wollte . « Erst nachdem der Eintritt der bekannten Erscheinungen unseren alten Sparrenvater , wie so manchen Vater vor und nach ihm , von der Unmöglichkeit solcher Isolierung überzeugt hatte , entschloß er sich reumütig , dem Hause das zu geben , was ihm bis dahin gefehlt hatte – eine Treppe . Das Schloß , wie seine Inschrift besagt , wurde 1565 bis 67 gebaut und 1580 renoviert . Ich vermute jedoch , daß es 1650 statt 1580 heißen muß . Jedenfalls haben sehr bald nach dem Dreißigjährigen Kriege Renovierungen stattgefunden , da , während des Krieges , wie Bekmann berichtet , die Seitengebäude des Schlosses durch den schwedischen General von Dewitz eingeäschert worden waren . Natürlich mußte das Schloß selbst bei dieser Einäscherung mit leiden . Aber gleichviel , die Grundanlage des Schlosses ist seit den Tagen Arendts von Sparr und seines Sohnes Otto Christoph unverändert geblieben . Und wie das Sparrenschloß blieb , so die Sparrenerinnerungen . Vor allem selbstverständlich die , die dem alten Feldmarschall gelten . In jedem der Dörfer , die dem Sparren-Lande zugehören , ist er gekannt , in dem einen als Zauberer , in dem anderen als Türkenbesieger , überall aber als der » Glockenmann « , der sich vorgesetzt hatte , am ganzen Laufe des Finowflusses hin seine Glocken klingen zu hören . Und wer an der Biesenthaler Wassermühle den kleinen Fluß passiert , oder an einem Herbtsabende , bei fallendem Nebel , an dem Tramperpark und seinen Burgtrümmern vorüberkommt , der fühlt wohl , daß ihn sein Weg in Gegenden geführt hat , wo es nicht wundernehmen darf , daß alte Volkssagen noch lebendig sind und weiter wachsen und schaffen . Und ein alter Knecht lebt noch auf einem der ehemaligen Sparrendörfer , der sieht alles voraus , was passiert , und prophezeit von einem großen Kriege , der in den achtziger Jahren kommen wird . » Dann werden die Menschen so rar werden wie die Störche im Jahre 1857 , wo ein großer Sturm sie verschlagen und so viele umgekommen waren , daß man alle fünf Meilen nur einen noch sah . So wird Gott die Menschen schlagen , wie er damals seinen Gottesvogel geschlagen . Und dann werden die Menschen sich freuen , wenn einer den andern sieht . « Am Werbellin Am Werbellin Ihre Dächer sind zerfallen Und der Wind streicht durch die Hallen , Wolken ziehen drüber hin . Franz Kugler Und eh der Mittag kam , da lag Haufweis das Wild erschlagen . Chevy-Jagd Eine halbe Meile nördlich von Lichterfelde , schon auf uckermärkischem Grund und Boden , begegnen wir dem sagenreichen Werbelliner See , auch wohl in Kürze » der Werbellin « geheißen . Ein Zauber ist um ihn her , und was der » Blumenthal « unter den Forsten ist , das ist der Werbellin unter den Seen dieses Landesteiles . Es scheint , als ob alle Welt , auch in alten Tagen schon , ein Ohr für den Wohlklang dieses Namens gehabt habe , denn alles , was um den See herum gelegen ist , hat den Namen von ihm entlehnt , und wir unterscheiden außer dem eigentlichen » Werbellin « noch eine Stadt , ein Dorf und ein Schloß gleichen Namens , woran sich dann schließlich der Werbelliner Forst reiht , dessen wir schon früher , als des kostbarsten Jagdgrundes der Hohenzollern , gedacht haben . Stadt Werbellin Sie soll an der Stelle des jetzigen Sees gestanden haben , so daß wir hier – wenn der Überlieferung irgend etwas Reales zugrunde liegt – einen jener » Erdfälle « anzunehmen hätten , über deren Art und Vorkommen ich in dem Buckowkapitel ausführlicher gesprochen habe . Das Terrain indes ist hier ein wesentlich anderes und macht einen Erdfall um vieles weniger glaubhaft . Aller Wahrscheinlichkeit nach hat eine Stadt Werbellin niemals existiert . Wenn Fischbach von zwei alten , im Rathause zu Neustadt-Eberswalde befindlichen Urkunden spricht , die das Datum des St. Gregors-Tages 1306 und des 19. Februar 1319 , als Ausstellungsort aber den Namen Werbellin tragen , so steht jetzt fest , daß damit das Schloß Werbellin , nicht aber die sagenhafte Stadt gleichen Namens gemeint gewesen ist . Dorf Werbellin Ist neueren Datums . Eine halbe Meile südlich vom See gelegen , zählt es zu den Pfälzerkolonien , die 1748 in der Mark angelegt wurden . Es trägt seinen poetischen Namen ziemlich unverdient . Schloß Werbellin Es lag an der Südwestspitze des Sees , 74 höchst wahrscheinlich auf einer Landzunge , die , mittelst eines Durchstichs , in eine schwer zugängliche Insel umgewandelt wurde . Das war um 1247 , und es scheint , daß es unter allen markgräflichen Schlössern jener Epoche nicht nur das größte , sondern auch ein bevorzugter Aufenthalt mehrerer unter den Askaniern war . Hier wurden die schon oben erwähnten Urkunden ausgestellt und wohl viele andere mit ihnen . Von Schloß Werbellin aus schickte Markgraf Waldemar seinen Kanzler Nikolaus von Buch an den Rhein , als , nach Kaiser Heinrichs VII. Tode , ein neuer Kaiser gewählt werden sollte , und gab ihm , wie wir heute sagen würden , carte blanche zu wählen nach seinem Ermessen . Nikolaus von Buch gab seine Stimme an Ludwig den Bayer , an den einzigen , an den er sie , nach dem stillen Wunsche Waldemars , nicht geben sollte . Der empörte Markgraf , so heißt es , ließ den zurückkehrenden Kanzler nach dem nah gelegenen Schloß Grimnitz 75 bringen , ihn dort in den Kerker werfen und verhungern . Die Sage fügt hinzu , der Markgraf habe täglich frische Äpfel vor das vergitterte Fenster legen lassen , um durch den Anblick der Labefrucht die Qual des Unglücklichen zu steigern . 1319 starb Markgraf Waldemar und es kam eine wilde , herrenlose Zeit . Auch Schloß Werbellin sank von seiner Höhe ; noch im Laufe desselben Jahrhunderts , oder doch spätestens zu Beginn des nächstfolgenden , wurde es zerstört . Der eine Bericht sagt » durch die Litauer , « ein anderer nennt die Quitzows , die gemeinschaftlich mit dem Ruppiner Grafen die Burg angegriffen hätten . Ihr Zug richtete sich gegen Chorin . Auf dem Felde zwischen Lichterfelde und dem Werbelliner See wird noch die Stelle gezeigt , wo der Abt von Chorin den Siegern entgegenkam und mit ihnen über gute Bedingungen verhandelte . Der Werbelliner Forst Aus Gründen besserer Verwaltung hat man ihn in eine westliche und östliche Hälfte geteilt , die nun den Namen » Groß-Schönebecker und Grimnitzer Forst « führen . Als Waldgrund mag er innerhalb unserer Marken überflügelt werden , als Jagdgrund steht er einzig da . Ein Teil des Forstes , die sogenannte Schürf- oder Schorfheide , die sich eine halbe Meile lang am Nordwestufer des Sees entlang zieht , dient eigens dem Zwecke , das Wild zu pflegen , also den Rest des Forstes in einen desto reicheren und besseren Jagdgrund zu verwandeln . Der nahe See mit seinem kostbar klaren Wasser ( eine Folge seiner Kalk- und Tongründigkeit ) eignet sich zur Tränke , während außerdem Brunnen in den Wald gegraben sind und überall ausgebreitete Heu- und Moosbetten über die Gefahren und Beschwerden des Winters hinweghelfen . Und das alles nur sehr ausnahmsweise mit der hinterlistigen Absicht , den heute noch gehegten und gepflegten Hirsch bei nächster Gelegenheit ins Blatt zu treffen . Denn der Wildstand hier entspricht einer Paradetruppe . » Letzlingen « , so heißt es , » ist für den Gebrauch . Werbellin und Grimnitz aber sind für die Repräsentation . « Dort jagen die Hohenzollern um des Jagens willen ; im Werbellin jagen sie nur an Forst- und Galatagen , um ihren Gästen zu zeigen , was hohe Jagd in den Marken sei . Letzlingen nichtsdestoweniger ist ein Rival , und in dieser und jener Branche sogar ein siegreicher . Aber an Rotwild bleibt Werbellin à la tête . Seine Forsten umschließen dreitausend Hirsche , die größte Zahl , die , soweit die Kenntnis davon reicht , an irgendeinem Punkte der Welt , innerhalb eines abgegrenzten Reviers gehalten wird . 