erfolgten Wechsel der Dinge Notiz zu nehmen hätte . Um ein paar Beispiele zu geben : das Friedrichsche Ehepaar auf der Pfaueninsel ist gestorben , Etzin ist niedergebrannt und der in Trümmern liegende Teil der Lehniner Klosterkirche ist neuaufgebaut worden . Ich hab ' es aber mit Rücksicht darauf , daß alles Umarbeiten und Hinzufügen in der Regel nur Schwerfälligkeiten schafft , schließlich doch vorgezogen , das meiste so zu belassen , wie sich ' s etwa um ' s Jahr 1870 dem Auge präsentierte und bitte den Leser , wo sich die Benötigung dazu herausstellen sollte , dies freundlichst im Auge behalten zu wollen . Berlin , 24. April 1880 Theodor Fontane Havelland Havelland Grüß Gott dich , Heimat ! ... Nach langem Säumen In deinem Schatten wieder zu träumen , Erfüllt in dieser Maienlust Eine tiefe Sehnsucht mir die Brust . Ade nun Bilder der letzten Jahre , Ihr Ufer der Saône , der Seine , Loire , Nach Kriegs- und fremder Wässer Lauf Nimm , heimische Havel , mich wieder auf . Es spiegeln sich in deinem Strome Wahrzeichen , Burgen , Schlösser , Dome : Der Juliusturm , den Märchen und Sagen Bis Römerzeiten rückwärts tragen , Das Schildhorn , wo bezwungen im Streite , Fürst Jaczo dem Christengott sich weihte , Der Harlunger Berg , der an oberster Stelle Weitschauend trug unsre erste Kapelle , Das Plauer Schloß , wo fröstelnd am Morgen Hans Quitzow steckte , im Röhricht verborgen , Die Pfaueninsel , in deren Dunkel Rubinglas glühte Johannes Kunckel , Schloß Babelsberg und » Schlößchen Tegel « , Nymphäen , Schwäne , blinkende Segel , – Ob rote Ziegel , ob steinernes Grau , Du verklärst es , Havel , in deinem Blau . Und schönest du alles , was alte Zeiten Und neue an deinem Bande reihten , Wie schön erst , was fürsorglich längst Mit liebendem Arme du umfängst . Jetzt Wasser , drauf Elsenbüsche schwanken , Lücher , Brücher , Horste , Lanken , Nun kommt die Sonne , nun kommt der Mai , Mit der Wasserherrschaft ist es vorbei . Wo Sumpf und Lache jüngst gebrodelt , Ist alles in Teppich umgemodelt , Ein Riesenteppich , blumengeziert , Viele Meilen im Geviert . Tausendschönchen , gelbe Ranunkel , Zittergräser , hell und dunkel , Und mitteninne ( wie das lacht ! ) Des roten Ampfers leuchtende Pracht . Ziehbrunnen über die Wiese zerstreut , Trog um Trog zu trinken beut , Und zwischen den Trögen und den Halmen , Unter nährendem Käuen und Zermalmen , Die stille Herde , ... das Glöcklein klingt , Ein Luftzug das Läuten herüberbringt . Und an dieses Teppichs blühendem Saum All die lachenden Dörfer , ich zähle sie kaum : Linow , Lindow , Rhinow , Glindow , Beetz und Gatow , Dreetz und Flatow , Bamme , Damme , Kriele , Krielow , Petzow , Retzow , Ferch am Schwielow , Zachow , Wachow und Groß-Behnitz , Marquardt-Ütz an Wublitz-Schlänitz , Senzke , Lenzke und Marzahne , Lietzow , Tietzow und Rekahne , Und zum Schluß in dem leuchtenden Kranz : Ketzin , Ketzür und Vehlefanz . Und an deinen Ufern und an deinen Seen , Was , stille Havel , sahst all du geschehn ? ! Aus der Tiefe herauf die Unken klingen , – Hunderttausend Wenden hier untergingen ; In Lüften ein Lärmen , ein Bellen , ein Jagen , » Das ist Waldemar « , sie flüstern und sagen ; Im Torfmoor , neben dem Cremmer Damme , ( Wo Hohenloh fiel ) was will die Flamme ? Ist ' s bloß ein Irrlicht ? ... Nun klärt sich das Wetter , Sonnenschein , Trompetengeschmetter , Derfflinger greift an , die Schweden fliehn , Grüß Gott dich Tag von Fehrbellin . Grüß Gott dich Tag , du Preußenwiege , Geburtstag und Ahnherr unsrer Siege , Und Gruß dir , wo die Wiege stand , Geliebte Heimat , Havelland ! Potsdam , im Mai 1872 Die Wenden Die Wenden in der Mark 1. Geographisch-Historisches 1. Geographisch-Historisches Lichthelle Götter , Höret , Höret unser Flehen um Sieg ! Wir kämpfen für Leben und Freiheit , Für Weib und Kind . Notschirmer Radigast , Krieghelfer Svantevit , Leidwahrer Triglaw , O verleihet uns Sieg ! Karl Seidel Am Nordufer der Mittelhavel , den ganzen Havelgau und südlich davon