nehme , bis an die Lippen heraufzusteigen zu einer Weile , wo es anderwärtig so viel zu tun gibt . In die Arme fährt alles hinaus und weiß sich so ein verliebter Bursche mit seiner Empfindung nicht anders zu helfen , so faßt er sein Mädchen , wie der Müller den Kornsack , und schwingt es hoch in die Luft und tut ein Jauchzen dabei , daß schier die Wolken auseinanderfahren , wenn ihrer am Himmel stehen . Der Berthold macht es um kein Tüpfelchen anders . - Es sind zwei junge , blutarme Leute , auf der einsamen Alpenhöh ' sich selbst überlassen . Was ist da zu beginnen ? Je nun , je nun , ich denk ' , für mich dieweilen noch gar nichts . Bei den Waldteufeln In dieser Wildnis gibt es Gewerbe , von denen ich keine Ahnung gehabt habe . Buchstäblich von der Erde , von dem Gestein heraus graben die Leute ihr Brot . Und von den Bäumen schaben sie es herab , und aus dem allebendigen Ameishaufen wühlen sie es hervor , und aus ungenießbaren Früchten zwingen sie es durch die hundertfältigen Mittel ihrer Schlauheit . Daß der Mensch doch so alles zu finden und zu nützen weiß ! Hat er aber schon alles gefunden und genützt ? Und die Bedürfnisse , sind sie schon dagewesen , ehe die Mittel gefunden worden , oder sind sie die Folgen der errungenen Dinge ? - Wäre das letztere der Fall , ich hielte die tausenderlei Errungenschaften für keinen Gewinn . Die verkommenen oder verwegenen » Waldteufel « stehen mit den Menschenscharen draußen in engerer Verbindung , als man meint , und als sie es vielleicht selbst ahnen mögen . Na doch , sie wissen es gar wohl . Da ist gleich der Wurzner . Seine Lodenkutte geht ihm schier bis zu den Waden hinab ; sein Hut ist ein wahres Familiendach , das aber stellenweise schon durchlöchert ist und bricht . Schon von weitem kennt man ihn . Da oben im Gestein klettert er herum und wühlt mit seinem krummen Stecheisen die Speikwurzel hervor . Dabei brummt er denn gar zuweilen sein schlecht Liedel : » Wan ih speikgrobn tua Auf der Olm , do herobn , Do denk ih gern auf d ' Weibaleut . Daroth ' s es , wo da Speik hinkimmt ? In ' s Türknlond für d ' Weibaleut , Damit s ' an bessern Gruchn kriagn , Im Türknlond , de Weibaleut ! « Ich weiß es noch nicht , ob es wahr ist , daß Speik von hier in die Türkei wandert . Aber sie glauben es und so ist es ihnen so viel als wahr . Dieses stolze Bewußtsein des Wurzners , daß er die Frauenwelt des Morgenlandes in einen besseren Geruch bringe , wird angefochten . Dort auf der Felswand steht ein alter Gefährte , der hört das Lied ; er häkelt die Messinghäftchen seines Wamses auf und öffnet seinen Mund : » Wanst ollaweil auf die türkischn Weibaleut denkst , Du Loter , do hot ' s an Fodn . Geh gwürz dih liaba selba Mit Speik auf der Olm , Kon da nit schodn . « So necken sie sich , und das ist ihre harmlose Seite . Aber der Waldteufel hat seinen Pferdefuß . Der rechte Waldmensch hat einen doppelläufigen Kugelstutzen ; der eine Lauf heißt » Gemsennot « , der andere » Jägertod « . Könnt ' er schreiben , mit seinem krummen Messer hätte er diese Namen in den Stahl gegraben ; aber , er merkt sich ' s im Kopf , das von Gemsennot und Jägertod . Längst hätt ' er das Graben aufgegeben und wollt ' ganz dem Wildern leben , aber er vermeint , unter den Steinen und Wurzeln einmal einen vergrabenen Schatz zu finden . Schatzgraben , Gold und Edelstein unter der Erde , das hat er im Märchen gehört und kann