gegen die graue Wand . Da ging der Bruder hinaus , weil er es nicht mit anhören konnte , die Mutter aber setzte sich zu ihm und streichelte ihm die Backen , bis er ganz still lag . Dann sagte sie : » Harm , hür mol to : Ik will mol mit di snacken . « » Och , lot mi doch , Mudder ! « » Ne , ik mütt di dat seggen , Harm , dat steiht mi so vörn Harten , dat ik ne mihr slopen kann . Jan , dien Bruer , will ok no See , wenn he Ostern ut de Schol is ! Snack du em dat ut , Harm . Ik hol dat ne ut un goh to Woter , wenn he ne an Land bliwt ! « Der Kranke schloß die Augen und gab keine Antwort : da glaubte sie , daß er eingeschlafen sei , und schlich auf Socken hinaus . Er hatte aber nur keine Antwort geben wollen . Störtebeker ließ die Ostermoon einen Tag liegen , er hatte keine Zeit für sie , denn er war mit seinem kleinen Schiff am Bollwerk zugange und erprobte dessen Segel- und Manöverierfähigkeit . Der andre Tag war ein Sonntag , ein heller , sonniger Tag . Weiße Wolken kamen im Westen aus der See gestiegen und segelten wie Lustkutter auf dem blauen Luftmeer . Der Matrose ließ sich von seinem Bruder die Kissen hinter den Rücken stopfen , damit er besser ausgucken konnte , und wartete auf Störtebeker . Die Mutter kam herein , mit dem Gesangbuch in der Hand , und fragte , ob er noch etwas wolle ; als er verneinte , ging sie nach der Kirche und überließ die Wache dem Konfirmanden . Störtebeker kam , aber er hielt sich oben nicht lange auf , sondern stolperte gleich wieder die Bodentreppe hinunter , um das Dankesfeuer zu entfachen . Nach kurzer Zeit loderte eine große Ostermoon auf dem Deiche , wie Störtebeker noch keine gehabt hatte : das war für das schöne Vollschiff ! Harm Külper verwandte kein Auge von ihm : da ergriff ihn mit einem Male der Gedanke : jetzt muß ich sterben ! Und der ließ ihn nicht mehr los , bis er sich ihm ergab und das Ruder losließ : treib , Schifflein , treib ! Da kam eine große , heilige Ruhe in sein Herz , der Schmerz verging , und all das Tote , Dumpfe , das auf ihm und in ihm gelegen hatte , wich einer wunderlichen Leichtigkeit und Klarheit . Er erkannte , daß sein Leben groß und schön und sonnig gewesen war . Glitzernd und blinkend , atmend und lachend lag die See vor ihm , die große weite See , und hohe , stolze Drei-und Viermaster segelten wie Königsschiffe vor dem Winde ! Wie leuchteten ihre goldenen Namen , wie winkten die Janmaaten ! Er stand auf der Back im Sonntagsstaat , in der Tür des Logis saß der Norweger und spielte auf der Harmonika ; über ihm aber wölbten sich die gewaltigen Segel , von der Fock bis zu den Royals , und die Rahen knarrten . Delphine spielten vor dem Bug , und Albatrosse schwebten über dem Heck ! Und der Norweger spielte , bis die weißen Nocken rot wurden und die Sonne langsam ins Wasser sank ... » Jan ? « » Wat schall ik , Harm ? « Jan hatte einige Sprüche zu lernen , die gar nicht sitzen wollten , und sah verdrießlich von seinem Katechismus auf . » Jan , Mudder seggt , ik schall di van de Fohrt afroden . Du schallst ne no See hin , seggt se . Un ik schall di bang moken , Jan . Ober ik dot ne , wenn Vadder un Jakob ok verdrunken sünd , un wenn ik ok grote Hoveree hebb un kodimmt wardn mütt ! Ik ro di to , Jan ! Wenn du Lust no See hest , denn goh no See un lot di ne meuten ! Goh no See , Jan , un dink an dien Bruer , wenn du goden Wind inne Seils hest ! « Der alte Lebensmut flammte noch einmal in der Seele des Matrosen auf . » Buten ist doch beter as binnen , Jan , gläuf mi dat ! Wenn de Wieber ok seggt , mien Leben is verkihrt wesen : ik bün krank wedderkommen un hebb keen Sack vull Gild mitbröcht ; ik segg di : mien Leben is recht wesen , un wünsch mi keen anner ! « » Snack doch ne soveel , Harm « , beschwichtigte ihn der Bruder , der gern weiterlernen wollte , » ik seh di dat an , du hest dor Wehdog van . « Der Matrose aber richtete sich auf . Mit dem letzten Rest seiner Kraft ging er gegen die Schwäche an , die ihn übermannen wollte , und verlangte sein Seefahrtsbuch . » Wat wullt dormit , Harm ? « » Mien Munsterbook , Jan ! Dat ligt boben up mien Seemannskist ! « Er ließ nicht nach , bis er es in den Händen hatte . Fest umschlossen seine knochigen Finger es , als er sagte : » Dor steiht dat in , Jan , woneem ik allerwärts wesen bün : an de Westküst un in Schino , inne Middellandssee un inne Sunda , boben bi de Eskimos un nerden bi de Minschenfreters . Dat steiht dor all in ! Mien Munsterbook will ik nu jümmer bi mi hebben , Jan , un wennk dot bün , denn schöt ji mi dat innen Sarg leggen , wat ik mi vör Gott ok verklorn kann . « » Harm , schoon di doch « , bat der Bruder , der ihm die Anstrengung ansah , aber der Matrose hörte nicht . » Kiek , Jan , ik bün nu so krank , dat ik ne den lütten Finger mihr krumm moken kann , ohn mi weh to dohn : wenn ik düt Book seh , denn ward ik dor ober an dinken , wat ik mol boben up de Royals stohn hebb , in Nacht un Störm , un ne bangen wesen bün , un wat ik innen Atlantik mol Haifisch angelt hebb ! Un dor an to dinken , dat is god , Jan , wenn een starben mütt . « » Harm , so snackst du nu , - un to Sommer , wenn du wedder beter büst un wedder up grote Fohrt geihst , denn lachst du dor ober . « Der Kranke schüttelte den Kopf . » Mien Fohrt is ut , Jan , de grote un de lütte : ik seh de See ne wedder ! Jan , goh no See un ward een fixen Seemann ! Ünner Seils ist up best ! « » Ik do ok doch , wat ik will « , sagte der Bruder bestimmt , » meenst du , wat ik Lust hebb , bi de Buern to sleupen ? « Befriedigt nickte der Matrose , dann aber drängte er seinen Bruder hinaus , indem er ihm sagte , er solle mal ausgucken , ob die Mutter noch nicht käme , denn er meine , die Kirchenglocken hätten schon geläutet . Er fühlte aber , daß der Tod in der Kammer stand , und wollte nicht , daß der Junge ihn sterben sehen sollte . Als er allein war , blickte er noch einmal über den Westerdeich , auf dem Klaus Störtebeker noch immer sein rauchendes Osterfeuer bewachte . Von der Elbe herüber tuteten die Dampfer , und hinter dem Neß standen viele , braune Segel auf dem Wasser . Dann trat die große Meeresstille ein : der Tod kam und grüßte ihn . Und Harm Külper war tapfer bis zum letzten Augenblick . * * * Mit dem Seefahrtsbuch in den Händen fanden sie ihn , und das Seefahrtsbuch bekam er nach seinem Willen mit in den Sarg . Die gebückte Triengretj , die Totenfrau , ging von Tür zu Tür und sagte an , daß er Mittweeken Klock dree aus dem Hause komme . Jan Köpke kam mit dem Leichenwagen den Deich entlanggewankt und brachte den ruhelosen Weltumsegler , dem Tausende von Seemeilen nicht genug gewesen waren , in einer kleinen halben Stunde zum Hafen und zur Ruhe . Störtebeker ging mit hinter dem Sarge und trug einen großen Kranz , zu dem er das halbe Geld aus seinem Spartopf zugeschossen hatte . Aus jedem Hause ging einer mit , daß es eine große Leiche wurde . Am Grabe sangen die Lüneburger Kirchenjungen , und Bodemann sprach bewegt von einem Matrosen , der manchen Hafen und manches Meer gesehen hätte . Nachher aber , als die Frau auch die letzten Fenster verhängte , lief Störtebeker mit dem Vollschiff