, so können wir das Schußgeld für einen Bären verdienen . Aber Du mußt mir versprechen , daß Du keiner menschlichen Seele davon ein Wort sagst , sonst behalte ich für mich , was ich gesehen habe . - Ich schwor ihm dies bei der Sweta-Horata hoch und theuer , und der Junge , er war kaum ein halbes Jahr älter als ich , erzählte mir nun , daß er ganz nahe an unseren Weideplätzen zufällig auf einem Felsen das Lager eines Bären entdeckt habe , das unsere Jäger so weit im Gebirge gesucht hatten . Er hatte bei dem Suchen des Pferdes den Bären gesehen und war ihm gefolgt , bis er sich sicher überzeugt , daß das Thier sein Lager gefunden . Aus die Klauen eines erwachsenen Bären waren damals von der Regierung des Paschaliks 50 Piaster gesetzt , auf die der Jungen die Hälfte ; außerdem hatte das Fell einen guten Preis , und wir Burschen glaubten in unserer Dreistigkeit , uns das Geld so gut verdienen zu können , wie ein alter Jäger , und machten danach unseren Plan , indem wir beschlossen , am anderen Tage das Lager aufzusuchen . Die Heiligen seien mir gnädig , aber ich war damals ein wilder Bube . Mein Vater hatte eine alte Trombole in seiner Hütte - er ist längst im Paradiese , wie mir der Popa gesagt , der mich schwere Dukaten dafür zahlen ließ ! - und Niemand achtete mehr darauf . Weliko , mein Vetter , übernahm es , seinem Vater Pulver und einige Kugeln zu stehlen , während ich das Gewehr bei Seite zu bringen versprach . Nachdem wir Alles auf ' s Beste verabredet , trennten wir uns ; ich trieb meine Pferde in den Pferch und es gelang nur glücklich , die Trombole wegzubringen und in der kleinen Hütte von Weidengeflecht zu verbergen , in welcher ich gewöhnlich mitten unter den Pferden die Nächte zubrachte . Als ich am andern Morgen mit Hilfe meines Vaters die mir überwiesene Heerde ausgetrieben und dieser sich mit der seinen nach der andern Seite entfernt hatte , kehrte ich rasch zurück und holte mir das Gewehr . Es war um Mittag , als Weliko zu mir stieß , der einen andern Buben beredet hatte , während unserer Abwesenheit die Pferde zu beaufsichtigen und sie nötigenfalls heimzutreiben . Wir machten uns daher sofort aus den Weg nach der Richtung , in der Weliko das Lager des Bären wußte , ohne daß eine menschliche Seele weiter von unserem Anschlag erfahren hatte . Unterwegs luden wir das Gewehr mit dem ganzen Pulver , das mein Vetter gestohlen , und zwei Kugeln , und füllten die Mündung außerdem bis an den Rand hinauf mit Kieselsteinen an . Triumphirend schleppten wir die Waffe auf unseren Schultern und stiegen so die Berge und Felsen hinauf . Die Sonne war bereits stark im Sinken , als wir uns endlich dem von Weliko bezeichneten Platze näherten . Der Felsen , auf dem er sich befand , war ziemlich hoch und mit dichtem Gestrüpp und Buschwerk bewachsen . In diesem krochen wir fort , bis wir eine ziemlich freie Stelle erreichten , wo mich Weliko festhielt und , nach dem Hintergrund zeigend , an dem eine hohe Felswand den Platz abschnitt , mir zuflüsterte , daß dort das Lager der Bären sei . Wir lauschten eine Weile , ohne indeß eine Spur von der Bärin zu merken , und faßten endlich Muth genug , uns naher an das Lager zu wagen . Hier trafen wir richtig in einer Vertiefung des Felsens und in einem von Buschwerk und Gras förmlich zusammengebauten Nest zwei junge Bären , etwa sechs Wochen alt , die munter wie Kätzchen mit einander spielten . Wir beriethen , ob wir