. Man gibt mir Jetzt ein paar kleine Aufgaben , um mich zu zerstreuen und ein wenig zu beruhigen . Ich aber kann von der Phantasie allein nicht leben . Ob das eine Schwäche ist ? Dann wäre ich schwach - ich kann nicht dafür . Aber mein Beharren im einmal Erkannten ist doch wieder eine Stärke . Oh - wer Alles vereinen könnte - so vieles widerstrebt dem andern ... « Und Peka schlief auch ein und träumte von Brillantensonnen - die glühten mächtige Strahlenbündel ins weite All hinaus . Und währenddem lag der Biba gleichfalls in seinem Schlafsack auf dem Nordtrichterrande nicht weit von der äußeren Kruste , an die sich vorsichtig die geheimnisvolle Spinngewebewolke anschmiegte . Biba sagte laut : » Wieviel Unbegreifliches haben wir in unserm Leben zu ertragen ! Mich zieht die Centralsonne immer wieder an , den Lesa zieht das Kopfsystem des Pallas an . Aber - was ist dieses Anzieben ? Warum zieht in unserm Sonnensystem eins das andre mit unsichtbaren Fäden zu sich ? Und warum gibt es so viele Dinge , die wieder zurückdrängen und nicht an das herankommen lassen , was doch eigentlich unaufhörlich das Näherkommen des Angezogenen möchte ? Wie unbegreiflich das alles ist . Lesabéndio glaubt jetzt wohl schon , daß er mit dem Kopfsystem des Pallas eins werden könnte - in Bälde . Ich glaube nicht daran , daß ich bald mit unsrer Centralsonne eins werden könnte . In zehn Millionen Jahren vielleicht ! Ja vielleicht dann noch nicht einmal . Aber die Pallasianer sollten den Turm doch weiterbauen - schon der Spinngewebewolke wegen - die sonst nichts an sich herankommen läßt - die mehr abstößt als anzieht - die muß durch den Turm entfaltet werden - vielleicht wollen wir nur darum unsern Stern künstlerisch ausbauen - vielleicht kommt es garnicht auf das Künstlerische an - vielleicht will der große Stern nur , daß wir oben den Turm bauen - damit sich oben einiges verändert . « Biba schlief nun auch ein und träumte von einer großen blauen Kiste , die von oben herunterkam und plötzlich auseinanderging , wobei große und kleine Tiere und viele bunte Steine herausfielen . Am nächsten Morgen kam Sofanti zum Peka und setzte diesem auseinander , daß er jetzt große Fundamentalbauten mit großen kristallinisch geschliffenen Steinen herstellen müsse . Peka tat nicht sehr erfreut , aber doch so , wie man wollte ; von den vierundvierzig Grundtürmen gab er drei Türmen ein imposantes Fundament . » Das ist « , sagte er , » eigentlich nur eine dekorative Arbeit . Rein künstlerische Ideen sind hier nicht leitender Teil , das Ganze wird gemacht , um Haut zu bekommen . Utilitätsprinzipien sind hier nur herrschend . Die rhythmische Gliederung der Raum- und Flächenteile kann dabei nicht so durchgeführt werden - wie bei ganz reiner , absichtsloser Baukunst . « Nun waren anfangs alle Pallasianer sehr gern bereit , Pekas Ideen gerecht zu werden , doch Peka zeigte sehr bald , daß er mehr haben wollte , als er beanspruchen konnte . Pekas Hauptidee war : dem ganzen Stern Pallas eine vielseitig geschliffene , kristallinische Form zu geben . Peka konnte die unregelmäßigen Formen nicht vertragen , und er sagte das ; er sagte das immer wieder noch mal , sodaß schließlich seine besten Freunde ungeduldig wurden . » Ordnungsfanatiker « , sagte Manesi , » mögen ja künstlerisch sehr berechtigt sein . Aber die Natur unsres Sonnensystems zeigt eine Ordnung , die dem Symmetrischen oft entgegenarbeitet . Wir müssen es für einseitig erklären , wenn Peka die Rhythmisierung der Raum- und Flächenteile nur durch kristallinisch-symmetrische Formen durchführen möchte . Eine Guirlandenkunst , wie ich