nach seinem Kahn , wriggte vom Bollwerk ab und ließ es auf der blinkenden Elbe segeln . Siebenter Stremel . Der verhängten Fenster wegen verlegte Störtebeker seine Ostermoonen nach dem Südende des Westerdeiches . Dort stand eine einsame , kleine Kate , in der Bartel Tamp mit seiner Mutter hauste , der alten Hanno Quast , von der es hieß , daß sie nur einen Topf im Hause hätte , der abwechselnd als Eßtopf , als Waschtopf und als Pißpott dienen müsse . Den Tisch fege sie mit dem Besen ab . Sie hätte auch nur ein Tuch , das sie morgens als Schürze , mittags als Tischtuch und abends als Fenstervorhang benutze . Unter dem Herd wäre ihr Hühnerwiem , und die Ferkel hausten bei ihr im Bettstroh . Bartel war von Amerika gekommen , sie zu besuchen . Er sollte in Minnesota eine große Farm haben , so groß wie ganz Finkenwärder , sagten sie : anzusehen war ihm das aber nicht , denn er ging Sonntags und alltags gleich schlumpig . Und als seine Mutter starb , da zimmerte er selbst einen Sarg zurecht , lud ihn auf die Schubkarre und fuhr ihn nach dem Kirchhof : das wäre so Mode in Amerika , sagte er , und kümmerte sich nicht um die Leute . Er wollte auch die Kule selbst graben , aber da kam ihm der Totengräber Hein Bausen in die Quere , der von solcher Gottlosigkeit nichts wissen wollte : dem es aber mehr um die achtzehn Groschen zu tun war , die er für das Grab einzubekommen hatte , als um den Frevel . Einige Tage danach läutete die Feuerglocke , der Nachtwächter tutete , und die Feuerleute rannten in weißen Kitteln nach dem Spritzenhaus , die Gören hinterher . Dann ging es mit Hurra durch das Land nach der Ecke des Westerdeiches , denn Hanno Quastens Haus brannte . Als sie hinkamen , stand die Kate in hellen Flammen und war schon beinahe gänzlich niedergebrannt : Bartel Tamp aber rannte mit dem einzigen Topf seiner Mutter hin und her und goß Wasser in das Feuer . Zu retten war da nichts : als die Feuerwehr die Schläuche angeschroben und alles in Schuß hatte , war das Haus schon zusammengestürzt , und sie konnte nur noch die Obstbäume naßspritzen . Unverdrossen aber lief Bartel mit seinem Klütenpott umher , sagte Goddam und rief , das hätten die Jungens getan , die verdammten Jungens , Klaus Störtebeker und Konsorten . Störtebeker machte , daß er weg kam , als er das hörte . Es gab große Verhöre vor dem Polizisten , aber Störtebeker blieb dabei , daß er es nicht getan hätte , seine Ostermoon wäre viel zu weit weg gewesen , als daß Funken nach dem Strohdach geflogen sein könnten . Obgleich seine Mutter ganz verzweifelt war , gab er nichts zu . Sie drohten ihm mit der Strafschule , aber er fürchtete sich nicht . Aber es kam doch soviel dabei heraus , daß kein Junge mehr mit ihm nach dem Westerdeich gehen durfte , und er selbst bekam auch Kellerarrest . Es wäre wohl noch schlimmer geworden , wenn Bartel Tamp nicht gutmütig gesagt hätte : die Jungen sollten nicht bestraft werden ! An dem alten Haus sei nichts gelegen : er reise ja doch wieder nach Amerika ! Und er verklopfte den Hof , ließ sich das Versicherungsgeld ausbezahlen und dampfte nach Neuyork ab . Da kam das Gerede auf , er hätte das Haus selbst angesteckt , um das Geld zu bekommen , und die Leute glaubten es . Aber Störtebeker war damit nicht freigesprochen , er hieß noch lange Zeit der Brandstifter und bekam kein gutes Wort von seiner Mutter . Die ganze Geschichte war überhaupt verratzt , wie er sich ausdrückte , denn die Bauernknechte hatten ihm auch noch die Bungen weggenommen , und er konnte nicht mehr fischen . Den Tag vor Gründonnerstag