Austosen versäumt , und was nit rechtzeit kommt , das kommt nachträglich nur ärger ! Hitzt werdn s ' bei dö Faschingstreitigkeiten ' s Zruckverhaltene einbringen wolln und dabei doppelt hausen ; und wann s ' drüber mein ganz Anwesen verwüsten , so is mir dös a schöner Nutzen ! « Schlimme Ahnungen haben vor guten die wenig empfehlende Eigenheit voraus , daß sie selten trügen . Ein Gewitter braut wohl länger in der Luft , als einer denkt , der die Wolken rasch am Himmel heranziehen sieht . Wer weiß zu sagen , von welch entfernten Mooren , Weihern , Seen und Flußstrecken es seine Kräfte an sich gesogen und mählich zurechtgemacht ? Man spricht zwar oft bei noch klarem Himmel davon , daß ein Wetter kommen werde , man hat auf Vögel , Spinnen und Pflanzen achten gelernt , aber wenn es da ist , mit seinen rollenden Donnern und flammenden Blitzen , dann wirkt es doch , trotz aller Vorhersage , wie ein Unvorhergesehenes . Es mag ungereimt klingen , aber nur zu oft hat sich , was in dieser Welt wie urplötzlich hereinbrach , langer Hand vorbereitet . Das gilt von blutigen Völkerschlachten wie von weniger erschütternden Wirtshauskeilereien . - - Der Toni vom Sternsteinhof fühlte sich durch sein Verhältnis zu Helenen immer mehr bedrückt und gedemütigt , nicht weil es ein heimliches war , hätte ein solches , allein zwischen ihm und der Dirne , bestanden , er würde sich ' s gerne eine gute Weile über gefallen lassen haben ; aber daß sie jeden Verkehr mit ihm im Umgange mit einem andern ableugnen und diesen durch freundliches Bezeigen bei gutem Glauben erhalten sollte , das schien ihm je länger , je schwerer zu verwinden . Zwar lachte man in der Zinshoferschen Hütte über den Eifer , mit welchem die Kleebinderin darauf drang , daß noch diesen Fasching alles richtig werde , als ob die Alte an ihres Sohnes Statt das Mädchen heiraten wollte , und man war um den Grund nicht verlegen , der einen Aufschub forderte und rechtfertigte , man brauchte nur das geringe Alter Helenens vorzuschützen , diese war ja wirklich erst siebzehn vorbei ; aber das war schließlich doch nur aufgeschoben und nicht aufgehoben , und die Beziehungen des Herrgottlmachers zu der Dirne blieben nach wie vor dieselben . Toni drang immer ungestümer darauf , daß Helene , wenn sie ihm vertraue , ganz mit dem Muckerl brechen solle . Sooft das geschah , stellte sich die Dirne ganz ratlos dazu , meinte , das mache wohl schwere Ungelegenheit und erwecke den Verdacht ; zuletzt wandte sie sich jedesmal an ihre Mutter mit der Frage , was zu tun sei . Die Antwort lautete auch jedesmal , Helene möge tun , wie sie wolle , sie - die alte Zinshofer - hätte freilich darüber ihre eigenen Gedanken , und nun folgte irgendeine lehrreiche Vergleichung der beiden Bursche mit Bezug auf deren Bewerbung um die Tochter ; da war einmal der Kleebinder Muckerl der Weißfisch im Ghalter und der Toni vom Sternsteinhof der Goldfisch im fließenden Wasser , ein andermal der erste der Has im Ranzen und der zweite eben ein solcher im weiten Feld , denn in diesem Teile ihrer Rede befleißigte sich die fürsorgliche Mutter einer steten Abwechslung , da sie einen erziehlichen Zweck vor Augen hatte und daher ihr Kind nicht durch Wiederholungen ermüden wollte . Helene saß dann auch wie eingeschüchtert , und