, die zur neuen Käserei gehörten , ihre Kuhmilch in äußerst sauber gewaschenen Gefäßen bringen . War das Gefäß nicht sauber , nahm der Senn die Milch gar nicht an ; das war Gesetz . Nachher machte man aber das Gesetz noch schärfer . Der Senn maß die Milch , und schrieb unter eines Jeden Namen auf , wie viel derselbe gebracht habe . Jeder konnte es für sich auch aufzeichnen . So brachte jede Haushaltung alle Tage Morgens und Abends die Milch ihrer Kühe . Von fremden Kühen aber durfte man bei schwerer Strafe keine Milch bringen . Die gesammte Milch eines Tages goß der Senn in der Milchkammer zusammen , und bereitete daraus Butter und Käse . Das gab schöne , frische , große Ballen ; zudem noch Käsewasser , im Sommer ein gesundes , kühlendes Getränk . Nun war die Frage : Wem gehört die schöne Menge Butter und Käse von jedem Tage ? Denn alle Tage war eine solche Parthie von der Milch aller Kühe der Beigetretenen fertig . Es hätte sie gern Jeder gehabt , um in die Stadt damit zu laufen . Das richtete man folgendermaßen ein : Alles , was die zusammengebrachte Milch eines einzigen Tages an Butter , Käse u.s.w. abtrug , ward auch nur einem einzigen Theilhaber mit einem Male gegeben , und zwar demjenigen , dem man die meiste Menge Milch in der Käserei schuldig geworden war . - In den ersten paar Tagen freilich bekamen die Ersten weit mehr an Käse und Butter , als sie Milch gebracht hatten ; denn sie bekamen ja das , was aus der Milch von allen Theilhabern gemacht war . Allein nun wurden sie für so viel , als sie zu viel bekommen hatten , den Uebrigen schuldig , und was sie schuldig geworden waren , ward ihnen von Tag zu Tag an der Milch abgezogen , die sie brachten . Das ging so lange , bis sie alle Schuld abgethan und an Milch wieder mehr zu gut hatten , als die Uebrigen . Dann bekamen sie wieder die an einem Tage bereitete Waare . Unterdessen hatte aber auch der , welcher nur eine einzige Kuh besaß , und alle Tage nur ein paar Maas Milch bringen konnte , nach und nach mehr zusammengebracht , als Jeder von den Uebrigen , wie man das wohl im Milchbuche aufgeschrieben fand . Und nun empfing er die Frucht des Tages , bei anderthalb Zentner Butter und Käse mit einem Male . Die Butter konnte Jeder den Tag gleich mit sich nehmen , da sie fertig war ; Buttermilch , Käsewasser gehörten ihm auch . Den Käse aber ließ man so lange im Keller , bis er gehörig fest und gut war . Allemal an dem Tage , da Einer das Recht hatte , die aus der Milch bereitete Waare zu beziehen , mußte er dem Senn bei der Arbeit helfen und ihm handlangen , und saubere Handtücher , Linnen , und was nöthig war , herbeischaffen . Zuerst war den Goldenthalern das ganze Wesen bedenklich , und es meinte Jeglicher , er komme zu kurz dabei . Wenn Einer aber seine Menge Käse und Butter empfing , und nun nachrechnet , wie viel Milch er gegeben : so war er hocherfreut . Und es fand sich am Ende des ersten Jahres schon , daß auf diese Weise der mittlere Ertrag und Gewinn von einer Kuh über 166 Gulden jährlich stieg , und zwar nach Abzug aller Unkosten . Das war doch ein schöner Zins ! Nun begriff man auch bald , woher das komme . Denn je frischer die Milch und je mehr , je besser wird die Waare daraus . So was konnte eine einzelne Familie für sich allein beim Aufsammeln ihrer Milch nicht leisten . - Ferner : sonst war in den Haushaltungen manche Maas Milch verschlampt und verzehrt , jetzt in den Milchkeller der