76 Hier war denn auch , wie selbstverständlich , der Platz , wo sich die Zahl der getöteten Hirsche ( denn trotz des Prinzips der Schonung müssen die alten weggeschossen werden ) auf eine Höhe bringen ließ , die selbst von den Taten des Cooperschen » Hirschtöters « schwerlich erreicht worden ist . Der jetzt im Potsdamer Wildpark angestellte Wildmeister Grußdorf war dreißig oder vierzig Jahre lang Förster im Werbelliner Forst , und die Leute versichern von ihm , daß er derjenige Jäger sei , der in seinem Leben die meisten Hirsche geschossen habe . Er kannte nicht nur alle , die überhaupt da waren , er fand auch alle , die er finden wollte , und traf alle , die er treffen wollte . Nur vom bayrischen Grafen Arco heißt es , daß er unserem Grußdorf als » Hirschtöter « möglicherweise gleichgekommen sei . Im Werbelliner Forst befinden sich dreitausend Hirsche . Nur um die Brunstzeit , etwa von Mitte September bis Mitte Oktober , umschließt er noch tausend mehr . Dann erscheinen die Wanderhirsche . Sie kommen aus den benachbarten Landesteilen , aus Mecklenburg , Pommern , Schlesien , selbst aus Polen und Ostpreußen , also bis hundert Meilen weit . Alle diese Gegenden , namentlich die nordöstlich gelegenen , haben weniger Weibchen in ihren Wäldern , und dieser Umstand treibt die männlichen Hirsche westwärts und speziell an das Seeufer des Werbellin . Hier ist dann Rendezvous , » Konvivium « wie es die Leute nennen . Weil der Weg weit und die Fährlichkeit der Reise groß ist , so machen sich nur die stärksten Tiere auf den Weg , wissen auch wohl , daß sie als Eindringlinge kommen und daß es ohne schwere Kämpfe , ohne den ganzen Zorn erwachter Eifersucht , nicht abgehen wird . Diese Kämpfe finden denn auch jedesmal statt , aber überraschenderweise selten mit den eigentlichen Herren des Forstes , sondern gemeinhin unter den Herbeigekommenen selbst . Sie fechten Eindringling gegen Eindringling , etwa Pole gegen Ostpreuße , oder Schlesier gegen Pommer , und das Resultat ihrer Streitigkeiten pflegt in den meisten Fällen das zu sein , daß , während die beiden fremdländischen Heroen miteinander kämpfen , auch wohl sich töten , der einheimische Märker den Liebespreis davonträgt . Die fremden Hirsche bleiben etwa vier Wochen . Dann kehren sie wieder heim . Seit einem Menschenalter hat sich dieser Zuzug von außenher etwas verringert . Wahrscheinlich infolge des Jahres 1848 . Die Jagdfreiheit machte damals den Marsch von Polen und Preußen bis in die Mark noch erheblich gefährlicher als in ruhigeren Zeiten und die Gefahren jenes Jahres scheinen wenigstens bei den Wanderhirschen unvergessen zu sein . * Wir treten zum Schluß aus dem Forste heraus , wieder an den See , den » Werbellin « , der all dieser Umgebung : Wald , Burg , Dorf , seinen Namen gegeben . Einladend wie der See , waren auch seine Fische . Es war ein Muränensee , und sehr wahrscheinlich der größte und schönste unter denen , die sich mit ihm in die gleiche Namensehre teilen . 