Teufel - was willst Du von mir ? « » Frage Dein schwarzes Herz , Maini , und es wird Dir Antwort geben . Ich habe geschworen , Dein Blut zu trinken . « » Dämon der Unterwelt - weiche von mir ! « » Du mußt sterben , Maini , wie Deine Brüder gestorben sind von der Hand der Wölfin von Skadar . Zwei in jenem Thurme von Protopapas , auf der Stätte meiner Schmach - Einer im Schlachtgewühl vor Metzovo und Zwei in der Moschee des Christengottes . Fluch über sie ! - Du warst der Letzte und bist der Letzte - bereite Dich zum Tode ! « Er wollte empor , doch sie hielt die Pistole ihm entgegen . » Du hattest wenigstens Mitleid mit meiner Schmach und warfst den Mantel über meinen entehrten Leib . Darum hab ' ich Mitleid mit Dir und gönne Dir ein Gebet zu Deinem Propheten . Aber Keiner darf leben , der sich rühmen darf der Schmach Fatinitza ' s. Eile jedoch , die Geister Deiner Brüder erwarten Dich . « Der Maini , jung und noch lebenskräftig und muthig , warf sich plötzlich empor und faßte die drohende Feindin . Einige Augenblicke dauerte das ungleiche Ringen , aber es gelang ihm nicht , ihre Hand zu erfassen . Während er ihren Leib noch umklammert hielt und sie zu Boden zu reißen suchte , fühlte er die kalte Mündung der Pistole an seiner Schläfe , - im nächsten Augenblick zerschmetterte der Schuß seinen Schädel , daß sein Gehirn das dämonische Weib bespritzte . Diesmal schien sie selbst zu schaudern vor dem grauenhaften Anblick und wandte sich von ihm , ohne den Todten zu berühren . » Sie sind dahin , « sagte sie dumpf , » und Fatinitza ' s Schmach ist gerächt ! - Jetzt , Vater , der Du bereits im Schooß des Propheten weilst , gilt es die Sühne Deines Blutes und den letzten Kampf . Wehe dem Verräther ! « Sie wandte sich nach der Heimath . Der Verrath Tzavellas ' s an der gemeinsamen Sache und die Eifersucht Hadschi-Petros ' s , von dem eine Schaar von 1000 Mann nahe dem Kampfplatz von Metzovo unthätig gestanden , weil sie sich dem Befehl des Generals Grivas nicht unterordnen wollte - rächten sich schwer . Am 25. April erlitt Tzavellas mit 3000 Mann durch Osman Pascha bei Peta eine vollständige Niederlage und mußte sich nach Griechenland zurückziehen . Fuad-Effendi zog in Janina ein ; 8000 Gewehre , welche die russische Negierung für die Griechen in belgischen Fabriken hatte anfertigen lassen , und die bereits glücklich den größten Theil des Weges zurückgelegt , wurden an der sicilianischen Küste von einem englischen Kreuzer aufgefangen und nach Malta gebracht ; die albanesische Küste war von englischen Schiffen blokirt , im Golf von Volo an der thessalischen Küste schoß eine französische Dampffregatte mehrere , mit Freiwilligen besetzte griechische Schiffe in den Grund , und Damoko wurde von Salim-und Schiakir-Pascha entsetzt . Theodor Grivas mit 400 Kriegern hatte sich nach Agrapha zurückgezogen und gab den Kampf auf . Im ganzen Epirus waren die Türken Sieger . Einen neuen Zuzug zwar erhielt der griechische Aufstand durch das Herbeiströmen der aus dem türkischen Gebiet ausgewiesenen Griechen , von denen allein 20,000 von Constantinopel und Smyrna auswanderten . Von Athen aus angefeuert und mit neuen Führern versehen , - Spiro Milio und Vlakopulos an der Gränze , Grizanos , Priovos , Giakas und dem kühnen Papakosta in der Provinz selbst , - stand ganz Thessalien bald wieder unter Waffen und mit 12,000 Kriegern dem neu ernannten Gouverneur , Ali Rizza Pascha und seinen 16,000 Mann gegenüber . Doch alle Anstrengungen des kleinen Griechenlands scheiterten an der drohenden Stellung der Westmächte , die sich nicht entblödeten , selbst über die Abdankung des Königs Otto zu verhandeln . Fürst Danilo von Montenegro , der auf seine