. Es sind ja überall schlimme Zeiten . Aber meine gnädige Frau giebt mir zu , wenn wir unsere Agnes mal als Aebtissin sehen wollen , müssen wir etwas thun . « Die Hausfrau hob die Hände und zeigte ihre zehn Fingern dem Dechanten : » Nun ist ' s genug . Ich soll theilen das sündige Spielgeld , damit ich schweige ! Mein Kind soll ich ausstatten damit ! Die heilige Agnes mag nehmen , was sie verantworten kann , denn sie ist eine Heilige und weiß es besser als ich ; aber meine Agnes soll Aebtissin werden durch Deinen Würfelraub ! Und wenn sie dienende Magd ihr Lebtag bliebe , sie soll lieber Pförtnerin , Küchenschwester , Scheuermagd bleiben , als durch das Teufelsgeld Aebtissin . Herr Dechant , wenn Ihr nicht mein Beichtvater wäret und wir alte Freunde ! So spricht die Schlange . Mir das ! Seht Euch ja nicht um , mäuschenstill ; er steht hinter Euch der Verführer , riesengroß . Der Menschenfeind spricht aus Euren Lippen und Ihr wißt es vielleicht selber nicht . ' S ist doch ein Jammer , daß der Verderber selbst Macht hat über die Geweihten des Herrn . Wo soll denn ein sündiges Menschenkind sich Trostes holen . « » Bleibt still stehen , « rief sie ihm nach , als er ihr folgen wollte . » Für die Nacht graut mich vor Euch . Morgen früh - nun morgen früh ist ein anderer Tag ; wir haben ' s vielleicht beide vergessen und halten ' s für einen Traum . Das wäre das Beste . « Zur ebenen Erde sah es derweil wüst aus . Der Becher , den der Gast dem Dechanten nach dem letzten Wurfe an den Kopf geworfen , rollte noch auf der Diele . Die Würfel lagen zerstreut , und Keiner schien Lust zu haben , sie aufzulangen . Der Herr von Lindenberg aber ging , wie sehr erhitzt , im Zimmer auf und ab , bis er sich auf den Lehnstuhl des alten Götze warf . Den gespornten Fuß legte er auf die Bank und stützte den Kopf auf den Ellenbogen . Peter Melchior saß am Tisch in ähnlicher Stellung ; die beiden Junker , Hans Jürgen und Hans Jochem standen an der Wand . » Ich hab ' s gesagt , hütet Euch vor dem Pfaffen « , sprach Peter Melchior . » Was in des Pfaffen Sack kommt , ist verloren . Jeden anderen kann man kitzeln , aber die todte Hand giebt nichts wieder raus . « » Eine verfluchte Geschichte ! « brummte der Gast . » Wieder haben muß ich ' s. Seine kurfürstlichen Gnaden gab mir auf der Jagd ihren Beutel , um bei der Rückkehr die Almosen auszuwerfen . « » Die Glatzen sind auch arme Leute ! « sagte höhnisch der Andere . » Daß der alte Götz grad ' heut schlafen muß . « Peter Melchior lachte : » Sein Korn ist noch nicht verkauft . « » Mein ' s schon auf dem Halm , und das Geld zum Schornstein hinaus « , fiel der Gast ein . » Ist hier Keiner in der Nähe ? Der Stechow hat nichts , der Holzendorf auch nicht ; der Arnim giebt nichts raus . Ist kein Jude herum ? Nur bis Morgen , bis Uebermorgen soll ' s , der Kurfürst ist darin ängstlich wie eine alte Jungfer um ihren Ruf . « Es fand sich kein Jude , kein reicher Mann . » Blitz ! « rief der Junker Peter Melchior . » Der Krämer Hedderich ! Hätten wir den nicht gehen lassen . Der könnte die Ehre haben für einen Edelmann ein Paar Tropfen zu lassen . Und der Mann ist ' s werth . Als ich so ein bischen in die Kisten und Kasten hineinfühlte , klimperte eine sehr verdächtig . « Der Herr von Lindenberg spitzte die Ohren und fragte weiter , etwa wie ein Mauthbeamter , welcher einem Schleichhändler auf der Spur ist , der ihm zum Schabernack die Grenze passirt hat . Auch die beiden Junker wurden in ' s Gespräch gezogen und wie Zeugen vernommen . » Hedderich ! « Der Gast strich sich über die Stirn . » Den Henker auch , wer kann alle Namen behalten . Wo zog er des Weges . « » Sprach , daß er wollte nach Kölln an der Spree . « » Was wollte er in Kölln ? « » Däucht mich , « sagte Hans Jochem , » wenn ich recht gehört , eine Restzahlung im Schlosse eincassiren . « » Waren Grauschimmel vor seinem Karren ? « Die andern bejahten es . » ' S ist richtig ! « sprach der Herr von Lindenberg , sich auf die Lenden schlagend . » Dacht ich mir ' s doch gleich . So pfiffig sind die Spitzbuben . Wißt , der Kerl , der zerloddert aussieht , wie ein Lazarus aus dem Pracherland , unter seinen Lumpen und Bändern für Bauerndirnen und Stallmägde , führt Wollenzeuge , wie man sie zu Land nicht sieht . Aus Böhmen und Wien her kriegt er sie von den Türken , gewebte , bunte Tücher aus Indien und Schmarkand . Die führt er an den Höfen umher ; Fürsten nur können so was kaufen . In Saarmund am Zoll trafen wir auf ihn . Hatte da auspacken müssen , Seine Gnaden sah es , und kaufte ein gut Stück von den Decken und Tüchern für seine Verlobung , und , wie er ist , zahlt er sogleich den halben Kaufschilling ; o es waren an die zwanzig Mark , die der Kerl einsteckte . Den Rest sollte er sich im Schloß zu Kölln holen . Ewald Köckeritz und die drei Lüderitze fragten ihn , wann er nach Berlin käme sich das Geld zu holen ! Solches Volk riecht aber gleich Lunte , und er band ihnen ein Mährlein auf , daß er über Ziesar nach Magdeburg wolle unterm Geleit des Erzbischofs . Dann glaube ich über Havelberg nach Stettin und auf dem Rückwege erst nach Kölln . Trau Du dem Pack ! Das ist uns nun verloren . « » Die Lüderitz und der Ewald treibens auch zu dreist , « fiel Peter Melchior ein . » Ihr wißt ja wie die Krämer beten : Behüte uns , lieber Herre Gott , Vor Köckeritze , Lüderitze , Vor Krachte und vor Itzenblitze ! « Der Gast warf ihm einen Blick zu : » Zügle Deine Zunge , auch die Wände haben Ohren . « Aber Peter Melchior sah die Jungen an : » Duldet Ihr das ! Ihr seid adlig Blut . « » Wer zweifelt daran ! « sprach der Fremde , und reichte Hans Jürgen die Hand , » aber man kann nicht vorsichtig genug sein . « » Er ist ja nicht sein Vater , Hans Cicero , der die Weisheit mit Löffeln fraß , und uns den Schmachtriemen um den Bauch schnallte . « » Wißt Ihr ' s , was er wird ! « sprach ernst der Gast und winkte ihnen , sich ihm näher zu setzen . Das Gespräch ward leiser fortgeführt . » Ihr seid junge Leute , « sprach er zu Hans Jürgen und Jochem , » aber vor Euch steht ein schlimmes , trübes Leben , wenn - wenn es nicht besser wird . « » Ein klein Vergnügen fällt doch wohl ab , dann und wann « , lächelte Peter Melchior . » Nicht , wenn Ihr ' s so anfangt wie jetzt , nicht wenn Ihr nicht klüger werdet . Ich sag ' s Euch , die Mark wird werden ein Hundestall nicht für den Adel , die Edelleute sind die Hunde d ' rin . Die Fürsten , die Pfaffen , die Gelehrten , Himmel und Hölle , ich glaube gar das Bürgerpack wird das Regiment führen und die Peitsche . « » ' S klingt sonderbar , wenn der Herr von Lindenberg so spricht , unseres Kurfürsten Liebling und Rath . « » Ich bin ein Edelmann , ein Ritter , meine Freiheit ist mir lieber als Alles « - er schlug sich an die Brust - » weiß Gott , dafür wach ' ich , denk ' ich , träum ' ich , aber mit Holzblöcken verkehren müssen ! Diese Köckeritze , Itzenblitze , Krachte , statt zu helfen verderben sie ' s. So richtet man ' s nicht aus , so arbeitet man nicht für die Zukunft . Es ist so viel verdorben , seit der Segen aus Nürnberg in ' s Land geschneit kam , hundert Jahre haben sie an unseren Rechten gefeilt