es nimmermehr vergessen . Gold und Edelstein unter der Erde ! Schatzgraben ! - Das Märchen hat recht ; der Wurzelgräber hat recht ; der Ackersmann hat recht ; der Bergknappe hat recht . Aber der Schatzgräber hat nicht recht . Meine Wirtschafterin sagt , das traurigste Schatzgraben sei ihr gewesen , als sie vorzeit ihren Schatz begraben . Das acht ich , daß ich den Wurzner , oder den Pechschaber , oder den Ameisenwühler nicht beleidige . So Leute heben gar mit dem Wettermachen an , daß all des Teufels ist . Blitz und Hagel kann die Wälder vernichten weit und breit . Darum in den Alpengegenden die vielen schweren Gewitter , weil dahier die Wettermacher daheim . Wie sie es aber anfangen , daß die Nebel aufsteigen aus den Schründen und Wetterlöchern , daß die Taustäubchen zu Wasser verdichten , daß die Tropfen zu Eiskörnern erstarren , daß die Eiskörner zu Schloßen sich kochen , daß aus den Wolken das Feuer sprüht , daß die flammenden Wurfspieße der Blitze hinsausen durch die Nacht und daß die ungeheuren Rollen der Donner sich wälzen , bis endlich alles niederbricht zu den zitternden Menschen und Tieren der Erde - wie sie das anfangen , das soll ein tiefes Geheimnis der wilden Gesellen sein ; ich habe es bislang nicht zu erfahren vermögen . Eines ist gewiß . Der Bauer der vorderen Gegenden hat eine Art Ehrfurcht vor den Wildlingen im Gebirge und liefert ihnen oft Lebensmittel gegen geringes Entgelt ; es ist doch allfort besser , im Beutel kein Gewinn , als auf dem Felde Schaden . Wahrhaftig , das ist ein verhängnisvoller Wahn dieser Menschen , daß sie durch eigenes Wollen und eigne Kraft Dinge zu wirken vermeinen , von denen die Schöpfung den menschlichen Witz ausgeschlossen hat ; und daß sie dagegen Dinge verabsäumen , in denen sie durch eigenes Wollen und eigene Kraft Großes hervorzubringen vermöchten . - Es ist jedoch draußen , wo die Macht- und Geistesstolzen wohnen , auch nicht besser , nur daß dort andere und schädlichere Irrtümer sind , denn sie werden mit bedeutenderen Mitteln und in größerem Maße begangen als hier . - Glorreich , o Menschheit , sind deine Fortschritte , aber in deinen ungeheuerlichen Vorurteilen bist du noch immer ein sehr erbärmlich Ding . Da oben hinter dem Bergrücken ist eine umwaldete Talmulde , die sie die Wolfsgrube nennen . Vor kurzem bin ich in dieser Wolfsgrube gewesen . Ich komme eben zurecht , wie sie einen Mann begraben , der weder Wurzner , noch Ameiswühler , noch Pechschaber , noch Branntweinbrenner , noch ein Wilderer gewesen war . Aber der allermerkwürdigste Waldteufel . Die Sache hab ' ich teils selbst erfahren , teils ist sie mir erzählt und verbürgt worden . Gearbeitet hat er gar nichts . Das ist einer gewesen , der sich durch Essen sein Brot erworben hat . Sie haben ihn allerwärts den » Fresser « genannt ; einen anderen Namen , halt ich , hat er gar nicht gehabt . Das soll ein ganz verkommener Mensch gewesen sein , aber gewaltig stark am Leibe . Sein Haupthaar ist durch Schweiß und Harz zu einem unlöslichen Filz verworren gewesen ; da hat er keines Hutes bedurft . Sein Bart ist gewesen wie aus verdorrten Fichtennadeln so stachelig ; seine mächtigbreite Brust wie übersponnen mit zehnfachem Spinnenweb ; da hat er den Brustlatz erspart . An seinen wuchtigen Füßen hat sich eine völlige Hornhaut gebildet ; da ist ihm das Schuhwerk überflüssig gewesen . Eine wüste Erscheinung ! Ich hab ' ihm noch vor einigen Tagen im Winkel begegnet . Hebt , wie er mich sieht , eine Handvoll Sand vom Boden auf und will den Sand verschlingen , wenn ich ihm eine kleine Gabe dafür wollt ' reichen . - Oft ist er hinaus auf die umliegenden Dörfer auf Kirchtage gegangen , hat den Leuten was vorgefressen . Nicht Werg und Bänder und derlei Dinge , wie es sonst Taschenspieler tun , hat er verschlungen , sondern Tuchstücke , Leder und Glasscherben . Selbst Schuhnägel , und sie mögen noch so rostig gewesen sein , hat er verzehrt . Gerne hat er einen alten Stiefel oder Filzhut zerissen , die Fetzen mit Essig und Öl bereitet und gegessen . Das hat ihm Geld eingebracht und sein Beutel wie sein Magen haben wohl verdaut . Unsereinem tät so ein Essen nicht taugen , hat der Rüpel gesagt , freilich wohl , ein Schnäpslein muß dazu sein , das beißt im Magen auch die Kieselsteine klein . - Jahr und Tag hat er ' s getrieben , aber ein End ' nimmt ' s mit allem , und der Ostersonntag hat nicht viel größere Läng ' , wie der Charfreitag . Just beim Schnäpslein ist er gesessen in Kranabethannes Hütte , und hat in seinem Übermut gesagt : » Kiefel ( kaue ) dein Schwarzbrot nur selber , Hannes , ich trink ' den Branntwein und beiß ' das Gläselein dazu . « - Ist jetzund vom finsteren Herdwinkel ein alter Wurzner hervorgekrochen : » ' s schwarz ' Brot willst verachten ? du ! « Darauf der Fresser : » Geh her , Wurzner , dich freß ' ich mitsamt deiner Krax ( Rücktrage ) ! « Hat der Alte ein Würzlein hervorgezogen : » Da tät ich wohl was haben , großer Herr , das ist noch ein wenig stärker , wie du ! « - » Her damit ! « schreit der Fresser , errafft das Würzlein und steckt es in seinen Schlund . - » Bist hin ! « hat der Alte gekichert , ist davon in den Wald . - Steht nicht lang an , springt der Fresser auf und hinaus auf den Anger . Dort stürzt er nieder und ist tot über und über . Da haben wir ' s wohl gewußt , was das Ding bedeutet . Den alten Wurzner hat kein Mensch gekannt - der Teufel ist ' s gewesen . Halb Tat , halb Mär , so hat es der Leute Aberglauben aufgefaßt und mir erzählt . Sie haben den Mann auch nicht hinausgetragen auf den Holdenschlager Kirchhof . Im Moorboden der Wolfsgrube , wo nur die Binsengarbe wuchert und ihre Glockenfähnlein wiegt , haben sie eine Grube gemacht . In dichtes Fichtengeäste haben sie den Mann geschlungen , mit einer Stange haben sie ihn an das Grab gewälzt , bis er hinabgekollert . Zur selbigen Stund ' ist eine kleine Schar von Betern über die Moorheide und durch die Wolfsgrube gezogen . Sie waren in einem Kare des Hochgebirgsstockes gewesen , wo ein Kreuz stehen soll im Gestein . Diese kleine Schar ist an der Grube stehen geblieben und hat laut für den Toten ein Vaterunser gesprochen . Da hat jählings eine braune Kohlenbrennerin das Wort ergriffen und in ihrer Art ausgerufen : » Ihr Hascher , dem hilft euer fromm Gebet just so viel , wie dem Fisch im Wasser ein trocken Pfaidlein tät nutzen . Der ist schon dort , wo die Hühner hin pissen , das ist ja der Glasscherbenfresser ! « » Nachher gilt das heilig Vaterunser für unsern Viehstand daheim ! « sagen die Beter und gehen davon . Ein einziger Mann , ein blasser , schwarzlockiger , niedergebeugter und seltsam hastender Mann ist noch stehen geblieben an der Grube , hat hinabgestarrt , hat eine Scholle auf den Leichnam im Reiserkleide geworfen , hat in der Runde