welches die ganze Welt umspannt , und gegen welches so ein Herzogstuhl nur ein kleines Gesiedel ist , auf welches niemand denkt . Oder möchtest du ein anderer Krok werden , wenn nämlich die , welche von ihm durch seine Tochter Libusa und ihren Mann Premysl abstammen , es gelten ließen , und möchtest du in Weisheit herrschen , und ein unabsehliches Geschlecht hinter dir bis zum Ende der Welt gründen ? « » Ich habe daran nie gedacht « , entgegnete Witiko , » wenn aber im Kriege oder durch Verhängnis alle , die von Premysl stammen , zu Ende wären , und die Länder Böhmen und Mähren mich zu Rechte zu ihrem Herzoge machen wollten , würde ich , wenn ich dächte , daß ich es könnte , Herzog sein , und recht und gerecht herrschen wollen . « » Nun , die Nachkommen des alten Premysl könnten in Gefahr kommen « , sagte der Scharlachreiter , » unser Herzog Sobeslaw ist mit dem verblichenen Kaiser Lothar immer in Freundschaft gewesen , hat ihm Leute zu seinen Kaiserfahrten gegeben , hat ihn besucht , und ist einmal mit fünftausend Männern in großem Putze und mit vielen Geschenken zu dem Tage des Kaisers nach Merseburg geritten . Er wird auch mit dem Könige Konrad in Freundschaft sein , der sein Söhnlein belehnt hat , und wenn zwischen dem Könige Konrad und dem stolzen Herzoge Heinrich in Sachsen oder irgendwo ein Krieg zu Stande kömmt , so wird der Herzog Sobeslaw mit den Seinigen zu dem Könige als Hilfebringer reiten , und so ein Krieg kann sehr lange dauern . « » Bist du auch in Sadska gewesen ? « fragte Witiko . » Ich bin nicht dort gewesen , und alle , die da reiten , sind nicht dort gewesen « , sagte der Scharlachreiter , » dahin sind nur die Erfahrenen gegangen , und die es sonst gewollt haben . « » Ich will dir nun auch etwas von unsern Absichten offenbaren « , fuhr der Scharlachreiter nach einem Weilchen fort , » ich und alle , welche mit mir sind , reiten nach Morgen zu , siehst du , auf dem Blachfelde gerade vor uns , wo der kleine Baum ist , dort geht der Weg seitwärts nach dem Lande zu , das Mähren heißt , und weil du uns auch so freimütig geoffenbaret hast , daß du gegen Mitternacht reitest , so werden wir dort wahrscheinlich Abschied nehmen . « » So wird es auch sein « , sagte Witiko . » Und wenn du uns wieder triffst « , sagte der Scharlachreiter , » so reite uns zu , und halte Geselligkeit mit uns . « » Eines muß er sich aber abgewöhnen « , rief Welislaw nach vorwärts , » daß er im Schritte reitet . « » Ich reite nur im Schritte , wenn ich reise « , sprach Witiko zurück , » ich kann es zu andern Zeiten auch anders tun . « » Wir tun es nicht einmal auf Reisen « , antwortete Welislaw . » Dann habt ihr Pferde zum Wechseln « , sagte Witiko . » Der Ledermann hat Recht « , sagte der Scharlachreiter , » er schont seine Pferde , wir verderben sie , er ist klug , und wir sind leichtfertig . « Indessen waren die Reiter bei dem kleinen Baume angekommen , an dem der Weg sich teilte . » Siehst du , wir reiten auf diesem Wege rechts « , sagte der Scharlachreiter . » Und ich reite auf dem andern gerade fort « , entgegnete Witiko . » So lebe wohl , du lederner Mann « , sagte der Scharlachreiter . » Lebe wohl « , sagte Witiko . » Reite glücklich deiner Wege , und suche nicht gleich Kampf mit Männern , die du auf der Straße findest « , rief Odolen . » Wenn sie ihn nicht hervorrufen , suche ich ihn nicht « , sagte Witiko . » Reite fröhlich « , rief Welislaw . » Du auch « , sagte Witiko . » Lebe wohl « , rief Ben . » Komme bald zu uns zurück « , rief der Sohn des Nacerat . » Lebet wohl « , sagte Witiko . Die von hinten kamen nun auch hervor , und riefen : » Lebe wohl . « » Reite glücklich . « » Lebet wohl « , antwortete Witiko . Dann hielt er ein Weilchen stille , und sagte zu dem Scharlachreiter : » Ich habe dir gesagt , wie ich heiße , und woher ich komme , du hast mir manches erzählt , und hast mir die genannt , welche dich begleiten , sage mir , wer bist denn du , daß du dich um dieses Land so kümmerst , und was darin geschieht . « » So höre , du Ledermann « , sagte der Scharlachreiter , » ich bin der Sohn des edlen großmütigen hohen Herzoges Wladislaw , der in seiner Herrschaft keinen Tropfen Blut vergossen hat , ich bin der Enkel des ruhmreichen Königs Wratislaw , ich bin der Neffe jenes Herzogs Bretislaw , der im Walde von Bürglitz wie ein Stern zur Erde gesunken ist , ich bin der Neffe des unglücklichen Boriwoy , der vor Swatopluk weichen mußte , und bin der Neffe des jetzigen Herzoges Sobeslaw . Mein Name ist Wladislaw . « » Wenn du das alles bist « , sagte Witiko . » Nun , Witiko ? « antwortete der Scharlachreiter . » So solltest du ernster sein « , sagte Witiko . » Mein Sohn « , sagte der Scharlachreiter , » hier führt mein Weg nach Morgen , dem Lande Mähren zu , der deine führt nach Mitternacht . Lebe wohl , und finde dein Glück . « Nach diesen Worten setzte er und setzten die Seinen ihre Pferde in Bewegung , und ritten im schnellen Trabe auf dem Wege gegen Morgen hin , daß der Staub über sie aufwirbelte . Witiko ritt langsamen Schrittes gegen Mitternacht fort . 3 Es war ein großer Saal . Als man das Jahr des Heiles 1140 zählte , lag der böhmische Herzog Sobeslaw krank . Er war im Herbste des vorhergegangenen Jahres an die Morgengrenze seines Reiches gegangen . Um ein Jahr früher war in derselben Jahreszeit sein Freund der polnische König Boleslaw Schiefmund gestorben . Er befestigte nun das Reich gegen Polen , baute noch an Hostas Burg , und wohnte nahe dabei in seinem Hofe zu Chwoyno . Da erkrankte er gegen das Fest der Weihnacht , und ließ sich auf Hostas Burg tragen . Es war die Weihnacht gekommen , es war das Fest des Neuen Jahres und der Heiligen Drei Könige vorüber gegangen , und man näherte sich dem Monate Hornung . Der Herzog lag in einem Gemache , dessen Wände weiß getüncht waren , und das drei Fenster enthielt . Zwei davon waren mit Linnen verhangen , durch das dritte sah der Herzog in der Richtung hin , in welcher die Länder seines verstorbenen Freundes Boleslaw lagen . Man hatte ihm des Frostes wegen eine Bärendecke über den Leib gedeckt , und gegen sie reichte der ergrauende Bart , und die Hände lagen auf ihr . Eine Frau in dunkelm Gewande saß von dem Kranken abseits auf einem hölzernen Gesiedel . Da sprach der Herzog : » Adelheid , sorge zu erfahren , ob der Jüngling , welcher am Sonntage im Vorgemache war , noch irgendwo in der Burg oder in ihrer Nähe zu finden ist , und lasse ihn zu mir bescheiden . « Die Frau erhob sich von ihrem Sitze , und ging hinaus . Nach einer Weile kam sie wieder herein , und sagte : » Er ist noch hier , man wird ihn suchen , und dir senden . « Nach diesen Worten ließ sie sich wieder auf ihren Sitz nieder . Als eine kurze Zeit vergangen war , öffnete ein Kämmerling die Tür , und führte Witiko herein . Derselbe war in seinem Lederkleide . Der Herzog winkte dem Kämmerlinge , sich zu entfernen , und sagte dann : » Adelheid , du hast den erkannt , den ich meinte . Tritt näher , Witiko . « Witiko trat einige Schritte von der Tür gegen den Herzog . » Du mußt bis zu dem Bette herzu kommen « , sagte Sobeslaw . Witiko ging hinzu , blieb stehen , und schaute auf den Herzog . Von seinem entblößten Haupte gingen