weit , und anfangen müsse man in guten Jahren , wie sie jetzt eines hätten , da merke man es nicht , weil man sonst kommen möge mit dem Gelde . Aber Uli ärgerte sich fast an allem , was über das Notwendige hinaus im Hause blieb . Geld zu machen , daß man sich in alle Spiele kehren könne , selb sei die Hauptsache , meinte er . Für das Haus könne man noch lange sorgen , wenn Gott einem das Leben lasse ; das wäre gut , daß man sein Korn nicht verkaufen müsse , wenn es so wohlfeil sei , sondern den Zins sonst machen könne . Nun gab Vreneli etwas nach , und etwas machte es nach seinem Kopf . Da ist aber keine rechte Freudigkeit , wenn Eines hieraus zerrt , das Andere dortaus , das Eine als Beute betrachtet , was es erzerrt , das Andere als Raub , was man ihm abgezerrt . Vreneli zog die Base zu Rat , ob es nicht gut wäre , einmal verflümert abzustellen und aufzubegehren , daß Uli wüßte , woran er sei , und daß es sich bei solchem Schaffen und Sorgen doch nicht meistern lasse wie ein klein Kind . » Mach es nicht , « riet die Base . » Was trägt es dir ab ? Kannst etwas an Vorräten erobern und etwas an Bettzeug , und wenn dir dann die Mause darüber kommen , was hast du dann davon ? Hundert Jahre , wenn ihr das Leben habt , mußt du es noch hören . Fahre in Gottes Namen fort , wie du angefangen hast , und verkauft er dir noch mehr , so lasse es auch geschehen ; denke , an einigen Ellen Leinenzeug und einigen Metzen Obst hängen Heil und Seligkeit nicht . « Während die Base so sprach , strich Joggeli um ein Wägelchen herum , welches geladen wurde , um auf den Markt gefahren zu werden . » Ja , ja , « sagte er . » so ist es recht , das müßte mir auch verkauft sein , und je mehr je lieber ; die Weiber sehen es freilich nicht gerne , wollen Vorräte haben , aber wofür ? Um die gute Frau zu machen oder einen Kreuzer Geld , von dem der Mann nichts weiß . Meine Frau hat mir damit geschadet , es weiß kein Mensch wie viel , und Vreni wird wohl von ihr was davon gelernt haben . Daher hast recht , gleich anfangs zu zeigen , wer Meister ist und welchen Weg es gehen muß . Das Geld wirst brauchen können , allweg fressen es die Mäuse nicht , und die Motten kommen nicht darein . « Solche Reden gefielen natürlich Uli wohl , stärkten seinen Glauben an Joggelis Wohlmeinenheit , an die Notwendigkeit , den eigenen Willen durchzusetzen , und in der Ansicht , Geld machen sei unter allen Künsten die erste und dringlichste . Als Weihnacht kam , hatte Uli wirklich ein schön Stück Geld aus all der Stümpelten gelöst , weit , weit über den Bedarf zu den Gesindelöhnen , und doch war es keine fröhliche Zeit , und das Neujahr war ebenfalls kein heiteres . Es ist oft der Fall , daß wenn man Dienstboten ändert , man den Wendepunkt , wo die alten aus- , die neuen einziehen , nicht er , warten mag und zwar beidseitig nicht . Das Verhältnis ist so giftig geworden , daß man sich nicht bloß kein gut Wort mehr gibt , nicht bloß zornig wird , wenn man sich sieht , sondern sogar , wenn man sich aus der Ferne husten hört . So war es aber in der Glungge nicht , im Gegenteil ; als der Zeitpunkt rückte , wo geschieden werden müßte , mochten beide Teile nicht gerne daran denken , hätten gerne dem Rade der Zeit den Hemmschuh untergelegt . Selbst Uli kam es jetzt , er hätte sich doch vielleicht den unrechten Finger verbunden , allweg habe er sich eine schwere Bürde aufgeladen und Jahre werde es gehen , ehe er aus den Klötzen , welche er angestellt , ordentliche Knechte herausgehauen und zurechtgemeißelt . Begreiflich gestand er es nicht , nicht einmal vor sich selbst wollte er so recht den Namen haben , daß es ihm so sei . Den Knechten ging