der Hand im Hause bleiben , so lange , als man es ihnen selbst noch gestatten werde - setzte sie trocken hinzu . » Elise hat das Beste erwählt ; sie hat sich vor dem Sturm gerettet , « sagte Dämmrig gerührt ; » aber ihr , meine Nichten , wie wird es euch armen Kindern ergehen ? Du , meine Philosophin , wirst in deiner Vernunft Gründe gegen das Ungemach finden . « - » Seyn Sie unbekümmert , Onkel ! Noch nie darbte der Verstand ; es wäre traurig , wenn die höhere Ausbildung zu nichts weiter führte . Ich bin nicht gemacht , um verlassen zu werden ; die ersten Häuser stehen mir offen und die besten Köpfe finden sich durch meinen Umgang geehrt , « sagte sie stolz und entfernte sich , die Thränen verbergend , welche die Aussicht in eine beschränktere Lage ihrem verzärtelten Sinne entlockte . » Und du , Albertine , meine Gute , wirst du den armen Onkel nun verlassen wollen ? « - » Nein , mein theurer , guter Onkel . Ich genoß Ihre Großmuth , und theile von nun an jedes Schicksal mit Ihnen . Nimmer , nimmer verlasse ich den Pflegebedürftigen , und was die Vorsehung mir zugetheilt hat , theile ich ehrlich mit Ihnen . « - » Daß sich der Himmel erbarme , armes Albertinchen ! « indem er die Hände verzweifelnd zusammen schlug ; » du weißt nicht alles , du Arme ! du bist mit zu Grunde gerichtet . Dein Vormund gab mir dein Kapital zu Acht Procent , und - ach , ich bin ein unglücklicher Mensch ! Aber , Albertine , nenne mich einen Schurken , wenn ich nicht den letzten Bissen mit dir theile ! « Albertine war wirklich etwas betäubt ; indeß , nachdem sie die Hände gefaltet und andächtig in die Wolken geblickt hatte , warf sie sich ihrem Onkel mit treuer Herzensergießung an die Brust , und bat , er möchte nur für sich sorgen ; sie traue auf die Güte Gottes , der sie nicht verlassen werde . Sie wolle ihren theuren Verwandten nun und immer nicht verlassen . In einem Briefe meldete sie ihrer Euler , was sich zugetragen und was sie beschlossen hatte . Henriette gab ihr , ohne Vorwurf , zu verstehen , wie gut es gewesen wäre , wenn sie Alberten angenommen hätte ; jetzt verbiete es freilich ihre Ehre , ihn anzunehmen . Sie bot ihr auf jeden Fall ihr Haus an , billigte aber doch sehr das Zartgefühl , womit sie sich ihrem Onkel geweiht hatte . Die Reformen im Dämmrigschen Hause gingen so schnell von statten , daß die Tischfreunde nicht einmal Zeit hatten , sich nach und nach mit Anstand zurück zu ziehen , sondern urplötzlich abbrachen , und , so zu sagen , mit dem Pariser Koch zugleich abzogen . Noch einmal trank Wassermann einen einsamen , einfachen Thee mit der Familie , wobei ihn Laurette nach ihrer Weise in der Stille fragte : wann er denn nun um Albertinen anhalten werde ? jetzt sei er doch eines Mitbewerbers los ; welches er blos mit einem : » Ich habe warlich keine Eil ! « beantwortete . Deutlicher erklärte er sich in einem Lachen , welches nur seinem Gesichte gehörte , und auch von Laurettens eignem Lachen beantwortet wurde . Auffallend verschieden war das Benehmen der beiden Hausfreunde Ulmenhorst und Weißensee . Jener , dessen erster Ausgang nach seiner Genesung zu dem befreundeten Hause gerichtet wurde , begegnete Albertinen jetzt mit einer delikaten Zurückhaltung , die er mehr auf ihren Verlust , als seine Verwerfung bezog , und in die ihr eignes zartes Gemüth leichter einging , als in die zunehmende Galanterie und lebhaftere Annäherung des Barons , worin die kleine