die damalige Zeit überraschende Höhe festgesetzt . Er erhielt 800 Taler monatlich , Futter für 40 Pferde und Verpflegung für eine zahlreiche Dienerschaft . 69 Auch Karl Gustav , unter dessen Augen er bei Warschau gekämpft hatte , bestätigte das Entscheidende des Sparrschen Angriffs , indem er kurz nach der Schlacht von ihm sagte : » Die ser alte Vater Sparr hat sich als ein kriegskundiger General erwiesen . Er hat seines Amtes unerschrocken gewaltet und alles weislich hinausgeführt . « Der schwedisch-polnische Krieg verlief nicht plötzlich . Wir verfolgen unsern » Feldmarschall « aber nicht weiter auf seinen Zügen durch Pommern und Mecklenburg , bis nach Holstein und Jütland hinauf , sondern wenden uns vielmehr jenem letzten Abschnitte seines Lebens zu , der dem am 3. Mai 1660 geschlossenen Frieden von Oliva folgte . Ruhmgekrönt kehrte Sparr in die Heimat zurück . Er war der erste Mann im Lande und nahm an Rang und Ansehen dieselbe Stellung ein , wie sie fünfzehn Jahre später der alte Derfflinger innehatte . Er war der Beirat und Vertraute seines Fürsten , besaß Schlösser und Häuser 70 und im Lande Barnim die Güter : Prenden , Trampe , Lanke , Ützdorf , Heckelberg , Dannenberg und Tiefensee . Und betrachten wir nun den Inhalt dieser letzten Lebensjahre , so werden wir nicht ohne eine gewisse Rührung gewahr , wie der alte Kriegsmann in wenig Friedensjahren nachzuholen trachtet , was er in einem Leben voll Krieg und Unruhe versäumt . Aus allem spricht das tiefe Verlangen nach Auferbauen , die Sehnsucht nach Sammlung , nach Frieden in sich und nach Frieden mit Gott . Unser Sparr ist nicht länger mehr der Oberst Sparr , über den die Küstriner Kammer klagt , » daß er den Mühlenknecht in Ketten gelegt und das Volk gedrückt habe « , nein , er , dessen Scharen so manche Kirche gestürmt und erbrochen , stellt sein Herz jetzt auf die Tröstungen der Kirche und zeigt sich beflissen , ihre Gnaden durch Demut und Wohltun und frommen Wandel zu verdienen . Wenn es daneben noch ein anderes , ein mehr auf diese Welt gerichtetes für ihn gibt , so ist es der verzeihliche Wunsch , sein eigenes Leben zu einer Abrundung zu bringen und seinen und seines Geschlechtes Ruhm der Nachwelt zu überliefern . Eine Familienstiftung und die Herstellung eines prächtigen Erbbegräbnisses beschäftigen ihn . Aber seine reichen Mittel und seine Sorgen gehören doch in erster Reihe dem Allgemeinen . Er baut Kirchen und Türme , schenkt Glasmalereien und Glocken , und vor allem ist es die Marienkirche zu Berlin , die sich in jeglicher Weise seines Beistandes in Not und Gefahr erfreut . Im Jahre 1661 wurde die Turmspitze vom Blitz getroffen und die hervorbrechenden Flammen machten alsbald die Befürchtung rege , daß die Kirche selbst vom Feuer verzehrt werden würde . Der alte Feldzeugmeister aber wußte Rat und mit einer damals im ganzen Lande bewunderten Kühnheit und Geschicklichkeit ließ er die brennende Turmspitze herunterschießen . War er so der Retter der Kirche geworden , so war es jetzt nicht minder sein Stolz , auch der Wiedererbauer des durch ihn zertrümmerten Turms zu werden . Er schien dies zur Ehrenaufgabe seiner letzten Lebensjahre machen zu wollen , überschätzte jedoch seine Mittel und führte dadurch seinen eigenen Ruin herbei , ohne seinen Lieblingswunsch erfüllt zu sehen . Seine Erben haben später ihrer Mißbilligung dieses frommen Eifers kein Hehl gehabt und nach seinem Tode folgende Worte des Evangelisten Lukas auf eine Kupfertafel niederschreiben lassen : » Wer ist aber unter euch , der einen Turm bauen will , und sitzet nicht zuvor und überschlägt die Kosten , ob er ' s habe hinauszuführen ! Auf daß nicht , wo er den Grund gelegt hat und kann ' s nicht hinausführen , alle , die es sehen , fangen an seiner zu spotten , und sagen : Dieser Mensch hub an zu bauen und kann ' s nicht hinausführen . Oder , welcher König will sich begeben in einen Streit wider einen andern König , und sitzet nicht zuvor und ratschlaget , ob er könne mit zehntausend begegnen dem , der über ihn kommt mit zwanzigtausend ? « Hand in Hand mit dem Turmbau , der Armut hinterließ , wo Reichtum gewesen war , ging die Erbauung eines Sparrschen Erbbegräbnisses , 71 das bis diesen Augenblick nicht bloß eine Zierde der Marienkirche , sondern ihre größte Sehenswürdigkeit ausmacht . Ob es ihm vergönnt war , sein gebeugt Gemüt an der Schönheit jenes prächtigen Marmorbildes aufzurichten , das , von der Hand des Artus Quellinus , den Eingang zur eigentlichen Gruft umgibt , oder ob er hinstarb , ehe es vollendet war , sind Fragen , die wir unentschieden lassen . Krank an Körper und Seele verließ er im Frühjahr 1668 die Hauptstadt , um sie mit Augen nicht wiederzusehen . Er mochte fühlen , daß sein Ende nahe sei . Am 3. Mai vermachte er der Freifrau Luise Hedwig von Blumenthal , der Tochter seines Freundes Otto von Schwerin , sein Stadthaus in der Spandauerstraße ; sechs Tage später schied er aus dieser Welt , am 9. Mai 1668 , auf seinem Lieblingsschlosse zu Prenden . Der reiche Mann , der hochgestellte Diener seines Fürsten , starb in Dürftigkeit . Die Leichenpredigt , die Propst Andreas Müller hielt , konnte wegen Mangels an Geld nicht gedruckt werden , und noch 1675 also sieben Jahre nach Sparrs Tode , bat der Propst bei den Erben desselben um Zahlung gehabter Unkosten und Auslagen . Die Beisetzung der Leiche erfolgte , wie das alte Kirchenbuch von St. Marien besagt , » am 12. Mai , abends in der Still ' , im Beisein vornehmer Leute « . Turm und Erbbegräbnis , die beiden Denkmale , die sich der Feldmarschall bei Lebzeiten gesetzt , hatten ihn zum armen Manne gemacht . Aber , wie so oft , was ihn erniedrigt hatte , hatte ihn auch erhöht . Turm und Erbbegräbnis sind es , die seinen Namen in der Erinnerung der Nachwelt festgehalten haben und bis diesen Tag von einem Ruhm erzählen , der ohne das ern ste , halb rätselvolle Steinbild des Artus Quellinus , vergessener wäre , als er es ist . * Die Geschichte vom alten Sparr hatte , seit meinen Kindertagen , immer den Zauber jener unbestimmten Linien für mich gehabt , die mehr ahnen lassen als geben , und , so seltsam es klingen mag , ich machte mich auf den Weg nach Prenden in einer gewissen Gehobenheit der Stimmung , als wanderte ich in altes , romantisches Land . Und es ist auch ein romantisches Land , märkisch-romantisch . Von Biesenthal aus , – einem Städtchen , das seinerseits wie eine holprige Idylle in der Talrinne des Finowflusses liegt – haben wir noch eine halbe Meile , und diese halbe Meile führt durch eine Art Musterstück heimatlicher Landschaft . Wie Linien , die über ein Blatt gezogen sind , laufen zahlreiche Hügelreihen von Ost nach West , und da wir in senkrechter Linie gegen Norden müssen , so haben wir das Terrain in vollkommener Wellenbewegung zu durchschreiten . Die Hügel sind von einer äußersten Sterilität , kaum eine Moosschicht hat sich darauf niedergelassen , und ihr ganzes Erscheinen erinnert lebhaft an die Sanddünen der Ostsee . Zwischen