die Fahrt weiter , bis abermals die Straße durch einen Haufen Kinder versperrt war . Also mußte sich das Bräutl wieder loskaufen und das noch etlichemal , eh wir an den Hof des Lackenschusters kamen . Da krachten wieder die Böller und hallten zwölf Schüsse durch das Tal ; und es kam uns der Hochzeiter , ein stämmiger Bauernbursch mit kohlschwarzen Haaren und dunklen Augen , auf einem schön geschmückten Roß juchzend entgegengeritten , begrüßte alle freundlich und reichte dem Bräutl die Hand . Drauf bot er ihr aus einem feingeschliffenen Glaskrug , der mit allerhand Bändern , Perlen und Münzen geziert war , zu trinken , indem er rief : » Hochzeiterin , grüaß di der Himmel und grüaß di Gott dahoam ! - Geh , tu mir Bscheid , obst gern und willig hoam gehst zu mir ! « Da nahm die Braut und Jungfer den Krug , und ihre Augen glänzten , als sie ihm den Bescheid tat : » Grüaß di Gott aa ! - Mit Verlaub - auf dein Gsund - auf unser Glück - auf mein Einstand in der neuen Hoamat ! « Drauf trank sie und gab ihm den Krug wieder zurück ; er aber tat bloß noch einen herzhaften Trunk daraus und sagte darnach : » Ghalt ' n nur ! Zum Angedenken auf die Stund ! « Worauf ihm die Hochzeiterin dankte , den Schlüsselbund aus dem Korb holte und , aus der Kutsche springend , sagte : » Also siechst mi zu deinen Füaßen stehn als dein anvertrautes Weib . I kimm mit Freuden , - da hast d ' Schlüssel , und « - sie nahm das Hemd und die Strümpf - » wannst mir halt die Liab tätst und nahmst es an aus meiner Hand ! Reiß ' s z ' samm in Glück und Gsund ! « Da saß der Hochzeiter ab , faßte sein Bräutl an der Hand und führte sie in sein Haus . Der Weidhofer aber stieg aus dem Wagen , nahm das Roß des Hochzeiters beim Zaum und übergab es einem Knecht desselben ; darnach hob er mich aus meinem Sattel und sagte : » Kannst auch mit ins Haus gehn und helfen einräumen , wannst magst ! « Aber ich mochte nicht . Hatt nichts verloren in dem Haus . Ging mich ja nichts an . Sollten nur die andern werken , saufen und Faxen treiben , wie es der Brauch ! Sagte also : » Ja , ja . Werd schon sehn , wie sichs schickt « , ließ den Weidhofer ins Haus gehen und macht mich davon , auf den Heimweg . So von ungefähr begegnete mir der Pfarrer ; der fragte , ob ich vom Lackenschuster käm . » Nein « , sagte ich ; » bin vom Weidhof « , zog mein Hütl und lief davon ; wußte wohl , daß er kam , um die neue Einricht , das Haus , das Vieh und alles im Lackenschusterhof einzusegnen und zu weihen . Das aber war seine Sach und ging mich nichts an . Sprachlos und grimmig sah mir der alte Herr nach und stand , als ich mich nach einer Weil umwandte , noch immer am selbigen Fleck und schüttelte mir die Faust . Ich kehrte mich aber nicht viel daran . Bin auch mein Lebtag kein bsunderer Freund der Pfaffenröck gewesen , ausgenommen des einen , den ich aber erst nachmals in der Münchnerstadt kennen lernte . Also trabte ich dahin und kam wieder zu meinem Godenkind . Das lag wohl schlafend im Wagen , und die Mutter Nandl fuhr es leise die Stube auf und ab und sprach mit der Weidhoferin über ihre Hochzeit und den Pauli . » Ei was ! « sagte die Nandl voller Freud , da sie mich sah ; » der Herr Göd ist schon wieder zruck ! « Auch die Ziehmutter belobte mich , und beide dachten nicht anders , als daß dies rein aus Eifer und Lieb für das Wuzerlein geschehen wär , daran ich doch längst nimmer