kühne Proklamation vom 10. März5 , von dem russischen Agenten Oberst Kowalewski angefeuert , 8000 Krieger des Hochlands in Cettinje versammelt hatte , und ebenso Serbien , das bereits in voller Rüstung stand , wurden von Oesterreich gezwungen , neutral zu bleiben , und so der ganze große Aufstand der slavisch christlichen Völker , südlich der Donau , unterdrückt , der offenbar sonst der türkischen Herrschaft in Europa ein Ende gemacht und Rußland den Sieg gesichert hätte . Wir haben bereits gezeigt , wie Kaiser Nicolaus die Verbindung mit der Revolution im Norden der Donau und Save zurückgewiesen , sowohl um der eigenen Grundsätze , als um Oesterreichs Willen , das auf diese Weise seine Rücksicht lohnte . Die Karte von Europa hätte sonst sicher - nicht von der Seine , sondern von der Donau aus - eine andere Gestaltung gewonnen . Fußnoten 1 Türkische Artilleristen . 2 Wir haben bereits erwähnt , daß unser Zeichen der Bejahung bei den Türken die entgegengesetzte Bedeutung hat . 3 Der Spectateur de l ' Orient , Observ . Triest etc. etc. 4 Wir wiederholen es , die furchtbare That ist Wahrheit ! 5 Der Aufruf lautet : » Von uns , Danilo Petrowich , Fürst der Czernagora und der Brda , Gruß dem Capitain . Ich wünsche , daß auch wir Czernagoren jetzt , wie auch sonst immer , uns tapfer und heldenmüthig zeigen , gleich den Griechen und andern Nationen , gleich unsern stets siegreichen Gros- und Urgroßvätern , die uns als ihr Vermächtniß die Freiheit hinterließen , auf welche wir jetzt vor der Welt stolz sind . Darum will ich jene Soldaten kennen , welche früher conseribirt wurden , daß ich weiß , ob ich mich auf sie verlassen kann , und befehle Euch , Capitaine , daß jeder seinen Stamm versammle . Jeder Soldat sage freiwillig , ob er mit mir kämpfen will gegen den Türken , den verfluchten Feind unsers Glaubens und unserer Gesetze . Der Capitain verzeichne jeden solchen Freiwilligen und berichte mir darüber nach Cettinje . Das aber sage ich Jedem im Voraus , wer nicht beabsichtigt , mit mir des Todes gewärtig zu sein , den beschwöre ich bei dem großen Gott , er möge zu Hause bleiben , und wer mit mir dann ziehen will , der vergesse Weib , Kind und Alles , was er auf dieser Welt besitzt , und sage dies dem Capitain , daß er ihn einschreibe . Ich sage Dir , meine wackere Nation , und Euch , meine lieben Brüder , wer nicht mit mir sterben will , bleibe unbehindert zu Hause , denn ich weiß sehr wohl , daß ein Einziger , der freiwillig und muthig in ' s Feld zieht , besser ist , als Fünfzig , welche furchtsam von mir herziehen ; darum fordere ich jeden wackern Mann , der ein muthiges und kein Weiberherz hat , und welcher nicht ansteht , für das heilige Kreuz , die rechtgläubige Kirche und das Vaterland sein Blut zu vergießen , auf , daß er mit mir theile Ruhm und Ehre . Sind wir denn nicht , theure Brüder , Söhne jener alten czernagorischen Sieger , welche drei türkische Veziere auf einmal bewältigen , welche französische Truppen schlugen und des Sultans Festungen mit Sturm nahmen ? Sind wir keine Vaterlandsverächter , mißachten wir nicht den Ruhm unserer alten Helden , so versammeln wir uns und schlagen los im Namen Gottes ! - Bleibt gesund . Cettinje , 16. März 1854 . « Madara . Man kann sich unmöglich darüber täuschen , daß die , durch die politischen Verhältnisse hervorgerufene und von Petersburg befohlene schwankende Haltung der Russen in den Donau-Fürstenthümern und ihre anfänglich viel zu geringe Machtaufstellung das Schicksal des Donau-Feldzuges herbeigeführt haben . Erst nachdem die Absichten der Westmächte selbst der politischen Naivetät klar sein mußten , erhielt am 10. März Fürst Gortschakoff von Petersburg die Weisung , sich nicht länger auf die Vertheidigung des » genommenen Pfandes « zu beschränken , sondern die Offensive gegen das rechte Donauufer zu ergreifen und diejenigen Punkte auf demselben zu besetzen , welche allenfalls bei dem weiteren kriegerischen Vorgehen auf feindlichem Boden zu Pivots dienen könnten . Die Wahl dieses Vorgehens hatte ihre besondere Schwierigkeiten , und man hat den erwählten Weg dem Fürsten Gortschakoff - indem man ihm nur das Talent eines tüchtigen Taktikers und Artilleristen läßt - zu einem großen strategischen Fehler gemacht . Es läßt sich indeß Vieles zu seiner Rechtfertigung sagen . Mit einem Uebergang an der Gränze der kleinen Walachei , zwischen Rustschuk und Widdin , hätte die russische Armee die türkische allerdings zu einer allgemeinen Schlacht zwingen und durchbreche können . Es stand ihr dann , da die feindlichen Festungen dieser Operationslinie ( Sistowa , Nikopolis , Rahowa ) nur unbedeutend waren , die Hauptstraße im Isker Thal nach Adrianopel offen , und ein Monat hätte sie vielleicht dahin gebracht . Abgesehen aber davon , daß die Türken mehr denn doppelt so stark waren als 1828 , und mit einer Artillerie versehen , die sich mindestens mit der russischen messen konnte , war damit der Rücken und die rechte Flanke der schon damals sehr bedenklichen Haltung der Oesterreicher und ihrem angedrohten Einrücken in Serbien Preis gegeben , und die Verpflegung einer so bedeutenden Armee bei den grundlosen Straßen aus dem langen Landwege um so schwieriger . Die Küsten des schwarzen Meeres mußten auch hierbei von einem starken Corps besetzt gehalten werden , um eine Operation der Türken und ihrer Alliirten von dieser Seite zu verhindern . Der Aufstand in Griechenland und der erwartete in Montenegro waren noch nicht so weit gediehen , um davon bedeutende Hilfe hoffen zu können . Der andere Weg war der schon in den frühern Feldzügen gewählte durch die Dobrudscha . Der strategische Plan des türkischen Oberbefehlshabers erleichterte sogar den Angriff auf diesen Punkt , indem Omer , auf die Flotten der Westmächte bauend , sein Hauptaugenmerk und seine Kraft nach der oberen Donau und Widdin-Kalafat geworfen , um die Verbindung mit Serbien und Rumelien zu hindern , und Mustapha-Pascha zur Besetzung der untern Donau und der Dobrudscha nur 10 Bataillone Nizam , 8 Bataillone Redifs , 3000 Baschi-Bozuk ' s und 4000 Reiter mit 48 Kanonen zur Disposition gestellt hatte . Bei dem Stoß gegen die Dobrudscha behielten zugleich die Russen stets ihre Basis an der Moldau und dem eigenen Gebiet . Freilich fehlte ihnen diesmal gegen die früheren gleichen Feldzüge die Unterstützung ihrer Flotten und die Beherrschung des Meeres . Dennoch wurde dieser Angriffspunkt gewählt und zunächst der Uebergang an vier Stellen bestimmt . Mustapha-Pascha erhielt durch die zahlreichen Spione , die sich auch im russischen Lager befanden , bereits am 22. Nachricht von den beabsichtigten Operationen , konnte sie jedoch , obschon er aus sein dringendes Verlangen 6000 Mann Verstärkung erhalten , nicht hindern , da die russische Hauptarmee hier eine Macht von 90,000 Mann hatte1 . Am 20. ging Oberst Suroff mit einem Detachement von 2000 Mann durch die Donaufurt , 2 Meilen unterhalb Hirsowa , und setzte sich gegen die zum Schutze der Feste errichteten Schanzen in Bewegung . Sein rascher Angriff wurde durch das Feuer von Kanonenböten unterstützt , mußte aber , da die Türken wüthend kämpften , drei Mal erneuert werden . Am 21. waren die Schanzen genommen , am 22. begann die Cernirung , am 23. die Belagerung der Citadelle Hirsowa ' s. Am 30. Morgens wurde sie mit Sturm genommen , nachdem ein Theil durch das Bombardement ein Raub der