der Schuller Gelegenheit gehabt , einen dankbaren Schuldner zu finden . Aber es fehlte ihm der rechte Blick für den Vorteil ; er sagte zum Geitner , bloß Narren borgen einem Spieler , und es sei zweimal eine Schande für einen verheirateten Mann , wenn er mit ledigen Burschen und Knechten auf der Kegelbahn herumstehe . Der Geitner ließ als ein nobler Mensch keinen Verdruß über die Abweisung sehen ; aber sie wurmte ihn , und er faßte einen Groll gegen einen Mann , der ihm kein Geld , aber gute Lehren mit heimgeben wollte . Er gab es wohl nicht zu erkennen und blieb angenehm nach wie vor . Denn er mochte das laute Wesen und Zank und Streit nicht leiden . Im stillen aber rüstete er zum Kampfe , und bei der Wahl erwies er sich als nützliches Werkzeug der Kirche . Und er verweigerte seine Dienste auch jetzt nicht , als ihm Baustätter den neuen Auftrag erteilte . Wenige Tage gingen seltsame Reden über den Schuller um . Niemand wußte so recht , was und wie , und niemand wußte , woher . Aber die Ungewißheit machte das Gerücht nicht kleiner ; es wuchs von einer Türe zur andern , und die letzte Nachbarin bekam es grausamer aufgetischt als die vorletzte . Eines wiederholte sich immer : daß es der alte Pfarrer schriftlich gemacht habe , wie schlecht der Schuller sei . Das Gerede blieb nicht unter den Weibern . Die Männer , denen es mit der Suppe auf den Tisch gestellt und des Abends aufgewärmt wurde , konnten es nicht beiseite schieben . Der Schuller selbst blieb kalt und sagte , daß er nicht den Finger rühre gegen die dummen Lügen . Er ließ sich auch durch den Haberlschneider nicht irre machen . » Wen soll i denn verklagen ? « fragte er . » Vielleicht de alt ' n Weiber von Erlbach ? « » Ganz guat sei lassen , dös sell ko ' st aa net . « » Warum it ? Dös woaß do a jeder , daß i mein ' Vater net mißhandelt hab ' . Na , über dös G ' red ärger ' i mi gar net , weil ' s z ' dumm is ! « » I hab ' heut mit ' n Blasibauern g ' redt . Er sagt dös nämliche , wia ' n i. Dös is an abg ' machter Handel . « » An alter Weibertratsch is ' , sinscht nix . « » Mir kimmt ' s it so vor . Wann ' s bloß a Tratscherei waar , nacha hätt ' n mir scho länger was g ' hört . « » Dös kon aa scho länger umgeh ' . « » Na ; mei Bäurin sagt , dös is aufganga wia Pulver . Früher hat ma koa Silben net g ' hört davo ' . « » Was moanst nacha du ? « » I gang schnurg ' rad in Pfarrhof und fraget , was dös is mit dem Schreiben von Herrn Held . « » Dös woaß i z ' erscht , daß dös nix is . « - » I fraget do . « » I geh ' nimmer in Pfarrhof , Haberlschneider . Und überhaupts , wann i jetzt auf oamal kam , nacha kunnt ' s der Pfarrer so außabringa , als wenn i a schlecht ' s G ' wissen hätt ' . « Der Haberlschneider wollte nichts mehr dawider sagen und ging . Das war an einem Samstag . Schon den Tag darauf hatte die Sache ein anderes Gesicht . Der Paulimann ging nach der Kirche ins Wirtshaus und trank sich einen Rausch an . Er war sonst ein stiller , wortkarger Mensch und fleißig bei der Arbeit . Aber wenn er ein Glas über den Durst getrunken hatte , wurde er lebendig . Er fing dann mit jedem Gaste Streit an und