gedacht , vielmehr mein ganzes Herz bei der Kathrein gehabt hatt ! Doch schwieg ich still , ließ mir eine Schale Kaffee geben und aß dazu etliche Taufküchlein . Da gings denn an ein Gefrag und an ein Getue wegen des Einstands der Jungfer ; ich sollt sagen , wie sie angekommen , wie er sie empfangen , ob der Pfarrer schon gesegnet hätt , ob ' s recht zuging jetzt , - kurzum eine wollt das Knetene wissen , die ander das Bachene . Sagt ihnen aber gar nichts von der ganzen Sach , als daß ich sie wohl hingebracht hätt , und dann sei ich gegangen ; den Pfarrer hätt ich am Weg getroffen , wie er zum Segnen ging . Dazu aß ich meinen Kaffee aus , wischte drauf meinen Löffel ans Tischtuch und wollt gehen ; doch sagte die Meßmerin , ich sollt nur sitzen bleiben ; an so einem heiligen Tag verlangt ' kein Mensch , daß ich noch arbeit ' . Dann ging ' s Schwatzrädlein wieder munter um , und ich vernahm , daß der Pfarrer , eh er nach dem Lackenhof gegangen , dagewesen sei und der Nandl eine gar frohe Botschaft gebracht hätt ; nämlich , daß er sie morgen schon zum drittenmal verkünden wollt , und wenn die Meßmerin nichts dagegen hätt , könnt man ja gleich zwiefache Hochzeit halten . Also sollt am Irchtag in der kommenden Woch auch die Nandl mit ihrem Hochzeiter vereint werden , und die Weidhoferin versprach , daß sie ihr gleich morgen einen sauberen Kuchelwagen aufrichten wollt ; der Wagen und die Ochsen seien ja schon gericht , und die Einricht und den Kastenprunk wollt sie der Nandl gern leihen zum Einstand , auf daß die Leut nit gleich neinschmecken kunnten in ihren Haushalt . Weiß nicht , ob es noch so ist ; damals aber war der Brauch , daß arme Hochzeiterinnen ihre reiche Freundschaft um leihweise Überlassung der Hausschätze angehen mußten , damit ja dem Kammer- oder Kuchelwagen , wenn er so öffentlich durch alle Gassen gefahren wurde , nichts mangelte an Prunk und Pracht . Da waren die Betten hoch und voller Flaum , und die Kästen gefüllt mit Leinwand , Flachs und reicher Wäsche ; hätt einer aber etlich Wochen nach der Hochzeit nachgewogen , da wär wohl manche Lade gar leicht und gering befunden worden , und hätt es ihn leichtlich kaum mehr gelüst ' , in dem Himmelbett zu schlafen , das erst so mollig war und weich , nun aber so dünn und mager wie eine Haut . War also die Mutter Nandl voller Freuden und schickte mich sogleich zum Pauli , daß ers halt wüßt und ' s Häusl grecht macht ' für den Einstand . Dem wars nicht sonder zuwider ; gab mir einen Groschen Botengeld und die Antwort , daß er mit Freud auf sie wart und alles richt . Also mußte der Wagen sogleich , kaum die Knecht mit ihm zurückgekommen waren , wieder aufgerichtet werden ; und die Weidhoferin räumte willig ihre Kinikammer aus und ließ Stück für Stück von den zierlich geschnitzten und fein bemalten Möbeln hinabtragen , stopfte selber den Kasten voll mit Linnen und Flachs , mit Wäsche und Wachs , mit seidenen und wollenen Tüchern und zierlichen Tassen und Gläsern . » Kannst es ja nach und nach wieder zruckschaffen bei der Nacht ! « meinte sie gutherzig ; » zu mir kimmt doch kein sterblicher Mensch in d ' Herberg ! « Der Kuchelwagen war eben vollendet und wieder aufgerichtet und sollt nun derweilen über Nacht in die Tenne geschoben werden , als der Weidhofer die Jungfer und Braut wieder zurückbrachte mit der Kutsche . Haha ! Machten große Augen alle