Trabantengarde . In dieser Doppelstellung mocht ' er glauben , dem alten Feldmarschall gegenüber eine freiere Sprache führen zu dürfen . 31 Bei dieser Gelegenheit zog er sich , um seinem Unmut Ausbruch zu geben , einfach nach Gusow zurück und wartete hier das Weitere ab . Der Kurfürst lenkte wirklich wieder ein und ließ ein Promemoria veröffentlichen , in dem es hieß : › Daß dem » Herrn Derfflinger ‹ im Kommando kein Tort geschehen solle , sei demselben durch Se . Kurfürstliche Durchlaucht versichert worden . Dies hätte jedoch bei dem Herrn Feldmarschall nichts gewirkt , da derselbe mit höchster Hartnäckigkeit darauf bestanden , daß , wenn er mit ins Feld ziehen sollte , der Fürst von Anhalt zurückbleiben müsse . Dieser Ungehorsam sei eigentlich sträflich , dennoch wolle S. K. D. es dabei bewenden lassen , daß Derfflinger sich auf seine Güter begeben habe . « – Viel bitterer noch war ein andrer zwischen Herr und Diener geführter Streit . Derfflinger verlangte mitten im Kriege , 1678 , den Abschied , worauf es der Kurfürst seinem ( Derfflingers ) eigenen Ermessen anheimstellte , » ob er hierdurch nicht seine wohlerworbene Ehre beflecken würde « , hinzufügend » er müsse bleiben und ausharren , schon weil er viel Saures und Süßes in seinem Dienste gekostet habe « . Der Alte war durch solche Worte schwer getroffen und betonte , » daß er seiner Ehre zuwider nie etwas in der Welt vorgenommen habe « , was aber das Saure und Süße anginge , » so sei des Sauren viel mehr gewesen « . 32 Diese drei Regimenter waren die folgenden : Infanterieregiment Derfflinger , 1200 Mann stark , in Küstrin und Kolberg ; Kürassierregiment Derfflinger , 600 Mann stark , in der Neumark ; Dragonerregiment Derfflinger , 720 Mann stark , in Pommern . Das letztgenannte Regiment » Derfflinger-Dragoner « wurde 1683 , wohl aus Courtoisie gegen den Alten , nach Berlin gezogen und erhielt seine Stallungen in Nähe des Schönhauser Tores . Daraus entstand später die Dragonerstraße . 33 Diesem Hause , Köllnischer Fischmarkt 4 , war es vorbehalten , am 18. März 1848 noch einmal eine historische Rolle zu spielen , freilich keine , die dem alten Derfflinger gefallen haben würde . Hier sowohl wie in dem gegenüberliegenden Rathause hatten sich die Aufständischen verschanzt und wurden erst nach hartnäckigem Kampfe überwunden . Die Verteidiger des Rathauses wurden alle niedergemacht , bis auf den Führer , den sein Mut und seine Geistesgegenwart rettete . Er trat dem Offizier mit offener Brust entgegen und wurde von diesem sofort niedergehauen ; so kam er mit dem Leben davon , weil man Anstand nahm , einen Schwerverwundeten zu töten . Im d ' Heureuseschen Hause selbst kommandierte der Blusenmann Sigrist , dem die Ernennung des » Mr. Albert , ouvrier « zum Minister der öffentlichen Arbeiten zu Kopf gestiegen war . Er bewies viel Mut , taugte aber nichts und verschwand bald vom Schauplatz . 34 Derfflingerporträts befinden sich im Potsdamer Stadtschloß , im Feldmarschallssaal des Kadettenhauses und im Besitz Sr. K. K. Hoheit des Kronprinzen . Ein viertes ( ebenfalls ein Derfflinger zu Pferde ) befand sich in der Spandauer Straße , im » Pötterschen Hause « , Ecke der Parochialstraße . Graf Lippe , dem ich diese Notiz entnehme , spricht die Vermutung aus , daß es aus dem Stadtschlosse des Feldmarschalls Freiherrn von Sparr , der in der genannten Straße ein jetzt zum Hauptpostamt gehöriges Haus besaß , hierher gelangt sein könne . Neben diesen Ölbildern kommen ein im Kupferstichkabinett befindlicher Stich und eine vom kurfürstlichen Medailleur Höhn herrührende , schon S. 182 erwähnte Medaille in Betracht . Sie wird in der Königlichen Medaillensammlung aufbewahrt , und wurde vom Historienmaler Professor Kretschmer für sein bekanntes Ölgemälde » Landung des großen Kurfürsten auf Rügen « benutzt . Der weiße Dragonerrock Derfflingers befindet sich im königlichen Zeughause . 