es ähnlich , sie verließen ungern die Glunggen , zeigten es jedoch nur Vreneli , wie es ihnen war und daß sie wohl wüßten , wenn es nach seinem Kopfe gegangen , sie beisammen geblieben wären . Äußerlich hatten alle das Aussehen , als ob sie sich bitterlich haßten , aber innerlich war bloß ein Grollen , und zwar ein Grollen , daß man von einander mußte und zwar ohne Notwendigkeit , sondern weil jeder einen aparten Kopf hatte und Uli den allerapartesten , gespickt mit Joggelischen Brocken . Abgehende Dienstboten feiern , wie bekannt , das Neujahrsmahl noch mit , es ist das Abschiedsmahl , nach welchem sie weiterziehen auf ihrer Pilgerreise nach einer neuen Station . Viele essen und trinken da noch zum Platzen , um die alten Meisterleute zu ärgern und von ihren Rechten den ausgedehntesten Gebrauch zu machen , und leben doch am besten am Gedanken , wie zornig sie ihre Meisterleute verlassen . Das ist auch ein wüst Zeichen der verkehrten Natur der Menschen , eine wahre Teufelsüchtelei . So gings in der Glungge nicht , man war karg mit den Worten , mit Essen und Trinken ging es auch nicht recht , wie sehr Vreneli nötigte . Daher kam die Offenheit nicht , welche der Wein manchmal bringt , die frostigen Bernernaturen tauten nicht auf , kurz machte man die Sache und düster zog das Jahr auf der Glungge ein , und als am folgenden Morgen die Abgehenden Abschied nahmen und sagten : » Lebet wohl und zürnet nüt « , waren die Gesichter auch duster , doch war keine Stimme , die nicht gebebt hätte , wenn sie Vreneli sagte : » Leb wohl und zürne nüt . « » Leb wohl « , sagte dann Vreneli , » und wenn du vorbeigehst , so komme ins Haus und berichte , wie es dir geht . Hörst , und vergiß es nicht , ich zürnte es , wenn du es nicht tätest . Je besser es dir geht , desto mehr wird es mich freuen . Aber es ist keine Gefahr um dich ; stellst dich gut , so gehts dir gut ; gibts dir etwas Ungesinnetes und können wir dir helfen , so vergiß uns nicht und denke an uns . « Selbst Uli sagte : Sie sollten ihm nicht zürnen ; wenn sie einmal selbst in seine Lage kämen , so würden sie ihn begreifen . Wenn einer einen Anfang hätte wie er , so müsse er sich sturm sinnen , woher er die Kreuzer alle nehmen wolle . So schieden sie im Frieden auseinander , und dies ist allemal schön . Wer aus allen Häusern im Frieden scheidet , darf hoffen , einst auch im Frieden zu scheiden aus dieser Welt und einzuziehen mit Freuden in Gottes himmlisches Haus . Am Nachmittag und am folgenden Tage zogen die neuen Dienstboten ein , und Vreneli ward es ein um das andere Mal übel . Es ist ein wunderlich Geschöpf , so ein Menschenkind , und noch wunderlicher krabbelt es ihm im Kopf herum , noch viel wunderlicher , als in einem chinesischen Wörterbuche die achtzigtausend Schriftzeichen , welche die chinesischen Gelehrten ersonnen haben sollen , krabbeln mögen . Ja , müssen noch ganz andere Gelehrte haben , die Chinesen , als wir , haben aber auch um so längere und dickere Zöpfe , begreiflich ! Was so in eines Knechtleins Kopfe krabbelt , stellt sich selten ein Mensch vor , und wäre es auch ein Gelehrter , selbst ein deutscher . Sie kamen daher wie Dampfkessel , auf zwei schlechte Beine gestellt zwar , aber aus allen Löchern pfiff und schurrte der Dampf , sintemalen sie aufgeblasen waren , was die Haut ertragen mochte . Erstlich bildeten sie sich schrecklich viel ein , daß sie wirklich einen Platz hatten und noch dazu an einem so berühmten , großen Bauernorte . Wer ihnen begegnete , frugen sie , wie weit es noch bis zur Glungge sei , und jeder mußte vernehmen , dies sei der Berühmte , man werde schon davon gehört haben , der dort als Melker oder