nicht lieber mit diesem Fang uns begnügen und eilig das Weite suchen sollten , und waren schon dazu entschlossen , als uns ein leises Brummen vom Fuße des Felsens herauf die Gewißheit gab , daß die Bärin in der Nähe und uns also der Rückweg abgeschnitten war . Es blieb uns demnach Nichts übrig , als an unserm ersten Plan festzuhalten und nach der Bärin zu schießen . Wir sahen uns zunächst nach einer geeigneten Stelle um , von der wir unbemerkt das Thier belauschen und unseren Schuß anbringen könnten , und glaubten eine solche hinter einem Felsblock gefunden zu haben , an dessen Seiten ein junger Wallnußbaum in die Höhe wuchs . Schon vorher war großer Streit zwischen uns gewesen , welcher von uns Beiden den gefährlichen Schuß thun solle ; ich behauptete , das Anrecht darauf zu haben , weil ich das Gewehr geschafft , Weliko dagegen , weil er Pulver und Blei geliefert und der Aeltere war . Trotz unserer wenig sicheren Lage zankten wir uns daher jetzt auf ' s Neue , als plötzlich ein lautes Brummen , eben nicht mehr sehr weit von uns entfernt , dem Streit ein Ende machte , und ich erschrocken das Gewehr fahren ließ , das in Weliko ' s Händen blieb . Wir waren kaum hinter das Felsstück gekrochen , als wir von der anderen Seite die Bärin herauftraben sahen , die zuerst nach ihren Jungen ging , gleichwie eine Baba besorgt nach den Kindern schaut , dann aber schnüffelnd auf unsern Versteck zukam . Ich rief Weliko zu , fest zu zielen und sich nicht zu übereilen ; doch die Furcht mochte ihn in diesem Augenblicke auch wohl stark erfaßt haben , und die Trombole entlud sich alsobald mit einem großen Knall und mit einem durch die unvernünftige Ladung so heftigen Stoß , daß er uns Beide , die wir dicht an einander kauerten , zu Boden warf . Der Bär zuckte zusammen und hob sein linkes Vorderbein in die Höhe , das von dem , Schuß ganz zerschmettert war ; außerdem hatten wir ihn aber auch nicht weiter verletzt . Zugleich sprang Weliko auf , warf die Flinte von sich und begann so eilig als möglich das Felsstück und den jungen Wallnußbuam hinaufzuklettern ; ehe ich aber noch aufstehen und ihm folgen konnte , war das Thier bereits zur Stelle und hob sich an den Hinterfüßen an dem Baum empor . Sie können denken , daß dies nicht wenig dazu beitrug , die Schnelligkeit meines Vetters zu vermehren , der mich so kläglich im Stiche ließ . Meine Lage war in der That schlimm genug , denn jede Bewegung mußte sofort die Aufmerksamkeit der Bestie aus mich ziehen . Der Bär gab auch bald den Versuch auf , den Baum zu erklettern , wahrscheinlich , weil er mit seiner zerschossenen Pranke nicht fort konnte , und er wandte sich nun gegen mich . In diesem Augenblicke , Gott allein weiß es , wo ich ganz rath- und hilflos war , fuhr mir plötzlich die oft gehörte Erzählung durch den Sinn , daß der Bär nie einen todten odemlosen Menschen berühren soll , und indem mich das Thier bereits mit der Schnauze anstieß , beschloß ich , mich todt zu stellen und hielt den Athem an . Die Bestie stellte sich nun quer über mich und begann mich von oben bis unten zu beschnüffeln . Ich konnte , indem ich die Augen geschlossen hielt , den heißen Athem des Thieres und seine feuchte kalte Schnauze auf meinem Gesicht fühlen , und mir mit Anstrengung aller Willenskraft gelang es mir , die Augen geschlossen zu halten . Schon fing die Kraft , den Athem zu halten , an , mir auszugehen , als ich mich plötzlich von