sich also verlassen , nimmer zu helfen wüßte.17 Diejenigen , worauf er gehofft , seien ihm benommen , seinen Feinden sei er ein Spott ; denn ohne die Schweizer könne er keine Schlacht wagen . Da trat ein alter , eisgrauer Mann hervor , der sprach : Herr Herzog ! habt Ihr unsern Arm schon versucht , daß Ihr die Hoffnung aufgebt ? schaut , diese alle wollen für Euch bluten ; ich habe Euch auch meine vier Buben mitgebracht , hat jeder einen Spieß und ein Messer , und so sind hier viele Tausend ; seid Ihr des Landes so müde , daß Ihr uns verschmäht ? Da brach dem Ulerich das Herz ; er wischte sich Tränen aus dem Auge und bot dem Alten seine Hand . Ich zweifle nicht an eurem Mut , sprach er mit lauter Stimme . Aber wir sind unserer zu wenig ; so daß wir nur sterben können aber nicht siegen . Geht nach Haus ihr guten Leute und bleibet mir treu . Ich muß mein Land verlassen und im bitteren Elend sein . Aber mit Gottes Hülfe hoffe ich auch wieder hereinzukommen . So sprach der Herzog , unsere Leute aber weinten und knirschten mit den Zähnen und zogen ab in Trauer und Unmut . - « 18 » Und der Herzog ? « fragte Georg . » Von Blaubeuren ist er weggeritten , wohin weiß man nicht . In den Schlössern aber liegt die Ritterschaft , sie zu verteidigen , bis der Herzog vielleicht andere Hülfe bekommt . « - Der alte Johann unterbrach hier den Boten und meldete , daß der Junker auf zwei Uhr in den Kriegsrat beschieden sei , der in Frondsbergs Quartier gehalten werde ; Georg war nicht wenig erstaunt über diese Nachricht ; was konnte man von ihm im Kriegsrat wollen ? Sollte Frondsberg schon ein Mittel gefunden haben , ihn zu empfehlen ? » Nehmt Euch in acht , Junker « , sprach der Bote , als der alte Johann das Gemach verlassen hatte , » und bedenkt das Versprechen , das Ihr dem Fräulein gegeben , vor allem erinnert Euch , was sie Euch sagen ließ : Ihr sollt Euch hüten , weil man etwas mit Euch vorhabe . Mir aber erlaubt , als Euer Diener in diesem Haus zu bleiben ; ich kann Euer Pferd besorgen und bin zu jedem Dienst erbötig . « Georg nahm das Anerbieten des treuen Mannes mit Dank an und Hanns trat auch sogleich in seinen Dienst , denn er band seinem jungen Herrn das Schwert um , und setzte ihm das Barett zurecht . Er bat ihn noch unter der Türe , seines Schwures und jener Warnung eingedenk zu sein . Dem unbegreiflichen Ruf in den Kriegsrat und der sonderbar zutreffenden Warnung Mariens nachsinnend , ging Georg dem bezeichneten Hause zu ; man wies ihn dort eine breite Wendeltreppe hinan , wo er in der ersten Türe rechts , die Kriegsobersten versammelt finden sollte . Aber der Eingang in dieses Heiligtum ward ihm nicht so bald verstattet ; ein alter bärtiger Kriegsmann fragte , als er die Türe öffnen wollte , nach seinem Begehr , und gab ihm den schlechten Trost , es könne höchstens noch eine halbe Stunde dauern , bis er vorgelassen werde ; zugleich ergriff er die Hand des jungen Mannes und führte ihn einen schmalen Gang hindurch , nach einem kleinen Gemach , wo er sich einstweilen gedulden solle . Wer je in besorgter Erwartung einsam und allein auf der Marterbank eines Vorzimmers saß , der kennt die Qual , die Georg in jener Stunde auszustehen hatte . Das ungeduldige Herz pocht der Entscheidung entgegen , alle Nerven sind gespannt , das Auge möchte die