beid ! Glaubten wohl , daß sie ein Blendwerk narrte ! Aber die Ziehmutter stand schon eifrig schwatzend da und berichtete , daß nun auch die Nandl am Irchtag ihre Hochzeit mach , und morgen sollt der Einstand sein . Worauf die Nandl kerzukam und sagte , daß sie noch am Montag zum Beichten ging und auch zum Vorsegnen , zumal sie schon aus den Kindlwochen sei . Herrschte also überall große Lust und Fröhlichkeit und gedachte niemand des Spruchs : Große Freud glangt nit weit . Brautfahrt Des Weidhofers alter Hund heulte in langgezogenen Klaglauten , als ich mich an jenem Morgen aus meinem Traum gähnte und mich noch lebend und wohlauf fand , obgleich mich eben mein Widersacher totgeschossen hatte . Die Sonne stand schon so hoch , daß ihr Schein nur noch ein Ecklein meines Fensterbretts streifte , und ich sprang eilends aus dem Bett . Da - bumm - die Scheiben des Fensters klirrten ; abermals erschreckte mich ein Schuß , während drunten im Hof ein Knecht den Hund mit lautem Schelten in seine Hütte wies . Und wieder und wieder krachte es und hallte von den Bergen zurück ; draußen vor der Kammer und auf der Stiege gings tripp trapp , der Meßmer gab kurze Befehle , die Ziehmutter lief hustend und schnaufend an meiner Tür vorbei , die Weibsleute schwatzten und lachten , und das Büblein , das Mathiasle , schrie und kreischte , als ob ' s im Messer steckt ' . Und mit einemmal fiel es mir ein : ' s ist ja der Hochzeitstag der Schwaigerin - und der Jungfer , meiner liebsten Kathrein . Da liefs mir siedigheiß den Rucken hinauf , und eiskalt überkams mich ; ich gedacht mit Zittern und brennendem Schmerz jener Nacht , die ich als die glückhafteste meines Daseins gepriesen , und da ich die Jungfer als mein liebstes Bräutl gewähnt und ihr mein ganzes armseligs Leben versprochen hatte . Nun sollt also ein anderer mit ihr hausen und für sie werken und sorgen , dessen ich mir selbsten ehmals so geschmeichelt hatte und darüber mich ein tiefes Schämen ankam . Doch stieg darnach erst leis , dann aber immer mächtiger eine boshafte Freud in mir auf , darob , daß dieser andere , der sie nun heimführen sollt , annoch nicht der erst gewesen . » Bist ja dennoch der Beschissene ! « dachte ich ; » ich bin lang vor dir dagewesen und hab sie mein herzliebs Kathreinl geheißen und meine Freud an ihr ghabt ! « Lachte voll bübischer Lust für mich hin : Ha ! Jungferlein ! Hast gewähnt , ein Kindl wärs gewesen , bei dem du geschlafen ; dachtest , ein Kind hätt dir deine roten Zöpf zerzaust , deine Wang gestreichelt und deine Augen und Lippen gebusst ! Mich dünkt , es war wohl ein mehrerer gewesen denn ein Kindl ! Ach , da mußt ein jeds Augenblicklein jener Lieb herhalten in dieser Stund für meine schändliche Freud , und ich wähnte , damit alles Schöne und Herzliebe leichtlich in mir totzumachen und nur noch Grimm und Verachtung für die falsche Dirn zu empfinden , da ich doch nachmals noch gar oft jene Zeit mit stiller Freud wieder durchlebte , ja , niemals im Leben hab aufhören können , des Maidls in tiefer , warmer Lieb zu gedenken und mich nach ihr zu sehnen . Hatt also das Herz voller Gall und Gift und fluchte meiner kläglichen Gestalt und meinem elendigen Aussehen , fluchte dem Schelmen , der es verschuldet , und schwur bei mir selber , daß ichs ihm , so ich ihn einmal unter die Finger bekäm , reichlich ausmessen wollt , was er mir eingemessen . Derweilen wurde es im Weidhof immer lebendiger ; vom Hof drang das Klingeln der Röllein herauf , mit denen die Geschirrung der Hochzeitsgäul geschmückt wurde ; pfeifend und singend taten die Knecht ihre Arbeit , putzten und striegelten die Rosse und behingen sie mit Buschen und Bändern . Das Kuchelmensch stand im Festgewand am Brunnen und wusch und schwenkte einen Korb voll Gläser und Krüg für den Eingang und Ausgang , das ist , für die beiden Frühmahlzeiten und den Morgentrunk bei Ankunft der beiden Hochzeiter , und vor der Abfahrt zur Kirche . Und da ich endlich aus meiner Kammer trat , prasselte und brodelte es mir von der Kuchel herauf entgegen , Geschirr klapperte , des Weidhofers Schnallenschuh knarzten über die Dielen , und die Nandl sang mit weinerlicher Stimme ihr Büblein in den Schlaf und fuhr es in dem hölzernen Karren am Hausflöz hin und her . Aus der Kammer der Jungfer scholl das helle Lachen der Hochzeiterin und ihrer Nähterin , und von der Wohnstube herauf drang gedämpftes Zitherspiel und die halblauten Gsangln unserer Kostbuben . Begab mich also zu ihnen hinab und wurde sogleich lustig und mit Scherz empfangen ; und es sang mir der ältere von uns Kostbuben , der Hausl , gleich munter entgegen : » He Büaberl , geh eina , He Büaberl , kehr zua , Balst a Feirtagwand o ' hast Und gnagelte Schuah ! Balst sakrisch tanzen kannst Und schön hofiern Und d ' Sunnreuther Dirndln Zum Lebzelter führn ! « Da mußt ich nun wohl oder übel meinen Schmerz und Grimm verbeißen und ein guts Gesicht zum Gespiel machen , auf daß ich nicht des Spruchs teilhaftig würd : Wer den Schaden hat , braucht ums Gespött nicht zu sorgen . Aß alsdann meine Morgensuppe und kümmerte mich um das Kindlein , bis das alt Sixnwaberl , ein arms Häuslleut , kam und das Wuzerlein auf etliche Tag zu sich holte , bis die Hochzeit vorüber und die Nandl wieder in Ordnung wär . Derweilen kamen die Musikanten ins Haus , gaben den zwei Hochzeiterinnen etliche Weisen als ein Ständchen und machten sich darnach zu den Hochzeitern , um auch ihnen den Tag anzublasen . In der Wohnstube versammelten sich nun alle Hausgenossen , Knecht und Mägd , und der Weidhofer , mein Ziehvater , fragte ein jedes auf Treu und Gewissen , ob alles in Haus , Hof und Stall wohl gerichtet und getan sei , ob das Vieh bei gutem Gsund sei und nirgends was fehle . Und da ihm alle auf Ehr und glaublich die Gewißheit gaben , daß alles in der Ordnung war , sagte er : » Also , Leutln , nachher will i enk heunt alle miteinand auf d ' Hochzat lassen ; und soll ein jeds auf mein Namen kriegn : vier Speisen zu jeder Mahlzeit und Bier soviel , bis halt ein jeds langt . Aber mit der Bedingnis , daß einer von enk Bubn auf d ' Zeit und unter der Zeit einmal heimschaut zum Vieh , ins Haus und in Hof . Futtern tut man wie z ' Feiertägs und melken auch . Also , jetzt wißt ihrs ! « Darnach lief er in die Kirche . Nach diesem kam die Nandl in ihrem schwarzwollenen Brautgewand und einem Flitterkränzlein im Haar zur Tür herein und bat die Stalldirn , ihr die langen Haarbänder und den Rosmarin anzuklufen . Steckte ihr also die Dirn ein paar himmellange , breite Bandmaschen hinter den Brautkranz aufs Haarnest und machte ein Rosmarinkränzlein um das flitterne drum , behing ihr darnach den Hals mit allerhand silbernen und blechernen Ketten , Kreuzlein und Amuletten und heftete ihr einen