wenn sie nach einer kleinen Weile wieder aufblickte , begann sie leise den Burschen zu fragen , ob er denn noch keine Gelegenheit gefunden habe , mit seinem Vater zu reden , wann sich wohl eine dazu schicken werde und ob er sich wohl schon beiläufig ausgedacht habe , wie er die Sache vorbringen möchte ? Darauf wischte der Bursche mit dem Ärmel über die Stirne und entgegnete ebenso leise : Gelegenheit habe er wohl noch keine gefunden , wisse auch nicht zu sagen , wann sich eine solche schicken werde , hätt sich auch nicht ausgedacht , wie er die Sache angehen wolle , da er ja nicht wissen könne , was der Vater reden würde ; ' s müsse da eben ein Wort das andere geben ! » Siehst « , schmollte dann die Dirne , » du förderst für dein Teil gar nichts , denkst nit mal drauf , und von mir verlangst nicht nur , daß ich für das Meine aufkomm , sondern sogar darüber tu . Ich sollt ' n Kleebinder Muckerl aufgeben und dürft mich , gäb ' s drüber unter ' n Leuten ein Gemunkel , doch nit gleich frei zu dir bekennen ! Gelt , nein ? Und wenn ich zu dir sagen möcht : Mach du jetzt vor allen Leuten mich ihm streitig ! du getrauest dich ' s auch nit . Gwiß nit ! Solltst also wohl ein Einsehn habn . « Da heuchelte er ein solches , weil er sich nicht anders zu helfen wußte . Wenn der Toni zugegen war , saß die alte Zinshofer an dem Tische vor dem Lichte , so daß ihr breiter Schatten die Stube verdunkelte und einer , der etwa zufällig zum Fenster hereinsah , nichts zu unterscheiden vermochte . Beide Türen waren versperrt ; sollte jemand an die vordere pochen , so konnte der Bursche zur rückwärtigen hinausschlüpfen , wurde es an dieser laut , so stand ihm die nach der Straße offen ; wenn er so , Hand in Hand mit der Dirne , auf der großen Gewandtruhe in der Ecke saß und ihm der Gedanke kam , daß er einmal vor dem Herrgottlmacher , der Einlaß verlange , flüchten müßte und die Hand , die er eben , Finger zwischen Finger , mit der seinen umspannte , der des Schluckers das gleiche Spiel nicht sollte wehren können , da war ihm , als ginge der alte Kasten unter ihm an und senge ihm Kleider und Glieder . Unleidlich wurde es ihm mehr und mehr in der Hütte , aber unleidlicher schien es ihm , fernzubleiben , und so kam er immer wieder . Der Fasching war mittlerweile ganz nahe herangerückt . In der Woche , welche dem Sonntage voraufging , an dem im Zwischenbüheler Wirtshause die Geigen zum ersten Tanz erklingen sollten , fragte der Toni die Helen , ob sie mit dem Muckerl hingehen werde . » Er hat mich dazu aufgfordert « , war die Antwort , » ich konnt nit gut ausweichen . « » Ich werd auch hinkommen « , sagte der Bursche . » Ist recht « , sagte die Dirn . » Getraust dich wohl auch paarmal mit mir herumztanzen ? « » Getrauen ? « Sie hob trotzig den Kopf . » Ich denk nit mal dran , daß ich mir damit was getrau ! So weit halt ich mich noch meins Willens Herr , daß ich tanz , mit wem und wie oft mir beliebt , ohne viel z ' fragen ! « » Ist recht « , sagte diesmal der Bursche . Sonnabend aber sagte der Sternsteinhofbauer zu Toni : » Morgen is in Schwenkdorf drüben beim Gmeindwirt ein Ball , der Käsbiermartel will , daß wir dabeisein sollen ; nun hab ich bei so was nix mehr z ' suchen . Zuschaun langweilt mich , ich bleib heim , fahr du allein