Johannes 14. V. 21. « Anno Domini 1610 . An anderer Stelle nochmals : » Melchior v. Phull Aetatis suae 35. Anno 1609 . Discite mortales fugitivam noscere vitam . « Dieser Melchior von Pfuel ist derselbe , der sich auch als Nekromant einen Namen machte . 5. Adam von Pfuel . Brustbild . Ein älterer Mann , ernst , prononziert martialisch . Er zählt zu den bekanntesten Mitgliedern der Familie . Adam von Pfuel wurde 1604 geboren . Er folgte 1620 seiner Schwester , einer Hofdame Marie Eleonorens , bei Vermählung dieser mit Gustav Adolf , nach Stockholm . Diese Schwester heiratete später den berühmten Banér und wurde die Ahnmutter des gleichnamigen Geschlechts . Ihr Bruder , unser Adam von Pfuel , trat als Page bei Gustav Adolf in Dienst , begleitete ihn nach Deutschland und brachte , nach der Lützener Schlacht , des Königs Leiche von Weißenfels nach Stettin , von wo sie nach Stockholm eingeschifft wurde . Seine nahen , schon angedeuteten verwandtschaftlichen Beziehungen zu Banér machten es , daß er auch in der Folge der Partei dieses wüsten aber genialischen Feldherrn zugehörte . 1634 führte er zuerst , als Kommandeur eines Regiments , einen selbständigen Zug nach Thüringen hin aus und deckte die Flanke des Heeres . Auf diesem Zuge war es , wo sich der damals noch jugendliche Derfflinger seine ersten Sporen im Pfuelschen Regiment verdiente . Später stieg Pfuel zum Avantgardenführer des schwedischen Heeres auf und eroberte sich als solcher den allerdings zweifelhaften Ruhm , achthundert böhmische Dörfer niedergebrannt zu haben . Nach Banérs Tode war es Pfuel , der , in Gemeinschaft mit einigen anderen Kriegsobersten , die Schlacht bei Wolfenbüttel schlug . Er stand damals hoch genug in Ansehen , um hoffen zu dürfen , das Oberkommando werde ihm übertragen werden . Er scheiterte aber , weil er Ausländer war , und Torstensson ( ihm freilich hoch überlegen ) erhielt den Oberbefehl . Als ihm auch Lilljehoek vorgezogen wurde , nahm er den Abschied . Dies war 1642 . Wo er von da ab bis 1652 war , ist unbekannt . In späteren Jahren kaufte er sich die Güter Helfta und Polleben im Mansfeldischen und gründete eine neue Linie . Auf seinem Bilde in Jahnsfelde trägt er die goldene Kette , die ihm Gustav Adolf geschenkt hatte . Er starb als schwedischer Generalleutnant 1659 zu Polleben . Hat auch in der Jahnsfelder Kirche Schild und Spruch . 6. Kurt Bertram von Pfuel . Brustbild . Dieser Kurt Bertram war kurbrandenburgischer General-Kriegs-Kommissar während des Dreißigjährigen Krieges , und wurde von seiten George Wilhelms mehrfach zu diplomatischen Sendungen verwandt , namentlich an Wallenstein , als dieser zuerst an den Grenzen der Mark erschien . Unser Kurt Bertram war damals » Kammerjunker « . Seine erste Mission an Wallenstein fällt in das Frühjahr 1626 . Es scheint , daß er den Friedländer in Halberstadt traf und ihn im Auftrage des Kurfürsten zu bitten hatte , nicht in die Mark einzurücken . Wallenstein antwortete : » So wahr ich ein ehrlicher Mann bin , will ich dem Kurfürsten kein Widriges erweisen , nur bitte ich ihn um Gottes Willen , die Mansfeldsche Armee ( die in der Priegnitz hauste ) auszuschaffen , sonst muß ich nachrücken , um den Feind zu suchen , wo ich ihn treffe . « Im August traf Wallenstein mit sechzehn Regimentern in Kottbus ein . Der Kurfürst hatte den später so berühmt gewordenen Konrad von Burgsdorf zum Marschall bei ihm bestellt , und es verlautet nicht , daß unser Kurt Bertram bei dieser Gelegenheit weitere Verhandlungen mit Wallenstein gehabt habe . Er war indessen einige Wochen vorher in Kottbus gewesen , um , gemeinschaftlich mit einem von Rochow , die Empfangsvorbereitungen zu regeln . Kurt Bertram sah den Friedländer erst später wieder , und wie es scheint , unter ziemlich mißlichen Umständen . In Prag , als er dem Gefürchteten eine Vorstellung zu überreichen hatte , fuhr ihn dieser an : » Ich werde schiefericht ( etwa das , was wir heute » nervös « nennen würden ) , wenn ich solche Schriften sehe « , und im Juni 1628 berichtete Pfuel von Frankfurt a. O. nach Berlin : » er habe den General nicht sprechen können , denn dieser habe just seinen Schiefer gehabt , und nicht nur kurz vorher den Sekretär , den Kammerdiener und Edelknaben abprügeln lassen , sondern auch das Glockenläuten verboten und zugleich befohlen , alle Hunde von der Gasse zu schaffen . « Diese Missionen , wie wir hieraus genugsam ersehen können , waren verantwortungsvoller Natur und forderten ihren Mann . Kurt Bertram , dessen Bruder ( Adam ) und Neffe ( Georg Adam ) direkt in schwedischen Diensten standen , gehörte selbstverständlich der Anti-Schwarzenbergschen Partei zu . Schwarzenbergs Einfluß setzte es schließlich durch , daß Kurt Bertram seiner Ämter enthoben und seine Güter eingezogen wurden . Nach dem Tode Kurfürst George Wilhelms aber wendete sich das Blatt ; er erhielt seine Güter zurück und wurde ausersehen , den Adam Schwarzenberg gefangenzunehmen . Später kaufte er sich in Sachsen an und wurde , durch weitere Verzweigung , der Stammvater der noch blühenden Württembergschen Linie . Das Bild Kurt Bertrams befindet sich in Jahnsfelde . Er ist ein schöner Mann , blühend , noch jung , voll klugen und energischen Ausdrucks . Seine Tracht in Koller und Klapphut ist im wesentlichen die eines schwedischen Kriegsobersten . Was der Jahnsfelder Porträtgalerie einen Reiz verleiht und ihr unterscheidendes Merkmal bildet , ist , daß sie das Frostige eines sogenannten » Ahnensaals « vermeidet . Man steigt nicht erst treppauf , man zieht nicht erst die verschossenen Gardinen zurück , man sorgt nicht erst , abstäubend und Fenster öffnend , für Luft und Licht , – in Jahnsfelde lebt man mitten unter ihnen . Diese alten Herren in Rüstung oder Perücke , hier sind sie nicht zu steifer Repräsentation da , sind nicht Fremde am eigenen Herde , nein , man hat sich häuslich-familiär mit ihnen eingerichtet , kennt sie und liebt sie . Ein täglicher Verkehr hat Platz gegriffen zwischen denen , die waren , und zwischen denen , die sind ; ältestes und neuestes reichen sich die Hand und wie ein ununterbrochener Strom wandert das Leben weiter von Geschlecht zu Geschlecht . Wohl mahnen auch hier die Bilder berühmter Ahnen an das Vergängliche alles Irdischen , aber sie predigen zugleich auch den Sieg des Geistes über den Leib und entfalten still die Fahne , auf der als Zuruf und Richtschnur das Dichterwort geschrieben steht : » Und ein berühmter Name nach dem Tode ! « Fußnoten 1 Schloß Kossenblatt , wiewohl örtlich einem andern Landesteile ( Beeskow-Storkow ) zugehörig , mußte hier inhaltlich , um der Biographie des Feldmarschalls von Barfus einen Abschluß zu geben , mit aufgenommen werden . 2 Die Bewohner des Oderbruchs sind auch an Kraft und Mut – manches andere fehlt freilich noch – den Dithmarschen verwandt . Mit dem Bewußtsein hiervon geht wie gewöhnlich viel Übermut Hand in Hand und die Brücher , zumal auf den Kantonversammlungen , lieben es , die » hungrigen Kerle von der Höhe « zu tyrannisieren . Einer ( ein Angermünder Postillon ) , der mir davon erzählte und seinerseits unter dieser Tyrannei gelitten haben mochte , fügte hinzu : » Es wäre mitunter nicht auszuhalten , wenn nicht die Uckermärker wären . Die aber brächten alles wieder zurechte . « 3 Hieronymus Schlick , Minister des Kurfürsten Joachim Friedrich , war ein Ururenkel des berühmten Kaiserlichen Kanzlers Kaspar Schlick . Er trat wahrscheinlich schon vor 1598 in brandburgischen Dienst . Gleich nach dem Tode des Kurfürsten verschwindet er wieder vom Schauplatz . Er scheint ohne Nachkommenschaft um 1610 gestorben zu sein , nachdem er sein märkisches Gut Hohenfinow verkauft hatte , und zwar an Matthias Thurn , den bekannten Führer des Böhmischen Aufstandes von 1618 . 