Weiblichkeit des guten Kindes erhöhete Leidenschaft sahe und nichts von der Undelikatesse ahnete , die ihre verschlimmerte Lage zu benutzen strebte . Das eitle Gemüth Rosamundens ertrug nicht lange die erfolgte Stille des Hauses , worin Frivolität und frivoler Genuß die stete Losung gewesen war . Der literarische Klub brachte , außer Verspottung und Ridicules , wenig ein ; sie ließ ihn eingehen und etablirte eine förmliche Pharaobank in ihrem Zimmer , wobei Albertine , ohne es in ihrer Unschuld zu ahnen , die Lockung war . Außer einigen Spielern von Profession waren verschiedene alternde Damen aus der alten Kameradschaft , ein abgesetzter Hofmarschall , ein getaufter Jude , zwei oder drei junge Edelleute und der Baron Weißensee die tägliche Genossenschaft . Die erste Zeit ging Albertine blos ab und zu , ihren Onkel mit allerlei kleinen Bedürfnissen , deren er unendliche hatte , zu versorgen ; denn nie rührte Laurette auch nur eine Hand , ihm einen Trunk Wasser zu reichen . Nach und nach weilte Albertine längere Zeiten als Zuschauerin , weigerte sich aber immer noch standhaft , Theilnehmerin zu werden , bis endlich einmal der Baron , der , ganz unleidenschaftlich , sich blos dem geselligen Zeitvertreibe zu leihen schien , und Rosamunde es von ihr erhielten , daß sie mit pointirte . Sie gewann , pointirte noch einmal und gewann wieder . Aufgemuntert durch diesen Erfolg , war sie jetzt fast jeden Abend von der Parthie , bei der Laurette anfing eine wichtige Rolle zu spielen , indem sie mit unausgesetztem Glücke spielte . Auch die arme Albertine wurde immer tiefer verwickelt , und das um so leichter , da der Baron ihr nicht von der Seite wich , immer zwischendurch auf das Spiel und dessen Unmoralität loszog , es indeß billigte , wenn Albertine , so wie er selbst that , auch diese Lebenserfahrung erwarb , um dann das Ganze wie ein schmutziges Gewand abstreifen zu können . O , der unwürdigen Ränke , durch welche die unschuldigste und reinste ihres Geschlechts in ' s Garn gelockt werden sollte ! Die Spieler-Flitterwochen gingen für Albertinen bald vorüber . Der bisherige Gewinn samt den zweihundert Louisd ' or , die Albert ihr eingehändigt hatte , gehörten im kurzen der Räuberbande am grünen Tische , und die unglückliche Albertine gerieth in Verlegenheiten , wovon wir bald Bericht erstatten wollen . Funfzehntes Kapitel Wassermann hatte , mit der ihm beiwohnenden Rohheit des Gemüths , dem Hause , worin er so manche frohe Stunde verlebt hatte , entsagt , sobald der gewohnte Wohlstand daraus gewichen war . Albertine , die liebenswürdige Albertine ohne Vermögen , war ihm nur ein gewöhnlicher Gegenstand seiner ungeordneten Sinnlichkeit , dem aber nachzustellen zu mühsam war . Indeß hatte er . doch einmal den Vorsatz gefaßt , durch eine Heirath reich zu werden , welches ihm die bequemste Art schien ; denn sich in die Mühle des Staats einspannen zu lassen , wodurch er das Leben des Geschäftsmannes bezeichnete , dazu erschien er sich zu eminent . Er schaute unter den Töchtern des Landes umher , und siehe , es fand sich keine , die würdig gewesen wäre , die Frau des Magister Wassermann zu werden . Indeß erschien ihm , während des phantasiereichen Zustandes zwischen Schlaf und Wachen , wo der unglücklich Liebende die Geliebte ätherisch umarmt , der Dichter den Stoff zu Sonnetten und der Philosoph oft zu seinen Systemen auffaßt , Antonie , die junge Wittwe , mit reinen 30,000 