und gebohrt , unsere Vesten sind gefallen , der Block und die Verließe haben unsere Wackersten hingerafft , und nun meinen die Dummköpfe , weil er ein Knabe ist , könnten sie ihm auf der Nase herumspielen . Mit solchen einfältigen Neckereien , solchen Strauchdiebereien ist ' s nicht gethan . Mit ' nem Laternenpfahl gebt Ihr ihm einen Wink , und glaubt mir nur , er ist nicht auf den Kopf gefallen ; er versteht ihn . « Aber der Junker Peter Melchior schien den Redner nicht zu verstehen . » Sie werden ihn schon allgemach lehren , daß die Straßen von Alters unser sind . « » Auf die Art gewiß nicht . Ihrer Zeit thaten die Putlitz , die Quitzow , die Bredow , meinethalben Alle , thaten was sie konnten , und es mag nicht ihre Schuld sein , daß wir keinen zweiten Kremmer Damm hatten . Wir aber zerfielen in uns , wir hielten nicht zu einander . Seht in Schwaben , in Franken , am Rhein , dort waren sie klüger , sie thaten sich zusammen in Bündnisse , in Orden . Es ist eine Masse von Männern , Rittern , Burgen , an denen die Fürsten ihre Zähne probiren können , und mancher brach schon dabei . « » Wir haben keine Berge und Felsen , unsere Burgen stehen in Sand und Sumpf . « » Darum hätten wir - Doch das Gethane läßt sich nicht ändern . Jener erste stolze Friedrich , jener andere mit den eisernen Zähnen , auch Albrecht , der nur als Landvoigt zu uns kam , uns seine Achillesfersen fühlen zu lassen , haben es nicht gethan . Die betrachteten uns noch als ein fremdes Land , das sie zügelten und preßten . Wenn ihnen nicht mehr heimisch drin war , zogen sie in ihre fränkischen Berge ; dann athmeten unsere Väter wieder auf , sie blieben frei . Aber der bleiche , Johannes , den die Gelehrten Cicero schalten , hat uns die Daumschrauben angelegt . Er blieb kein Franke , er ward ein Märker , er lernte unsere Schwächen kennen und das machte ihn fest . « » Die fünfzehn Schlösser , die er schon als Kurprinz brach ! Es war eine schlimme Zeit , Herr von Lindenberg . « » Und sie wird noch schlimmer werden unter seinem Sohne . Ihr denkt , er ist ein Knabe , aber ich sage Euch , in einem Jahre kann er ein Mann sein . Ihr denkt , er spielt mit Büchern , aber seine Gedanken fliegen weit bis in ' s Blaue . Wenn wir nicht zusammen stehen , wenn wir nicht die Klugheit aus den Grüften beschwören , wenn wir nicht schlau sind wie die Schlangen , so ist ' s um uns geschehen . Seine Vorfahren ließen Ritter und Familien kommen aus Franken und dem Reiche . Unsere Väter zwickten sie wieder fort , oder sie wurden durch Heirathen eines Blutes mit uns . Er aber citirt nicht Menschen von Fleisch und Blut , er citirt Geister , Gespenster . Wer jagt die aus dem Lande . Einbürgern möchte er die ganze lateinische Weisheit von tausend Jahren , Gelehrte , Pfaffen , die Kirche , eine Universität gar ! Es ist gar nichts , was gewesen ist und anderswo ist , was er nicht aufstellen möchte und probiren . Gesetzbücher sollen gemacht werden , deutsch und lateinisch , Collegien eingerichtet , zum Regieren , zum Besteuern , zur Oberaufsicht , unsere Sitten sollen verfeinert werden . Ein Spinngewebe von feinen Drahtfäden möchte er übers Land , ziehen , daß kein Huhn weiter aufflattern kann , als er will . « » Herr von Lindenberg , « sagte Peter Melchior , » ich glaube , Ihr selbst seht Gespenster . Wie alt ist er denn ? « » Ihr mögt recht haben . Aber der Kopf wird mir bisweilen warm , wenn ich ihn so schwatzen höre , und der Dunst aus dem Griechischen und Lateinischen mir wie ein Alp auf die Brust fällt . Da sehe ich denn nur trüb vor mir . Denn dies