umhergeblickt und die Worte gesagt : » Mit Erden werden sie ihn doch bedecken . Seines guten Magens wegen wird ihn der Teufel nicht geholt haben ; und etwan ist sein Herz schlechter gewesen , als sein Magen . « So die Grabrede . Und hierauf kommen ein paar Männer und scharren Erdreich in die Grube . Ich bin später mit dem gebeugten , blassen Mann , den sie den Einspanig nennen , wieder zusammengekommen . Da habe ich an ihn die Frage getan : » Was ist das mit dem Glasscherbenfresser ? Das ist doch eine märchenhafte Geschichte . « » Märchenhaft ist das ganze Waldland , « spricht der blasse Mann . » Und der Aberglauben ist dieser Leute geistiges Leben . « Nach diesen Worten hat er sich gewendet und ist emsig von hinnen geholpert . Wie , Alter , bist nicht auch du selber ein Sohn des Waldlandes ? Bist wahrhaftig seltsam und märchenhaft genug . - Den Einspanig , den Einsamen nennen sie ihn , sonst wissen sie schier nichts von ihm zu sagen . - Auch mit den Pechern hab ' ich schon Bekanntschaft gemacht . Der Pecher , das ist schon auch ein wunderlicher Geselle . Man riecht ihn schon von weitem und man sieht ihn glitzern durch das Dickicht . Die Hacke glitzert , mit der er das Harz von den Bäumen schabt ; die Steigeisen glitzern , mit welchen er an den glatten Stämmen emporklettert , wie eine Waldkatze , um den Baum auch an seiner Höhe abzuernten , oder wenn keine Ernte ist , zu verwunden , auf das für künftig das Harz hervorquelle . Und die Lederhose glitzert , und der mit Pech völlig überzogene Lodenspenser glitzert , und die Scheide des langen Messers an den Lenden glitzert , und letztlich das Glutauge . Wenn eine Blüte oder eine niederfallende Tannennadel ihn streift , so bleibt sie kleben an seinem Arm , an seinen Haaren , an seinem Bart. Wenn eine Fliege herumtanzt oder ein Falter , oder eine Spinne - das Tierchen bleibt kleben an dem Manne ; und bunt besetzt ist sein Kleid mit kleinen aus dem Pflanzen- und Tierreiche , wenn er in Wald- und Abenddunkel heim in seine Klause kehrt . Der Pecher verwundet die Bäume arg und bringt sie zuletzt um ' s Leben . Der Urwald ist dem Untergang verfallen . Die alten Tannen und Fichten sind durch den Pecher zu Krüppeln geworden ; jetzt strecken sie ihre langen Arme nach ihm aus , möchten den Todfeind am liebsten erschlagen . Aus dem Harze bereitet der Pecher durch das Verfahren des Abdunstens das Terpentin und andere Öle , wie sie in den Waldgegenden gegen allerhand Krankheiten und Gebrechen in großen Mengen verwendet werden . Ich habe schon mehrmals zugesehen auf so einer Brennstelle , wie die schwarze Masse kocht und brodelt , bis sie in geschlossene Tonbehälter kommt , aus welchen ihr zu gewinnender Gehalt durch Röhren in die Zuber und Flaschen übergezogen wird . Mit diesen Zubern und Flaschen in einem großen Korbe geht nun der Mann hausieren . Der Holzschläger kauft Pechöl gegen jegliche Verletzung , die er sich in seinen Kämpfen mit dem Walde zuzieht . Der Kohlenbrenner kauft Pechöl gegen Brandwunden ; der Kohlenführer für sein Roß ; der Branntweinbrenner für sein Fäßlein . Der Wurzner kauft gegen Verrenkungen und gegen Bauchgrimmen , das er sich durch seine meist ungekochte Nahrung zuzieht . Das Kleinbäuerlein weiter draußen kauft Pechöl für sein ganzes Haus und Vieh , gegen alle bösen Zustände . Du Pechölmann ! Mir nagt seit lang schon im Herzen ein kleinwinzig Käferlein - wär ' s nicht