langen Rosmarinbuschen auf den Brustfleck . Unterdessen begann vom Kreuzberg her wieder ein lustigs Schießen ; da lief die Weidhoferin , meine Ziehmutter , eilends in ihre Kammer , um sich festtäglich herzurichten und zu schmücken . Kam auch nach einer geraumen Weil in einem reichgefältelten bläulichen Gewand , mit seidenem Brustfleck und goldenen Litzen besetzt . Auf ihrem Kopf saß eine wunderliche , steife Spitzhaube aus goldenen Börtlein , Bändern und Blonden ; ein feines Schleiergewebe bedeckte ihre Stirn und den Scheitel , und ein prächtiger Silberspieß steckte in ihrem geblümten Brokatmieder . Sah also gar gut und fürnehm aus und stund ihr alles so wohl an , daß ich , ungeachtet meines Herzwehs und Grimms , einen großen Gefallen an dieser Tracht fand und mich ein heftiges Verlangen ankam , ein Maler zu sein und die Ziehmutter in solcher Gestalt zu konterfeien . Fragte sie auch , warum man solche herrliche Gewandung nirgends mehr fänd ; worauf sie sagte : » Weil das schon gar lang ist , daß solchs modisch gewesen ; ist ja mein Brautgwand und meiner Mutter , Gott hab sie selig , ihre Brauthauben . - Gibt ja auch ganz andere schöne Sachen jetzt ; - bringen ja neumodischs Zeug von überall her : von Welschland , von den Franzosen und von der Münchnerstadt ! - Ist auch nit schiach - für die Jungen . « Ja , da hatte sie recht ; denn als nun die Tür aufging und die ander Hochzeiterin , das Kathreinl , hereintrat , da bracht ich das Maul nimmer zu und riß die Augen auf , daß sie mir übergingen . Das flimmerte von Seide und Gold , von Silbergehäng und Geschmeid ; Spitzen ums güldene Brautkrönlein , Fransen am Miedertuch , Edelstein in den Fürstecknadeln und Perlen in den Ohrgehängen . Da bauschte sich eine brokatne Schaube und prangte drüber ein weißes , seidenes Fürtuch mit Blonden und Perlen , und klirrte und knisterte es bei jedem Schritt und schimmerte das Gewand bald silberig , bald grün und rötlich . Das Haar aber trug sie gar kunstvoll aufgesteckt und hatte ein köstlichs Myrtenkränzlein um die steingeschmückte Brautkron . Mit lieblichem Lächeln ging sie von einem zum andern und dankte für die Wünsch , die ihr ein jedes mitgab ; doch wartete sie bei mir vergeblich auf dergleichen Redensart : ich stand vor ihr , wortlos , mit flammendem Gesicht und klopfendem Herzen , faßte ihre beiden Händ und drückte sie heftig , während mir in meinem Sinn bloß das eine Wort umging : Kathreinl ! Da schrie sie leis auf und sagte bittend : » Mathiasle ! ' s ist gut ! « Worauf ich ihre Händ losließ und mich umwandte . Da war alles in den Wind gestreut : mein ganzer Grimm und Schmerz , die Gewißheit ihrer Heirat , - alles war vergessen , und ich glich einem Kind , das da glaubt , es müßt seinen Willen durchsetzen um allen Preis der Welt , - ich hatte nur noch einen Wunsch und ein Verlangen , daß ich sie wieder wie ehemals um den Hals nehmen durft und mein herzliebes Kathreinl heißen . Trug mich also mit dem Gedanken und hatte das Herz voller Gier , mein unsinnigs Verlangen zu stillen , dabei ich aber nach außen hin vor den Leuten ein gar ruhigs und ehrbars Wesen zur Schau trug . Indes fuhren draußen zwei Chaisen vor : dem Weidhofer seine , die den Häuslpauli brachte , und die vom Lackenschuster , darin der Anderl selber kutschierte . Gleich liefen alle Mannsleut hinaus , und indes die Bräute sich eilends in eine Kammer