Nürnberger Burggrafenblut , das alles besser wissen will , alles besser einrichten , klüger sein , frommer , es sprudelt und spukt in einem wie in dem andern . « » Auf den Landtagen muß er ' s doch manchmal hören ! « » Hört er darauf ? Das ist eitel Geschwätz . Wenn wir uns helfen wollen , müssen wir ' s anders anfangen . « » Daß das Land uns gehört , beweis es ihm Einer . « » Wer zu viel auf ein Mal will , erreicht nichts . Ich tadle nicht die Köckeritze , die Lüderitze , keinen von ihnen allen , aber sie schlagen zu plump und grob darauf . Warum auf der Straße liegen und den ersten besten werfen ? Das giebt immer Geschrei und böses Blut . Preßt doch ein wenig Euer Hirn , schlagt Eure alten Pergamente nach , Verträge , Urkunden , Schenkungen , Gewohnheiten . Darauf trotzt ! Mit Art und Manier zugegriffen , daß sie Euch nicht Strauchdiebe und Wegelagerer schelten dürfen . Himmel und Hölle , hast Du nicht ein Recht , oder wenn Du nicht , hatten ' s Deine Väter nicht , haben sie ' s nicht ein Mal geübt , daß der Krämer dort seine Waaren auslud , daß er in jenem Kruge trinken mußte , daß der Schiffer dort anlegte , daß die Wallfahrter da singen mußten . Strengtet Ihr Alle , strengten wir Alle unseren Grips an , da kämen Rechte zusammen wie Sand am Meere , und zweifelt Ihr dran , daß sie übertreten werden ? Da zugeschlagen , da Euch in Besitz gesetzt , und wenn die Kerle schreien , wir wieder ! Wenn der ganze Adel zugleich den Mund aufthäte , was müßte das für ein Geschrei geben . Wenn Ihr klug wärt , nähmt Ihr Pfaffen , Gelehrte dazu - es giebt überall solche Gesellen von der Feder , die Euch für eine Bratwurst aus dem verräucherten Pergament beweisen , was Ihr bewiesen haben wollt . Da denn gepocht , ihm das Gewissen heiß gemacht . Solche verräucherte Scharteken mit alten Satzungen und Gerechtigkeiten sind ihm ein Spielzeug : er dünkt sich was darauf , sie zu schützen und zu bewahren . Das Eisen geschmiedet , so lange es warm ist . Hier hilft uns seine Jugend . Er muß nicht zur Ruhe kommen vor lauter Klagen und Beschwerden . Er muß so eingeheizt werden , daß er nicht aus und ein weis , daß er links und rechts ausschlägt . In der Wuth schlägt man falsch ; das giebt uns immer neue Waffen . Am Ende verwirrt , gescholten , mißverstanden , läßt er Alles gehen , wie es ist , und mehr brauchen wir nicht . Dann ist das Regiment wieder in unseren Händen , wie es sein müßte von Gott und Rechtswegen in der Mark Brandenburg . « Der Herr von Lindenberg war aufgestanden , und that einen vollen Zug aus der Kanne . Peter Melchior kraute sich im Kopf und schiene schlau nach dem Redner und den beiden andern . » Donnerwetter ! « schmunzelte seine Zunge , als schwelgte seine Einbildungskraft in Zuständen , die nur in der Märchenwelt Wahrheit sind . » Ach Ihr seid alle zu träg « , fuhr der Redner fort . » Ihr schickt Euch nicht in die Zeit , Ihr lernt nichts von der Zeit . Wozu hat Euch Gott ein Maul gegeben , daß Ihr Andere klagen laßt ! Wo soll er Respect bekommen vor dem Adel . Ich allein kann ' s nicht alles einfädeln , die Zunge wird mir trocken , der Rücken krumm und steif zugleich . Statt daß ich angreifen dürfte , wenn im Euch hinter mir habe , muß ich in einem fort Euch entschuldigen . Da geht dem besten Mann der Muth aus : und ein Höllendienst ist ' s , der Hofdienst , bei solchem ! Wünschte , ich wäre auch , wie der Wilkin Lüderitz , verfehmt ; da könnte ich mich ein Mal erholen . « Es trat eine Pause ein . » Schade ! « sagte Peter Melchior . » Was ? « » Ich meine den Hedderich ! Es muß eine Lust sein , solch