Kiradschia war in sein Haus gegangen , - zwei Mädchen im Arm , das Kind eines Pascha ' s und das junge entwichene Weib eines alten Griechen , jubelte der Capitain und brüllte französische Opernarien und lockere Grisettenlieder , - stiller und stiller wurde es auf dem weiten Platz , - auf die ausgebreiteten Teppiche , in ihre Decken und Schleier gehüllt , lagerten die süßen Amazonen von Madara , oder legten ihr Haupt in den Gemächern und den Tschardaks auf weichen Polstern oder dem harten Holze zur Ruhe - stiller und stiller wurde es ringsum - nur einzelne verhüllte Gestalten nahten in der duftigen , warmen , üppigen Mailuft den vier Häuschen , die den Fremden zur Wohnung angewiesen waren . O , Madara , süßes phantastisches Madara , poetische Oase im Schmuz des Orients ! Lange schon hatte der Deutsche sich in sein Gemach zurückgezogen und ausgekleidet auf die weichen Kissen geworfen , die sein Lager bildeten . Er hatte es kaum bemerkt , wie sorgfältig die Jalousieen geschlossen waren , wie tiefes Dunkel rings um ihn herrschte , als er die Lampe ausgelöscht . Er wußte , was folgen würde , er kannte jetzt die Gesetze und Gebräuche der seltsamen Republik und er war kein prüder , engherziger Tugendprahler , der sich den Sitten und Gebräuchen des Landes entzog . Durch seine Adern rollte feurig und kräftig das unverdorbene Blut , die Phantasie malte ihm süße köstliche Bilder des Naturgenusses und vor ihm gaukelten die dunkeln , feurigen , mandelförmigen Augen , die schmachtend in die seinen gesehen , die Reize , die zum ersten Male ihm unverhüllt erschienen waren . Leise Schritte schlürften heran , ein Flüstern vor der Thür ward laut , dann hörte er , wie der Besuch die klappernden Pantoffeln als Zeichen der Anwesenheit vor der Thür stehen ließ und hereinschlüpfte in das mysterienvolle Gemach . Die Thür ward verschlossen , alles dichte Finsterniß , dichtes Geheimniß ringsum . Ein betäubender Rosenduft erfüllte die Luft des Gemachs - ihm war , als hörte er das wogende Athmen eines Busens , den leisen sehnsüchtigen und dennoch ängstlichen Seufzer , der über halbgeöffnete Lippen quoll . Er hatte sich halb aufgerichtet auf dem Lager - seine Pulse wogten fieberisch ! Sein halb erstickter Ruf verkündete seine Erregung , - im nächsten Augenblick warf sich ein voller , weicher , warmer , üppiger Körper an seine Brust , zärtliche Arme umfingen ihn , heißer Odem mischte sich mit dem seinen und glühende trunkene Lippen preßten ihm den Mund . Dazwischen aber klang es wie leises Weinen und ängstliches Schluchzen . Aber der Sturm der Leidenschaft , der erregten Sinne ließ ihn Nichts achten und hören , als deren glühende Befriedigung ; Brust an Brust , Lippe auf Lippe sanken sie in die Kissen . Er verwünschte das Dunkel der Nacht , das ihn hinderte , die leuchtenden Augen , die süßen Züge zu sehen , aber er wußte , daß sie jung und schön war , denn nur Jugend und Schönheit tragen den Hauch und Duft der Liebe . Voll glühender Zärtlichkeit umschlangen ihn ihre Arme und dennoch fühlte er , wie er sie in den seinen hielt , daß sie zitterte in Schaam und Angst . So vergingen die Stunden - wie Minuten flogen sie ihm dahin . Zwei Mal im Laufe der Nacht hörte er , wie draußen an der Thür Schritte trippelten , Stimmen flüsterten ; erst leise , dann erregt und zornig , dann wieder beruhigt und sich verloren im geheimnißvollen Schweigen der Nacht , und jedes Mal fühlte er , wie das Weib in seinem Arme heftiger zu zittern begann , wie ihre Brust sich in ängstlicheren Athemzügen hob und sie das Gesicht furchtsam an seiner Brust verbarg , ihn umschlingend , gleich , als wolle und könne sie nicht von ihm und ihn einer Anderen lassen . ' Mit Schmeichelworten suchte er sie zu beruhigen , und als ihr Mund in türkischer Sprache ihm zuflüsterte , daß sie ihn liebe , daß diese Nacht ihr höchstes Glück sei , daß sie seiner gedenken werde immer und ewig , so lange sie lebe , da war es ihm , als wehten ihn bekannte Klänge an , als öffne sich ein lange verschlossener Schrein in seinem Herzen , als sei ihm diese Liebe und Wonne , die , wie die Rose sich entfaltet im wollüstigen Hauch der warmen Abendsonne , entsprossen war aus dem Sturm der Sinne , aus den unsichtbaren , mystischen Reizen der dunklen Nacht , - etwas längst Vertrautes und Bekanntes und Empfundenes . Die Stimme des Weibes in seinem Arm war leise und zagend , aber süß und wohllautend , und ihre Worte zeigten von tiefem natürlichen Gefühl und einem Denken und Empfinden , das gewöhnlich den jeder Bildung des Herzens und Geistes ermangelnden , in launenleerem Geplauder sich ergehenden türkischen Frauen fehlt . » Wer bist Du , seltsames Wesen , « fragte der Deutsche in diesem seligen Rausch , » Du , die mir Liebe so zärtlich betheuert , und mir dennoch erst vor wenigen Stunden zum ersten Mal begegnet ist im Leben , die mein Auge nicht ein Mal unterschieden hat im Kreise ihrer Gefährtinnen , die ich nicht wieder kennen würde , wenn der Morgenstrahl mir nicht Deine Züge verriethe , und die dennoch ein Gefühl in mir weckt , wie es der ruhige , verständige Mann , über die Jahre der Leidenschaft hinaus , noch nie empfunden ? « » Sage mir , « flüsterte die Stimme , » bist Du glücklich , o Franke , an meinem Herzen ? « » Ich bin es - aber .... « » Forschest Du dem milden Hauch der Abendluft nach , der Dein Gesicht kühlt ? Kannst Du den Duft schauen , der Deine Sinne erfreut ? « » Und dennoch sehne ich mich , Dir in ' s Auge zu sehen , Deine Züge in mein Herz zu prägen für immer . Ich werde es , wenn der erste Sonnenstrahl dies Gemach erhellt . « Sie antwortete nicht . » Nimm diesen Ring , Mädchen , « sagte er , indem er einen einfachen Granatreif von seinem Finger zog und an den ihren steckte , » er ist ein Geschenk meiner Schwester und mir lieb . Ich möchte , daß , wenn ich fern von Dir bin , Du Dich meiner erinnern mögest , wie ich es thun werde . « Er fühlte , wie sie die Hand emporhob und den Ring an ihre Lippen drückte , und zog sie an seine Brust . Lange vorher , ehe das erste Morgengrauen durch die Jalousieen des Gemaches schimmerte , lag er in tiefem festen Schlaf . Als der Ruf des Kiradschia ihn später aus wilden aber süßen Träumen weckte , streckte sein Arm sich vergeblich nach der Gefährtin der wonnigen Nacht aus - sein Lager - das Gemach waren leer . Er sprang empor - sollte denn Alles ein Traum gewesen sein ? Unmöglich - er war in Madara - dort auf den Kissen noch der Eindruck des Hauptes der seltsamen Geliebten , - er kannte jetzt die Rechte der Republik , er wußte , daß eine Frau bei ihm gewesen . Die Mahnung des Kiradschia hieß ihn sich beeilen . Er rief nach Nursah , seinem Diener , aber erst auf wiederholten Ruf erschien dieser , und es war , als scheute sich der sonst so zutrauliche , auf jeden Wink merkende Knabe vor seinem Herrn . Bald saßen sie auf ; Capitain Depuis mit seinem Diener kam von dem Hause her , in dem er die Nacht zugebracht . Sein Aussehen war erschlafft , matt und zeugte von den Schwelgereien der Nacht ; sein Faunenblick traf den deutschen Arzt und jagte diesem das Blut in das Männerangesicht . Aber man hatte wenig Zeit zur Verständigung - der Kiradschia drängte zur Abreise , denn sie mußten