Türe durchbohren , das Ohr schärft sich , wenn in der Ferne eine Türe knarrt , Schritte über den Hausgang rauschen oder undeutliche Stimmen im anstoßenden Zimmer lauter werden . Aber die Türen haben umsonst getönt , die Schritte immer näher und näher kommend , gehen vorüber , der ungleiche Ton der Stimmen sinkt zum Geflüster herab . Die Bretter des Fußbodens und die Fenster des Nachbarhauses sind bald gezählt , und schon wieder zeigt der helle Ton der Glocke eine umsonst verlebte halbe Stunde an . Das Ohr begleitet alle Glocken und Uhren der Stadt , bemerkt ihre hohen und tiefen Töne - auch sie haben ausgeschlagen . Man steht auf , man macht einen Gang durch das enge Gemach , horch ! da geht wieder eine Türe , gewichtige Schritte kommen den Gang herauf , die Klinke der Türe bewegt sich nach so langer Zeit wieder - » Georg von Frondsberg läßt Euch seinen Gruß vermelden « , sprach der alte Kriegsmann , der nach so langer Zeit wieder zu Georg kam , » es könnte vielleicht noch eine Weile dauern ; doch sei dies ungewiß , darum sollet Ihr hierbleiben . Er schickt Euch hier einen Krug Wein zum Vespern . « Der Diener setzte den Wein auf den breiten Fenstersims des Zimmers , denn ein Tisch war nicht vorhanden , und verließ das Gemach . Georg sah ihm staunend nach ; er hätte dies nicht für möglich gehalten ; über eine Stunde war schon verschwunden , und noch nicht ? Er griff zu dem Wein , er war nicht übel , aber wie konnte ihm in seiner traurigen Einsamkeit das Glas munden ? Es ist ein gewöhnlicher Fehler junger Leute in Georgs Jahren , daß sie sich für wichtiger halten , als es ihre Stellung in der Welt eigentlich mit sich bringt . Der gereiftere Mann wird eine Beeinträchtigung seiner Würde eher verschmerzen oder wenigstens sein Mißfallen zurückhalten , während der Jüngling empfindlicher über den Punkt der Ehre leichter und schneller aufbraust . Kein Wunder daher , daß Georg , als er nach zwei tödlich langen Stunden in den Kriegsrat abgeführt wurde , nicht in der besten Laune war . Er folgte schweigend dem ergrauten Führer , der ihn hieher geleitet hatte , den langen Gang hin . An der Türe wandte sich jener um und sagte freundlich : » Verschmäht den Rat eines alten Mannes nicht , Junker , und legt die trotzige , finstere Miene ab ; es tut nicht gut bei den gestrengen Herren da drinnen . « Georg war in dem Augenblick zu wenig Herr über sich , als daß er den wohlgemeinten Rat hätte befolgen können , er dankte ihm durch einen Händedruck , ergriff dann rasch die gewaltige eiserne Türklinke und die schwere , eichene Zimmertüre drehte sich ächzend auf . Um einen großen , schwerfälligen Tisch saßen acht ältliche Männer , die den Kriegsrat des Bundes bildeten . Einige davon kannte Georg . Jörg Truchseß , Freiherr von Waldburg , nahm als Oberster-Feldlieutenant den obersten Platz an dem Tische ein , auf beiden Seiten von ihm saßen Frondsberg und Franz von Sickingen , von den übrigen kannte er keinen , als den alten Ludwig von Hutten ; aber die Chronik hat uns ihre Namen treulich aufbewahrt , es saßen dort noch Christoph Graf zu Ortenberg , Alban von Closen , Christoph von Frauenberg und Diepolt von Stein ; bejahrte , im Heere angesehene Männer . Georg war an der Türe stehengeblieben , Frondsberg aber winkte ihm freundlich näher zu kommen . Er trat bis