wie Türken beten , ich konnte , ich durfte nicht anders , aber ich bin schuldlos an der Schmach , die Dich betroffen hat und bereit , sie mit meinem Herzblut zu sühnen oder zu rächen . « Das Mädchen verharrte in ihrem verächtlichen Schweigen , ihr Blick war von ihm abgewandt . » Höre mich , Fatinitza - wir sind Beide jetzt frei und im Schutz meines Oheims - folge mir nach Chios , wo meine Mutter ein kleines Eigenthum mir hinterlassen , fern von dieser Stätte und diesen blutigen Menschen . Folge mir und sei mein Weib . « Dasselbe Schweigen . » Fatinitza , « - flehte er verzweifelnd , - » so laß mich Dir folgen - ich will Dein Sclave sein , - Dich lieben - ich - will den Glauben Deines Propheten zu dem meinen machen , nur gegen mein Volk kann ich nicht kämpfen ! « Die Mirditin schaute ihn durchdringend an . » Du brauchst den Glauben Deines Kreuzes nicht zu verrathen , meineidiger Christ , « sagte sie finster , - » Dein Weg geht dorthin - der meine dahin ! Verlaß mich ! « » Fatinitza - höre mich ! « Er lag zu ihren Füßen . » Kannst Du vergessen , « unterbrach sie ihn mit finsterm Hohn , auf ihre zerrissenen Kleider deutend , - » Fatinitza , die man die Wölfin von Skadar nennt , und die eine Taube war gegen Dich , wird es nie ! Ein Mal verzieh ich Dir den Verrath , denn ich liebte Dich ! Jetzt hat meine Seele nur Haß für Dich und Deine Christenbrüder ! Sieh hin - nicht an den Kugeln der Meinen starben die Beiden , Fatinitza ' s Hand sandte sie zur Hölle , ihre Lippen tranken ihr Blut , wie sie geschworen beim Grabe ihrer Mutter in furchtbarer Stunde . - Geh ' ! - Vier leben noch - Du bist der Fünfte , und wir sehen uns wieder ! « Er schauderte unter ihrem Auge und barg das Gesicht in den Händen . Endlich erhob er sich - überzeugt , daß jedes seiner Worte vergeblich wäre . » So lebe denn wohl - Weib ohne Herz und ohne Vergebung - lebe wohl und möge Allah Dir gnädig sein , wie Gott meine Schuld mir an Dir vergeben möge . Ein Dämon hat mich in Deine Arme geführt , und ein Dämon , Du selbst , treibt mich von Dir . - In dem Vorderraum der Kula steht das Pferd des Arabers , - Nicolas Grivas ist kein Dieb an fremdem Eigenthum , - nimm es und kehre zu Deinem Vater zurück . In einer Stunde ist der Weg frei - ich werde sorgen , daß bis zu unserm Abzug Keiner den Thurm betritt , denn Bogdan , Dein Todfeind , ist unter den Meinen . « Sie sah ihn kalt und verächtlich an und deutete nach der Thür , - noch einen Blick warf er auf sie , dann entfloh er . Sie war wieder allein mit den Leichen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Allein war sie noch am Abend , als die ersten Sterne am Himmel zu funkeln begannen , denn Nicolas hatte sein Wort gehalten und jede Annäherung der Seinen an die blut- und fllichbeoeckte Kula verhindert . Ohnedies blieb den Griechen wenig Zeit dazu , denn der General Grivas setzte eilig den allgemeinen Rückzug nach Metzovo hin fort , wo er die Führer in Thessalien an sich zu ziehen und so verstärkt auf ' s Neue , den Türken die Spitze zu bieten hoffte , die ihn noch eine Strecke weit verfolgten . - - Von der Höhe der Kula hatte sie den Abzug der Griechen und der Ihren verfolgt . Mit jenem raschen Uebergang des Tages zur Nacht , den die südlichen Länder bieten , wölbte sich über ihr bereits der dunkle Himmelsdom mit tausend blitzenden Sternen . Sie führte das Roß des Arabers hinaus aus dem Thurm und über den Felsendamm , auf dem noch