Karrer einziehe oder gar als Meisterknecht , denn so genau nahmen sie es nicht . Sie bildeten sich auch wirklich ein , Solche wie sie seien noch nie diese Wege gewandelt , denn sie gingen nicht , sie wandelten . Als sie endlich an Ort und Stelle angewandelt kamen , mußten sie natürlich zeigen , wer da angewandelt käme , und so kamen sie wirklich wie aufrechte Dampfkessel auf zwei Beinen . Vreneli weinte zuletzt , doch bloß für sich . Uli stunden die Haare bolzgerade auf vor Zorn , er verwerchete ihn jedoch auch im Stillen . Joggeli saß hinter dem Fenster und verwerchete nur Galgenfreude , jedoch auch im Stillen , erfürchtete sich doch zuweilen vor den Kernsprüchen seiner Frau . Nach und nach langte auch die Bagage an ; die war traurig , es war , als käme sie aus dem siebenjährigen Kriege und härte alle Schlachten mitgefochten . Mädi wars , welche rekognoszierte und sichere Berichte darüber brachte . Mädi war also geblieben , Vreneli zu Lieb und Ehr . Uli konnte es nicht verzeihn , daß er die Andern zum Abzug gebracht . Mädi hatte keinen Liebhaber unter den Abgehenden , aber das Ehrgefühl rechter Mägde , welchen alles daran gelegen ist , daß es gut gehe da , wo sie dienen , daß es heißt : da werde recht gearbeitet und bessere Ordnung sehe man nirgends . So viel Verstand hatten zur selben Zeit die Dienstboten , daß die Ehre des Orts auch auf die fiel , welche zu dieser Ordnung beitrugen . Mädi hatte Schadenfreude und sagte , es geschehe Uli recht , daß er solchen Zeug gekriegt , der werde das Jahr über für mehr als zweihundert Taler Zorn und Verdruß zu schlucken haben . Nur sei es nicht recht , sagte es zornig , daß die Unschuldigen mitleiden müssen . Das werde eine Zuversicht geben , daß man vor Zorn nicht mehr werde die Augen auftun mögen . Aber was ihns am zornigsten mache , sei , daß man die Lumpen alle Wochen werde waschen müssen und dann die halbe Woche ums Haus herum werde zu hängen haben , das werde doch der Glungge wohl anstehen ! Die Leute werden glauben , es sei da ein Lumpensammler eingezogen und trockne an den Zäunen , was er naß zusammengetragen . Es hasse nichts mehr , als so verhudelte Hemdchen zu waschen . Anrühren dürfe man sie nicht , das Wasser ertrügen sie nicht , an der Sonne führen sie auseinander und das leiseste Lüftchen trage die Fetzen dem Teufel zu , und wenn dann nichts mehr sei , so müsse man alles gestohlen haben . Am besten sei es , Uli wasche selber , Vreneli solle es ihm sagen , Mädi wolle damit hell nichts zu tun haben . Vreneli sagte nichts , aber Mädi konnte sich nicht enthalten , Uli zu fragen : » Sag , Uli , in der hintern Kammer sind noch zwei große alte Tröge ; soll ich diese etwa ausputzen , damit die neuen Knechte Platz haben für ihre Sachen ? « » Wenn es nötig ist , so will ich es dir schon befehlen , « schnauzte Uli . » Einstweilen siehe nur zu dir und mache , daß du immer Platz hast . « » Jä so « sagte Mädi , » ist das so gemeint ? Das wird eine strenge Obrigkeit geben sollen , wo man nicht mehr das Maul auftun soll und sagen , was einem dreinkommt . « » Höre . Mädi , « sagte Vreneli , » schweig und laß der Sache den Lauf . « » Aber darf man dann kein Wort mehr sagen hier ? Soll das so streng gehen ? « » Reden kannst , so viel du willst , aber Öl ins Feuer schütten , selb tue mir nicht , selb ist nie erlaubt und war es zu keinen Zeiten . Aber es ist halt eine böse Zeit ; was klar war , wird finster , und je mehr die Menschen sich einbilden auf ihre Weisheit , desto dümmer gehen sie mit allem um , und was gesetzlich beschränkt war , soll jetzt gesetzlich erlaubt sein , Gift und Feuer in jedes Kindes Hand zu freiem Gebrauch gestellt werden . « Es war in der Tat nicht nötig , bei Uli Öl ins Feuer zu schütten , es brannte ohnehin sattsam in ihm . Uli hatte sich vorgestellt , wenn er wohlfeile Knechtlein dinge für seine höhern Stallstellen , so kämen die demütig daher im Gefühl , wie ihre dermaligen Kräfte ihrer Aufgabe nicht gewachsen seien , und mit dem Vorsatz , das Fehlende baldmöglichst zu ergänzen . Aber potz Himmeltürk , wie gröblich hatte Uli sich geirrt ! Den Bürschchen kam nicht von weitem in Sinn , daß sie noch was zu lernen hätten ; so wie sie ihre Posten hatten , hatten sie auch das Bewußtsein vollständiger Vollkommenheit . Sie hätten es immer so gemacht , sie seien es so gewohnt , allenthalben , wo sie gewesen , sei es so recht gewesen , sie wüßten nicht , warum es hier nicht auch recht sein sollte . Das war ihre Antwort , mit welcher sie bei jeder Zurechtweisung bei der Hand waren . Um so trotziger gaben sie diese Antwort , weil sie Uli als ihresgleichen betrachteten . So einer , der auch nur erst Knecht gewesen , solle nicht kommen und sie dressieren wollen ; von einem , der nicht mehr sei als sie , ließen sie sich nicht kujonieren , dem wollten sie es zu merken geben , daß sie wohl wüßten , wer er gewesen , wenn er es etwa vergessen wolle ; solche liebliche Gedanken hatten sie . Man kann sich denken , welch lieblich Dabeisein Uli hatte , und durfte nicht klagen . Selbst getan , selbst haben , mußte er denken . Aus der Tenne war viel Korn getragen worden , was nicht immer der Fall ist , wenn auch viel Garben eingefahren worden sind . Aber aufschlagen wollte es nicht , die Müller taten sehr wählig und selten sah man einen bei einem Bauernhause . Dagegen schneite es mächtig , regnete drein , fror wieder zu , schneite wieder , so daß Uli dachte , es lege sich eine Eiskruste über die Äcker , unter dieser ersticke der Samen oder die Mäuse täten ihn fressen . Im Frühling oder gegen den Sommer müsse das Korn allweg aufschlagen , und da sei es doch hart , unter dem Preise verkaufen zu müssen , um den Zins zahlen zu können , den Joggeli durchaus nicht nötig hatte . Die Pachtherren haben es gar verschieden gegenüber ihren Pächtern . Es ist hier nicht von irländischen , nicht von englischen Pachtherrn die Rede , sondern von schweizerischen , begreiflich . Einem Pachtherrn , der noch lebt , brachte einmal ein Pächter den Zins gleich am Verfallstage . Der Pachtherr fuhr ihn schrecklich an : » Meinst , ich habe das Geld so nötig wie so ein Lumpenbub von deinem Kaliber ? « Und fast hätte er den armen Teufel vom Hofe gejagt . Der Pächter hatte gemeint , wie gut er es mache , hatte das Geld in allen Ecken zusammengelesen , kam stolz daher im Hochgefühl freudiger Erwartungen und wurde angefahren , daß ihm die Knie noch lange nachher wackelten . So kann man sich täuschen in seinen Erwartungen , wenn man die Menschen nicht kennt ; der kam aber sein Lebtag nie mehr am Verfalltage mit dem Zins daher . Ein anderer Pächter kam zu seinem Pachtherren auch ohne langes Warten mit dem vollen Zins und meinte , was er tue und wie wohl er ankäme . » Es scheint , « sagte der Pachtherr , » die Pacht sei gut , daß Ihr den Zins so schnell machen könnt . Ja , ja , die Zeiten sind gut für die Pächter , alles gerät wohl und gilt viel , ein Birnstiel ist wie bar Geld . Apropos , was ich habe sagen wollen : ich gönne Euch die Pacht , aber per Jucharte muß ich zwei Taler Zins mehr haben , anders tue ich es nicht . Für mich sind die Zeiten bös , alles ist teuer , ich muß sehen , wie ich mich durchbringe . « Wart , du alter , verfluchter Schelm , dachte der Pächter , der auch nicht dumm war , dir bin ich schlau genug für die Zukunft , wenn du