den Hügeln aber dehnt sich jedesmal ein grüner Streifen , aus dessen Mitte leise gekräuselte Wasserflächen , mal dunkel wie ein Teich , mal blau wie ein See , hervorblicken . Alles Lebendige scheint diese Öde zu meiden , keine Lerche wiegt sich in Lüften , kein Storch stolziert den Sumpf entlang , nur eine Krähe fliegt gleichgültig über die Landschaft hin , wie ein Bote zwischen dem vor uns liegenden Wald und dem Biesenthaler Kirchturm in unserm Rücken . Die Krähe passiert diese Gegenden wie wir , sie wohnt nicht darin . Ein halbstündiger Gang in dem mahlenden Sande hat uns endlich an eine tiefere Talschlucht geführt , und die andere Seite derselben hinaufsteigend , treten wir ein in die Stille des Waldes . Das Wellenterrain bleibt dasselbe , aber der Boden ist anders geworden und die roten Fichtenstämme steigen in schlanker Schönheit auf , während das Fehlen alles Unterholzes einen Blick weit waldeinwärts gestattet und den grünen Moosteppich in überraschender Frische zeigt . Der Forst ist von großer Längenausdehnung , aber von wenig Tiefe . So sehen wir es denn bald wieder lichter vor uns werden und fühlen jenen veränderten Luftzug , der den Ausgang des Waldes verrät . Ehe wir ihn erreicht haben , hören wir ein leises Geräusch und gewahren , zu seiten eines dichten Brombeerbusches , einen Alten , der Reisig sammelt und die zerbrochenen Zweige auf seine Karre wirft . Neben ihm liegt ein alter Spaten , um Wurzeln auszugraben , und an der obersten Karrensprosse hängt ein Korb , drin er die fleischfarbenen Reizker und die gelben Pfefferlinge sammelt , die ihm sein gutes Glück als Zugabe beschert . Der Alte selbst trägt Strohhut und Leinwandjacke und zeigt nichts Auffälliges , als das Fehlen jeder Spur von Oberlippe . Mittlerweile hab ' ich ihm guten Tag geboten und frage ihn , ob er aus Prenden sei ? » Joa , ick bin ut Pren ' n. « » Ist es noch weit , Papa ? « » Nei , jlieks wenn Se ' rut komen . Awers sehen künn ' n Se ' t nich ; ' t liggt in ' n Grunn . « » Und ist ein Krug da ? « » Joa , twee . Een jlieks hier vörnan , wo Sparren sin Slott stunn . « » Noch was zu sehen ? « » Veel nich . As ick in ' t Dörp käm ( ick bin nich bürtig von Pren ' n ) , doa stunn noch veel . Awers nu nich mihr . Ick hebb min ' n Zickenstall von Oll-Sparren sin Slott bu ' t. « » Und erzählen sich noch die Leute von ihm ? « » Joa , se vertellen noch veel . Und min Fru säggt immer , de grote Steen , dicht an unsern Tuun , dat wihr Sparren sin Steen . Un vördem , so meent se , sinn ook vier iserne Krampen anwest un an jede Kramp wihr wedder ne iserne Kett , un an jede Kett een von Oll- Sparren sine Skloaven . Un ook ein Linnenboom wihr doa . Awers nu is de Linn ' wech , un de Krampen sinn ooch wech . Man bloot den groten Steen , den hebben se liggen loaten . He mücht ' wohl en beeten to sweer sinn . « » Sonst nichts , Papa ? « » Duch , duch . Se vertellen noch allerhann anne dumm Tüüch un dohn joa binah , as wenn he de Düwel selber west wihr . Se seggen , he föhr nich giern dörch ' n Sann , und wenn he sinen Mantel antrecken deih , denn wihr et mit eens , as en groten Winn , un Kutsch un Pird un allens geng heidi dörch de Luft . Mal eens verluhr sin Kutscher sin ' Pietsch , un wull sich büggen . Awers Oll-Sparr heel ' em von hinnen her fast un seggte man bloot : › Vergett nich , mien Söhn , wo du bist . ‹ Un as de Kutscher den annern Dag durch Biesenthal torügg föhr , doa seech he , dat sien Pietsch an ' n Biesenthalschen Kirchturm hängen deih . Awers