77 Auch schon in kurfürstlichen Tagen wußte man davon , und 1565 schrieb Kurfürst Joachim an den Magistrat zu Neustadt-Eberswalde und ordnete an : » maßen man gegen Fastelabend etzlichvieler Fische benötigt wäre , so viele Muränen und Karpfen , als nur zu bekommen wären , in dem » Werbellin « fangen und mit zwei Pferden und Wagen zur kurfürstlichen Küche bringen zu lassen . « Mit diesen Muränen ging es noch fast dreihundert Jahre lang , bis es plötzlich ein Ende damit hatte . Der Kormoran kam . Der Kormoran oder schwarze Seerabe , sonst nur in Japan und China heimisch , hatte auf seinen Wanderzügen auch einmal den baltischen Küstenstrich berührt und es am › Werbellin ‹ anscheinend am wohnlichsten gefunden . Denn hier war es , wo er sich plötzlich zu vielen , vielen Tausenden niederließ . Der schöne Forst am See hin bot prächtige Bäume zum Nesterbau und der See die schönste Gelegenheit zum Fischen . Nun scheint es , waren die Kormorans insonderheit auch Feinschmecker , und statt sich mit all und jedem zu begnügen , was ihnen in den Wurf kam , richtete sich ihr Begehr vor allem auf die Muräne . Sie fischten nach ganz eigentümlichen Prinzipien , und betrieben den Raub nicht als einzelne Freibeuter , etwa wie Fischreiher und ähnliche auf niedrigster Stufe der Kriegskunst stehende Tiere , sondern das Geheimnis taktischen Zusammenwirkens hatte sich ihnen in seiner ganzen Bedeutung erschlossen . Sie manövrierten in Reih und Glied und mit Hilfe ihrer Taucherkünste den See auch in seinen verschiedenen Tiefen , sozusagen in all seinen Etagen beherrschend , glückte es ihnen , überall da , wo sie Stand nahmen , ein lebendiges Netz durch den See zu ziehen : jede Masche ein geöffneter Kormoranschnabel . 78 Die Fischer mühten sich umsonst , sie zu vertreiben . Es gab damals Kormorans am Werbellin , wie Fliegen in einer Bauernstube , und ein paar hundert mehr oder weniger machte keinen Unterschied . Auch der Forst litt , denn in manchem Baume hatten die Kormorans zehn Nester und es schien nicht möglich , ihrer Herr zu werden . Da ward endlich ein Vernichtungskrieg beschlossen . Alle Förster aus den benachbarten Revieren wurden herangezogen , das Gardejägerbataillon in Potsdam schickte seine besten Schützen und so rückte man ins Feld . Zuletzt waren Pulver und Blei stärker als die Kormorans , und sie blieben entweder auf dem Platze oder setzten ihren Zug in friedlichere Gegenden fort . Sind auch nicht wieder gekommen . Aber die Muränen auch nicht . Die Muränen sind hin wie die Schlösser , die den » Werbellin « umstanden , nur der See selber ist in seiner alten Schönheit verblieben . Bei Altenhof , unmittelbar an dem gelben Kiesufer , liegen ein paar Tannenstämme aufgeschichtet und bilden eine hohe Bank zum Überblick . Und dort nehmen wir Platz . Kleine Wellen schäumen ans Ufer vor uns , die breite Wasserfläche liegt noch im Licht , während sich nach Norden hin bläuliche Schatten über Wald und See breiten . Dorthin liegen auch die Trümmer des alten , halb Sage gewordenen Grimnitzschlosses . Und wenn jetzt ein goldenes Schiff den See herunterkäme , und auf dem Deck des Schiffes , unter flatterndem Zeltdach , säße Markgraf Otto mit Heilwig von Holstein , scherzend und lachend über dem Schachspiel , wir ließen es vorübergleiten , vielleicht weniger verwundert über das goldene Schiff mit Segel und Zeltdach , als über das ärmliche Schifferboot , das eben jetzt mit Netz und Reuse des Weges kommt . Es ist ein Märchenplatz , auf dem wir sitzen , denn wir sitzen am Ufer des » Werbellin « . Das Pfulen-Land Schulzendorf Schulzendorf Schulzendorf , eine halbe Meile von Wriezen , kam bald nach 1450 in Pfuelschen Besitz . Es blieb lange bei der Familie . Erst 1837 ist es in andere Hände übergegangen . Die alte Feldsteinkirche enthält außer einem weißgetünchten Schnitzaltar , der das Würfeln der Kriegsknechte um Christi Mantel darstellt , ein großes , sehr interessantes Bild , das , zu Ehren eines Quilitzer Pfuel gemalt , ursprünglich auch der Quilitzer Kirche zugehörte . Nachdem indes diesem Zweige der Familie das letztgenannte Dorf verlorengegangen und nur Schulzendorf noch geblieben war , hatten die späteren Repräsentanten der Quilitzer Linie den Wunsch , das Ehrenbild ihres Ahnherrn nicht mehr in einer ihnen fremd gewordenen Kirche zu sehen . Sie kauften daher das Bild und stellten es in der Schulzendorfer Kirche auf . Es ist sehr groß , wenigstens sechs Fuß zu vier , und stellt eine Kreuzigung Christi dar . Zu Füßen des Kreuzes kniet in blanker Rüstung der alte Pfuel , dem zu Ehren das Bild gestiftet wurde , und blickt betend zu dem Gekreuzigten auf . Weiter unterhalb die Donatoren : vier weibliche und zwei männliche Figuren . Dies wäre das Herkömmliche . Wodurch sich aber das Bild von ähnlichen unterscheidet , ist das , daß die Gestalten des Heilands und des in blanker Rüstung knienden Pfuel nicht gemalt , sondern basreliefartig in Holz geschnitten und nun erst an der ihnen zukommenden Stelle auf dem Bild befestigt sind . Es ist dies das erste und einzige Vorkommnis der Art , dem ich begegnet bin . Mehr eigentümlich , als schön . Man könnte es praktisch nennen , indem es die Aufmerksamkeit des Beschauers auf die beiden Gestalten hinzwingt , auf die es ankommt : auf den Gekreuzigten und den betenden Pfuel . Die blanke Rüstung des letzteren ist – ganz wie es sich für eine kleine Relieffigur geziemt – nicht durch Auftragen von Farbe , sondern durch Belegen mit Silberschaum hergestellt . Das Bild hat drei Inschriften : eine erste , die von dem » alten Pfuel « selber , eine zweite , die von dem Donator in Quilitz , und eine dritte , die von der Übersiedelung des Bildes nach Schulzendorf spricht . Die erste Inschrift am obersten Rande des Bildes ist unleserlich geworden . Zweite Inschrift : » Dies Epitaphium ist von dem edlen und ehrenvesten Jürgen Pfulenn seinem seligen Vater zum Gedächtniß gesetzet worden . Welchen auch ( den ehrenvesten Jürgen Pfuel ) der Allmächtige Gott in wahrer Erkenntniß seines allerliebsten Sohnes Jesu Christi bis an sein Ende erhalten wolle . Amen . « Dritte Inschrift : » Aus schuldiger Hochachtung vor dem Stammvater der anitzo im Segen lebenden dreien Gebrüder , als Heine Friedrich Wilhelm , Georg Ludwig Ditloff und Carl Christoph August von Pfuhll , Königlich Preußischer Lieutenants , ist dies Epitaphium von ihnen aus der Quilitzschen Kirche erkaufet und allhier zum beständigen Andenken aufgerichtet worden den 20. September 1747 . « Garzin Garzin Garzin war bis vor kurzem noch reich an Erinnerungsstücken aus der Pfuelschen Zeit . Die Mehrzahl dieser Gegenstände hat indessen der gegenwärtige Besitzer von Jahnsfelde , ältester Sohn des 1846 verstorbenen Generalleutnants von Pfuel , käuflich an sich gebracht und sie seiner höchst interessanten Familiengalerie eingefügt . Das bemerkenswerteste , was der Garziner Kirche geblieben , ist seine 1654 in Hamburg gegossene Glocke . Dieselbe ist einerseits durch ein tellergroßes , in die Glockenwandung eingeschmolzenes Medaillon , das » Urteil des Paris « darstellend , andererseits durch ihre plattdeutschen Inschriften interessant . Diese sind freilich nur zum Teil verständlich . Die untere , einreihige Inschrift lautet : » Gegaten tho Hamborch Anno Domini 1654 Junius . « Dazu : In Gades Namen in bin ick geflaten ( geflossen ) Hans vom Damme het mi gegaten . Die obere Inschrift ist viel länger und schwer zu entziffern . Ick bin gegaten in Gottes Ehr ; . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wenn ick klinge , so denk zur Stundt Daß Christ mit der Baß Dir bassunen kumpt , Zu fordern alles vor Gericht , – Drub halte Di und sundige nicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vor alle Sunde de Du begahn Lath Christum den Vorloser ( Erlöser ) stahn . Die Zeile , » daß Christ mit der Baß Dir bassunen kumpt « erscheint mir voll origineller Kraft . In Garzin lebte Anfang des 17. Jahrhunderts » Melchior von Pfuel , der Nekromant « , dessen Bildnis wir später begegnen werden . Es heißt , daß er vorzugsweise in Garzin seine alchymistischen Versuche machte . Buckow Buckow Die Stadt Buckow und ihre schönen Umgebungen habe ich an anderer Stelle ( vgl. S. 90 ) ausführlich beschrieben . Das Schloßgräflich Flemmingsch – enthält neben andern Sehenswürdigkeiten einen bemerkenswerten Speisesaal , eine Jugendarbeit Schinkels . Dieser Saal zieht sich , nach Art einer rundgewölbten Halle , quer durch die Mitte des Schlosses , das nun , an den beiden ausmündenden Stellen , nach vorn und hinten zu , um einige Fuß vorspringt . Kassetten schmücken die Decke des Saals , der mittelst einer großen , den Bau nach der Gartenseite hin abschließenden Glaswand , das nötige Licht empfängt . Über der Halle , in einem Saal von gleichen Dimensionen , befindet sich die Bildergalerie . Schloß Buckow , wie alles , was es enthält , ist aus verhältnismäßig später Zeit und nur die Buckower Kirche , die sich malerisch auf einem Hügel am Ausgange der Stadt erhebt , weist noch einzelne Pfuelsche Reminiszenzen auf . Links neben dem Altar , an einem der hohen Wandpfeiler , 79 befindet sich eine große , sieben bis acht Fuß hohe » Trophäe « , die sich aus in Holz geschnitzten Kanonen , Trommeln , Fahnen , Standarten usw. zusammensetzt und in ihrer Mitte das Pfuelsche Wappen trägt . Das Ganze eine ziemlich rohe , bunt bemalte Arbeit mit folgender Inschrift : » Der Hochedelgeborne Herr , Herr George Adam von Pfuel , Sr. Churf . Durchlaucht zu Brandenburg , hochwohlbestallter General-Major , Gouverneur und Oberhauptmann der Veste Spandau , auch Obrister zu Roß und Fuß , auf Groß- und Klein-Buckow , Obersdorf , Möschen , Garzin , Sieversdorff , Hasenholz , Damsdorf und Münchehofe , geb . den 15. November 1618 , gestorben im Juli Anno 1672 , seines Alters 54 Jahre weniger 5 Monate . « Dieser Georg Adam von Pfuel , der in der noch zugänglichen Gruft der Buckower Kirche ruht , machte während des Dreißigjährigen Krieges unter seinem berühmteren Oheim Adam von Pfuel die Kriegsschule durch . Er kommandierte später selbständig , war ein Zeitgenosse Sparrs , Görtzkes , Derfflingers , und zeichnete sich während des polnischen Krieges und bald darauf während des Zuges nach Holstein aus . Die glänzendste Zeit des Großen Kurfürsten erlebte er nicht mehr . Außer der Herrschaft Buckow besaß er die Dörfer Dahlem und Marzahn in der Nähe von Berlin . Sein Bildnis befindet sich in Jahnsfelde . Durch die Tochter Georg Adams , die den später in sächsischen und preußischen Diensten so berühmt gewordenen Feldmarschall Heino Heinrich von Flemming heiratete , kam Buckow an die Flemmings , die es also seit ungefähr zweihundert Jahren besitzen . Nach anderer Angabe war der Feldmarschall von Flemming ein Sohn aus der Ehe der Pfuelschen Erbtochter mit einem Flemming . Wilkendorf Wilkendorf Wilkendorf , eine halbe Meile nördlich von Strausberg , ist seit vor 1536 im Besitze der Pfuels . Das reizend am Abhang gelegene , auf eine Talwiese niederblickende Herrenhaus ist neu und unter den mannigfachen Kunstschätzen desselben befindet sich nichts , was bis in frühere Jahrhunderte zurückreichte . Einige ältere Familienporträts sind ohne Belang . Die Kirche ist alt und zeichnet sich