hin . « » Dös is doch nit billig , Vater « , lachte der Toni , » du bleibst heim , weil d ' d ' Langweil fürchtst , und ich sollt hin , obwohl ich zun voraus weiß , daß ich mich auch nit unterhalt . « » Wär nit übel , ein jung Blut , wie du ! « » Ich bleibet auch lieber heim . « » Das geht nit an . Meinm Wegbleiben fragt niemand nach , aber deins würd mer mir verübeln , denn af dich is ' s eigentlich abgsehn ; der Käsbiermartel will , daß du mit seiner Dirn tanz ' st . ' s sollt dir a Ehr sein ! Sie sieht dich nit ungern , scheint ' s. « » Das gilt mir gleich ! Mir gfallt die gar nit . « » Aufs Gfallen oder Nitgfallen hin laß ich dir noch lang Zeit ; aber das sag ich dir frei offen , unter uns Vatern is ' s bschlossene Sach , daß s ' dir nit ausbleibt , und hast du s ' erst , wirst dich schon drein schicken . Ghört einm eine einmal unweigerlich zu , dann verunehrt mer s ' nit selber und gwinnt ihr , wohl oder übel , gute Seiten ab . « » Das erlebst niemal , daß ich dir die nimm ! « » Bub ! - Das will ich hitzt nit von dir ghört haben , denn ich hab dich nit darnach gfragt , denk auch nit dran , daß ich ' s jemal tu ! Du fahrst morgen nach Schwenkdorf h ' nüber , dabei bleibt ' s ! « Da sich der Alte bei diesen Worten erhob , so fuhr auch Toni vom Sitze empor und faßte mit der Rechten nach seines Vaters Arm . » Kein Wort weiter « , grollte der Bauer . » Sorg du , daß ich über dein Betragen kein Klag hör . Damit is ausgredt ! « Er ging aus der Stube . Der Bursche sank in den Stuhl zurück und saß lange , den Kopf auf beide Hände gestützt , plötzlich stand er auf und blickte wild nach der Türe , die sich hinter dem Abgegangenen geschlossen hatte . » Allz ' herrisch is närrisch ! « murrte er . » Bschließ du nur anderer Sach und verweiger einm d ' Einred , gut ! Aber , so wahr ich da steh , ich komm dir zuvor und setz ' s Meine ins Werk und stoß dir und deinm Käsbiermartel d ' Köpf zsamm , daß s ' euch brummen . Ich weiß , wann ich dir mit Fertigem komm , dann heißt mich wohl selber reden , und wann d ' dich dösmal ein für allemal ausgschrien hast , so findt sich alls Weitere . Ich kenn dich doch nit erst seit heut , mich aber sollst noch kennenlernen ! « Und der Gedanke , wie er das » Fertige « auch fertigbrächte , hielt den Burschen die halbe Nacht wach . Der Wirt von Zwischenbühel hatte seine Betten abgeschlagen und samt Schränken und anderem Hausrat nach dem Bodenraum schaffen lassen . Seine Wohnstube war als Schanklokal eingerichtet und das frühere , mit sauber gescheuerter Diele und Tannenreisiggehängen an den Wänden , zum Tanzsaal geworden . Alle Türen im Hause waren ausgehoben , so daß man , ohne eine Türschnalle zu drücken , aus und ein laufen konnte , ebenso die Fenster des Tanzlokals , obgleich durch selbe eine prickelnde Luft hereinstrich ; diese und die Leute werden ja nach ein paar Tänzen warm werden . Diese » Tänze « im Fasching waren sonst immer friedlich verlaufen , es geschah wohl , daß zwei aneinandergerieten und nach einiger unzarter Behandlung der Schwächere den Gescheiteren machte , der nachgab ; in solchen Fällen nahm der Wirt die Effekten des Nachgiebigen an sich , setzte ihm vor der Schwelle den Hut auf , drückte ihm die Pfeife in die Hand und munterte ihn auf , » sich nichts daraus zu machen , bald wiederzukommen , denn heut wär ' s nit wie alle Tag « . Drohten mehrere in Streit zu geraten , so legte er sich dazwischen , versöhnte , wo es anging - ein gutes Werk , das sofort seine Zinsen trug , denn die erneuerte Freundschaft wurde mit frisch gefüllten Krügen bekräftigt - , ging dies aber nicht an , so entschlug er sich bescheiden jedes Schiedsrichteramtes und warf in edler Unparteilichkeit die Hauptschreier vor die Türe . Fasching über war mit den Leuten besser auszukommen , da waren die Zwischenbüheler eben unter sich , kein fremdes Gesicht darunter ; die Auswärtigen hatten ja in ihrem Ort selbst Tanzunterhaltung . Mit der Kirchweih war ' s ein anderes , da gab es für den gleichen Tag oft auf Meilen in der Runde keine so vielversprechende Lustbarkeit ; was Wunder , wenn sich auch von meilenweit Gäste dazu einfanden ? Die führten meist - unversehens oder wohl auch absichtlich - Unfug und Streit herbei . Daß die vorjährige Kirchweih so glimpflich abgelaufen war , dafür dankte die Zwischenbüheler Wirtin dem lieben Gott und schrieb es insonders den harten Zeiten zu , die den Leuten den Übermut benähmen . Daß von diesem ersten bis zum letzten alle diesjährigen Bälle den vorangegangenen auf ein Haar gleichen würden , das war ihre Überzeugung , und das sagte sie auch ihrem Manne und fand es für gar albern , wie er eins da mit seinen Ahnungen erschrecken möge . Der Wirt lächelte und nickte in freudig eingestehender Beschämung dazu , zum Reden hatte er keine Zeit . Der Tag hatte sich gut angelassen und schien ebenso enden zu wollen . Stunde um Stunde war in lärmender Lustigkeit , ohne das geringste Anzeichen einer beginnenden Entzweiung verstrichen . Eifernde hatten sich durch ein Scherzwort begütigen , Aufbegehrerische auf die Stühle , die sie schon hinter sich gestoßen hatten , wieder zurückziehen lassen . Schon begann eine friedliche Auslese der schwächeren , aber trotzdem und vielleicht eben darum nicht ungefährlichen Elemente der Gesellschaft ; manch einer , der » mühselig und überladen « war , taumelte durch den Flur nach dem Garten , stöhnte zu den Sternen auf und wies dem Monde ein gleich fahles Gesicht oder schlug nach wenigen Schritten zu Boden , blieb auf der mütterlichen Erde liegen und deckte sich mit dem ewigen Himmel zu . Wie hätte es den Wirt von Zwischenbühel , der heute paar Arme zuwenig hatte , gaudiert , wenn er den von Schwenkdorf hätte sehen können , der viere zuviel hatte : zwei , die ihm am Leibe angewachsen waren und die er , um kein Aufsehen zu machen , in anscheinender Gleichmütigkeit in den Hosentaschen vergrub , und zwei geistige , die er in heller Verzweiflung über dem Haupte rang , so daß ihm vorkam , als ob ihn darüber wirklich die Schulterblätter schmerzten . Es konnte aber auch nicht mit rechten Dingen zugehen ! Da sprangen Knechte und Mägde , Kleinhäuslerbuben und -dirnen auf dem Tanzboden herum , von den reichen Bauerssöhnen aber ließ sich auch nicht einer blicken , und die Töchter der häbigsten Anwesner , Käsbiermartels Sali obenan , saßen gekränkt und gelangweilt neben den scheltenden Angehörigen . Es hatte sich aber ganz ohne Hexerei so gefügt . Der Toni vom Sternsteinhof war beizeiten auf dem einspännigen Steirerwägelchen vom Hause weggefahren . Als er Zwischenbühel