am nächsten Tage Schumla zu erreichen suchen , und aus den Hütten und Häusern des seltsamen Dorfes strömten bereits wieder die heiteren Bewohnerinnen zusammen und umgaben mit jubelndem Morgengruß die Reisenden . Vergeblich schaute der Arzt nach irgend einem Erkennungszeichen seines nächtlichen Besuches sich in der Menge um , überall schöne , heitere , neckende Gesichter , aber nirgends ein seiner Frage begegnender Ausdruck , nirgends ein Bild , das zu dem seiner aufgeregten Phantasie paßte . Zu fragen scheute er sich , denn er fürchtete den Spott des Offiziers und des Kiradschia ' s , und so mußte er denn mit ungestillter Neugier sich ihnen zur Abreise anschließen . Ein ähnlicher Zug wie der , welcher sie empfangen , geleitete sie bis zum Ausgang des Thales , wo das Gebiet des seltsamen Weiberstaates endete und die Reisenden schieden hier , nachdem sie die Begleitung nach ihren Mitteln reichlich beschenkt hatten . Die Frauen schossen wiederum ihre Pistolen und Flinten in die Luft und jagten davon . » Nun , Doctor , « sagte lustig der Capitain , als sie einen Augenblick auf der Höhe des Bergpasses hielten und zurückschauten auf das ferne Thal , » was denken Sie von unserm Abenteuer und wie haben Ihnen die Gebräuche der höchst ehren- und achtungswerthen Republik gefallen ? Der Teufel soll mich holen , wenn ich nicht , aller Censur zum Trotz , eine verlockende Beschreibung in den Moniteur einrücken lasse . Ich bin überzeugt , die Sitte findet in Frankreich Nachahmung . « » Gut für Ihre orientalischen Hilfstruppen , Capitain , daß es nur ein Madara in der Türkei giebt . Sie könnte sonst ihr Capua finden , nach Ihrer eigenen Miene zu urtheilen . « » Pah - es sind wahre Teufelsweiber , eine pariser Grisette ist eine Vestalin dagegen . Aber sorgen Sie nicht , Doctor , unsere Soldaten werden aus den wohlverbarrikadirten Harems unserer werthen Bundesgenossen Madara ' s genug zu machen verstehen , trotz aller Tagesbefehle des Marschalls . Tausend Donnerwetter , ich denke mir ein Regiment unserer Jäger oder der Zuaven in unser eben verlassenes Nachtquartier einmarschiren . He , Monsieur Kiradschia , alter Sünder - wie ist ' s Euch ergangen in dieser Nacht ? « » Hast Du Etwas erfahren in Betreff des Auftrags Deines Freundes , des Janitscharen-Baschi ' s ? « fügte der Arzt hinzu . » Wenig genug , Signoris , « sagte der Führer , » und dennoch hat uns das Gerücht nicht getäuscht . Das alte Weib von dem wir hörten , daß es in Madara gestorben , muß in der That das verrätherische Weib Melek Ibrahim ' s , meines Freundes , gewesen sein . Sie war seit länger als zwanzig Jahren in Madara und muß mich oft dort gesehen haben , wenn ich sie auch nicht wieder erkannte ; denn der Oda-Baschi hielt streng auf das Geheimniß seines Haremliks und ich habe sein Weib nur in dichtem Schleier geschaut . « » Woher schließest Du dies Alles ? « » Höre weiter , Signor . Das Weib hatte einen bösen Ruf , selbst in Madara , und war zänkisch und boshaft . Die jungen Frauen fürchteten sie wie den Teufel . Sie war schwer erkrankt und mochte ihr Ende fühlen , obschon sie zwanzig Jahre weniger zählt , als der Jenethtschjeri , ihr Gatte . Ich weiß nicht , ob sie je erfahren hat , daß er gerettet wurde aus dem Gemetzel zu Constantinopel , aber ich vermuthe es jetzt , daß sie Kunde bekommen von unseren späteren Nachforschungen und deshalb sich nach Madara geflüchtet hat . Als der Tod ihr auf der Zunge saß , hat sie einen Schreiber aus der Nachbarschaft kommen und ihn einen Brief schreiben lassen . Diesen und ein Paket hat sie den Aeltesten des Dorfes übergeben , die