Flammen geworden war . Am 23. ließ der Oberbefehlshaber , Fürst Gortschakoff , nachdem am 22. bereits ein lebhaftes Feuer auf die bei Matschin errichteten türkischen Verschanzungen vom linken Ufer aus eröffnet worden , unter dem Schutz von 24 Zwölfpfündern und 6 Achtzehnpfündern eine Pontonsbrücke nach birago ' schem System bei Ibraila über die Insel vor Gedschid an das rechte Donauufer , schlagen und setzte mit einem starken Corps über . Die Türken zogen sich nach Matschin zurück . Gleichzeitig schlug General Lüders eine zweite Brücke von Galacz aus das rechte sumpffreie Ufer zwischen Matschin und Isaktscha und überschritt unter Kanonendonner den Strom mit dem Lublin ' schen und Samoszki ' schen Jäger-Regiment und den Infanterie-Regimentern Modlin und Bragasch , nebst Kavallerie und Artillerie . An demselben Tage erzwang auch auf dem vierten Punkte General Uschatoff nach blutigem Kampf den Donauübergang von Ismaël aus , dessen weiße Mauern durch Byron ' s » Don Juan « gefeiert sind , oberhalb Tultscha , und nahm die türkischen Redouten mit Sturm . Am 24. wurden bereits Matschin , Isaktscha und Tultscha belagert . Die Besatzung von Matschin , das mit bedeutenden Proviant und Munitionsvorräthen versehen war , - etwa 6000 Mann - ergab sich am Morgen des 27. , nachdem die Festung zwei Tage lang beinahe ununterbrochen mit Bomben beworfen und zwei Mal gestürmt worden . Am selben Tage fielen Isaktscha und Tultscha , - die Russen befanden sich also am 30. im Besitz sämmtlicher festen Punkte an der Donau unterhalb des alten römischen Trajanswalles , der an dem schmalsten Punkt von der Donau zum Meere führt und an der Erstern von Tschernawoda und Karassu , an der See von Küstendsche flankirt wird . Mustapha Pascha mußte daher die Verteidigung von Babadagh - der Position im Innern der jetzt eingeschlossenen Halbinsel Dobrudscha , - so eilig aufgeben , daß sämtliche Vorräthe in die Hände der Feinde fielen , und sich auf den Trajanswall zuzückziehen . Nachdem in den ersten Tagen des Aprils auch die Operationen gegen Silistria von Kalarasch aus begonnen , räumte der türkische General vom 6. bis 11. auch Tschernawoda und Karassu , und zog sich auf der Straße nach Basardschik zurück , so daß sich die Russen im vollen Besitz der obern Dobrudscha befanden . - Kaiser Nicolaus hatte unterdeß den Veteran seiner Schlachten , den General-Statthalter von Polen , Feldmarschall Fürsten Paskiewitsch , auf den Kampfplatz beordert und diesem die obersten strategischen Anordnungen übertragen . Der Fürst traf in den ersten Tagen des Aprils in den Fürstenthümern ein und nahm die einzelnen Stellungen der russischen Streitkräfte in Augenschein , zunächst vor Kalafat , das General Liprandi jetzt näher cernirt hielt , und wo in den letzten Tagen des März einige blutige Gefechte vorgekommen waren . Aus dem Helden von Eriwan war aber auch ein Diplomat geworden - es galt nicht mehr , Schlachten zu schlagen , sondern auch zu fragen , ob sie geschlagen werden dürften ? Der Allianztractat zwischen Oesterreich und Preußen mußte dem Ersteren eine drohende Stellung in Bezug auf die Fürstenthümer geben , und obschon der preußische Kriegsminister , General Bonin , der offene Gegner der russischen Interessen , seinen undiplomatischen Erklärungen bei Berathung der Creditbewilligung auf die Beschwerde Rußlands bald darauf zum Opfer fiel , war damit die freie Hand Oesterreichs nicht beseitigt . Von den Tractat-Verhandlungen und der verabredeten Somnation gegen die fortdauernde Occupation der Fürstenthümer , hatte natürlich die russische Diplomatie zeitige Kunde und diese , so wie die Unterdrückung der Aufstände in Czernagora und den türtisch-griechischen Provinzen