außer Sicht hatte , begann er auf das Pferd loszupeitschen . » Krampen , elendiger , greif aus ! « schrie er . » Gelt , zun Tanz sollst mich schleppen , kupplerische Schindmährn ? Drum stünd dir ein scharfs Traberl nit an , weil d ' meinst , ' s hätt kein so Eil und wir träfen noch allweil fruhzeitig gnug hin ! Dö Mucken laß dir vergehn ! Sorg nit , du sollst noch heut ein übrigs vom Tanz haben , daß dir die Zungen hraushängt . Hiö ! « Hier , wie oft anderswo , war es ein wahrer Segen für die Reputation des Menschen , daß sich das Tier weder auf dessen Rede noch Handlungsweise verstand . Die arme braune Stute ahnte also gar nicht , daß ihr eine Leidenschaft fürs Tanzen zugemutet wurde ; von dem Geschrei hinter ihr und den Peitschenhieben aber fühlte sie sich bedeutet , daß es sich ums Laufen handle , und das tat sie denn rechtschaffen . In Schwenkdorf gab es mehrere reiche Bauern , deren Söhnen hatte sich der Toni als Kamerad angeschlossen , und wenn er unter ihnen saß , ließen sie ihn gern als » Ersten « gelten , war er abwesend , so folgten sie der Leitung und den Eingebungen des Tollsten und Geschwänkigsten , und dafür galt der Müller-Simerl : auf dessen Mitwirkung zählte der Toni . Nahe bei Schwenkdorf lenkte er von der Straße ab und fuhr , hinter dem Orte , in leichtem Trott nach der Mühle . Er traf den Simerl daheim und machte ihm den Vorschlag , den heurigen Fasching mit einem » kapitalen Stückel einzuweihen « , wobei sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlügen ; nämlich , keiner von ihnen , was ein rechter Bub sei , sollte auf den Schwenkdorfer Tanzboden gehen , sondern mit ihm fahren , ins Zwischenbüheler Wirtshaus einfallen und den Buben die Dirnen wegnehmen . Fix hnein ! Den Ärger hüben und drüben ! Und wurd das ein Aufsehen machen ! Z ' Schwenkdorf und z ' Zwischenbühel und weiter in der ganzen Gegend gäb ' s ' n Leuten fürs liebe lange Jahr z ' reden ! Der Gedanke war zu schön , um unausgeführt zu bleiben . Simerl und Toni liefen Gehöft aus und Gehöft ein , um Teilnehmer zu werben , und als die Musikanten im Schwenkdorfer Wirtshause zu trompeten begannen , als wollten sie - wie der Simerl meinte - das Dach vom Haus weg gegen ' n Himmel blasen , stand im Hofe der Mühle eine Schar junger Bursche , untereinander mit verhaltenem Lachen flüsternd , und mancher fühlte sich ganz angenehm beklommen vor Aufregung über die Heimlichkeit , Schelmerei , Rauflust und Dirnverschreckung , die alle da so hübsch in einem mit unterliefen . Der alte Müller , Simerls Vater , half selbst mit , das Steirerwägelchen in den Schupfen zu schieben und Tonis braune Stute an den schweren Leiterwagen zu spannen ; seine Triefäuglein glänzten vor Bosheit , und das Kinn seines zahnlosen Kiefers wackelte vor Lachen . » Unterhalts enk gut , ös Sakra « , kreischte er , als der Wagen davonfuhr . » Lustig , nur lustig heut « , nickte er , dem Gefährt nachsehend , » morgen bringt schon der ein und der andere a blutigs Köpferl heim . « Diese Voraussicht schien übrigens den Alten nicht im mindesten zu beunruhigen , denn er hüpfte dabei lachend empor , als wollte er mit seinen dürren Beinen einen Rundsprung versuchen ; als ihm dieser mißlungen war , schloß er das Tor und schlich in das Haus . Von den Burschen , auf deren