Käserei an Zins gelegt . Sonst verlor mau viel Zeit , oder hatte keine Zeit , selber Käse zu machen ; jetzt ging das von selbst . Sonst kostete es Jedem mehr Holz zum Kochen ; jetzt war es ein großes Holzersparniß . Einige Goldenthaler versuchten anfangs zwar mit ihrer Milch Betrügereien ; aber man machte bald so strenge Gesetze , daß es Keinem mehr in Sinn kam , zu betrügen , er hätte denn um alle seine gebrachte Milch bestraft und aus der Gesellschaft gestoßen sein wollen . Die Einrichtung aber brachte noch einen Vortheil , an den vorher kein Mensch gedacht hatte . Nämlich , weil Jeder gern viel Milch gebracht hätte , um bald viel Käse und Butter davon zu haben , besorgte Jeder sein Vieh besser , als ehemals ; baute künstliche Grasarten an , die viel Milch erzeugen ; suchte sich eine größere Kuh zu verschaffen , statt der schlechten kleinen , oder stellte zwei Kühe in den Stall , wo er vorher nur eine hatte . Und weil Jedem daran gelegen war , daß man keine Milch von einer kranken oder kalbenden Kuh bekomme , hatten die drei erwählten Aufseher Macht und Recht , zu jeder Zeit in die Ställe zu gehen , und die Pflicht , alle halbe Jahre darin Umgang zu halten . So ward über die Gesundheit alles Viehes wachsames Auge gehalten . 21. Vom neuen Gemeindevorsteher und dem Löwenwirth . » Der Oswald ist doch ein Hexenmeister und Tausendsasa ! « sagten die Goldenthaler lachend , wenn er wieder etwas angegeben hatte , das gelungen war . Und es gelang ihm ziemlich Alles , was er anfing , denn er fing nichts ohne Vorbedacht an ; er übereilte und überhaspelte nichts , sondern that einen Schritt um den andern , und nahm nie mehr auf seine Schultern , als er tragen konnte . Nun hätte man wohl glauben sollen , der Schulmeister habe sich und seine herzige Elsbeth mit Arbeiten überladen gehabt . Keineswegs ; er wußte Alles so einzurichten , daß zuletzt immer Andere ihm einen guten Theil der Arbeit abnehmen konnten . Sogar in der Schule hatte er wenig zu thun , denn er hatte sich da einen geschickten jungen Bauerssohn , Namens Johanns Heiter , nachgezogen . Der war von armen Aeltern , und Oswald gab ihm bei sich Wohnung und Kost aus der Garküche , und unterrichtete ihn in gelehrten Dingen . Oswald hatte seinen Johannes sehr lieb , und dieser war in der Schule so meisterlich zum Unterricht , daß er Oswalden gleich kam . Und die Kinder liebten den Johannes , denn er war sanft und freundlich , und machte ihnen das Lernen beinahe noch leichter , als Oswald . Dieser ging oft ganze Tage seiner Feld- und Gartenarbeit nach , und freute sich , wenn er sah , wie im Dorfe Alles nach und nach anders ward . Und wirklich war es seltsam zu sehen , wie Leute , die vorder arme Schlucker gewesen , nach und nach sich von Schulden frei machten , und wie ihre Häuser ein stattliches Ansehen bekamen ; hingegen , wie vormals wohlhabende Bauern , die in ihrer alten Gewohnheit verblieben , nach und nach arm wurden , weil sie das Ihrige verwahrlosten , verlumpten , versoffen , verprozessirten , verspielten . Die zweiunddreißig Bundesgenossen Oswalds hielten sich wacker und waren allenthalben voran , wo eine neue Einrichtung von ihm gemacht ward . Ihr Beispiel munterte dann viele Nachbarn auf , es auch so zu machen . Die jungen Bursche , welche Oswald am Sonntage unterrichtete , und die Mädchen aus Elsbeths Nähschule trugen bei ihren Aeltern nicht wenig zum Guten bei . Andere aber waren und blieben