der gesunden Tatze der Bestie gestoßen und mich um und um gerollt fühlte . Dies wiederholte sich mehrere Male , bis mir die Luft völlig ausging und ich es nicht länger auszuhalten vermochte . Ich öffnete daher zugleich Mund und Augen und sah mich zu meinem Entsetzen dicht am Abhange des Felsens , der hier in einer fast senkrechten Wand wohl über 50 Ellen tief in eine Schlucht fiel . Das boshafte Thier hatte , keinen Athem an mir spürend und dennoch mißtrauisch , versucht , mich mit seiner gesunden Tatze an den nahen Abhang zu rollen und gab mir eben den letzten Stoß , der mich hinunter werfen sollte . In der Todesangst faßte ich zu und ergriff im Fallen glücklich die wunde Klaue der Bärin . Der Ruck meines Falles war so heftig , daß ich meinen dicht am Abgrund stehenden Feind mit hinunter riß und er nur noch Zeit hatte , sich mit der rechten gesunden Klaue an einer vorlaufenden Wurzel des Randes festzuklammern . Er brüllte grimmig vor Schmerzen in dem wunden Bein , an dein ich mich festhielt , und versuchte vergeblich , nach mir zu schnappen , oder mit seinen Hinterfüßen an der glatten Felswand einen Halt zu fassen ; während dem gelang es mir , mit den Beinen und Armen den Rücken des Bären zu umklammern , und so einen bessern Halt zu gewinnen . Ich rief Weliko aus allen Kräften zu , mir zu Hilfe zu kommen , sah ihn aber nur von dem Wipfel seines Baumes herunterrutschen und hörte ihn dann eilig davonlaufen , ohne auch nur den geringsten Versuch zu machen , mir in meiner gefährlichen Lage beizustehen . Der Bär bemühte sich nun , mit seiner linken Pfote gleichfalls den Felsrand zu fassen , doch ließ ihn der Schmerz der zerrissenen Muskeln nicht dazu kommen . Dagegen sah ich , daß seine Kraft unmöglich lange die doppelte Last an einer Tatze würde tragen können und glaubte uns Beide in wenig Augenblicken schon zerschmettert auf dem Grunde der Schlucht . Meine Augen rollten in der verzweifelten Lage hilfesuchend umher , als sie plötzlich etwa 6 Fuß unter mir und etwas zur Seite auf einen dort aus der Felsenritze hervorgewachsenen , jedoch vom Sturm wenige Fuß über dem Boden abgebrochenen jungen Baum fielen . Ich begriff im Augenblick , daß hier die einzige Möglichkeit der Rettung lag , und ohne mich weiter zu bedenken , ließ ich mich an dem Körper des strampelnden und arbeitenden Thieres hinunter gleiten . Während ich den nach der Seite des Baumes hin gerichteten Hinterfuß umklammert hielt , suchte die Bestie mich mit dem anderen von sich abzustreifen und riß mir dabei mit der Klaue das linke Ohr vom Kopfe , verletzte mich auch sonst im Gesicht und an den Armen , daß meine Kleidung ganz zerfetzt war , und das Blut aus vielen Wunden und Schrammen herausfloß . Dennoch gelang es mir , mit meinem Fuß den Stamm des Bäumchens unter mir zu erfassen und , mich allen Märtyrern empfehlend , ließ ich den Bären los und mich rittlings auf den neuen Stützpunkt niedergleiten . Der Stamm war glücklicher Weise zähe und fest genug , um den Stoß und meine Last zu tragen , und ich fand mich auf ihm reitend in einer , wenn auch nicht sehr bequemen , doch wenigstens vorläufig gesicherten Lage . Ich schaute nun nach meinem Feinde hinauf und bemerkte bald , daß , obschon von meinem Gewicht befreit , seine Kraft doch nicht mehr zureichte , ihn länger zu halten . Nach einem letzten verzweifelten Versuch , empor zu klimmen , ließ die Tatze los , und der Bär stürzte dicht neben