ich glöv et nich . Ick bin nich bürtig vunn Pren ' n. « » Ich glaub ' es auch nicht , aber man kann doch nicht wissen . « » Nei , weeten kann man ' t nich . Un se seggen ook , he spökt in dissen Wald , hier so rümmer . Un ick hebb ' ook all so watt hürt , as wie Pietschenknall ' n un Pruhsten , un as ob een ' vunn wiet aff lachen deih . Nei , weeten kann man ' t nich . « » Adieu Papa , und seht Euch vor . « » Wovor ? « » Vor ' m alten Sparr . « Er lachte und rief mir nach : » Nei , nei , de Sünn is joa noch an ' n Hewen . Un he kümmt nich an hell ' nlichten Dag 72 . « Es war , wie der Alte gesagt hatte , Prenden versteckte sich . Aber in einiger Entfernung drehte sich eine Mühle langsam im Winde . Dort mußt ' es sein . Und dort war es wirklich . Kaum , daß ich die Mühle passiert hatte , so stand ich abermals an einem jener vielen Taleinschnitte , die hier das Hügelland durchziehen , und sah , über die Kronen der unten stehenden Bäume hinweg , in Dorf Prenden hinein . Ich werde dieses Anblicks nicht leicht vergessen . Nach rechts hin dehnte sich ein stiller , graublauer See mit breitem Sandufer , während sich zur Linken ein durch Gartenland und bestellte Äcker hinplätscherndes Fließ in Wald und Wiese verlor . Dazwischen aber – dem Lauf des Tales nicht folgend , sondern die Längslinie desselben quer durchschneidend – lag das Dorf , auf seinen zwei höchsten Punkten Schloß und Kirche tragend . Die bunten Farben eines Herbsttages steigerten noch den Reiz des Bildes . Ich durchschritt das Dorf , um zuerst die jenseits gelegene Kirche nach ihren etwaigen Schätzen zu durchforschen . Konnte nicht Edell Sparr ein Marmordenkmal im hohen Chor oder Emerentia von Seestedt einen Denkstein vor dem Altar haben ? Die Hoffnung war gerechtfertigt , aber sie blieb unerfüllt , und ich habe selten einen freudloseren Platz betreten . Malerisch hatte mich die Kirche von der andern Seite des Hügels aus gegrüßt , nun erst sah ich , daß alles nicht viel anderes als eine Landschaftskulisse gewesen war . Das Innere kahl , der Kirchhof verödet , und kein Andenken erfindbar , als das eine , das sich der Feldmarschall selber gestiftet : zwei schöne Glocken , deren Inschriften unter einer Kruste von Schwalbenguano meiner Entzifferungskunst spotteten . Und so hatte ich denn Einblick in eine Kirche getan , deren gesamter Kunstschmuck ein zerbrochener Rest eines Altarschnitzwerks und deren historisches Glanzstück , außer den zwei Glocken , eine vereinzelte Kriegsdenkmünze vom Jahre 1813 war . Ich war enttäuscht , aber nicht verstimmt , denn Kirchhof und Kirche hatten als Musterstücke in ihrer Art zu mir gesprochen . Auch hatte ich bald der Öde vergessen , als die Dorfstraße mich wieder aufnahm . An hohen Stangen reiften die Saatbohnen für das nächste Jahr , und der eigentliche Baum an dieser Stelle schien der Holunderbaum zu sein , dessen schwarzrote Beerenbüschel über alle Zäune hingen . Diese selbst aber waren mehr in graue Flechten als in grünes Moos gekleidet und der Rauch stieg langsam und mühevoll auf , als läg ' ein Druck auf allen Dächern . So kam ich an den diesseitigen Krug , genau die Stelle , wo vordem die Einfahrt in den Schloßhof war . Die Krügerin berichtete mir ähnliches , wie der alte Reisigsammler , und fuhr dann , indem sie mich plaudernd an die Kirchentüre führte , fort : » Hier links und rechts waren die Karpfenteiche , soweit das Kohlfeld reicht , und weiterhin , wo Sie den Türkischen Weizen sehen , da fing der Obstgarten an . Dies