im Dorfe unverbesserliche Lumpen . Und an der Spitze des schlechten Volks stand der Löwenwirth Brenzel . Dieser war ein geschworner Feind aller neuen Einrichtungen . Er fluchte beständig auf die Neuerer , und sagte , die Religion gehe dabei zu Grunde ; es müsse anders kommen ; so könne es nicht länger gehen . Doch hielt ihn der Herr Pfarrer , welcher ihn viel besuchte , immer im Zaum , daß er nicht viel Böses thun konnte . Dazu kam , daß Brenzel seine Hauptstütze , nämlich den dritten Gemeindsvorsteher , von seiner Seite verlor . Dieser hatte schon längst bemerkt , daß es mit seiner Wirthschaft den Krebsgang gehe , und sich darüber aus Verdruß dem Trunk ergeben , daß er keinen Tag nüchtern war . Und um schnell wieder reich zu werden , hatte er in mehrere Lotterien gesetzt und sein Geld verlottert , bis er nichts mehr hatte . Da kamen die Gläubiger , denen er schuldig war , und nahmen ihm das Letzte . Nun mußten neue Gemeindevorsteher gewählt und der hohen Landesobrigkeit vorgeschlagen werden . Da gab es im Dorfe zwei Parteien . Die Lumpen wollten Einen oder Zwei ihres Gleichen , denen sie schuldig waren , die rechtschaffenen Leute aber wollten das nicht . Es war viel Zanks . Viele fragten den Herrn Pfarrer darüber , wenn er sie nach seiner Gewohnheit besuchte . Er aber antwortete ihnen und sprach : » Ich wundere mich sehr , daß Keiner von euch noch an den braven Mann gedacht hat , der euch schon so viel Nutzen gestiftet , der so klug , so menschenfreundlich und so thätig ist . Ich meine den Schulmeister . Wenn ihr den wählet , so habet ihr den rechten Mann an der Spitze . Freilich , er gehört nicht zu denen , die sich zu einer Ehrenstelle drängen . Aber eben deswegen muß man zuerst auf ihn achten . Denn die , welche um Ehrenstellen werben , und Andern den Rang ablaufen wollen , haben gemeiniglich Nebenabsichten . Sie sind stolz und ehrgeizig , wollen nicht das Beste der Gemeinde , sondern ihren Hochmuth befriedigt sehen . « Ferner sprach er : » Es ist wohl gut , daß man einen wohlhabenden Mann zum Gemeindevorsteher wählt ; aber Reichthum nicht , sondern Uneigennützigkeit ist die höchste Tugend . Wehe der Gemeinde , die den zum Vorsteher macht , dem die meisten Bürger schuldig sind . Denn sie machen ihn zum Gewalthaber und Richter in seinen eigenen Angelegenheiten , und sie werden Sklaven eines Dorftyrannen durch eigene Thorheit . Sie sollen lieber den wählen , der auch den hartherzigen Gläubiger und den reichen Tyrannen in Schranken halten kann . « Ferner sprach er : » Ein guter Kopf thut viel , aber ein redliches Herz thut noch weit mehr . Darum fraget erst : ist der Mann ein grundredlicher , hülfreicher Mann ? nachher fraget : hat er Klugheit genug , und ist er keines Reichen Schuldner ? - Der Vorsteher einer Gemeinde soll unabhängig sein , sonst ist nicht er , sondern sein Gläubiger , den er fürchtet , Vorsteher des Ortes . « » Ihr könnet nicht leicht irren , den würdigsten Mann zu finden . Denket nur nach , welchen Mann würdet ihr auf euerm Sterbebette am liebsten zum Vogt eurer Wittwen und hinterlassenen Waisen machen , in der Ueberzeugung , er werde das Glück der Eurigen wohl besorgen ? Nun , diesen machet zum Vorsteher . - Oder , wenn ihr zu einem eurer Mitbürger in Dienst treten müßtet , welchen wünschtet ihr am liebsten zu euerm Herrn ? Nun , diesen machet zum Vorsteher ! « » Wenn an einem Orte die Mehrheit der Vorsteher guten Willen und redliches