aber , als er sich zum erstenmal wieder eine Ostermoon gemacht hatte , eine ganz kleine , deren Rauch nicht weit flog , und sich mehr als sonst umguckte , denn die Sache war jetzt gefährlich genug , da sah er drei große , braune Segel hinter dem Giebel des Neßhofes erscheinen , die ihm bekannt vorkamen . Er sah scharf hin , dann ließ er das Feuer im Stich und lief in Sprüngen nach dem Bollwerk , kettete lachend seinen Kahn los und wriggte schnell vom Deich , seinem Vater entgegen . Denn sein Vater war es : er kannte den Ewer , er sah die Flagge ! Sein Vater war wieder da ! Wie wriggte er , wie rief er : » Höh , Vadder , höh ! « Da wurde er vom Ewer gesehen : » Höh , Klaus Störtebeker ! « » Non , Vadder , de Reis afmokt ? « ... » Jo , mien Jung ! « ... » Wat geiht di dat , Kap Horn ? « ... » Och , god , Störtebeker , dat weeß woll , slechte Lüd geiht dat jümmer god ! « ... » Büst ok seekrank worden , Hein Mück ? « ... » Ne , du Schietinnebüx . « Nun hatte er den Ewer erreicht , band seinen Kahn achter an und kletterte an Deck , streichelte Seemann und stellte sich dann bei seinem Vater hin . Nun war alles gut , - er war wieder an Bord bei seinem Vater ! » Hein , Hein Mück , du müßt di mol rosiern loten , Minsch , hest jo all een eulichen Snauzbort ! « Kap Horn aber sagte : » Dat is keen Bort , Störtebeker . Hein Mück hett si bloß en bitten annen Klütjenputt swart mokt . « » Dor quält jo man ne üm « , schneuzte der Koch . Vom Ruder scholl es : » Gohn den Draggen ! « Der schwere Anker fiel , rasselnd sprang die Kette nach , straffte sich und brachte den Ewer zum Schwoien . » Vadder , schall ik de Fock dol smieten ? « rief Störtebeker , der sich wunderte , daß sich niemand um die Segel kümmerte . Aber Klaus Mewes erwiderte : » De Seils blieft stohn . Wie weut Mudder holen un denn mit allemann no Stadt rup ! « » Junge , jo ! Dat ward fein ! « sagte Störtebeker , wenngleich er nicht recht einsehen konnte , was seine Mutter dabei sollte . Er erbot sich , sie mit dem Kahn zu holen , aber sein Vater meinte , sie hätten Zeit genug und wollten noch erst an Land Kaffee trinken . So nahmen die Leute denn das Boot in die Talje und setzten es über Bord . Der Schiffer warf unterdessen die Scharben in den Reisekorb , und dann schipperten sie an den Deich , Störtebeker in seinem Kahn , die Seefischer in ihrem Boot . Hein Mück wriggte . » Inne Wett , Hein , de up ierst ant Bullwark kummt , hett wunnen ! « rief der Junge und wriggte aus Leibeskräften , - und richtig wurde er dem schweren Boot leicht über . Gesa stand schon auf dem Deich und lachte ihnen aus glücklichem Herzen entgegen . Zu diesem Augenblick sah sie nur die Sonne , die auf der Elbe und auf ihres Mannes Gesicht lag , und dachte nicht an die Stürme , an den Nebel und an die dunkeln Nächte . » Mudder , du schallst di gliek klor moken , hett Vadder seggt : wi wöt alltohoopen mit no Altno rup ! « - rief Störtebeker schon von unten . Lachend gab der große Seefischer seiner jungen Frau die Hand und hielt ihre fest : » Goden Dag ! « » Goden Dag ! « sagte sie verhalten und wollte ihre Hand lösen , aber er hielt sie fest und sah ihr in die Augen . Da wurde sie rot und sagte verwirrt : » Lot mi doch los , Klaus , wat schöt de Lüd dinken ! « Er hielt sie fester und hätte sie noch lange nicht losgelassen , wenn nicht der Junge dazwischengetreten wäre und gesagt hätte : » To , Vadder , lot ehr los , se schall sik klor moken ! « » Wullt mit , Mudder ? « Sie nickte : » Jo , dütmol goh ik mit , Vadder ! Is jo scheun Wedder ! « Dann saßen sie beim Kaffee