35 So find ' ich in dem Derfflinger-Aufsatze Graf Lippes , der seinerseits eine beglaubigte Kopie Pastor Baltzers in Gusow benutzte . Weshalb ich mir auch keine Änderung erlaubt habe . Täuscht mich indessen mein Gedächtnis nicht , so muß es heißen , » zwanzig Schuh in ' s Licht zu verlängern « . Ein Gebäude hat so und so viel Fuß » im Lichten « , im Gegensatz zu dem Gebäudebrutto , wo die Dicke der Mauer mitgerechnet wird . 36 Wie diese Familie zu den ältesten der Mark gehört , so ist es ihr auch vorbehalten gewesen , durch drei Generationen hin , ihren Namen mit unserer Landesgeschichte zu verweben und zum Ruhme derselben beizusteuern . In hundertfünfzig Jahren gingen mehrere hundert Offiziere aus ihr hervor , darunter acht Generale . Nur wenigen Familien ( fünf ) war es vergönnt , die Marwitze nach dieser Seite hin zu überflügeln ; die Kleist weisen vierzehn auf , die Schwerin elf , die von der Goltz zehn , die Bork und die Bredow neun . 37 Nach dem Kriege wurde Quintus Icilius ( eigentlich Guichard , aus einer Refugiésfamilie ) oft zur königlichen Tafel gezogen . Der König fragte einst über Tisch hin : » Was hat Er denn eigentlich mitgenommen , als Er das Schloß des Grafen Brühl plünderte ? « worauf Quintus Icilius replizierte : » Das müssen Ew . Majestät am besten wissen , wir haben ja geteilt . « 38 Noch auf dem Stettinschen Landtage im Jahre 1602 hatte die Ritterschaft feierlich geschworen , denjenigen , der sich künftig weigern werde , richtige Schulden prompt zu bezahlen , für einen Unmann , Schelm und Bösewicht zu halten und mit ihm weder essen noch trinken zu wollen . Versündigung am Vaterland , Höhnung des Gottesdienstes , grobe Insolenz , mutwilliger Bankrott sollte der ritterschaftlichen Vorrechte verlustig machen und den Gutsbesitz auf den würdigeren Agnaten bringen . In solchem wahrhaft ritterlichem Sinne hatten der pommersche und brandenburgische Adel ihre Kinder meist in spartanischer Genügsamkeit für den Dienst des Königs erzogen , und die Schlachtfelder , auf denen Preußen seine Ebenbürtigkeit mit den großen Mächten errungen , hatten dem Stande den ersten Rang nach dem regierenden Hause gegeben . ( Pertz , Leben Steins . ) Und Marwitz selbst schreibt über denselben Gegenstand : » In der Tat hat es niemals eine Institution gegeben , in welcher das Rittertum ähnlicher wieder aufgelebt wäre , als in dem Offizierstande Friedrichs des Zweiten . Dieselbe Entsagung jedes persönlichen Vorteils , jedes Gewinnstes , jeder Bequemlichkeit , – ja , jeder Begehrlichkeit , wenn ihm nur die Ehre blieb ; dagegen jede Aufopferung für diese , für seinen König , für sein Vaterland , für seine Kameraden , für die Ehre der preußischen Waffen . Im Herzen Pflichtgefühl und Treue , für den eigenen Leib keine Sorge . « 39 Marwitz , in seiner Bitterkeit , erklärt dies daraus , daß der Justizminister Kircheisen eine » Kreatur Hardenbergs « gewesen sei . Die eigentliche Erklärung – wie überhaupt die Erklärung alles dessen , was an Rechtsverunglimpfungen vorausgegangen war – liegt wohl darin , daß in der allgemeinen Anschauung des Volkes , an der eben jeder mehr oder weniger teilnahm , ein ständischer Staat seit lange nicht mehr existierte . Die Stände hatten neben der absoluten obersten Regierungsgewalt eine Art geduldetes Dasein geführt , die Könige waren so viel und die Stände so wenig gewesen , daß , als der Moment kam , wo die zweifellos in ihrem Recht gekränkten Stände wieder etwas sein wollten , niemand mehr einen rechten Glauben an die Rechtmäßigkeit ihres Rechtes hatte . 