rückte allen Leuten ihre Sünden vor . Obwohl er ein angesehener Bauer war , geschah es ihm oft , daß er Schläge bekam und hinausgeworfen wurde . An dem Sonntag hatte er schon drei oder vier Leuten die Freude am Essen und Trinken genommen und wollte gerade über einen fünften herfallen , als er den Schuhwölfl sah , einen Schwager vom Schuller . Er saß am Nebentisch beim Haberlschneider . Wie ihn der Paulimann sah , schrie er hinüber , ob er ihm das vierte Gebot Gottes nicht sagen könne . Er bitte gar schön , daß er ihm das vierte Gebot hersage ; er könne sich nicht mehr darauf besinnen . Als der Schuhwölfl keine Antwort gab , fragte er , ob es nicht so heiße : » Ehre Vater und Mutter , auf daß du lange lebest auf Erden . « » Pauliman , laß guat sei ! « sagte der Haberlschneider . » Warum denn ? I sag ' ja nix Unrecht ' s. I möcht ' grad ' wissen , ob ' s dös vierte Gebot no gibt . « » An Ruah gib ! « » Ehre Vater und Mutter . I glaab , so hamm ' s mir g ' lernt , aber bei ' n Schuller hoaßt ' s anders . « » Du brauchst wieder amal Schläg ' , gel ' , Paulimann ? « schrie der Schuhwölfl . » Na , jetzt no net . I wart , bis mei Bua groß gnua is , daß er mi schlag ' n ko . « Der Schuhwölfl sprang auf . » Bischt du der Tropf , der ganz ausg ' schamte , der de Lug ausg ' sprengt hat ? « » I sag ' bloß , was d ' Leut ' sag ' n. « » Und beweisen muaßt as du ! « » Geh zu dein ' Nachbar , « schrie der Paulimann , » der Hierangl hat ' s schriftli g ' sehg ' n. « » So , is der aa dabei ? Dös is g ' scheidt , daß du dös sagst . Jetzt derwisch ' n mir enk amal , du ... du ganz schlechter ! « » Net so schlecht als wia ' r ös ! Bei uns is dös net der Brauch , daß ma sein Vater ' n haut . « » Woaßt du dös ? « » Jo , woaß i ' s. « » Nacha kennst du dös aa ? « schrie der Schuhwölfl und schlug dem Paulimann ins Gesicht . Der sprang in die Höhe und hieb mit der Faust zurück . Es wäre dem Paulimann wieder einmal schlecht gegangen , denn der Schuhwölfl war ein starker Mensch und nüchtern . Aber da mischte sich ein anderer ein und half ihm . Und der war noch dazu der beste Freund vom Schuller . Der Haberlschneider zog den Schuhwölfl zurück und sagte ruhig : » Mit Schlagen werd die Sach ' it besser . De werd wo anders ausg ' macht . « Der Schuhwölfl ließ ab und setzte sich wieder auf seinen Platz . Aber der Paulimann glaubte , daß er einen hilfreichen Freund gefunden habe , und schöpfte neuen Mut . Er schlug mit der Faust auf den Tisch und schrie , so laut er konnte : » Und dös vierte Gebot , dös laß i amal net aus . Da ko kemma , wer mag , dös is mir ganz gleich . Dös vierte Gebot Gottes , dös muaß her ! Ehre Vater und Mutter , daß du lange lebest auf Erden ! « Der Schuller ließ zwei Tage später den Paulimann und den Hierangl vorladen . Beim Wirt im Nebenzimmer war der Sühneversuch ; der frühere Bürgermeister Kloiber , welcher jetzt zum Beigeordneten gewählt war , leitete ihn , und der Lehrer Stegmüller führte das Protokoll . Die Parteien waren anwesend . Der Schuller stand hart neben dem Tische , auf dem Stegmüller schrieb . Er zeigte keine Aufregung und keinen Zorn . Auch der