zu tilgen mit deinem gallbitteren Öl ? - In des Pechers Klause darf man sich nicht niedersetzen , man bliebe kleben . Und gleich kämen die kleinen , ungewaschenen und zerzausten Rangen heran und krabbelten empor und ritten gar auf den Nacken und man käme ihrer nicht mehr los . - Das sind die lebendigen Sünden der Alten , sagt meine Haushälterin . - Besser lebendige , als wie tote , sage ich . Des Pechers Wohnung ist einfach genug . Unterhalb der nackte Erdboden , oberhalb das schieferige Baumrindendach , seithalb die Wand aus rohen Stämmen gezimmert und mit Moos verstopft . Der holperige Steinherd ist gleich als Tisch eingerichtet . Unter der Bettstatt ist die Vorratskammer für Erdäpfel , Schwämme und Holzbirnen . Der wurmstichige Kleiderschrank ist das allerheiligste des Hauses , er bewahrt die geweihten Andenken der Voreltern , das Taufangebinde der Kinder und den Wettermantel des Pechers , wenn er nicht am Leibe ist . Die Fenster haben kaum so viel Glas , wie die Leut ' sagen , der » Fresser « sich daran hätte satt essen können . » Lappen und Strohpapier sind auch so gut wie Spiegelscheiben , wenn einer kein sauberes Gesicht durchgucken lassen kann , « meint der Pecher . Wohl , der weiß von Spiegelscheiben was , der ist nicht allfort im Wald gewesen . Gar weit , weit in der Wienerstadt etwan ist er wachgestanden vor Spiegelscheiben - hat ihm nicht gefallen , ist durchgegangen , ist eingefangen worden , ist spießrutengelaufen , ist wieder durchgegangen und in die Wildnis herein , - läßt sich nicht mehr fangen . Hinter dem Schrank hängt das Schießgewehr . Tritt einmal der herrschaftliche Jäger ins Haus und sieht er ' s , so ist ' s gut - eine Waffe muß sein , im Wald gibt es Wölfe . Sieht er ' s nicht , so ist ' s besser . Bei des Pechers Hauswirtin ist ' s auch so ; sieht man sie , so muß man bedenken , daß im vierzigsten Jahr bei niemandem ein neuer Frühling mehr anbricht , daß , wie das Sprichwort sagt , am Halse ein Kropf besser ist als ein Loch , das einäugig und nicht blind , und daß ein wenig säbelbeinig weder Schande noch Prahlerei ist . Sieht man sie nicht , so ist ' s besser . Wie ich aber schon wahrgenommen hab ' , bleibt an manchem Pecher zuweilen auch ein junges kleben . Viele Landmädchen sind um ein gut Teil anders , wie die Stadtfräulein . Die Stadtfräulein haben es zumeist nicht ungern , wenn ihre Liebhaber recht schön weiß und zart und schlank und gefügig sind , und zärtlich wie Tauben . Die Landdirnen wieder mögen einen , der recht derb und rauh und struppig und eckig und wild ist . Wenn eine die Wahl hat zwischen einem , der ihr schäkernd die Strümpferln stopfet , und einem andern , der sie anwettert mit jedem Wort - so nimmt sie den Wetterer . Sie hat ihn ja doch im Sack . Wie geht das Lied , das der Pecher gern gern singt ? » Fürs Pech hon ih mei Hackel , Fürs Haserl mei Bix ; Für ' n Jager a por dicke Fäust , Fürs Mensch hon ih nix . Nix is ollszweng , hot s ' gsogt , Hot mih ba da Tür ausgjogt ; Hiazt geh ih , und prügl an Jager o , Daß ih an Unterholtin ho . « Mag sein , daß nicht viel Schönes dran ist , indes wer einmal so ein Lied singt , der tut dem Jäger nichts . Wer mit finsteren Gedanken umgeht , der singt kein heiter Lied . Unter den Waldteufeln der Gehobeltste , der Geschmeidigste und meines Ermessens der Gefährlichste ist schmeidigste und meines Ermessens der Gefährlichste ist der Branntweiner . Er trägt ein feineres Tuch wie die andern und schneidet allwöchentlich seinen Bart. Er trägt allerwege so ein Fläschlein mit sich herum , mit dem er vertraulich jedem aufwartet , der ihm in den Weg kommt . » Du , « sagt er zum Wurzner , zum Pecher , wenn es heißer Sommer ist , » du , ein kühl , frisch Tröpfel hätt ' ich da ! « Und wenn es kalter Winter ist : » Du , los ( horch ) auf , das höllisch Feuer hätt ' ich da ! « Wer trinkt , der ist ihm verfallen , der kommt ihm in die Schenke . Der Branntweiner erntet zweimal . Fürs erste von den Ebereschen die roten Beeren , von den Hagebutten , Wacholdersträuchern , vom Heidekraut , von allem , was hier Früchte hervorbringt . Der Branntweiner glaubt an den Geist der Natur , der in allen Geschöpfen lebt , und beschwört ihn hervor aus den Früchten des Waldes , und - wie jener Zauberer im Märchen - hinein in die Flasche ; - flugs den Stöpsel darauf , daß er gefangen ist . Seine Brennerei ist ein förmlicher Zauberkreis unter dem hohen , finsteren Tann , ein Kreis , wie ihn auch die Spinne zieht und einwebt . Bald sind ein paar Fliegen da und zappeln im Netze . Die Waldleute , wie sie herum- und ihren Geschäften nachgehen , zuletzt aber kleben bleiben in der Schenke - das sind der zweibeinigen Spinne die Fliegen , an denen der Branntweiner nun seine zweite Ernte hält . Jedes Weib rät dem Mann , er möge nicht den Weg über den Tann nehmen , der sei so finster und uneben , er sei auch weiter als jeder andere . Der Mann sieht ' s ein , hat auch gar nichts auf dem Tann zu tun , aber - ' s ist eben ein wandelbar Ding , die Gesundheit - wie er so hinschreitet , da empfindet er jählings ein Drücken in der Gurgel , ein Grimmen im Bauch - ein schlimmes Grimmen , schier wie die Magengicht . Pechöl hat er keines bei sich , da weiß er nur noch ein Mittel und - er nimmt den Weg über den Tann . - » Das erste Gläschen - sagt der Rüpel - lindert den Schmerz ; das zweite macht warm ums Herz , das dritte macht noch wärmer ; das vierte macht den Beutel nicht mehr ärmer ; das fünfte tut erst die Glieder spannen ; bei dem sechsten wackeln schon die Tannen ; bei dem siebenten geht es glühheiß durch den Leib ; bei dem achten verlangt sich ' s nach dem Weib . « Heimwärts wankend aber flucht der gute Mann über das » schlechte « Weib , daß es ihm in diesem schaudervollen Nebel mit keinem Licht entgegenkommt ; und wenn er endlich den Hut tief und schief in die Stirne gedrückt , zur Hütte hereintorkelt , so weiß das was Weib schon , was es geschlagen hat und was es noch schlagen könnte , wenn es nicht sich nicht beeilte , sofort auf den Dachboden oder anderswohin zu entkommen . Mich närrischen Jungen stimmen meine Entdeckungsreisen heiterer , als ich ' s je vermeint hätte . Es liegt ein traurig Geschick über diesem Völklein , aber dieses Geschick macht zuweilen ein unsäglich spaßhaftes Gesicht . Ich halte diese Waldleute auch nicht für so verdorben . Verwahrlost und ungeschlacht sind sie . Es ließe sich vielleicht was aus ihnen machen ; - nur Sauerteig muß dazu kommen , daß sie aus ihrer Versunkenheit einmal auflockern . Aussterben wird das Geschlecht nicht so leicht . Gerade in dem feuchten , dunkeln Waldboden gedeihen die kleinen Rangen wie die Pilze . Die Jungen gehen den Weg der Alten und tragen die Wurzelkrampe , oder den Hirtenstab , oder die Pechhacke , oder die Holzaxt . Beim Pfarrer draußen in