an den Tisch , und überschaute nun mit dem freien kühnen Blick , der ihm so eigen war , die Versammlung . Aber auch er wurde von den Versammelten beobachtet , und es schien , als fänden sie Gefallen an dem schönen , hochgewachsenen Jüngling , denn mancher Blick ruhte mit Wohlwollen auf ihm , einige nickten ihm sogar freundlich zu . Der Truchseß von Waldburg hob endlich an : » Georg von Sturmfeder , wir haben uns sagen lassen , Ihr seid auf der Hochschule in Tübingen gewesen , ist dem also ? « » Ja Herr Ritter « , antwortete Georg . » Seid Ihr in der Gegend von Tübingen genau bekannt ? « fuhr jener fort . Georg errötete bei dieser Frage ; er dachte an die Geliebte , die ja nur wenige Stunden von jener Stadt entfernt , auf ihrem Lichtenstein war ; doch er faßte sich bald und sagte : » Ich kam zwar nicht viel auf die Jagd , auch habe ich sonst die Gegend wenig durchstreift , doch ist sie mir im allgemeinen bekannt . « » Wir haben beschlossen « , fuhr Truchseß fort , » einen sicheren Mann in jene Gegend zu schicken , auszukundschaften was der Herzog von Württemberg bei unserem Anzug tun wird . Es soll auch über die Befestigung des Schlosses Tübingen , über die Stimmung des Landvolkes in jener Gegend genaue Nachricht eingezogen werden ; ein solcher Mann kann dem Württemberger durch Klugheit und List mehr Abbruch tun als hundert Reiter , und wir haben - - Euch dazu ausersehen . « » Mich ? « rief Georg voll Schrecken . » Euch , Georg von Sturmfeder ; zwar gehört Übung und Erfahrung zu einem solchen Geschäft , aber was Euch dran abgeht , möge Euer Kopf ersetzen . « Man sah dem Jüngling an , daß er einen heftigen Kampf mit sich kämpfte . Sein Gesicht war bleich , sein Auge starr , seine Lippen fest zusammengeklemmt . Die Warnung Mariens war ihm jetzt auf einmal klar ; aber wie fest er auch bei sich beschloß , den Antrag auszuschlagen , wie erwünscht beinahe diese Gelegenheit erschien , um dem Bunde zu entsagen , so kam ihm die Entscheidung doch zu überraschend , er scheute sich , vor den berühmten Männern seinen Entschluß auszusprechen . Der Truchseß rückte ungeduldig auf seinem Stuhl hin und her , als der junge Mann so lange mit seiner Antwort zögerte : » Nun ? wird ' s bald ? warum besinnt Ihr Euch so lange ? « rief er ihm zu . » Verschonet mich mit diesem Auftrag « , sagte Georg nicht ohne Zagen , » ich kann , ich darf nicht . « Die alten Männer sahen sich erstaunt an , als trauten sie ihren Ohren nicht . » Ihr dürft nicht , Ihr könnt nicht « , wiederholte Truchseß langsam , und eine dunkle Röte , der Vorbote seines aufsteigenden Zornes lagerte sich auf seine Stirne und um seine Augen . Georg sah , daß er sich in seinen Ausdrücken übereilt habe ; er sammelte sich und sprach mit freierem Mute : » Ich habe Euch meine Dienste angeboten um ehrlich zu fechten , nicht aber um mich in Feindesland zu schleichen und hinterrücks nach seinen Gedanken zu spähen . Es ist wahr , ich bin jung und unerfahren , aber so viel weiß ich doch , um mir von meinen Schritten Rechenschaft geben zu können ; und wer von Euch , der Vater eines Sohnes ist , möchte ihm zu seiner ersten Waffentat raten , den Kundschafter zu machen ? « Der Truchseß zog die dunkeln , buschigen Augenbrauen zusammen , und schoß einen durchdringenden Blick auf den Jüngling , der so kühn war , anderer Meinung zu sein als er . » Was fällt Euch ein , Junker ! « rief er ; » Eure Reden helfen Euch jetzt nichts , es handelt sich nicht darum , ob es sich mit Eurem kindischen Gewissen verträgt was wir Euch auftragen ; es handelt sich um Gehorsam , wir wollen es , und Ihr müßt ! « » Und ich will nicht ! « entgegnete ihm Georg mit fester Stimme . Er fühlte , daß mit dem Zorn über Waldburgs beleidigenden Ton sein Mut von Minute zu Minute wachse , er wünschte sogar , der Truchseß möchte noch weiter in seinen Reden fortfahren , denn jetzt glaubte er sich jeder Entscheidung gewachsen . » Ja freilich , freilich ! « lachte Waldburg in bitterem Grimm , » das Ding hat Gefahr , so allein in Feindesland herumzureiten . Ha ! Ha ! Da kommen die Junker von Habenichts und Binnichts und bieten mit großen Worten und erhabenen Gesichtern ihren Kopf und ihren tapferen Arm an , und wenn es drauf und dran kommt , wenn man etwas von ihnen haben will , so fehlt es am Herz . Doch Art läßt nicht von Art , der Apfel fällt nicht weit vom Stamm - und wo nichts ist : da hat der Kaiser das Recht verloren . « » Wenn dies eine Beleidigung für meinen Vater sein soll « , antwortete Georg erbittert , » so sitzen hier Zeugen , die ihm bezeugen können , daß er in ihrem Gedächtnisse als ein Tapferer lebt . Ihr müßt viel getan haben in der Welt , daß Ihr Euch herausnehmt auf andere so tief herabzusehen ! « » Soll ein solcher Milchbart mir vorschreiben was ich reden soll ? « unterbrach ihn Waldburg ; » was braucht es da das lange Schwatzen ? ich will wissen , Junkerlein , ob Ihr morgen Euer Pferd satteln , und Euch nach unseren Befehlen richten wollet oder nicht ! « » Herr Truchseß « , antwortete Georg mit mehr Ruhe als er sich selbst zugetraut hatte ; » Ihr habt durch Eure scharfe Reden nichts gezeigt , als daß Ihr wenig wisset , wie man mit einem Edelmann , der dem Bunde seine Dienste anbot , wie man mit dem Sohn meines tapfern Vaters sprechen müsse . Ihr habt aber als Oberster dieses Rates im Namen des Bundes zu mir gesprochen und mich so tief beleidigt , als ob ich Euer ärgster Feind wäre , darum kann ich nichts tun , als wie Ihr selbst befehlt , mein Roß satteln , aber gewiß nicht zu Eurem Dienst . Es ist mir nicht länger Ehre , diesen Fahnen zu folgen , nein , ich sage mich los und ledig von Euch für immer ; gehabt Euch wohl ! « Der junge Mann hatte mit Nachdruck und Festigkeit gesprochen , und wandte sich , zu gehen . » Georg ! « rief Frondsberg , indem er aufsprang , » Sohn meines Freundes ! - « » Nicht so rasch , Junker « , riefen die übrigen , und warfen mißbilligende Blicke auf Waldburg ; aber Georg war , ohne sich umzusehen , aus dem Gemach geschritten , die eiserne Klinke schlug klirrend ins Schloß und die gewaltigen Flügel der eichenen Pforte lagerten sich zwischen ihn und den wohlmeinenden Nachruf der besser gesinnten Männer ; sie schieden Georg von Sturmfeder auf ewig von dem Schwäbischen Bunde . X O wenn die Nacht des Grames dich umschlinget , Mit schwerem Leid dein wundes Herz oft ringet , Wenn nur der Stern , der nach der Sonne stehet , Der Liebe Stern in dir nicht untergehet . P. Conz Georg fühlte sich leichter , als er auf seinem Zimmer über das Vorgefallene nachdachte . Jetzt war ja entschieden , was zu entscheiden er so lange gezögert hatte , entschieden