Thalern . Er rieb den Schlaf aus den Augen , über rechnete seine unermeßlichen Verdienste , seinen gelehrten Ruf , was dieser ihm noch in der Folge einbringen werde , wie die Potenzen sich drängen würden , ihn an sich zu ziehen , und er beschloß , Antonien zu sich zu erheben . Ein feindseliger Genius , der seinen Spaß mit unserm Magister zu haben schien , wollte , daß an eben diesem Morgen , in eben demselben Zustand zwischen Schlaf und Wachen , Wassermann Antonien in den gehässigsten Farben erschien . Immer noch hatte die an ihrer empfindlichsten Stelle tief gekränkte Antonie Rache in ihrem Herzen gekocht . An den Weibern nahm sie sie überall , wo nur Dampf aus einer Theemaschine aufbrodelte ; auch war es ihr wirklich gelungen , Rosamundens Gesellschaft lächerlich zu machen , sie in einem öffentlichen Blatte als eine solche bezeichnen zu lassen , und derselben einige frisch angekommene Schöngeister zu entführen , so daß der schöne Kranz zerstiebte . Aber für Wassermann bereitete sie eine empfindlichere und vollständigere Rache . Als sie ihren literarischen Anhang stark genug hielt , veranstaltete sie durch denselben eine äußerst harte und beißende Recension eines der Wassermannschen Werke , worauf er , wie sie wußte , den höchsten Werth setzte , weil er , wie er sagte , sich ganz darin ausgesprochen hatte ; und als das schöne Werk der Finsterniß an den Tag gefördert war , schickte sie es , von einem hämischen Briefe begleitet , an den unglücklichen Magister ab . Dies geschah an eben dem Vormittage , an dem er ihr die Ehre seiner Bewerbung angedeihen zu lassen beschlossen hatte . Als sein Knabe mit Gruß und Brief von Madame Spürhauß hereinkam , riß er ihm den Brief aus der Hand und rief triumphirend : » Ha ! sie kommt mir zuvor ! Sie kommt mir zuvor ! Ich dacht ' s ; sie kann mich nicht vergessen ! Ich war meiner zu gewiß . Und bin ich denn nicht Wassermann ? « Wer schildert den Schreck , die Wuth des Magisters , als er den Brief und die bezeichnete Stelle , die ihn betraf , gelesen hatte ! - Der rasende Roland müßte ein bloßer Stümper in tollen Geberden gegen unsern Wassermann gewesen seyn . Er zertrümmerte die wenigen Habseligkeiten , die er besaß , und trieb es so toll , daß sein Knabe in der Angst zum Arzte lief , der ihn im hef tigsten Fieber fand , welches sich in einigen Tagen als ein hitziges Gallenfieber zeigte . Im Dämmrigschen Hause erfuhr man seinen Zustand , und Albertine war sogleich bereit , ihm auf die zarteste und schonendste Weise alle Arten von Erleichterung zukommen zu lassen , welches auch der edle Albert that , ohne daß der Kranke je erfuhr , von woher ihm so reichlicher Beistand gekommen war . Sechszehntes Kapitel Albertine war indessen durch die niedrigen Künste ihrer Gesellschafter gänzlich umstrickt , welches selbst durch die edle Unbefangenheit ihres Gemüths gefördert wurde . Ihre liebende Seele widerstand nicht den Schmeicheleien derer , von welchen sie nur kalte Zurücksetzung gewohnt war . Henriette hatte oft vor , sie diesem Zustande gewaltsam zu entreißen und an ihren Bruder zu schreiben . Dieser war aber , einer Angelegenheit wegen , außer Landes , und Albert widerrieth immer jede heftige Maaßregel , weil er vielleicht zu sehr auf die Rückkehr eines tugendhaften Gemüthes rechnete , ohne daran zu denken , daß es einem weiblichen und dazu verirrten Gemüth an Energie zur Rückkehr gebricht . In der That wurde sie durch