Fremden gestört sehe . » Ich bin kein Fremder ; « erwiederte Dagobert kurz : » ich bin des Prälaten Neffe , und hoffe allerdings auf unverzüglichen Empfang . « Der Diener , ein Italiäner und mit barbarischem Deutsch behaftet , wurde nun zwar ehrerbietiger denn zuvor , wies aber den Besucher stumm und trocken über den Hof . Dagobert kehrte dem trägen Nußfresser den Rücken , und flog , den angegebnen Weg verfolgend , die Treppe hinan , an der offnen Küche vorbei , die einen Wohlgeruch ausströmte , wie er selbst im väterlichen Hause seine Nase nicht gekitzelt hatte . Auf dem Vorplatze angelangt , der mit Heiligenbildern geschmückt war , untersuchte Dagobert , welche von den drei vorhandenen Thüren diejenige sey , die zu dem Oheim führen möchte . Die Eine war verschlossen , die Andre nicht , aber scheu zog diese der Jüngling wieder zu , weil er in ein Gemach gesehen , das augenfällig von einem Frauenbilde bewohnt war , wie es die zierliche Ordnung , der Stickrahmen am Fenster und mehrere auf Stühlen ausgebreitete Frauengewänder andeuteten , obgleich die Besitzerin nicht gegenwärtig war . Die dritte Thüre war noch übrig , ebenfalls verschlossen wie die Erste , aber ein daran angebrachter Glockenzug schien das Mittel sie zu erschließen anzugeben . Dagobert bewegte die Schelle leise und bescheiden , und vernahm bald darauf Tritte , die sich näherten , und Geräusch des aufgezogenen Riegels . Die Thüre sprang auf , aber statt eines grämlichen Dieners mit einem Klostergesichte , wie es Dagobert erwartet , schaute ein rundes Mädchenantlitz daraus hervor , wie er es nicht erwartet hatte . Das Antlitz trug freundliches Gepräge , bis auf einen finstern Zug zwischen den Augenbraunen , der zu sagen schien : Was willst Du denn zu dieser Stunde , Störefried ? ..... Dieser Zug verschwand indessen , als ein flüchtiger Blick die Dirne belehrt hatte , daß es ein schlanker wohlgebauter Mann sey , der sich hier , wiewohl nicht in der fließendsten Rede , nach dem Prälaten befrage . Dagobert bemerkte indessen die Veränderung in dem Gesichte des Mägdleins , und fuhr muthiger fort : » Fast muß ich befürchten durch den hämischen Unverstand des Pförtners an die unrechte Thüre gerathen zu seyn , denn ich suche die Zelle eines Himmelgeweihten , und finde mich nun am Himmel selbst . « Das Mädchen lächelte ohne weiter um die Schmeichelei ein Wort zu verlieren . » Euer Begehr ? « fragte sie in gebrochenem Deutsch : » Monsignore läßt sich nicht sprechen um diese Stunde . Eure Botschaft will ich ausrichten , so ich es vermag . « Dagobert betrachtete einen Augenblick lächelnd und kopfschüttelnd die ungewöhnliche Thürhüterin eines Geistlichen , und erwiederte scherzend : » Mein schönes Kind , das geht nicht an . Meine Botschaften pflege ich selber auszurichten , und schmeichle mir , weder durch Ton noch Kleid den Knecht zu verrathen , den man vor der Thüre abspeist . Sollte ich übrigens eines Namens von Gewicht bedürfen , um hier den Eingang zu finden , so melde dem Prälaten : mich sende der Herzog von Ostreich . « Augenblicklich verneigte sich die Pförtnerin ehrerbietig , versprach den Besuch zu melden , und verschwand in dem anstoßenden Gemach . Dagobert , dem der Auftritt Spaß machte , nahm von dem Vorzimmerchen Besitz , wo ein Altar der heiligen Mutter aufgerichtet war , geschmückt mit silbernen und goldnen Blumen , und wo ein ungemein lieblicher Weihrauchduft herrschte , der aus den Zimmern des Prälaten