die » Zauche « beherrschend , lag die alte Wendenfeste Brennabor . Ihre Eroberung durch Albrecht den Bären ( 1157 ) entschied über den Besitz dieses und der benachbarten Landesteile , die von da ab ihrer Christianisierung und , was insonderheit die Havelgegenden angeht , auch ihrer Germanisierung rasch entgegengingen . Diese Germanisierung , soweit sie durch die Klöster erfolgte , soll uns in den nächsten Kapiteln beschäftigen ; unsre heutige Aufgabe aber wendet sich ausschließlich der heidnischen Epoche vor 1157 zu und versucht in dieser Vorgeschichte der Mark eine Geschichte der märkischen Wenden zu geben . Dieser Ausdruck ist nicht völlig korrekt . Es soll heißen : Wenden , die , noch ehe es eine » Mark « gab , in demjenigen Landesteile wohnten , der später Mark Brandenburg hieß . Zuerst ein Wort über die Wenden überhaupt . Sie bildeten den am meisten nach Westen vorgeschobenen Stamm der großen slawischen Völkerfamilie ; hinter ihnen nach Osten und Südosten saßen die Polen , die Südslawen , die Groß- und Kleinrussen . Die Wenden rückten , etwa um 500 , in die halb entvölkerten Lande zwischen Oder und Elbe ein . Sie fanden hier noch die zurückgebliebenen Reste der alten Semnonen , jenes großen germanischen Stammes , der vor ihnen das Land zwischen Elbe und Oder inne gehabt und es – entweder einem Drucke von Osten her nachgebend , oder aber durch Abenteuerdrang dazu getrieben – im Laufe des fünften Jahrhunderts verlassen hatte . Nur Greise , Weiber und Kinder waren teilweis zurückgeblieben und kamen in Abhängigkeit von den vordringenden Wenden . Diese wurden nunmehr der herrschende Stamm und gaben dem Lande sein Gepräge , den Dingen und Ortschaften ihre wendischen Namen . Als nach drei- , vier- und fünfhundert Jahren die Deutschen zum ersten Male wieder mit diesem Lande » zwischen Elbe und Oder « in Berührung kamen , fanden sie , wenige Spuren ehemaligen deutschen Lebens abgerechnet , ein völlig slawisches , d.h. wendisches Land vor . Das Land war wendisch geworden , ebenso die östlicheren Territorien zwischen Oder und Weichsel . Aber das westliche Wendenland war doch die Hauptsache . Hier , zwischen Oder und Elbe , standen die berühmtesten Tempel , hier wohnten die tapfersten und mächtigsten Stämme . Dieser Stämme , wenn wir von kleineren Gemeinschaften vorläufig absehen , waren drei : die Obotriten im heutigen Mecklenburg , die Liutizen in Mark und Vorpommern und die Sorben oder Serben im Meißnischen und der Lausitz . Unter diesen drei Hauptstämmen der Westwenden , ja vielleicht der Wenden überhaupt , waren wiederum die Liutizen , denen also die märkischen Wenden als wesentlicher Bruchteil zugehörten , die ausgedehntesten und mächtigsten . Mit ihnen stand und fiel die Vormauer des Slawentums , und der beste , zuverlässigste und wichtigste Teil der ganzen Wendengeschichte ist die Geschichte dieses Stammes , die Geschichte der Liutizen . Schafarik sagt von ihnen : » Unter den polabischen , d.h. den an der Elbe wohnenden Slawen waren die Liutizen oder Lutizer oder Weleten durch ihre Volksmenge und Streitbarkeit wie durch ihre Ausdauer bei alten Sitten und Gebräuchen , die berühmtesten . Ihr Name wird in den deutschen Annalen von Karl dem Großen bis zu ihrer völligen Unterwerfung ( 1157 ) öfter denn irgendein anderer Volksname genannt ; er herrscht sogar in altdeutschen Sagen und Märchen . In russischen Volkssagen wird er noch heutigentags vom Volke mit Schrecken erwähnt . « So weit Schafarik . Ehe wir indessen zu einer kurzgefaßten Geschichte der Liutizen überhaupt übergehen , schicke ich den Versuch einer politischen Geographie des Liutizerlandes vorauf . Die Liutizen , wie schon angedeutet , hatten ihre Sitze nicht bloß in der Mark ; einige ihrer hervorragendsten Stämme bewohnten Neu-Vorpommern , noch andere das heutige Mecklenburg-Strelitz . Sie lebten innerhalb dieser drei Landesteile : Mark , Strelitz , Vorpommern , in einer nicht genau zu bestimmenden Anzahl von Gauen , von denen folgende die