eine Handbewegung gegen Alfons , welcher noch einen Augenblick am Tische wie erstarrt stehen blieb , dann fast in sich zusammenbrach , sich aber aufraffte , mit der rechten Hand durch sein Haar fuhr , und dann plötzlich zur Thüre hinausstürzte . » Ich bin fertig , « wandte sich die Tänzerin gegen die alte Dame » und wenn ich Sie verletzt , so will ich Sie um Entschuldigung bitten . « Sie machte darauf sämmtlichen Anwesenden eine tiefe Verbeugung und wandte sich zum Weggehen . Die Kommerzienräthin hatte einen Augenblick überlegt , worauf sie sagte : » Ich danke Ihnen , Mademoiselle ; Sie haben Ihre Schuldigkeit gethan . « Bei diesen Worten erhob sie sich und begleitete die Tänzerin bis zur Zimmerthüre in ruhiger , würdevoller Haltung . Sobald sich übrigens die Thüre hinter der Fremden geschlossen , blieb die alte Frau einen Augenblick wie betäubt stehen und preßte die Hand vor die Stirne . Dann aber sprach sie : » Komm Marianne , ich habe mit dir zu reden . « Und beide Damen verließen das Zimmer . Die Herren machten es gleich darauf ebenso , nicht ohne viele oh ! und ach ! von Seiten des Kommerzienrathes , der über alle Maßen verdrießlich war , denn er sah nun eine lange Reihe unangenehmer Auftritte vor sich , von denen er ein großer Feind war , und überlegte auch , daß die Geschichte noch einmal schlimm endigen könne . Doch müssen wir leider gestehen , daß er dabei weniger an seine arme Tochter dachte , als an sein Bankiergeschäft , welchem Herr Alfons eine Hauptstütze war . Dreiundsiebenzigstes Kapitel . Johann Christian Blaffer und Compagnie . Seit dem Abgange des Herrn Beil hatte sich der Chef der Firma Johann Christian Blaffer und Compagnie keinen neuen Commis mehr angeschafft . August , der Lehrling , wurde an dessen Stelle befördert , ohne durch diese Beförderung das Geringste zu profitiren , im Gegentheil hatte er mehr zu arbeiten ; denn seine bisherigen Geschäfte , das Einpacken und auch wohl das Austragen der Pakete sollte er nach wie vor noch nebenbei besorgen , und eine Folge davon war , daß jetzt gar nichts mehr geschah , wie es hätte geschehen sollen . Herr Blaffer schien sich überhaupt mit den beiden Geschwistern etwas verrechnet zu haben ; so auch , was August ' s Schwester anbelangt . Hier hatte er das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden wollen , und dem Mädchen eines Tags auf die süßeste Art vorgeschlagen , sie möge einen Versuch machen , ihm in den Geschäften des Comptoirs zu helfen . » Das wäre für mich doch wohl angenehm , « hatte er gesagt , » denn du würdest an dem Tische im Nebenzimmer arbeiten , ich käme zuweilen herein , sähe nach dir und erfreute mich an deinem Fleiß und deinem lieben Gesichte . « - - Der Prinzipal hatte dabei gehofft , das kluge Mädchen würde alsdann bald die Geschäfte erlernen und ihm dadurch für beständig ein Commis entbehrlich werden . Er hatte sich aber , wie gesagt , auch hierin wie in vielem Anderen gewaltig verrechnet . Den Tag nach jener denkwürdigen Nacht , in welcher Herr Beil das Haus verlassen , war Marie auf ihrem Zimmer geblieben und hatte lange Stunden in tiefe Gedanken versunken auf einem Stuhle gesessen . Es mußten mitunter schreckliche Gedanken gewesen sein , die sie beschäftigt , denn zuweilen griff sie in ihr dichtes Haar oder ließ den Kopf in beide Hände sinken , um ein Zeitlang bitterlich zu weinen . Ja , ein paar Mal nahm sie hastig ihr Tuch und ihren Hut , um das Haus zu verlassen . Vielleicht wollte sie dem dunklen Wege folgen , den ihr Herr Beil vorgezeichnet ; aber dann blieb sie schaudernd stehen und sagte : » Nein , nein , ich kann nicht ; mir fehlt der Muth , und das Leben ist doch so schön ! « Mit dem letzteren Gedanken schien sie sich dann auch schon im Laufe des Tages und Abends mehr zu befreunden ; sie erhob sich langsam aus ihrem Nachdenken , sie athmete tief auf , fuhr dann mit der Hand über die Augen und lächelte schmerzlich . Aber sie lächelte doch . Ja , noch ehe es Abend wurde , vermochte sie es über sich , einen flüchtigen Blick in den Spiegel zu werfen , und darauf fing sie an , ihr Haar zu ordnen und eine einfache , aber hübsche Toilette zu machen . Herr Blaffer hatte es wohl im Laufe des Tags einige Mal gewagt , an ihre Thüre zu klopfen , auch dieselbe sogar zu öffnen , doch hatte sie sich alsdann mit einem solchen Ausdruck des Hasses oder vielmehr des Zornes erhoben , daß er , der Tyrann , schüchtern zurückgetreten war und erst Abends es wieder wagte , sich ihr zu nähern : das heißt , der alte Buchhändler ließ sich so weit herab , August hinaufzuschicken und bei der Schwester anfragen zu lassen , ob sie zum Nachtessen herabkommen wolle , oder ob sie wünsche , daß man bei ihr droben erscheine . August hatte kopfschüttelnd diese Botschaft und einigermaßen zaghaft die Antwort des Mädchens hinterbracht , welche dahin lautete , Herr Blaffer möge machen , was er wolle , nur solle er sie in Ruhe und auf ihrem Zimmer lassen . Und er , der hierauf einen Zornausbruch des Prinzipals gefürchtet , sah zu seinem Erstaunen , daß er sich getäuscht hatte . Freilich war über die Stirne des Herrn Blaffer eine Wolke gefahren und er hatte mit den Achseln gezuckt ; doch war darauf das Unerhörte geschehen , daß er seinem Lehrling einen Gulden schenkte , ihm die Erlaubniß gab , damit in ' s Wirthshaus zu gehen und , was noch nie geschehen war , sogar die Freiheit ertheilte , nach zehn Uhr vermittelst Hausschlüssels nach Hause kommen zu dürfen . Der Lehrling hatte hievon einen umfassenden Gebrauch gemacht und seine Dachkammer aufgesucht , nachdem von dem Gulden nichts mehr übrig war und der Nachtwächter die zwölfte Stunde abgerufen . Am andern Morgen war er etwas zaghaft beim Frühstück erschienen , weil er fürchtete , für seine nächtlichen Ausschweifungen derb ausgescholten zu werden . Auch hatte ihn Herr Blaffer mit finsterem Stirnrunzeln empfangen und schon angefangen , ein ernstes Wort zu sprechen , als sich Marie , die wieder erschienen war , dergleichen auf ' s Bestimmteste verbat , indem sie sagte , ihr Bruder sei kein Kind mehr und einem jungen Menschen in seinem Alter könne man es nicht übel nehmen , wenn er zuweilen etwas lange ausbleibe . Darauf hatte Herr Blaffer geschwiegen , zum grenzenlosen Erstaunen Augusts ; ja , der Prinzipal hatte sogar gelächelt , als das Mädchen hinzusetzte , bei den alten Leuten sei ja keine Tugend zu finden , was man denn eigentlich von den jungen erwarten wolle . Daß sich in dem Getriebe des Hauses überhaupt Vieles von Tag zu Tag veränderte , sah der Lehrling wohl , doch hatte er glücklicherweise nicht Verstand genug , um die Kraft zu entdecken , welche hier im Geheimen wirkte . Er dachte auch weiter nicht darüber nach , da das Resultat für ihn so angenehm