hier herum war Hof . Mein Mann hat es gekauft : Krug und Schloß und Garten , und alles was auf und in der Erde ist . « Auf meine Frage , » ob viel in der Erde sei « , antwortete sie zustimmend und erzählte mir , daß nicht nur der Ziegenstall des alten Reisigsammlers , sondern auch die Wirtschaftsgebäude des Krügers aus dem bequemen Steinbruch des ehemaligen Sparrenschlosses gebaut worden seien . Ich trat nun in den Garten , um die Reste , die bis dahin der Spreng- und Grabekunst der Prendener gespottet haben mochten , in Augenschein zu nehmen . Anfangs empfing ich nur den Eindruck einer unentwirrbaren Masse , bald aber fand ich mich zurecht und konnte mit Hilfe der nach zwei Seiten hin völlig intakt erhaltenen Fundamente die Grundform des alten Schlosses unschwer verfolgen . Es scheint ein Gebäude von fünfzig Fuß Länge und halb soviel Tiefe gewesen zu sein , an das sich nach der Hofseite hin ein Turm , wahrscheinlich der Treppenturm , anlehnte . Die schön gewölbten Keller sind noch teilweis im Gebrauch , ja , bis vor kurzem ließ sich das ganze Souterrain durchschreiten , und Küche und Waschküche ( mit dem eingemauerten Kessel ) waren unverkennbar . Die Festigkeit dieser Grundmauern ist ihre Rettung gewesen , und ist es noch , sonst würden auch sie bald verschwunden sein , um als Stallgebäude wieder aufzuwachsen . Ein bescheidenes Maß von Schutz mag ihnen auch der Umstand gewähren , daß sie hoch mit Erdreich überschüttet sind , so daß Birnbäume darauf wachsen und Hagebuttensträucher eine Art lebendiger Hecke bilden . Ich pflückte mir einen Zweig , an dem bereits die roten Beeren hingen , und steckt ' ihn an den Hut . Und als ich bald darauf wieder auf der Höhe des Hügels stand und noch einmal in das verschleiert daliegende Dorf zurückblickte , das jetzt , bei niedergehender Sonne , in wunderbaren Farben schwamm , klang , von der andern Hügelseite her , die Betglocke zu mir herüber . Es war eine der alten Sparren-Glocken , und es klang mir , als riefe sie mir einen Gruß nach und einen Dank für freundliches Gedenken . Und nun trat ich , weiterschreitend , in den dunkel gewordenen Forst und die Fichtenkronen neigten sich tief im Abendwind . Ein Rauschen ging voll und wachsend durch den Wald . Ich zuckte zusammen , halb in Lächeln und halb in Bangen , und murmelte vor mich hin : » Sparr kümmt , – man kann et nich weeten . « Lichterfelde Lichterfelde Sein Nam ' und seiner Glocken Klang Ziehen still die Heid ' entlang . Prenden bildete den linken Flügel des Sparren-Landes , dessen Zentrum , wie schon hervorgehoben , um Neustadt-Eberswalde herum gelegen war . Es bestand aus folgenden Dörfern : Hohenfinow , Tornow , Sommerfelde , Kruge , Klobbicke , Wösickendorf , Dannenberg , Heckelberg , Trampe und Lichterfelde . In den sechs erstgenannten Dörfern , die seinerzeit zu dem ältesten Besitzstande der Familie gehörten , ist nichts mehr , was an die Sparrs erinnerte . Verbleiben noch : Dannenberg , Heckelberg , Trampe und Lichterfelde . In Dannenberg klingt es nur leise noch von den Sparrs und allein ihr Name lebt noch fort in dem » Sparren-Busch « , der unmittelbar vor dem Dorfe beginnt und den Reisenden bis in die Freienwalder Heide begleitet . In Heckelberg finden wir schon mehr . Hier begegnen wir wieder einigen Sparren-Glocken . Heckelberg war nur kurze Zeit in Händen der Familie ; der Feldmarschall besaß es durch wenige Jahre hin , aber diese wenigen Jahre waren ausreichend für ihn , um seiner frommen Leidenschaft ein Genüge zu