durch einen mit Geschmack und Pietät restaurierten Schnitzaltar aus . Interessanter noch als dieser ist der aus einem großen Granitblock ausgemeißelte Taufstein , der vor dem Altar steht . Er ist ungewöhnlich groß und hat über drei Fuß Höhe bei zwei Fuß Durchmesser . Solche granitnen Taufsteine waren in der ersten Zeit der Christianisierung des Landes sehr häufig ; allerorten auf den Feldern umherliegende Rollsteine , wie sie das Material zu den Kirchen selber boten , wurden ausgehöhlt und die » Taufe « war fertig . Die Bearbeitungskunst bleibt aber unter allen Umständen erstaunenswert , wenn man erwägt , wie geringe technische Hilfsmittel damals zu Gebote standen . Jetzt begegnet man solchen » Taufen « nur sehr selten noch . Gielsdorf Gielsdorf Gielsdorf – durch den schönen Ihlandsee von Wilkendorf getrennt – ist seit vierhundert Jahren im Besitze der Familie . In einen der alten Kirchenpfeiler wurde , mit Bezugnahme darauf , eine Steintafel eingemauert , die folgende Inschrift trägt : » Zur Erinnerung an die 1460 unter Churfürst Friedrich geschehene Belehnung des Werner Pfuel mit Gielsdorf und an den vierhundertjährigen Besitz seiner Erben . Gustav von Pfuel , 1860 . « Auch in der Gielsdorfer Kirche befindet sich ein ausgemeißelter Taufstein , doch ist derselbe ersichtlich aus späterer Zeit , nicht so groß wie der Wilkendorfer und , statt in Granit , in bloßem Kalkstein ( wahrscheinlich aus dem benachbarten Rüdersdorf ) ausgeführt . In Front trägt der Stein ein flach gearbeitetes Kreuz , und als Umschrift um dasselbe , in Form eines Kranzes , die Worte : NON GLORIOR NISI IN CRUCE DOMINI . Die Emporen der alten Kirche ruhen auf kurzen , grobgeschnitzten Holzpfeilern ; in einen derselben sind die Worte eingeschnitten : BERTRAMB V. PFUEL . ANNO MDCX . Dieser Bertramb von Pfuel war ein Vetter Kurt Bertrams von Pfuel , der während des Dreißigjährigen Krieges eine Rolle spielte und auf den wir weiterhin zurückkommen . Unter dem Altar der Gielsdorfer Kirche soll ein anderer Pfuel ( Christian Friedrich ) bestattet sein . Eine Stückkugel riß ihm , beim Sturm auf Kaiserwerth , den Kopf weg und Rumpf und Glieder wurden in Gielsdorf begraben . Das war 1702 . Er war Oberst in einem Infanterieregiment . Sein Bild befindet sich in Jahnsfelde . Ein Spruch in der Jahnsfelder Kirche gedenkt sein . Dieser von Friedrich de La Motte-Fouqué herrührende Spruch lautet : Italien hat und Niederland Den edlen Kämpfer oft geschaut . In vieler wilden Schlachten Brand Hat er das Feld mit seinem Blut betaut . Als letzter Kranz ward ruhmvoll ihm beschert Zu sterben , vorbewußt im Sturm auf Kaiserswerth . Dieses » vorbewußt « bezieht sich auf folgenden Vorfall , der als Tradition in der Familie fortlebt . Am Tage vor dem Sturm auf Kaiserswerth will Pfuel in sein Zelt treten . Die vor dem Zelt stehende Schildwache salutiert nicht , erblaßt aber und zeigt nur auf das Innere des Zelts . Pfuel tritt jetzt ein und sieht sich selber , schreibend , am Tische sitzen . Er tritt hinter die Gestalt , blickt dem ruhig Weiterschreibenden über die Schulter und liest sein Testament . Dann verschwindet die Gestalt . Pfuel wußte jetzt , daß er andern Tages sterben werde . Er setzte sich auf den Feldstuhl , auf dem eben sein Doppelgänger gesessen , schrieb an seine Frau und nahm Abschied von ihr . Anderen Tages fiel er an der Spitze seiner Sturmkolonne . Es ist sehr wahrscheinlich , daß diese Geschichte zu Chamissos schönem Gedichte » Die Erscheinung « Veranlassung gegeben hat . Wenigstens ist die Situation dieselbe . Chamisso war mit Fouqué befreundet und Fouqué seinerseits kannte die Familientradition des ihm verwandten