ihnen zu tun und wüßte doch immer , wo sie wären . Aber auch die Diensten schienen anders zu werden . Es gab viel weniger Verdruß mit ihnen , viel weniger Streit unter ihnen . Sie hatten etwas , das ihre Gedanken beschäftigte , und mußten nicht , um etwas zu denken , ihren bösen Gelüsten , ihrem Neid gegen den Meister , den Aufweisungen ablosen und sie immer wiederkauen . Es rührte sich etwas Besseres in ihnen , und sie begriffen immer mehr , daß es doch eigentlich ein Unterschied sei zwischen einem Mooskalb und einem vernünftigen Menschen . Wie beim gesund werdenden Menschen der Hunger kömmt und , solange kein Hunger da ist , immer noch der Tod seine Krallen zweg hat , so kam bei ihnen auch der Appetit nach Gottes Wort , und sie gingen gerne in eine Predigt , ja sogar hie und da in eine Kinderlehre und wußten dann nicht nur zu sagen , was verlesen und verkündet worden , sondern auch , wo der Herr den Text gehabt , und bald dies , bald das , was ihnen in der Predigt aufgefallen . Dar , an knüpften sich dann über Tisch Gespräche und zwar recht ernsthafte , und wenn einer etwas spotten wollte , so wurde er zurechtgewiesen . Sie wurden dabei sich immer mehr bewußt daß es doch etwas Hohes und Bedeutendes sei , ein Christ zu sein , und daß ein christlicher Knecht doch viel besser daran sei als ein heidnischer König , der nicht recht wisse , warum er auf der Welt sei , während der christliche Knecht doch wisse , daß er da sei , um ein Kind Gottes zu werden und das Himmelreich erblich zu erwerben . Die Nachmittage gingen vorbei wie im Fluge , und allemal , wenn es viere schlug , wollte es niemand glauben : Das könne unmöglich sein , sagten sie , man hätte ja erst gegessen . Die Bäurin sagte selbst , sie hätte das nicht geglaubt und hätte selber recht kurze Zyti dabei . Ja es kam sie mehr als einmal an , daß sie im halben Tag ein Kaffee machte über den ganzen Tisch weg und nicht einmal daran dachte , was die Leute sagen werden , daß sie am Sonntag im halben Tag ein Kaffee mache für Knechte und Mägde . Etwas Unerwartetes hätte die ganze Geschichte beinahe verkehrt und zerstört . Man sieht im Winter da , wo die Sonne warm und viel scheinet , die Fliegen sich hinziehn und da an der Sonne ihr Leben genießen ; gerade so ists an Sonntagen , wo ein warmer Ofen für Diensten frei ist , mit den Diensten . Es ist recht traurig zu sehen , wie sie sich fast unwillkürlich herzulassen wie die Fliegen an die Sonne und sich wärmen und im Gefühl der Wärme auftauen und ihres Lebens sich freuen . Freilich ist dann dieses Auftauen oft ein schmutziges , und die Freude gibt sich auf eine wüste Art kund . Es ging nicht lange , so merkte hie und da einer , daß am Sonntag beim Bodenbauer eine warme Stube sei . Wo nun das Gelüsten treibt , macht ein Knechtlein nicht lange Komplimente . » Seh komm , « sagt er zu seinem Kameraden , » wir wollen da hinein , sie werden uns notti nit fresse , er ist öppe kei Herr nit und mi wird öppe wohl i si Stube dörfe . Er het zwo vrfluecht brav Jumpfere , die werde wohl öppe o dinne sy . « Mit diesem Sinne drang nun der Eine den Andern hinein und wollten nun drinnen Flausen machen , den Narren treiben , Karlishof haben . Es kamen nicht nur Knechte , sondern diesen nach zogen auch Jumpfern , und diesen war es auch nicht um etwas Vernünftiges , sondern nur um die Knechtlein zu tun . Das gab nun ein Zök , ein wüst , unsauber Wesen in Reden und Gebärden , in Liedern und Werken , daß der Bodenbauer Holla machen mußte , so unangenehm es ihm war . Denn es wird wohl einem Landmann nichts unanständiger sein , als wenn er fremde Diensten zurechtweisen , ja überhaupt , wenn