war . Herr Blaffer behandelte ihn besser , ja , er setzte ihm sogar , obgleich mit sichtlichem Widerstreben , ein kleines Taschengeld aus ; Marie sorgte für seine Garderobe und als der Herr Blaffer bei einer vorgelegten Rechnung die Hände über dem Kopfe zusammenschlug , schlug das Mädchen dem würdigen Prinzipal die Thüre vor der Nase zu und meinte , wegen solcher Kleinigkeiten habe sie keine Lust , dessen verdrießliche Gesichter anzusehen . Da nun August sah , daß er unter dem mächtigen Schutze seiner Schwester stehe , so überarbeitete er sich auch durchaus nicht , sondern vertrödelte seine Zeit , so gut es eben gehen mochte . Und wenn die Geschäfte des Hauses Johann Christian Blaffer und Compagnie nicht total vernachlässigt werden sollten , so mußte sich der Prinzipal entschließen , Abends noch eine Stunde zuzugeben , was er denn auch seufzend that . Das Alles war freilich nicht das Resultat eines Tages oder einer Woche , aber ein paar Monate hatten hingereicht , aus dem Alleinherrscher Blaffer , aus dem Sklavenhändler , wie ihn Herr Beil genannt , der unerbittlich seine Peitsche schwang , selbst einen demüthigen Sklaven zu machen , der schwieg und sich duckte , sobald das trotzige , energische , schöne Mädchen fest gegen ihn auftrat . Hätte der ehemalige Commis nur hie und da eine Stunde unsichtbar auf dem Comptoir zubringen können , er würde sich vollkommen gerächt gefühlt haben . Marie und ihr Bruder , der Lehrling mit dem blödsinnigen Lächeln , wie er ihn bezeichnet , die beiden herrschten in dem Hause und Herr Blaffer duldete und schwieg . Doch schien er sich anfänglich in dieser Sklaverei glücklich zu fühlen , und wenn das junge Mädchen einen kostspieligen Wunsch aussprach , so sträubte er sich mit verhaltenem Lächeln dagegen , und es schien ihm Spaß zu machen , wenn sie nun den Kopf in die Höhe warf , mit dem Fuße auftrat und zornig das Zimmer verließ ; dann eilte er ihr nach , billigte gern , was sie verlangt , und begab sich händereibend an seine Arbeit . Auf einmal aber schien dieses stille Vergnügen des Herrn Blaffer gänzlich verschwunden zu sein ; er wurde nachdenklich , bald starrte er stundenlang auf seine Arbeit , ohne die Feder zu bewegen , in tiefes Nachsinnen versunken , bald wieder hatte er keinen Augenblick Ruhe und verließ häufig sein Pult , um durch das Haus zu gehen , zu irgend einem Fenster hinaus zu schauen und heimlich an Marien ' s Thüre zu lauschen und durch das Schlüsselloch in ' s Innere zu sehen . Es mußte ihn etwas außerordentlich Unangenehmes in Bewegung setzen , die früheren finstern Gedanken traten wieder hervor , und er versuchte abermals , sich in allerlei Gehässigkeiten gegen den Lehrling und selbst gegen Marie Luft zu machen ; es mußte Etwas vorgefallen sein , das ihn seine eigene Schwäche verwünschen ließ ; er versuchte es , den Prinzipal von ehedem wieder zu spielen . Aber die Zügel waren seiner Hand entschlüpft und er sah mit Schrecken ein , daß er alles Terrain verloren . August gab ihm trotzige Antworten oder lachte ihn aus und das Mädchen zuckte verächtlich die Achsel . Suchte Herr Blaffer nun den Streit mit ihr weiter fortzusetzen , so nahm sie ruhig ihren Hut und Shawl und verließ das Haus , um erst spät Abends zurückzukehren , worauf dann Herr Blaffer wie ein Besessener durch alle Zimmer rannte , auch wohl schrie und tobte , um sie bei