und aßen und tranken , die großen , braunen Gesellen , die sich fünf Wochen auf der See herumgetrieben hatten , und konnten alle drei kaum soviel antworten , als Störtebeker fragte . Er mußte alles wissen , wo sie gefischt und wieviel sie gefangen hatten , wo sie zu Markt gewesen waren und wieviel sie gebört hatten , was für Wetter sie gehabt hatten und so weiter . Wie eine Mühle ging ihm der Mund , wie eine Pfeffermühle . Gesa zog ihren Sonntagsstaat an und machte Störtebeker stadtgemäß , obgleich er sich zur Wehr setzte , denn er mochte nicht glatt gehen . Das Viehwerk wurde in die Obhut der Nachbarin gegeben , dann ging es mit Kahn und Boot nach dem Ewer hinaus , der sich groß und schön auf dem blanken Wasser spiegelte : Klippklapp sagte das Spill , als die Kette aufgehievt wurde . Die Flut nahm sie auf ihren breiten Rücken und brachte sie durch das Nienstedter Loch nach dem Fahrwasser zwischen die vielen Segel ; dort war soviel Wind , daß sie in geruhiger Fahrt bald bis Altona kamen , wo sie an der Fischerbrücke Tamp legten . Störtebeker spielte bald mit Seemann auf den Luken , bald nahm er Kap Horn in seemännischen Angelegenheiten in Anspruch , bald guckte er neugierig in den Bünn , in dem das Wasser wirbelte und ab und zu eine Scholle auftauchte , um schnell wieder hinunterzuschwimmen , bald saß er auf der Kapp bei Hein Mück , der Kartoffeln schälte , und aß getrocknete Knurrhähne . Oder er besah die Seeäpfel und Seesterne , die sie ihm mitgebracht hatten . Er überholte die Schieblade , in die sein Vater die Pfennige zu tun pflegte , und grabbelte eine ganze Handvoll Kupfer heraus . Dann spielte er den Schelm und kratzte am Mast , damit mehr Wind komme . Und wenn seine Mutter ängstlich den ankommenden Dampfern entgegensah , die Entfernungen maß und bat : » Vadder , stür doch af , wat wi keen Hoveree kriegt « , dann lachte er sie aus und sagte : » Mudder , de Damper mütt dat Seilschipp ut den Weg gohn ! Wi brukt uns ne to wohren . « » Worum denn nich ? « fragte Kap Horn lauernd . » Vadder seggt dat « , gab Störtebeker zur Antwort , » un de mütt dat doch weeten ! « » Jo , mütt he ok « , bestätigte der Schiffer vergnügt und guckte an dem großen Reisdampfer hinauf , der sich schwer und gewaltig an ihnen vorbeischob . » Störtebeker , wat is dat förn Stiemer ? « Der Junge sah nach der Flagge am Heck . » Een Ingelschmann . « Auf der Back stand eine Anzahl halbnackter Singalesen . » U , kiek , Vadder , dor stoht Swarte boben ! « Eben vor Altona fing Gesa an , zu berichten , was der Junge in der Zeit angerichtet hatte . Sie saß auf den Luken und knüttete an ihrem Strumpf , aber sie hatte sich keine gute Stunde für ihre Klage ausgesucht . Denn erst sagte Störtebeker mit mildem Vorwurf : » Mudder , wi sitt hier nu so scheun up Deck un fohrt so moi no Hamborg , un nu fangst du dorvan an ! « Und er stand auf und ging nach dem Steven . Klaus Mewes nahm den Bericht noch leichter : so hätte er es als Junge auch gemacht , sagte er sorglos , sie solle ihn nur gewähren lassen . Der Junge solle ja kein Pastor , sondern Fischermann werden . » Räuberhauptmann ward he , Klaus , ik segg di dat . « » Gesa , mok doch keen Schop bang . « » So veel du nu ober em lachst , müßt du noch mol ober em weenen ! « » Ne , dat gläuf ik ne , Diern ! « Unbekümmert sah er drein , als könne er sein Leben schon überschauen . » Bestrof em , Klaus ! « » Mien gode Diern , meenst du , wenn ik ut See komm , will ik up den Jungen rümkloppen ? Gott schall mi bewohren , dat ik dat do ! Man still , Gesa , anner Reis nehm ik em