sie haben möchte , ist mit der gerüstartigen Trockenheit des großen Turmsystems viel eher vereinbar als mit der starren Schwerfälligkeit eckiger Kanten- und Seitenkunst . Die Bogen haben doch mindestens dieselbe Berechtigung wie die Winkel . « Dem stimmte natürlich auch Labu sehr lebhaft bei , da Labu ebenfalls die komplizierten Bogenkurven in allen seinen Entwürfen bevorzugte und grade Linien sowie alle Winkel , Kanten und Ecken zu überwinden bestrebt war . Und so stand der arme Peka bald ganz allein mit seinem kantigen Ordnungsfanatismus da , obschon man zugab , daß seine Fundamentkompositionen an den drei Türmen ganz herrlich wirkten . Da gab es dreihundert Meter hohe , ganz waagrecht aufsteigende Spiegelwände und dann viele rechtwinklige Schluchten und köstliche Überkragungen und tausendkantige Säulen dazwischen . Alles funkelte . Und die Haut gedieh auf den glatten Flächen ganz vortrefflich . Und die Terrassen glänzten . Dex , Nuse und Sofanti rechneten währenddem ganz genau aus , wieviel Haut sie oben gebrauchen würden . Und sie sahen sehr bald ein , daß sie sehr viel Haut gebrauchen würden . » Die zwanzig Fundamentbekleidungen « , sagte Sofanti , » werden uns nicht so viel Haut liefern , wie wir brauchen . Wenn wir den Turm in der angefangenen Weise weitere sieben Meilen hoch bauen wollen , so brauchen wir so viel Haut , daß Peka tatsächlich den ganzen Nordtrichter kristallinisch gliedern müßte . Das würde aber so lange Zeit beanspruchen , daß wir das alles kaum überleben dürften . « Das sahen alle Pallasianer ein . Und man war nicht mehr gerne bereit , den Peka in seinen Arbeiten zu unterstützen . Und der Weiterbau des Turms ohne das notwendige Hautmaterial erschien Allen als unmöglich , da die Spinngewebewolke alle Arbeit oben unmöglich machte . Wenn nur so lange oben gearbeitet werden konnte , wie die Wolke oben leuchtete , so zog sich die ganze Geschichte allzu lange hin . Somit waren die Pallasianer der Meinung , daß man das begonnene Werk liegen lassen müsse ; Unmögliches ließe sich doch nicht durchsetzen , sagten sie mit mitleidigen Mienen . Und man bedauerte den Lesabéndio . Der aber saß eines Tages ganz ruhig oben auf dem Turmgerüst drei Meilen über dem Rande des Nordkraters und lächelte , und der kleine Nax umschwebte den Kopf des Lesa in zierlichen Kurven und sah , daß Lesa lächelte . » Ei ! Ei ! lieber Lesa « , rief der kleine Nax , » ich sehe , daß Du lächelst , während man Dich unten überall bemitleidet . Du siehst so glücklich und garnicht bemitleidenswert aus . Was denkst Du ? Glaubst Du , daß Dir und Deinem Turm noch zu helfen ist ? « » Das « , versetzte Lesa , » weiß ich nicht . Aber ich habe die Empfindung , daß wir einen Ausweg finden müßten . Ich lächle darüber , daß wir so schwerfällig sind und uns garnicht zu helfen wissen . Ich habe die Empfindung , daß ein Unbefangener dieses Turmproblem im Handumdrehen lösen kann . Ich glaube , daß mir gleich das Richtige einfällt . Und ich mußte lächeln , daß mir das Richtige noch nicht eingefallen ist . « Die grünen Sterne im violetten Himmel funkelten recht lebhaft , und die Wolke oben leuchtete weiß wie ein Geisterauge . Nax setzte sich in beweglicher Kugelform auf Lesas Schulter , klemmte seinen Körper wie einen kleinen Saugfuß fest an , ließ seine kleinen Augen sehen , brachte seinen Rüssel vor und sprach zwitschernd : » Baut doch quer , sodaß Ihr erst zur Mitte des Nordtrichters hinkommt . Dann könnt Ihr da einen ganz dünnen Turm errichten . Und für den braucht Ihr nicht so viel Haut . Die Geschichte erscheint mir sehr einfach . « Da lächelte der Lesa und