bewogen ihn , schon am 16. dem General Liprandi den Befehl zu ertheilen , die Cernirung Kalafat ' s aufzugeben und seine Streitkräfte auf das Ufer des , die kleine von der großen Walachei trennenden Flusses Aluta zurückzuziehen . Sofort wurden die Spitäler aufgehoben und der Belagerungspark in Sicherheit gebracht . Am 23. sammelten sich bereits die Truppen in Krajowa und setzten am 25. ihren Marsch gegen die Aluta fort . Die Türken drangen sofort von Kalafat nach , setzten an mehreren Punkten über die obere Donau , und es kam , namentlich am Schyl , zu blutigen Gefechten , in denen meist die Türken Sieger blieben . Am 16. hatte ein bedeutendes russisches Streifcorps die Donau bei Oltenitza passirt , wurde aber gleichfalls durch die Bajonnetangriffe der Türken zurückgeworfen . Auch in der Dobrudscha war es zu harten Kämpfen gekommen , und General Lüders wurde in einem blutigen Gefecht bei Tschernawoda am 20. nach einem sechsstündigen Kampf geschlagen und verlor an 500 Todte , 250 Gefangene und 15 Kanonen . Doch mußten die Sieger vor der anrückenden Hauptcolonne der Russen wieder weichen . An der oberen Donau schlug Sali-Pascha die Gegner bei Turnul und Nikopoli , Suliman-Pascha erstürmte Radowan , so daß Ende des Monats die Türken Herren des grüßten Theils der kleinen Walachei waren . - Am 27. April war Fürst Paskiewitsch in Kalarasch eingetroffen und die Bewegungen zur Cernirung von Silistria , in der letzten Hälfte des April von General von Schilder begonnen , concentrirten sich . Nachdem die Verbindung zwischen Kalarasch und den Donauinseln hergestellt worden , beschossen die Russen die türkischen Uferbatterieen und die türkische Flotille vor Silistria . Die Festung , die zwar 179 Geschütze , aber keine Feldbatterie zur Disposition hatte , wurde von Mussa-Pascha anfangs mit mir 9000 Mann vertheidigt . Der Sirdar eilte daher , Verstärkungen von Schumla her hinein zu werfen und ein Theil der Corps aus Kalafat und Widdin wurde zum Ersatz eilig herangezogen . Am 3. , 4. und 5. waren bereits Truppen der Westmächte in Varna eingetroffen . Nachdem wir hiermit die Kriegsereignisse im Allgemeinen bis zum Mai nachgetragen , nehmen wir den Faden unserer Erzählung wieder auf . Es war in der ersten Hälfte des köstlichen lieblichen Mai , des Wonnemonds , von dessen Wonne und Köstlichkeit wir Nordländer gewöhnlich Nichts erfahren und von dein wir allein die Erinnerung haben , daß der Hexentag auf dem Blocksberg ihn eröffnet . Anders ist es im Süden - da quellen die Wonnen wirklich aus Busch und Strauch , von Matte und Baum , von Thal und Berg , da öffnet die Natur in voller Milde und Lieblichkeit den Busen , und der balsamische Hauch des neuen Blumenlebens , die milde Luft des blauen Himmels schwellt die Herzen . Der helle Mondschein goß sein Licht über eine rauhe wilde Gegend am Paß nach Ternowo aus der Höhe des Gebirges . In tiefen Uferwänden sprudelte ein lebendiger kleiner Gebirgsfluß , - üppiges Rankengewächs überdachte die springende von Stein zu Stein fallende klare Fluth , kolossale Felsblöcke rahmten das Ufer ein und zogen sich bis zur hohen Basaltwand , die , mit dichtem Gesträuch bekleidet , emporstieg . Ahorn- , Wallnuß- , Feigen- und Maulbeerbäume , umrankt und verbunden durch den kleinblättrigen wilden Wein füllten mit ihrem frischen Laub die Umgebung , und ihre Blätter zitterten und spielten in phantastischen Effecten , bald im Mondstrahl , bald im langen Lichtschein , der von einer Stelle zwischen zwei mächtigen Feldstücken hervorbrach . Dort lagerte um ein Feuer eine bunte Gesellschaft , wie sie die wilden Verhältnisse des Gebirges und der Zeit zusammengeführt - eine Anzahl Männer und zwei Frauen , letztere