ihrer Zurückkunft dann freundlicher als je zu empfangen . Daß er bei diesen Gemüthszuständen körperlich nicht gedeihen konnte , war wohl natürlich ; magerer als er war , konnte er füglich nicht wohl werden , doch fiel sein Gesicht mehr und mehr ein , seine Augen verloren allen Glanz , seine Gestalt knickte förmlich zusammen , sein Gang wurde noch schwankender und schlürfender , kurz , er war nur noch der Schatten des ehemaligen Blaffer . Vielleicht brauchen wir dem geneigten Leser nicht zu sagen , daß es die Eifersucht war , welche den Buchhändler auf so traurige Art verändert hatte , ja , die glühendste wildeste Eifersucht , und eine Eifersucht , die gewiß nicht ohne Grund war , aber deren Gegenstand zu ergründen ihm nicht gelingen wollte . Er fühlte es wohl , daß sie ihn betrogen , daß sie ihn nicht liebte und ihn nie geliebt . Hatte sie sich doch stets sichtbar bezwingen müssen , ihren Abscheu vor ihm zu verbergen , hatte ihn doch immer die Kälte ihres Herzens zurückgeschreckt . Ach ! und worum er fast zu ihren Füßen gebettelt , wofür er so viel geopfert , das gab sie vielleicht einem Anderen aus vollem warmem Herzen , freiwillig mit überströmendem Gefühl . Wie glühend mußte dies Mädchen lieben können ! Wie selig mußte der sein , dem sie bereitwillig ihre Arme öffnete , den sie heiß an die Brust drückte ! - Und es lebte Jemand , dem ein weicher , duftiger Nachtwind die Früchte neckend zuwarf , nach denen er sich mühsam emporstreckte . Ja , das fühlte er , und dabei drückte er krampfhaft seine Hände zusammen , knirschte mit den Zähnen und war unsäglich unglücklich . Am Tage ließ es ihm bei seinen Arbeiten keine Ruhe , Nachts schreckte es ihn aus seinen Träumen auf ; ihm ahnte wohl , daß in seinem Hause irgend Jemand ungehindert aus- und einging , aber es war wie ein Gespenst , unsichtbar , nicht zu fassen . Zuweilen glaubte er eine Thüre knarren zu hören , ja ein leises Gelächter zu vernehmen , aber wenn er angstvoll emporlauschte , so war alles wieder still , und einzig und allein machte sich der Wind bemerkbar , der durch den Schornstein heulte . Vergebens hatte er dem Bruder geschmeichelt ; entweder wußte dieser nichts von dem Treiben der Schwester , oder war er schlau genug , nichts zu verrathen . Wenigstens halfen weder Geschenke noch Versprechungen bei ihm . Herr Blaffer hätte das Mädchen fortschicken können , aber dazu fehlte ihm die Kraft : er konnte nicht ohne sie leben . Endlich , nach langem Nachsinnen entschloß er sich , seine Buchhandlung um eine runde Summe zu verkaufen , mit Marie die Stadt zu verlassen und irgendwo an einem stillen Orte mit ihr zu leben . Er hätte sie alsdann geheirathet , wenn sie gewollt ; doch hatte sie schon einige Mal seine Hand ausgeschlagen , und das war es , was ihm den ersten Argwohn gegen sie eingeflößt hatte . Herr Blaffer aber hoffte von der Zukunft , und da ihm mit einem Male in Betreff seiner Buchhandlung gute Anträge gemacht wurden , so nahm er sie an , bedingte baare Zahlung und verlangte von dem neuen Eigenthümer , er solle für sehr geringen Gehalt einen Gehilfen annehmen , den ihm Herr Blaffer empfehlen werde . Auf solche Weise hoffte er sich Augusts zu entledigen . Um die Unterhandlungen zu beschleunigen und den Verkauf abzuschließen , hatte der Prinzipal das Haus verlassen und August befand sich allein auf dem Comptoir . Er saß an seinem