tun und der Kirche entweder neue Glocken zu schenken , oder die alten zu erneuern . Wir finden zwei : eine größere aus dem Jahre 1656 , die außer dem Glockenspruche : » Soli Deo Gloria « noch die Namen des Amtmanns , des Schulzen , des Pfarrherrn und der Kirchenvorsteher enthält , außerdem eine etwas kleinere aus dem Jahre 1663 , die den Namen » Otto Christoph Freiherr von Sparr « trägt . In der Heckelberger Kirche – freilich ohne alle Beziehung zu den Sparrs – ist auch ein Schnitzaltar , dessen ich erwähnen möchte , nur um vor Restaurierungen zu warnen , wie deren eine hier stattgefunden hat . Ermöglicht sich keine wirkliche Restaurierung , die mit ihrem reichen Goldschmuck oft sehr kostspielig ist , so tun die Gemeinden am besten , die Sache zu lassen wie sie ist , oder aber dem ganzen Schnitzwerk einfach eine weiße Tünche zu geben . Ich bin diesem Auskunftsmittel in mehreren Dorfkirchen begegnet und muß einräumen , daß , wenn man das Bessere nicht haben kann , dies unter dem Schlimmen das mindest Schlimme ist . Die Sachen wirken dann gipsfigurenhaft , was etwas Kaltes , aber doch niemals etwas direkt Störendes hat . Vor dem Altar der Heckelberger Kirche befindet sich ein Grab . Einer der Geistlichen ist dort begraben , und die Stelle markiert sich durch nichts , als durch eine schwache muldenhafte Einsenkung des Fußbodens , infolge deren die Steine lose geworden sind . Wir äußerten ein leises Befremden darüber , aber der uns begleitende Heckelberger antwortete ruhig : » Wir tun , was wir können . Alle paar Jahr schütten wir nach und stampfen ' s fest , mörteln auch die Steine wieder ein , aber es hilft nichts , er geht immer tiefer , und eh ' wir ' s uns versehn , ist die Mulde wieder da . « Ein leiser Schauer überlief uns bei dieser Erzählung . Wir kommen nun nach Trampe . Trampe ist altsparrisch , aber in den Wirrsalen des Dreißigjährigen Krieges ging es teilweis verloren und erst der Feldmarschall eroberte es der Familie zurück . Er scheint ihm eine besondere Vorliebe zugewandt und , wenn er nicht in der Hauptstadt war , abwechselnd hier und in Prenden residiert zu haben . Auf beiden Gütern entstand ein Schloß ; während indes in Prenden nur noch ein Trümmerhaufen davon erzählt , zeigt sich in Trampe alles wohl erhalten . Schloß und Park existieren noch , verändert und umgebaut zwar , aber in ihrer Grundanlage dieselben geblieben . Der Park , mit kostbaren alten Bäumen und einer Burgruine , weist noch eine seltsam geformte , acht Zifferblätter zeigende Sonnenuhr auf , die auf mehreren dieser Zifferblätter den Namen des Feldmarschalls trägt . In der Kirche befinden sich ein paar Bilder und Grabsteine , doch ohne Beziehung zu den Sparrs . Nur die Glocken erzählen wieder von ihnen und diesmal nicht nur von unserem Otto Christoph , sondern auch von seinen Vettern , die er , wie es scheint , mit heranzuziehen und seiner Glockenpassion dienstbar zu machen wußte . Die Inschrift der ersten Glocke lautet : » Der wohledle , geborne Herr Ernst Sparr , Ihrer Kurfürstlichen Durchlauchtigkeit zu Brandenburg Rath und bestallter Hauptmann zu Zechlin und Lindow , Erbherr auf Trampe , Prenden , Beerbaum und Dannenberg . « Dazu das einfache Sparrsche Wappen und : » Goß mich Jacob Neuwert zu Berlin 1660 . « ( Diese Angabe wiederholt sich auf allen drei Glocken . ) Die Inschrift der zweiten Glocke lautet : » Ernst George des heiligen Römischen Reiches Graf von Sparr , der Römischen-Kaiserlichen auch zu Pohlen und Schweden Königlicher Majestät