er sich geradeaus einen Tadel , eine Zurechtweisung erlauben muß , die man ihm übel nehmen , übel auslegen , nachtragen könnte . Aber es mußte geschehen . Er sagte daher einmal : Er wolle niemand verbieten , in sein Haus zu kommen , allein dasselbe sei kein Haus für Kilbi zu halten ; wer nur wüst tun wolle , solle an ein ander Ort hingehen , und des Zöks begehre er nichts . Man könne ja bald nicht einmal stehen in der Stube , und es stinke von Tubak , daß es eim fast erstecke . Es gutete nun . Freilich räsonierten einige kreuzerige Knechtlein , und einige viererige Jungfräulein rümpften die Nase , aber was frug dem der Bodenbauer nach ! Achtes Kapitel Ein Knecht kommt zu Geld , und alsbald zeigen sich die Spekulanten Den ganzen Winter über hatte Uli fast kein Geld gebraucht und so wenig Kleider , daß er sich selbst verwunderte . Ein einziges Mal war er im Wirtshaus gewesen , und da hatte ihn der Meister noch selbst gehen heißen . Er solle auch einmal gehen und eine Halbe haben , damit er nicht vergesse , wie es in einem Wirtshause sei . Er komme später selbst nach , dann wollten sie miteinander heim . So ging es auch . Der Meister zahlte ihm noch einen Schoppen , und zum erstenmal in seinem Leben kam Uli mit einer Ürti von wenig Batzen und als ein vernünftiger Mensch zum Wirtshaus hinaus . Er hätte nicht geglaubt , sagte er dem Meister , daß das möglich sei . Es schien , als sei er mit der Erkenntnis dieser Möglichkeit um einen ganzen Fuß größer geworden . Als er so mit seinem Meister vernünftig heimging und mit ihm redete als wie mit einem Kameraden , da durchrieselte ihn eine Ahnung , daß er auch einst als Meister aus einem Wirtshause gehen könne , wenn er so fortfahre , und er träumte die ganze Nacht durch von Höfen , die er kaufen wollte , und von Sacken Geld , die er mit sich herumtrug , um die Höfe gleich zu bezahlen . Aber er bystete , berzete , gruchsete unter dem Gewichte dieser Säcke , daß er manchmal fast zu ersticken fürchtete , und wenn er sie abstellte , so wurden sie ihm gestohlen oder er konnte sie sonst nicht mehr finden . Dann versprach ihm ein schönes Meitschi , es wolle sie ihm zeigen , und ging voran ; ihm aber fielen die Schuhe von den Füßen , als er dem Meitschi nach wollte , und als er diese in beide Hände nahm , konnte er seine Beine nicht vorwärtsbringen , es war ihm , als ob er gspannet wäre . Das Mädchen aber lief immer geschwinder , er konnte je länger je weniger Schritte machen , obschon er bachnaß sich schwitzte . Endlich verschwand das Mädchen , und eine alte Frau kam mit dem Besen und wollte ihn fortjagen , weil er ihr durch die Bäunde gehe , und er wollte davonlaufen und konnte wieder nicht und mußte dem Besen darhalten und sich wüst sagen lassen , und endlich rief er aus : » Uy , Uy , su hör doch , du alts Räf ! « Darob erwachte er , und sein Mitknecht fragte ihn , was er doch gehabt hätte , er hätte ihn schon lange gemüpft , aber er hätte nicht erwachen wollen . Er hätte sich bald angefangen zu fürchten und hätte noch den Meister geholt , wenn er jetzt nicht erwachet wäre . Ds Toggeli hätte ihn gedrückt , sagte Uli . Den Traum konnte er lange nicht vergessen , und wenn er sich nicht geschämt hätte , er wäre seinetwegen zu einer Wahrsagerin gelaufen , denn er selbst konnte gar nicht einig darüber werden , ob derselbe bedeute , daß er einst einen Hof werde kaufen können , oder aber das Gegenteil ; heute dünkte ihn dies und morgen das Andere . Auffallend war es , daß wenn er gegessen und gut geschlafen hatte , es ihm immer schien , als sei er eine gute Vorbedeutung ; hingegen wenn er müde war und hungrig , so hätte ihm niemand