Verlegenheiten , die er nicht wissen konnte , am meisten aber durch eine geheime Zuneigung zu dem Verführer zu sehr erschwert . Albertine gerieth durch anhaltenden Verlust in Geldverlegenheiten , wobei sie das wieder gewinnen als die einzige Ressourçe ansah ; da diese aber immer abgeredetermaßen fehlschlug , beging sie die erste Unbesonnenheit , sich ihrer Kammerjungfer zum Verkauf einiger Pretiosen zu bedienen . Da der Verkauf so über Erwarten gut von Statten ging , fuhr sie damit fort , bis sie in der That nichts mehr zu verkaufen hatte , und in wirkliche Schuldennoth gerieth . Tief in sich versenkt , saß sie da , grämte sich und gedachte wehmüthig der Zeit ihrer Reinheit , als sie noch mit offnem Auge jedem Blicke begegnen durfte . Jetzt war sie der Willkühr einer verächtlichen Rotte überlassen ; ihrem Onkel , dem sie sich aufgeopfert zu haben glaubte , nützte sie eigentlich zu nichts . Ihre edleren Freunde hatte sie diese letzte Zeit her vernachlässiget , und nie hätte sie es gewagt , sich ihrer Henriette , von der sie so manche freundliche Warnung bekommen hatte , zu entdecken , als diese ungerufen in ' s Zimmer trat . Albertine stürzte ihr mit heißen Thränen in die Arme ! - » Liebste Albertine , Sie sind nicht glücklich ! « - » O nein , nein , ihre Albertine ist tief , tief gesunken . Sie kann nicht mehr glücklich seyn ! « - » Armes Kind ! Was ist Ihnen begegnet ? Sprechen Sie ! « - Albertine vermochte es nicht ; Thränen erstickten ihre Stimme . Sie gab Henrietten einen Zettel , der eine grobe Mahnung um zweihundert Thaler , mit Androhung des Arrestes , enthielt . Albertine verbarg ihr Gesicht in die Sophakissen , indeß die Freundin las . Henriette sprach keine Sylbe , wischte die Thränen ab , und entfernte sich . - » Henriette ! Henriette ! « rief Albertine ihr mit schwacher Stimme nach ; » wenn auch du mich verlässest ! Ach , ich hab ' es verdient ; wohl hab ' ich ' s verdient , wenn die Vortreffliche mit Abscheu von mir weicht ! « - Indem kam Henriette mit beruhigender Freundlichkeit zurück . » Endlich ist mir ' s vergönnt , « sagte sie , » die Schuld der Freundschaft abzutragen ! - Hier , meine Albertine ; diese Summe , die eben zureicht , Sie zufrieden zu stellen , ersparte ich , ich darf sagen , von meinem Überflusse . Denn ich entbehrte nichts ; ich darbte mir nichts ab . Nun ? Was wird ' s ? Warum dies Zögern ? « - - » O ewig , ewig müßten diese Augen beschämt am Boden haften , unterfinge ich mich , in den Früchten des redlichsten Fleißes , der edelsten Genügsamkeit zu schwelgen ! Nein , Henriette , « sagte Albertine mit trocknem , brennendem Auge und einer heftigen , krampfhaften Bewegung ; » nein , Henriette ! ehe verwese diese Hand im Gefängnisse , ehe sie sich zu diesem Altarraub ausstreckt . O , meine Freundin , « setzte sie wehmüthig hinzu , » weiß ich ' s denn nicht , wie Sie arbeiten ? wie Sie sich die erlaubtesten Genüsse versagen ? wie edel Sie entbehren ? Und ich Unwürdige sollte - - ! Aber nie , nie vergesse ich dieses Augenblicks , in dem ich mich von Ihnen verstoßen wähnte ! « - - Als Henriette sah , daß die wärmste Beredsamkeit der Freundschaft nicht zureichte , Albertinens Festigkeit über diesen Punkt zu besiegen , ließ sie ab , und sagte bekümmert : » Nun dann , weil Sie durchaus das Herz betrüben wollen , aus dem ich Ihnen dieses mir Entbehrliche anbot , so werden Sie sich doch nicht weigern , dieses zurück zu nehmen ? « Und hier