sagte so , als wenn garnichts Besondres passiert sei : » Siehst Du ! Da hast Du das Richtige getroffen . Es war so einfach . Und ich muß abermals lächeln , daß wir alle nicht darauf gekommen sind . Natürlich gehts so . Und Du , kleiner Nax , sollst jetzt unten gefeiert werden . Deine Idee ist sehr einfach . Aber sie kam zur rechten Zeit . Wie oft können wir nicht zu der ganz einfachen Lösung kommen , weil wir zu sehr befangen sind von allen möglichen andern Dingen , die uns von der Lösung eines Problems zurückdrängen . Es geht uns mit den Problemen so wie mit unsrer mysteriösen Wolke - wir können nicht rankommen - und es erscheint uns alles so einfach , wenn wir uns doch dem Ziel nähern . Wir nähern uns dem Ziel ! Komm , Nax , an mein Halsband ! Wir wollen hinunter und den müden Seelen neuen Mut einflößen . Neuen Mut hast Du uns gegeben . Der Gewaltige oben gab ihn uns durch Dich , kleiner Nax ! Sei nicht zu stolz auf das , was Du sagtest . « Der kleine Nax lachte , und dann stieß sich Lesabéndio zur Mitte zu ab . Und er flog dahin wie ein Pfeil und sauste langsam in großartiger Parabelkurve ganz lang gestreckt zur Tiefe . Und als Lesa unten das sagte , was der Nax gesagt hatte , da erscholl ein großartiges Gelächter im Nordtrichter des Pallas . Diese Lösung des schwierigen Problems erschien Allen so einfach und selbstverständlich , daß man sich garnicht beruhigen konnte . Sofanti sagte ganz erbittert : » Ich glaube , daß uns die kolossale Arbeit ein wenig den Verstand verwirrt hat . Wir sind zweifellos etwas dumm geworden und sollten uns vor den edlen Quikkoïanern schämen . Die haben jetzt alle Veranlassung , sich über uns lustig zu machen . Ich finde das eigentlich beklagenswert . « Aber der Nax rief da ganz laut : » Das finde ich garnicht beklagenswert . Wir haben uns ein wenig nützlich gemacht . Und deswegen wollt Ihr uns ausschelten ? Das ist nicht freundlich von den Pallasianern . « Und der Kleine tat so , als wenn er wieder weinen müßte . Sein Schluchzen klang ganz fürchterlich . Und viele Pallasianer kamen herbei und wollten den Kleinen beruhigen . Er aber schluchzte nur noch heftiger . Da sagte der Lesa : » Nax ! Lach mal wieder ! « Da war der Kleine plötzlich still und sagte dann ganz leise : » Ich weinte ja garnicht . Ich tat bloß so . Ich muß doch immer Unsinn machen . Ich kann doch garnicht anders . « Die Pallasianer waren entzückt über diese Worte des kleinen faustgroßen Quikkoïaners . Vierzehntes Kapitel Es wird zunächst die Verständigung durch drahtlose Telegraphie erörtert . Dann erzählt Nax vom Schlüsselstern und dessen Attraktionscentrum . Danach wird die Anziehungskraft drei Meilen über dem Pallas untersucht ; und man bemerkt , daß sich die Centren verschoben haben - nach oben zu . Und so kann man drei Meilen lange Stahlstangengerüste ganz leicht durch Kranvorrichtung nach oben drehen , sodaß das nächste drei Meilen lange Stockwerk in kurzer Zeit fertig wird . Biba unterhält sich danach mit Lesabéndio über das Verhältnis des Saturnrings und ähnlicher Ringe zu dem Asteroïdenring . Biba bringt die Lichtwolke über dem Pallas mit diesen Ringsystemen in Zusammenhang , und man beschließt , oben die Wolke des Nachts durch Sofanti-Häute näher zu betrachten . Das geht aber vorläufig nicht . Während des Turmbaus hatte man bald eingesehen , daß eine rasche Verständigung oft sehr nötig wurde . Und es genügten die verabredeten Signale nicht mehr . Man führte daher eine Art drahtloser Telegraphie ein , die aber nur bei den Bewohnern des Pallas möglich ist , die ihren Körper seiner elektrischen Eigenschaften wegen auch in