versteckten , empfingen sie die beiden Hochzeiter mit Juchzen und Schreien und führten sie ins Haus , da es dann abermals an ein Grüßen und Plärren , Glückwünschen und Juchzen ging , daß man sein eigens Wort kaum mehr verstund . Da kam der Hochzeitlader scharf angeritten , band sein Rößl an den Brunnen und lief hinein in das Haus ; und derweilen die beiden Hochzeiter geschwind aus der Stube verschwanden , öffnete er die Tür und rief : » Grüaß enk der Himmel und grüaß enk Gott ! Heunt sechts mi alle in ara großen Not : I hätt zwee Jungherrn von Sonnareuth epps Wichtigs zum Sagn Und kunnt s ' um alls in der Welt nindascht findn oder dafragn ; Drum hätt i halt jetzand a großmächtige Bitt an enk Leut ; Geh , leicht ' s ma zwee Kuahglocken , daß i fleißig damit läut , Und daß i s ' de zwo Hochzeiterinnen um ' n Hals umma bind , Damit daß a jede no vor der Kopulier ihren Hochzeiter findt ! « Ging also einer der Knechte hinaus , brachte zwei von unsern Kuhglocken und läutete damit durchs Haus . Da kamen die beiden Hochzeiter lachend wieder in die Stube und führte jeder sein Bräutl an der Hand . Darüber schien der Lader , oder was er mich dünkte , der Bandelnarr , gar erfreut und steckte einen großmächtigen Rosmarinzweig zu seinen vielen Bändern auf den Hut , juchzte und machte allerhand Sprüch und Reime . Derweil hatten die Weibsleut den Tisch aufgedeckt und die Weidhoferin etliche Schüsseln mit Voressen , Kraut und Würsten hereingetragen , was man den Eingang heißt ; und es wurde nun fröhlich gegessen und dazu Bier und Schwarzkirschenschnaps getrunken . Darnach klopfte der Bandlnarr mit seinem langen , reichverzierten Stab etlichemal auf den Boden ; da standen alle vom Tisch auf , und der Lader machte den Abdank . Das ist eine gar schöne Red in guten Reimen , darin auch der dahingegangenen Eltern und lieben Freund gedacht wird . Hab sie aber leider nicht in meinem Sinn gehalten können , denn ich bei diesem Abdank gleich den andern hab so viel schneuzen , krigeln und augenwischen müssen , daß mir davon alles entfallen ist . Unterdessen begann es von der Kirch zum Amt zu läuten , und alles stellte sich in Ordnung : Die Fuhrwerke wurden vor die Haustür gebracht , und es stiegen die Hochzeiter in die eine , die Bräut in die ander Kutschen ; die Knecht und Mägd aber samt der Weidhoferin und den Kostkindern saßen nach gutem Verschluß des Hauses auf den gezierten Leiterwagen , davor vier Rösser gespannt waren . Und es ritt der Hochzeitlader voran und führte den Zug durch das ganze Dorf , obgleich die Kirch schier an dem Weidhof lehnte ; doch gings ohne Juchzen und ohne Musik mit großem Ernst dahin , indes vom Turm alle Glocken läuteten und vom Berg die Böller krachten . Hochzeit Unter dem Vordach der Kirche stand schon der alte Pfarrer mit meinem Ziehvater , dem Meßmer , als wir aus den Fuhrwerken stiegen und in den Gottsacker traten . Da ward nun von dem Priester eine Red im Freien gehalten und darnach gefragt , ob einer aus der Gemeind was auszubringen hätt gegen die Brautleut , das ein Hindernis wär , dessentwegen sie einander nicht heiraten kunnten . Und da niemand was wußte , wurden die Beiständer oder Zeugen herbeigerufen , was gewesen sind : der alt Vetter vom Lackenschuster , genannt Simmer vom Tal , und der Rumpl von Reuth für den Anderl und die Kathrein , der Jackl , unser Oberknecht , und der Hausl vom Weidhof