die blonden Locken auf die Schultern herab . Seine Lederhaube hielt er in der Hand . » Witiko « , sagte der Herzog , » du bist in dem Zuge , den wir mit dem Könige Konrad nach Sachsen taten , klug gewesen , du gehörst keinem Vornehmen meines Reiches an , du blickest ehrlich , und wirst mich nicht verraten . Nimm das beste Pferd , welches in der Burg ist , und verwahre dich wohl gegen die Kälte , und reite nach Prag . Dort halten sie auf dem Wysehrad Versammlungen , und beraten , was nach meinem Tode sein wird . Ergründe , was sie sagen , und vorhaben , und bringe mir die genaue Nachricht zurück . Ich werde dir ein goldenes Kreuzlein mitgeben , das zeige dem Bischofe Silvester , der wird dir in deinem Werke an die Hand gehen . Du hast dich zu denen gesellt , die hier um mich sind , du wirst meinen Auftrag vollführen . « » Hoher Herr « , entgegnete Witiko , » wenn ich dir die wahre Nachricht zurückbringe , wirst du dann gegen die deines Landes , die dir zuwider handeln , feindlich verfahren ? « » Nein , mein junger Reitersmann « , erwiderte der Herzog , » ich werde nur wissen , was es ist , und werde dann sterben . « » So werde ich gehen , und werde dir die rechte Botschaft bringen « , antwortete Witiko . » Gott geleite dich « , sagte der Herzog . Nach diesen Worten langte er in den hölzernen Schrein , der hinter dem Bette stand , und zog ein Beutelchen von rotem Sammet hervor . Dann öffnete er das Beutelchen , und tat ein sehr kleines goldenes Kreuzlein heraus . » Hier ist das Kreuzlein « , sagte er . Dann steckte er es wieder in das Beutelchen , und reichte dasselbe an Witiko . Witiko nahm es , und barg es in seinem Wamse . Dann neigte er sich gegen den Herzog und die Frau , und schritt gegen die Tür . Die Frau erhob sich , trat zu ihm , und sagte : » Geht mit Gottes Segen , junger Reiter , und übet Treue , so lange Ihr lebt . « Witiko antwortete nichts . Die Frau ging vor ihm zur Tür , und vor ihm durch dieselbe hinaus . In dem Gemache , in welches sie kamen , spielten drei Knaben auf mehreren Hirschfellen , die man auf den Fußboden gebreitet hatte . Auf einer Bank saß ein Priester . » Sobeslaw « , sagte die Frau zu einem der Knaben , » sieh in der Stube , ob Bores dort ist , und rufe ihn her . Dein Vater will diesen Mann da versenden . « » Ja , Mutter « , rief der Knabe , sprang empor , und lief zur Tür hinaus . Ein anderer Knabe fragte : » Mutter , schläft der Vater ? « » Nein , Wenzel « , antwortete die Frau , » aber er muß Ruhe haben . « » Wir sind immer stille « , sagte der Knabe . » Ihr müßt noch eine Zeit stille sein « , entgegnete die Frau . Der fortgesendete Knabe kam zurück , und brachte einen bewaffneten Mann . » Bores « , sagte die Frau , » der Herzog sendet diesen Reiter fort . Er soll sich ein Pferd wählen , und das Notwendige erhalten . « » Es wird in kurzer Zeit bereitet sein « , sagte Bores . » Wo ist Wladislaw ? « fragte die Frau . » Er ist in das Holz geritten , und wird sogleich wieder kommen « , antwortete Wenzel . » Meldet es mir , wenn er kommt « , entgegnete die Frau , » seid gegrüßt , ehrwürdiger Vater , und Ihr , Witiko , reitet wohl . « Dann ging sie wieder in das Krankengemach . Der Priester , der aufgestanden war , setzte sich wieder auf seinen Platz , und Witiko und Bores gingen in die äußere Stube . Dort waren mehrere Menschen : Mannen , Priester und andere . Die zwei Männer schritten durch sie hindurch in den Vorsaal und die Treppe hinab in die unteren Räume und in den Stall . Nachdem eine Stunde vergangen war , wurde für Witiko das Tor geöffnet , und er ritt auf einem schwarzen Pferde