breitete die Gute alle Kleinodien über den Tisch hin , die Albertine nach und nach verkauft hatte . » Ich war die Käuferin . Verzeihen Sie der sorgsamen Freundschaft die kleine List , deren sie sich , um zu ihrem Zwecke zu kommen , bediente . « » Das ist zu viel , Henriette ! « rief Albertine mit einem Erstaunen , in welches sich einiger Unwille zu mischen schien ; » das ist zu viel ! Das kommt nicht von Ihnen allein ! So für mich zu wirken , vermögen Sie nicht allein , Henriette ! Die Hand eines Dritten ist hier im Spiele , und ich kann , ich darf , was so reichlich bezahlt wurde , nie zurücknehmen . O , in welchen Abgrund von Schande und Verwirrung sehe ich mich verloren ! O , mein Leichtsinn ! Mein Leichtsinn ! « - » Wie kann meine Freundinn einem solchen Opfer einen so unermeßlichen Werth beilegen ! Weiß ich ' s denn nicht aus vielfacher Erfahrung , daß mir in ähnlichem Falle eben das von ihr widerfahren würde ? Bin ich nicht längst daran gewöhnt , nur das Nothwendige zu haben ? ich gab aber das Entbehrliche ! « - » Ach , Henriette , jedes Wort durchbohrt mich ! « - Hier schwieg sie . Ein Thränenstrom hemmte ihre Rede . Indeß legte Henriette , ohne sich abhalten zu lassen , die Juwelen in Albertinens Toilette , umarmte ihre Freundin ernst und schweigend , nahete sich der Thüre , kehrte noch einmal wieder , drückte sie gerührt an ihr Herz und entfernte sich dann schnell . Siebenzehntes Kapitel » Albertine ! Albertine ! Sehen und hören Sie denn nicht ? « rief Rosamunde Albertinen zu , die ihren Eintritt aus einem Seiten-Kabinet gar nicht bemerkt hatte und immer noch mit nachstrebenden Händen die Augen starr auf die Thüre heftete , aus der Henriette verschwand . » Albertine , Sie sind in einer seltsamen Bewegung ! Was ist Ihnen ? « - » Wie , Madame , Sie wissen nicht , daß ich verhaftet werden soll , wenn ich zweihundert Thaler nicht bezahle , die ich durch das heillose Spiel , wozu Sie mich verleiteten , schuldig geworden bin ? « - » Undankbare ! ich habe es erwartet . Daß Sie kindisch wagten , ist das meine Schuld ? Aber ich verzeihe Ihrem Unmuthe diesen Ausfall ; erzählen Sie mir doch ; es wird ja so schlimm nicht seyn ? Sie haben ja Juwelen ; es werden sich ja Freunde finden , bei welchen Sie sie verpfänden oder verkaufen können . Lassen Sie einmal sehen ! « - Sie hatte nemlich die ganze Scene zwischen Henrietten und Albertinen belauscht . Albertine holte vertrauensvoll ihren Schatz . Rosamunde wog , taxirte , besah , tadelte alles . Die Perlen waren nicht rund , die Uhr nicht modern , die Diamanten nicht von reinem Wasser , die Ketten nur Kronengold ; » indeß zweihundert Thaler kommen zur Noth heraus . Ich gebe sie Ihnen . Nota bene , damit ist dann zugleich die kleine Schuld von ehemals quittirt . Sie quittiren es mir ! « ( Der Leser wird sich erinnern , daß Rosamunde acht Louisd ' or von Albertinen borgte . ) Albertine ging alles ein ; der Handel kam ihr vortrefflich und Rosamunde höchst großmüthig vor . » Nun müssen Sie mir aber , « sprach diese , » auch einen Gefallen thun . Ich habe keine Parthie zur Maskerade für diesen Abend , und möchte für mein Leben gern hin . Laurette ist enrhumirt ; Sie müssen mit ; ich nehme keinen refus an ! « - » Wie , Madame ! mit diesem zermalmten Herzen ? mit diesem wunden Gefühl meiner Strafwürdigkeit ? « - » O Himmel , wie Sie einen ennuyiren können ! Die Sache ist ja vorbei ; und damit gut . Geben Sie doch einmal