auf eine Weise , wie er sie besser nicht hätte wünschen können . So hatte er jetzt einen guten Grund , das Heer sogleich zu verlassen , und der Oberstfeldlieutenant mußte die Schuld sich selbst beimessen . Wie schnell hatte sich doch alles in den vier Tagen gewendet ; wie verschieden waren die Gesinnungen , mit denen er in diese Stadt einzog , von denen , die ihn aus ihren Mauern hinaustrieben ! Damals , als der Donner der Geschütze , der feierliche Klang aller Glocken , die lockenden Töne der Trompeten ihn begrüßten , wie schlug da sein Herz dem Kampf entgegen , um Marien zu verdienen . Und als er das erstemal vor jenen Frondsberg geführt wurde , wie erhebend war der Gedanke , unter den Augen dieses Mannes zu streiten , aus seinem Munde sich Ruhm zu erwerben ! - Und wie erkaltete bald darauf sein Eifer , als der Bund in seinen Augen jenen Glanz verlor , mit welchem ihn seine jugendliche Phantasie umgeben hatte ; wie schämte er sich , sein Schwert für die zu ziehen , die nur von Eigennutz und Habgier getrieben , das schöne Land sich zur Beute ausersehen hatten ! Wie schrecklich der Gedanke , Marie und die Ihrigen auf der feindlichen Seite zu wissen , treu ergeben dem unglücklichen Fürsten , den auch er aus seinen Grenzen zu jagen helfen sollte ? Um eine solche Sache sollte er jenes teure Herz brechen , das unter jedem Wechsel treu für ihn schlug ? » Nein ! Du hast es wohl mit mir gemeint « , sprach er , indem sein Auge dem Strahl der Abendsonne , der durch die runden Scheiben hereinfiel , hinauf zu dem blauen Himmel folgte ; » du hast es wohl mit mir gemeint , was jedem andern , der heute an meiner Stelle stand , zum Verderben gewesen wäre , hast du für mich zum Heil gelenkt ! « Jene Heiterkeit , die , seit er wußte , wie furchtbar sich das Geschick zwischen ihn und die Geliebte stellte , einem trüben Ernste gewichen war , kehrte wieder auf seine Stirne , um seinen Mund zurück ; er sang sich ein frohes Lied , wie in seinen frohesten Augenblicken . - Erstaunt betrachtete ihn der eintretende Herr von Kraft . » Nun das ist doch sonderbar « , sagte er , » ich eile nach Haus , um meinen Gast in seinem gerechten Schmerz zu trösten , und finde ihn so fröhlich wie nie ; wie räume ich das zusammen ? « » Habt Ihr noch nie gehört , Herr Dieterich « , entgegnete Georg , der für geratener hielt , seine Fröhlichkeit zu verbergen , » habt Ihr nie gehört , daß man auch aus Zorn lachen und im Schmerz singen könne ? « » Gehört hab ich es schon , aber gesehen nie bis zu diesem Augenblick « , antwortete Kraft . » Nun , und Ihr habt also auch von der verdrüßlichen Geschichte gehört « , fragte Georg , » man erzählt sich es gewiß schon auf allen Straßen ? « » O nein « , antwortete der Ratsschreiber , » man weiß nirgens etwas davon , man hätte ja zugleich Eure geheime Sendung nach Württemberg damit ausposaunen müssen . Nein ! ich habe , Gott sei Dank , so meine eigenen Quellen , und erfahre manches noch in der Stunde wo es getan oder gesprochen wurde . Aber nehmt mir ' s nicht übel , Ihr habt da einen dummen Streich gemacht ! « » So ? « antwortete Georg lächelnd , » und warum denn ? « » Bot sich Euch nicht die schönste Gelegenheit , Euch auszuzeichnen ? Wem wären die Bundesobersten mehr Dank schuldig als - « » Sagt es nur heraus « , unterbrach ihn Georg , » - als dem Kundschafter in des Feindes Rücken . Es ist nur schade , daß mein Vater und die Ehre meines Namens mich vor , nicht hinter den Feind bestimmt haben , es sei denn , daß er vor mir fliehe . « » Dies sind Bedenklichkeiten , die ich nicht bei Euch gesucht hätte ; wahrlich , wenn ich so bekannt in jener Gegend wäre , wie Ihr , man hätte es mir nicht zweimal sagen dürfen . « » Ihr habt hierzuland vielleicht andere Grundsätze über diesen Punkt « , sagte Georg nicht ohne Spott , » als wir in unserem Franken , das hätte Truchseß von Waldburg bedenken und einen Ulmer schicken sollen . « » Ihr bringt mich da eben recht noch auf etwas anderes ; der Oberfeldlieutenant ! Wie habt Ihr ihn Euch so zum Feinde machen mögen , denn daß dieser Euch das Geschehene in seinem Leben nicht verzeiht , dürft Ihr gewiß sein . « » Das ist mein geringster Kummer « , antwortete Georg , » aber eines tut mir weh , daß ich den Übermütigen , der schon meinem Vater Böses getan , wo er konnte , nicht vor meine Klinge stellen , und ihm zeigen kann , daß der Arm nicht so ganz zu verachten ist , den er heute von sich gestoßen hat . « » Um Gottes willen « , fiel Kraft ein , » sprecht nicht so laut , er könnte es hören ; überhaupt müßt Ihr Euch sehr zusammennehmen , wenn Ihr ferner im Heere unter ihm dienen wollt ! « » Ich will den Herrn Truchseß von meinem verhaßten Anblick bald befreien ; so Gott will , habe ich die Sonne zum letztenmal in Ulm untergehen sehen ! « » So wäre es wahr « , fragte Herr von Kraft mit Staunen , » was man noch dazusetzte und was ich nicht glauben konnte : Georg von Sturmfeder will wegen dieser Kleinigkeit unsere gute Sache verlassen ? « » Verletzung der Ehre ist nirgends eine Kleinigkeit « , antwortete Georg ernst , » am wenigsten bei einem Stand wie der unserige ; was aber Eure gute Sache betrifft , so habe ich nachgerade eingesehen , daß ich weder für eine gute Sache noch für eine gute Meinung , sondern für ein paar große Herren und für ein paar Mauern voll Spießbürger mich schlagen sollte . « Der unangenehme Eindruck , den besonders die letzten Worte auf den Ratsschreiber machten , entging ihm nicht , er fuhr daher , indem er seine Hand ergriff und drückte , ruhiger fort : » Nehmt mir meine scharfen Worte nicht übel , mein freundlicher Wirt , weiß Gott , ich habe Euch nicht damit beleidigen wollen ; aber aus Eurem eigenen Munde habe ich die Gesinnungen und Zwecke der verschiedenen Parteien in diesem Heere erfahren , schreibt es Euch selbst zu , wenn ich meinen eigenen Weg einschlage , da Ihr mir die Binde von den Augen genommen habt . « » Ihr habt so unrecht gerade nicht , guter Junker ; es wird bunt hergehen , wenn die Herren erst das schöne Land da drüben unter sich teilen . Aber da habe ich gedacht , es gehe ja in einem hin , Ihr könntet Euch auch Euer Scherflein dabei verdienen . Man sagt , Ihr dürft es mir aber nicht übelnehmen , Euer Haus sei etwas herabgekommen , da meinte ich - « » Nichts davon « , fiel Georg rasch ein , gerührt von der Gutmütigkeit seines Gastfreundes , » das Haus meiner Väter zerfällt , unsere Tore hängen auf gebrochenen Angeln , auf der Zugbrücke wächst Moos , und auf dem hohen Wartturm hausen Eulen . In fünfzig Jahren steht vielleicht noch ein Turm oder ein Mäuerchen , und erinnert den Wanderer , daß