mir und mich im Falle berührend , in den Abgrund , aus dessen Tiefe sein Aufschlagen dumpf emporschallte . Gott gab es , daß ich mich in dem verhängnißvollen Augenblick fest an meinen Sitz geklammert hatte , so daß mich die streifende Masse nicht aus dem Gleichgewicht brachte . So war ich nun zwar meines grimmigen Feindes los , doch meine Lage wahrlich nicht um Vieles besser ; denn vom Blutverlust und von der Angst ermattet , saß ich hier zwischen Himmel und Erde auf einem schwankenden Baumstamm , der jeden Augenblick nachgeben konnte , und ohne fremde Hilfe war es mir unmöglich , den Felsenrand zu gewinnen , der mehr als fünf Ellen über mir lag . « » Der lose Mund der Weiber hat Dir also mit Unrecht nachgesagt , « meinte Miloje , indem er gleichmüthig den Schibuck aus dem Munde nahm , » daß die Moslems Dir in Constantinopel das Ohr abgeschnitten , weil Du ihnen falsches Gewicht verkauft ! « » Fluch über sie ! « murrte der Kiradschia ärgerlich , indem er nach dem Handjar in seinem Gürtel faßte . » Ich wollte , es wagte es ein Mann , um ihm die Lästerzunge auszureißen . « Die ganze Gesellschaft , mit Ausnahme des alten Janitscharen , lachte bei dem listigen Augenzwinkern des Anführers , aber Capitain Depuis , der sich für die Geschichte als Jäger interessirte , bat eifrig den Gekränkten , fortzufahren . Nachdem er ein Paar lange beruhigende Züge von Dampf aus Mund und Nase von sich geblasen , erzählte er weiter : » Gott weiß es , mir war schlimm zu Muthe , aber ich hoffte , daß Weliko , obgleich er mich so feig verlassen , bald mit herbeigeholter Hilfe zurückkehren werde , um mich aus meiner verzweifelten Lage zu befreien , und suchte unterdeß eine möglichst bequeme Stellung anzunehmen , das Blut zu stillen und den Kopf mit einem Lappen meiner Kleider fest zu umbinden . Aber Zeit auf Zeit verging , die Sonne war schon versunken und der Mond warf bereits sein Licht über die Felsen , ohne daß sich von Weliko oder , einer menschlichen Hilfe etwas sehen ließ , und mein Geschrei verhallte ungehört im öden Gebirge . Dagegen kam es mir vor , als hörte ich ein leises Brummen immer näher und näher kommen , und bald konnte ich mich nicht länger tauschen ; der Bär , an den wir gar nicht , oder ihn nach seiner Gewohnheit entfernt , auf eigene Hand jagend , gedacht hatten , befand sich in der Nähe und kehrte zu seiner Familie zurück . Das Brummen erscholl jetzt laut und als ich empor blickte , sah ich über den Rand des Felsens den Kopf des Thieres hervorragen , das mich mit grimmigen Blicken und die Zähne nach mir hinunterfletschend , betrachtete . Es war der Blutwitterung seiner Gefährtin gefolgt und fand mich hier in meiner hilflosen Lage ; freilich war ich außerhalb des Bereichs seiner Klauen und Zähne , aber schon der grimmige Anblick des Thieres , wie es so auf mich herunterstarrte , war hirnverwirrend und ich mußte alle Kraft aufbieten , um meinen Verstand zu behalten . Ich schloß die Augen und blieb lange Zeit so sitzen ; wenn ich aber unwillkürlich , ja , halb gezwungen , wieder emporblickte , sah ich stets über mir den Rachen des Bären , und seine grünlich , gleich leuchtenden Käfern , funkelnden Augen . Stunde auf Stunde verging so in dieser entsetzlichen Lage , ohne daß mein Feind wich ; endlich tauchte das erste Morgengrauen über die Felsen und Wälder auf . Mit allen Gebeten an Gott und die Heiligen , die ich irgend auswendig wußte , begrüßte ich das