diese veralterte Sentimentalität auf ; sie steht einem zwanzigjährigen Gesicht , wie einem Jünglinge die Alongen-Perüke des Ältervaters . Albertine , seyn Sie dieses eine Mal nur gefällig . Der Baron führt mich und der alte Hofmarschall Sie ; daran könnte die prüdeste Duegna nichts auszusetzen haben . Jetzt kann ich mich nicht darüber erklären ; aber gewiß spreche ich dort ohne Zwang einen gewissen Großen , der unsern guten Onkel aus seinen Verdrüßlichkeiten ziehen kann . « - » Jetzt , Madame , legen Sie mir als Verbindlichkeit auf , was ich als Gefälligkeit ungern eingegangen wäre ; denn in der That , mein Gemüth ist sonderbar erschüttert und sehr ernst gestimmt . « - » Eh , tant mieux , ma chere ! so verjubeln Sie die Grillen ! Nun genug ; sie gehen ; in einer Stunde schicke ich Ihnen das Maskenkleid . Addio , cara ! « - Sie hüpfte wie ein junges Mädchen davon und ließ Albertinen ganz betäubt zurück . Nach einer Stunde kamen wirklich ein zierliches Maskenkleid und zweihundert Thaler in Sechsern . Albertine packte ihre Juwelen zusammen und schrieb die Quittung , die den heillosesten Betrug der Habsucht bestätigte . Jetzt wollte sie diese Scheidemünze in Gold umsetzen lassen , denn die Schuld war in Gold zu bezahlen , als ihre Kammerjungfer mit einem Billet von dem bösen Schuldner erschien , der ihr für gute Bezahlung dankte , die er durch einen Herrn erhalten hatte , und wogegen er ihr ihren Schuldschein zurück schickte . Lisette fragte den Burschen aus ; und nach dessen Beschreibung war der Herr kein anderer , als der Baron Weißensee gewesen ; wie denn Lisette jetzt gestand , er habe durch sie selbst heute früh , da er ihrer Dame habe aufwarten wollen , ihre Verlegenheit erfahren , als er darauf bestanden hatte , die Ursache der Thränen , welche diese treue Dienerin vergoß , zu erfahren . Albertinens Delikatesse sträubte sich zwar gegen die Vorstellung , daß sie einem jungen Mann eine Geldverbindlichkeit habe ; indeß , ganz in der Tiefe ihres Herzens wußte sie ihm für eine so warme Theilnahme Dank , und überdem stand es ja jetzt in ihrer Gewalt , die Schuld sogleich zu tilgen . Achtzehntes Kapitel Wir haben unsern alten Bekannten , Wassermann , in dem Paroxismus eines Gallenfiebers verlassen . Auch in diesem Zustand verließ ihn sein Genius nicht , und der Arzt , welchen sein Knabe geholt hatte , wußte gar nicht , mit was für einer Gattung Menschen er es zu thun hätte . Wenn der Kranke immer durch Wir sprach , glaubte er , es sei ein Verrückter , der sich für irgend eine große Potenz halte , bis endlich einmal der fürchterliche Spruch : ohe jam satis , sich aus dem Ideenwirrwarr hervorthat . Jetzt wurde es ihm klar , wer der Kranke sei , und er ging ihm nun tüchtig mit Brechmitteln zu Leibe , die Galle von ihm zu schaffen . Doch blieb , so stark die Mittel anschlugen , immer noch hinreichend zur künftigen Konsumtion übrig . Als der Kranke außer Gefahr , aber noch zu matt zum Schreiben war , dictirte er seinem Arzte einen Brief an Antonien , den dieser , pour la rarité du fait , wirklich niederschrieb ; er war das Urbild des beleidigten Autorstolzes und der plattesten Grobheit . Ferner wendete er seine wieder erlangten Geisteskräfte sogleich zu einer Antikritik an , dergleichen die literarische Markthelfersprache ebenfalls noch nicht aufzuweisen hatte . Als er sich so Luft gemacht , fühlte er sich um ein Großes erleichtert , und die volle Genesung ging