eine Art Empfänger umbilden konnten ; sie gaben dabei ihrer Kopfhaut eine Form , die aufgespannten Regenschirmen glich . Und mit der so gestellten Kopfhaut konnten sie die elektrischen Wellen auffangen . Dem Pallasianer fiel das garnicht schwer , da er ja von verschiedenen Stellen seines Körpers elektrisches Licht aufleuchten lassen konnte . Naxens Idee war den Pallasianern natürlich auch auf dem eben beschriebenen Wege mitgeteilt worden . Drei kurz aufeinanderfolgende Explosionstöne machten die Pallasbewohner darauf aufmerksam , daß eine Neuigkeit , die alle interessieren mußte , mitzuteilen sei . Und wer dann wollte , konnte gleich darauf das Neue hören . Gedruckte Zeitungen oder photographierte Zeitungen gabs deshalb nicht . Auf dem Nordtrichter hatte man zehn Stationen errichtet , von denen aus elektrische Wellen ausgesandt werden konnten . Der Lautwert der einzelnen Zeichen war allen bekannt . Oben auf dem Turm war während des Baus nur ein Explosionston das Alarmsignal . Als sich nun Alle einverstanden damit erklärten , daß man das nächste Stockwerk nicht nach oben , sondern nach der Mitte richten mußte , da dachten natürlich alle Pallasianer sehr energisch über die Art nach , in der das am besten ausgeführt werden konnte . Die drei Explosionstöne waren immer wieder zu hören . Und alle saßen stundenlang oben im Nordtrichter mit aufgespannter Kopfhaut da und lauschten auf das , was den Andern einfiel . Und dabei kamen schließlich sehr viele zum Wort . Und man beschloß ziemlich einstimmig , gleich drei Meilen lange Türme herzustellen . Diese sollten von den vierundvierzig errichteten einfach herunterhängend zusammengeschmiedet und , wenn sie fertig , durch Kranvorrichtung nach oben in die waagrechte Stellung hinaufgedreht werden . Nun handelte sichs nur darum , darüber einig zu werden , wie man zum Schluß die Spitzen der neuen Türme miteinander verband . Bombimba , einer von den jüngeren Pallasianern , war immer an Dexens Seite und half diesem in allen seinen Kaddimohnstahlarbeiten . Bombimba meinte Folgendes : » Das Allerunbequemste ist bisher zweifellos die Schmiedearbeit hoch oben auf dem Turmgerüst gewesen . Wenn wir nun die vierundvierzig drei Meilen langen Turmstangen herstellen , während die Stangen runterhängen , so haben wir uns ein gut Teil unsrer Arbeit erleichtert . Jetzt fehlt uns nur noch , daß wir den Ring mit den vierundvierzig Ecken auch unten anfertigen können . Ich glaube aber , daß wir das können . Sind die vierundvierzig herunterhängenden Turmstangen von je drei Meilen Länge durch unsre Kranvorrichtungen hinaufzuwinden , so läßt sich der Ring mit den vierundvierzig Ecken ebenfalls mit Drahtseilen hinaufwinden . Dex fand die Idee sehr gut , wollte aber noch weiter darüber nachdenken . Währenddem kamen Lesa und Biba hinzu mit dem kleinen Nax , und die Fünf unterhielten sich hoch oben auf einem Nuse-Turm über das , was sie über den Turmbau gedacht hatten . Und während Dex umständlich seine Gewichtsberechnungen vorführte und erklärte , rief plötzlich der kleine Nax : » Mir fällt etwas Wichtiges ein ! Auf unserm Stern Quikko konnten wir mit unsern Quallenhautlinsen einmal auch einen kleinen Schüsselstern beobachten , auf dem wir eine ganz seltsame Geschichte sahen . Der Stern sah wie eine Schüssel aus . Im Innern der Schüssel lebten die kleinen Bewohner des Sterns . Da sahen wir , daß einige der kleinen Leute auf dem Rande der Schüssel herumkrochen , und plötzlich fielen sie nach außen alle hinunter in den Weltenraum . Wir bedauerten natürlich die kleinen Leute , konnten uns aber den Fall eigentlich nicht