des Herzogs in die Schneepfade der Gegend , die gegen Sonnenuntergang liefen , hinaus . Er hatte seine Füße für die Bügel mit starken Tüchern umwunden , über seiner Lederkleidung hatte er Pelzwerk , seine Haube war mit einem Stücke Bärenfell bedeckt , und seine Hände waren in Pelz gekleidet . In der Rechten trug er einen kurzen Wurfspieß , und an seiner Seite hing das Schwert . So ritt er fort , und am Morgen des vierten Tages kam er in Prag an . Er suchte eine Herberge , brachte das Pferd unter , besorgte die Reinigung seiner Kleider , und aß etwas zum Frühmahle . Dann ging er zum Hause des Bischofs . Er pochte mit dem Klöppel an dem Tore . Der Torwart öffnete ihm , führte ihn zur Treppe , und über diese hinauf in einen Vorsaal , wo er ihn einem geistlich gekleideten Manne übergab . Dieser fragte nach seinem Begehren . Witiko sagte ihm , daß ihn der Herzog sende , und wie er heiße . Darauf wurde er von ihm in ein erwärmtes Gemach geführt , in welchem unter einer Himmeldecke ein großes Kreuz des Heilandes stand . Die Tür neben dem Kreuze , sagte der Mann , führe zu dem Bischofe ; allein Witiko müsse warten , weil ein hoher Herr bei dem Bischofe sei , und mit ihm spreche . Witiko stellte sich an ein Fenster , und wartete . Der Mann ließ sich auf eine Bank nieder . Nach einer Zeit öffnete sich die Tür neben dem Kreuze , und zwei Männer traten heraus . Beide hatten ein veilchenblaues Überkleid . Der eine hatte eine hohe Stirne , dunkle Augen , und ein brauner Bart ging auf das Überkleid nieder . Der andere hatte blaue Augen und einen weißen Bart. Jeder trug ein goldenes Kreuz . Im Herausgehen sagte der mit dem braunen Barte zu dem andern : » Lernet ihn nur kennen . « » Ich kenne ihn , ich kenne ihn « , antwortete der mit dem weißen Barte . Dann gingen sie schweigend über den Fußboden des Gemaches bis zur Ausgangstür . Dort verabschiedeten sie sich , der mit dem braunen Barte ging heraus , der mit dem weißen wieder in das Gemach zurück , aus dem sie gekommen waren . Jetzt ging auch Witikos Begleiter in das Gemach . Nach einer Weile kam er wieder heraus , und führte Witiko hinein . Der Mann mit dem weißen Barte und den blauen Augen stand in dem Gemache , da Witiko eintrat . Der Begleiter entfernte sich . » Ich bin der Bischof Silvester « , sagte der Mann . » Mich sendet der Herzog Sobeslaw « , entgegnete Witiko . » So sei gesegnet , und setze dich auf jenen Stuhl « , sagte der Mann . Witiko setzte sich , der Mann setzte sich auf einen andern Stuhl , und sagte : » Nun sprich , wie erkenne ich deine Sendung ? « » Weil ich es sage « , entgegnete Witiko , » und weil Ihr mir durch dieses Zeichen helfen werdet . « Er zog das rote Beutelchen aus seinem Wamse , tat das Kreuzlein heraus , und reichte es dem Bischofe . Der Bischof nahm es , küßte es , und gab es Witiko wieder zurück . » Wann hat er dir das Kreuzlein gegeben ? « fragte er . » Vor vier Tagen am Morgen « , antwortete Witiko . » Hat er es dir aus dem Bette gereicht ? « fragte der Bischof . » Er hat seine Hand von der Bärendecke des Bettes gehoben , hat in den Schrein hinter dem Bette gelangt , hat das Beutelchen mit dem Kreuze hervorgezogen , und es in meine Hand gelegt « , sagte Witiko . » Es ist gut « , erwiderte der Bischof , » was ist dein Begehren ? « » Sie beraten auf dem Wysehrad « , entgegnete Witiko , » ich soll ergründen , was sie sagen , und vorhaben , und soll dem Herzoge die rechte Botschaft bringen . « » So will ich dir sagen , mein Kind , was ich weiß , und was ich offenbaren kann , reite dann zu dem Herzoge , und verkündige es ihm « , sprach der Bischof . » Das hieße ja nicht ergründen , was sie vorhaben , und dem Herzoge die rechte Botschaft bringen « , antwortete Witiko , » da Ihr selber sagt , hochehrwürdiger Bischof , daß Ihr nicht alles wißt , und nicht alles offenbaren könnt . « » Nun , und wie willst denn du es ergründen ? « fragte der Bischof . » Ich werde in die Versammlung gehen , und werde hören , was sie sagen , und beschließen « , entgegnete Witiko . » Das willst du tun ! « rief der Bischof , » armes Kind , sie werden einen Spruch über dich fällen , und nach dem Spruche verfahren . « » Das weiß ich nicht « , sagte Witiko , » aber ich muß auszuführen streben , was ich dem Herzoge versprochen habe . « » Und wie kann denn ich dabei dir helfen ? « fragte der Bischof . » Daß sie mich vor sich lassen , und anhören « , entgegnete Witiko . » Das könnte ich dir vielleicht verschaffen « , sagte der Bischof , » und das werden sie um so eher zugestehen , als du dich auf diese Art ihnen selber stellst . Aber es kömmt auf dein Haupt , was dann folgen wird . « » Es kömmt « , sagte Witiko . » Es ist auch unnütz , daß du dein junges Blut hieher trägst « , sprach der Bischof , » hast du den Mann gekannt , der von mir gegangen ist ? « » Nein « ; antwortete Witiko . » Es ist Zdik gewesen , der Bischof von Olmütz , der Sohn des Mannes Cosmas , der die Geschicke dieser Länder aufgeschrieben hat . Er gilt viel in dem Rate unserer Völker , und meint den schon zu kennen , der Herzog sein wird . Hast du den Arzt bei dem Herzoge gesehen ? « » Nein « , sagte Witiko , » nur seine Gehilfen . « » Er ist in Prag und bei mir gewesen « , sagte der Bischof , » und hat mir eröffnet , daß der Herzog , ehe der halbe Mond vergeht , sterben wird . « » Das kann der Arzt vielleicht wissen « , antwortete Witiko , » meine Sache aber ist eine andere . « » Es wird eine große Versammlung sein , zu der viele Menschen herein kommen werden « , sagte der Bischof , » und wenn in derselben Gott unser Herr nicht dem Rechte seine Geltung verschafft , sondern es noch weiter prüft , so kann der Herzog nichts ändern . Hast du noch Eltern ? « » Nur mehr eine Mutter « , sagte Witiko . » Dir wäre besser , mein Sohn « , sprach der Bischof , » wenn du bei deiner Mutter wärest , bis alles vorüber ist . « » Das kann nun nicht mehr sein « , sagte Witiko . » Und für den Herzog ist es einerlei , ob er jetzt weiß , was geschieht , oder ob er es später erfährt « , sprach der Bischof . » Ich habe ihm jetzt mein Versprechen gegeben « , antwortete Witiko . » Und wenn ich dir gar nicht an die Hand gehe ? « fragte der Bischof . » So werde ich meine Sache allein vollführen « , entgegnete Witiko . » Du hast ein vorschnelles Versprechen gegeben « , sagte der Bischof . » Ich habe es überlegt « , antwortete Witiko . » Wie die Jugend überlegt « , sagte der Bischof , » wie ist denn dein Name ? « » Witiko « , sagte Witiko . » Ich forsche nicht weiter « , sagte der Bischof , » Witiko , gehe in deine Herberge , mische dich nicht unter die Leute und in die Gespräche , sage einem der Meinen , wo sie dich finden , ich werde dir zur rechten Zeit eine Botschaft senden . « » Tut das « , sagte Witiko , » ich werde Euch folgen . « » So gehabe dich wohl , mein Sohn « , sagte der Bischof . Er legte leicht die Hand auf den Scheitel des Jünglings , und zog sie wieder zurück . Dieser verneigte sich tief , und ging . In dem Vorgemache waren jetzt mehrere Männer . Einer geleitete Witiko die Treppe hinab . Diesem sagte Witiko seine Herberge . Dann ließ ihn der Torwart auf die Gasse hinaus , und Witiko ging den nämlichen Weg , den er gekommen war , nach