Pulte und machte sich das unschuldige Vergnügen , einzelne Buchstaben einer Buchhändler-Zeitung , welche vor ihm lag , gehörig mit Speichel zu durchnässen und dann nach einem starken Druck mit dem Daumen wegzunehmen . Diese klebte er alsdann an einer andern unpassenden Stelle wieder auf und brachte so die sonderbarsten Worte zu Tage - ein Spiel , welches ihm Herr Blaffer oft verwiesen , denn der Prinzipal stutzte jedesmal und ärgerte sich , wenn er eine so präparate Zeitung in die Hand bekam und nun selbst gezwungen war , alle möglichen Confusionen abzulesen . August hatte eben den Satz , der Buchhandel sei ungewöhnlich flau , in einem Aufsatz aus der Feder des Herrn Blaffer dahin abgeändert , daß der Buchhandel ungewöhnlich faul sei , als es an der Thüre klopfte . Er rief sehr laut und deutlich : Herein ! - Die Schüchternheit , mit der er das früher gethan , hatte er sich schon lange abgewöhnt . Es trat ein Mann in das Zimmer , den der Lehrling noch nie gesehen - eine große , stämmige Gestalt mit einem breiten , etwas aufgeschwollenen Gesichte , welches durch freundliches Lächeln gutmüthig aussehen sollte , eigentlich aber schlau und energisch erschien ; dichtes röthliches , empor gestrichenes Haar bedeckte seinen Kopf . Der Eingetretene war einfach aber anständig gekleidet ; er hatte einen dunkeln Ueberrock an , einen runden Hut auf dem Kopfe und einen gewichtigen Stock in der Hand . - » Verzeihen Sie , « sagte er , » wenn ich Sie in Ihren Arbeiten störe , aber ich möchte gern mit dem Gehilfen des Herrn Blaffer einige Worte im Geheimen sprechen . « August schwang sich von dem Comptoirstuhle herab und stellte sich als erster Gehilfe der Handlung vor . » Das ist wohl möglich und Sie sehen allerdings so aus , « meinte der Fremde , » aber da mein Auftrag an eben diesen Gehilfen von besonderer Wichtigkeit ist , so verzeihen Sie mir , daß ich mich vorher überzeuge , ob Sie auch der rechte sind . « » Wenn das beliebt , « entgegnete August einigermaßen gekränkt , » so müssen Sie warten , bis Herr Blaffer nach Hause kommt , damit er Bürgschaft für mich stellt . - Im Uebrigen , « setzte er etwas hochmüthig hinzu , » habe ich Sie ja gar nicht gerufen und ich bin auch nicht zu Ihnen gekommen , sondern Sie zu mir . « » Na , na , « machte lächelnd der Fremde , » wir können uns leicht verständigen . Bitte , seien Sie so gütig und nennen Sie mir den Namen des besten Freundes , den Sie je gehabt . « Der Lehrling schaute den Andern verwundert an , doch erinnerte er sich augenblicklich seines ehemaligen Vorgesetzten und rief mit Lebhaftigkeit : » Ach ! mein einziger und bester Freund ist Herr Beil . Bringen Sie mir Nachricht von ihm ? « » Herr Beil ; - ganz recht ! « erwiderte der Fremde . » Direkte Nachrichten bringe ich gerade nicht . « » Und wo ist Herr Beil ? Ist er in der Stadt ? - Gewiß nicht , denn sonst hätte er mich aufgesucht . « » Daran zweifle ich auch nicht , « sagte der Andere , » und deßhalb ist Ihre Vermuthung die richtige ; Herr Beil ist nicht in der Stadt , aber er läßt Sie durch mich freundlich grüßen . « » Wie mich das freut ! « rief August . » In der That , recht sehr freut es mich . Ach ! mein lieber Herr Beil ! Es geht ihm hoffentlich gut ? « » Vortrefflich ; und er wünscht das Gleiche von Ihnen zu erfahren . « » Ich habe seine Stelle angetreten , « entgegnete der Lehrling , indem