die Leichen der Ihren der bergenden Erde harrten , in ' s Freie . Dort stand sie , an die Kruppe des Pferdes gelehnt , und schaute hinauf in die helle schöne Nacht , gleich als suche sie da mit den großen brennenden Augen Trost und Frieden , und die stürmisch schwellende Brust saugte gierig die kühle Luft des Abends , die Orangen- und Myrthendüfte , die der Windhauch der Gebirge von den elysäischen Gärten herübertrug . Aber in dieser Brust blühte kein Paradies , schwarz und schwer wogte das Meer der Gedanken und Gefühle gleich dem acherontischen Strom , und in ihrem Herzen herrschten die Eumeniden , deren grauenvoller Altar einst wenig Meilen davon im pelasgischen Tempel von Paleassa , dem Paleste der Alten , an den acroceraunischen Küsten stand . Einsam war sie und allein - sie wußte wohl , daß keine Heimkehr war zu den Ihren und daß selbst die Liebe des Vaters ihr nicht verzeihen durfte gegen die Sitten des Volkes , die streng und unnachsichtlich jeden Fehltritt des Weibes mit dem Tode bestrafen . Einsam und allein - verrathen von dem Geliebten , alle dämonische Gluth - allen dämonischen Haß allein im Busen tragend - kein Wesen auf der weiten Welt , das jetzt zu ihr stand , der Verlassenen , das Theil nahm an ihrem Kampf . - - Und dennoch irrte sie sich ! - Was raschelte durch die Oleander- und Myrthenbüsche und kam daher in langen Sprüngen und kos ' te mit der lechzenden Zunge ihre Hand ? - Scheitan , der Molosserhund , die treue Dogge , die den Wolf ihr ersetzt hatte , den Nicolas Grivas im Kampf für den Blutbruder ihr erschlagen . Wenn der Albanese eine lange Reise antritt , wenn er auszieht , der Landsknecht des neunzehnten Jahrhunderts , der Schweizer des Morgenlandes , als Söldner zu dienen in den Corridors des Vatikans , im Schloß von Neapel , wie in den Serails von Bagdad , Cairo und Marocco , auf den Kreidewällen Malta ' s und in den Hallen der moldau-walachischen Bojaren , näht ihm sein Weib in seine Kleider einige Stücken von ihren eigenen Gewändern , so wie sie ihrerseits das , was ihrem Gatten am theuersten ist , bei sich behält . Diese Gegenstände hat sie immer unter den Augen , um daraus eine Vorbedeutung zu entnehmen . Bellt dann des Nachts ohne besondere Veranlassung sein Hund , so ist sie in bangster Sorge , denn sie weiß , daß er die Wehklagen seines Herrn erwiedert , der eben in der Sandwüste von Tunis oder Palmyra gefangen genommen , oder vielleicht gar ermordet wird ! Um die Mittagszeit des Tages hatte die Dogge , die im Castro von Janina bei der stummen Sclavin Aejischa zurückgelassen worden , ein jammervolles Geheul erhoben , wie die Hunde thun , die den Sterbenden wittern , und ihre Pfoten hatten an den verschlossenen Thüren gekratzt . Da hatten die Wache haltenden Arnauten , das Omen achtend , die Thüren geöffnet , und hinaus und davon in mächtigen Sprüngen schoß die Dogge . Als sie zu ihren Füßen sich schmiegte , mit jedem schmeichlerischen Zeichen der Treue und Anhänglichkeit , da wurde es zum ersten Male wieder warm um das Herz des wilden , verrathenen und geschändeten Mädchens , und sie beugte sich über den Hund und erwiederte seine Liebkosungen . Dann bestieg sie das Roß und ritt langsam , von der Dogge gefolgt , das Thal entlang in der Richtung , wohin ihre Krieger gezogen - - - - - - - - - - - - Die Truppen der Pascha ' s von Skadar und Janina hatten die Griechen noch eine kurze Strecke aus dem Wege nach Gozista und