sich zu stehlen schien . - » Recht so , guter Ohm ! « flüsterte der Neffe vor sich hin : » Du machst Dir die Gelübde leicht , wie mir ' s vorkömmt , und suchst das Paradies Dir schon in dieser Welt zu schaffen . Wenn das Übrige dem , was ich bereits sah , entspricht , so überredet Niemand leichter zu dem Klosterstande , als Dein Beispiel ! « Das Mädchen erschien auf der Schwelle des Gemachs , und winkte verbindlich dem Harrenden , einzutreten . Dagobert wartete keine zweite Einladung ab , und ließ die Schöne im Vorzimmer zurück . Er traute aber seinen Augen nicht , da er die Stube seines Oheims betrat . Er ging auf kostbaren Teppichen , so weich und glatt , daß er seinen eignen Schritt nicht vernahm . Eine gelinde Wärme erfüllte das Gemach , und der Duft balsamischer Spezereien zog behaglich aus der Räucherpfanne auf , die in der Ecke am Ofen glühte . Warme und schön gewirkte Decken bekleideten die Wände vom Simse bis zum Boden . Schwellendgepolsterte Stühle luden zur Ruhe ein , wie es auch die durch grüne Fensterschirme gemilderte Tagshelle that . Ein glänzend geputzter Kredenzschrein blendete das Auge durch den Schimmer der vielen da aufgestellten Geschirre und Trinkgefässe . Ein schon zum Mittagsmahle gerüsteter Rundtisch mit blinkendem Geräth geziert , in der Nähe einer zierlichen Kühlwanne , aus der kurzhälsige Flaschen guckten , erweckte die Lust nach leckerm Imbiß und Trunk . Von der Höhe des Zimmers schmetterten seltne Singvögel aus gelben Drahtkästchen ihr muntres Lied herab . Der Besitzer all dieser Herrlichkeiten aber dehnte sich auf einem üppigen Lotterbette . Das herrlich geschriebene und in goldbeschlagnen Sammet gebundne Brevier war seiner Hand entsunken , und ein grauer Sittich hatte sich von seiner unfern stehenden Stange an langer Kette herunterbegeben , und dem Herrn auf die fleischige Linke gesetzt , die er mit dem krummen Schnabel liebkosend pickte . Dagobert hatte Muße genug , seinen Oheim genau zu betrachten , als sich derselbe schwerfällig von den Ruhepolstern aufrichtete , ohne jedoch die liegende Stellung ganz zu verlassen . Das war nicht mehr der hagre bleiche Augustinermönch , mit dem ernsten Antlitz und den tiefliegenden niedergeschlagnen Augen , auf den sich Dagobert wohl noch zu Zeiten aus seiner frühsten Kindheit erinnert hatte . Die Zeit hatte ihn zu einem stark beleibten Prälaten umgewandelt , der außer dem Kreuze von Topasen und Gold gefertigt , nichts Mönchisches mehr an sich trug . Die Haare hingen auf die Schulter , und die Eitelkeit hatte die Graugewordenen durch metallische Mittel kupferbraun gefärbt . Die Augenbraunen waren auch mit trügerischer Farbe geschmückt , goldne Ringe hingen in den Ohren , glattgeschoren waren Wange und Kinn . Kostbare Fingerreife glänzten an den Händen . Die Fülle des Angesichts hatte viel dazu beigetragen , ihm ein jüngeres Ansehen zu geben , und die Augen wie der Mund hatten einen Anstrich von keckem Stolze gewonnen , der keine Spur der ehemaligen Klosterdemuth mehr durchblicken , ließ . Dagobert , von dieser Erscheinung , die er sich nicht träumen ließ , betroffen , neigte sich schweigend vor dem Prälaten , der durch eine nicht allzubedeutende Kopfneigung und Handbewegung den Jüngling einlud , zu sprechen . Dagobert hatte sich wenigstens eingebildet , von seinem Oheim bald erkannt zu werden , und schwieg , ihn unablässig betrachtend . Der Prälat fand hingegen das Betragen des Fremden sonderbar und