Holdenschlag ist bekannt , daß die Waldkinder lauter Mädchen sind . Die Knaben werden zumeist getauft mit dem Wasser des Waldes ; sie sind in kein Pfarrbuch geschrieben , auf daß sie vergessen bleiben draußen im Kreisamte und im Verzeichnisse der Wehrpflichtigen . Die Männer hier sagen , die Landesregierung und was dazu gehöre , koste ihnen mehr , als sie ihnen wert wäre , und sie verzichten darauf . Das lasse ich gelten , aber die Regierung verzichtet nicht auf die gesunden Winkelstegerleute . Die Mädchen , werden sie ein wenig flügge , gehen bald auch ins Ameisen- und Wurzelgraben , ins Kräutersammeln und sie wissen für alles Absatz , und sie pflücken die Erdbeeren und die Hagebutten- und Wacholderfrüchte für den Branntweiner . Und die Jungen , denen noch das Höschen nicht trocken wird den ganzen Tag , helfen schon auch den Branntwein trinken . Vor einiger Zeit habe ich einer Kinderschar zugesehen . Sie spielen unter Lärchenbäumen . Die niedergefallenen Lärchzapfen sind ihre Hirsche und Rehe , denen sie grünes Reisig vorlegen zum Fressen . Andere laufen umher und spielen hinter Gebüsch » Verstecken « , » Salzhalten « , » Geier austreiben « , » Himmel-und Höllfahren « , und wie sie die Schalkheiten und Leibesbewegungen alle heißen . - Man sieht ihnen gerne zu ; sie sind zwar alle halbnackt , haben wohlgebildete und gesunde Glieder , und ihre Spiele sind so kindlich heiter , wie ich anderwärts noch nie Kinder spielen gesehen habe . - Hier ist die verwundbare Stelle des » Waldteufels « , der am Ende ein gehörnter Siegfried ist ! Ich habe den Kleinen unter den Lärchen fortwegs zugelächelt , aber sie haben mich kaum angeblickt ; nur daß sich die Jüngsten vor mir gefürchtet . Nach einer Weile hab ' ich es versucht , mich in ihre Spiele zu mengen ; wie sich da die meisten gleich verblüfft zurückgezogen haben ! Nur wenige geben sich mit mir ab ; wie ich aber von diesen wenigen im Wettlaufen und Haschen einige Male überlistet werde , da kommen auch die anderen wieder herbei . Und bald bin ich in dem tollschwirrenden Kreise dieser jungen Menschen ein guter und gern gesehener Bekannter . Ich schwätz ' ihnen manches vor , noch öfter aber lasse ich mir von ihnen erzählen . Ich gehe zu den Kindern in die Schule , um die Schulmeisterei zu lernen . Von oben durch einen Strick zur Höhe ziehen lassen sich die Waldleute nicht ; wer sie für die Höhe gewinnen will , der muß ganz zu ihnen niedersteigen , muß sie Arm in Arm und wohl auf weiten Umwegen emporführen . Im Felsentale An den Lehnen der Voralpe und an den Hängen des Hochzahn und seiner Gletscherketten ziehen sich fort und fort die Waldberge hin in der Richtung gegen Abend . Von oben gesehen , liegen sie da in der Bläue , wie ich mir das Meer denke , bergend in ihren Gründen die ewigen Schatten und die seltsamen Menschen . Eine Tagreise vom Tale der Winkel gegen Abend hin , fernab von der letzten Klause , ist jene Stelle , von der die Waldleute sagen , da sie die Welt mit Brettern verschlagen . Mit Steinen vermauert , wäre besser gesagt . Senkrecht aufsteigende , tiefklüftige Wände schließen hier das Waldland ab . Es beginnt der Urstock der Alpen , in welchem die Felsschichten nicht mehr liegen noch lehnen , sondern fallrecht gegen Himmel ragen . Ein Meer von Schnee und Eis mit Klippen , an denen ewige Nebel hängen , soll unabsehbar hingebreitet sein über die Riesenburgen , die da oben