40 Es heißt über ihren Sohn im Schulprogramm ( 1804 ) des grauen Klosters : » Staël-Holstein aus Paris , empfahl sich kurze Zeit , daß er die erste Klasse des Gymnasiums besuchte , durch ein gesittetes Betragen und einen lobenswerten Fleiß . Der unerwartete Tod seines Großvaters , des ehemaligen Finanzministers Necker , veranlaßte seine Mutter zur eiligen Abreise in die Schweiz , der er folgte . « – Diesem Schulprogramm entnehme ich auch eine Notiz über die Dichtungen , die Michaelis 1804 und 1806 bei Gelegenheit der öffentlichen Prüfung von den Schülern der Oberklassen deklamiert wurden . Es waren : 1. Monolog des Brutus aus der Voltaireschen Tragödie » Cäsar « , 2. Elegie an Rosalie , von Tiedge . 3. Der Führer , ein Gedicht von Luise Brachmann . 4. Arion , von A. W. von Schlegel . 5. Kassandra , von Schiller . 6. Der Taucher , von Schiller . 7. Die Macht des Gesanges , von Schiller . 8. Hero und Leander , von Schiller . 9. Schillers Tod , eine Elegie . 41 Schon im Sommer 1808 ( also wahrscheinlich noch in Memel ) war ihm ein ähnlicher Antrag geworden . Er hatte ihn aber mit dem Bemerken abgelehnt , daß er zuvor mehr sehen und lernen wolle . Nur in Zeiten wie die damaligen , wo nichts so niedrig stand , als das Anciennitätsprinzip , waren solche Dinge möglich . 42 Anton Eberhard Konstantin von der Marwitz ward am 2. Dezember 1790 zu Berlin geboren . Er befand sich als Schüler , kaum sechzehn Jahre alt , in der école militaire , als die Franzosen ihren Einzug in Berlin hielten . Der Gouverneur der Anstalt schoß sich tot , der Vizegouverneur verlor den Kopf und überantwortete sich und seine Anstalt der Gnade der Sieger . Diese schwankten , wie sie sich den halberwachsenen Schülern dieses Militärinstituts gegenüber verhalten sollten , zogen aber schließlich das Sichere vor und machten sie zu Gefangenen . Unter diesen war auch Eberhard von der Marwitz . Er und ein befreundeter Mitschüler verabredeten Flucht und brachen zusammen auf . Vorher schon hatten sie sich ein Pferd zu verschaffen gewußt und passierten glücklich das Tor . Ohne alle Rast setzten sie ihren Weg fort , immer abwechselnd , der eine zu Fuß , der andere zu Pferde , so daß sie schon nach vierundzwanzig Stunden die zwanzig Meilen bis Lenzen an der Elbe und über die mecklenburgische Grenze zurückgelegt hatten . Nach kurzem Aufenthalt wanderten sie weiter ins Holsteinische . Erst hier waren sie in Sicherheit , aber das Pferd auch so ruiniert , daß sie es verschenken und beide zu Fuß gehen mußten . In Kiel fanden sie ein Fischerboot , vertrauten sich in demselben dem Meere an und trafen , sechs Tage nachdem sie Berlin verlassen hatten , auf der Insel Rügen ein , wo der ältere Bruder eben sein » Freikorps « errichtete . Bei der bald erfolgenden Auflösung dieses Korps ging Eberhard von der Marwitz nach Österreich und trat als Kornet in das Chevauxlegersregiment Klenau . Bei Regensburg ( am 20. April ) zeichnete er sich aus , bis der mörderische Tag von Aspern seiner so früh und so brav begonnenen Laufbahn ein Ziel setzte . Er erhielt an diesem denkwürdigen Tage gleich zu Beginn der Schlacht den Auftrag , mit einer Abteilung von zwanzig Reitern an das vom Feinde besetzte Dorf Aspern heranzujagen . Er gehorchte und machte die Attacke . Vierzig Schritte vor dem Dorfe traf ihn eine Kanonenkugel , tötete sein Pferd und verwundete ihn schwer am rechten Oberschenkel . Dieser Verwundung erlag er am 9. Oktober ; am 10. ward er beerdigt . Eine Kompanie des 30. französischen Infanterieregiments gab bei der Gruß drei Salven und der Stadtkommandant , sowie vierzig französische und mehrere verwundete österreichische Offiziere geleiteten ihn zu Grabe . Er ruht auf dem Kirchhofe zu Nikolsburg in Mähren , » hingeopfert dem unsinnigen Befehle eines schwachköpfigen Untergenerals « , wie sein ältester Bruder in unerbittlicher Kritik schreibt . Eben dieser hat ihm auch auf dem Friedersdorfer Kirchhof einen Denkstein errichtet . 