fragte daher mit vornehmer dringender Rede ; Was bringt Ihr , junger Herr ? Was steht zum Befehl Sr. fürstlichen Gnaden ? » Ach , hochwürdiger Herr ! « begann Dagobert , bei dem die Rührung die Oberhand gewann : » Nicht des Herzogs Wille führt mich hieher ; sondern mein Herz , mein Herz allein ! « Der Prälat maß ihn mit staunenden Blicken . » Seltsam ! « sprach er alsdann : » was hätte ich mit Euerm Herzen zu schaffen , da ich Euer Gesicht nicht kenne , und Ihr Euern Namen hinter einem ehrenwerthen verbergen müßt ? « » Brauche ich einen Namen vor Euch ? « fuhr Dagobert dringender fort : » Sprechen nicht aus meinem Gesichte bekannte Züge zu Euerm Gefühl . « » Ei , junger Gesell , Du wirst doch nicht ... « entgegnete der Prälat betreten , und holte seine Brille aus dem Ärmel : » Sendet Dich etwa ... wie nennt sich Deine Mutter ? « » Wie mögt Ihr nach der Mutter fragen ? « sprach Dagobert weiter : » Die Edle ruht im Grabe ; doch des Vaters Name ...... « » Genug , genug , mein Sohn ! « Unterbrach ihn der Oheim mit wachsender Befangenheit , und sein Blick suchte den Boden , während er die Hand zum Kusse reichte : » Du bringst mir eine böse Nachricht . Rechinald ist todt ? Gott genade ihrer Seele .... Was willst Du aber beginnen ... ? Für Dich zu sorgen wird mir schwer werden ; .... wir armen Geistlichen werden in diesen neusten Zeiten , gedrückt und gepfändet , als hätten wir des Erdreichs Schätze allein ; ... ich werde wahrlich Nichts für Dich thun können . « Dagobert betrachtete ihn während dieser Rede , ohne zu wissen , ob der Prälat Ernst mache oder Scherz , oder ob er in einer plötzlichen Geistesabwesenheit , also irre und verworren spreche . » Wie ist Euch doch zu Sinne ? « begann er endlich , da die peinliche Verlegenheit des Geistlichen fortdauerte , und sein Auge gleichsam aus dem Boden die versagenden Worte auszugraben sich anstellte : » Was Ihr mit der Rechinald zu thun begehrt , der Gott ein langes Leben , - oder , wäre sie wirklich gestorben - eine fröhliche Urständ schenken möge , - das weiß ich nicht . Ich habe nie Eine dieses Namens gekannt , und meine Mutter hieß Wallrade , wie meine schlimme Schwester . Ich weiß jedoch ganz ausgemacht , daß ich nicht als zudringlicher Bettler mich bei Euch einfinde , sondern auf Euern ausdrücklichen Wunsch und Willen , hochwürdiger Herr Ohm ! Der Vater läßt Euch bestens grüßen , und die Stiefmutter . So Ihr mir zum frommen dienen wollt , werd ich ' s Euch herzlich danken . So sich aber Eure Willensmeinung geändert hätte , kehre ich stehenden Fußes um gen Frankfurt , ohne Groll und Reue . « Mit jedem Worte des jungen Mannes war der Prälat aufmerksamer , ruhiger und aufgerichteter geworden . Es spiegelte sich sogar eine Art von Freude in seinem Gesichte , als Dagobert geendet hatte . Durch die Brille studirte der Oheim einen Augenblick hindurch die Züge des Letztern , und rief alsdann , ihm beide Hände hinreichend : Ach du närrischer Kautz ! Das ist ja etwas ganz Andres ! Komm , umarme Deinen alten Ohm ! Die heilige Jungfrau benedeie Deinen Eingang ! » Dagobert umhalste den blödsichtigen Prälaten und setzte sich , wie dieser es begehrte , neben ihn auf das Ruhebette . « - » Ja , das ist ganz das Gesicht des Bruders ! « sprach Hieronymus : » Meine bösen Augen ! Vergib mir nur den Mißgriff , lieber Neffe . Du hast aber auch eine seltsame Weise , Dich einzuführen . Ich hätte darauf geschworen .... siehst Du ... diese Rechinald ... sie war mein frommes Beichtkind , da ich noch in Deutschland lebte , ... und .. ihr Sohn .... doch , ich werde Dir das bei gelegnerer Zeit erzählen . Gib mir noch einmal die Hand . So ! bist ein hübscher Bursche geworden . Nun , das ist ein Erbtheil unsers Geschlechts . Aber in Deinem Wesen hatte ich mir nicht weniger als Alles anders vorgestellt . Wo ist der geistliche Rock , das Piret ? der Rosenkranz und der niedergeschlagene Blick ? Du siehst aus , als ob Du zum Herrendienst an den Hof reiten wolltest , und nicht nach Wälschland in das Bartholomäistift . « » Vergebung , Ohm ! « scherzte Dagobert und zupfte neckend an dem blandamastnen Überkleid des Prälaten : » Das ist eben auch nicht das Klostergewand . « » Hm ! « lächelte der Oheim selbstgefällig : » Die Klausur und Regel ist nicht mehr für den Geistlichen meines Standes . Wir haben von unten auf gedient , und dürfen uns in reifen Jahren schon eine bequeme Freiheit erlauben , zumal hier in der Fremde , mit päpstlichem Dispens . « » Hier in der Fremde ? « wiederholte Dagobert : » Ei , lieber Ohm , Ihr seyd ja hier im Vaterlande . « » Welch Geschwätz ! « entgegnete der Prälat , das Gesicht verziehend : » Wo ist des Priesters Vaterland ? Da , wo der Statthalter Christi wohnt und herrscht mit den Fürsten seiner Kirche . Und wär auch dieses nicht , so braucht man nur einen Fuß nach dem gelobten Lande Italia gesetzt zu haben , um sich fürder keine andre Heimath zu wünschen . Wahrlich , hätte nicht die Pflicht geboten , nimmer wäre ich zurückgekommen in das Reich ungehobelter deutscher Nation . Jenseits der Alpen weht eine heitre warme Luft ; hier in Euerm trüben Winterlande erstickt mich der Husten . Dort gehe ich durch helle geräumige Städte , hier versinke ich im Morast enger winklicher Gassen , wie man sie in armen Dörfern nicht schlechter hat . Dort trinke ich köstlichen , mild und feurig zugleich schmeckenden Wein , esse herrliches Obst , Geflügel und Fisch . Hier quäle ich mich mit abscheulichem Krätzer , den Ihr lobt , weil er am Rhein wächst , und kalt und rauh ist , wie Eure Sitte ; hier verderbe ich mir den Geschmack mit Holzäpfeln und sauern Trauben . Dort höre ich eine Sprache , die wie Musika klingt , einen Gesang , dem gleich der lieben Engelein . Hier mußt ich mich bequemen , das widerliche deutsche Pfauen- und Hahnengeschrei anzuhören , es selbst wieder vorzusuchen , wenn ich mich verständlich machen will , und muß noch von Glück sagen , wenn ich nur dann und wann von ferne ein deutsches Lied singen höre , das gewöhnlich nicht anders klingt , als wie eine knarrende Thüre , deren Angeln des Öls ermangeln , und zu welchem Euer verdammtes Instrument , der schnurrende höllische Pommer , die beste Begleitung abgibt . Ich will nun gar nicht von Eurer plumpen Sitte , von Eurer schlechten Küche , von Eurer unflätigen Zechlust reden , nicht von Euren unbequemen Häusern , wo man sich einrichten muß , wie Figura zeigt , das heißt , wie ein Bauer in seiner Lehmhütte , und einen Wald in den Ofen zu werfen hat , wenn nur die Finger nicht erfrieren sollen ; nicht von Eurer Raubsucht und erbärmlichen Kindererziehung , ... denn alle diese Unformen und Mißgestaltungen sind an der Zahl Legion . Nur das gebe ich Dir zu verstehen , daß Du , um mir wahrhaft zu gefallen , und meiner Gunst würdig zu werden , die grobe deutsche Lebensart ab- und nebenbei eine schickliche geistliche Tracht abzulegen hast . « » Hm ! « versetzte