mich jetzt nicht kriegst . Und demütig tat er , rutschte fast auf den Knien herum und redete verblümt von einem Erblein , welches ihn in den Stand gesetzt , die Pacht zu zahlen , kurz er brachte es dahin , daß der Herr bei dem gleichen Pachtgelde blieb . Von da an kriegte selber Herr den Zins nie schnell und ganz , sondern erst auf langes Mahnen hin verstückelt und unter hundert Seufzern und Bitten , doch abzulassen , dieweil der Zins nicht zu erschwingen sei , das Blut unter den Nägeln hervorgepreßt werden müsse , um ihn aufzubringen . Das freut dann den Herrn gar sehr , daß er sein Land so hoch angebracht , den Pächter so hart gepreßt , läßt aber nicht ab , schlägt aber auch nicht auf , und er und der Pächter sind herzlich wohl zufrieden mit einander . Sind doch zuweilen kuriose Leute , die Menschen ! Uli wußte aber , daß Joggeli weder zu der einen noch zu der andern Sorte gehörte . Er war zu mißtreu , um gerne lange Geld ausstehend zu haben , hatte es zu gerne in den Händen und trieb Kurzweil mit Zählen , als daß er es gerne lange mißte . Sollte er also verkaufen um geringen Preis , um den Zins zu machen , sollte er sein Geldlein einziehen und das Korn sparen ? Das ging ihm im Kopfe herum , daß er oft aussah akkurat wie eine wandelnde Brummelsuppe . Das dritte Ding ( an zweien wäre es mehr als hinreichend gewesen , um einen Uli rappelköpfig zu machen ) war Vrenelis Zustand . Vrenelis Zustand war eben kein besonderer , aber es war das erstemal , daß Vreneli darin war , Uli so was erlebte , und da meint man dann wunder , wie apart alles sei und das Allerschrecklichste vor der Türe stehe . Je inniger die Liebe , desto größer auch die Angst . Und Uli hatte Vreneli von Herzen lieb , er sah gar wohl , was er an demselben hatte , aber seine Liebe war halt nicht besser als ein Diamant , der , selbe läuft im Nebel der Welt auch an , ja sogar mit irdischem Kote kann man ihn bedecken . Wie sehr Uli Vreneli auch liebte , den rechten Verstand in solchen Dingen und Zuständen hatte Uli doch nicht , bei aller Angst . Die Weiber haben es gerne , wenn man sie an Ruhe mahnt und die Arbeit ihnen wehrt , sie tun dann gerne noch einmal so viel als sonst und ohne sich zu beklagen . Uli kannte das nicht , und wenn Vreneli nicht immer bei allem war wie sonst , so vermißte er es , frug ihm nach , fragte , ob ihm was fehle , dies und jenes sollte gemacht sein ; wenn man nicht immer hinten und vornen sei , so sei nichts gemacht usw. Er merkte in seiner Hast nicht , daß er damit Vreneli weh tat ; er meinte es gut , hatte aber halt den Verstand nicht . Wer ihn halt nicht habe , dem müsse man ihn machen , meinte die Base . Sie hielt Uli eine scharfe Predigt , machte ihm himmelangst und die Hölle heiß , er versprach das Beste . Fortan , wenn er fragte : » Wo ist Vreneli ? Vreneli , das und das sollte gehen , das und das solltest machen « , so setzte er allemal hinzu : » Oder magst etwa nicht , so sag es , ich will dann sehen , wer es macht oder wie es geht . « Die Base sagte oft : Ein Kalb sei dumm , aber so mit einem jungen Mann sei es doch noch lange nicht zusammenzuzählen . » Selbst mit manchem alten nicht « , brummte sie manchmal nachsätzlich . So geduldig die Alte mit dem lieben Gott war , so sehr sie überzeugt war , daß alles komme aus seiner väterlichen Hand zu unserm Besten , Käfer sogar und Mäuse , so geduldig war sie auch mit dem Mannevolk ; aber sie betrachtete es eben wie Käfer und Mäuse , wie eine Art Ungeziefer , welches man in Geduld und Langmut zu ertragen habe , weil es eben von Gottes väterlicher Hand geordnet sei . Ihre Ansicht darüber freimütig aus , zudrücken , hielt sie erlaubt . Es war