erklären . Da sahen wir denn , daß alle Gefallenen tief unter der Schüssel in der Atmosphäre plötzlich nicht tiefer sanken ; sie schwebten wie Pendel immer nach verschiedenen Seiten hin und zurück . Und dann wurden vom Rande Taue ausgeworfen , die ganz grade zu den Gefallenen hinstrebten . Diese ergriffen die Tauenden und wurden an diesen wieder hinauf an den Rand gezogen . « Nax schwieg und wackelte mit seinem kleinen Rüssel in der Luft herum , breitete zwei Flügel aus Pallassteinhaut in die Luft und schwebte um die Köpfe der vier Pallasianer herum . Biba lachte und sagte : » Da hat der Kleine wieder mal eine erlösende Idee gehabt . Er wollte mit seiner Erzählung nur sagen , daß man niemals so recht weiß , von welcher Gegend man angezogen wird . Es wäre deshalb doch das Wichtigste , daß wir zunächst untersuchen , ob sich die Anziehungscentren auf dem Pallas durch unsern , jetzt schon drei Meilen hohen Turmbau nicht wesentlich verschoben haben . Vielleicht lassen sich die Türme viel leichter heben , als wir denken . « Lesa reckte sich fünfzig Meter hoch empor und rief : » Das müssen wir sofort untersuchen . « Und so eilten die Fünf zur nächsten Funkenstation , ließen drei mächtige Schüsse ertönen und teilten den Pallasianern mit , daß zunächst oben die Attraktionstätigkeit des Pallas untersucht werden müßte . Und ein paar Minuten später waren fast alle Pallasianer mit den flinken Seilbahnen auf den obersten Ring des Turmes gefahren . Da saßen sie nun und warteten , was Biba sagen würde . Und der sagte , daß sie zur Mitte hinspringen müßten . Und das geschah ! Jeder sprang mit seiner ganzen Kraft . Und siehe da : alle schossen drei Meilen gradaus der Mitte zu , ohne zu sinken . Dann ging es erst langsam im langgestreckten Parabelbogen nach unten zu . Und der Flug der Pallasianer wurde immer langsamer , und Biba sah , daß sich das Attraktionscentrum tatsächlich verschoben hatte . Es ließ sich allerdings nicht feststellen , wo es eigentlich lag . Vor der Mitte bogen die ganz steif wie Stöcke durch die Luft Fahrenden langsam zur Seite und schwebten dann rückwärts und kamen so in den oberen Regionen des Kraters wieder zu ihrem Stern , ohne die Flügel zu gebrauchen . Ein allgemeiner Jubel brach nun los . Denn jetzt war es klar , daß sich die drei Meilen langen Stahltürme ganz leicht hinaufwinden ließen . Es wurde gleich ein solcher Turm gebaut , und das Hinaufwinden ging ganz leicht . Lesabéndio weinte vor Freude . Dex aber erklärte , daß er jetzt gleich unten an jedem Turm nach beiden Seiten rechtwinklig zwei starke Stangen anbringen möchte , sodaß man den Ring mit den vierundvierzig Ecken nicht extra zusammenzuschmieden brauchte . Und in Jahresfrist war der drei Meilen lange schiefe Turm fertig . Man führte ihn nicht ganz horizontal - doch etwas schräg emporgehend , sodaß jetzt der ganze Turm fast vier Meilen hoch emporragte . Eine allzu große Erschöpfung machte sich nach dieser verhältnismäßig leichten Arbeit nicht bemerkbar . Aber alle waren doch der Meinung , daß jetzt abermals eine große Pause eintreten müßte . Und dem konnte man nichts entgegenhalten . Und so kehrten viele Pallasianer in ihre alten Ateliers zurück und dachten darüber nach , wie sich nun das Weitere entwickeln würde . Die jüngeren Pallasianer fuhren in großen Scharen zur Turmhöhe hinauf und machten dort Flugversuche . Leider mußten diese in der Nacht , wenn die Wolke alles finster machte , unterbleiben , da die Wolke nach wie vor unnahbar blieb und den oberen Teil des Turmgerüstes immer wieder knisternd und zuweilen auch Funken sprühend umspann . Eines Tages saß