Pfuelschen Hauses . Jahnsfelde Jahnsfelde Jahnsfelde ist seit 1449 in der Pfuelschen Familie , also noch elf Jahre länger als Gielsdorf . Die hübsche Inschrift über der Tür des Herrenhauses nimmt Bezug darauf und lautet : Glück herein , Unglück heraus , Dies ist der Pfuel ritterlich Haus Seit vierhundert Jahren , – Gott wolle bewahren In Noth und Gefahren Geschlecht und Haus . Dies Herrenhaus selbst ist neu , doch ruht es auf den Fundamenten eines alten Gebäudes , das hier stand . Der Park , der das Herrenhaus von allen Seiten malerisch umschließt , ist eine Neuschöpfung . Auch der unmittelbar angrenzende Friedhof konnte mit in den Park hineingezogen werden , da die Herstellung eines neuen Begräbnisplatzes ohnehin geboten war . War doch schon seit 1244 an derselben Stelle begraben worden . Grab über Grab . Der gegenwärtige Besitzer von Jahnsfelde hat voll historischen Sinnes und zugleich in Pietät gegen die ruhmreiche Vergangenheit seines Geschlechtes die unteren Räume des Hauses nach Art eines Familienmuseums eingerichtet . Erinnerungsstücke aller Art , Wappenschilde , Waffen , besonders aber Bildnisse finden sich hier auf engstem Raume zusammen . Sie alle namhaft zu machen , liegt außerhalb der Zwecke dieses Buchs und nur der ältesten und interessantesten möge kurz Erwähnung geschehen . 1. Anna von Pfuel . Ein interessantes Bild aus der Garziner Kirche . Es stellt eine junge , reichgeschmückte Frau dar , lebensgroß , ganze Figur . Im Haar scheint sie eine Brautkrone zu tragen . Ort und Jahreszahl lauten : Garzin , 1594 . Dies ist das älteste Bild der Sammlung . Die Behandlung , besonders der Gewandung , ist noch steif und faltenlos . 2. Heino von Pfuel im Jahre 1602 . Aetatis suae 58. Eine kriegerische Gestalt in Eisenrüstung und hoher Halskrause , dazu rot und weiße Schärpe . Die Unterschrift des Bildes , vom alten Maler selbst herrührend , lautet : Heino von Pfuhl ich ward genannt , Ein Obrister über Reuter und Knecht , In Ungarland Und mannigen Orts sonst wohlbekannt . Es heißt von ihm , daß er ein brandenburgisches Hilfskorps gegen die Türken kommandiert und sich über haupt im Felde wie bei Hofe ausgezeichnet habe . Auch er hat ein Schild in der Jahnsfelder Kirche und auf demselben einige Fouquésche Reimzeilen . 3. Erneste Friedrich von Phull . Wenn ich nicht irre , ebenfalls aus der Garziner Kirche nach Jahnsfelde gebracht . Stellt einen älteren Mann mit weißem Bart , von ernstem , fast schwermütigem Gesichtsausdruck dar . Auf dem Bilde das Pfuelsche und Bismarcksche Wappen . Spruch : Wer Gott allezeit vertrauen kann , Der bleibt ein unverdorbener Mann . Dann folgende Unterschrift : » Der edle , feste Erneste Friedrich von Phull , ein Bruder Heinonis auf Garzin , Trebnitz und der neuen Langenwische Erbherr , starb allhier den 8. Oktober Anno 1613 früh , seines Alters 64 Jahr . Ward den folgenden 4. Novembris in das Begräbniß gesetzet und wartet der fröhlichen Auferstehung . « 4. Melchior von Phull . Ein vortreffliches Bild , das einen Mann in besten Jahren , in schwarzer Kanzler-oder Geheimrats-Tracht darstellt , mit großem , schönem Spitzenkragen , Handmanschetten und Kanzlerkette . Links oben das Pfuelsche Wappen , rechts das Wappen der alten Familie von Menlishoff . Unter dem Pfuelschen Wappen lesen wir : » Melchior von Phull , Consiliarius Brandenburgensis . In Garzin , Garzo , Hasenholz et Trebnitz . Pie Obit . 18. November Anno 1609 . « Unter dem Menlishoffer Wappen steht : » Ist Gott mit uns , wer mag wider uns sein . « Melchior selbst legt seine rechte Hand auf ein aufgeschlagenes Buch mit rotem Rand ; auf der weißen Seite steht : » Wer meine Gebote hat und hält usw.