wichtigsten waren oder doch die bekanntesten gewesen sind . In der Mark : die Brizaner in der Priegnitz ; die Morizaner in der Gegend von Leitzkau , Grabow , Nedlitz ; die Stodoraner und Heveller in Havelland und Zauche ; die Spriavaner im Teltow und Nieder-Barnim , also zu beiden Seiten der Spree ; die Riezaner in der Nähe von Wriezen , am Rande des Oderbruches hin ; die Ukraner in der Nähe von Pasewalk . In Pommern und Mecklenburg-Strelitz : die Chizziner in der Nähe von Güstrow ; die Circipaner um Wolgast herum ; die Dolenzer um Demmin und Stolp ; die Ratarer oder Redarier zwischen Oberhavel , Peene und Tollense ; die Woliner auf Wollin und Usedom ; die Rugianer oder Ranen auf Rügen . Kleinere eingestreute Gaue waren : Sitna oder Ziethen ; der Murizzi-Gau am Müritzsee ; der Dossauer Gau an der Dosse bei Wittstock . Unter allen diesen Völkerschaften , Stämmen und Stämmchen , man könnte sie Clans nennen , waren wohl die Ranen und die Redarier die wichtigsten , beide als Hüter der zwei heiligsten Tempelstätten Rethra 1 und Arkona . Die Ranen außerdem noch ausgezeichnet als Seefahrer und siegreich über die Dänen . Die märkischen Wenden konnten nach dieser Seite hin mit den Wenden in Pommern und Mecklenburg nicht wetteifern , aber andererseits fiel ihnen die Aufgabe zu , in den jahrhundertelangen Kämpfen mit dem andringenden Deutschtum beständig auf der Vorhut zu stehen , und in dem Mute , den die Spree- und Havelstämme in diesen Kämpfen entwickelt haben , wurzelt ihre Bedeutung . Wenn die Ranen , und namentlich auch die Redarier , wie ein Stamm Levi , kirchlich vorherrschten , so prävalierten die märkischen Wenden politisch . Brandenburg , das wir wohl nicht mit Unrecht als den wichtigsten Punkt dieses märkischen Wendenlandes ansehen , wurde neunmal erobert und wieder verloren , siebenmal durch Sturm , zweimal durch Verrat . Die Kämpfe drehten sich mehr oder weniger um seinen Besitz . Die ersten Berührungen mit der wendischen Welt , mit den Volksstämmen zwischen Elbe und Oder , fanden unter Karl dem Großen statt ; sie führten zu nichts Erheblichem . Erst unter dem ersten Sachsenkaiser , Heinrich dem Finkler , wurde eine Unterwerfung der Wenden versucht und durchgeführt . Diese Kämpfe begannen im Jahre 924 durch einen Einfall Heinrichs in das Land der Stodoraner und durch Wegnahme Brennabors . Dieser Wegnahme folgten Aufstände der Redarier , Stodoraner und Ukraner , woran sich dann neue deutsche Siege reihten . Es war eine endlos ausgesponnene Kette , in der jedes einzelne Glied so Ursach wie Wirkung war . Die deutsche Grausamkeit schuf wendische Aufstände , und den wendischen Aufständen folgten erneute Niederlagen , die , von immer neuen Grausamkeiten des Siegers begleitet , das alte Wechselspiel wiederholten . So war es unter Kaiser Heinrich , und so war es unter Otto dem Großen . Zweimal wurden die Wenden in blutigen Schlachten niedergeworfen , 929 bei Lunkini ( Lenzen ) , 2 935 am Dosafluß ( an der Dosse ) , aber ihre Kraft war ungebrochen , und der Tag kam heran , der bestimmt war , alle Niederlagen quitt zu machen . Dies war die Schlacht am Tangerfluß 983 . Da von dieser Zeit an das schon halb tot geglaubte Wendentum einen neuen Aufschwung nahm und noch einmal in aller Macht und Furchtbarkeit aufblühte , so mag es gestattet sein , bei den Vorgängen einen Augenblick zu verweilen , die zu dieser Schlacht am Tanger führten . Mistewoi war Obotritenfürst und bereits Christ geworden . Er hielt zum Herzog Bernhard , der damals Markgraf von Nordmark war , und fühlte sich demselben an Macht , Geburt und Ansehen nah genug , um um dessen Nichte anzuhalten . Der Markgraf versprach sie ihm ; Mistewoi aber , um ganz in die Reihe christlicher Fürsten einzutreten , zog zunächst mit tausend wendischen Edelleuten nach Italien und focht an Kaiser Ottos Seite in der großen Schlacht bei Basantello . Als er zurückgekehrt war , erschien er vor Markgraf Bernhard und wiederholte seinen Antrag . Dieser schwankte jetzt aber