nun schnell von statten . Der Arzt war , als er ihn bezahlen wollte , schon von unbekannter Hand sehr reichlich belohnt worden . Das kümmerte nun den Magister weiter nicht , und er gab sich keinen Augenblick die Mühe , seinen unbekannten Wohlthäter auszuforschen . Die Sache war geschehen ; nun gut ! Dankbarkeit gehörte nach ihm zu den Schwächlichkeiten invalider Gemüther ; der Geber schafft sich selbst Vergnügen , indem er giebt ; er findet sich in dem Gefühle , daß er verpflichten kann , edel und groß : soll man ihm das danken ? - Wir , die wir eine andere Ansicht dafür haben , sind neugieriger gewesen , und haben erfahren , daß der edle Ulmenhorst eine so reichliche Spende gemacht hatte . Nachdem er völlig genesen war , wachte seine ganze Wuth wieder in ihm auf , und es schien ihm unmöglich , ferner unter diesem literarischen Sodomsgeschlecht zu haufen . Er schied von dannen , und würde keinem Menschen die Ehre erzeigt haben , Kunde von sich zu geben , hätte er nicht gehofft , aus den Trümmern des Dämmrigschen Wohlstandes könne sich noch für ihn ein Reisegeräthe und manches zu seinem Gebrauche vorfinden lassen ; welches denn auch geschah . Der ehrliche Dämmrig gab lachend , weil der Anblick des gelben Gerippes , worein Wassermann verwandelt war , ihn unendlich amüsirte , alles , was er an Reisebedürfnissen hatte , und fand das Schlottern seiner weiten Kleider auf dem dürren Leibe des Magisters höchst belustigend . Als man ihn fragte , wohin er ginge ? antwortete er : » nach dem einzigen Ort , wo es eigentlich nur Menschen giebt , wo man sie nicht , wie hier , mit Leuchten suchen muß . « Das hieß , er ging dahin , wo Elise ihren Himmel gefunden hatte . Mit dieser gab er sich denn auch zusammen ; denn sie hatte ein artiges , unabhängiges Vermögen und war der gute Wille selbst . Jetzt schmähete und lästerte er , trotz der gallenreichsten alten Jungfer . In der Dämmrigschen Familie erwartete man mit jedem Posttag die Nachricht ihrer ehelichen Verbindung . Neunzehntes Kapitel Albertine trieb sich ohne allen frohen Genuß unter den wogenden Masken umher . Ihr Herz hob sich in den langsamen Pulsen innerer Trauer , unter dem bunten Gewande der Freude ; in ihr Auge traten unwillkürliche Thränen , als der Klang der Saiten in ihr Ohr drang . Der Anblick des Barons weckte ihre ganze Empfindlichkeit über das Vergangene , und sie glaubte , nicht ohne Affectation einen Punct unberührt lassen zu können , der ihr zwischen verschiedenen Geschlechtern eine nicht anständige Vertraulichkeit schien . Ihre Verwirrung ließ den Baron nur ahnen , was sie sagen wollte ; er lehnte mit Feinheit und Grazie den Dank ab , ( der ihm freilich auch nicht gebührte ; denn Albert war der , der die Schuld in möglichster Eil und Verschwiegenheit getilgt hatte ; ) indeß wußte Weißensee sich schnell zu orientiren , und ließ es sich aus gewissen Ursachen gern gefallen , für Albertinens Beschützer gehalten zu werden , ohne daß es ihm einen Heller kostete . Unter dem Gedränge bemerkte Albertine eine Kosaken-Maske , von der sie nicht nur immer verfolgt , sondern auch scharf beobachtet schien . Sie redete ihn einige Male an , seiner los zu werden ; aber er antwortete nicht , schüttelte den Kopf und legte seufzend die Hände auf seine Brust , welches ihrem Begleiter , dem Hofmarschall , Anlaß zu manchem schaalen Scherze gab , an welchem unsre Freundin wenig Geschmack fand . Endlich drängte sich der