ein fettes Schwein in den Graben zu werfen . « » Um diese Jungen thut ' s mir leid « , fuhr der Gast , auf- und abgehend , fort . » An uns Alten ist nichts mehr gelegen , wir nehmen unsere Schande mit in ' s Grab . Aber der Aufwuchs , was soll daraus werden ! Wo sollen sie ihre Sporen verdienen ? Tourniere kommen ab , Fehden giebt ' s nicht mehr , wenn man nicht für einen Fürsten , oder gegen die Türken seinen Leib zerhacken läßt . Absagen soll Keiner mehr dem Andern . Die goldene Zeit bricht an für die Feigheit ; die Federfüchse werden Helden werden . Und das nennen sie Recht und Gerechtigkeit ! Wo sollen die Jungen fühlen lernen , daß sie frei sind , daß adlig Blut in ihren Adern fließt ! Nicht mal ' nen Zeitvertreib gönnt man ihnen . - Wo zog der Hedderich hin ? « » Nach Brandenburg « , sprach rasch Hans Jochem . » Er hatte zween alte Gäule , die ziehen im Sande nicht schnell . « » Hört das junge Füllen . Möchte durch den Stall brechen auf die Nachtweide , « lachte Peter Melchior . » Was seht Ihr mich an ? « fragte der Gast . » Ich meinte nur , Herr von Lindenberg - « » Pst ! keinen Namen . « » Probiren wir ' s ? ' Nen Spaß . Nur daß die Jungen nicht aus der Art schlagen . « Der Ritter blickte die Vettern an : » Sind die schon mal ausgeritten ? « Beide senkten die Köpfe . Der Gast war an ' s Fenster getreten und hatte hinausgeschaut : » ' S ist wie Maienluft . « Peter Melchior hauchte in die Hand : » Gen Brandenburg ? Ich weiß den Weg . « Lindenberg hatte sich wieder in den Lehnsessel geworfen : » ' S ist nicht meine Art , das hab ' ich schon gesagt ; aber weiß der Geier , es prickelt mir in den Fingern und saust in den Ohren . « » Man muß sich solche Gelegenheiten nicht entgehen lassen , und Ihr bedürft einer Erholung , Herr von Lindenberg « , fiel der Andere ein . » Ist ja der Lumpenkerl noch nicht mal bestraft von wegen all dem Tand . Ich erzählte Euch doch ! Und Hans Jochem hat er um ein Paar Hosen geschnellt und wer weiß , was noch dabei war . Unser Hans Jürgen , eine Schande war ' s , der mußte ihm die Pferde zäumen und die Ballen aufladen helfen . Pfui eines Bredows Sohn ! Weiß auch gar nicht , was der Frau Brigitte einfiel . « Wilkin von Lindenberg war rasch aufgestanden , und schüttelte sich wie einer in seiner Stahlrüstung : » Na ! ' s ist ein Fastelabendspaß . « » Ohne Lichter ! Der Mond geht nach Mitternacht unter . Könnten ohne Kappen reiten ; keine Katze erkennt uns in dem Duster . Aber wenn man ' nen guten Einfall beäugelt , springt er fort wie der Floh , den man zu lange zwischen den Fingern hielt . « » Begleiten uns die jungen Herren ? « fragte der Ritter . » Das versteht sich ! Frau Brigitte würde sie schön ansehen , so sie Anstand nähmen . Stehen ihre Rosse schon gesattelt , daß sie Euch das Geleit geben : Weils im Wald duster ist . Der Herr von Lindenberg schien indeß die Antwort des Junkers von Krauchwitz nicht für voll zu rechnen , noch ihn als Vormund für die jungen Leute gelten lassen . Er näherte sich ihnen mit halbhingehaltener Hand . Mit einem Sprunge schlug Hans Jochem ein . Seine Augen funkelten . Und Ihr ? « Hans Jürgen hatte auch schon die Hand erhoben , aber unwillkürlich blieb sie zurück , seine Augen schlugen nieder als sie den forschenden Blicken des vornehmen Gastes begegneten , und unwillkürlich entfuhr ihm der Name seiner Base Brigitte . Das laute Auflachen des Junker Peter Melchior hätte ihn weniger erschreckt , als der spöttische Zug um des Ritters Lippen . » Base Brigitte darf ' s freilich nicht wissen , « lachte Peter Melchior fort . » Noch Jemand sonst , weder jetzt noch künftig « , sprach der Ritter mit strengem Tone . » Aber das sind fromme und gute Bedenken des jungen Mannes . Unsere Wirthin sieht den Spaß wohl anders an als wir . Wer nicht Vater und Mutter hat , handelt klug und gut , wenn er den Willen seiner Pflegeeltern bei allen Schritten seines Lebens zu Rathe zieht . Das geht nun hier nicht an , also , mein Herr von Bredow , entbehren wir für diesmal das Vergnügen - « » Blitz und Hagel « , fiel Peter Melchior ein , » will er ein Duckmäuser bleiben ! Solche Gelegenheit sich entwischen zu lassen ! « » Meine Muhme bestimmte ihn vielleicht für ' s Kloster , oder zum Schreiberdienst in den Kanzeleien . Darum bitt ich mir ' s aus , scheltet den jungen Mann nicht . Eines schickt sich nicht für Alle ! « Wie sich da die beiden Vettern ansahen ! Hans Jochem prustete auf , Hans Jürgen traten die Thränen in ' s Aug ; und wie er sie fühlte , ward er glühroth . Es zitterte ihm in der Brust , daß er zuerst kein Wort vorbringen konnte . Dann brach ' s heraus : » Ein Mönch werd ' ich nicht , und ein Schreiber auch nicht , Herr von Lindenberg , und wenn ' s kosten soll , ich weiß nicht was , wenn Ihr ' s für recht haltet , und wenn Ihr mich werth haltet , ich bin meines Vaters Sohn . Nehmt mich doch mit , ich bitt Euch , daß ich ' s zeigen kann . « » So hatt ' ich ' s erwartet . « Der vornehme Ritter nahm den Arm des jungen Menschen und klopfte ihm die Hand auf seiner Brust . Er sprach etwas leiser mit Peter Melchior , der sich darauf mit Hans Jochem entfernte . Beide waren nun allein . » Lieber von Bredow , es freut mich , daß ich meines alten Freundes Sohn als einen so wackeren jungen Mann wiederfinde . Meint Ihr , daß ich im Ernst glaubte , Ihr wolltet Mönch werden oder Schreiber ? Nehmt mir ' s nicht übel , daß ich Euch prüfte , so wenig ich es Euch verarge , daß Ihr vorerst Bedenken trugt . Das zeigt , daß Ihr über eine Sache nachdenkt , und das ist gut . Ihr seid noch jung , und in diesem Sumpfnest konntet Ihr nicht lernen , was in der Welt noth thut . Eure Base Brigitte ist ein wacker Weib , eine gute Hausfrau , Gott erhalte sie so lange meinem Vetter Götz ; aber junge Edelleute zu erziehen , taugt sie nicht . Laßt mich dafür sorgen , wenn ich Euer erstes gutes Stück gesehen . « Hans Jürgens Brust athmete auf . » Nachdenken , eh man ' s unternimmt , ist gut , wie ich sagte . Doch wenn Aeltere für Euch denken , mögt Ihr Euch die Mühe sparen . Hans Jürgen hielt es vielleicht vorhin für nicht ganz recht . Mein lieber junger Freund , wenn alles recht in der Welt herginge , dann sähe es anders aus . Man hätte nicht gewagt , Euch zu befehlen , mein Pferd in den Stall zu führen , Ihr säßet zu Selbelang auf Eurem eigenen . So ist ' s nun in der Welt ; es hat sich alles verrückt ' , und der Einzelne thut genug , wenn er , was an ihm ist , die Sachen wieder in die Richte schiebt . Was sind jene Krämer , die jetzt so viel Geschrei machen über Gewalttätigkeiten und Unrecht ? Betrüger ! Auf unseren Straßen ziehen sie , über unsere Brücken fahren sie , ihre Pferde grasen in unseren Wäldern , und wir sollen sie nicht zur Rede darüber stellen , ihnen keinen Zoll , kein Geleitsgeld abfordern , was unsere Väter thaten ? Geben sie uns Geschenke dafür , danken sie uns nur ? Nein , sie ziehen dem Bauern , dem Edelmann das Fell vom Leibe , und man muß sie mit Sammethandschuhen anfassen , sonst machen sie Lärm . Das kann so nicht dauern ! Alle Creatur krümmt sich und wehret sich ; nur der Edelmann soll still schweigen und alles dulden . Der Bürger schließt sich in