Gemüth hat , welche das Unrecht verabscheut ; so findet sich leicht zu Allem guter Rath . Ein einziger guter Kopf ist genug . Drei gute Köpfe , ohne gutes Herz , werden sich beisammen nicht vertragen . Denn Jeder will es besser verstehen , als der Andere , und so kommt Zwietracht unter sie , und von ihnen in die Gemeinde . « » Saget mir , wer ist der beste Vater bei seinen Kindern ; liebreich und doch nicht schwach , streng und doch nicht hartherzig ? Oder saget mir , wer ist der beste Hausherr , dem sein Gesinde gern dienet und zugethan ist , aber den es doch fürchten muß ; der Alles in seinem Hauswesen geschickt ordnet und leitet ohne Lärmen und Geräusch , ohne Zank , ohne Zorn , und daß doch Alles dabei gut geht , wie von selber ? - Diesen macht zum Hausvater der ganzen Gemeinde . « So sprach der weise Herr Pfarrer , und Jeder dachte nun anders als vorher . Und als die Gemeinde sich versammelte , um zween Vorsteher zu wählen , ward von den Meisten verlangt , man solle nicht offen wählen , sondern Jeder solle seine Stimme auf einem verschlossenen Zettel eingeben , damit Niemand wisse , wer sie gegeben , auf daß Jeder frei und ohne Furcht und Rücksicht den wählen könne , der ihm der Würdigste scheine . Der Löwenwirth Brenzel wollte zwar dagegen lärmen ; denn er hatte schon bestimmt , wen er zum Amtsgenossen verlange , und nun wollte er gern diejenigen sehen , die es mit ihm hielten oder von ihm abtrünnig wären . Aber der grimmige Löwenwirth setzte es nicht durch . Und es ward geheimes Stimmenmehr gesammelt , und in der ersten Wahl der Schulmeister Oswald , in der zweiten der Müller Siegfried zu Vorstehern des Dorfes erwählt . Letzterer nahm aber die Stelle nicht an , dieweil er Oswalds Schwiegervater wäre ; das tauge nicht , daß aus einer Verwandtschaft zwei Glieder beisammen im Rath säßen . Also ward , statt des Müllers , gewählt Ulrich Stark , ein stiller , fleißiger , verständiger Mann . Dem Löwenwirth , da er diese Wahl sah , ward es ganz grün und gelb vor den Augen . Er hoffte noch , Oswald werde sich ebenfalls weigern , die Stelle anzunehmen . Aber er betrog sich ; Oswald dankte der Gemeinde für das Zutrauen , und empfahl nun seinen lieben Johannes Heiter zum Schulmeister . Und Heiter ward Schulmeister . Der Löwenwirth ging betäubt , als wäre ihm ein Kirchthurm auf den Kopf gefallen , nach Hause . Daselbst ließ er seine Wuth erst an der Katze aus , die ihm schmeichelnd zwischen die Beine kam ; dann an dem Hunde , der freundlich an ihm hinaufspringen wollte ; dann an der Magd , die ihn nicht gleich verstand , als er ein Glas Branntewein begehrte ; dann an der Frau , als die sagte , der Ulrich Stark sei eine ehrliche Haut . 22. Der Gemeindsstall muß ausgemistet werden . » O Herr Jerum ! O Herr Jerum ! « rief der Löwenwirth und kratzte sich hinter den Ohren , so oft er daran dachte , daß Oswald nun Ortsvorsteher geworden . Doch besann er sich , und lief spornstreichs zum Oswald hin , umarmte ihn als seinen Kollegen , gratulirte von ganzem Herzen , sagte : nun wollten sie beide rechte Herzensfreunde werden und wie Brüder leben . Elsbeth wunderte sich über die gar zu schnelle Höflichkeit des Löwenwirths , und sprach , als er fortgegangen war , zu ihrem Manne : » Oswald , Oswald , hättest du doch die Stelle nicht angenommen ! Denn Brenzel ist ein falscher Mann , und er wird dir eine Grube graben und dich in die Falle bringen . Oswald , lieber Oswald , hüte dich vor dem Löwenwirth ! « Oswald küßte Elsbeths finstere Stirn und sprach : » Brenzel ist kein grimmiger Löwe ; ich sehe , er ist nur ein feiger , schmeichelnder , tückischer Kater . Aber ich will ihm die Pfoten schon lähmen . « Als nun die Vorsteher das erste Mal nebst dem Gemeindeschreiber beisammen saßen , verlangten Ulrich Stark und Oswald vor allen Dingen , die Rechnungen einzusehen und die Gemeindebücher . Aber da fand sich Alles in großer Unordnung . Vieles war gar nicht ins Protokoll eingetragen . Die Gemeinde hatte bei siebentausend Gulden Schulden . Beinahe die Hälfte war sie dem Löwenwirth schuldig , der sich fünf Prozent zinsen ließ , während er Geld zu drei und vier Prozent für sich aufgenommen hatte . Die jährlichen Gemeindssteuern waren meistens für allerlei Unkosten , Bemühungen , Augenscheine und Besichtigungen , für Reisen , Entschädigungen und dergleichen der bisherigen Gemeindsvorsteher darauf gegangen . Besondere Rechnung war darüber nicht geführt , sondern Alles nur in runden Summen ausgestellt . Eben so war es mit den Einkünften des Dorfspitals oder Armenguts gegangen . Mit den Vormundschaftsrechnungen für die Wittwen und Waisen stand es nicht besser . Aus den Waldungen hatte man im Einverständniß mit dem Förster nach Belieben Holz geschlagen und verkauft , wie es hieß , zum Besten der Gemeinde , ohne daß man jetzt wußte , wohin und wie viel . Hatte sich doch der Löwenwirth manchmal selbst gerühmt : » Mein Beil hat schon mehr Holz abgeschlagen , als der beste Hof im ganzen Lande werth ist . « - Genug , es war mit dem Gut der Gemeinde übel gehauset , übel Rechnung gehalten ; hingegen sah man wohl , die Herren Vorgesetzten hatten sich dabei nicht vergessen . Es fand sich sogar , daß um den Spottpreis von tausend Gulden ein großes Stück Gemeindsland verkauft worden war , daß es die Vorsteher gekauft , das Geld noch nicht einmal bezahlt und seit fünf Jahren nicht verzinset hatten . Ferner , daß der Löwenwirth schon vor eilf Jahren , im Einverständniß mit seinen Beisitzern , viertausend Gulden Kapital aufgenommen hatte , Namens der Gemeinde ; daß dafür die Gemeindswälder unterpfändlich verhaftet worden waren ; daß die Gemeinde den Zins unter den übrigen Steuern hatte mitzahlen müssen , und daß das Kapital in den Händen der Vorgesetzten geblieben war . Da ergrimmte Oswald in seinem Gemüth , und sprach : » Man hat mich nicht in den Gemeindsrath gesetzt , sondern in den Gemeindsstall , der da ist voller Unflath und Verderben . Aber wir wollen den Stall ausmisten , und sollte der Gestank auch durch das ganze Land dringen . Ihr habet , als Vorsteher , nicht das Gemeinbeste vertreten , sondern ihr habet es zertreten . Ihr Väter der Wittwen und Waisen habet eure Kinder bestohlen , und den armen Leuten verschimmeltes Brod zugeworfen , während ihr aus ihrem Gute euch Wein und Braten auftischtet . Ihr habet den , der vom Felde zwo Rüben stahl , in den harten Kerker geworfen , aber euch weiche Betten gekauft vom Gelde , das ihr der Gemeinde geraubet . Ihr Ottergezücht , die ihr immer von Gerechtigkeit redet und in Ungerechtigkeit schwelget , die ihr immer die Religion im Maule habet und den Teufel in der Brust - wahrlich , wahrlich , ihr sollt ärnten , was ihr gesäet habt : Armuth für Hochmuth , Galgenholz für Räuberstolz ! « Als dies der Löwenwirth hörte , kam großes Entsetzen über ihn , daß er im Innersten erzitterte . Er schob die