Hierangl machte ein gleichgültiges Gesicht . Man hätte meinen können , daß er bloß zufällig da sei , und daß ihn die amtliche Handlung nichts anginge . Aber der Pauliman war unruhig . Seit er nüchtern war , reute ihn die Geschichte . Eine solche Dummheit , wie das war ! Allemal nahm er sich vor , keinen Rausch mehr zu kriegen , und allemal kam er wieder zu einem . Und jetzt eine solche Verlegenheit ! Sonst kriegte er bloß Schläge im Wirtshaus , und seinen Landler von der Bäuerin ; hernach war es wieder gut . Aber diesmal ging es anders : er war mitten hineingekommen in einen Streit , der ihm schon vom Anschauen zuwider war , und mit dem er durchaus gar nichts zu tun hatte . Er mußte die Suppe auslöffeln , die andere eingebrockt hatten ; er sollte jetzt auf das Gericht gehen . Lieber wären hundert Mark hin gewesen , oder noch mehr . Er kraute sich in den Haaren und schob unruhig einmal den rechten und einmal den linken Fuß vor . » Also , « sagte der Kloiber , » ös wißt ' s ja , warum mir da z ' sammkemma san . Der Bürgermoasta will enk zwoa weg ' n Ehrenbeleidigung verklagen , und , also , indem ' s ös in der nämlichen Gemeinde seid ' s , is also dös G ' setz a so , daß z ' erscht a Sühneversuch sei muaß . Dös ist richtig , Herr Lehrer , net wahr ? « » Ja , das ist die g ' setzliche Vorschrift . « » Also , und da muaß i enk frag ' n , an Bürgermoasta aa , ob ' s enk it vergleicha wollt ' s und de Sach ' guat sei lassen ? « » I nimm all ' s z ' ruck , « sagte der Paulimann , » i will koan Streit gar it . « » Is g ' scheiter aa . Waar ja do z ' wider , wann a solchene Feindschaft ins Dorf kam . Was sagst denn du , Bürgermoasta ? « Der Schuller legte die Hände auf den Rücken und sagte ruhig : » Dös woaß a jeder , daß i net glei da bin mit ' n G ' richt . Aba dös helft mir gar nix , wann da Paulimann sagt , er nimmt ' s z ' ruck . Es muaß öffentlich erklärt wer ' n , daß de G ' schicht verlogen is , und dös muaß aa g ' sagt wer ' n , woher dös G ' red kimmt . Nacha will i gar nix vom Paulimann und halt ' mi an den , der a solchene Verleumdung auf d ' Welt bringt . « » I hab ' halt an Rausch g ' habt , « sagte der Paulimann , » da red ' t ma dumm daher . I hab ' durchaus gar nix geg ' n Schuller , und i sag ' s öffentli , daß er a richtiger Mann is . « » Was is denn nacha mit dir , Hierangl ? « fragte Kloiber . » Mit mir ? « » Ja ; was du sagst , ob du net aa an Erklärung macha willst ? « » Was geht denn mi de ganz ' G ' schicht o ? « » Du bist halt jetzt amal vorg ' laden vom Schuller und muaßt di nach ' n G ' setz erklär ' n. « » Hab ' i was g ' sagt ? Was geht denn dös mi o , wenn da Paulimann im Wirtshaus auf draht ? Hab ' i was g ' sagt ? « » Jetzt woaßt , gar so unschuldi muaßt di net hi ' stellen ! « schrie der Paulimann , » balst du zu mir nix g ' sagt hätt ' st , nacha hätt ' i de Dummheit net daher bracht im Rausch ! « » Wo hab ' i was g ' sagt zu dir ? « » Mögst du dös laugna ? Bei dir dahoam , in deiner Stuben hast as g ' sagt . Jetzt mögst di außischwindeln , gel ? « » Du werst dir ' s überlegen , ob du dös behaupten ko ' st , daß i schwindel . Sinscht