4 Der aus Schillers » Wallenstein « männiglich bekannte Feldmarschall Illo schrieb sich eigentlich Ilow , oder Ylow , auch Ihlow ( alle drei Schreibarten , und noch einige andere , kommen vor ) , und war keineswegs aus Böhmen oder Kroatien , sondern aus dem Sternbergischen Kreise in der Neumark gebürtig . Dorf Ihlow im Oberbarnim aber ist mutmaßlich das Stammgut der Familie . Noch jetzt ist das Ihlowsche Wappen sowie ein Ihlowscher Leichenstein in der Kirche des letztgenannten Dorfes zu finden . Kein anderes Land war übrigens während des Dreißigjährigen Krieges so ergiebig an Generalen und Kriegsobersten als die Mark . Ich nenne hier nur folgende : Hans Georg von Arnim , von Königsmark , Otto Christoph von Sparr , Ernst Georg von Sparr , Götz , Illo , Adam von Pfuel , Joachim Ernst von Görtzke , vieler anderer von minderer Berühmtheit , wie Klitzing , Rochow , Kracht usw. zu geschweigen . 5 Es heißt , Friedrich der Große habe bei seinem berühmten Flankenmarsche , der der Schlacht von Zorndorf vorherging ( vergl . Zorndorf ) , bereits Vorteile von der veränderten , d.h. mehr passierbaren Gestalt des Bruchs gezogen . Dies ist jedoch höchst wahrscheinlich eine zu Ehren des Bruchs und seiner Melioration erfundene Geschichte , da die Zorndorfer Schlacht am 25. August stattfand , also zu einer Jahreszeit , wo das Bruch immer trocken und passierbar zu sein pflegte . 6 Über Charakter und Erscheinung der jetzt noch in einigen Bruchdörfern vorkommenden wendischen Bevölkerung schreibt man mir aus einem dieser Dörfer : » Man gibt hier im allgemeinen dem Charakter der wendischen Bevölkerung vor dem der deutschen Kolonisten den Vorzug . Die Wenden sind allerdings schwerfällig , abergläubisch und geistig weniger begabt als die › Pfälzer ‹ ( die allgemeine Bezeichnung für die Deutschen ) , aber an Kraft , Fleiß und Ausdauer sind sie den Deutschen gleich , während sie dieselben an Treue und Zuverlässigkeit übertreffen . Die Männer haben ausdrucksvolle Gesichter , sind nicht schön und mehr hager als beleibt ; die Mädchen und jungen Frauen hingegen zeigen vollere Formen , frische Farben statt des Leder- und Pergament-Teints anderer Luch-und Bruchgegenden , und sind oft sehr hübsch ; die dunklen Augen voll Feuer und Leben . « 7 In neuerer Zeit hat sich ein geborener Oderbrücher , der Lehrer Rubehn in Groß-Neuendorf , der dankenswerten , aber freilich schwierigen Aufgabe unterzogen , der wendischen Vorgeschichte des Oderbruchs nachzuspüren und Material dafür zu sammeln . Dies Material , in das mir ein Blick gestattet war , ist reich und instruktiv ; der Sammler indes scheint mir darin irre zu gehn , daß er geneigt ist , den Sprüchen und Sagen , deren er viele zusammengetragen hat , ein größeres Alter beizumessen , als ihnen zukommt . Mit anderen Worten , er vermutet da Wendisch-Ursprüngliches oder im Oderbruch Gewachsenes , wo nur Deutsch-Importiertes vorliegt . Die Sagen , die ich seiner Mitteilung verdanke , finden sich , fast ohne Ausnahme , in den Landesteilen ( Pfalz , Schwaben , Niedersachsen ) wieder , aus denen die Kolonisierung des Oderbruches erfolgte . Eine unter diesen Sagen indes , wiewohl sicherlich ebenfalls deutsch , mag um ihrer selbst willen einen Platz an dieser Stelle finden . Es ist das die Geschichte von » Rotmützeken « : Bei einem Reetzer Fischer vermietete sich einst ein Knecht , der immer eine rote Mütze trug , weshalb er im Dorf » Rotmützeken « genannt wurde . Alle Sonntage , wenn die andern Leute zur Kirche gingen , stieg er auf den Stallboden , wo allerlei kleine Männer , die » Untererdschken « , zu ihm kamen und Spiel und Lärm und lautes Lachen mit ihm vollführten . Wenn dann die Hausleute aus der Kirche zurückkamen , kam » Rotmützeken « wieder vom Stallboden herunter und war munter und guter Dinge . Das dauerte eine ganze Zeit , wohl über Tag und Jahr . Eines Sonntags , es war der Sonntag nach Weihnachten , stieg er auch wieder auf den Stallboden , während die andern nach der Kirche waren , und das Lärmen und Poltern und Lachen nahm wieder seinen Anfang wie früher , nur viel wilder und lauter . So ging es wohl eine Stunde ; als aber der Prediger auf der Kanzel eben Amen gesagt hatte , da gab es einen Knall , der die Kirche und alle Häuser im Dorf erschütterte , und als die Leute nach Hause stürzten , fanden sie die Stallbodentür weit auf die Straße geschleudert , Rotmützeken aber an einem Kreuzbalken erhängt . Sie begruben ihn in einer Ecke des Kirchhofs . Er hatte aber nicht Ruh im Grabe . Immer in der Sonntagsnacht nach Weihnachten erschien er auf dem Kirchhof und die Hirten , die damals ( wo im Sommer das Bruch unter Wasser stand ) oft noch um die Weihnachtszeit ihr Vieh auf die Weide trieben , sahen ihn dann , wie er auf dem bretternen Kirchhofszaun saß und mit dem Kopf schüttelte . Er war dürr wie ein Skelett , aber er trug immer noch die rote Mütze . Daran hatten sie auch erkannt , daß es kein andrer sein konnte als » Rotmützeken « . 8 Zum Oberbruch , auch das hohe Bruch genannt , gehörten schon damals folgende Ortschaften : Gusow , Kienitz , Platkow , Quappendorf , Quilitz ( jetzt Neu-Hardenberg ) , Rathstock , Sachsendorf , Tucheband . Manschnow , Gorgast , Golzow , Zechin , Werbig , Letschin , Genschmar , Langsow , Hathenow , Sietzing , Wuschewier , Friedland , Metzdorf , Cunersdorf , Bliesdorf , Ortwig , Neuendorf , Hackenow , Werder , Wollup ( berühmt durch Koppe , der es dreißig Jahre lang bewirtschaftete ) . Diese Ortschaften sind seitdem an Reichtum und Bedeutung gewachsen , aber ihre Zahl hat sich , ein paar Ausnahmen abgerechnet , im Gegensatz zum Niederbruche nicht erweitert . 9 Wie die Bewohner , so sind auch die Dörfer selbst in ihrer Erscheinung verschieden , doch ist es fraglich , ob sich diese Verschiedenartigkeit auf etwas Nationales zurückführen läßt . Vielleicht sind die Gründe nur lokaler Natur . Das Vorhandensein oder das Fehlen eines Wassers , anderer Zufälligkeiten zu geschweigen , mag solche Unterschiede geschaffen haben . Neu-Barnim ( Pfälzer-Dorf ) ist langgestreckt , und eine Baumanlage , die sich mitten durch die breite Dorfstraße zieht , teilt diese in drei Längsteile , in zwei Fahrwege , rechts und links , und ein Baumgang zwischen denselben . Neu-Trebbin ist ähnlich , wenn ich nicht irre . Neu-Lewin aber ( das mit Polen besetzte Dorf ) präsentiert sich malerischer . Die Dorfstraße entlang läuft ein Fließ , das auf seiner ganzen Länge von schräg oder auch terrassenförmig ansteigenden Gärten eingefaßt ist . Zwischen den Häusern und diesen Gärten zieht sich rechts und links der Fahrweg . Die Häuser selbst haben vielfach Lauben und Veranden , und der Fußwanderer , der hier an einem Sommerabend des Weges kommt und vor den Häusern das Singen hört , während die dunklen , schöngewachsenen Mädchen mit den klappernden Eimern zum Brunnen gehen , vergißt auf Augenblicke wohl , daß er das verspottete Sumpf- und Sandland der Mark Brandenburg durchreist . 