Beteiligung gerechnet worden war , fehlte auch nicht einer ; der » lautern « Unterhaltung halber nahm man auch noch ein paar bekannte Söffer und Raufer mit , denen freie Zeche in Aussicht stand , und so hatten sich fünfzehn junge Leute zu einer Dummheit und mehrerem Unfug zusammengefunden . Hätte der Toni für etwas Vernünftiges und Rechtes Genossen geworben , so hätte er wohl keines Leiterwagens bedurft , um sie an Ort und Stelle zu fördern . Eine gute Strecke ließ er das Pferd im Schritt gehen , dann griff er zur Peitsche , und polternd flog der Wagen dahin . Ohne Rast , über Stock und Stein ging es . Das war der Tanz , welchen Toni der braunen Stute verheißen hatte . Über dem Musikgedröhne und Tanzgestrampfe hätten die Zwischenbüheler das Heranrasseln des Wagens wohl überhören können , aber das grelle Gejauchze , mit dem die Ankömmlinge ihr Ziel begrüßten , schlug durch allen andern Lärm durch , der Reigen löste sich , die Leute drängten an die Fenster , die Musik verstummte , der Wirt stand erschreckt , er kraute sich in den Haaren , und als er sich besann und , um draußen nachzusehen , zur Türe stürzte , ward er von den Hereinstürmenden unsanft beiseite geschleudert . » Grüß Gott mitsamm , Vetter und Mahm ! « schrie Toni . » Da sein wir auch , jetzt kann ' s erst lustig werden . Aufgspielt , Musikanten ! « Er warf den Spielleuten eine Banknote zu , und die geigten und bliesen sofort drauflos . Die Zwischenbüheler vermochten ihrer Überraschung nicht gleich Herr zu werden , die Dirnen ließen sich unter verlegenem Lachen von den Schwenkdorfern zum Tanz aufziehen , und die Bursche dachten nicht daran , es zu verhindern . Der Toni hatte Helene von der Seite Muckerls weggeholt . » Komm « , sagte er zu ihr . » Erlaubst ' s schon « , murrte er gegen ihn . » Um Gottes willen , Toni « , flüsterte die Dirne unter dem Tanze , erschreckt ihn anstarrend , » was soll ' s geben ? Ich dacht , du kämst allein . Wozu hast du die Wildling mitgebracht ? « » Frag nit . Wirst ' s ja sehn « , raunte er . » Hast mir ja schon mehr als einmal vorgworfen , ich getrauet mich nit , dich ihm streitig z ' machen . « Sie stand plötzlich stille und versuchte , ihn an der Hand zurückzuhalten . » Hast mit deinm Vadern gredt ? « » Weiter ! « Er riß sie herum . » Kein Wörtel noch . « » Aber , Toni - ! « » Sorg nit ! Wie ' s bisher gwesn , ertrag ich ' s nimmer länger . Was ich tu , verantwort ich . Verstehst ? Ich ! « » Was willst tun ? « » Tanz ! Schnatter nit ! Erfahrst ' s schon ! « Die Klarinettetöne verstiegen sich just wie Lerchentriller zu ganz unglaublichen Höhen , da rumpelte der neidische Baß dazwischen und brach mit ein paar dröhnenden » Schrumm , schrumm « das Ganze plötzlich ab . Erhitzt traten die Paare auseinander . Die Schwenkdorfer drängten vom Tanzboden nach der Schankstube . Toni leitete Helene an der Hand hinüber und ließ sie an seiner Seite niedersetzen . Noch etliche Dirnen folgten über eifriges Zureden den Schwenkdorfern nach , es waren das solche , die sich von ihrem Liebsten vernachlässigt fühlten oder beleidigt glaubten und ihm nun am Arme eines andern Burschen spöttisch zublinzten : Das hast davon , so gschieht dir , weil ich mit mir nit spaßen laß ! Die Schwenkdorfer ließen sich nicht spotten , und der Wirt mußte