43 Es ist dies derselbe Skrzynecki , der 1831 als polnischer Generalissimus berühmt geworden ist . 44 Die Köpenicker Kriegsgerichtsakten erzählen diesen Hergang anders . Danach schickte der Leutnant von Katte seinen an den Kronprinzen gerichteten Brief nicht direkt an diesen , sondern an seinen Vetter , ebenden im Text genannten , auf Werbung in Erlangen liegenden Rittmeister von Katte , mit der Bitte , den Brief , seiner Adresse gemäß , weiter nach Ansbach an den Kronprinzen gelangen zu lassen . Der Rittmeister aber , der den Brief » suspekt « finden mochte , scheint ihn entweder geöffnet und gelesen oder vielleicht auch uneröffnet , auf bloßen Argwohn hin , per Kurier an den König geschickt zu haben . Die Differenz ist erheblich . In dem einen Falle würde der kronprinzliche Brief an Katte , in dem anderen der Kattesche Brief an den Kronprinzen die Katastrophe herbeigeführt haben . 45 Zwei Brüder von Keith spielen in der Fluchtgeschichte des Kronprinzen eine Rolle . Es ist nötig , dies gegenwärtig zu haben , wenn man sich nicht in Angaben , die mehr als einmal wie Widersprüche wirken , verwirren soll . Der eigentliche Freund des Kronprinzen war der ältere von Keith . In seiner Eigenschaft als Page des Königs erfuhr er vieles und konnte mehr als einmal den Kronprinzen vor ihn bedrohenden Gefahren warnen . Es geschah dies alles , wie durchaus hervorgehoben werden muß , nicht aus Hang zur Intrige oder auch nur aus besonderer Eitelkeit , sondern aus wirklicher Liebe zum Prinzen , jedenfalls aus Mitgefühl . Endlich entdeckt , schickte ihn der König zur Strafe nach Wesel in das dort stehende von Dossowsche Infanterieregiment und ließ den jüngeren von Keith in die Pagenstelle einrücken . Aber dieser jüngere Bruder erwies sich nicht viel anders als der ältere , bis er endlich » gerührt von der ängstlichen Gemütsstimmung des Königs , diesem in Mannheim alles reumütig bekannte . « Er scheint denn auch mit einer geringen Strafe davongekommen zu sein . Der ältere Bruder , als er von den Vorgängen in Steinsfurth hörte , floh klugerweise von Wesel nach England und konnte daselbst in den Zeitungen lesen , daß er nach kriegsrechtlichem Spruch » in effigie gehenkt worden sei « . Bald darauf nahm er portugiesische Dienste , aus denen er später ( nach 1740 ) , übrigens ohne sonderliche Karriere zu machen , in preußische Dienste zurücktrat . 46 Diese Memoiren der Markgräfin sind nichtsdestoweniger , wie nicht genug anerkannt werden kann , von einem unschätzbaren Wert . Im einzelnen haben sie beständig unrecht , im ganzen haben sie beständig recht . Handelt es sich darum , ob etwas an diesem oder jenem Tage geschah , soll über Person und Namen Endgültiges festgestellt werden , so lassen sie einen im Stich . Mitunter auch dann noch , wenn sie Selbsterlebtes erzählen . Aber das Gesamtbild , vor allem die Stimmung jener Tage , ist in unübertrefflicher Weise wiedergegeben . Selbst die Charakteristik der Personen – einige wenige ausgenommen , wo der Groll über erlittene Unbill ihr Urteil trübte – halte ich im wesentlichen für zutreffend . Wenn es heißt , daß sie den König zu streng beurteilt habe , so ist das nur halb richtig . Das Große , was unzweifelhaft in ihm steckte , können wir leicht bewundern ; seiner Umgebung aber , die vor ihm zitterte , war es mindestens schwer gemacht , dies Große jeden Augenblick gegenwärtig zu haben . 