Uli aber auch etwas zu verzeihen . Wo er nicht war , ging was Krummes , bald was mit den Rossen , bald was mit den Kühen . War er im Walde , so gabs daheim was Dummes , war er daheim , so kam man aus dem Walde mit einem zerbrochenen Wagen heim oder einem blessierten Rosse . Da kommt dann gerne so eine all , gemeine Ungeduld in die Glieder . Wie es gehen solle , wenn Vreneli ganz dahinten bleiben müsse , das begriff Uli nicht . Indessen so was muß man begreifen lernen , man mag wollen oder nicht . Sechstes Kapitel Ein Kindlein kommt und wird getauft Unwiderstehlich rücken die Tage vor , einer nach dem andern , unerwartet kommt der rechte , der die Entscheidung bringt , Leben oder Tod , Weh oder Freude hält in seiner Hand und eben darum ein so banger ist , weil man nicht weiß , welches von beiden er birgt in der verschlossenen Hand . So kam er auch unerwartet auf der Glungge , eben als Vreneli noch eine kleine Wäsche abtun wollte , damit die Knechtlein wieder was Sauberes am Leibe hätten . Er brachte weder Weh noch Tod , sondern ein klein Mägdelein , das mörderlich schrie , den Mund aufriß bis hinter die Ohren , von welchem jedoch die Base versicherte , daß sie ein so hübsches nie gesehen hätte . Elisi sei auch hübsch gewesen und kein Mensch würde gedacht haben , daß es am Ende nur so zu einem dürren Birnenstiel auswachse , aber gegen dieses sei es doch nur ein Schatten gewesen . Die Freude war groß bei Uli und Vreneli , doch konnte Uli sich nicht enthalten , merken zu lassen , wie er lieber einen Buben gehabt , wegen der Hülfe . So ein Bub könne man gar früh brauchen und glaube nicht , wie kommod er einem Vater komme . » Warte nur , du wirst noch Buben genug kriegen , darum hat dir Gott das Kindermädchen vorausgesandt , « sagte die Base . » Mit den Buben ist es halt nichts , als daß sie in allem sind und man ganze Tage ihnen abwehren muß . Mädchen hangen der Mutter an der Schürze , und wie sie auf den Füßchen stehen können , hat man Hülfe von ihnen ; sie heben was auf , sie tragen was nach , sie sehen zur Milch auf dem Feuer , daß sie nicht überläuft , zum Kraut im Hafen , daß es nicht anbrennt . Klein können sie es , groß vergessen sie es manchmal , « setzte sie seufzend bei . Die Base war der Wächter über Mutter und Kind . Sie sorgte , daß Beide das Nötige erhielten zu rechter Zeit , Vreneli sich nicht selbst darum mühen mußte oder sonst zu früh in Anspruch genommen würde . Da Mädi bereits bei der Base gedient , so gab es keine Kompetenzstreitigkeiten , wie sie bei ähnlichen Gelegenheiten sonst nicht selten sind , namentlich zwischen einer allfälligen Frau Schwiegermutter , welche in solchen Fällen eigens herkommt , und dem Gesindepersonal . Es mußte schon mancher arme Schwiegersohn taufen lassen über Hals und Kopf , damit er der mit aller Welt im Kriege liegenden Schwiegermutter los und wieder zu Frieden käme . Solch ein vernünftiger Wächter täte jeder Wöchnerin wohl , aber eben ein friedlicher , der nicht mit Krieg und Kriegsgeschrei sie in neue Nöten und gefährliche Fieber bringt . Diese Wächter müssen sich aber freiwillig eben in befreundeten Personen finden , fremde irren , allfällige Vereine sind auf dem Lande was Treibhauspflanzen , versetzt in bäuerische Gärtchen . Solche Wächter finden sich auf dem Lande unter den älteren Frauen , soweit es ihre Geschäfte erlauben . Wie alte Offiziere immer bereit sind , Freiwillige vor , zustellen , und wenn das nicht mehr möglich ist , doch gar zu gerne ihre alten Kriegszüge repetieren und sich dieselben so recht lebendig vergegenwärtigen , so lieben Weiber , welche die Zeit unbarmherzig über die Tage der Kindbetten hinausgetragen , die Betten junger Weiber und erquicken sich dabei an der Vergegenwärtigung der eigenen Feldzüge . Die Base war wirklich da wie der gute Engel , und wenn Joggeli schon brummte , sie täte dümmer als eine Großmutter und wenn er sterben täte , sie merkte es kaum , so nahm sie es kaltblütig hin und tat , was ihr not schien . Mehr ärgerte sie sich über Uli , der ihr alles zu kaltblütig nahm und so in seinem Treiben und Jagen befangen war , daß er weder Zeit nahm zu besonderen Vaterfreuden noch recht Zeit , der Sache , wie man zu sagen pflegt , nachzulaufen , und doch war es Winter . Kaum daß er Zeit hatte , die Taufzeugen auswählen zu helfen . Begreiflich war Patin die Base , des Bodenbauern Frau die zweite , mit der Wahl des Paten hatte es Not . Endlich ward dazu ein alter Vater erwählt , von dem die Base sagte : Der müsse doch einmal auch herbei , wüst getan habe der sein Lebtag . Es nehme sie wunder , was der für ein Gesicht mache und ob er daran denke , eins zuwege zu bringen , welches er dem lieben Gott zeigen dürfe , von wegen in Sinn werde es dem doch kommen , daß wenn man siebenzig Jahre alt sei , das Abmarschieren nicht mehr fern sein könne . Vreneli schüttelte den Kopf dazu , dies Gesicht hätte es lieber nicht gesehen . Von diesem Manne hatte es immer nur mit dunkeln Worten reden gehört als wie von einem Gespenst , und wenn es weiterfragen wollte , so hatte man gesagt : » Das ist ein Wüster , am besten ists , man rede nicht von ihm . « » Ein Unflat war er , du hast recht . « sagte die Base , » und ich werde das Unservater auch zweimal statt nur einmal beten an selbem Tag , wo ich ihn sehen muß . Aber sieh , vielleicht kommt es ihm in Sinn , gut zu machen , vielleicht denkt er dabei an seine Sünden und an ein Gesicht , welches unser Herrgott gerne sieht , und es fehlt ihm die Gelegenheit dazu ; die wollen wir ihm geben , er hat doch dann keinen Vorwand , wenn der Richter ihn frägt : Hans ! Und Vreneli ? Tut er dann nicht darum , je nun so dann , so haben wir doch das Unsere getan . « » Aber Base , « sagte Vreneli , » wer soll ihn zu Gevatter bitten , « » Uli , versteht sich , « sagte die Base . » Nein , Base , « sagte Vreneli , » dies darf ich Uli doch wirklich nicht zumuten , er könnte mich dauern , das Gevatterbitten ist ihm ohnehin schrecklich zuwider . Sehet nur , was er für ein Gesicht macht , wenn er Euch die Sache vorbringt , und sieht Euch doch alle Tage und hält Euch fast für die Mutter . Auch zu Bodenbauers Frau zu gehen , macht ihm Kummer . Erst dann noch zu dem Vetter , den er nicht kennt , der sein Lebtag nie was von mir wissen wollte , der jagt ihn mit dem Stock vom Hause weg . Jahrelang vergißt mir Uli das nicht , wenn wir ihn an einen solchen Ort schicken . « » Schweige nur , er muß gehen , das tut ihm nur wohl ; die Manne müssen nicht meinen , daß sie nur das zu machen hätten , was ihnen anständig ist und für gut dünkt . « sagte die Base . » Wofür hätte man sie sonst , die Tabakstinker , wenn man sie nicht zuweilen an etwas hinschicken könnte , welches man nicht selbst anrühren mag ? « » Aber Uli geht Euch nicht , Base , und warum ihn böse machen so für nichts und wieder nichts ? « sagte Vreneli . » Das verstehst du nicht , « sagte die Base . » Uli geht , man muß es nur machen wie der Tüfel mit den Menschen , zu guten Sachen wird das wohl erlaubt sein . Man muß ihn bei der schwachen Seite nehmen . Da kömmt er . Will dir gleich zeigen , wie man das macht . « Vreneli wollte noch einreden , wie das ihm auch nicht anständig sei , aber Uli trat schon ein , und die Base sprach : » Du hast mich noch nicht zu Gevatter gebeten , und die Leute sagen doch , ich solle Pate