10 Dieser Berg heißt der » Schloßgartenberg « und ist nicht mit dem » Schloßberg « zu verwechseln , der , halben Weges zwischen Freienwalde und Falkenberg gelegen , die Ruinen der alten Uchtenhagen-Burg auf seiner Kuppe trägt . 11 Zu einem solchen » erschließen « war auch in Freienwalde , wie überall im Lande , noch vollauf Gelegenheit gegeben . Denn der Sinn für die » schöne Landschaft « ist wie die Landschaftsmalerei von sehr modernem Datum . Namentlich in der Mark . Die eigentliche märkische Bevölkerung hat noch jetzt diesen Sinn beinah gar nicht , wovon sich jeder überzeugen kann , der an hübschgelegenen Orten einer Vergnügungspartie märkischer Stadt- und Dorfbewohner beiwohnt . Sie sind ganz bei ihrem Vergnügen , aber gar nicht bei der » Landschaft « , der sie in der Regel den Rücken zukehren . Der Berliner » Sommerwohner « ist nicht deshalb so bescheiden in seinen Ansprüchen , weil ihm die märkische Natur nichts bietet , sondern weil es ihm schließlich gar nicht darauf ankommt , ob die Sache so oder so ist . 12 Ist dieser Bericht zuverlässig , und es liegt kein Grund vor , dies zu bezweifeln , so wirft der hier erzählte Vorgang ein interessantes und mancherlei erklärendes Licht auf die beinahe gleichzeitigen Vorkommnisse in Berlin . 1706 stürzte am Schloß der von Schlüter erbaute Münzturm ein und von da ab begann die siegreiche Kabale seiner Gegner . Das Verfahren gegen Schlüter ist immer als hart und ungerecht verurteilt worden . Bringt man nun aber andererseits in Anschlag , daß fast unmittelbar darauf , im Sommer 1707 , das » Münzturm-Malheur « sich in Freienwalde wiederholte , so erscheint das harte Verfahren gegen Schlüter um vieles verzeihlicher . Die Kabale bleibt verwerflich , aber der König urteilte nach dem Augenschein . ( Neue Arbeiten Professor Adlers haben aus den damaligen Berliner Bauakten ohnehin dargetan , daß Schlüter , bei all seiner Größe und Genialität , doch keineswegs schuldlos war und daß er in allem , was konstruktive Kenntnis angeht , hinter seinem , ihm sonst in keiner Weise ebenbürtigen Rivalen Eosander von Goethe zurückblieb . ) 13 Das Schloß Neuenhagen jenseits der Oder ist verhältnismäßig wohl erhalten bis auf den heutigen Tag . Es wird noch bewohnt und bietet , wie wir nicht zweifeln , einen besseren Aufenthalt als mancher moderne Bau . Die alten Uchtenhagen-Räume dienen den verschiedensten ökonomischen Zwecken : das Burgverlies ist ein Wirtschaftskeller , die große Halle eine Waschküche geworden . Ein anderes Zimmer ( man verzeihe diesen Exkurs ) , drin ein schwedischer Oberst in der Nach-Uchtenhagenschen Zeit den Amtmann von Neuenhagen über Strohfeuer rösten ließ , um die verborgenen Schätze zu erkunden , diente , dieser Reminiszenzen unerachtet , noch vor kurzem als Schlafzimmer . Ich hätte mir ein anderes gewählt . Was aber besser als alles andere erhalten ist und mehr als alles andere interessiert , das ist ein gewölbter Raum : jetzt Amtsstube , früher die Schloßkapelle der Uchtenhagens . Die Altarwand , noch vollkommen gut erhalten , ist ein umfangreiches , aus verschiedenen Teilen zusammengesetztes Stuckrelief , das , nach Art solcher Stuckbilder , nicht einen freistehenden Schrein bildet , sondern in das Mauerwerk selber , wie eine Wandverzierung eingelassen ist . Es besteht aus einem Christus am Kreuze , zu dem zwei Heilige aufblicken ; dies Hauptstück des Bildes ruht aber auf einer Art Fries , in dessen Feldern wir die symbolischen Figuren des Hahns , des Greifen , des Pelikans und des Wiedehopfs erblicken . – In der Kirche zu Neuenhagen befindet sich übrigens noch ein gut erhaltener Grabstein aus der Uchtenhagener Zeit . Seine Inschrift lautet : » Das Blut Jesu Christi reinigt uns von allen unseren Sünden . Johannes 3. Anno Domini 1592 den 13. Dezember . Hier ruhet ... die viel tugendreiche Hippolyta von Uchtenhagen in Gott seliglich entschlafen . « Hippolyta , dem Bilde nach etwa vierzig Jahr , war eine ledig gebliebene Schwester von Hans von Uchtenhagen . 