sie mir aushändigen sollten , wenn ich wieder nach Madara käme . Also ist es geschehen . « » Zum Donner ! die Sache wird ja ordentlich romantisch . Und was enthält der Brief , Freund Kiradschia ? « » Gott weiß es , wie die Moslems sagen , « entgegnete der Alte , » ich habe ihn noch nicht geöffnet , es hat Zeit , bis unsere Pferde Rast halten in der Mittagsstunde . Die Botschaft eines Unheils kommt immer noch früh genug , und was kann ein altes Weib anders bringen als Schlimmes ! « Mit diesem Trost mußten seine beiden Gefährten sich denn auch begnügen bis zu der festgesetzten Zeit . Als sie in der brennenden Mittagssonne im Schatten riesiger Kastanienbäume an einer Quelle die Pferde fütterten und , im Grase ausruhend , ihr einfaches Mahl verzehrten , öffnete der Kiradschia sein in ein Lammfell gebundenes Paket . Es enthielt außer dem erwähnten Briefe ein Kästchen von jener Art , wie sie in Constantinopel so vorzüglich gemacht werden . Der Schlüssel lag in dem Brief , dieser aber lautete : » An Paswan , den Kiradschia , einen Bulgaren und in Ewigkeit verfluchten Christen ! Vernimm meine Worte , o Paswan , der Du ein Freund meines Gatten warst und , wie ich vor Jahren gehört habe , ihn gerettet hast vor dem Zorne des Padischah und der Vernichtung der verfluchten Jenethtschjeri . Auf Dein Haupt komme es . Ich weiß nicht , ob der Höllensohn noch lebt , aber ich glaube es nicht und setze Dich darum zu meinem Erben ein , statt dieser alten Weiber , die mich schlecht behandelt haben und nun nur behalten mögen , was werthlos ist . Ich habe Melek-Ibrahim , den Oda-Baschi gehaßt und dies mit Recht , denn er hat mir viel Uebels gethan , und die schlechte Sclavin war über mir in seinem Hause , blos weil sie ihm Kinder geboren hat . Wah ! war ich nicht seine rechtmäßige Freude ? Er hat meine Rache empfunden . Nun aber will der Prophet , daß man Böses gut mache vor seinem Tode und ich habe mich dazu entschlossen , da Eblis , der schlimme Engel , hinter mir sitzt . Ich habe den Kindern meines Gatten Uebles gethan , aber das Schicksal wollte es so . Sie sind verkauft worden als Sclaven , Jussuf , der Knabe , der zehn Sommer zählte , auf ein maltesisches Schiff , das die Rosalba hieß , und ich weiß nicht , wo er geblieben ist . Aber der Wille Allah ' s kann Dich ihn finden lassen und ich sage Dir , daß er ein Kennzeichen hat , die Anfangsbuchstaben des Namens seines Vaters auf der linken Schulter , eingezeichnet mit einer Nadel und eingerieben mit Pulver und Salz , daß sie fortwachsen mit seinem Leben . Das Mädchen , Zuleika , zählte erst vier Jahre , und ich hörte , daß sie gestorben sei . Was aus ihrer Mutter geworden ist , weiß ich nicht , - Fluch über sie und die Gräber ihrer Eltern . Aber die Habe , die ich mitgenommen , gehörte nach dem Gesetz den Kindern meines Mannes , und so gebe ich sie Dir , o Kiradschia , von dessen Redlichkeit die Leute Großes erzählen , obgleich Du ein Dschaur bist , damit Du sie dem Knaben wiedererstattest , wenn er sich finden sollte . Gott ist groß und in seiner Hand ruht Alles . Ist Deine Mühe vergeblich , so siehe das Erbe als das Deine an . Besser in den Händen eines Dschaurs , als dieser tollen Weiber , deren Dienerin ich geworden bin . Allah beschütze Dich und gebe mir ein gutes Ende . Am fünften Tage des Monats Zilkadé , im Jahre Zwölfhundertundneunundsechszig21 . Unterschrieben von Zulmah , der Frau des Melek-Ibrahim . « In dem Kästchen lagen ein Menge sehr werthvolles Geschmeide , Rosenkränze und Amulets , nebst einer nicht unbedeutenden Anzahl Goldstücke . » Beim Henker ! « sagte der Capitain , » ich möchte der Erbe der alten Verrätherin sein . Schade , daß meine Abkunft auf der Mairie registrirt ist ! Was wollt Ihr nun thun in der Sache , würdiger Kiradschia ? « » Was ich thun will , Signor Capitano ? « fragte erstaunt der Bulgare . » Was kann ich anders thun , als meinem Freunde Ibrahim sein Eigenthum zustellen . Es kann Sonnenstrahlen werfen auf die Tage seines Alters . Mögen die Märtyrer mir beistehen , daß ich ihm von seinem Sohne einst Kunde bringen kann ! « » Das möchte etwas schwer werden , alter Freund , nach achtundzwanzig Jahren und in dieser Völkerwanderung dreier Welttheile . Wer weiß , an welchem Galgen der Bursche längst hängt , oder wo er gespießt worden . Ich rathe Dir , mach ' Dir keine vergebliche Mühe und Kosten , sie sind weggeworfen . « » Wie Gott will , « sagte der Kiradschia treuherzig und fromm . » Die Wege der Heiligen sind wunderbar , und ich werde sein Erbe bewahren . Laßt uns aufbrechen , Freunde . « Nach wenig Augenblicken waren sie in den Sätteln und auf dem Wege nach Schumla . Hinter dem filmenden Gebieter ritt der Knabe Nursah und sein Auge hing mit seltsamem , fast zärtlichem Ausdruck an der Gestalt seines Herrn . Fußnoten 1 Unsere Leser , denen nicht gleich eine Karte zur Hand ist , wollen sich erinnern , daß die in der Aufwärtsbiegung der Donau von Silistria zwischen dieser und dem Meer liegende Dobrudscha von Silistria ab durch folgende befestigte Punkte vertheidigt wurde : Rassowa , Tschernawoda , Hirsowa , Matschin , Isaktscha , Tultscha . 2 Gouverneur . 3 Das türkische dolce farniente . 4 Lieutenant . 5 Die Janitscharen zerfielen in 4 Hauptabtheilungen , deren jede eine Anzahl Orta ' s oder Unterabtheilungen zählte . 6 Suppenkoch - der Hauptmann der Orta , so genannt , weil er die Suppe vertheilte . 7 Eine Vorstadt Constantinopels auf der nördlichen Seite des Horns . 8 Gouvernement . 9 Artilleristen . 10 Die Hauptabtheilung , bei der der Großherr selbst als Janitschar eingeschrieben war . 11 Kaserne . 12 1826 . 13 Der zweite Befehlshaber . 14 Sein Lieutenant . 15 Am 13. Juni . 16 Die Artillerie-Kaserne steht jetzt an dieser Stelle . 17 Die kupfernen Kessel , zum Kochen des Pillaw dienend , wurden zum Zeichen einer Versammlung der Janitscharen ausgestellt und ihr Verlust durch den Feind galt als Schimpf . 18 Befehl . 19 Name der Janitscharen , die in Constantinopel standen . 20 Aya-Sophia . 21 1. Juli 1853 . Der Kampf um Silistria . Das Schlußspiel an der Donau sollte das zitternde Europa auf die Schreckenstragödie in der Krimm vorbereiten . Silistria war das blutige Morgenroth der Tage von Sebastopol . Wir haben die Uebergänge der Russen über die untere Donau nach der Dobrudscha und das Andringen der einzelnen Corps gegen Silistria unsern Lesern bereits gezeichnet . Einen kurzen Aufenthalt gewährten die für die Türken nicht blos glücklichen , sondern selbst glorreichen Gefechte von Kastelli , Küstendsche und Tschernawoda , das Letztere am 25. April ; aber wie groß auch die Verluste und Opfer der Russen bei ihrer Besetzung der Dobrudscha waren , der fast allmächtige Wille , der dies Volk beherrscht und als bloße Masse für seine Zwecke verwendet , fragte nicht nach diesen Opfern , und die Massen drängten , den Tod in den eigenen Reihen , vorwärts bis zum Trajanswall . Die Anstrengungen und die Preise , welche die Besetzung der Dobrudscha forderte , waren kolossal . Ein ungeheurer Train von Kibitken und schweren Lastwagen mußte den Truppen in dies wilde , nur vom flüchtigen Tataren und Kosaken , den Adlern , den Trappen , den wilden Gänsen und Schwänen bewohnte Land folgen , auf dessen 200 Quadratmeilen kaum 20,000 Einwohner kommen , dem trotz der Sümpfe und Moräste das belebende Element des Wassers fast ganz zu fehlen scheint . So weit das Auge trägt , sieht man nirgends einen Baum oder Strauch ; die stark gewölbten Hügelrücken sind mit hohem , von der Sonne gelb gebranntem Grase bedeckt , das der Steppenwind in Wellen schlägt ; weite Strecken reitet man über die einförmige Wüste , bevor man ein elendes Dorf ohne Gärten , ohne Bäume , in einem wasserlosen Thal entdeckt . Der Mensch hat den Menschen aus jenen unwirthbaren Gegenden verscheucht , und sie sind dem Reich der Thiere anheimgefallen . In ungeheuren Zügen kam und ging dieser Train , neue Provisionen holend und Hunderte von Verwundeten , Tausende von ruinirten Waffen , Monturen und Rüstzeugen zurückschleppend . Die Zahl der Verwundeten und Kranken überstieg zu Ende April bereits 2600 , bei Karassu allein gab es über 500 Blessirte ; die Zahl der Todten betrug über 3000 . In Braila , Gallacz und Reni wurden zu den bereits bestehenden sieben Lazarethen neue improvisirt , so gut es gehen wollte . Die Ambülancen füllten sich Tag für Tag dermaßen , daß die Transporte nach Hirsowa , Matschin und zum linken Donauufer täglich zwei Mal erfolgen mußten . Aber nicht bloß der Verlust an Menschenleben war ungeheuer , die Erfordernisse an Pferden , Bagage und Munition waren noch kolossaler . Auf den Befehl des Feldmarschalls rückte zu Anfang Mai das Corps des General Lüders , am 6. Rassowa nach hartem Kampfe nehmend , aus der Dobrudscha gegen Silistria vor . Am 12. , 13. , 14. und 15. kam es zu heftigen Gefechten , und die Generale Engelhardt und Grotenhjelm , die Avantgarde des Corps bildend , drängten die Türken in die Festung zurück und schlossen diese von der Ostseite ein . Die Operationen von jenseits der Donau gegen Silistria hatten bereits am 5. April begonnen ; General-Lieutenant Chruleff , der tapfere Führer der fliegenden Corps in Polen und Ungarn , der im Sommer 1855 sich noch berühmt machte durch den Zug in die Kirgisen-Steppe gegen die Kotanzen und den Sturm auf die Feste Ak-Metschet , leitete die Belagerungsarbeiten . Nachdem sich die Russen der drei Donauinseln Olbina , Tarbaneki und Rakinski bemächtigt hatten , eröffnete der General am 22. aus den auf dem linken Ufer und den Inseln errichteten Brustwehr-Batterien mit 70 Kanonen ein heftiges Feuer gegen die Donaufront der Festung , die Batterieen auf den noch im Besitz der Türken befindlichen drei andern Inseln und die vorgeschobenen Werke am rechten Ufer . Da aber die Kanonen der Letzteren den hier etwa 1000 Schritt breiten Fluß beherrschten , konnte der beabsichtigte Uebergang nicht stattfinden , bis die bereits oben erwähnte Operation des Lüder ' schen Corps von der Dobrudscha her vollständig erfolgt war . Ein langandauerndes heftiges Regenwetter hatte diese Operationen verzögert , am 14. Mai erst stand die russische Avantgarde in Kütschück-Kainardscha , auf der Straße nach Basardschik und Varna , die Festung von dieser Verbindung abschneidend und die Türken in ihre östlichen vorgeschobenen Werke zurückdrängend . Am 15. unternahmen Fürst Paskiewitsch und Fürst Gortschakoff eine persönliche Recognoscirung am linken Ufer und der Letztere ertheilte nach der Rückkehr nach Kalarasch alsbald den Befehl , mit dem Schlagen der Brücke vorzugehen . Unter einem heftigen Bombardement der Stadt vom linken Ufer und den Inseln her vollzog General Chruleff den Auftrag , und zum ersten Male hatte hier der Ingenieur-Capitain Tottleben Gelegenheit , durch die zweckmäßige Anlage der Brücke unterhalb