ausgeredet , der Traum bedeute , daß er um alles kommen werde , was er habe oder sich erwerbe , und zuletzt aller Menschen Schuhwisch abgeben müsse . Unterdessen ging es ihm sehr gut . Er ging dem Meister mit allem Fleiß an die Hand , als ob es seine eigene Sache wäre , und fühlte dabei alle Tage mehr , daß er doch auf diese Weise ein ganz anderer Kerli werde , als er zu selber Zeit einer gewesen sei , wo er es für eine Schande geachtet , ein guter , treuer Knecht zu sein , und seinen Ruhm dareingesetzt , den Meister zu überlistelen , zu viel zu fressen und zu wenig zu arbeiten . Er setzte eine Ehre darein , das ganze Jahr durch vom Lohne nichts einzuziehen , ihn ganz stehen zu lassen , und er zwängte es auch durch . Er ließ es sich gesagt sein , daß man nicht auf die Zukunft hin oder vielmehr auf künftigen Erwerb hin anschaffen dürfe , sondern daß der zukünftige Erwerb der Zukunft gehöre und die Vergangenheit die Gegenwart ernähren müsse , das heißt daß man aus dem verdienten Lohn seine Bedürfnisse müsse bestreiten können . Und da in der Zukunft der Gebrauch wohl sicher ist , aber nicht der Erwerb , so muß die Vergangenheit uns auch die Notpfennige liefern für die Tage , von denen man sagt , sie gefallen mir nicht . Es war aber auch ein Tag großer Freude für Uli , als auf Weihnacht nachmittags der Meister ihn ins Stübli rief , ihm dreißig Kronen vorzählte und noch einen Neuentaler als Trinkgeld dazulegte . Dem starken Burschen zitterte die Hand , als er es einstrich , denn so viel Geld hatte er noch nie beisammen gehabt . Und als der Meister ihn noch lobte und ihn er , mahnte , so fortzufahren , so gäbte er noch ein Kerli ab , so bekam er Augenwasser . Er begann nun auch zu danken und zu erzählen , was er mit dem Gelde machen wolle , Kleider mußte er haben , Hemder besonders ; aber wenn nicht den halben , doch den Drittel des Lohns wolle er beiseitetun . Er hätte nicht geglaubt , sagte er , wie wohl so dreißig Kronen bschüßten , wenn man Sorg dazu hätte ; es schienen nur so dreißig Krönlein , und doch könnte man weit längen damit , wenn man abzuteilen wüßte . Er hatte nie geglaubt , daß das Geld so darhalten könne ; früher hätte er es immer damit gehabt wie der Bauer mit dem herbeigeführten Heu , wo man ein Klafter nur anzusehen brauche , so sei es nicht mehr da . Jetzt gehe es ihm mit dem Gelde wie mit einem selbstgemachten , gutgelegenen Stock Heu ; gäb wie man davon nehme , so scheine es eim , er mindere nicht und man hätte immer gleich viel . Der Meister mußte lachen ob dieser Vergleichung , die Meisterin dagegen wurde gerührt und sagte ihm : Er sei ihr recht lieb geworden , und wenn die Näherin auf die Stör komme , so werde die ihm als Weihnachtskindli von ihr ein Hemd machen , das Tuch sei schon lange zweg dafür . Uli meinte , der Meister hätte ihm schon zu viel gegeben und alles dürfte er nicht nehmen , er hätte es nicht verdienet . Der Meister hätte so viel an ihm getan , daß er ein Lehrgeld fordern könnte . Aber wenn sie ihm einen Gefallen tun wolle , so solle sie doch so gut sein und ihm Tuch für etwa drei Hemder kaufen ; er wolle gleich recht viel zusammen machen lassen , es hätts dann eine gute Weil . Wenn man nur so eins ums ander kaufe , so müsse man immer hingerfür anfangen . Er verstehe sich nicht auf das Tuch und sei noch allemal betrogen worden ; entweder hätte man es ihm zu teuer gegeben , oder das Tuch sei dünn gewesen oder der Faden bröde , es hätte immer an einem Orte gefehlt und es sei nicht lange gegangen , so hätte er Hemder gehabt wie Spinnhubbelen . Sie wolle ihm wohl den Gefallen tun , sagte die Bäurin , aber daß sie es allemal