47 Von Pudewels ist von Podewils . – Die Namensschreibungen wechseln überhaupt im Laufe der Zeit , dies gilt auch von Katt und Katte , die im Text beide , und zwar abwechselnd wiederkehren . Die Familie nennt und schreibt sich jetzt von Katte , damals aber von Katt . Verschiedene später mitzuteilende Briefe führen diese letztere Unterschrift ( Katt ) . 48 Von Keith , wie schon in einer früheren Anmerkung hervorgehoben , war durch das Kriegsgericht zum Strang , von Spaen zu Kassation , von Ingersleben zu sechsmonatlicher Festungshaft verurteilt worden . Da von Keith bereits flüchtig geworden war , ward er » in effigie « gehenkt . 49 » Mon cher Katte « , rief ihm der Kronprinz zu , nachdem er ihm mit der Hand einen Kuß zugeworfen , » je vous demande mille pardons « . Worauf Katte mit Reverenz antwortete : » Point de pardon , mon prince ; je meurs avec mille plaisirs pour vous . « 50 König Friedrich Wilhelm IV. soll das Charlottenburger Kattebild , als er es erwarb , für echt , später aber für unecht gehalten haben . Geheimer Hofrat Bußler in Berlin , dem alle diese Dinge unterstehen , hält es für unecht . Schon um der Uniform willen , die er etwas später setzt . 51 Wie die Armee über den Fall dachte , darüber geben die » Kriegsgerichtsprotokolle « , über die ich weiter oben ausführlich gesprochen , den besten Aufschluß . Das » Kriegsgericht « als Ganzes entschied in seiner Schlußsitzung am 28. Oktober allerdings für lebenslängliche Festungsstrafe . Liest man aber die einzelnen Protokolle , will sagen die Separatvota der fünf Ranggruppen durch , so ergibt sich , daß eine Majorität von neun Stimmen ( die Majore , die Oberstleutnants und die Obersten ) für Tod und eine Minorität von sieben Stimmen ( die Kapitäne und die Generalmajore , dazu der Vorsitzende selbst ) für lebenslängliche Festung stimmten . Der König , als er das Urteil schärfte , stieß also nur das Schlußurteil um , das unter dem hohen moralischen Ansehen der mildesten und vornehmsten : Achaz von der Schulenburg , General Graf Schwerin und General Graf Dönhoff , sich gebildet hatte , und griff auf die vorher dagewesene Majorität der Einzelstimmen zurück . 52 Diese Komplotte waren nichts weniger als harmloser Natur und nahmen auf die Lage des Königs und des Landes nicht die geringste Rücksicht . England ( um nur einen Fall herauszugreifen ) sollte helfen , und der englische Legationssekretär Guy Dickens ward ins Vertrauen gezogen . Er übernahm es auch , seinem Hofe Vorstellungen zu machen , brachte jedoch einen Refus zurück , » weil ein sich Einmischen das Feuer an allen Ecken in Europa anzünden und die Brouillerien mit England nur noch stärker machen würde . « Man erkennt in dieser englischen Antwort sehr gut den starken und ernsten politischen Hintergrund , den der ganze Hergang hatte . 53 Schöning war nicht mit bei Fehrbellin . Er befand sich unter den Fußtruppen , die , unter dem Oberbefehl General Görtzkes , den Reiterregimentern nachrückten . 54 Als Ofen endlich gefallen war , weckte die Nachricht davon in ganz Europa ein Gefühl freudigen Dankes . Aus Rom wurde berichtet : » der Papst habe mit lauter Stimme und unter den Dankestränen der Kardinäle das Gebet verrichtet . « Überall wurden Feste gefeiert , in Genua , Madrid , Brüssel usw. drei Tage lang , und der Kurfürst schrieb , » daß er die vergnügte , für die gesamte Christenheit so importante Nachricht während des Gottesdienstes in Potsdam empfangen und dem Allerhöchsten für die Besiegung eines so blutdürstigen Feindes öffentlich gedankt habe . « Man empfand die Abwendung einer Gefahr , die das Christentum überhaupt bedroht hatte . 