Dagobert lustig : » Das Letztere ist bald gethan , denn der Schneider macht in einem Tage den Cleriker fertig ; aber das Erste wird nicht so schnell gehen . Mir ist vaterländische Gewohnheit so an ' s Herz gewachsen , daß es gewaltiger Mühe bedürfte , sie sammt den Wurzeln herauszureißen . « » Wie heißt das deutsche Sprichwort ? « fragte der Prälat : » Das eine Vernünftige unter tausend Albernen ? « » Alles , was Du willt , geschieht , so Dir ' s nicht an Muth gebricht . Beherzige das , und folge meiner Weisung ; dann kann noch ein flammend Kirchenlicht aus Dir werden . Vor der Hand lasse Dir ' s indessen heute bei mir gefallen , und nimm vorlieb mit meinem Tische . « » Das wird mir nicht schwer fallen , « scherzte Dagobert , dessen schelmisches Lächeln , wie der verstohlne Blick auf die Leibesfülle des Oheims dem Letztern nicht entgingen . » Hm ! « sprach dieser mit aufgeworfnem Munde : » Freilich findest Du auf meiner geringen Tafel keine Pfeffertunke , keine Saffranbrühe , wie sie hier erfordert wird , keinen Wildbraten , der durch seinen Geruch jede feine Nase von dannen scheucht , aber deutscher Jäger und Edelleute köstlichste Speise ist . Eben so wenig aber darfst Du hoffen , ein schwelgerisches Mahl zu genießen , sondern die einfache Kost eines Dieners der Kirche , deren Oberhaupt sich einen Knecht der Knechte nennt . « Die hübsche Pförtnerin , deren Neugierde durch den so sehr verlängerten Besuch auf ' s Höchste gereizt worden war , steckte , erinnernd an den Imbis , den Kopf in die Stube . » Wir haben einen Gast , « rief ihr der Prälat freundlich nickend zu : » Diesen jungen Mann , in welchem ich Euch , werthe Fiorilla , meinen geliebten Neffen vorstelle . « Fiorilla staunte ein Weilchen den Jüngling an , der so schnell ein Verwandter des Hauses geworden war ; hierauf folgte sie jedoch der empfangenen Weisung , legte für den Geladenen Tellerbrod und Tellertuch auf , setzte einen schön gearbeiteten Becher an seinen Platz , und begab sich hinweg , um die Speisen herauf fördern zu lassen . Dagobert hatte genau bemerkt , wie sein Ohm mit den Augen jeder Bewegung der holden Dienerin gefolgt war , und von Zeit zu Zeit auf ihn selbst einen prüfenden Blick geworfen hatte . Er gab sich daher alle Mühe , recht unbefangen zu scheinen , und fragte den Prälaten mit seinem besten Gleichmuth , ob Fiorilla etwa auch eine Verwandte sey , oder ob das Verhältniß der Magd sie an dies Haus buche . Hieronymus besann sich eine Weile . » Dieses Mädchen « - sagte er hierauf - » ist nicht Verwandte , nicht Dienerin ; sondern eine Tochter edeln Hauses , aus Cesena gebürtig , die durch ihr besondres Vertrauen in mich , meine Freundschaft und väterliche Teilnahme gewann . Ihre Neugierde und ihre Luft die Welt zu sehen , zu befriedigen , erlaubte ich ihr , einer schutzlosen Waise , mich hieher zu begleiten , wo sie dann als Freundin mein kleines Hauswesen zu besorgen unternommen , während sie vor der Welt , die in dem reinsten Verhältniß eine Sünde wittert , meine Base heißt . « » Obschon ich die runde Maid mit den Flammenaugen nicht ungern mein Bäschen nenne , « meinte Dagobert : » so begreife ich doch nicht , wie ein Mann von Eurer Würde und Heiligkeit sich zu dieser Unwahrheit herablassen konnte . « » Ach ! Du weißt es nicht , « seufzte der Ohm , wie die Welt im Argen lebt ; wie sie sich freut über den Fall des Gerechten , und aus seiner Unschuld die bittre Schuld saugt . Die Deutschen