für den Pauli und die Nandl . Wie denn nun alles wohl in der Ordnung war , der Hochzeitlader auch allerhand Schreibebriefe aus dem Hutfutter zog und dem Pfarrer übergab , wurde zur Kopulierung geschritten ; fragte also der Priester alle vier nacheinander , ob sie in den heiligen Stand der Eh eingehen wollten , darauf dann erst der Anderl , drauf die Jungfer , hernach der Pauli und am End die Nandl antworteten : Ja . Wurden also alle vier eingesegnet und ihnen das Sakrament der Eh gespendet , darnach die Kirchtür geöffnet und alle hineingeführt ; und es begann der Schulmeister die Orgel zu traktieren in forti und fortissimi , der Meßmer schwang das Rauchfaß , daß alle Heiligen samt den Altären in blaue Dünste und Nebel gehüllt wurden , und alle nahmen in den Kirchenstühlen Platz . Darnach ward ein festlichs Amt gehalten , das an die vierzig Gulden kostete , und den Hochzeitsleuten der feierliche und kräftige Brautsegen gespendet , den Abgeschiedenen aber am Friedhof ein Memento und Requiem gesungen und ihre Grabhügel mit Rauch und Weichbrunn gesegnet . Dabei ich der guten Irscherin gedachte , die auch ohne solche Benediktion ihre Ruh gefunden hatte und eine leichte Erde samt dem Frieden . Mag auch nicht vergessen , daß ich benenn den Opfergang beim Amt , da dann erst die Manner um den Altar gehen mußten , darnach die Frauen , und mußten in vier silberne Teller opfern : am rechten Seitenaltar , zu beiden Seiten des Hochaltars und am linken Seitenaltar . Da war es lustig hinzuhören , wie auf dem Hochaltar die Silbergroschen laut vernehmlich klangen , an den andern aber bloß magere Kreuzer leise klirrten . Nach dem Amt wurde noch den beiden vermählten Paaren und allen Hochzeitsgästen vom Pfarrer aus einem goldenen Kelch Wein gereicht ; und er hatte ein kleins Tüchlein , damit wischte er immer , wenn eins getrunken , den Rand des Kelchs . Dabei durften die Brautleut dreimal trinken , die andern aber bloß einmal , und es sagte der geistliche Herr dazu die Worte : » Trinket die Liebe des heiligen Johannes ! « Mein Ziehvater , der Meßmer , stand daneben und goß drauf , als der Kelch leer wurde , und sagte zu jedem , der sich ans Speisgitter kniete : » Nit stark saufen ! « So war denn die Kirchenfeier zu End , und es folgte das weltlich Fest mit Mahl und Trunk , mit Musik , Sang und Tanz , dabei die Gulden sprangen und klangen . Und der Klinglwirt rieb sich die Händ und freute sich schon auf den andern Tag , da dann gemeiniglich den Tag nach der Hochzeit mit dem Wirt abgeroatet wird . Der hatte sich schon am Hochzeitstag selber den breiten Tiroler Ledergurt mit der Geldkatz umgelegt , damit ein jeder gleich sehen kunnt , daß er wohl genug Ding und Säck hätte , einen gerechten Haufen Münz darin zu verwahren . Stieg auch wie der Gockel im Hanfsamen , reichte jedem der Gäste die Hand und hatte sich dazu einen artigen Spruch als Gruß ausgedacht , den er nun jedem , sei ' s Mann oder Weiberts gewesen , zum Eintritt gab : » Gfreut mi , gfreut mi ! Wünsch Glück und an Buam ! « Mittlerweil war auch der Weidhofer , mein Ziehvater , seiner Meßmerpflichten ledig geworden und kam nun und setzte sich neben seine Meßmerin , indes die Musikanten anfingen , einen seltsamen Tanz aufzuspielen , den man Hungertanz heißt , da er dem Herkommen gemäß dem Mahl vorausgeht . Dabei war die Ordnung also , daß erst der Anderl mit der