14 Die drei Strophen , die den Zug schildern , sind folgende : Der Führer ritt einen Scheckenfuchs , Er ritt ihn kurz auf Trense , Dann folgten die Schützen ; dann ackerlich Volk Mit Sichel und mit Sense . Die Schützen trugen manch Rüstungsstück Mit Scharten und mit Beule , Zuletzt nachrückte das Corps d ' Armée Mit Knittel und mit Keule . Im Ganzen waren es fünfzig Mann In Rotten zu sechs und sieben , Nur der Mann der Fakten , des fait accompli , War ruhig zu Hause geblieben . 15 Der schönste See derart im nördlichen Deutschland war vielleicht der Jordansee auf der Insel Wollin . Still , dunkel , einsam , von Kiefern eingeschlossen , lag er da . Braune , halbverfaulte Baumstämme überragten hier und da seine Fläche , so daß es war , als richteten sich Krokodile auf und sögen mit zurückgebogenem Kopf die Nachtluft ein . Die Blätter und Stiele der Nymphäen machten den See unpassierbar . Guter Wille und wenig Geschmack haben dies kostbare Stück Natur zerstört . Die Baumstümpfe sind fort und die Nymphäen auch . Statt ihrer ist ein Kahn da , der nun über die glatte , prosaisch gewordene Fläche hingleitet , als wär ' es ein See wie jeder andere . 16 Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts scheint die Mehrzahl aller Rittergüter des Kreises in Händen der Barfuse gewesen zu sein , da es heißt , daß auf einem 1720 abgehaltenen Kreistag nur zwei Stimmen nicht barfusisch gewesen seien . Diese zwei waren : von Jena und von Pfuel . 17 Dies Werk » Einleitung zur Kenntniß der englischen Landwirthschaft « ist allerdings teilweis eine Kompilation , aber es ist keine Übersetzung . Thaers Arbeit ist aus der gründlichen Kenntnis und Benutzung von mehr als hundert englischen Werken hervorgegangen . Die englische landwirtschaftliche Literatur lieferte ihm das Material , eine Fülle von Details ; das Zusammenfassen , Ordnen , Aufbauen , das Licht hineintragen in das Chaos , ist Thaers Verdienst . 18 Das » Institut « , nachdem es noch im Jahre 1856 das fünfzigjährige Fest seines Bestehens gefeiert harre , ist bald darauf eingegangen . Es war das , bei total veränderten Zeitverhältnissen , das Verständigste , was geschehen konnte . Der damalige Besitzer von Möglin , Landesökonomierat A. Thaer , hatte die Akademie wie eine Ehrenerbschaft angetreten und hielt es , durch dreißig Jahre hin , für seine Pflicht , die Schöpfung seines Vaters , selbst mit Opfern , aufrechtzuerhalten . Es kam aber endlich die Zeit , wo das Gefühl , durch ähnliche Institute , die der Staat mit reichen Mitteln ins Leben gerufen hatte , überflügelt zu sein , sich nicht länger zurückweisen ließ und wo die Wahrnehmung eines wachsenden Mißverhältnisses zwischen Aufgabe und Opfer endlich den Rat eingab , diese Opfer einzustellen . Und so wird denn der Mögliner Akademie nicht nur das Verdienst bleiben , als erstes Institut derart und als Muster aller folgenden in Deutschland dagestanden zu haben , es wird sich zu diesem Verdienst auch noch die Ehre gesellen : zu rechter Zeit vom Schauplatz abgetreten zu sein . 773 Landwirte haben im Laufe eines halben Jahrhunderts ihre wissenschaftliche Ausbildung in Möglin empfangen , und was die Landwirtschaft in unseren alten Provinzen jetzt ist , das ist sie zum großen Teil durch Thaer und seine Schule . Natürlich sind » die Jungen immer klüger als die Alten « und der » überwundene Standpunkt « spielt auch hier seine Rolle . Aber selbst unter den Fortgeschrittensten wird niemand sein , der undankbar genug wäre , die schöpferische Bedeutung Thaers und mittelbar auch seiner Akademie in Zweifel zu ziehen . 