seine Mauern und läßt nur die Marktleute ein , die ihm gefallen und Abgaben zahlen . Der Fürst läßt sich steuern , Zins und Schoß , immer mehr , immer mehr . Der Pfaff nimmt den Decem , Opfer , Beichtschilling , und ist ' s ihm genug . Uns nur soll alles genügen . Das geht nicht an . Im Uebrigen , das ist heute nur ein Spaß . Wenn wir den Lumpenkerl nicht ein bischen schütteln , thut ' s ein anderer , und ärger . Dem Galgen entgeht er doch nicht ; er hat bei dem Schacher selbst Seine Kurfürstlichen Gnaden über ' s Ohr gehauen , und nach Berlin wagt er sich gar nicht mehr . Das war eitel Gerede von ihm , wie man ' s auch deutlich sieht , daß er sich von der großen Heerstraße mit seinem Raube durch die Wälder schlängelt . Wer ein gut Gewissen hat - « Draußen ward es lebendig . Die Rosse wurden aus dem Stall gezogen . » Unterwegs plaudern wir weiter , Herr von Bredow . Seht , da geht der Pfaff über die Gallerie in seine Schlafkammer . Der braucht heute nicht gewiegt zu werden . Lacht sich in ' s Fäustchen , wie er uns balbirt hat . Ihr denkt doch nicht , daß er sich daraus ein Gewissen macht ? Vor seinem Heiligen wenn er kniet , hat er hundert Gründe , warum er ' s that . Mein Lieber , so thun ' s die Menschen Alle . Jeder wird balbirt , und balbirt die andern wieder . Der nur ist ein Thor , der nur hat unrecht , der es geschehen läßt und sich nicht hilft . Uebermorgen , Lieber , müßt Ihr mir den Gefallen thun und mich in Berlin besuchen . Mit Eurer Base laßt mich ' s abmachen . Ich will Euch dem Kurfürsten vorstellen . Er denkt eine Ritteracademie zu gründen , wo wackere junge Adlige in adliger Zucht und Sitte erzogen werden sollen . « » Ich ! « rief Hans Jürgen . » Aber erst ein kleines Probestück ! « Der Ritter klopfte ihm auf die Schultern . Achtes Kapitel . Eine schlimme Entdeckung . Es ist was los ! murmelte Einer dem Andern zu , und machte dabei eine pfiffige Miene . Die stille Geschäftigkeit , das Gewirr und Durcheinanderlaufen und Flüstern sprach laut in die Stille hinaus : es ist etwas los . Treppauf , treppab , ging es ohne Gepolter , Rosse wurden gezäumt und gesattelt und die Knechte fluchten nicht und rissen nicht Witze ; aus der Rüstkammer trugen mit verhaltenem Athem die Junker Pickelhauben , kurze Spieße , Büffelwämser und was zu einem Ausreiten gehört . Der von Lindenberg warf sich das Panzerhemde des alten Bredow um und Hans Jürgen gürtete ihn . Hans Jochem reichte ihm die Stahlhandschuh , die dem edlen Herrn ein weniges zu groß waren , aber er sagte : » Es schadet nichts . « Den Helm mit dem Sturz wollte er nicht . » Die Nacht ist das beste Visir ! « und er stülpte eine Sturmhaube auf von Büffelleder , mit breiten Klappen und Blechbeschlägen . Langsam hörte man die Zugbrücke knarren und das Fallgitter aufziehen . Die Alle sagten : » Es ist was los ! « aber Casper sagte : » Nun geht ' s los ! « als die Fräulein an ihm vorüber huschten , nicht wie ihre Art vorsichtig , und dem Graubart zuwinkend . » Lauft nur , « rief er nach , » das Donnerwetter kommt Euch doch nach , wenn die Mutter es nicht bald findet . Das kommt davon , wenn die Leute wollen klüger sein und alles besser machen . Mein Herr Götz weiß auch , wo Bartel Most holt , wenn er den Wein ausgeschlafen hat , und wer dem Bären den Pelz waschen will , der seh ' sich vor , daß er nicht selbst gewaschen wird . « Gegenüber der Erkerstube , wo der Ritter lag , war ein kleines Kämmerlein , das Schilfdach lief schräg darüber hin . Der Sturm hatte vorhin darauf geschlagen , daß die Sparren knackten , jetzt schlug es darinnen auch ,