Geheimer Kriegsrath , Generallieutenant und Generalfeldzeugmeister beiderseits Kammerherr und Obrister zu Roß und Fuß , Herr auf Trampe , Prenden , Dannenberg und Beerbaum . « Dazu das gräfliche Sparrsche Wappen . Die dritte Glocke ist die wichtigste . Sie rührt von dem Feldmarschall her , ist aber gesprungen und befindet sich deshalb nicht mehr neben ihren zwei Schwestern oben in der Höhe , sondern unten im Turm , wo man ihre Inschrift mit Bequemlichkeit 73 lesen und neben dem schönen Guß auch an ihrer Patina den ersichtlich feinen Erzgehalt bewundern kann . Die Inschrift lautet : » Otto Christoph Freiherr von Sparr , der Kurfürstlichen Durchlaucht zu Brandenburg Geh . Kriegsrath , Feldmarschall , Obergouverneur der in der Chur und Mark Brandenburg , Herzogthum Hinterpommern und Fürstenthum Halberstadt belegenen Festungen , Obrister zu Roß und Fuß , Herr zu Trampe , Prenden , Lanke und Neustadt an der Dohhl « ( soll höchstwahrscheinlich Dosse heißen ) . Darunter das Sparrsche Wappen . Diese Glocke , wie man sonst wohl mit gesprungenen Glocken tut , umzuschmelzen , wäre nicht ratsam , da sie dadurch aufhören würde , die alte Sparren-Glocke zu sein , und zwar , soviel ich weiß , die schönste und reichste , die er hat gießen lassen . Allerhand Sagen knüpfen sich außerdem an dieselbe , die den Feuertod sterben würden , wenn man sich entschlösse , durch Umschmelzung aus der alten Glocke eine neue zu machen . Die eine Sage berichtet die vielerorten wiederkehrende Geschichte vom Glockengießer , der eine Schlange mit in die Glockenspeise hinein getan habe , so daß seitdem die Schlangen aus der Umgegend verschwunden seien . Die andere meint , daß die Glocke aus türkischen Geschützen gegossen sei , die der Feldmarschall während seines Türkenzuges den Ungläubigen abgenommen , ja sie geht noch weiter und verbürgt sich , daß Sparr die Glocke selbst erobert und später dafür gesorgt habe , daß sie durch Tramper Bauern aus dem fernen Ungarlande herbeigeholt worden . Auch die glaubhaftere Hälfte dieser Tradition hält eine Kritik nicht aus , da die Glocke , wie sie selber besagt , 1660 gegossen wurde und » Vater Sparr « erst 1664 seinen großen Türkenzug antrat . * Und nun endlich Lichterfelde selbst . In seiner Kirche , der ausnahmsweise die Sparren-Glocken fehlen , befinden sich drei Kindergrabsteine aus der Sparrenzeit . Sie sind sehr abgetreten , einer so völlig , daß von Inschriftenlesen keine Rede mehr sein konnte . Bei den beiden andern entzifferte ich folgendes . Auf dem größeren : » Anno 1606 ( oder 1600 , wahrscheinlich letzteres ) ist geb . Anna Sparr und ... 16 ... in Gott selig entschlafen ; der Seele Gott genade « . – Auf dem kleineren : » Anno 1604 d. 2. Januar ist geboren Elisabeth Sparrn ... entschlafen d. 3. Januar um 12 Uhr in der Nacht « . Die Hauptsehenswürdigkeit ist das Schloß , in dem mutmaßlich um 1605 unser Otto Christoph geboren wurde . Dieser Umstand allein schon würde dem Schloß ein Anrecht auf unser Interesse geben ; es trifft sich aber , daß es , abgesehen von seinen Beziehungen zu den Sparrs , auch als eine durch Eigenart und Munifizenz ausgezeichnete bauliche Schöpfung anzusehen ist . Über die näheren Umstände des Baues , über Jahreszahl , Namen der Bauherren und des Baumeisters gibt eine lateinische Inschrift Auskunft , die sich in Front des Schlosses befindet . Sie lautet : Dominus conserva nos . Psalm 126 . Nisi Dominus aedificaverit Domum in vanum laboraverant , qui aedificant . Ao Dni 1565 Die 26 