der Stadt , zwischen dieser und dem Dorfe Ostrow und außer dem Bereich der türkischen Batterien sich auszuzeichnen . Am 18. Mai war die Brücke vollendet . Sie bestand aus zwei Abtheilungen für Kavallerie und Infanterie , mit einer Ueberfuhr für Geschütze . Fürst Paskiewitsch ging an demselben Tage mit seinem Generalstab über die Donau . Ihm folgten 20 Infanterie-Bataillone ( die ganze 8. Infanterie-Division unter General-Lieutenant Silvan und das ochotzkische Jäger - Regiment von der 11. ) , drei Compagnieen Sapeure , das woßnessenskische und olviopolskische Ulanen-Regiment von der 4. leichten Cavallerie-Division , drei Sotnien donische Kosaken , 6 Batterieen Fuß Artillerie und zwei berittene , im Ganzen 88 Geschütze mit dem Belagerungstrain . Das Corps des General Lüders auf der Südostseite der Stadt zählte 35 Infanterie-Bataillone , ( die 9. Infanterie-Division und Abtheilungen der 11. und 15. ) , das lithauische Ulanen - Regiment » Erzherzog Albrecht « und das vollhynische » Großfürst Constantin « , 2 Kosaken-Regimenter und 104 Geschütze . Sofort begannen die Russen die Tracirung der Belagerungslinie von der Landseite und das Aufwerfen der Trancheen . Zugleich sollten nach dem Plan des Feldmarschalls 30,000 Mann bei Oltenitza auf einer dort geschlagenen Brücke nach Tuturkai übersetzen und gegen Rasprad vorrücken , somit die Verbindung Silistria ' s mit dem 10 Meilen entfernten Schumla , dem Hauptquartier des Sirdars , unterbrechend . Diese Operation mißglückte , denn der Uebergang wurde von den Türken glücklich gehindert und die Brücke gesprengt . Ungefähr 60,000 Mann cernirten demnach jetzt Silistria auf drei Seiten und nur die Verbindung im Südwesten und Westen der Stadt , nach Schumla und Rustschuk , war noch frei . Bereits bei dem Uebergang am 16. hatte der Feldmarschall einen Parlamentair an Mussa-Pascha , den Kommandanten Silistria ' s , geschickt , ihn zur Uebergabe aufzufordern . Die Türken wiesen dieselbe zurück und am 19. begann von der Landseite aus die Beschießung der Festung aus den zwischen den Weinbergen gegen die östlichen Vorwerke vorlaufenden Trancheen . In der Nacht zum 22. wurde die zweite Linie derselben eröffnet und General Schilder sprengte mit Glück von der Donauseite eine gegen die Müftiereh-Bastion gerichtete Miene , obschon das Fort selbst wenig Schaden nahm . Noch ein Mal wurden jetzt Unterhandlungen eröffnet , und Mussa-Pascha , um Zeit zu gewinnen , verlangte eine Frist bis zum 26. , die jedoch nur bis zum 24. bewilligt wurde . An diesem Tage stürmten die Russen die östlichen Werke , wurden jedoch mit bedeutendem Verlust zurückgeworfen . Seitdem dauerte die heftige Kanonade ununterbrochen fort . Wir müssen Silistria selbst und den Vertheidigungsanstalten der türkischen Festung noch eine kurze Beschreibung widmen . Silistria bildet die Spitze eines fast gleichschenklichen Dreiecks , dessen Basis die Linie Schumla-Barna vorstellt , und dessen Ostseite Front gegen die Dobrudscha und die Straße über Basardschik nach Varna macht , wie die Westseite gegen Rustschuk und die von da an die Balkan-Pässe ziehenden Wege . Die Entfernung nach Tschernawoda beträgt 10 , nach Varna 18 , nach Schumla 12 , nach Rustschuk 15 Meilen , ein Terrain , das vollständig innerhalb der Wirkungssphäre einer starken Garnison wäre . Hierdurch begreift sich die Bedeutsamkeit Silistria ' s für die russichen Operationen , die ohne den Besitz der Festung der Sicherheit ermangelt hätten . Diese Wichtigkeit der Position wurde auch in allen früheren Kriegen anerkannt . Im Jahre 1809 wurde die Festung vergeblich belagert , 