Schuld auf seine ehemaligen Beisitzer , und fiel vor Oswald weinend und heulend nieder , und beschwor denselben bei Allem , was heilig ist , ihn nicht unglücklich zu machen . Aber noch denselben Tag sendete Oswald einen Bericht an die hohe Obrigkeit , und deckte Alles auf . Und im ganzen Dorfe war großer Schrecken und allgemeine Bestürzung ; denn so viel Betrug hatte Keiner den ehemaligen Vorstehern zugetraut . Viele wollten es gar nicht glauben , und schalten den Oswald einen Verleumder und Bösewicht , der sich großes Ansehen geben und unschuldige Leute ins Verderben bringen wolle . Und der Löwenwirth lief umher im Dorfe und suchte bei seinen Freunden allerlei Zeugniß , um sich gegen die schwersten Beschuldigungen sicher zu stellen . Jedoch seine besten Freunde zuckten die Achseln , und wollten sich in das Geschäft nicht mischen . Und schneller , als er vermuthete , erschien eine Untersuchungskommission der Regierung . Da kam alle Schändlichkeit ans Tageslicht . Der Löwenwirth ward gefangen hinweggeführt , um vor Gericht beurtheilt zu werden . Er ward seiner Stelle entsetzt und kam ins Zuchthaus . Aus seinem Vermögen wurde Vieles von dem wieder ersetzt , um was er die Gemeinde betrogen hatte . So endete der stolze Löwenwirth ; denn unrecht Gut gedeihet nicht , und Hochmuth kommt vor dem Fall . Oswald aber wurde zum ersten Vorsteher der Gemeinde ernannt , und ihm ein Ehrenmann aus dem Dorfe zum dritten Beisitzer erwählt . Ueber diese schrecklichen Begebenheiten hielt der Pfarrer Roderich eine schöne lehrreiche Predigt . Er sagte : » Wenn Aeltern ungerathene Kinder haben , so muß man nicht nur die Kinder , sondern auch die Aeltern wegen schlechter Zucht anklagen . Und wenn in einer Gemeinde Schande , Armuth und Laster zunehmen , so ist es ein Beweis , daß die Vorgesetzten nichts taugen , sondern Schuld an dem Unglück sind . Aber Gott sendet Jedem seinen jüngsten Tag zu . « 23. Die Schulden müssen getilgt werden . Der Oswald hatte jetzt gar viel zu schaffen . Keiner wußte , was er trieb . Bald lief er in allen Feldern herum , bald tagelang in den Wäldern , bald wieder in die Stadt . » Ach , du armer Oswald ! « seufzte Elsbeth , wenn sie ihm am Abend vor dem Dorfe entgegenging und ihn mitleidig bewillkommte : » Warum kümmerst du dich so sehr , armer Oswald , und plagest dich ? Du wirst am Ende doch nur Undank und Verdruß von aller deiner Mühe haben . « Oswald sprach : » Undank ist die Münze , womit das Volk am liebsten zahlt . Wer aber einer Gemeinde vorsteht , der soll an seinen Gott und seine Pflichten denken , nicht aber auf Lohn und Dank . Siehst du , liebes Herz , Gott lohnt endlich auch gewiß alles Gute , gleich wie er Böses straft . « So redete Oswald , und that , was er sollte . Es ergab sich aber , daß die Gemeinde noch über sechstausend Gulden schuldig war , theils von den Zeiten des Krieges und der Theurung her , theils durch die schlechte Haushaltung der ehemaligen Vorgesetzten . - Und Oswald sann Tag und Nacht , wie er diese Last von dem armen Goldenthal nehmen , oder doch vermindern könne . Und als sein Plan endlich reif war , legte er ihn seinen Amtsgenossen vor ; die hießen ihn nach langer Berathschlagung gut , und sprachen : » Wollte Gott , die Schulden wären abgethan , so wüßte doch auch Jeder wieder , was er Eigenes hätte , und könnte frei athmen , und müßte nicht fort und fort an das Zinsen denken . « Darauf ward eine Besichtigung und