Licht und schöpfte neue Hoffnung , als ich das Thier jetzt sich bedächtig zurückziehen sah . Aber es geschah nur , um einen so boshaften als wohlüberlegten Plan vorzubereiten , und es sage mir Keiner , daß der Bär nicht Verstand hat , mindestens so viel wie ein Türke . Es dauerte nämlich nicht lange , so kam mein Gegner zurück und trug in seinen Vordertatzen einen Stein , den er über den Felsrand nach mir herunterstieß . Das wiederholte er mehrere Male , zum Glück aber waren die Steine entweder klein , oder es gelang mir , durch Bewegungen nach rechts und links ihnen auszuweichen , so daß ich nur unbedeutend beschädigt wurde . Jetzt aber hörte ich deutlich , wie die Bestie sich bemühte , ein größeres Felsstück zu der Stelle zu schieben und in meiner Angst schrie ich laut auf , als plötzlich ein Schuß und ein Freudengeschrei diesem Hilferuf antwortete , worauf noch ein zweiter Schuß und ein Schmerzensbrüllen des tödtlich getroffenen Bären folgte , und mein Vater mit mehreren Nachbarn an den Rand des Felsens geeilt kam und mich so unverhofft in meiner freilich kläglichen Lage wieder erblickte . Sofort wurden mir Stricke zugeworfen , die ich um mich knotete und an denen man mich in die Höhe zog . Ich war so schwach , daß ich nicht stehen konnte , und man mußte mich die Felsen hinunter bis dahin , wo die Pferde hielten , tragen . « » Alle hatten mich längst verloren und höchstens meine Gebeine zu finden geglaubt , « fuhr der Kiradschia nach einer kleinen Pause und einem tüchtigen Schluck Rakih fort , » aber Gott und die Heiligen hatten es anders gewollt . Weliko hatte sich nach seiner Flucht still nach Hause geschlichen und dort , ohne ein Wort zu sagen , voll Angst über das angestiftete Unheil , versteckt . Erst als ich bei Einbruch der Nacht noch nicht wieder erschienen , wurde mein Vater aufmerksam . Er ging nach dem Pferch und fand zwar die eingetriebenen Pferde , aber mich nicht . Erst später gelang es ihm , zu ermitteln , wer diese zurückgebracht und der Bursche erzählte nun , daß er mich und Weliko mit einer Flinte habe nach den Felsen gehen sehen . Weliko wurde endlich aus seinem Versteck hervorgeholt und eine tüchtige Tracht Schläge brachte ihn bald zu dem Bekenntniß unsers Unternehmens und des ganzen Vorganges , wobei er denn angab , daß er erst dann geflohen sei , als er mich bereits von der Bärin hätte zerreißen sehen . Mein Vater und die Nachbarn brachen alsbald auf und schleppten ihn mit sich , bis zu der bezeichneten Stelle , wo sie so glücklich noch zur rechten Zeit eintrafen . Den mit so vielen Gefahren verdienten Preis für die beiden Bären und die drei Jungen erhielten nun freilich weder ich noch Weliko , sondern den steckten wohlweislich unsere Väter ein . Dafür aber wurden wir Beide , nachdem erst mein Kopf geheilt war , noch weidlich ausgepeitscht zur Warunug , daß es uns nicht wieder einfallen möge , auf eigene Hand zur Bärenjagd zu gehen . - So bin ich auch um mein Ohr gekommen ! « » Und zu einer Tracht Schläge , « sagte Miloje . » Schade , daß Du nicht ein Jäger geworden bist ! « » Gott wollte es so ! « meinte der Erzähler seufzend . » Ich habe später manchen Bären geschossen , aber es hat mir keiner so viel Angst gemacht , und bei jedem dachte ich an die Prügel , die mir mein Vater gegeben . Er war ein ächter Bulgare , mögen die Heiligen gut mit ihm sein . « » Wallah ! « sagte der Janitschar , » was hilft es , zu klagen , wir