treffe , sei auch nicht gesagt . Die Weber und Krämer seien so einer Bäurin je länger je mehr z ' schlimm . Vielleicht daß sie selbst hätte , wo sie ihm für drei Hemder geben könnte , sagte Uli . Ja , sie hätte wohl , sagte die Meisterfrau , aber sie verkaufe den Diensten nicht gerne etwas . Sie hätte es auch schon getan , aber noch allemal Verdruß davon gehabt . Die Diensten seien den Krämern fast die besten Kunden , denn sie profitierten am meisten an den Diensten , könnten ihnen die dümmsten Sachen anhängen , allweg die , welche niemand Witzigs kaufen wolle . Es brauche nur eine Bäurin einem Dienst etwas zu verkaufen , so führten es alle Krämer , alle Schneider , alle Näherinnen , kurz alle die , welche miteinander im Kornplatz seien , aus und sagten : An einem andern Ort hätten sie es wohlfeiler gekauft , wenn ds Buren es für sich hätten brauchen können , sie hätten es den Diensten nicht verkauft . Es sei doch schlecht , ihnen fürs Erste schlechten Lohn zu geben und dann noch für gutes Geld schlechte Sachen . » Bald sagt der Schneider , es halte den Stich nicht , und die Näherin behauptet , es bekomme ihr Löcher unter den Fingern , und so wird man verdächtigt und verbrüllet , daß es eine schröckliche Sache ist . Ich weiß wohl , daß es Meisterleute gibt , welche ihre Diensten betrügen und ihnen den sauer verdienten Lohn abläschlen ; aber die sind doch die mindern , und es meinen es mehr Meisterleute gut mit den Diensten , als die Diensten glauben und die Krämer sagen . Darum , Uli , will ich sehen , daß ich dir irgendwo kaufen kann , so gut , als wenn es für mich wäre . Ich brauche mein Tuch dann so , daß mich kein Krämer verbrüllet und kein Schneider verdächtigt . « Uli hatte gar große Freude an seinem Schatz und betrachtete ihn oft im Stillen . Es hatten aber noch andere Leute ihre Augen auf demselben . So ein Bürschchen , das Geld hat , ist gerade wie ein Hunghafen für die Wepsen ; es sucht ein jeder , der gerne Geld härte und es nicht verdienen mag , daraus zu schlecken . Da sollte er dem fünf Batzen leihen , weil dieser gerade kein Geld bei sich hatte , dort wollte ein Anderer nur einen Batzen für ein Päckli Tubak . Sein Nebenknecht wußte auf einmal einen herrlichen Schick zu machen mit einer Uhr , allein es fehlte ihm ein Neuertaler . Die eine Jumpfere wollte ein prächtiges blaues Tüchlein kaufen von einem Aargauer , der , ins Haus geschlichen , seine Baumwollenware für seidene ausgab ; allein Uli sollte ihr dreizehn Batzen leihen , weil sie es der Meisterfrau nicht sagen mochte . Der Schuhmacher , der auf der Stör war , hatte absolut vier Kronen nötig und versprach teuer und fest , bis Ostern es wiederzugeben mit einer Krone Zins . Der Hechler , der bald darauf kam , sollte vier Neutaler haben , er wüßte mit Flachs gerade jetzt viel zu machen und wollte mit Uli den Profit teilen . Dem Uli gefiel das ganz prächtiges flimmerte ihm lauter Gold vor den Augen . Er dachte , es wäre ja dumm , wenn er das Geld im Trögli haben wollte , während es ihm so viel verdienen könnte ; da sei er nicht ein Narr und gebe es nicht . Er ließ es sich noch einmal gut versprechen , daß man ihm auch halten wolle , und gab es dann hin . So hatte er auf einmal freilich kein Geld mehr , sondern Gülten , schöne Pfosten : an einem Orte vier Kronen , am andern mehr als sechs . Das sei besser , dachte er , als so die Stümpleten batzenweise , die trage nichts ab . Jetzt könne er doch sagen , er hätte kein Geld mehr , er hätte alles ausgeliehen . Er kam sich recht gewichtig vor mitten unter seinen Schuldnern , aber seinem Meister sagte er nichts davon . Der brauche nicht alles zu wissen , dachte er , und vielleicht hätte er den Profit lieber selber genommen und dem Hechler das Geld selbst gegeben . Er müsse auch etwas anfangen , das nicht alle Leute wußten . Er hatte den besten Glauben zu seinem Meister , indessen das Mißtrauen noch nicht ganz verloren , und gar wenige Diensten lassen es gerne den Meister wissen , wieviel Geld sie haben , und beichten ihm noch weniger , was sie mit demselben anfangen . Das ging eine Zeitlang recht schön , und Uli rechnete zum öftern nach , wieviel Zins ihm bereits gelaufen sei . Ostern ging vorbei und der Schuhmacher brachte kein Geld , aber er entschuldigte sich bündig , indem er vornehme Kunden bekommen , Stiefelschäfte gekauft und diese bar hätte bezahlen müssen , und versprach , der Zeit nach am Zins nachzutun . Nun mühte sich Uli ab , zu rechnen , wieviel per Woche der Schuhmacher ihm nachzutun hätte , aber das brachte er trotz vielem Schwitzen nicht heraus . Es pressierte übrigens auch nicht , denn Michelstag kam , und Uli hatte seine vier Kronen noch nicht gesehen . Dem Hechler ging es sehr fatal . Der Flachs hatte eher ab- als aufgeschlagen . Er fand , mit dem einen Teil wäre besser zu warten als ihn jetzt zu verkaufen , den andern aber hatte er einem Händler dings verkauft , und den konnte er auf keinem Märit mehr antreffen und hatte vergessen , zu fragen , wie er heiße , und niemand wollte von so einem wissen , er habe schon viele Leute gefragt . Da begann es Uli doch Angst zu machen . Es fing ihm an vorzukommen , wenn er nur sein Geld wieder hätte , so wollte er zufrieden sein , an den Zins nicht denken , von Profit nichts sagen ; aber eben , das Geld wieder zu kriegen , das war eine Kunst . So oft er es forderte , waren neue Ausreden da , und wenn er ungestüm wurde , so blieb man ihm die Antwort auch nicht schuldig . Man könne es einmal nicht aus den Steinen herausschlagen ; er höre ja , wenn man es hätte , so wollte man es ihm geben . Er solle machen , was er könne , und wenn er sehe , es zu nehmen , so solle er es nehmen . Man hätte gar nicht geglaubt , daß er ein so Wüster sei , sonst hätte man lieber nichts mit ihm wollen zu tun haben . Er wußte sich gar nicht zu helfen und lief wie sturm herum . Der Gedanke , es sei doch schrecklich , was er so sauer verdient , so liederlich zu verlieren und gar nichts dafür zu haben , ließ ihn nicht mehr essen , nicht mehr schlafen . Ehedem beim Hudeln , dachte er , hätte er doch gewußt , was er mache , und sein Geld selbst verschlengget ; jetzt , wo er meine , gut zu tun , und bös habe , gehe es ihm noch ärger als zuvor und er komme gerade so weit als der ärgste Hudel ; das sei doch schrecklich , und er sei der unglücklichste Hung auf der Welt , und das werde wohl an einem Orte geschrieben sein , daß er zu nichts kommen solle . Jetzt wüßte er , was sein Traum bedeuten solle und die Geldsäcke , die er nicht mehr finden könne . Der Meister konnte gar nicht begreifen , was Uli hatte . Endlich glaubte er ihn krank , denn er sah keine andere Ursache seines sonderbaren Wesens . Er sah der Sache noch einige Zeit zu ; aber als Uli immer schlechter aussah , fragte er ihn einmal , was ihm doch fehle , etwas sei nicht recht da . Uli wollte nicht mit der Sprache heraus . Erst als der Meister sagte , wenn er so dumm tun wolle , so könne er seinethalben ; aber er hätte doch geglaubt , mehr Vertrauen zu verdienen als so . Uli wisse ja , daß wo er ihm helfen könne , es nie Nein sei bei ihm . Nachdem Uli noch manchmal gesagt , er dürfe es nicht sagen , gestund er endlich seinen Kummer und wie seine ganze Ersparnis vom letzten Jahr , auf die er sich so gefreut , dem Tüfel