er sich in die Brust warf , » ja , ich führe eigentlich das ganze Geschäft , da der Herr Blaffer häufig abwesend ist . « » Das kann ich mir denken , « sprach der fremde Mann mit einem lächelnden Gesichtsausdruck . » Herr Beil hat auch nie daran gezweifelt , und wenn ich ihm das bestätige , so wird ' s ihn freuen . - Aber wenn Sie erlauben , sage ich Ihnen nun den Auftrag , den ich an Sie habe . Darf ich vielleicht bitten , mit mir in ' s Nebenzimmer zu treten ? Mein Auftrag ist ziemlich geheimnißvoll und ich möchte nicht , daß man mich vom Gange aus hörte . « » O unbesorgt , « entgegnete August , der sehr geschmeichelt war , einen geheimen Auftrag zu vernehmen ; » es wird uns Niemand hier belauschen . Aber wenn es Ihnen gefällig ist , so gehen wir in ' s Nebenzimmer ! « » Ich bitte darum . « Damit traten die Beiden in das Arbeitszimmer des Herrn Blaffer , der fremde Mann betrachtete es , indem er sich auf seinen Stock stützte und sagte : » Sie haben hier eine vortreffliche Comptoirgelegenheit . Dies ist wohl das Arbeitszimmer des Herrn Prinzipals ? - Sehr geschickt , sehr geschickt . Ja , diese Herren verstehen sich ihr Leben einzurichten . - Die Thüre dort « - er zeigte auf eine andere , als durch welche sie eingetreten waren - » führt wohl in die Wohnzimmer ? - Sehr geschickt , sehr geschickt ! « » Nein , « erwiderte August , » diese führt auf die Treppe und zu einer Hinterthüre , durch welche man in den Hof geht . « » Ah ! « machte der Fremde und streichelte sein Kinn mit der Hand . » Aber jetzt meinen Auftrag ! Herr Beil wohnte mit Ihnen längere Zeit zusammen in diesem Hause , oben unter dem Dach ; Herr Beil verließ dies Haus in einer stürmischen Nacht mit etwas verwirrtem Kopfe . « » Ach ja , das ist wahr . « » Sehen Sie , wie genau ich unterrichtet bin ! Er verließ also das Haus eilig und vergaß , etwas mitzunehmen . « » Davon hat er mir nichts gesagt . « » Natürlicherweise ; da er es vergaß , konnte er Ihnen nichts davon sagen . Aber jetzt werden Sie es von mir hören . Herr Beil ließ nämlich unter dem Dache in einem Winkel , den er mir genau bezeichnet , eine Börse mit Geld liegen . « » Eine Börse mit Geld ? - Das hätte ich nimmermehr vermuthet ! « » Ganz gewiß , es waren langjährige Ersparnisse . Mich hat er nun ersucht , diese Börse für ihn zu holen . Er wäre selbst gekommen , aber erstens ist er nicht in der Stadt und zweitens , wie Sie am besten wissen , würden ihm die unangenehmen Verhältnisse zu seinem bisherigen Prinzipal einen solchen Besuch etwas peinlich machen . - Sie haben mich doch vollkommen verstanden ? « Nach dem verblüfften Gesichtsausdruck des Lehrlings zu schließen , schien dies nicht der Fall zu sein . Er schaute den Fremden mit aufgesperrtem Munde an und sein Kopf schien sich mit dem Gedanken , Herr Beil habe hier Geld zurückgelassen , nicht recht befreunden zu können . Aber der Fremde behauptete es , wollte ihm das Faktum beweisen und so mußte er am Ende wohl glauben . » Haben Sie einen Augenblick Zeit , mit mir in die Dachkammer zu steigen ? « sagte dieser nach einer Pause . » Das heißt , wenn es im jetzigen Augenblick angeht . Ich möchte aber nicht gerne dem Herrn Blaffer begegnen : Sie verstehen mich wohl . Er stand mit seinem Commis nicht gut und da könnte auch ich schief angesehen werden . « » Unbesorgt ! « erwiderte August . » Herr Blaffer hat Geschäfte ; er kommt schwerlich vor Mittag nach Hause . « Der Lehrling war sicher , daß dem so sei , denn auch Marie hatte unter einem Vorwand das Haus verlassen und er wußte bestimmt , daß der würdige Prinzipal in solchen Fällen nicht früher heimkehrte . Das Mädchen aber kam , einmal ausgegangen , selten vor Essenszeit zurück . » Wenn es Ihnen also gefällig ist , « meinte der fremde Mann mit einer vornehm sein sollenden Verbeugung , die August imponiren sollte und auch ihren Zweck nicht verfehlte , » so wollen wir hinauf gehen ! « » Gehen wir ! « » Apropos , junger Herr , « sagte der Andere unter der Thüre mit einem väterlichen Tone , » nehmen Sie es mir nicht übel , doch Sie sind ein wenig unvorsichtig ; Sie lassen da die Kasse offen stehen . O , in jetziger Zeit muß man vorsichtig sein . « Er drückte sanft die Augen zu , schmatzte dabei leicht mit den Lippen und zeigte auf einen eisernen Kasten in der Ecke , der früher freilich zum Kassenbehälter gedient hatte , jetzt aber zum Papierkorb heruntergekommen war . » Darin können sich Diebe amüsiren , « antwortete der Lehrling lachend , indem er die Thüre des Comptoirs hinter sich zuzog . » O , Herr Blaffer ist viel zu ängstlich , als daß er seine Gelder hier unten im Hause , wo Niemand schläft , aufbewahrt . Die Kasse hat er im Schlafzimmer hinter seinem Bette stehen . « Der Fremde blieb bei diesen Worten stehen , legte die Hände auf seinen Stock und sagte mit Salbung : » Herr Blaffer ist ein kluger Mann , - ein würdiger Mann , das kann ich Sie versichern . Aber steigen wir hinauf , meine Zeit ist etwas gemessen . « Beide betraten nun die Treppen und der Fremde schien sich in das Haus des Herrn Blaffer gänzlich verliebt zu haben . » Das ist ein schönes Gebäude , eine behagliche Wohnung , « sprach er einmal um ' s andere Mal . » Alles ist so zweckmäßig eingerichtet - vortrefflich . - Da ist die Küche , natürlich da geht es auf die Straße , hier Comptoir und Nebenzimmer , rechts wahrscheinlich Büchermagazine - habe ich ' s errathen , junger Herr ? « » So ist ' s ; es sind das zwei große Zimmer - das Lager der Handlung . « » Freut mich , daß ich das errathen . Doch jetzt will ich Ihnen einmal einen Begriff davon geben , wie ich die Neigungen Ihres würdigen Prinzipals verstehe . Er liebt die Ruhe - namentlich bei Nacht - das Büchermagazin geht wahrscheinlich auf den Hof hinaus , und über demselben , um durch nichts im Schlafe oder in seinen Betrachtungen gestört zu werden , befindet sich das Schlafzimmer des Herrn Blaffer . - He ? « » Darin haben Sie Recht , « versetzte August halb und halb verwundert . Und da sie nun auf dem ersten Stock angekommen waren , so zeigte er auf eine Thüre und sagte : » Dort ist das Schlafzimmer . Wollen Sie einen Blick hinein werfen ? « » O ich bin nicht so unbescheiden . Gehen wir lieber hinauf in die bewußte Dachkammer . Ich versichere Sie , werthgeschätzter junger Herr , meine Zeit ist mir heute kostbar . « Hierauf gingen sie weiter und erreichten die Wohnung des Herrn Beil . » Ja , das ist das Zimmer ! « rief der Fremde aus , » wie er es mir beschrieben . Ach , mein guter Herr Beil ! Also hier wohnte er ? Das könnte mich ganz traurig machen , wenn ich nicht die Hoffnung hätte , ihn in ein paar Tagen wieder zu sehen . « » Ach , das möchte ich auch , « sagte August . » Nicht wahr , Sie werden mir seine Adresse geben ? « » Mit