herbeitragen , was gut und teuer . Mitten im Gelärme schrie Toni , auf Helene zeigend , seinen Kameraden zu : » Bubn ! das wird mein Bäurin ! « Die Bursche schmunzelten und sahen sich dabei mit zwinkernden Augen pfiffig an , die paar Zwischenbüheler Dirnen am Tische lachten laut auf . » Lacht nit « , erboste sich Toni . Er legte seine Linke mit ausgespreiteten Fingern auf das rechte Bein Helenens . » Die wird meine Bäuerin ! « Nun lachten die Bursche , die Dirnen sahen sich achselzuckend an . » Laß ' s gut sein « , sagte Toni zu dem Mädchen , das darüber ganz verblüfft dareinsah , » heut übers Jahr lachen s ' nimmer . « Während es in der Schankstube » hoch « herging , hatten sich im Tanzlokale die Zwischenbüheler grollend in eine Ecke zusammengedrängt . » Das geht nit an ! « sagte ein stämmiger Bursche , der alle um eine volle Kopflänge überragte . » Kein zweits Mal dürfen wir die Sackermenter nimmer zun Tanz antreten lassen , sonst wär ' s gfehlt ; nachher stunden wir bis in d ' Fruh da hrum wie denen ihnere Narren und ' n Menschern zum Spott ! Fackeln wir nit lang ! Dö werdn mer doch noch meistern können ? Gehn wir über sie ! Dö solln schneller draußt sein , wie s ' hreinkommen sein ! « » Fangen wir was an mit sö ! « murmelten ein paar Eifrige . » Nix leichter wie dös « , fuhr der Stämmige fort , » gehts jeder , dem sein Dirn sich hitzt drüben traktiern laßt , und schaffts ihr ' s Herüberkommen . « Die Betreffenden murrten : Die Dirnen könnten in drei Teuxels Namen bleiben , wo sie wären , es läg keinem mehr etwas an der seinen . » Ös Löllappen « , schrie der Aufhetzer , » freilich liegt an keiner nix , aber das können wir uns Zwischenbüheler Bubn doch nit nachsagen lassen , daß da im eigenen Ort nit wir die Herren wärn , sondern dö von Schwenkdorf ! Geh , Kleebinder-Muckerl , du bist kein so Letfeigen , und dir kann an deiner Dirn schon was liegn . Biet s ' umhi ! Wir stehen schon zu dir ! « Dieser Auftrag kam dem Muckerl sehr gelegen . Das in ihn gesetzte Vertrauen und der zugesagte Beistand hoben seinen Mut . Er war gekränkt und gereizt durch die rücksichtslose Weise , mit der ihn Helene verlassen hatte und nun allein stehenließ , unbekümmert darum , wie ihm dies gefallen oder nicht gefallen mochte . Er wollte einmal öffentlich sein Recht auf die Dirne behaupten und diese zwingen , es selbst anzuerkennen , denn die Hochnäsigkeit , mit der sie ihn bisher unter vier Augen behandelte , scheut sie sich wohl hier vor den Leuten zu zeigen . Mag sie nachher paar Tage trutzen , aber auch wissen , daß er nicht der Bursche sei , der sich just alles gefallen ließe ; das macht ihm Ehr und lehrt sie nachgeben . Er trat also in die Schankstube und sagte : » Gleich geht der Tanz wieder los . « Ein Schwenkdorfer sagte über die Achsel weg : » Danken schön fürs Ansagen . Brauchts nit z ' fürchten , daß wir wegbleiben . « » Um euch is kein Frag . Bleibts , wo ' s wollts . Helen ! « Sie sah nach ihm und tat ganz unbefangen . » Komm her ! « » Nit schlecht « , lachte der Toni . » Du haltst s ' wohl für ein Pummerl , der laufen müßt , wann du ' schön herein da ' sagst ! « » Mit dir red ich nit , Sternsteinhoferbub « , sagte Muckerl . » Helen , komm mit mir hraus , sag ich ! « » Ja , wenn du so ein gstrengen Herrn hast « , höhnte