hinter dem Kreis der Männer mit einem jungen Mohren an den Resten des Mahles beschäftigt , das ihre Herrn und Gebieter eben gehalten . Acht oder neun der wilden Gestalten , die um das Feuer saßen , behaglich den Schibuk im Mund und von Zeit zu Zeit die Rakihflasche im Kreise umhergehen lassend , gehörten offenbar ihrer Kleidung und Bewaffnung nach zu den freien Bewohnern der Berge , den kühnen und unermüdlichen Feinden der Türken , den Haiducken , mit den weißen wollenen Röcken und dem in zwei lange Flechten geheilten Haar des Hinterkopfes . Um so mehr fiel zwischen ihnen , und augenscheinlich ihnen befreundet , die Gestalt eines greisen Moslems auf , in blauen weiten Halbbeinkleidern und rothen Strümpfen , blauer Aermeljacke und einer hohen , oben breiten , weißen Mütze , mit dem langen rothen Sack . Wer vor dem Juni 1826 Constantinopel besucht , kannte die Tracht sehr wohl , - es war die der Ienethtschjeri oder Janitscharen , der alten gefürchteten Krieger des Reiches . Zur Seite des Buluk-Baschi ' s oder Capitains der Haiducken , saßen zwei Europäer , Doctor Welland , der Arzt des Lazareths von Widdin , und ein französischer Genie-Offizier , Capitain Depuis , aus der Begleitung des Seraskiers , der in letzter Zeit wieder nach Kalafat gekommen war , um die Verschanzungen gegen die vorrückenden Russen zu verstärken . Beide waren , bei dem Rückzug der Russen von Kalafat und der Auflösung der dortigen türkischen Stellung , auf dem Marsch nach der ersten Bestimmung des Arztes , nach Silistria , begriffen und hatten den Weg durch die Gebirge auf Schumla eingeschlagen . Ihre heutige Tagereise hatte jedoch bereits am Nachmittag ein unerwartetes Ziel gefunden , denn der Saptieh , jene Sorte türkischer Spitzbuben von Gensd ' armen , die als bewaffnete Wachen und Wegführer den Reisenden von Station zu Station begleiten , gewöhnlich aber , wenn ihnen nicht ein größerer Vortheil durch die Ehrlichkeit in Aussicht steht , mit den Räubern des Gebirges zur Plünderung ihrer Schutzbefohlenen im besten Einvernehmen stehen , hatte sie auf Nebenwege geführt , eine Sache , die bei dem Zustande der Straßen in der Türkei leicht genug ist , und bei dem Erscheinen eines kleinen Truppes von Haiducken spurlos verlassen . Ein Widerstand der beiden Männer und ihrer zwei Diener gegen die wilden Söhne des Gebirges hätte nur nutzlos ihr Leben gefährdet , und so machten sie sich bereits auf eine vollständige Ausplünderung gefaßt , als zu des Arztes Verwunderung der Mohrenknabe Nursah den Anführer der Haiducken anrief und nach einer kurzen Besprechung in türkischer Sprache zu seinem Herrn führte . » Du bist der fränkische Hekim-Baschi , der in der Lokanda des Slowaken Alexo zu Widdin gewohnt hat ? « fragte der Capitano . » Ja . Kennst Du mich ? « » Ich habe Dich oft gesehen , wo Du mich nicht sahest , und weiß , daß Du ein Bulgare und unser Freund bist . Ich bin Michael Miloje , der Schwiegersohn des Handscha Gawra vor dem Thore Widdin ' s , und weiß , daß Du der Mutter meines Weibes beigestanden in schwerer Krankheit , und für den Handscha gesprochen hast bei dem Vali2 von Widdin . Sei mir gegrüßt , Bruder , Du und die Deinen , Ihr seid sicher unter dem Schutz Miloje ' s und werdet seine Gastfreundschaft nicht verschmähen . « Obschon der Arzt sich des Haiducken nicht erinnerte , war die unerwartete Umwandlung desselben in einen Freund doch viel zu willkommen , um sie nicht mit beiden Händen zu ergreifen , und wiewohl die Reisenden gern ihren Weg fortgesetzt hätten , mußten sie sich doch bequemen , die gebotene Gastfreundschaft des Haiduckenführers anzunehmen und ihn in das Innere des Gebirges zu begleiten . Die kleine Karavane wandte sich