hier einst ein ritterliches Geschlecht hauste . Aber , wenn auch die morschen Mauern über mir zusammenstürzen , und den letzten meines Stammes unter ihren Trümmern begraben , niemand soll von mir sagen : ich habe für ungerechtes Gut das Schwert meines Vaters gezogen . « » Jeder nach seiner Weise « , antwortete Dieterich , » es klingt dies alles recht schön , aber ich für meinen Teil würde mir schon etwas gefallen lassen , um mein Haus anständig und wohnlich wieder herzustellen . - Möget Ihr übrigens Euren Entschluß ändern oder nicht , auf jeden Fall hoffe ich , werdet Ihr es Euch noch einige Tage bei mir gefallen lassen . « » Ich erkenne Eure Güte « , antwortete Georg , » aber Ihr seht , daß ich unter den gegenwärtigen Umständen nichts mehr in dieser Stadt zu tun habe . Ich gedenke mit Anbruch des Morgens zu reiten . « » Nun , und kann man Euch Grüße mitgeben ? « sagte der Ratsschreiber mit überaus schlauem Lächeln ; » Ihr reitet doch den nächsten Weg nach Lichtenstein ? « Der junge Mann errötete bis in die Stirne hinauf . Es war zwischen ihm und seinem Gastfreund seit Mariens Abreise noch nie über diesen Gegenstand zu Sprache gekommen , um so mehr überraschte ihn jetzt die schlaue Frage seines Gastfreundes . » Ich sehe « , sagte er , » daß Ihr mich noch immer falsch verstehet . Ihr glaubet , ich habe dem Bunde nur deswegen den Rücken zugewandt , um mich an die Feinde anzuschließen ? Wie möget Ihr nur so schlimm von mir denken ! « » Ach , geht mir doch ! « entgegnete der kluge Ratsschreiber ; » niemand anders als mein reizendes Bäschen hat Euch von uns abwendig gemacht . Ihr hättet wohl zu allem , was der Bund getan , ein Auge zugedrückt , wenn der alte Lichtenstein auch mitgemacht hätte ; nun er auf der anderen Seite steht , glaubt Ihr auch schnell umsatteln zu müssen ! « Georg mochte sich verteidigen wie er wollte , der Ratsschreiber war zu fest von seiner eigenen Klugheit überzeugt , als daß er sich diese Meinung hätte ausreden lassen . Er fand diesen Schritt auch ganz natürlich , und sah nichts Böses oder Unehrliches darin . Mit einem herzlichen Gruß an die Base in Lichtenstein verließ er das Zimmer seines Gastes . Doch auf der Schwelle wandte er sich noch einmal um . » Fast hätte ich das Wichtigste vergessen « , sagte er , » ich begegnete Georg von Frondsberg auf der Straße ; er läßt Euch bitten heute abend noch zu ihm in sein Haus zu kommen . « Georg hatte sich zwar selbst vorgestellt , daß ihn Frondsberg nicht ohne Abschied werde ziehen lassen , und doch war ihm bange vor dem Anblick dieses Mannes , der es so gut mit ihm gemeint , und dessen freundliche Plane er so schnell durchkreuzt hatte . Er schnallte unter den Gedanken an diesen schweren Gang sein Schwert um , und wollte eben seinen Mantel zurecht richten , als ein sonderbares Geräusch von der Treppe her seine Aufmerksamkeit auf sich zog . Schwere Tritte vieler Menschen näherten sich seiner Türe , er glaubte Schwerter und Hellebarden auf dem Estrich seines Vorsaales klirren zu hören , er machte schnell einige Schritte gegen die Türe , um sich von dem Grund seiner Vermutung zu überzeugen . Aber noch ehe er die Türe erreicht hatte , ging diese auf , das matte Licht einiger Kerzen ließ ihn mehrere bewaffnete Kriegsknechte sehen , die seine Türe umstellt hatten . Jener alte