zu sei ; er werde wohl nie einen Kreuzer davon wiedersehen . » Ja , das hättest du denken sollen , « sagte der Meister , » es wissen so viele Diensten nichts mit ihrem Gelde anzufangen , lassen es sich ablocken und kommen so darum . Aber ich mische mich nicht gerne in diese Sache , wenn man mich nicht apartig frägt « , fuhr er fort . » Man meint sonst gleich , ich wolle Vogt sein oder gar das Geld für mich , und sie werden mißtrauisch . Es tut mir leid für dich , aber den Hechler und den Schuhmacher hättest du kennen sollen , du weißt ja , was das für Vögel sind . Aber gell , Uli , dr Gyttüfel hat dich plaget ! Weißt du , daß dir der Schuhmacher nicht weniger als hundert Prozent versprochen hat per Jahr , während ehrliche Leute sonst nur vier geben ? Und der Hechler hat dir das Maul sonst süß gemacht . Aber eben so fängt man die einfältigen Leute , und wenn einer so viel verspricht , so sollte man doch denken können , der werde nicht halten wollen , er würde sonst nicht so viel versprechen . « Ja , sagte Uli , das alles komme ihm jetzt hintendrein selbst in Sinn , aber er möchte dem Meister doch angehalten haben , daß er ihm zu seinem Gelde verhelfe , er hintersinne sich sonst noch . Der Meister schüttelte den Kopf dazu , indessen rettete er mehr , als er anfangs erwartete , da weder Schuhmacher noch Hechler gerne seine Kundsame verlor . Als er Uli das Geld übergab , sagte ihm dieser : » Meister , behalte du es und kalte es . Ich brauche es nicht , und wenn ich es habe , so behalte ich es nicht lange ; ich bin gar ungfellig mit dem Gelde : entweder vertue ich es , oder man betrügt mich darum , oder es wird mir gestohlen , und zuletzt , wenn niemand sonst dazu käme , so würden es mir die Mäuse fressen . « » Nein , « sagte der Meister , » das Geld will ich nicht behalten , ich habe genug an meinem zu hüten , wenn ich schon nicht viel habe . Aber weißt du was , tue du das i dKasse . « » Was ist das ? « fragte Uli . » He , das ist eine Kasse , wo man das Geld , welches man nicht braucht , hineinlegen kann , bis man es braucht , und unter der Zeit bekömmt man einen billigen Zins , und es ist gut versichert , daß man gar nichts zu fürchten hat . « » Das ist kommod , « sagte Uli , » aber kann man hineintun , so viel man will , und kommt es einem dann nicht aus , wenn man dort Geld hat ? « Das sei eben gar kommod , bekam er zur Antwort , daß man viel und wenig hineintun könne und wann man wolle . Was das Auskommen anbetreffe , so solle er sich deshalb nicht fürchten . Wer Geld am Zins habe , dem komme es früher oder später immer aus . Und zudem glaube er nicht , daß es einem Knechte schade , wenn man vernehme , er hätte Geld am Zins . Ds Gunträri , er glaube , das vermehre nicht wenig seinen guten Namen und verschaffe ihm einen gewissen Respekt . In einer solchen Kasse brauche er sich auch um den Zins nicht zu bekümmern . So , bald ein Jahr um sei , werde der Zins zum Kapital geschlagen und trage wieder Zins , so könne sich , zu vier Prozent gerechnet , in siebenzehn Jahren das Kapital verdoppeln . Und sobald er es nötig habe , kriege er es ohne Umstände in gesetzlicher Frist wieder ganz bestimmt , denn solche Kassen seien gut verbürget und hintersetzt . Da könnten Diensten weitaus am besten ihre Gelder einlegen , eben weil man auch weniges nehme und zu jeder Zeit , weil sie sich da vor keinen Schelmereien , Kunstgriffen usw. in acht zu nehmen hätten , nichts zu tun hätten mit Benefizien , Inventarien , Geltstagen oder gar mit Rechtsagenten . Da könnten sie ganz ruhig ihr Geld hin tun , arbeiten lassen , bis sie es einmal brauchten , und könnten jedem , der ihnen