Julii Arend et Christoff Fratres de Sparn hanc Domum aedificare inceperunt , in Ao 1567 cum gratia Dei patris nostri Jesu Christi consummaverunt per Joachimum de Roncha ex Italia de Manilia . Soli Deo Gloria . Renovat . In Ao 1580 . Also etwa : Der Herr schütze und bewahre uns . Psalm 126 . ( muß heißen : Psalm 127 ) » Wo der Herr nicht das Haus bauet , so arbeiten umsonst , die dran bauen . « Anno 1565 haben die Brüder Arend und Christoph von Sparr dies Haus zu bauen angefangen ; Anno 1567 haben sie es durch die Gnade Gottes und unseres Heilands Jesu Christi beendigt und zwar unter Leitung Joachims von Roncha aus Manilia in Italien . Ruhm dem alleinigen Gott . Erneuert Anno 1580 . Diese Inschrift , wiewohl bis diesen Tag in aller Deutlichkeit zu lesen , hat zwei schwache Punkte : einmal den Namen und Geburtsort des italienischen Baumeisters , dann die Renovierungs-Jahreszahl 1580 . Es ist mindestens ungewöhnlich , daß ein überaus solid aufgeführter Schloßbau nach dreizehn Jahren schon wieder renoviert wird . Aber dies ist unwichtiger . Wichtiger ist die Frage : wer war dieser Joachim von Roncha aus Manilia in Italien ? gibt es ein Manilia , gibt es einen Roncha ? oder ist alles Irrtum und Verdrehung von Anfang bis zu Ende ? Mörner hat folgende Lesart vorgeschlagen : per Fra . Chiaramellum ( da Gandino ) ex Italia de Venetia , wobei er sich auf die Tatsache beruft , daß es einen Joachim von Roncha niemals gab , wohl aber einen Francesco Chiaramelo oder Chiaramelli ( da Gandino ) , der von 1562 – 1565 die Festung Spandau zu bauen begann . Diese Mörnersche Interpretation ist außerordentlich scharfsinnig und möglicherweise zutreffend . Wir lassen sie jedoch auf sich beruhen und treten lieber in den Schloßbau selber ein . Im Vorflur empfängt uns ein alter Herr , der Freund und Majordomus des Hauses , der in Abwesenheit des Besitzers die Repräsentation auf sich genommen hat . Wir nennen ihm unsere Namen , er zieht sein Käpsel und mit dem plauder-gemütlichsten Cicerone-Ton von der Welt , nicht ohne liebenswürdigen Anflug von Humor und Satire , beginnt er : » Sie werden hier eine der sonderbarsten Bauschöpfungen alter und neuer Zeit kennenlernen . Das Schloß hat weder Treppe noch Küche und besteht ausschließlich aus zwölf Zimmern und zwölf Klosetts . « So eingeführt , beginnen wir unsern Umgang und überzeugen uns alsbald , daß eine präzisere Totalbeschreibung des Schlosses und seiner baulichen Absonderlichkeiten nicht wohl gegeben werden konnte . Was sich der Baumeister , er heiße nun Chiaramelli oder Roncha , bei dieser Herrichtung gedacht haben mag , ist schwer zu sagen . Wohl bin ich Schlössern begegnet , z.B. dem berühmten Lochlevenschloß in Schottland , in denen die besondere Dicke der Mauern ebenfalls zur Herstellung solcher » Bequemlichkeiten « dienen mußte , weil es im übrigen an Raum gebrach . Wenn es indessen irgend etwas gibt , dessen das Lichterfelder Schloß nun gerade nicht ermangelt , so ist es Raum . Seine Dielen und Flure wirken wie Hallen und seine Zimmer wie Säle . Unser Cicerone sprach aber auch die Worte : » keine Treppe und keine Küche . « Und auch damit hat es seine Richtigkeit . Wenigstens gehabt . Was die Treppe angeht , so befindet sich dieselbe bis diesen Tag in einem eigenen , von außen angebauten Treppenhause , von dem die Sage geht , daß es deshalb früher nicht vorhanden war , » weil der alte Arendt Sparr , nach Art ähnlicher Sagenväter , den Zutritt zu seiner schönen Tochter durchaus unmöglich machen