Kosak noch einmal an sie , und sagte mit verstellter , doch leiser Stimme : » Weile nicht zu spät hier , schöne Maske ! Ein Sturm bricht über dich ein ! « - Albertine wurde empfindlich , sehnte sich hinweg , und machte sich auf , ihre Gesellschaft zu suchen . Indessen gingen in Albertinens Wohnung wunderliche Dinge vor , die wir , der Ordnung gemäß , berichten wollen . Albertine hatte nicht sobald das Haus verlassen , als sich ihr Zöfchen , Lisette , an ihre Arbeit begab , die zu einem Geschenk für den charmanten Monsieur George , des Barons Kammerdiener , bestimmt war . Schauerlich heulte der Wind durch die Kamine der großen , jetzt leeren Gemächer . Unserm Lisettchen wurde es gar unheimlich um ' s Herz ; sie fing an Riegel zu zuschieben und Schlösser zu verwahren , setzte sich wieder an ' s Tischchen , und lauschte gar ängstlich nach der Thüre hin , als plötzlich ein Gepolter entstand und eine kräftige Hand anklopfte . » Wer ist da ? « wimmerte Lisettchen . - » Gut Freund ! « antwortete die Stimme von außen . - » Ich mache Niemand auf , der sich nicht nennt . « - » Lisette muß mir aufmachen , auch wenn ich mich nicht zu nennen für gut finde . « - » Herr Jemine ! wie wissen Sie denn meinen Namen ? « - » Weil ich gut Freund bin . « - » Herr Je ! ich muß doch einmal sehen ! « - Lisette machte auf ; da war sie aber eben so klug . Denn den Herrn im Reisekleide , der sich ziemlich keck und herrisch betrug , kannte sie gar nicht . Daß er aber unklug sei , nahm sie für ausgemacht an ; denn er sah zwar sehr schön , aber verwildert aus , sprach nicht , näherte sich Albertinens Bette , streckte die Hand bedeutend darnach hin , küßte die Decke , riß einen ihrer Handschuhe vom Tisch und küßte ihn ungestüm , trat an die Staffelei , betrachtete das Gemälde , worauf der Gemahl sterbend abgebildet war , und weinte laut . Lisette hatte sich vor dem großen wilden Mann hinter die Stühle geflüchtet und antwortete ganz schüchtern , als er , nicht mit donnernder , sondern sehr affectvoller Sprache fragte : » ihre Dame ist also - hab ' ich denn recht verstanden ? - auf dem Ball ? « - » Auf dem Ball ! « wiederholte er einige Male und immer weicher . » O Gott ! wie feierlich versprach sie ' s mir ! und hier , hier in diesem verfluchten Treibjagen nach Lust ! « - In diesem Affect entfiel dem Fremden ein Handschuh , und Lisette sah mit Entsetzen , daß er in dem Handschuh keine Hand hatte , und schrie wie Zeter Mordio : » Herr Jesu ! Sie sind doch nicht unser seliger gnädiger Herr ? « - - » Selig wahrhaftig nicht in diesem Augenblick ! Schweige sie ! « - » Ach nein ; ich will lieber den alten Herrn wecken ; mir graut ' s mit dem Herrn allein . « - » Nicht von der Stelle ! sag ' ich ihr . Wer ich auch sei ; ich muß ihre Dame sprechen . Ich bringe ihr Nachrichten , die ihr wichtig seyn müssen . « - - Indeß hatte sich Lisette den wilden Mann etwas besser besehen , und fand sein Antlitz sehr menschlich , ja sogar schön ; und vollends , wenn er sprach , und die schönen Augen so auf einen richtete ; und dann seine Gestalt , die schlank und doch kräftig , und sein Anstand , der so herrisch und doch auch wieder so milde , so ungezwungen edel war ! - Genug , Lisetten verging das Grausen so gut , daß sie gar redselig wurde und dem Fremden viel von ihrer Herrschaft erzählte , die wohl die schönste Dame in der Stadt sei , der es aber auch nicht an Verehrern fehle . Den Baron Ulmenhorst habe sie