Toni gegen das Mädchen , » dann heb dich nur lüftig und eil ! « Helene saß zornrot , sie streckte die gefalteten Hände in den Schoß und zog die Beine unter den Stuhl . » Du siehst , sie will nit « , fuhr Toni , zu Muckerl gewendet , fort , » geh dir also a andere suchen , uns is nit um dein Gsellschaft . « » Ich geh nit ohne ihr . « » Hüblinger « , schrie der Toni einem vierschrötigen Burschen zu , » mir scheint , der findt nimmer die Tür , weis ihm ' n Weg . « Der breitschulterige , baumlange Bursche trat auf Muckerl zu und gab ihm einen leichten Stoß , der den kleinen Herrgottlmacher gleichwohl wanken machte . » Geh , sei gscheit « , sagte er zu ihm , » mach fort , bist ja unnötig . « » Nein « , knirschte Muckerl . » Na , sei nit dumm , Büberl « , sagte gutmütig der Hüblinger . » Wirst doch nit wolln , daß ich dir was mit afn Weg gib ? Könntst z ' schwer dran z ' tragen haben . « Da Muckerl in das laute Gelächter der Schwenkdorfer auch etliche Zwischenbüheler einstimmen hörte , so geriet er vor Wut außer sich und führte nach der Brust seines Gegners einen Faustschlag . Der Hüblinger sah ganz verdutzt darein , als er sich für seine gute Meinung so übel gelohnt fand , und holte eben mit der Rechten sehr sachte , fast fürsorglich aus , da stürzte der Toni dazwischen . » Den laßts mir « , schrie er , » das is mein Mann ! « Nach kurzem Ringen ward der Kleebinder Muckerl in eine Ecke geschleudert und schlug dort so wuchtig mit dem Rücken gegen eine scharfe Tischkante , daß er , laut aufstöhnend , zusammenbrach . Da kam durch die Türe ein irdenes Weinkrüglein geflogen , das offenbar nach dem Kopf des Toni gezielt , aber zu hoch angetragen war , es schmetterte gegen das Kinn Hüblingers ; der stand starr , aber nur einen Augenblick , dann fuhr er , wie toll , aus der Stube ; das hatten die Zwischenbüheler vorausgesehen , sie stoben auseinander und einer , der sich außen knapp an die Mauer drückte , stellte dem Verfolger ein Bein , so daß der mit großem Gepolter hinfiel , und nun versuchten sie , ihn an den Armen und beim Schopfe nach dem Tanzboden hinüberzuziehen . Hüblinger , dem sofort die Vermutung aufdämmerte , daß es ihm , wenn er heraußen bliebe , wohl weniger » verschlüge « , als wenn ihn seine Gegner hineinbekämen , begann aus Leibeskräften zu schreien : » Helfts , helfts , helfts mer doch , Leuteln ! « Auf das eilten die Schwenkdorfer herbei und faßten ihn an den Füßen und zogen ihn daran zurück . Es begann ein erbittertes Hin- und Hergezerre . Bald war der Hüblinger mit Kopf und Armen im Tanzlokal , bald mit den Beinen , so lang sie waren , in der Schankstube , immer aber mit dem Rumpf in dem Flur . Mit einmal boten die Zwischenbüheler ihrerseits alle Gewalt auf , und als sie vom anderen Ende her auch den äußersten Kraftaufwand verspürten , ließen sie lachend los , die Schwenkdorfer prallten zurück und schleiften , bis in die Mitte der Stube taumelnd , den Geretteten nach sich , dessen Gesicht dabei die Diele fegte , bis sie ihn schwer auf selbe niederplumpsen ließen . Der Riese blieb eine Weile auf beiden Ellbogen und Knien mit nachdenklich gesenktem Haupte liegen und überlegte den Fall , der so ganz sein eigener war , dann raffte er sich empor , bedeutete , daß er für diesmal genug habe und die andern