Schätzung aller liegenden Gründe der Ortsbürger angeordnet , damit man ungefähr wisse , wie arm oder reich Jedermann sei ; und damit Jeder auf gerechte Weise in Zukunft wegen der Steuer angelegt werden könne . Und Jeder mußte bei den Gemeindevorstehern angeben und beweisen , wie viel Schulden er auf Haus und Gütern stehen habe ; und das ward treulich in ein Buch eingetragen und darnach Jedermann geschätzt . Dann trat Oswald am Sonntage nach der Kirche mit seinen zween Beisitzern vor die versammelte Gemeinde und sprach : » Ihr Männer , liebe Mitbürger , unser Dorf hat sechstausend vierhundert Gulden Schulden . Das Geld haben wir theils in den benachbarten Städten zu verzinsen , theils sind wir es hier im Dorfe uns selber für Heu , Haber , Fuhren und Requisitionen schuldig . Was wir auswärts zu zahlen haben , wollen wir ein andermal besprechen . Jetzt wollen wir abthun , was sich die Gemeinde selber schuldig geworden ist . « » Viele von uns haben an der Gemeinde noch beträchtlich für Stroh , Haber und andere Lieferungen aus dem letzten Kriege zu fordern . Man verzinset ihnen zwar jährlich , aber sie müssen doch allemal erst ihren Beitrag zur allgemeinen Zinssumme geben . Also verzinsen sich im Grunde Viele nur ihre Sache selber . Das ist mühsam und thöricht . Nun haben wir diese Schuld auf alle Bürger , nach Maßgabe ihres Vermögens , vertheilt . Den Reichen trifft davon mehr , den Armen weniger . So wird die Gemeindschuld in eine Partikularschuld verwandelt . Wer auf diese Art so viel schuldig wird , als er selber zu fordern hat , der streicht Schuld und Forderung , und ist frei , bekommt und zahlt keinen Zins mehr . Wer mehr zu fordern hat , als er durch die Eintheilung schuldig wird , streicht erst so viel von seiner Schuld weg , als ihm die Gemeinde selbst schuldig ist , und sagt : Wer zahlt mir den Ueberschuß dessen , was mir herausgebührt ? - Antwort : Diejenigen zahlen ihn , die nichts an die Gemeinde geliefert haben im Kriege . Diese sind als Schuldner an die Zuguthaber vertheilt , und tragen denselben entweder die kleine Summe , die sie trifft , gleich baar ab , oder verzinsen solche zu Vier vom Hundert . « So redete Oswald . Viele verstanden es anfangs nicht recht . Da sie aber einsahen , daß dabei Keiner zu kurz kam , waren sie es sehr zufrieden . Denn die Reichen , welche am meisten zu fordern hatten , die hatten auch nach Maßgabe mehr an Abtragung der Gemeindsschuld zu zahlen . So blieb für die Aermern weniger zu entrichten übrig , und Jeder fand die Einrichtung darum billig , weil die Schatzung der Güter und des Vermögens sehr unparteiisch gemacht war . Am Sonntage darauf ward die Gemeinde abermals versammelt , und Oswald redete also : » Ihr Männer , liebe Mitbürger , es ist uns gelungen , das Geld , was die Gemeinde schuldig ist , in benachbarten Städten zu geringerm Zins zu erhalten , also , daß Goldenthal jährlich nur zweihundert und zwanzig Gulden Zins zu entrichten hat . Aber es wird manchem Hausvater schwer fallen , den Beitrag zu diesem Zins zu erschwingen aus seinem Gut . Daher ist es besser , es zahle Keiner von euch den Zinsbetrag aus seinem Gut ! « Da erhoben alle Goldenthaler ein Gelächter , und sie riefen : » Das läßt sich hören und gefällt uns über die Maßen . « Oswald erhob die Stimme und redete weiter : » Ihr Männer , liebe Mitbürger , wir haben noch ein großes Stück Gemeinweide . Das ist elendes Land , vom Vieh zertreten , mit