19 Etui und Kugel existieren noch und werden , unter andern Erinnerungsstücken der Art , auf dem Stadtschloß zu Potsdam gezeigt . Das Etui ( Gold und Emaille ) hat die Form einer Schachtel und steckt in einem mit Samt gefütterten Gehäuse . Die Kugel ist ganz platt gedrückt . 20 Es war dies eine Fülle von Dingen . Vieles , namentlich Bilder und Stiche , hatte er in früheren Jahren in England gekauft , anderes rührte aus der Zeit seiner Ansbach-Bayreuther Verwaltung her . Es ist bekannt , mit welchem Eifer er die Archive jener Landesteile durchforschen ließ ; von allem nahm er Abschrift . Eins der wichtigsten Resultate dieser Untersuchungen war die Auffindung der » Memoiren der Markgräfin von Bayreuth « . Ein feiner , literarisch-ästhetischer Sinn , ein Sinn für das Sammeln historischer Erinnerungsstücke , oder auch bloßer Kuriositäten , begleitete ihn durchs Leben . In sehr charakteristischer Weise zeigte sich dies im Jahre 1786 , unmittelbar nach dem Tode Friedrichs des Großen , als er das in Braunschweig deponierte Testament des Königs nach Berlin brachte und sich als Belohnung lediglich eines der Windspiele des großen Königs erbat . 21 Davout war wohl kein Mann der Literatur . Dieser Umstand mag es erklären , daß er sich mit der Wegführung glänzender , als wertvoll in die Augen springender Kunstwerke begnügte und die 16000 Bände zählende Bibliothek in Tempelberg zurückließ . Ebenso entging seinem Auge eine Anzahl Mappen mit alten , zum Teil seltenen Stichen gefüllt . Bibliothek und Kupferstichmappen befinden sich noch im Neu-Hardenberger Schloß . 22 Die Verordnungen waren gewiß um so nötiger , aber freilich auch um so schwieriger durchzuführen , als alle solche Klöster , die wie Kloster Friedland nur eine lokale Bedeutung hatten , wie von selber aus einem kirchlichen zugleich auch zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkte des Kreises wurden . Die Pfuels und die Ilows , die Eickendorps und die Hoendorps , die Strantze , Barfuse und Wulffens , wie sie ihre Güter in nächster Nähe um Kloster Friedland herum hatten , so hatten sie auch ihre Töchter in demselben . Die einfache Folge davon war , daß das Kloster in gutem und oft auch wohl in nicht gutem Sinne des Worts zu einem Rendezvousplatze wurde , wohin die adeligen Insassen des Kreises ihre Neuigkeiten trugen , um sie gegen andere auszutauschen . Die Welt innerhalb und außerhalb der Klostermauern war dieselbe . Alles war versippt , verschwägert , und die Kordialität die Familienzugehörigkeit mußte natürlich die Aufrechthaltung der Disziplin erschweren . 23 Die größte unter den Filialkirchen des Klosters war die zu Ringenwalde eine alte , im romanischen Seile aufgeführte Feldsteinkirche , die sich bis diesen Tag trefflich erhalten hat und uns veranschaulicht , wie vor sechshundere Jahren von den Christentum und Kultur bringenden Zisterciensern märkische Dorfkirchen gebaut wurden . Alles zeigt noch durchaus den Charakter der » geistlichen Burg « : hoch hinaufgehende Feldsteinmauern , dann , ziemlich , dicht unterm Dach , kleine rundgewölbte Fenster mit Öffnungen wie Schießscharten . 24 In Cunersdorf war zwar , noch aus der Barfuszeit her , ein Herrenhaus , aber weder geräumig genug , noch standesgemäß in seiner Einrichtung . Dies alte Barfussche Herrenhaus existiert noch ( es steht dem Schloß gegenüber ) und veranschaulicht sehr gut , wie der Adel vor zweihundert Jahren lebte . 