Hause zurück . Es kamen nun mehrere Tage , in denen Witiko wartete . Er ging in die Stadt , und sah die steinernen Häuser an , die unter den hölzernen standen , und er ging auf die lange hölzerne Brücke , die über die Moldau war , und ging wieder in seine Kammer zurück . Er sah manche Menschen , denen er anmerkte , daß sie von weit herzu gekommen waren , und in der Herberge wurde gesagt , daß , weil des Herzogs Ende nahe sei , eine Wahl sein werde , wer ihm folge . Da der dritte Tag des Monates Hornung gekommen war , erschien ein Mann des Bischofes Silvester in der Herberge Witikos , und sagte ihm , der Bischof lasse ihm melden , daß er des andern Morgens wohlgekleidet und geordnet sein möge , es werde ein Priester kommen , und ihn in die Versammlung der Lechen führen . Witiko versprach es . Als der folgende Tag , der vierte des Monates Hornung , angebrochen war , hatte Witiko sein wohlgereinigtes Lederkleid an , die Lederhaube auf dem Kopfe , und das Schwert an der Seite . Als der Priester gekommen war , ging er mit ihm durch die Straßen Prags . In denselben waren Menschen , welche ihre sonntäglichen Gewänder an hatten , in verschiedenen Richtungen gingen , und von den Dingen sprachen , die heute geschehen sollten . Der Priester und Witiko schlugen den Weg nach dem Wysehrad ein . Menschen gingen desselben Weges . Mancher Reiter zog mit großem Gefolge dahin . Mancher verfolgte einzeln den Weg . So gelangten sie an den Wysehrad , und gingen durch das Tor ein . In dem Hofe waren viele Menschen . Der Priester führte Witiko zu einer Treppe , und dann über diese in einen langen Gang . Wenn irgendwo Reisige standen , sagte der Priester ein Wort , und auf das Wort wurden sie vorüber gelassen . Von dem Gange traten sie in ein Gemach . Das Gemach war groß , und in demselben befanden sich sehr viele Menschen . Es waren Diener da , es waren Herren da , selbst Frauen und Mädchen . Von dem Gemache führte eine Tür in ein weiteres Gemach , in das sie gingen , und in dem wieder Menschen waren . » Hier müssen wir warten « , sagte der Priester zu Witiko . In dem Gemache war noch weiterhin eine sehr große Tür , an der Bewaffnete standen . Als sie eine Stunde gewartet hatten , trat ein Mann aus der hohen Tür , und rief : » Witiko . « » Du mußt allein hinein gehen « , sagte der Priester . Witiko ging an den Bewaffneten vorüber durch die hohe Tür , der Mann mit ihm , die Tür wurde hinter ihnen geschlossen , und Witiko stand vor der Versammlung . Es war ein sehr großer Saal . Der Saal war rückwärts und seitwärts ganz mit Menschen gefüllt . Nur wo Witiko stand , war ein größerer freier Raum . Er konnte auf alle sehen , und alle konnten auf ihn sehen . Vorne in der Versammlung , wo ein langer Tisch mit Schreibgeräten stand , saß der Bischof von Prag Silvester . An seiner Linken saß der Bischof mit den dunkeln Augen und dem braunen Barte , welchen Silvester Zdik den Bischof von Olmütz geheißen hatte . Dann saßen mehrere Äbte und geistliche Herren . Seitwärts saßen Priester , die zu den Untergebenen der Bischöfe und Äbte gehörten . Vorne in der Versammlung saß auch ein Mann in einem sammetnen dunkelpurpurnen weiten Gewande , das ein Gürtel zusammen hielt , in welchem aber kein Schwert hing . Auf dem Haupte hatte er eine dunkelpurpurne Haube mit einer weißen Feder . Ein weißer Bart floß auf das Gewand nieder . Neben ihm saß einer in grauem Gewande mit grüner Haube weißer Feder und weißen Haaren . Es war Smil ein Kriegsanführer , den Witiko im Zuge nach Sachsen gesehen hatte . Neben Smil saß einer in schwarzem Gewande mit schwarzer Haube grauer