vullicht all mit no See , denn kann he an Land keen Undöt mihr moken ! « Da gab sie es auf . * * * Sie nahmen die Segel herunter und setzten sich zum Abendbrot nieder . Gebratene Schollen gab es , das beste von der See . Störtebeker stimmte eine Art Lobgesang an und aß wie ein Scheunendrescher . Als sie noch um die Pfanne saßen , kamen bereits die ersten Reisenkäufer , Fischhändler , deren Gewerb es war , den Fischern die ganze Reise abzukaufen und die Schollen aus dem Bünn zu verhökern . Sie boten einen guten runden Preis , aber Klaus Mewes vergab die Reise nicht , denn es waren erst drei Ewer an der Brücke , und er konnte auf einen guten Markt hoffen : auch war er von der Weser gewohnt , seine Schollen selbst zu verhandeln . Die Händler drängten . » Dor komt hüt Nacht noch mehr , Käppen Mewes ! « » Lot jüm kommen , Petersen , wi wöt all leben « , lachte Klaus Mewes . » Dat Woter is slecht , di bliewt de Fisch bit morgen all dot , Mewes ! « » Lot jüm blieben , Meier , wi möt all starben « , bemerkte er trocken . Da war nichts zu machen : er ließ sich nicht einmal nach Eierkohrs einladen , sondern sagte , wenn er durstig wäre , könne er sich noch selbst einen kaufen . Und er sog ruhig an den Gräten . Der Ewer dümpelte auf und ab , hin und her , als wenn er in der Helgoländer Dünungklüse , denn das Wasser wurde durch die vielen Dampfer in beständiger Bewegung gehalten . Gesa wurde düsig . Sie ging an Deck . » Du büst seekrank , Mudder , weeß , wat dat is ? « rief Störtebeker hinter ihr her . » Paß man up , di geiht dat nix beter « , steckte Kap Horn es ihm , aber er lachte sicher und sagte : » Nix zu machen , Herr , ik bün seefast ! « » Wie spreekt uns to Sommer bi Hilchland wedder « , warf Hein Mück dazwischen , aber Störtebeker erwehrte sich auch dieses Angreifers , indem er spottend rief : » Wees du doch man ganz still , Hein , du hest jo för dot inne Koi legen , ast weihn worden is ! « Sein Vater zog sich um und machte sich landfein . Dann ging er mit Gesa die Brücke hinan : sie wollten nach St. Pauli hinauf und mal in den Tingeltangel gucken , sagte er , und sie ging gern mit , weil sie das ewige Dümpeln des Fahrzeuges nicht mehr aushalten konnte . Störtebeker mußte an Bord bleiben , was er auch gern tat , denn aus solcher Musiktüdelei machte er sich nichts , er blieb am Deich nicht einmal bei den Nudelkastenmännern stehen . Zudem gab es Arbeit . Knecht und Junge gingen dabei und ketscherten den Bünn durch . Alle toten Schollen und die schon fleckig gewordenen wurden herausgesucht . Störtebeker mußte sie vorn aufs Deck legen , damit sie sich besser hielten . Als das Deck voll war , breiteten sie den großen Klüver darüber , damit ihnen nichts gestohlen werden sollte . Hein Mück fand auf den andern Ewern gute Gesellschaft und warf sich zum Wohltäter auf , weil er so lange auf der Weser gewesen war und einen schönen Schilling in der Knipptasche hatte . Sie petteten sich nach der Hafenstraße hinauf und genehmigten bei Martin Barghusen , dem Schlafbaas , einige deftige Eisbrecher . Kap Horn aber saß mit Störtebeker auf der Kapp und wies ihm die Rahen der großen Segelschiffe , die bei Blohm und Voß dockten , und nannte alle Segel und Taue mit Namen , er erzählte ihm von der großen Fahrt und von dem schweren Wetter bei Kap Horn . Der Junge hörte nipp zu , wie er dem todkranken Matrosen zugehört hatte . Wenn der Knecht aber an gefährlichen Stellen beiläufig hinzufügte : » Dor harrst doch bang bi worden , nich , Störtebeker ? « , dann sagte der Junge jedesmal ernsthaft : » Ne , bang harrk