Kriegsmann , der ihn heute vor dem Kriegsrat empfangen hatte , trat aus ihrer Mitte hervor : » Georg von Sturmfeder ! « sprach er zu dem Jüngling , der mit Staunen zurücktrat , » ich nehme Euch auf Befehl eines Hohen Bundesrates gefangen . « » Mich ? gefangen ? « rief Georg mit Schrecken . » Warum ? wessen beschuldigt man mich denn ? « » Das ist nicht meine Sache « , antwortete der Alte mürrisch , » doch wird man Euch vermutlich nicht lange in Ungewißheit lassen . Jetzt aber seid so gut und reicht mir Euer Schwert und folget mir auf das Rathaus . « » Wie ? Euch soll ich mein Schwert geben ? « entgegnete der junge Mann mit dem Zorn beleidigten Stolzes , » wer seid Ihr , daß Ihr mir meine Waffen abfordern könnet ? da muß der Rat ganz andere Leute schicken als Euch , so viel verstehe ich auch von Eurem Handwerk ! « » Um Gottes willen , gebt doch nach « , rief der Ratsschreiber , der sich bleich und verstört an seine Seite gedrängt hatte , » gebt nach ; Widerstand kann Euch wenig nützen ; Ihr habt es mit dem Truchseß zu tun « , flüsterte er heimlicher ; » das ist ein böser Feind , bringt ihn nicht noch ärger gegen Euch auf . « Der alte Kriegsmann unterbrach die Einflüsterungen des Ratsschreibers : » Es ist wahrscheinlich das erstemal , Junker « , sagte er , » daß Ihr in Haft genommen werdet , deswegen verzeihe ich Euch gern die unziemlichen Worte gegen einen Mann , der oft in einem Zelt mit Eurem Vater schlief . Euer Schwert möget Ihr auch immerhin behalten ; ich kenne diesen Griff und diese Scheide , und habe den Stahl , den sie verschließt , manchen rühmlichen Kampf ausfechten sehen . Es ist löblich , daß Ihr viel darauf haltet , und es nicht in jede Hand kommen lassen möget . Aber aufs Rathaus müßt Ihr mit , denn es wäre töricht , wenn Ihr der Gewalt Trotz bieten wolltet . « Der Jüngling , dem alles wie ein Traum erschien , ergab sich schweigend in sein Schicksal , er trug dem Ratsschreiber heimlich auf , zu Frondsberg zu gehen und diesen von seiner Gefangenschaft zu unterrichten . Er wickelte sich tiefer in seinen Mantel , um auf der Straße bei diesem unangenehmen Gang nicht erkannt zu werden , und folgte dem ergrauten Führer und seinen Lanzknechten . XI Die Eisentür geht auf , des Kerkers schwarze Wand Erhellt ein blasser Schein , er höret jemand gehen Und stemmt sich auf , und sieht - Wieland Die Truppe , den Gefangenen in der Mitte , bewegte sich schweigend dem Rathaus zu . Nur eine einzige Fackel leuchtete ihnen voran , und Georg dankte dem Himmel , daß sie nur sparsame Helle verbreitete ; denn er glaubte , alle Menschen , die ihn begegneten , müßten es ihm ansehen , daß er ins Gefängnis geführt werde . Nächst diesem beschäftigte ihn unterwegs vorzüglich ein Gedanke : es war das erste Mal in seinem Leben , daß er in ein Gefängnis geführt wurde , er dachte daher nicht ohne Grauen an einen feuchten , unreinlichen Kerker ; das Burgverlies in seinem alten Schlosse , das er als Knabe einmal besucht hatte , kam ihm immer vor das Auge ; er war einigemal im Begriff , seinen Führer darüber zu befragen , doch drängte der Gedanke , man möchte es für kindische Furcht ansehen , seine Frage immer wieder zurück . Nicht wenig war er daher überrascht , als man ihn in ein geräumiges , schönes Zimmer führte , das zwar nicht sehr wohnlich aussah , denn es