1810 aber nach nur fünftägigem Widerstand von General Langeron erstürmt . Damals wurde Silistria von den Russen geschleift , später von den Türken aber wieder aufgebaut und bedeutend vergrößert . Im Feldzug von 1828 fesselte es die Russen 4 Monat vor seinen Mauern , ohne daß sie es zu erobern vermochten , und auch nachdem Varna gefallen , bildete es ein wichtiges Hinderniß , und der Feldzug des Jahres 29 mußte mit einer Belagerung des an und für sich nicht starken Platzes begonnen werden , die auch damals General Schilder leitete und welche 43 Tage dauerte . So wichtig die Lage Silistria ' s in strategischer Beziehung , so ungünstig ist sie es in fortificatorischer , indem die Südseite durch das 200 Fuß hohe Balkanplateau beherrscht wird , das bis auf 1500 Schritt an den Hauptwall herantritt und dem Belagerer zur terrassenförmigen Aufstellung seiner Geschütze Gelegenheit giebt . Man übersieht von hier aus das ganze Innere der Stadt . Die drei östlichen und zwei westlichen Fronten werden von dieser Höhe aus bestrichen , und da , wie bereits erwähnt , das Donaubett nur 1000 Schritt breit , kann auch die Wasserfront von dem gegenüberliegenden Ufer beschossen werden . Die Stadt selbst bildet einen Halbkreis von etwa 2000 Schritt Länge in Form eines Zehnecks , jede der Fronten ist 550 Schritt lang , und zwar befinden sich vier Bastionen auf der Donauseite , drei auf der östlichen , zwei auf der westlichen . Das östliche Thor ist von den Außenwerken Tschengell- und Limân-Labiassi gedeckt . Zur Sicherung der zwei Thore auf der Landfront nach Schumla und Basardschick wurde bei Beginn des Krieges die bisher sehr unvollständige , aus unbedeutendem Erdwerk bestehende Vertheidigung durch Anlegung eines festen Forts auf der Höhe Oskardscha zwischen beiden Straßen vermehrt , das zugleich die Gefahr der Beherrschung vom Plateau aus paralysiren sollte . Unter Leitung eines früheren preußischen Offiziers , des Artillerie-Capitains Grach ward diese durch dreifaches Mauerwerk aus Felsengestein hergestellte Nebenfestung , die den Namen Abdul Medjid erhielt , binnen 8 Monaten hergestellt , indem man Tag und Nacht daran arbeitete . Durch zwei Thürme - Arab-Tabia und Yania - flankirt und mit 60 Kanonen bewaffnet , bildete das Fort jetzt mit dem festen Stadtschloß die Hauptvertheidigung der Festung , nach welcher der Besatzung die Rückzugslinie vom Fort durch eine Reihe von Batterieen gedeckt war , von deren letzter ein unterirdischer Gang zur Festung führte . Die Ringmauern der Stadt sind ziemlich niedrig , das Glacis hinter dem 12 Fuß tiefen , 30 Fuß breiten Graben wird von der 20 Fuß starken Brustwehr des Hauptwalls nur um 8 Fuß überragt . Dies wann die Hilfsmittel der tapfern Vertheidigung von Silistria . Am 25. Mai endlich erhielt General-Lieutenant Pawloff , der , wie erwähnt , von Oltenitza aus bisher vergeblich den Uebergang versucht und nur eine zwischen beiden Ufern liegende Insel besetzt hatte , die Nachricht , daß die Türken sich von Tuturkai zurückgezogen , und bewirkte am 26. seinen Uebergang , so daß nunmehr auch die Verbindung mit Rustschuk abgeschnitten werden konnte . Es war am Mittag des 28. Mai - eines Sonntags - als die Geschütze der russischen Batterieen , die während des ganzen Morgens gespielt und einen wahren Hagel von Bomben und Vollkugeln auf die Werke der Ostseite und bis in die Stadt geschleudert hatten , eine kurze Pause machten . Von dem Babadagh-Thor her , vor dem die hart bedrängten , vorgeschobenen Forts Tschengell-Labiassi und Limân-Labiassi1 liegen , kam in eifrigem Gespräch eine Gruppe von Offfzieren , von