ragen und vormaleinst ein Eden gewahrt haben , das heute versteinert und in Starrnis versunken ist . So die Sage . Daß doch dieser wundersame Traum von einer einstigen verlorenen Glückseligkeit die Herzen aller Völker und Volksschichten durchdämmert ! Daß jenseits des Alpenstockes wieder menschenbewohnte Gegenden beginnen , das wollen mir viele Leute hier gar nicht glauben . Nur ein alter , schlau blinzelnder Kohlenbrenner sagt , sein Großvater hätte wohl einmal erzählt , es seien da hinten drüben Menschenwesen , die so hohe und spitze Hüte trügen , daß , wenn sie des Nachts auf den Bergen herumgingen , sie nicht selten damit einen Stern vom Himmel stechen täten . Und der Herrgott müßt des Abends jedmal sorgsam die Wolken vorschieben , sonst hätt ' er längst mehr kein einzig Sternlein an seinem Himmel . Der Schalk hat die Spitzhüte der Tiroler gemeint . Wo nun dieses Waldland von dem Felsgebirge begrenzt wird , sind verrufene Stellen . Dort hat man schon manchen toten Gemsjäger gefunden , dem ein Körnlein Blei durch die Brust gegangen . Auch bricht , sagen die Leute , aus einer der zahlreichen Felsenhöhlungen zuweilen ein Ungeheuer hervor , das alles verschlingt , das aber im Gebirge einen unermeßlichen Schatz von Edelgestein bewacht . Wenn das Waldland noch eine Weile besteht , so muß ein heldenhafter Mann kommen , der das Ungeheuer besiegt und die Schätze hebt . Bislang ist noch kein solcher dagewesen . Ich meine , ich wollte es erkennen und nennen , das Ungeheuer ... Den finsteren Sagen angepaßt ist jene Gegend . Sie ist ein totes Tal , in welchem kein Finklein will singen , keine Wildtaube will glucken , kein Specht will hacken , in welchem die Einsamkeit selbst ist eingeschlummert . Auf dem grauen Sandmoosboden liegen zerstreut Felsblöcke umher , wie sie von dem hohen Gewände niedergebrochen sind . Dort und da ist ein vorwitziges Fichtenbäumchen hinangeklettert auf einen solchen wettergrauen Klotz und blickt stolz um sich , und meint , es sei nun besser , als die anderen , halb verkommenen Gewächse unten auf dem Sandboden . - Wird nicht lange dauern , so wirst du verhungern und verdursten auf dem dürren Felsboden und herniederfallen . Hierum kann der Wald nicht gedeihen , und steigt doch wo eine schlanke , kerzengerade Fichte empor , so sind ihre Tage gezählt . Jählings kommt ein Sturmwind niedergefahren von den Felsmulden und legt den schönen jungen Stamm mitsamt der losgelösten Wurzel fast sanft hin über den Boden . Und da tut er jetzund , als wollte er eine kleine Weile sich nur ausrasten und bald wieder aufstehen mit seinen grünen Zweigen und weiter wachsen ; und indessen fallen ihm schon die Nadeln ab und es schrumpft und springt die Rinde , und die Käfer lösen sie los , und nach einer Zeit liegt das nackte , bleiche Gerippe da , das immer mehr und mehr in die Erde hinein versinkt , aus der das Bäumchen einst hervorgewachsen war . Und doch muß eine Zeit gewesen sein , in welcher der Wald hier glücklicher gediehen ist ; es ragt ja noch hier und da der graue , gespaltene Rest eines gewaltigen Tannenbaumes empor , oder eines uralten Ahornes , in dessen Höhlen das Wiesel wohnt , oder durch die der Fuchs den Eingang hat zu seiner unterirdischen Behausung . Die Kiefer allein ist noch kampfesmutig , sie will die steilen Lehnen hinanklettern zwischen den Wänden , will wissen , wie es da oben aussieht bei dem Edelweiß ,