Lesabéndio mit Biba ganz hoch oben auf dem zuletzt geschmiedeten Ring auf einer der vierundvierzig Verbindungsstangen . Beide blickten in die grüne Sternenwelt hinein und freuten sich über den dunkelvioletten Himmel und über die geheimnisvolle Lichtwolke hoch über ihnen . » Grade hier in diesem Asteroïdenring , in dem wir leben « , sagte Biba , » ist von einer Gesetzmäßigkeit so wenig zu bemerken ; wir sehen immer wieder neue seltsame Anziehungsverhältnisse in den einzelnen Asteroïden , und diese tun so , als nähmen sie garnicht weiter Notiz voneinander . Hier ein Gemeinsames entdecken - das wäre eine große Aufgabe . « Lesabéndio sagte hastig : » Du denkst immer wieder an die größeren Verhältnisse . Du hast immer gleich das ganze Sonnensystem mit allen Planeten im Auge . Wir haben aber doch Rätsel , die uns näher liegen . « » Halt ! « sagte da der Biba , » wir können den Pallas nicht so einfach loslösen , er gehört einem System an . Und in diesem System gehören wieder die Asteroïden zweifellos zusammen . Du darfst nicht das Ganze so leichthin aus dem Auge lassen , sonst wird Dir auch das Näherliegende immer rätselhafter werden . Findest Du nicht , daß wir viel zuwenig über die Attraktionskräfte auf unserm Stern nachdenken ? Wir gewöhnen uns in dieser Beziehung zu leicht an die allergrößten Wunder . Früher fiel ein Stein , den wir durch unser Centralloch in der Mitte unsres Sternrumpfes warfen , fast immer durch und suchte erst im Südtrichter die Trichterwände zu erreichen . Wenn wir heute , wie ich es neulich mehrfach versuchte , einen Stein durchwerfen wollen , so fliegt er immer schon im Loch selber an die Wand , geht durch das Loch nicht mehr durch . Das ist doch seltsam . « » Was hat das aber « , fragte Lesa , » mit den anderen Asteroïden zu tun ? Ich denke , daß das mit dem Kaddimohnstahl hier auf unserm großen Turm zusammenhängt . « » Oder mit der Wolke ! « versetzte Biba . Beide schwiegen eine Weile . Dann fuhr Biba also fort : » Wenn wir für dieses Rätsel eine Erklärung haben wollen , so müßten wir doch zusehen , ob sich nicht auf anderen Asteroïden Ähnliches ereignet . Wir bemerken , daß sich im Pallas ein Zusammenziehen von Rumpf- und Kopfsystem anbahnt . Der Kopf will zum Rumpf oder umgekehrt . Und so verändert sich das Centrum des ganzen Systems . Nun meine ich aber , daß sich zwischen den einzelnen Asteroïden etwas Ähnliches vorzubereiten beginnen könnte . Ich ahne so was . Du kennst den großen Planeten , den auch wir mit so vielen andern Planetenbewohnern Saturn nennen . Der Saturn hat ein ganz regelmäßiges und ganz intensiv zusammenhängendes Ringsystem , in dem Millionen kleiner Sterne zusammen dahinkreisen . Könnte der Asteroïdenring nicht auch das Bestreben haben , mal so innig zusammenzukommen ? Kopf und Rumpf des Pallas wollen schon zusammenkommen . Ist das nicht ein Zeichen dafür , daß eigentlich alle Asteroïden zusammenkommen wollen ? Sie ziehen momentan noch zu fern voneinander ihre Bahn . Der Stern Erde hat doch auch einen Ring von kleinen Sternen um sich - und an der Sonne sehen wir doch etwas Ähnliches . Wenn diese Sterne auch sehr klein sind - Pendants zum Saturnring bilden sie trotzdem . Nur würde der Asteroïdenring tausendmal größer werden als die andern Ringe . Diese sind aber zweifellos durch den willkürlichen Eigenwillen der größeren Planeten entstanden ; Saturn und Erde und die meisten andern Planeten sind doch als ebensolche Sonnen zu betrachten wie unsre Centralsonne eine ist . Diese hat die andern Sonnen nur dadurch in ihre Nähe gebracht , daß sie ein übergroßes Maß von Lebensenergie entwickelte . Die zieht immer an - natürlich nicht so wie ein Stein von unsrer Trichterwand angezogen wird . Die Centralsonne hält auch gleichzeitig die andern Sonnen , die Planeten wurden , in respektvoller Entfernung , damit kein Zusammenstoß stattfindet . Das finden wir auch wieder bei den kleinen Planeten , die sich um die großen drehen und die wir Monde nennen . Der Größere hält immer die kleineren zurück . Aber diese kleineren können untereinander enger aneinander kommen , wie das die Saturn- , Erde- und Sonnen-Ringsysteme zeigen . Ein ähnliches Ringsystem müssen auch die Asteroïden bilden - sie können es wenigstens . Darum - werde nicht ungeduldig ! - müssen wir den Zusammenhang mit unserm Kopfsystem fördern - das heißt : wir müssen die Spinngewebewolke näher untersuchen . « » Das war aber umständlich ! « rief da der Lesa . Biba aber fuhr fort : » Unterschätze meine umständliche Rede nicht . Denke darüber nach . Wenn Du Dich einst mit dem Kopfsystem des Pallas als eines fühlen willst , so mußt Du auch wissen , was dieses Kopfsystem in erster Linie im Auge hat . Nicht nur mit dem Rumpfsystem will sich dieser seltsame Kopf inniger verbinden - auch mit den andern Asteroïden . Das ist meine Meinung . « » Ich werde « , versetzte Lesa rasch , » sehr energisch darüber nachdenken . Ich danke Dir . Dein Blick ist weit - sehr weit - weiter als der meine . Ich sehe immer nur das Nächstliegende . Aber ich hoffe , daß ich bald anders werde . Jedenfalls wäre das Erste jetzt , daß wir durch Haut verdeckte Bandbahnen hier oben vier Meilen über unserm Sternrumpf herstellen . « » Selbstverständlich « , versetzte Biba , » wäre das das Erste . Vergiß aber das Weitere nicht . Nun wollen wir zum Sofanti fahren , damit er uns die Bandbahnen hier oben mit Haut umhüllt . Durch diese Haut wollen wir dann das Spinngewebe beobachten . « Beide fuhren zum Sofanti und die Bandbahnen wurden so hergestellt , daß die Pallasianer sich auch oben aufhalten konnten , wenn die Wolke von oben herunterkam und Nacht auf dem Pallas machte . Aber als vier solcher Bahnen oben fertig waren , zeigte es sich , daß die Haut nicht durchsichtig genug war ; man sah wohl die sehr beweglichen Spinngewebefäden - konnte aber die einzelnen Teile des Gewebes nicht deutlich erkennen . Man versuchte , das Gewebe durch Scheinwerfer zu durchleuchten . Aber das hatte gar keinen Zweck , da sich das Gewebe dem Licht gegenüber plötzlich ganz starr verhielt - als wenn es zusammenfror . Das Gewebe machte gar keinen interessanten Eindruck im elektrischen Licht ; das Gewebe wurde leblos - während es unbeleuchtet an Bewegung nichts zu wünschen übrig ließ . Nun verlangten alle von Sofanti , daß er ganz durchsichtige Häute herstellte . Das nahm aber sehr viel Zeit in Anspruch - so viel Zeit , daß Dex den Vorschlag machte , doch zunächst mal weiterzubauen . Sofanti sollte in seinen Experimenten nicht gestört werden . Biba sagte : » Daß das Gewebe nichts Lebloses ist , scheint mir ganz klar zu sein . Aber gespannt bin ich , wie es eigentlich lebt . Vielleicht - haben wir in diesem Gewebe lebendige Lebewesen des Pallaskopfes vor uns . « Selbst Peka mußte zugeben , daß der Turm nicht umsonst gebaut wäre , wenn es möglich wurde , durch diesen Bau hinter das große Geheimnis der großen Lichtwolke zu gelangen . Fünfzehntes Kapitel Peka , Labu und Manesi sind in melancholischer Resignationsstimmung ; sie klagen , daß ein Nutzbau , alle künstlerischen Interessen verdrängt habe . Aber der Turm bekommt abermals ein neues Stockwerk , das ganze Werk ist jetzt fünf Meilen hoch , und der oberste Ring hat nur noch einen