alten einzelnen Eichen darauf . Jeder von euch , dem dies Land gehörte , würde es besser benutzen . Aber wer benutzt es jetzt ? - Niemand . Denn die Reichen , welche viel Vieh haben und es im Sommer darauf weiden lassen , haben offenbaren Schaden daran . Nicht nur kommen ihre Kühe magerer und hungriger Abends heim , als sie des Morgens hinausgingen , sondern es geht auch für die Aecker aller Dünger vom Vieh dabei verloren . Die Armen aber , die keine Kuh halten können , haben gar keinen Nutzen davon , und müssen ihn den Reichen überlassen . Ist das billig ? Warum sollen reiche Bürger mehr Vortheil vom Eigenthum der Gemeinde haben , als arme ? Sind wir nicht allesammt Goldenthaler ? Hat Einer nicht so viel Recht , wie der Andere ? Wer hat denn den Reichen den Nutzen des Gemeinlandes allein gegeben ? - Wenn die Armen ein Stück Feld davon hätten , und könnten Klee oder andere Grasarten darauf bauen , so hätten sie für ihre Ziegen und Schafe doppelt so viel und gesünderes , nahrhafteres Futter , als jetzt . Also ist unser Rath , daß wir das Gemeinland in gleiche Theile unter die Bürger vertheilen , daß Jeder seinen Theil davon benutzen könne , wie er wolle . Das Land aber bleibt aber ewiges Eigenthum der Gemeinde ; Jeglicher empfängt seinen Antheil nur in Pacht , und kann ihn weder verkaufen , noch verleihen , noch vererben , noch sonst veräußern ; sondern derselbe fällt jedesmal nach des Besitzers Tode an die Gemeinde zurück . Diese gibt ihn dann an einen jungen Bürger , der eigene Haushaltung führt und noch ohne Gemeinland ist . Jeder zahlt jährlich einen geringen Pachtzins von seinem Stück , und damit wird der Zins von der Gemeindsschuld abgetragen . Also zahlt Niemand diesen Zins aus seinem eigenen Gut , sondern aus dem , was er von der Gemeinde zum Lehen hat . « Nachdem Oswald geredet hatte , entstand großes Nachdenken im Volk , Gemurmel , Streit , Wortwechsel , Geschrei und Lärmen , als wäre Mord und Todtschlag . Denn die reichen Bauern , welche das Weidland bisher ausschließlich mit ihrem Vieh benutzt hatten , wollten die Theilung nicht zugeben , schrien über Ungerechtigkeit und drohten mit der Regierung . Andere sagten : » Wir sehen wohl , man will die Lumpen reich machen , und die Ehrenleute im Dorfe zu Lumpen . Wer Vieh hat , der kann es zur Weide schicken ; das ist eine alte Rechtsame , die von den Vätern vererbt ist , und die lassen wir uns nicht nehmen ! « Doch die Mehrheit der Bauern , die nicht reich waren , oder die ihr Vieh , um mehr Dünger zu gewinnen , im Stall fütterten , setzte es durch und hob den Weidgang auf . Alsbald mußte ein Feldmesser kommen , alles Gemeinland in so viel Theile , als Haushaltungen waren , vertheilen , und dann wurden die Stücke verlooset . Die reichen Bauern gingen jammernd und klagend vor die Regierung und beschwerten sich wegen der Bedrückung ihrer Rechtsame . Die Regierung aber gab folgenden Bescheid : » Das Gemeinland ist eine Rechtsame der Bürger und nicht der Kühe von Goldenthal . Also kann jeder Bürger das Gemeinland oder seinen Theil benutzen wie er will . Ihr Herren aber vertheidiget nicht eure alten Rechtsame , sondern euern von Alter stinkenden Eigennutz , und verstehet noch dazu euern Vortheil schlecht . Derohalben bleibt von nun an der Weidgang aufgehoben . Damit packet euch , ihr Esel , und ziehet hin in Frieden ! « Die reichen Bauern bedankten sich für den gnädigen Bescheid , und zogen heim . Nun erst