Feder weißem Barte , dann noch mehrere in kostbaren Gewändern . In den Reihen hinter diesen saßen vornehme Herren Böhmens schön geziert . Alle hatten ein Schwert . Witiko kannte keinen , oder er konnte ihn in der Menge nicht erkennen . Unter denen , die ganz rückwärts waren , glaubte er das Angesicht des Reiters zu erblicken , der sich bei Chynow den Sohn des Nacerat geheißen hatte . Auch sah er einen Mann , von dem er meinte , daß er damals Welislaw genannt worden war . Noch einen sah er , der in jenem Gefolge gewesen war , er kannte aber seinen Namen nicht . Als er in den Saal getreten war , nahm er seine Lederhaube mit der linken Hand ab , neigte sich , strich mit der rechten seine Locken zurück , und stand dann da , seine Augen auf die Versammlung richtend . Es war ein großes Gemurmel gewesen , als er in den Saal trat , wie es ist , wenn viele Menschen in einem Raume sind , und es ist größer geworden , da er eintrat . Manche erhoben sich , um ihn zu sehen , und rückwärts standen mehrere aufrecht , um besser nach vorwärts schauen zu können . Als das Geräusch sich minderte , erhob sich ein Priester , der neben dem Bischofe gesessen war , trat in den freien Raum vor dem Tische , und rief : » Ich bin der Abt von Kladrau ! « Hierauf schwieg er , und da sich nirgends ein Widerspruch erhob , und da fast eine gänzliche Stille eingetreten war , hob er an : » Liebe Mächtige und Wohlgesinnte ! Wir haben heute in diesem Hause eine Versammlung , die so groß und ehrfurchterweckend ist , wie selten eine in diesem Lande stattgefunden hat . Viele treue Männer haben , als das Unglück zu drohen schien , welches nun nahe ist , ihre Worte ausgetauscht , was vorzubereiten ist , daß der Jammer nicht erscheine , der schon öfter bei einem Wechsel auf dem Herzogstuhle in diese Länder gekommen ist : als aber die Nachricht unter die Menschen ging , daß es nicht mehr anders sein werde , als daß unser erlauchter Herzog Sobeslaw zum ewigen Leben in der Gesellschaft seiner Brüder , seiner Eltern und Vorfahren werde einberufen werden , so kam eine große Zahl edler Herren dieser Reiche herein , sie offenbarten ihren Stand und ihren Besitz , und verlangten zu den Versammlungen gelassen zu werden . Der Rat zu ernster Erwägung der Dinge und zur Findung des letzten Ausganges ist nun heute in diesem Saale versammelt . Aber ehe er seinen Gegenstand pflegen konnte , ist ein Fall gekommen , dessen Schlichtung vorher not tut . Ein junger Reiter ist erschienen , den unser mächtiger Herzog Sobeslaw gesendet hat , daß er ergründe , was die edlen Herren des Reiches beschließen , und es melde . Er will daher an die Versammlung die Bitte tun , daß sie ihn ihre Beratungen und Beschlüsse anhören lasse , damit er die Wahrheit berichten könne . Sein erstes Anliegen aber ist , daß ihm der Rat gestatte , seine Bitte vor ihm selber darzulegen . Weil durch Umfrage bei einsichtsvollen Männern , und dann in diesem Rate beschlossen worden ist , daß man ihn höre , und weil ich die Umfrage verursacht , und die Frage vor dieses Haus der Versammlung gebracht habe , so melde ich jetzt , daß der junge Bote vor euch steht , damit das geschehe , was bestimmt ist , und damit die , welche vor seiner Anhörung noch zu reden gemeldet sind , reden . « Als der Abt von Kladrau diese Worte gesprochen hatte , ging er wieder zu seinem Sitze , und ließ sich darauf nieder . Da dieses vorüber war , stand der Mann mit dem schwarzen Kleide und dem weißen Barte , welcher neben Smil saß , auf , trat in den freien Raum , und rief : » Ich bin Ben der Kriegsanführer und der zweite Führer dieses Hauses .