Durchmesser von sechs Meilen . Und nun entdeckt man , daß die Lichtwolke aus unzähligen Lebewesen mit kleinen Köpfen besteht . Man will sich diesen mit Hilfe der Quikkoïaner verständlich machen . Aber das mißlingt . Dex will darum nicht mehr weiterbauen . Aber Sofanti erklärt , daß er das genügende Hautmaterial hergestellt habe , und da wird Dex so weit umgestimmt , daß er sich Bedenkzeit ausbittet . Eines Tages saßen nun Peka , Labu und Manesi auf dem obersten Rande des kleinen Modellturms nicht weit ab vom Centralpunkt des Pallasrumpfes . Die Drei saßen da und rauchten ihr Blasenkraut und blickten nach oben . Sie hatten ihren Unterkörper mehrmals schraubenförmig um den Kaddimohnstahl gewickelt und lehnten den Oberkörper gegen den Unterkörper ; ihre braune Molluskenhaut mit den gelben Flecken glänzte im Lichte der Spinngewebewolke . So saßen sie da , rauchten und schwiegen und sahen nach oben in das große neue Turmgerüst hinein . » Sehr heiter sind wir nicht ! « meinte Labu nach einiger Zeit . Und dazu sagte nach einer guten Weile der Peka : » Dazu haben wir auch wahrhaftig nicht die geringste Veranlassung . « Alle Drei rauchten heftig , daß viele tausend Blasen - auch ziemlich große - langsam emporstiegen und in vielen Farben opalisierten wie Seifenblasen auf dem Erdstern . Manesi sagte dann : » Ich hätte eigentlich keinen rechten Grund zur Klage . Das Gerüst da oben künstlerisch zu beleben , wäre ja eine natürliche Aufgabe für mich . Da lassen sich überall an großen Drahtseilen Guirlanden anbringen ; die Stoffe für das Wurzelwerk der Pflanzen ließen sich wohl in hängenden Schalen einpflanzen . Alles würde wohl möglich sein . Das Gerüst könnte da oben mal zu einem prächtigen Blumenstück gemacht werden . Aber - wann soll das geschehen ? Vorläufig ist doch noch lange nicht daran zu denken . Zunächst hat da oben immer nur der liebe Dex das beherrschende Wort , und er will immer die größere Höhe erreichen , um da das Rätsel unsres Lebens zu lösen . Und wenn der Stahlturm fertig ist , so hat Sofanti mit seinen Steinhäuten alle Hände voll zu tun . Und an mich wird man noch lange nicht denken . Vor mir kommt auch noch der Nuse mit seinen Laternenkünsten , die auch so viel Zeit in Anspruch nehmen dürften , daß das , was ich durchsetzen könnte , garnicht bemerkt werden kann . Sollen da oben tausend Schlinggewächse durcheinander wachsen , so ist dazu so viel Arbeit nötig , daß ich nicht mehr zu glauben vermag , ich könnte das jemals erleben . « » Ich aber « , rief Peka heftig , » bin fast ganz und gar überflüssig . Aus den Drahttürmen kann ich keine kompakten Steingebilde machen . « » Das würde « , versetzte Labu , » uns auch die Aussicht nehmen . Ich bin sogar der Meinung , daß Schlinggewächse da oben garnicht möglich sind ; sie würden uns doch das Licht der Wolke oben verdecken - wir hätten dann keinen ordentlichen Tag mehr auf dem Pallas . « » Was aus der Wolke oben wird « , sagte Manesi müde , » wissen wir auch nicht . Ich glaube nicht , daß der Turm so einfach durch die Wolke durchzustechen ist . « » Die rein künstlerischen Dinge « , sagte Labu , » werden auf dem Pallas nicht mehr geschätzt . Was ich in runden und unregelmäßig gebogenen Formen an dem Gerüst anbringen möchte , das will der Dex nicht haben . Er behauptet , daß er die Tragkraft des Gerüstes nicht so groß machen könnte , um die plastische Ausgestaltung der Stangenverbindungen zu gestatten - so groß sei die Menge des Kaddimohnstahls nicht , hat er mir oft genug gesagt . Ich glaube sogar , daß der Dex die Belastung durch Schlingpflanzen auch nicht für möglich hält . « » Wir