55 Der Herzog von Vecha wurde in vollem Ornat , angetan mit dem Orden des goldenen Vließes , vor dem Zelte des Obergenerals , des Herzogs Karl von Lothringen , zur Schau gestellt . Windlichter umstanden den Sarg und alles drängte sich herbei , den Gefallenen zu sehen . – Karl von Derfflinger war derselbe , bei dessen Todesnachricht der alte Feldmarschall die bekannten Worte : » Warum hat sich der Narr nicht besser in acht genommen ! « gesprochen haben soll . Wilhelm von Oranien sagte nach der Schlacht an der Boyne , als ihm der Tod des Bischofs von Derry gemeldet wurde : » Ganz recht , warum war er auch , wo er nicht hin gehörte ! « Es ist sehr wahrscheinlich , daß diese Wendung , etwas verändert und um vieles weniger passend , auf Derfflinger übertragen worden ist . 56 Wie Fatime in Polen und Sachsen , so spielte eine andere Türkin Emmetah Uellah , fünfzig Jahre später in Preußen eine Rolle . Im Jahre 1766 kam der bekannte Lord Marshall , der letzte » Freund « des Königs , nach Potsdam und lebte in dem nach ihm genannten Hause in Sanssouci . Ihn begleitete seine Pflegetochter Emmetah Uellah , die Tochter eines Janitscharenhauptmanns , welche sein Bruder , der Feldmarschall Keith , im Jahre 1737 bei der Erstürmung der Festung Oczakow vor sicherem Tode gerettet hatte . Emmetah Uellah ( » die Barmherzigkeit Gottes « ) war eine auffallende Schönheit und im hohen Grade liebenswürdig . Schon 1747 , als sie mit dem damals noch kaiserlich-russischen Feldmarschall zum ersten Male nach Berlin kam , hatte sie allgemeines Aufsehen erregt und auf den Gesandtschaftsreisen ihres Pflegevaters sich so vorteilhaft ausgebildet , daß sie mit ungezwungenstem Anstand die Honneurs des Hauses machen konnte . D ' Alembert erzählt von ihr , Lord Marshall , obgleich schon im Greisenalter , habe eine leidenschaftliche Neigung für sie gefaßt , sei aber nicht erhört worden . Emmetah erwiderte auf den Antrag des Lords : » Ich bin deine Sklavin , und du kannst mit mir schalten , wie du willst ; aber du würdest mich sehr unglücklich machen , wenn du von deinem Rechte Gebrauch machen wolltest . Ich liebe dich wie eine zärtliche Tochter ihren Vater nur lieben kann , mehr aber verlange nicht von mir ! « Lord Marshall dachte viel zu edel , um der Unterwürfigkeit seiner Sklavin zu verdanken , was die Liebe des Mädchens ihm versagte , und selbst die giftigste Zunge unter den Tischgenossen Friedrichs hat es nicht gewagt , das Verhältnis zwischen beiden zu verdächtigen . Der König , welcher nicht liebte , Frauenzimmern in Sanssouci zu begegnen , sah sie nur bei seinen Besuchen in Lord Marshalls Hause , wo sie in den ersten Jahren die liebenswürdigste Wirtin zu machen wußte . Emmetah war wohl vorzüglich die Veranlassung , daß Lord Marshall sich von jungen Offizieren der Potsdamer Garnison gesucht und umgeben sah , die er dann für die spanische und englische Literatur , namentlich für den damals in Deutschland noch wenig bekannten Shakespeare zu interessieren suchte . 