dem größten Vergnügen würde ich es thun , aber das hat er mir ausdrücklich verboten . Gewisse Umstände nöthigen ihn dazu , doch wird er Ihnen nächstens schreiben . - Sie können sich fest darauf verlassen ! Doch jetzt bleiben Sie an der Thüre stehen und geben genau Achtung ; Sie werden sehen , wie schnell ich das Versteckte finde . « Darauf war nun August sehr begierig , denn er setzte einigen Zweifel in das zurückgelassene Vermögen seines Freundes ; er war daher nicht wenig erstaunt , als sich der Fremde , nachdem er kurze Zeit hinter einer Vertäfelung der Dachfenster herum gegriffen , nun plötzlich herumwandte und triumphirend einen kleinen Beutel in die Höhe hielt . Er schüttelte den Inhalt in die Hand , und vor des Lehrlings erstaunten Augen funkelte ein kleiner Haufen Dukaten . » Ich hätte nimmer geglaubt , « sagte dieser , » daß Herr Beil solche Schätze besitze . Er sprach mir immer von seiner Armuth und wie er ohne alle Hilfe in die Welt hinaus gehe . « » Unerklärlich , « murmelte der Fremde ; » aber da das Gold einmal da ist , so läßt es sich nicht wegleugnen . Mein Auftrag ist erfüllt , und wenn ich Ihnen herzlich für Ihre Gefälligkeit danke , so wage ich ganz schüchtern , einen Wunsch des Herrn Beil auszusprechen . Die Verhältnisse desselben haben sich gebessert , auf das Ueberraschendste gestaltet , und er bittet Sie durch mich , die Hälfte dieser Summe als einen Beweis seiner Freundschaft annehmen zu wollen . « » O nein , nein ! « rief August , während er begierig auf das Gold schaute , » das ist ja eine große Summe , wie kann ich so etwas annehmen ! Und durch Sie , mein Herr , einen Fremden , den ich gar nicht kenne ! Wenn er selbst da wäre , so wäre es etwas ganz Anderes . « » Herr Beil kennt Ihr Zartgefühl und hatte diesen Fall vorgesehen , doch sagte er : Herr Brander - ich heiße Brander - bitten Sie meinen lieben August dringend darum , er möge mir die Freundschaft erzeigen , und diese Kleinigkeit - Kleinigkeit in meinen jetzigen Verhältnissen - mit mir theilen . Will er mir danken , so werde ich ihm Gelegenheit geben , dies in den nächsten Tagen persönlich gegen mich thun zu können . « » So kommt er hieher ? « rief höchlich erfreut der Lehrling . » Er kommt , « sprach gerührt Herr Brander . » Bald ? « » Sehr bald ; - jetzt , da ich Ihre aufrichtige Freude sehe , Ihr Entzücken , den vermißten Freund wieder zu umarmen , darf ich es Ihnen anvertrauen . Herr Beil ist in der Stadt und wartet nur auf einen günstigen Augenblick , um Sie an sein Herz zu drücken . « » Sprechen Sie ! sprechen Sie ! « rief August . » Herr Beil ist in der Stadt ? « Der Fremde fuhr sich gerührt mit der Hand über die Augen , dann blickte er den jungen Mann einen Augenblick mit großer Wärme an und entgegnete : » Ja , Herr Beil ist in der Stadt , und vielleicht morgen schon wird es Ihnen vergönnt sein , ihn zu sehen . « » So käme ich zu ihm ? « » Das verbieten ihm seine Verhältnisse . Aber er kommt zu Ihnen - hieher . Nur möchte er um Alles in der Welt dem Herrn Blaffer nicht begegnen . Aber da es ihn sehr drängt , Sie wieder zu sehen und auch seine ehemalige Behausung , so erbittet er sich einen Rath , wie das anzufangen sei . « » Nichts einfacher als das ! « rief August erfreut ; » ich öffne ihm Abends die Hausthüre , die Herr Blaffer sorgfältig verriegelt . Er kennt ja den Weg hier herauf ganz genau ,