müssen Alle sterben . Mir ist der Tod näher wie Dir gewesen , und ich bin ihm entgangen . Das Schicksal wollte es und da sitze ich auf meine alten Tage , der ich ein Länderbesitzer war und ein Haus in Constantinopel hatte , und rauche mit den Djaurs ! « » Erzähle es uns , Effendi , « bat der französische Capitain . » Meinst Du Dein Entwischen aus der Niedermetzelung der Janitscharen ? - Ich wünschte schon lange , den Hergang etwas umständlicher zu erfahren , als damals die Zeitungen meldeten und die Bücher erzählen . « » Mashallah , « entgegnete der alte Türke melancholisch , » was ich Euch erzählen will , Fremdlinge , regt eine Wunde in meinen Eingeweiden auf , die das Alter und fast dreißig Sommer nicht haben schließen können . Allah sende ihm Unglück , der dies gethan - es liegt Staub auf dem Grabe des Großherrn Mahmud und die Inglis und Franken wären nimmer nach Stambul gekommen , wenn die heiligen Orta ' s nicht vertilgt worden aus dem Strahl der Sonne ! - Der Prophet zürnt mit den Gläubigen und hat ihr Land in die Hände der Dschaur ' s gegeben . Wißt Ihr , wer mit Euch spricht , Fremdlinge ? Melek-Ibrahim , der Oda-Baschi4 der Zagrandschi ' s von der 64. Orta5 des heiligen Stambul . Ich hatte ein Weib genommen und zwei tscherkessische Sclavinnen , denn mein Einkommen war reichlich und der Tschor-Baschi6 mein Freund . Wir wohnten in einem eigenen Hause in Cassi-Pascha7 und nur im Sommer zog ich alljährlich nach dem Balkan auf mein Spahilik , das ich von Selim , meinem Bruder , geerbt im Ejalet8 von Widdin . Mein Weib und die Sclavinnen vertrugen sich anscheinend gut bis auf kleine Zänkereien , denn ich führte kräftig den weißen Stab und litt es nicht , daß die Frauen mir in den Bart lachten . Zwei Kinder erfreuten mein Herz , ein Knabe und ein Mädchen , die mir beide meine Lieblingssclavin geboren , denn mein Weib war unfruchtbaren Leibes . Irene , die Mutter meiner Kinder , war schön wie die guten Geister , die den Gläubigen umschweben . Ihr Antlitz war wie die Mandelblüthe und ihre Lippen glichen den rothen Granaten . Aber das Kismet läßt sich nicht abwenden . Schwarze Wolken zogen auf am Himmel der Ienethtschjeri und das Antlitz des Großherrn verdunkelte sich gegen seine tapfersten Kinder vor den Einflüsterungen falscher Franken , und man nahm uns unsere Rechte und wollte uns zwingen , zu fechten gleich den Christen . Der Bluttrinker hatte den Nizam gemacht und die Topschi ' s9 , die unsere Feinde und Neider waren von Anfang an . Es kam damals viel Unheil über die Müsselmans , denn Alles sollte anders werben , als es die Väter hinterlassen , und der Großherr haßte uns , weil wir dem widerstanden und man ihm fälschlich hinterbracht , daß Viele aus den Orta ' s der Buluk10 den Glauben des Propheten schmähten und heimliche Christen wären . « » Fluch über die Gräber der Lügner ! « » Ich wohnte , wie ich gesagt , im eigenen Haus , wie viele meiner Brüder , und nicht in der Oda11 unsers Corps . Aber täglich war ich bei meiner Orta und wußte , was vorging . Es war im selben Mond , den wir jetzt schreiben , im Jahre Zwölfhundertundvierundvierzig der Hedjira12 , als der Bluttrinker die neuen Krieger machte , die man Askeri-Muhammedije nannte . Wir sollten unsere Kaserne hergeben oder Alle in ihr wohnen , keine Reißkuchen mehr vor den Thoren des Divans erhalten , und andere Führer haben , als die wir selbst erwählt . Der Aga der Ienethtschjeri war