demnach unter Führung Miloje ' s auf ungebahntem Weg zwischen Felsen und Gestrüpp nach der Höhe der Berge und kam nach einem Marsch von etwa einer Stunde auf dem prächtigen Felsenhang an , auf dem die Schaar ihr fliegendes Lager aufgeschlagen und von wo sie in einzelnen Streiftrupps die jetzt sehr belebte Straße durch die Pässe belästigte und häufig selbst größeren Abtheilungen der Türken ernste Scharmützel lieferte . Da fast alle Mitglieder der Gesellschaft auf solchen Streifereien nach der Niederung entfernt waren , fanden sie unter den von Strauchwerk , Fellen und Stangen flüchtig errichteten Hütten nur Marutza , jetzt die Frau des Führers nach der kühnen Entführung , und das Weib eines anderen Haiducken , nebst dem oben beschriebenen alten Janitscharen und einem anderen Mann . Alsbald wurden Anstalten zum Mahle gemacht , das aus dem unvermeidlichen Nationalgericht , dem Gaourt ( geronnener saurer Milch ) und der Hälfte eines in einer Grube zwischen Steinen gerösteten Schafes bestand . Hier , in den Oeden des Gebirges , hörten die Reisenden die neuesten Nachrichten von dem augenblicklichen Schauplatz der Kämpfe . Mit Triumph erzählte der Bulgar von der Uebergabe Matschins mit einer frischen Garnison von 6000 Mann und guten Wällen an seine Freunde , die Russen . Im ganzen Volke und selbst in der Armee war damals die Fabel verbreitet , daß Omer-Pascha eine ungeheure Belohnung von den Russen bekommen , um Kalafat an sie zu verrathen , und daß eben deshalb Achmet-Pascha , sein Freund , so träge und thatenlos sich in den großen Verschanzungen gehalten habe . Der Plan sei aber dadurch vereitelt worden , daß man außerhalb der Schanzen einen Brief Achmet ' s an den russischen General gefunden , worin er diesem die Stunde angab , in welcher ihm Kalafat überliefert werden sollte . Stender-Pascha , Mustapha-Pascha und Ismaël-Pascha hätten sich dein Verrath widersetzt , und so sei Omer genöthigt worden , seinen Freund Achmet im Kommando durch Halim-Pascha zu ersetzen und ihn als Generalstabschef zu sich nach Schumla zu berufen , worauf er alsbald die Russen am andern Ende der Donau bei Matschin in ' s Land gelassen habe . In dieser Weise wurde die kluge Defensive des Muschirs in der ganzen Türkei ausgelegt und von seinen vielen Feinden in der alttürkischen Partei selbst in Constantinopel verbreitet . Es ist bekannt , daß sein erbitterter Gegner Riza-Pascha auf die Nachricht von der Einnahme Matschins ein Gastmahl gab und sie seinen Gästen mit den Worten verkündete : » Ich habe es immer gesagt , der Dschaur wird uns die Dschaur ' s in ' s Land herein lassen ! « - Da Welland während des Jahres seines Aufenthalts in der Türkei bereits ziemlich gut die türkische Sprache erlernt hatte und auch der lustige französische Capitain das Kauderwälsch der Lingua Franca einigermaßen handhabte , ging die Unterhaltung ziemlich geläufig von Statten . Der Arzt und der Franzose mußten von den fernen Ländern erzählen , denen sie angehörten , und der Erstere benutzte die Gelegenheit , möglichst viel von den Sitten und Gebräuchen des Volkes zu erfahren , unter welches das Schicksal ihn geführt . Ihm gegenüber saß ein Mann im mittleren Alter , dessen keckes , mit mehr als einer Narbe bedecktes Gesicht von dem abenteuerlichen Leben zeigte , das er geführt , und den die Fremden bei ihrer Ankunft im Lager dort und im Gespräch mit dem alten Janitscharen gefunden hatten . Er sprach fertig italienisch und seine Reden zeigten , daß er weit in der Welt umher gekommen . Auf sein Befragen erfuhr der Doctor , daß er einer jener Kiradschia ' s sei , gewöhnlich geborene Bulgaren , die als Agenten , Hausirer oder Spediteure der Großhändler alle Provinzen