57 Ähnliche Eifersüchteleien und ein entsprechender Grad von Verbitterung herrschten damals überhaupt in der brandenburgischen Armee , und Schöning , was neben manchem andern ihn entschuldigen mag , war all die Zeit über gereizt worden . Vielfach wurden ihm die Honneurs versagt , besonders seitdem Feldmarschall Schomberg bei der Armee war . Graf Dohna z.B. , der – ein Anhänger Schombergs und ein Gegner Schönings – als Oberstleutnant bei den Grands Mousquetaires stand , rief den Offizieren zu , als Schöning ihre Reihen passierte : » Meine Herren , daß Sie nicht grüßen ! Ich verbiete es Ihnen . « 58 Zum Teil freilich waren die schiefen Stellungen , in die er beständig geriet , unverschuldet . General von Promnitz wollte sich mit ihm schießen , weil Schönin statt seiner das Kommando zur Verfolgung Horns erhalten hatte , und General Beauvais d ' Espagne nahm 1687 den Abschied , weil er es nicht ertragen konnte , daß man dem General Schöning , der nach dem ungarischen Feldzug ein Liebling des Großen Kurfürsten geworden war , den Vorzug einräumte . 59 Dies Denkmal , das vom Warthebruch und zugleich auch von dem hohen Eisenbahndamm aus gesehen werden kann , der dicht bei Tamsel das Bruch durchschneidet , gereicht dem Parke jederzeit zu einer besonderen Zierde ; seinen schönsten Moment aber hatte dasselbe wohl , als in der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober 1861 König Wilhelm I. , von seiner Krönung in Königsberg zurückkehrend , im Eilzuge an Tamsel und seinem Park vorüberfuhr . Signale , vom Eisenbahndamm aus , wurden gegeben und in demselben Augenblicke , in dem der Zug an der Parklichtung vorüberglitt , strahlte das Viktoriabild des Obelisken in rotem Feuer . Dahinter stieg das Schloß in scharf gezeichnetem Umriß auf . Aber einen Moment nur . Dann sank alles wieder in Nacht . 60 Da über verschiedene Daten aus dem Leben dieser Frau , namentlich über das Jahr ihrer Geburt und ihrer Verheiratung abweichende Angaben vorkommen , so lasse ich hier nachstehendes folgen . Luise Eleonore von Schöning wurde , dem Küstriner Kirchenbuch zufolge , durch den Küstriner Hofprediger am 6. Juli 1721 in Tamsel zum heilgen Abendmahl admittiert , ihres Alters vierzehn Jahre , sowie durch denselben am 25. Mai 1723 mit dem Obersten Adam Friedrich von Wreech ( gestorben 1746 ) kopuliert . Sie war also bei ihrer Verheiratung sechzehn Jahr alt und vierundzwanzig Jahr bei dem ersten Besuch des Kronprinzen in Tamsel . Aus ihrer Ehe mit dem Obersten von Wreech hatte sie sieben Kinder . Das Küstriner Kirchenbuch nennt folgende fünf : 1. Eleonore Charlotte Amalie , geboren den 21. Dezember 1724 . 2. Juliane Luise , geboren den 22. März 1726 . 3. Friedrich Ludwig , geboren den 31. Juli 1727 . Getauft den 7. August ; zählt unter seinen Paten den König , den Kronprinzen und den Fürsten von Anhalt-Dessau . 4. Karl Albrecht Adam , geboren den 27. November 1728 . 5. Sophie Friederike , geboren den 28. Mai 1730 . Zählte unter ihren Paten die Prinzessin von Anhalt- Zerbst , die Feldmarschälle Graf von Wartensleben und von Natzmer . Sie war es , die sich am 7. September 1752 mit dem Grafen Stanislaus Gerhard von Dönhoff ( später , in zweiter Ehe , mit dem Baron Dodo von Knyphausen ) vermählte , durch welche Vermählung Tamsel zunächst an die Dönhoffs , dann an die Schwerins kam . Fr . Förster spricht noch von einer am 27. Mai 1732 gebornen Tochter , doch ist ziemlich ersichtlich , daß hier eine Zahlenverwechslung vorliegt , und daß er die obige , am 28. Mai 1730 geborene Tochter ( Sophie Friederike ) meint . Auf diese Tochter bezieht sich auch die Stelle eines etwa Mitte Dezember 1731 geschriebenen Briefes des Kronprinzen an Frau von Schöning , die Mutter der Frau von Wreech : » Je l ' ai vu , Madame , votre fille ( Frau von Wreech ) et elle sait que Vous et sa fille ( eben jene Sophie Friederike ) se portent bien . « Nach dieser Zeit , d.h. in den Jahren , die der Anwesenheit des Kronprinzen ( 1731 ) folgten , wurden jedenfalls noch zwei Kinder geboren , und zwar die schon im Text genannten : 6. Friedrich Wilhelm Feodor von Wreech , geboren 1733 , gestorben 1785 , und 7. Ludwig Alexander von Wreech , geboren 1734 , gestorben 1795 . Diese beiden sind im Küstriner Kirchenbuche nicht verzeichnet . 