abentlehnen wolle , ohne Lüge sagen , sie hätten keins . Nur solle er sich vor einer St. Galler Kasse hüten , die seien nicht die richtigsten ; entweder könnten sie da gar nicht rechnen oder nur zu gut , und überdem geltstagen sie dort gerne . Da schmollte Uli mit dem Meister , daß er ihm dieses nicht früher gesagt , so wäre er nicht zu Schaden gekommen . » Du hasts gehört , « sagte darauf dieser , » ich kann einen Knecht nicht behandeln wie ein kleines Kind . Willst du aber , daß ich dich halte wie ein Kind , so mußt du vor allem aus mit Zutrauen an mich kommen , mußt mir das Maul gönnen . Das Kind kömmt zum Vater und frägt um Rat und sagt : Vater , was meinst ; Vater , was glaubst ? « Uli bekannte sich im Fehler und bat den Meister , sein Geld in die Ersparniskasse zu tun ; es waren fünfzehn Kronen , welche er übrig zu haben glaubte . Es trage zwar nicht viel ab , meinte er , aber es sei ihm doch sicher . » Das scheint dir , « sagte der Meister , » und eben diese Ungeduld ists , was so viele Menschen um Hab und Gut bringt . Wem es auf dem rechten Weg zu langsam geht , wird entweder ein Spitzbube oder ein Hudel . Warte nur einige Jahre , lege immer zu , so wirst du sehen , zu welchem Kapital du kommen wirst . « Neuntes Kapitel Uli steigt im Ansehen und kommt Mädchen in den Kopf Und Uli tat so . Er blieb sparsam , ward immer anschlägiger und emsiger und wuchs zugleich an Weisheit und Verstand und an Gnade bei Gott und den Menschen . Es war recht merkwürdig , auch äußerlich die Veränderung wahrzunehmen , die mit ihm vorgegangen . Er ging eigentlich erst jetzt recht aufrecht wie ein Mensch , man sah es ihm von weitem an , daß das kein Sauniggel sei ; man nahm ihn sehr oft für einen Baurensohn und nicht für einen Baurenknecht , und zwar nicht bloß wegen der Kleidung und weil er eine silberne Uhrenkette hatte , sondern wegen seiner guten Haltung , seinem anständigen Betragen . Es redete jeder Bauer gerne mit ihm , fragte ihn : » Uli , was meinst ? « Und seine Worte hatten eine Bedeutung . Er fühlte auch , daß sie eine Art von Gewicht er , hielten ; darum laferte er nicht mehr in den Tag hinein , sondern besann sich , was er sagte , wog seine Worte ab , so daß es schon hie und da hieß : » Ds Bodebure Ueli het gseit , er hets o gmeint . « Er fühlte , daß er nicht mehr nur so ein arm Knechtlein sei , der nirgends sein sollte , sondern daß er in der Welt sich auf einen Platz gestellt , wo man ihn gerne sah , wo er etwas zu bedeuten hatte . Wie das alles so nach und nach kam und bei welchen einzelnen Anlässen , indem er dem Meister vor Schaden zum Nutzen war , Mängel an Rossen entdeckte , die der Meister kaufen wollte , günstige Witterung benutzte in seiner Abwesenheit usw. , kann ich nicht erzählen , es wäre zu weitläufig . Er begann auch zu fühlen , daß man ganz anders auf die Erde trappe , auch sie mit andern Augen ansehe , wenn man ein Besitzer ist , als wenn man ein Habenichts ist . Es kömmt so eine Art ruhige Sicherheit , die bei Vielen in dummen Stolz ausartet , über den Menschen , wenn er angehängt hat an der Welt , das heißt wenn er Früchte seiner Arbeit , Ertrag seiner Kräfte vorgespart , Vorrat gewonnen hat auf künftige Jahre . Er fühlt : er ist nicht mehr ganz allen Winden , fremder Willkür preisgegeben , er ist schon selbständiger , mehr Herr seiner selbst . Er kann schon einige Krankheitswochen unbesorgt ertragen , kann einige Wochen ohne Meister sein , das macht ihn zufriedener , gelassener ; er schießt auch nicht mehr herum , wie wenn er in einer Wesperen wäre , denn mit der innern Ruhe nimmt auch die äußere zu , und in dem Maße , als er wirklich zufrieden in