Metzovo hin verfolgt und sich dann nach Dervendzista zurückgezogen . Es war in der Nacht , als Fatinitza die Nähe des Dorfes erreichte , und an den weißen Gewändern erkannte sie , daß die Araber des Emirs die äußeren Posten hielten . Sie näherte sich dem Einen und auf seinen Anruf antwortete sie , ohne sich zu erkennen zu geben und verlangte , den Emir zu sprechen . - » Bist Du ein Kind des Propheten , « sagte der Araber , » so bleibe an jenem Feigenbaum und versuche nicht , Dich zu nähern , denn unsere Befehle sind streng . Der Emir wird in einer Stunde hier vorüberkommen , denn sein Haupt kennt den Schlaf nicht , wenn er auf den Fersen der Feinde ist und seine Seele ist traurig um den Verlust seiner geliebten Stute Eidunih . « » Ich kann sie ihm wiedergeben . « » Gesegnet sei alsdann Deine Hand . Aber bleibe , wo Du bist . « Die Mirditin verweilte , in ihren Mantel gehüllt , stumm an der angewiesenen Stelle . Nach einer Stunde erschien in der That Abdallah ben Zarugah , und als ihm der Araber verkündet , daß ein Bote in der Nähe , der ihm seine Stute zurückbringe , eilte er hastig dahin . Im ersten Augenblicke erkannte er Fatinitza nicht , die ihr Antlitz in ihrem zerrissenen Schleier nach türkischer Sitte verborgen , und die Freude über das Wiederfinden seines geliebten Pferdes beherrschte ihn ganz . » Du gehörst sicher zu den guten Geistern dieses Landes , Frau , « sagte er , » daß Du mir zurückgiebst , was ich verloren glaubte für immer . Wie kann Abdallah Dir danken dafür ? « » Sage mir , Sohn der Wüste , « entgegnete leise Fatinitza , » wie es Selim-Bey , meinem Vater ergeht ? « » Fatinitza ? ! « rief der Krieger erstaunt , denn auch er hatte mit den Andern in der Ferne die Gestalt Aphanasia ' s , der Frau des Primaten , unter den abziehenden Griechen für Fatinitza gehalten . » Still , Araber - der Name sei todt für Deine Lippen . Ich gab Dir Dein Pferd , beantworte meine Frage . « » Unglückliche , « sagte der junge Mann , » ein Zauber hat Deine Sinne verwirrt und Dich in die Arme der Christen geführt . Dein Vater ist zwar noch am Leben , aber tödtlich verwundet von jenem unglücklichen Sturz . Wir haben ihn nach Janina gebracht und ihn einem weisen Helim übergeben . Aber er hat einen Eid gethan bei seinem Bart , daß sein Auge die Reuige nicht wieder schauen will . « Das Mädchen lachte grell aus . - » Die Reuige ? - Kennt Selim-Bey die Tochter seines Fleisches so wenig ? - Ich erwartete den Fluch meines Vaters und dennoch hätte Selim nicht also handeln sollen an seinem Blut . Lebe wohl , Araber , und wenn Du den Pascha noch lebend wiedersiehst - sage ihm : Fatinitza , die Wölfin von Skadar , Selim ' s Tochter , habe das Toskenblut ihrer Mutter in den Adern und werde leben , um sich und ihn zu rächen . « Sie wandte sich zu gehen , doch der Araber hielt sie am Mantel zurück . Der Herabfallende zeigte im Mondlicht das Mädchen im Männergewand der griechischen Krieger ; die Todten in und vor der Palanka hatten ihr Kleidung und Waffen zur Genüge geliefert . » Harre noch einen Augenblick , « sagte der Emir . » Kann Abdallah ben Zarngah Etwas thun für Dich ? Sein Herz ist bei Deinem Unglück . « Sie nickte verneinend2 , dann , sich besinnend , deutete sie auf den Hund . » Nimm Scheitan zu Dir , « sagte sie , » und bewahre ihn mir , bis ich ihn fordern lasse . Er ist treu , aber mir hinderlich auf dem Weg , den ich jetzt gehe . Werdet Ihr die Christen