ein Verräther , ohne daß wir es wußten , unb er hatte uns dem Hunkiar längst verkauft , bevor wir es ahnten . Aber der Kjetchuda-Bey13 Mohamed und sein Kul-Kjetchuda14 waren treue Ienkridschari ' s und standen zu uns mit ihrem Blut . Es war am Abend des dreizehnten Tages im Monat15 , als ich zu meiner Oda vor dem Thore von Pera kommend , das nach Therapia führt16 , die kupfernen Kessel ausgehängt und die Männer des Buluk in wilder Aufregung fand17 . Ein Hat18 war verkündet worden , worin uns Hussein-Aga befahl , die Waffen , die wir schon längst nicht mehr tragen durften in den Straßen Istambols , abzuliefern in ' s Arsenal , und daß ein Jeder sich einschreiben lassen solle in die Bataillone der Askeri-Muhammedije , oder keinen Sold empfangen werde , wie Sultan Orkan seligen Andenkens doch bestimmt hat . Da zerrissen wir unsere Jacken und schwuren bei den Kesseln , daß wir den Schimpf und die Unterdrückung nicht länger dulden wollten . In allen Oda ' s Constantinopels waren die Koridschi ' s19 diese Nacht versammelt und es gingen und kamen Boten von einer zur andern . Als der große Halbmond der Aya20 geröthet war vom ersten Sonnenstrahl , da zogen von allen Seiten herbei die Orta ' s : die Zagrandschi ' s oder Aufseher über dir Hunde , die Samsondschi ' s , die Aufseher über die Bullenbeißer , die Tumandschi ' s , die Wächter der Windhunde und Falken , und die Orta ' s der Sumangs , der Schützen . Am Platz der Oda , welche der gesegneten Moschee des Fürsten Schekzade gegenüberlag , stießen die Orta ' s zusammen und die Straßen waren von mehr als zwanzigtausend Ienethtschjeri ' s gefüllt . Dann erhob sich eine Stimme aus der Menge und rief uns auf , zum Palast des Hussein-Aga zu ziehen , der uns verrathen , und von ihm unsere Rechte zu fordern . Der Palast lag unsern des Thurmes der Feuerwächter und wir zogen dahin und zerstörten ihn , bis er der Erde gleich war . Dann nahmen wir den Weg gegen das Serail und lagerten vom Horn bis zur goldenen Pforte und forderten Gerechtigkeit von dem Großherrn . Wir waren die Herren von Constantinopel , aber wir waren Kinder in unserm Willen und Staub vor dem Hauch der Verräther . Die Boten des Sultans erschienen vor uns und verkündeten uns , daß alle Beschwerden untersucht und abbeholfen werden sollten , wenn die Orta ' s sich in ihre Kaserne zurückziehen und dort verhandeln wollten . Wir glaubten den Versicherungen lind gingen , die Becken schlagend , nach unseren Oda ' s zurück , obgleich Viele von uns ein bedenkliches Gesicht machten , denn wir wußten , daß die Topschi ' s , unsere Feinde , bereit standen , und die Schiffe des Kapudan , mit dessen Galiondschi ' s wir stets in Streit lagen , hatten sich vor die Stadt gelegt . Dennoch gehorchten wir dem Befehl unserer Führer ; Fluch dem Teufel , der uns blendete , es war unser Verderben . Das Schicksal wollte den Untergang der Ienethtschjeri ' s. Während wir in den großen Höfen der Oda ' s lagerten , kamen Boten des Großherrn zu uns und redeten mit uns , Bismillah ! Einer so und der Andere anders , Alles Wind , was von ihren Lippen kam . Sie sollten uns nur hin halten , bis die Mörder bereit waren : was kann ich sagen , - sie brachten uns einen Sack voll Lügen und auf dein Grunde war der Tod . Auf dem Atmeidan hatte der Sultan indeß die geheiligte Fahne des Propheten erhoben gegen die Ienethtschjeri ' s , und das Volk glaubte der Verläumdung , daß wir heimliche