durchstreifen und bis nach Syrien , ja bis zum Kaukasus hin Waaren an bestimmte Handlungshäuser befördern und von da auf ihren kleinen Balkan-Pferden oder Kameelen neue Ladung mitbringen , häufig auch Hausirgeschäfte auf eigene Hand machen . Diese Menschen zeichnen sich durch eine erprobte Ehrlichkeit aus ; eher könnte man die Sonne von ihrer Bahn ablenken , als die Kiradschia ' s von dem Wege des Rechts , das heißt jenes Rechts , das unter diesen Völkern als solches gilt , denn sie kaufen und vertreiben eben so gern die ehrlich erworbene Beute der Räuber , was freilich nach unsern Begriffen für Hehlerei angesehen werden würde . Als weit gereiste Leute haben sie immer höchst interessante Abenteuer zu erzählen : bald serbische , walachische und moldauische Hofintriguen , bald Klatschereien von den Höfen zu Cairo , des Pascha ' s von Bagdad und der Drusen- und Maronitenhäupter ; bald wilde Räuberzüge und Kämpfe am Kuban oder aus den Oeden der arabischen Wüste ; kurz , sie sind das Orakel der Dorfbewohner und die Vorsehung der umherstreifenden Freien im Balkan wie am Libanon . Sie kaufen zu ehrlichen Preisen ihren Raub und liefern ihnen Pulver , Waffen und alle sonstigen Bedürfnisse . Paswan , der Kiradschia , war seit einer Woche bei der Bande des Michael Miloje , und seine Vertraulichkeit mit allen Mitgliedern zeigte , daß er hier ein häufiger , sein wohlgefülltes Gepäck , daß er ein willkommener Gast sei . Er wollte am andern Morgen zugleich mit den Fremden aufbrechen und diese bis Schumla begleiten , und erzählte jetzt bei dem Keff3 um das Feuer von seinen Wanderschaften . Ein zufälliges Lüften seiner Kopfbedeckung hatte den Fremden gezeigt , das ; er sein linkes Ohr eingebüßt , und der Blick danach war den scharfen Augen des Kiradschia ' s nicht entgangen . » Ihr müßt nicht denken , Franken , ich sei aus eine schlimme Weise darum gekommen , « sagte er . » Es ist ein Andenken an diese Berge und meine Knabenzeit , und wenn ' s Euch gefällt , will ich Euch erzählen , warum ich Paswan der Einohrige heiße . « Der Arzt und der Offizier baten um das Abenteuer und der Hausirer begann : » In den Felsenklüften des Balkan wohnt neben dem Eber , dem Hirsch und dem Wolf auch der Bär , und er ist für die zahlreichen Hirten unseres Landes das gefährlichste Thier . Er ist der Feind des Bulgaren , denn wenn er ein Rind oder ein Pferd zu Boden reißt , so muß der Bulgare es dem Spahi ersetzen . Schon von meiner frühesten Jugend an half ich meinem Vater die großen Heerden hüten , die seiner und eines seiner Vettern Aufsicht von dein Kiaja anvertraut waren . Unser Vetter hatte einen Knaben , der in meinem Alter war , - ich hatte dreizehn Winter gesehen , - wo er jetzt ist ? Gott allein weiß es , und wir Beide hüteten gewöhnlich gemeinschaftlich eine Heerde von Pferden an dem nördlichen Abhange des Gebirges , von dem der Osma herabströmt , eine Tagereise von Ternowo , der heiligen Stadt unseres Landes , wo die Gräber sind unserer letzten Krals . Seit einiger Zeit hatte eine Bärenfamilie , die in der Tiefe des Gebirges ihr Lager zu haben schien , den Heerden unseres Celo arg zugesetzt und bereits mehrere Pferde zerrissen . Vergeblich waren alle Streifzüge , welche die Männer der Gegend nach den Schluchten unternommen hatten ; eines Abends aber kam , während ich mit meiner Heerde am Fuße der Berge weidete , Weliko , mein junger Vetter , aus seinem besten Schimmel angejagt und ich konnte schon an seinem frohen Aussehen merken , daß er eine besondere Kunde auf dem Herzen habe . Er war am Morgen in ' s Gebirge geritten , um eine entlaufene Stute wieder aufzusuchen . - Paswan , sprach er zu mir , indem er vom Pferde sprang , wenn Du Muth hast