absonderlich , trotz ihrer Ruchlosigkeit , ihren unzüchtigen Tänzen und heidnischen Philosophemen ; Wer ist es , der das Leben des Priesters einer solch unchristlichen Untersuchung unterwirft , wie noch nie erhört worden ? Der Deutsche . Wer wagt es , Prälaten , Bischöfe , Kardinäle , und Gott sey es geklagt , den Unfehlbaren in Rom selbst in seinem häuslichen Thun zu meistern ? Der Deutsche . Wer schreit am ungestümsten nach einer allgemeinen Kirchenverbesserung ? der Deutsche . » O der Sünde ! die Kirche und ihre Satzungen will er umstürzen und erneuern , gleich als ob sie Menschenwerk wären , und nicht das Vollkommenste , Gottes und seines Sohnes Werk ! « Dagobert , der den Meinungen seines Oheims nicht offne Fehde bieten wollte , so sehr auch seine Ansichten von ihnen abwichen , betrachtete still lächelnd die Schnabelspitzen seiner Stiefel , und athmete freier , als endlich der Imbis aufgetragen war , und somit das ernstwerdende Gesprächsel ein Ende hatte . Bei Tische , während des Genusses der feinsten Speisen , die eines Erzbischofs Tafel zu Ehren gebracht haben würden , hatte der junge Mann Gelegenheit genug , zu bemerken , daß die Freundschaft seines Oheims zu Fiorillen wirklich eine Große war . Die leckersten Bissen legte sie dem Prälaten vor , und dieser schob das Leckerste von ihnen auf ihren Teller . Seinen und des Neffen Becher füllte er halb mit Wein , halb mit Wasser , in Fiorillens Kelchglase perlte der reine italienische Feuerwein . Während Dagobert zum Nachtisch mit vaterländischem Käse abgespeist wurde , fütterte Oheimchen Fiorillen mit dem schmackhaften in Honig gefaßten Ingwer , und mit der süßen Weichsellatwerge . Venedische Mandeln und Weinbeeren wurden aufgetragen , um von dem Hausherrn benascht , und an Fiorillen verschenkt zu werden . Endlich betheuerte die Letztere ernstlich , zur Genüge versorgt zu seyn , und bemitleidete scherzend den Gast , daß ihm nichts von diesen Leckereien beschieden gewesen . Dagobert lächelte Achselzuckend ; der Oheim sprach aber trocken : Mein Neffe macht sich sicher nichts aus diesen Süßigkeiten , denn er ist noch ein ächter Deutscher , und eine Ochsenkeule ihm lieber als eine seine Tafel , wär ' s auch die des Cardinals Zabrella , der auf das Essen etwas hält . » Alles gleicht sich aus ; « erwiederte Dagobert : » Derbe Kost gibt derbe Menschen . « » Richtig , « meinte der Prälat : » und feine Speise zieht den feinen Mann . « Fiorilla gab einige Worte dazwischen , die nicht undeutlich merken ließen , daß ihr eine kräftige Derbheit nicht mißfalle , indem sie Bürge eines kräftigen Gemüths sey . » Es muß mich wundern , « sprach sie endend : » Hochwürdiger Herr , daß Ihr an dem Neffen tadeln zu wollen scheint , was ihr an der Nichte gut heißt . « » An Euch , mein Bäschen ? « fragte Dagobert munter , und warf , dem eifersüchtig lauernden Ohm zum Trotze , einen seiner feurigsten Blicke in Fiorilla ' s Augen . » Nicht doch ; « antwortete diese erröthend : » Ich spreche von der Nichte Sr. Hochwürden . « Monsignore gab der Geschwätzigen mit verdrüßlicher Miene ein Zeichen zu schweigen . Dagobert , dem auch dieser Wink nicht entging , hatte Muthwillen genug , weiter zu forschen . » Seyd Ihr ' s also nicht , liebes Bäschen ? « fragte er ; - » oder - von welch andrer Nichte ist denn hier die Rede , Oheim . « » Von wem sonst , als von Deiner Schwester ? « brach der Letztere unmuthig los . » Von Wallraden ? « rief Dagobert . » Freilich von ihr ; « versetzte Fiorilla . » Was meint Ihr , - hochwürdiger Herr ? Sie wird viele Freude haben , ihren Bruder zu sehen , der gerade so muthig und entschlossen zu seyn scheint , wie sie . « » Wie ist mir denn ? « fragte Dagobert : » Wallrade wäre hier ? « » Ja doch ; « entgegnete Fiorilla unbefangen : » Ihr wußtet das nicht ? « » Verdrüßliche Schwätzerin ! « zürnte der Prälat gegen die Freundin : » Mulier taceat in ecclesiam ! « » In ecclesia ! « verbesserte Dagobert lächelnd : » Ein guter Spruch ! aber ich verstehe nicht , warum Ihr mir ein Geheimniß aus der Anwesenheit meiner Schwester machen wollt , guter Oheim ? Mir ist sie das gleichgültigste Ding von der Welt , macht mir nicht Liebe , nicht Haß . Wir Beide , Wallrade und ich , wir konnten uns von Jugend auf nicht leiden . Ich war ihr zu lustig , sie war mir zu rauh . Ein Glück , daß sie ein Mädchen und nicht ein Bube geworden . Es hätte alle Tage blutige Köpfe gesetzt . Seither sind wir auseinander gekommen , und haben uns natürlich nicht lieben gelernt . Sie wird mich nicht suchen , wie ich nicht sie . Wir würden uns fremd bleiben , wohnten wir auch unter einem Dache . « » Das wußt ich ja eben ! « fiel der Prälat ein : » Ich hatte mir ' s auch so schön ausgedacht , wie ich euch Trotzköpfe mit guter Art zusammenbringen und versöhnen wollte , ehe ihr noch von eurer gegenseitigen Anwesenheit gewußt hättet . Durch die Fiorilla Cicalonilla ist mir das gute Werk vereitelt . « » Es ist nicht meine Schuld , « schmollte die Gescholtene , » daß ich vielleicht in der besten Absicht Euer Vorhaben zu nichte machte . Ich wußte weder von dem Widerwillen der Geschwister , noch von der bezweckten Versöhnung . Ich wette indessen , setzte sie mit einem verstohlnen Seitenblick auf den Jüngling bei , daß Euers Neffen redlich Gemüth auch ohne Überraschung und Vermittlung den rechten Weg einschlagen und die Bande fester knüpfen werde , die Vorurtheil und Zufall auflockerten . « » Ihr thut mir viel Ehre an , « erwiederte Dagobert höflich : » ich muß sie aber ablehnen . Wallradens hochfahrender Sinn hat sich stets so trotzig erwiesen , in jedem Verhältniß des Lebens , daß ich , selbst bei dem redlichsten Willen , die Hoffnung aufgeben mußte , ihn für meine redlichste Gutherzigkeit zu gewinnen . Auf der andern Seite bin ich auch , nicht der Mann , der Weiberlaunen unterthan ist , wären es auch die einer Schwester , die einer geliebten Gattin . « » Du versteigst Dich ; « unterbrach ihn der Prälat : » Nicht denken sollst Du an eine Gattin , die Du nimmer besitzen wirst . « » Nun denn , « rief Dagobert lachend : » Ist mir die Liebe verboten , so ist mir doch die Freundschaft erlaubt . Nicht wahr , mein Bäschen ? « Fiorilla nickte heimlich lächelnd , und Dagobert ergriff seinen gefüllten Becher . » Auf gute Freundschaft denn ! « sprach er schmeichelnd , und klang mit Fiorillens Kelchglas an . » Macht kein finstres Gesicht , Oheim ! Wir ungehobelten Deutschen müssen einmal den Becher zur Hand nehmen , ob wir Frieden machen , Krieg beschließen , der Minne oder der Freundschaft Bund heiligen . Wir wollen gute , gute Freunde seyn , Bäschen Fiorilla , oder Blümchen ! Aber selbst Eure Launen trag ich nicht . « Fiorilla setzte das Glas mit lieblicher Geberde an den Mund , und während ihre Lippen nippten , ruhte ihr Auge seelenvoll auf des Jünglings blühendem Gesicht . Der Prälat rückte unruhig auf dem Stuhle , und drohte der Italiänerin