verklag ' i di aa . « » Vo mir aus , nacha weis ' i auf , daß du dös g ' sagt hast . « » I hab ' zu dir gar nix g ' sagt . Du bischt zu mir kemma und hast g ' sagt , daß der Kloaweber zu dir g ' sagt hat , daß der Schuller sein Vater ' n a so mißhandelt hätt ' . « » Und nacha hast du g ' sagt ... « » Nix is . Nacha hast du mi g ' fragt , ob dös wahr is . Und i hab ' g ' sagt , i woaß bloß , daß der Herr Pfarrer den Zettel hat , wo dös drauf steht . « Der Schuller war nicht aus seiner Ruhe gekommen und hatte den beiden zugehört . Bei den letzten Worten des Hierangl stieg ihm die Röte in das Gesicht , und er tat einen Schritt vor . » Was steht auf dem Zettel ? « fragte er . Der Hierangl schaute an ihm vorbei und sagte kurzab : » Mit dir red ' i net . « » Du werst scho no reden müassen , du Tropf , du scheinheiliger ! « » Halt ! « sagte der Kloiber , » macht ' s net wieder aufs neu ' a Beleidigung her ! Dös hat koan Wert it ! « » Laß ' n reden ! « schrie der Hierangl , » dös rührt mi gar it o , was der sagt . « Jetzt kam der Schuller in Zorn . » Dös sell wer ' n mir sehg ' n , « sagte er , » ob di gar nix o ' rührt . In ganz Erlbach derf koa Mensch no an Achtung hamm vor an solchen Ehrabschneider ! « » So ? Moanst ? So ? Vo dir derf koa Hund mehr an Brocken o ' nehma . Hast as g ' hört ? « » Nimm di z ' samm , Hierangl ! « » Na , grad ' net . Jetzt behaupt ' i ' s no mal , was i zu ' n Paulimann g ' sagt hab ' . Der Pfarra hat mir dös Schreiben zoagt vom Herrn Held . Der hat ' s aufg ' schrieben , was du für oana bischt . Jeder Christ muaß dir aus ' n Weg geh ! Dir ! « » Halt , jetzt is g ' nua ! « schrie der Schuller . » No lang it . Dein Vater ' n hast g ' schlag ' n , daß er im Pfarrhof um Hilf ' hat bitten müassen ! « » Sauhund , hab ' i di ! Du und der Pfarra ! « Der Schuller faßte den Hierangl an der Gurgl . Alle Besonnenheit war weg . » Der Pfarra und du ! Habt ' s dös g ' funden , was an Menschen schlecht macht ? « Der Hierangl stemmte sich dagegen . Seine Stimme gellte , daß man sie über die Straße hinüber hörte . » Auslassen ! Du ! Dir geht ' s schlecht ! « Stegmüller sprang auf , der Kloiber und der Paulimann hingen sich an den Schuller . Aber der hatte eiserne Finger und hielt fest . Und der Hierangl kreischte wieder : » So hast as dein Vater ' n g ' macht , gel ? Dein alten Vater ' n ? « Der Schuller ließ aus . Noch einmal der Schimpf ! Nein , damit machte er ihn nicht gut , daß er sich an dem heimtückischen Lügner vergriff . » Geh zua , Lump ! « Er sagte es wieder ruhig . Eine rechte Verachtung kam über ihn , als er die Verleumdung noch einmal hörte . Wie sich der Hierangl frei fühlte , ging er an die Türe . Er richtete seinen Kragen und die Halsbinde . » I nimm enk allsamt als Zeug ' n , « sagte er , » dös werd si aufweisen , ob der da d ' Leut ' schlag ' n derf . « Er ging , und die anderen hörten ihn noch in der Gaststube und im Hausgange schimpfen . » Schuller , dös hätt ' st it toa soll ' n , « sagte der Kloiber . » Soll i mir all ' s g ' fallen lassen ? « » Durch de Rauferei bist selm strafmaßig , wenn er die o ' zoagt . « » Soll i mi hi ' steh und mi g ' rad schlecht macha lassen ? « » I hab ' ' s Recht it , daß i dir was ei ' red ' ; dös muaßt selm ausmacha . « » Kloiber , du muaßt ma ' r an G ' fallen toa . « » Was nacha ? « » I geh ' zum Pfarrer ' nauf , und du muaßt mir an Zeug ' n macha . « » I tua ' s it gern , Schuller . « » Warum ? I hab ' g ' moant , du bischt it bei dena , de si aufhetzen lassen . « » I lass ' mi net aufhetzen ; i hab ' nix gegen di , und i hab ' nix geg ' n an Pfarra . « » G ' rad desweg ' n möcht ' i , daß d ' mitgehst . Du muaßt it moana , daß du Partei nehma sollt ' st . « » I hätt ' am liabern mit dera Sach ' nix z ' toa . Dös is z ' wider für an jed ' n , der si d ' rei mischt . « » I ko it alloa ' naufgeh ' . I muaß an Pfarra frag ' n , was dös is mit dem Zettel , und da brauch ' i an Zeug ' n. Den G ' fallen tat i an jed ' n , und bal ' s mei Feind waar . « » I sag ' dir ' s , wia ' s is . Schuller . I bin it dei Feind . « » I tat di net plag ' n und gang zum Haberlschneider . Aba es muaß oana sei , der dös jetzt g ' hört hat vom Hierangl . « » I geh ' mit , bal ' s dir recht is , « fiel der Paulimann ein . » Aba du muaßt de Klag geg ' n mi guat sei lassen . « » Dös hat a so koan Wert nimmer . Vo dir will i nix ; jetzt muaß i allawei geg ' n an Hierangl streiten . « » Nacha bleib ' i bei mein Wort sieh ' . Wann willst aufi zu ' n Pfarra ? « » Jetzt glei . I wart ' koa Minuten nimma , bis i dös woaß . « Der Kloiber nahm seinen Hut . » Mir san nacha firti mit dem Sühneversuch , Herr Lehrer ? « » Ja . « » Werd dös it g ' schrieb ' n , daß der Schuller nimmer klagt geg ' n mi ? « fragte der Paulimann . » Ich kann es schon schreiben , « antwortete Stegmüller . » Also der Bürgermeister und der Paulimann haben sich verglichen . Mit dem Hierangl war der Sühneversuch erfolglos . « Der Kloiber unterschrieb . Dann sagte er : » Du muaßt mi net falsch vasteh ' , Schuller . I hab ' mi net g ' weigert , weil i was hab ' geg ' n di . Durchaus gar it . « » I woaß scho . Pfüat di Good ! « Der Schuller ging geraden Weges in den Pfarrhof , und der Paulimann hatte Mühe , mit ihm Schritt zu halten . Diese Eile war ihm nicht lieb ; denn je näher sie an das Ziel kamen , desto stärker regte sich in ihm der Zweifel , ob seine Bereitwilligkeit nicht eine neue Dummheit gewesen sei . Der hochwürdige Herr war leicht beleidigt und meinte immer , daß man es an der nötigen Achtung fehlen lasse . Er merkte sich alles und zahlte es heim . Deswegen war der Kloiber der Gescheitere gewesen , wenn er dachte , was ihn nicht brenne , das blase er nicht . » Moanst it , daß mir erscht im Na ' mittag aufi geh ' soll ' n ? Wer woaß , ob ' s d ' ' n jetzt triffst . « » Na ; er is g ' wiß dahoam . « Sie kamen an den Gartenzaun . Da blieb der Paulimann stehen und sagte : » Du muaßt mir vasprechen , daß d ' it streit ' st mit ' n Herr Pfarra . Sinscht geh ' n i net mit . « » I hab ' bloß a Frag ' , und mehra net . « » Aba balst wieder zorni werst , nacha bleib ' i net . « » I wer net zorni . « Der Schuller zog an der Glocke . Da überlegte der Paulimann noch einmal , ob er nicht umkehren solle . Aber er