ne worden ! « So saßen sie in der Dämmerung und sahen die Lichter auf dem Wasser schießen . Dem alten Janmaaten kam der kleine Junge in den Sinn , den sie auf der dänischen Bark an Bord gehabt hatten und mit dem er sich auch viel abgegeben hatte , mehr beinahe , als seinem Vater , dem Kapitän , lieb gewesen war , denn der Junge war mehr vor dem Mast gewesen als auf dem Achterdeck . Den kleinen Janmaaten hatten sie ihn geheißen . Das war ein stiller Junge gewesen , dieser Störtebeker war ein wilder Ungestüm : jener war auf der Höhe von Rio gestorben und nach Seemannsbrauch bestattet worden , - er selbst hatte ihn in Segeltuch eingenäht - : dieser lebte und drängte mit allen Kräften nach der See , als wenn er an Land nicht lebenkönne . Als es ganz dunkel geworden war , ging er mit dem Jungen in die Kajüte und nahm ihn mit in seine Koje . Und bei dem Wiegen des Ewers und dem Glucken des Wassers schliefen beide bald ein , der alte Janmaat und der seesüchtige Junge . * * * Am andern Morgen war ein großes Trampeln und Scharren über Störtebeker , als er erwachte . Kein Mensch war mehr unten , - er hatte richtig die Zeit verschlafen . Schnell zog er sich an und sauste an Deck . Du liebe Zeit , was war da für ein Leben ! Als wenn es Karkmeß wäre ! Das ganze Deck stand voll von fremden Leuten , was für ein Gedrängeauch doch was für ein Lärm ! Fischfrauen , Kökschen , Bürgerinnen , Arbeitsleute , Kinder mit Netzen und Körben , mit Handtaschen und Beuteln standen um den Bünn herum , fragten nach dem Preis , handelten und kauften schließlich . Der Knecht und der Junge standen im Raum vor dem Bünn und ketscherten die Schollen heraus . Klaus Mewes aber ragte wie ein Leuchtturm aus der Menschenbrandung , reichte die leeren Körbe hinunter , langte die vollen herauf und strich das Geld ein : eine Mark für sechzehn Schollen . Er war in bester Stimmung , denn der Handel ging flott , obgleich in der Nacht noch sechs Ewer dazugekommen waren : Hamburg war schollenhungrig . » Goh man mol mit den Jungen no de Reeperbohn rup un bekiekt jo de Lodens man mol « , sagte er zu Gesa , die beim Kompaßhäuschen stand und mit fremden Augen die vielen Stadtmenschen guckte , verwundert über ihn , der damit umzuspringen wußte , als sei er als Handelsmann geboren . Sie schüttelte aber den Kopf und blieb , wo sie war . Und Störtebeker ? Ja , wo war Störtebeker ? War er schon allein nach der Reeperbahn gelaufen , um sich den Kasper anzusehen ? Nein ! Er stand mit aufgekrempelten Armen zwischen Kap Horn und Hein Mück und hielt die Beutel und Netze auf , damit sie die Schollen besser hineintun konnten , er warf die toten Fische beiseite und reichte die vollen Netze seinem Vater hinauf . » För twee Mark , Vadder ! « ... » Förn Mark ! « ... » Fö föftein Groschen , Vadder ! « ... So rief er dabei mit einer Stimme , aus der deutlich herauszuhören war : nun paß auf , daß alle bezahlen ! » Süßtein förn Mark ! Süßtein grote Schull ' n ! All springenlebennig ! Süßtein förn Mark ! « rief Klaus Mewes oben und » Süßtein förn Mark ! Süßtein grote Schull ' n ! All springenlebennig ! Süßtein förn Mark ! « echote Störtebeker unten . Klaus Mewes brauchte es wahrlich nicht wie die andern Ewer zu machen und sich einen Fischmarktlöwen als Ausrufer anzunehmen . Mitunter bekam der Junge auch Streit mit den Kökschen ... » Leben dot de all ! Dor sünd keen dode twüschen ! ... Luter grote gift ne , dat geiht vörre Hand weg ! ... Ne , dat sünd süßtein , ik hebb mi ne vertillt ! ... « An Kaffeetrinken dachte er nicht , er mußte ja helfen . » De sünd jo