25 Der Vater – von dem es heißt , daß er an militärischen Gaben den Sohn überragte – ward durch die Kapitulation von Breslau ( 1757 ) in Ungnade gefallen und wurde durch den erzürnten König auf die Festung geschickt . Er verblieb indessen , vielleicht mit Rücksicht auf sein hohes Alter ( er war bereits siebzig ) nur kurze Zeit in eigentlicher Haft und erhielt von da ab bloßen Stadtarrest . Er durfte nunmehr in Berlin leben , war aber durch Ehrenwort verpflichtet , nie das Stadtviertel zu verlassen , das einerseits durch die Koch-und Zimmer- , andererseits durch die Friedrich- und Wilhelmstraße gebildet wird . Hier starb er auch ( 1767 ) . Nur einmal erhielt er Urlaub . Als sein Sohn , der spätere Generalmajor , zum ersten Male nach Amt Friedland reiste , um von dem schönen Gute Besitz zu nehmen , durfte ihm der alte Lestwitz dahin folgen , um Zeuge von dem Glück seines Sohnes zu sein . Der König , der ein Interesse an diesem Ereignis nahm , hatte ihm eigens zwei Adjutanten mitgegeben , damit der Alte , an diesem Ehrentage seines Sohnes , auch seinerseits in allen Ehren eines Generalleutnants erscheinen könne . Anderen Tages kehrte der sechsundsiebzigjährige Herr nach Berlin zurück und trat wieder seinen » Stadtarrest zwischen Koch- und Zimmerstraße « an . 26 Zwei ältere Brüder Adalberts von Chamisso : Hippolyt und Karl , waren Leibpagen im Dienste Ludwigs XVI. , und Karl war unausgesetzt um die Person des unglücklichen Monarchen in dessen bedrängtesten Lagen , namentlich am 10. August 1792 . Bei einem Auflauf zerschlagen und verwundet , wurde Karl von Chamisso nur mit Mühe gerettet . Der König verkannte das Verdienst nicht , das sich der Page um ihn erworben hatte , und fand Gelegenheit , ihm einen Degen zuzustecken , den er , der König , in glücklicheren Jahren getragen hatte . Zu gleicher Zeit schrieb er auf einem nur etwa talergroßen Zettelchen : » Ich empfehle Herrn von Chamisso , einen meiner treuen Diener , meinen Brüdern . Er hat mehrere Mal sein Leben für mich auf das Spiel gesetzt . Ludwig . « Das Zettelchen und der Degen befinden sich bis diesen Tag in den Händen der Familie . Der älteste Sohn Adalberts von Chamisso besitzt beides . 27 Er fühlte sich , trotz der natürlichen Bande , die ihn an Frankreich knüpften , so ganz als Deutscher , daß er im Jahre 1818 bei seiner Rückkehr von der » Reise um die Welt « , die er unter Otto von Kotzebue an Bord des » Rurik « gemacht hatte , auf der Reede von Swinemünde schreiben konnte : Heimkehret fernher , aus den fremden Landen , In seiner Seele tiefbewegt der Wanderer ; Er legt von sich den Stab und kniet nieder , Und feuchtet deinen Schoß mit stillen Tränen , O deutsche Heimat ! – Woll ' ihm nicht versagen Für viele Liebe nur die eine Bitte ; Wann müd ' am Abend seine Augen sinken , Auf deinem Grunde laß den Stein ihn finden , Darunter er zum Schlaf sein Haupt verberge . 28 Wilhelm von Humboldt wurde durch die befreundete Itzenplitzsche Familie aufgefordert , die Anfertigung eines Grabdenkmals , am besten durch einen ita lienischen Künstler , zu vermitteln . Humboldt unterzog sich gern dieser Aufgabe und schrieb an Enrigo Keller : » Auf der Urne wünscht man ein allegorisches Basrelief , wozu das bekannte Basrelief von dem Genius und dem Schmetterlinge und zwei andern allegorischen Figuren , das sich auf der Vase im Palast Chigi befindet , das beste und schicklichste wäre . « 29 Eine kurze Kriegführung , die durch den Frieden zu Vossem 1673 beigelegt wurde , habe ich in vorstehendem unerwähnt gelassen . 30 Das Tagebuch , wie sehr oft , gibt auch hier nur Buchstaben statt des Namens . Wahrscheinlich soll es heißen : General d ' Espence . Dieser war Oberstallmeister und Kommandeur der hier mit einer Eskadron engagierten