hatte keine Zeit mehr für seine Zweifel ; die Türe öffnete sich vor ihnen , und sie traten ein . Heute schritt der Schuller nicht so laut über die Steinfliesen , wie selbigesmal , als er für sein Heidenkind ein ehrliches Grab wollte . Und die Englein flüchteten nicht durch die Fenster . Sie sahen auf ihren Feind herunter und lächelten schadenfroh . Denn sie halten es mit Pfarrer und Kirche , wie es ihrer Stellung angemessen ist . Andreas Vöst konnte sie und ihre Freude nicht sehen ; aber er fühlte , daß durch alle Ritzen und Schlüssellöcher boshafte Blicke sich auf ihn richteten , und es war ihm sonderbar zumute . Es atmetete sich schwer da herin in dem hochgewölbten Gange . Nun waren sie oben ; er machte den Finger krumm , um anzuklopfen . » Daß d ' fei it streit ' st , « flüsterte der Paulimann . Der Schuller gab keine Antwort und klopfte . Scharf und knapp tönte das » Herein ! « Baustätter hatte die zwei schon gesehen , als sie sich dem Garten näherten . Es leuchtete ihm sofort ein , daß heute die Sprache der Liebe nicht wohl angebracht sei . Er blätterte in einem Gebetbuche , indem er der Türe den Rücken zukehrte . In dieser Stellung blieb er , als die beiden eintraten . » Gut ' Morg ' n , Herr Pfarra ! « sagte der Schuller . Der Pauliman schwieg ; er wollte sich nicht gleich bemerkbar machen . Baustätter wandte sich um und sah den neuen Bürgermeister abweisend an . » Was wollt Ihr ? « fragte er kurz . » I kimm mit a Frag ' . « » So ? Und Sie , Paulimann ? « » I ? I will gar nix . Ich bin a so mitganga , weil a ... « » I hon an Paulimann auf dös ersuacht , daß er mitgeht , weil mir g ' rad mit ' n Hierangl was g ' habt hamm . « » Da Kloiber hätt ' z ' erscht mitgeh ' soll ' n , aba er hat it mög ' n und nacha ... « » Und dann sind Sie für ihn eingesprungen ? « Der Paulimann merkte , daß er hier keinen Anklang fand . » Bal i an Herrn Pfarra stör ' , nacha geh ' n i , « sagte er , » i muaß it dabei sei . « » Bleiben Sie nur ; jetzt sind Sie schon einmal da . Also was wollen Sie mich fragen , Vöst ? « » Da Paulimann hat vorgestern im Wirtshaus behaupt ' , daß i mein Vatern a so g ' haut hätt ' . « » Ja , und ... « » Und dös G ' red werd überhaupts im Dorf umanandatrag ' n. Und da hab ' i an Paulimann vorladen lassen , daß er b ' steht , wo er de Behauptung her hat . Und an Hierangl hab ' i aa vorg ' laden . « Jetzt fiel der Paulimann ein : » Weil da Hierangl g ' sagt hat , indem daß er dös g ' wiß woaß ... « » Lassen Sie den Vöst reden ! « Der Schuller ärgerte sich über seine Befangenheit . Er war gekommen , um in ein Lügennetz zu greifen . Sollte er auch so ängstlich dastehen wie der Paulimann ? Und er redete frischweg . » I hab ' an Hierangl vorladen lassen , weil der Paulimann g ' sagt hat , daß er dahinter steckt . Und i hab ' s aa net anderst glaabt , als daß von der Seiten de ausg ' schamte Lug kimmt . « » Die ausgeschämte Lüge ? « » Ja , daß i mein Vater mißhandelt hab ' . « » Das heißen Sie ... ? « » A schlechte Lug , Herr Pfarra . « Baustätter trat zurück . Der Mann sah ihm so schnurgerade in die Augen ; Wort und Blick waren drohend . » Was soll