verstohlen mit dem Finger . Die Leichtfertige lachte , Dagobert stellte sich aber , als habe er es nicht bemerkt , und fuhr in lustiger Laune fort : » Ihr seyd mir noch die Erklärung schuldig , bester Ohm , wie es kömmt , daß ich Wallraden hier zu Costnitz finde ? Was führt sie her ? In welcher Absicht ist sie hier ? « » O seht ; « rief Fiorilla ; » seht , wie diese Neugierde schon verborgne Theilnahme verräth . « » Sie kam auf meine Ladung , mich zu besuchen ; « antwortete der Prälat dem Neffen kurz und gleichgültig . - » Eine Stiefmutter hat Euch Beide aus Eurem Stammhause vertrieben : ich halte es für Pflicht , Vaterstelle bei Euch zu vertreten , die der schwache Vater verließ . Indem ich Wallraden vor sechs Jahren mein durch Erbschaft mir zugefallenes Gut in Thüringen überließ , gab ich ihr schon ein sorgenfreies Geschick , und behielt mir dafür nichts vor , als die Befugniß , ihr einen Gatten zu wählen , und diesen Gatten denke ich ihr hier zu freien . « » Das muß eine herrliche Ehe werden ! « lachte Dagobert : » Lieber Ohm , wählt nur ein recht frommes Schaf , das von Geburt an gewöhnt ist , mit Gebiß und Trense zu laufen , und alleine keinen Schritt zu thun . Wie heißt der Glückliche , den Ihr der Sanftmüthigen zugedacht ? « » Dem Spötter nenne ich ihn jetzt nicht , « entgegnete der Prälat verletzt und hob durch sein Aufstehen die Tafel auf . » ' S ist auch gleichviel ! « versetzte , Dagobert in obigem Tone : » Bedauernswerth ist er , er heiße nun Adam wie der erste Mensch , oder Sylvester wie der letzte Tag im Jahre . Wohl bekomm ihm die Veränderung und der Hiobstand . « » Unerträglich ! « murmelte der Prälat zwischen den Zähnen . Gemäßigter aber fuhr er fort : » Ich habe noch einen Besuch zu machen , bei welchem ich Deiner Gegenwart entbehren muß , denn er gilt gerade Deiner Schwester . Es wird mich freuen Dich bald wieder zu sehen , und in schicklicherer Tracht . « » Verlaßt Euch darauf , « erwiederte der muntere Jüngling , nach dem Federhute greifend . » Im schwarzen Rock , mit Gürtel , Kragen und Kappe schaut Ihr mich nächstens wieder . Ich bin Euch gern gefällig , wäre gerne immer um Euch . « » Ich glaubs ; « spöttelte der Oheim mit einem Seitenblick auf Fiorillen : » Du wirst aber ermessen , daß ich Dir keine Herberge unter meinem Dache anweisen kann , weil mir ' s die Sorge für dieser lieben Beichttochter Ehre untersagt . « » Freilich ; « bestätigte Dagobert mit verstelltem Ernst : » Ihr müßtet nicht halb so gewissenhaft seyn , werther Ohm , als Ihr wirklich seyd , um solches zuzugeben . Ich weiß mich auch zu bescheiden . Ich verplauderte gerne noch den ganzen Tag mit meinem wunderlieblichen Bäschen , dem Blümlein Tausendschön , ... weil Ihr denn doch zu Wallraden geht ... aber die Sitte leidet ' s nicht ; ... in Deutschland mindestens nicht , aber ... « hier schwieg er heimlich lächelnd stille . » Aber ? « fragte Fiorilla muthwillig . » Aber ? « wiederholte der Prälat neugierig , und gedehnt . » Aber wollt ich sagen , « fuhr Dagobert fort - » das wird sich schon geben , wenn ich einmal die Kirchenfarbe trage . Darum will ich eilen , und den Schneider auf den Tod plagen , bis er meine Heiligkeit gefertigt hat ; den Freibrief der in Euerm Haufe mir das Öffnungsrecht verleiht . Gott befohlen , hochwürdiger Oheim ! träumt von mir liebe Base ! « Lachend und plaudernd eilte Dagobert von dem ungewohnten wälschen Weine aufgeregt , von dannen , und dachte unter