61 An dieser Stelle sei übrigens noch der Frau Karschin , der bekannten Dichterin , erwähnt , die jahrelang zu Frau von Wreech in freundschaftlichen Beziehungen stand . Die Karschin war längere Zeit in Tamsel zu Besuch . Im Tamseler Archiv befinden sich verschiedene Gedichte der Karschin , an Frau von Wreech gerichtet , und Briefe ( gewöhnlich in Versen ) , die beide Damen wechselten . Leider bot sich mir nur Gelegenheit , diese Papiere zu lesen , nicht sie zu benutzen . Sie geben ein vortreffliches Zeitbild . 62 Dies » unstreitig « bezieht sich auf Klöden , der in seinen Auslassungen über die » Stadtstelle « bestreitet , daß hier eine Stadt gestanden habe . Klöden nimmt an , daß es eine heidnische Begräbnisstätte gewesen sei und findet in den Steinreihen nichts als eine Art Feldstein-Umzäunung oder Einfriedung dieser Stätte . Er irrt darin ganz unbedingt . Hätte er die Stelle gesehen , wie sie jetzt daliegt , so hätte er sich auf den flüchtigsten Blick von seinem Irrtum überzeugen müssen . 63 Eine ähnliche Sage , darin der Teufel nicht als Spielmann , sondern als Tänzer auftritt , findet sich im Eiderstedtschen ( Schleswig ) . Es war eine große Hochzeit auf Hoyersworth und unter den Gästen auch eine hübsche Dirne , die flinkste Tänzerin weit herum . Auch an jenem Abend tanzte sie schon seit Stunden unaufhörlich und sagte zuletzt übermütig : » Und wenn der Teufel selbst käme , ich tanzte mit ihm . « Kaum waren ihr diese Worte entfahren , so trat der Angerufene in den Saal , schritt auf das Mädchen zu und forderte sie auf zum Tanz . Und wie ein Wirbelwind drehten sich die beiden . Sie tanzten zuletzt nur noch allein und die übrigen Gäste sahen dem rasenden Tanze voll Erstaunen zu . Endlich schwieg auch die Musik , aber das Paar tanzte noch immerfort , bis der Dirne plötzlich das Blut aus dem Munde stürzte und sie tot zusammenbrach . Sofort war der Tänzer verschwunden . Doch die Blutflecken waren nicht zu vertilgen und das Mädchen fand keine Ruh . Um Mitternacht schlüpft sie von ihrem Grabe her in den Tanzsaal und die höllische Musik bricht los und sie dreht sich wieder im sausenden Walzer . 64 In der neueren preußischen Kriegsgeschichte bietet vielleicht nur Gneisenau ein ähnliches Beispiel verspäteten und dann sehr raschen Avancements , Gneisenau , der 1806 noch Kapitän und 1813 bereits Generalleutnant war . 65 Außer um die » Kunst « , der er hier oblag , kümmerte sich König Friedrich Wilhelm I. , wenn er in Kossenblatt war , vor allem auch um die Kirche . Zumal um die Predigt . Er war nicht leicht zufriedenzustellen . Ich finde darüber folgendes : » Am 13. Sonntage nach Trinitatis im Jahre 1736 hat der König in der Kirche zu Kossenblatt eine Predigt von dem damaligen Prediger in Wulfersdorf ( stellvertretend für den hiesigen , welcher krank gewesen ist ) gehört , die seine höchste Unzufriedenheit erregt hat . Und da er nicht lange vorher mit einer in Rheinsberg gehörten Predigt ebenfalls unzufrieden gewesen , so haben diese beiden Prediger nach Berlin kommen und über vorgeschriebene Texte predigen müssen . Auch hat der König einen Kabinettsbefehl erlassen , infolgedessen sämtliche Prediger aus der Altmark , Priegnitz , Mittel- , Ucker- und Neumark durch das Konsistorium nach Berlin berufen worden sind , » um ein Monitorium und Instructorium zu vernehmen « . Am 23. Sonntage nach Trinitatis ( 9. Nov . ) 1738 ist der König wiederum mit einer Predigt des damaligen hiesigen Predigers unzufrieden