ich dabei ? « fragte er . » Was Sie damit z ' toa hamm , Herr Pfarra ? Der Hierangl hat behaupt ' , daß der Herr Held selig dös auf an Zettel aufg ' schrieben hätt ' , und den Zettel hätten Sie an Hierangl zoagt . « » Da hat er nicht gelogen . « » Was ? Dös is ja ... « » Vöst , ich lasse mich nicht auf einen Streit mit Ihnen ein . « » Du hascht g ' sagt , daß d ' it streitst , sinscht waar i net mitganga , « sagte der Paulimann . » Sei du staad ! Du brauchst koan Angst it hamm . « Der Schuller zwang sich zur Ruhe . » Herr Pfarra , streit ' n kann i über dös net , was verlogen is . « » Wollen Sie meinen Vorgänger im Grabe beschimpfen ? Das sieht Ihnen gleich . « » Na , so drah ' n mir die Sach ' net um . I hab ' sei Lebtag koa Schlechtigkeit g ' sehg ' n von Herrn Held , und i glaub ' koane von eahm , weil er tot is . « » Das ist sehr gnädig von Ihnen . Ich bin allerdings auch überzeugt , daß der Verstorbene die Wahrheit niedergeschrieben hat . « » Dös hat er net g ' schrieben . Dös is it wahr ! « » Wollen Sie mich Lügen strafen ? Hier in diesem Schreibtisch ist die Bestätigung . « » Derf i ' s sehg ' n ? « » Nein ; wenigstens hier nicht . « Schuller krampfte die Fäuste um den Rand seines Hutes . Aber die Stimme erhob er nicht ; sie klang ruhig . » Herr Pfarra , dös kann i net glaub ' n , daß Sie mir den Zettel it zoag ' n wollen . Wenn ' s der Hierangl hat lesen derfen , den wo ' s do gar nix o ' geht , nacha muaß i ' s do aa z ' sehg ' n kriag ' n. I bin do der erst ' dazua . « » Das ist meine Sache . « » Na ! Dös is de mei ! « » Was fällt Ihnen ein ? Ich habe Ihnen keine Rechenschaft zu geben . Verklagen Sie mich , wenn Sie wollen ! « » Herr Pfarra ... « » Ich habe jetzt genug . Sie werden es schon erfahren , wie Sie mein Vorgänger geschildert hat . Aber nicht von mir , sondern vom Bezirksamt ! « » Ja so ! Auf dös is abg ' sehg ' n ! Is net anderst ganga , nacha muaß der Schwindel gegen mi helfen ! « » Sie meinen , ich lass ' mich in meinem eigenen Haus beleidigen ... « » O na , Herr Pfarra , den G ' fallen tua i Eahna net . I gib Eahna ganz recht , daß Sie de Schreiberei koan ehrlichen Menschen net aufweisen . Des is für d ' Spitzbuam g ' macht und geht bloß de Spitzbuam was o. I bin jetzt firti , Paulimann . « Der Schuller drehte sich um und ging . Und so deutlich klang die ungeheuchelte Verachtung aus seinen Worten , daß es seinem Feinde erging wie jenem Taubstummen in der Gegend der zehn Städte : Zu dem sprach der Herr : Epheta , das ist , öffne dich ! Und allsogleich wurden seine Ohren eröffnet . So hörte auch Baustätter einen Augenblick die Sprache der Ehrlichkeit und wurde betroffen . Aber nur einen Augenblick . Denn wie er den Paulimann in Schrecken und Verlegenheit erblickte , wurde seine Seele wiederum stark . Und er sagte vorwurfsvoll : » Also auch Sie , Paulimann ? « » I bin g ' rad ... « » Sie sind hierher gekommen , um Zeuge zu sein , wie man Ihren Seelsorger beschimpft . « » G ' wiß it , Herr Pfarra . Da Schuller hat ' s mir no versprechen müassen , daß er durchaus gar it streiten will . I bin g ' rad mit eahm auf a ganga , daß er fragt , ob