Christen wären , und war gegen uns . In großen Haufen zogen sie heran , an ihrer Spitze die Topschi ' s mit den Kanonen , und der Scheik ul Islam schleuderte seinen grimmigsten Fluch gegen unsere Häupter . Zu spät sahen wir ein , daß wir Thoren gewesen und wir beschlossen , wenigstens als Männer zu sterben . Ich habe nicht das Verderben meiner Brüder in Stambul geschaut , wie sie niedergemetzelt wurden , gleich einer Heerde von Schlachtvieh , aber wir hörten das Geheul der Schlächter bis zu uns dringen auf den Höhen der Griechenstadt . Durch die Straßen Stambuls stoß das Blut in rothen Strömen und auf dem Atmeidan , der so oft unsere Spiele gesehen , lagen die Leichen der Tapfern hoch übereinander , und das Volk spie sie an und verunreinigte die Gräber ihrer Väter . Inshallah ! es war um die Stunde , da der Imam am Abend den Azam vom Minaret singen soll , - aber es dachte Niemand der heiligen Pflicht , - als die Würger sich gegen uns kehrten . Wir hatten selbst das große Thor der Oda verrammelt und hielten uns in den Gemächern und auf dem Hof , als sie vier Kanonen herbeiführten und vor dem Thor aufstellten . Schande , Schande ! es waren ihrer Viele und sie umgaben das ganze Haus mit einer langen Reihe . Wir hatten zwar Waffen , die Pistolen in unseren Gürteln , die Flinte auf unserm Nacken - aber das Pulver hatte man längst aus den Oda ' s geholt und es blieben uns wenige Schüsse zur Vertheidigung des Lebens . Man forderte uns auf , einzeln herauszukommen und die Waffen abzulegen . Viele von uns glaubten ihnen und gingen heraus , aber als sie entwaffnet unter ihnen standen , fielen die Topschi ' s über sie her und schnitten ihnen die Köpfe ab . Da beschlossen wir zu sterben - tausend tapfere Krieger , tausend Männer voll Kraft und Muth ! Wir schlugen auf die Becken und häuften Koth auf die Gräber ihrer Väter . Darauf befahl Hussein-Aga , der Verräther , der selbst herbeigekommen , Feuer anzulegen an die Oda des Buluk . An vier Seiten wurde das Feuer gehäuft und die rothe Flamme stieg lustig in die Höhe , wie grimmig wir auch gegen die Mordbrenner kämpften . Viele versuchten , aus den Fenstern zu entkommen , aber die Kugeln und die Bajonnete unserer wachsamen Feinde tödteten sie . Immer unerträglicher wurden die Hitze und der Qualm , und die Flammen füllten jeden Raum . Gar viele tapfere Ienethtschjeri gingen im Feuer in des Propheten Schooß . Dann räumten wir selbst die halbverbrannten Balken fort , mit denen wir das Thor verrammelt , und öffneten weit die Pforte . Ein dichter Haufe von Kriegern ergoß sich hinaus , um den Weg der Rettung mit dem Säbel in der Faust sich zu bahnen . Drei Mal versuchten wir es , drei Mal warf der Strom der Kartätschen aus ihren Geschützen den Strom der Menschen zurück und hohe Wälle von Leichen thürmten sich vor dem Thore . Ein altes Gesetz heißt die Ienethtschjeri drei Mal gegen den Feind anrennen . Als wir es zum dritten Male vergeblich versucht , ohne daß Allah uns Sieg und Rettung gegeben , fügten die Meisten sich in das unabänderliche Schicksal und erwarteten ruhig das Ende . Denn die Mörder wollten uns nicht lebendig , und während die Mauern umher brannten , sandten fort und fort die Kanonen ihren eisernen Hagel durch das Thor und die züngelnden Flammen . Aman ! Aman ! In Bergen lagen die Leichen umher und der Gestank der verbrennenden Leiber und die Hitze waren fürchterlich ! - Was soll ich noch sagen ? - Wir