Kathrein dreimal herumtanzte , darnach der Pauli mit der Nandl und drauf in guter Folg die Freundschaft ; und es währte der Hungertanz so lang , bis die Frau Wirtin die Schüssel mit Kraut hereinbrachte . Da liefen alle an die Tafel ; die Musikanten stellten sich hinter die Gäst und spielten übers Kraut auf , dazu dann ein jedes einen Reimen singen mußt und einen Silbergroschen ins Kraut werfen als Waisung oder Trinkgeld für die Spielleut . Nach diesem wurde für die zwei Bräut der vorderste Jungherr erwählt , was eine große Ehr für denselben bedeutet ; denn er darf , solang die Hochzeit währt , zur Rechten der Braut sitzen , ihr die Schüsseln mit der Speis darreichen , hat auch das Recht des Entführens und zu guter Letzt die Gnad , die Vermählten heimzugeleiten und der Braut vor dem Schlafengehen die Strümpf auszuziehen , dafür ihm dann ein ansehnlichs Geschenk wird . Wählte also der Weidhofer für die Nandl einen von meinen Kostbrüdern , den Fritz , der kaum um zwei Jahr älter war denn ich , doch schon einen mannlichen Burschen vorstellte ; für die Kathrein aber nahm er mich , dabei mir das Blut gach ins Hirn stieg und meine geheimen Wünsch wie ein Feuer schürte , obgleich mich eine Angst und innere Furcht deswegen ankam und mich sagen hieß , der Ziehvater sollt einen andern nehmen , weil ich nicht taugte für die Ehr . Stand aber schon fest bei allen , und ich konnt nimmer lang nein sagen ; mußte mich also neben die Braut setzen und ein ordentlicher Jungherr sein . Ward mir freilich nicht wohl bei diesem Amt , und ich hätt viel lieber in einem Ritt zehn Rosenkränz abgebetet , denn hier die Schüsseln und Platten vor die Braut zu setzen und dabei wie ein nasser Pudelhund zu zittern . Nun mag ich nicht des langen und breiten reden von dem Mahl , da ein jeder leichtlich ermessen kann , daß es gar hoch und reich hergegangen ist , da der Lackenschusteranderl der alleinige Erbe und Besitzer des besten Hofes zu Sonnenreuth gewesen ; das war zu dieser Zeit ein Gut mit sechzig Tagwerk Ackerland und zwölf Scheffel Samen für Getreid und Klee , ungerechnet die vielen fetten Wiesen und Weiden , die Alm und den Wald . Da gab es also vielerlei Gericht , und es währte das Mahl bis spät in den Nachmittag , da dann der Tanz anging . Hab auch etlichemal mit der Braut ein Tänzlein machen müssen , wenn ichs gleich nicht recht wohl verstand und wie ein Geißbock lächerliche Sprüng machte oder dem Kathreinl auf die Zehen trat ; was sie aber nicht für ungut nahm , vielmehr mit der Zeit gar lieblich und freundlich mit mir tat und sich gerad so wohl benahm wie einstmals , da wir noch im Waldhaus saßen . Gemach wurde es aber im Tanzsaal immer hitziger , die Luft ward rauchig und das Treiben der Gäst lauter und lärmender , so daß bald ein Paar ums andere hinabging ins Freie , um sich zu erkühlen , was dann auch ich mit dem Kathreinl tat . Da lag ein dichter Nebel ringsum , daß man kaum zehn Schritt weit vor sich sehen konnt und niemand auf diese Streck erkennen . Indem wir so standen , faßte mich wieder die unsinnige Lust , dem Kathreinl noch einmal die Händ zu pressen und ihr von meiner Lieb für sie zu sagen . Zog sie also weiter vom Wirtshaus weg und fragte sie , ob sie sich wollt entführen lassen , da es eben eine gute Zeit wär dazu ; worauf sie lustig lachte und sagte : » Meinst , daß mich die andern nimmer finden sollten ! Wo möchtst