verfolgen ? « » Wir erwarten die großen Büchsen von Janina , « berichtete der Emir . » Wenn die Sonne zum zweiten Mal über jene Berge kommt , werden wir auf ihren Fersen sein . Nimm diesen Ring , Mädchen , er ist geweiht an der schwarzen Kaba von Mekka und ein Kleinod der Zarugah . Wenn Du ihn Einem meines Stammes zeigst , wird er Dir beistehen bis zum Tode . « Sie nahm den Ring . » Lebe wohl ! « - als er von dem letzten Gruß wieder empor schaute , war sie verschwunden . - Am nächsten Mittag stand Grivas mit seiner stark geschmolzenen Schaar , die kaum noch Zweitausend zählte , vor den Thoren Metzovo ' s. Hier hatte nach längerem Streit der türkisch und griechisch gesinnten Partei die letztere die Oberhand behalten und öffnete dem General die Thore , der sich alsbald zum Oberherrn der Stadt machte und der Bevölkerung eine Steuer von 200,000 Piastern ( 10,000 Thlr . ) auferlegte , die auch willig bezahlt wurde . Die größern Opfer jedoch , die Grivas nach zwei Tagen ihnen für die Sache des Freiheits-Kampfes ansann , indem er von den Notabilitäten und Reichen der Stadt die Darbringung ihrer silbernen und goldenen Luxusgegenstände als freiwillige Gabe verlangte , erregten Unzufriedenheit unter den Bewohnern . Unterdeß rückte Abdi-Pascha auf die Nachricht von der Besetzung Metzovo ' s mit frischen Truppen und einer ziemlich zahlreichen Artillerie gegen die Stadt , und die Uneinigkeit unter den griechischen Führern sowohl in Albanien als Thessalien ließ sie den General nicht in der Behauptung dieses Knotenpunktes der Straßen nach dem Epirus , Macedonien und Thessalien unterstützen . Am 18. April kam es vor Metzovo zu einem harten Treffen und Grivas wurde vollständig geworfen und gewann kaum Zeit , sich nach der Stadt zurückzuziehen , der für den nächsten Tag schon ein ernster Angriff drohte . Der General sah ein , daß er sich hier nicht länger zu halten vermöge , und er beschloß die Verwüstung der bisher blühenden und wohlhabenden Stadt und den Rückzug gegen die Quellen , des Asprospotamos - des Achelaus der Alten , und Radartzi . Es war am Abend des Schlachttages , als der General in den Straßen der Stadt das Schicksal derselben und den Befehl verkünden ließ , daß die Einwohner sich in der Hauptkirche versammeln sollten , die zugleich zur Aufnahme der Verwundeten , über 200 an der Zahl , gedient hatte . In Zeit von einer Stunde waren mehr als 4000 Personen in der Kirche und deren Umgebung versammelt , mit bleichen , angsterfüllten Gesichtern des Kommenden harrend . In der Kapelle der Kirche , auf den Stufen des Altars lag in den Armen einer Frau ein schwer verwundeter Krieger , Anastasius Caraiskakis , der tapfere Capitano des Postens am Kloster der armen Heiligen . Eine Kanonenkugel hatte ihm im Treffen des Tages das Bein unter dem Knie zerschmettert und bei dem Mangel an ärztlicher Hilfe war die Amputation des Beines , die allein ihn hätte retten können , unterblieben . In seiner Nähe lagen zwei der tapfern und wilden Maini ' s die den Thurm von Protopapas vertheidigt : Hassan Stavro und Georg Mauromichalis , und im Kreise umstanden ihn seine tapfern Kämpfer , an seiner Seite Grivas und der junge Czernagorze , der mit Löwenmuth die Schlacht mitgeschlagen . Kummer und Schmerz lag auf dem strengen Antlitz des Führers , als er sich niederbeugte zu dem verwundeten Neffen . » Deine Krieger , Anastasius , « sagte er leise , » haben mich um die Erlaubniß gebeten , Dich auf ihren Schultern mit sich fortzutragen beim Aufbruch . « » Wozu ? « fragte ruhig der Kranke , » hast Du Thiere und Karren genug aufgetrieben , um alle unsere verwundeten Brüder mit mir fortzuführen ? « » Du weißt , daß es unmöglich ist ; nicht den zehnten Theil Derer , die uns nicht selbst folgen können , vermag ich fortzuschaffen . Unser Rückzug muß eilig sein und in spätestens zwei Stunden beginnen . « » Du kennst alsdann , was wir beschlossen , « sagte der Verwundete ernst , » und Du wärest nicht würdig , der Führer freier Männer zu sein , wenn Du schwanken wolltest in diesem Entschluß , weil Anastasius Caraiskakis Dein Neffe unter denen ist , welche Euch vorangehen . « Der General schaute ihn schmerzlich an . » Dein Bruder Nicolas hat mich verlassen , nachdem die Jungfrau ihn uns kaum zurückgegeben . Er weigerte sich , zu kämpfen in unsern Reihen und ich ließ ihn ziehen . Du bist der Letzte meiner Anverwandten , der stets zu mir gestanden , und ich kann Dich nicht missen . Es ist noch Rettung für Dich , wenn wir den fränkischen Arzt erreichen , der den Capitano Chatzi begleitet . « » Kann ich gehen ? « fragte der Kranke . » Nein . « » Ist ein Krieger des Kreuzes besser denn der Andere ? « » Nein - aber « » Willst Du mich lebend in die Hände der Moslems fallen lassen , die ihre Schmach von Protapapas zu rächen haben ? « » Bei der Panagia - eher will ich selbst sterben . « » So geh ' , Oheim Grivas , und thue , was wir beschlossen . Diese elenden Feiglinge von Metzovo , die , wenn sie und die verrätherische Schaar von Hadschi-Petros tapfer zu uns gehalten , uns den Sieg verschafft hätten , mögen wenigstens die Mittel geben , den heiligen Kampf des Kreuzes fortzuführen . Geh ! « Der General erhob sich ; in den Falten seiner Stirn lag jener kalte Entschluß , der vor Nichts mehr zurückbebt und dem ebenso die richtende Stimme der Mitwelt gleichgültig ist . In der That haben auch selbst die griechischen Zeitungen3 für die nachfolgend beschriebenen Handlungen - die wir keineswegs auch nur entschuldigen wollen , die aber eine furchtbare Nothwendigkeit veranlaßte - den General auf alle Weise angegriffen und herabzuziehen gesucht , wie viel mehr erst die westmächtliche Presse ! Der General trat in die Kirche auf die Stufen des Hochaltars , nachdem er einigen Capitani ' s Befehle gegeben . Ohne daß sie es merkte , wurde die in und vor der Kirche versammelte Menschenmasse von einer Chaine der griechischen Krieger umgeben . Mit wenigen Worten verkündete Grivas den ängstlich harrenden Einwohnern , daß er in zwei Stunden die Stadt verlassen werde , daß es aber seine Sicherheit erfordere , diese zum Theil zu zerstören . Dabei wiederholte er das Verlangen der Auslieferung alles Goldes und Silbers , da der Kampf für die Freiheit ein solches Opfer auf dem Altar des Vaterlandes fordere . Zugleich wurden Tücher und Teppiche auf den Stufen ausgebreitet zur Empfangnahme dieser Gaben . Dennoch flossen diese nur spärlich . Da , auf einen Wink des Generals , begannen die Klephten die Kirche zu räumen , indem sie die unglücklichen Einwohner , die natürlich bei der Nachricht von der drohenden Zerstörung der Stadt Alles , was sie an werthvollem , tragbarem Eigenthume besaßen , mit sich genommen , in kleinen Abtheilungen herausholten , sie alles Schmucks und aller Gold- und Silbersachen beraubten , und sie dann in die Stadt jagten , unbekümmert um das Zetergeschrei , das diese Gewaltthat verursachte . Die Beute war ungeheuer . Bei der Fingerfertigkeit und Uebung der räuberischen Klephten war dieser erste - wir möchten sagen merkantile - Akt des furchtbaren Drama ' s in einer Stunde abgespielt . Dann begann der zweite , blutige . In vollen Pontifikalibus , mit den Diakonen voran , bleich und zitternd vor dem schrecklichen Auftrag , der ihm geworden , aber gezwungen von den ihn mit den geladenen Gewehren umgebenden Kriegern , trat der Bischof von Metzovo aus der Sacristei und schritt zum Hochaltar . Hinter ihm drein wurden der verwundete Caraiskatis und die beiden Mainoten getragen und auf die Stufen zwischen die Haufen von Kostbarkeiten niedergelegt . Eine lautlose Stille trat ein , dann sprach der General mit fester tiefer Stimme : » Brüder des Kreuzes , die heute mit mir in der Schlacht gestanden gegen die ewig verfluchten Moslems , und verwundet in diesen Hallen liegen , ich fordere alle Die auf , die Kraft genug in sich fühlen , unserem Ausmarsch sich anzuschließen , ohne uns hinderlich zu werden , jetzt die Kirche zu verlassen und an das Thor von Larissa sich zu begeben . « Mehrere , die leichter verwundet , oder von einer bangen Ahnung getrieben waren , erhoben sich und schwankten den Thüren zu . Die Reihen öffneten sich vor ihnen , ohne ihnen Hilfe zu leisten ; Einhundertfünfundsechszig Verwundete blieben zurück . Auf einen Wink des Generals wurden sie sämtlich im Halbkreis um den Hochaltar gelegt . Dann begann der Bischof eine Messe zu lesen . - Viele schauten sich befremdet an - es war eine Todtenmesse . Mit feierlicher leiser Stimme sprach der Geistliche ein ehrwürdiger Greis im Silberhaar mit langem weißem Bart , am Schluß den Segen über die Versammlung . » Brüder ! « sagte hierauf der General mit dumpfer zitternder Stimme , » unsere Zeit ist gekommen ! Es ist unmöglich , Euch fortzuschaffen - mit blutendem Herzen verkünde ich ' s Euch - Ihr müßt hier zurückbleiben . « Ein tiefes schmerzliches Aechzen ging durch die traurige Versammlung . » Wollt Ihr den Feinden Eures Glaubens , den Tyrannen Eures Vaterlandes lebendig in die Hände fallen ? « » Nimmermehr ! « rief mit festem Tone Caraiskakis . » Niemals ! « wiederholten die beiden Mainoten an seiner Seite und » Niemals ! « klang es von verschiedenen Seiten . » Was wollt Ihr dann ? - sprecht - meine Augenblicke sind gezählt ! « » Den Tod ! - Den Tod von Bruderhand ! - Den Tod für die Freiheit statt der Martern der Barbaren ! « Keine Stimme wagte den festen stolzen Worten des sterbenden Capitani ' s zu widersprechen , - der Stolz des Kriegers unterdrückte bei Vielen die bleiche Furcht . » So sei es denn , und mögen Euch Gott und die Jungfrau gnädig sein und Eure unsterblichen Seelen in das Himmelreich aufnehmen . Amen ! « Und wiederum winkte er mit abgewandtem Gesicht dem Bischof und der Greis stieg herab , das Allerheiligste in der Hand , und begann mit seinen Diakonen die Reihen der Blutenden zu durchwandeln und ihnen die Sterbesakramente auszutheilen . An der Seite seines Neffen kniete der General , Abschied von ihm zu nehmen für dieses Leben . An dessen andern Seite war Aphanasia , die Griechin , bleich und ruhig , die Hand des dem Tode sich weihenden Helden in der ihren . Mit Befremden blickte der General sie an , als sie nach dem Freunde gleichfalls die Hostie aus der Hand des Priesters empfing und ihre Lippen das heilige Blut berührten . » Was thust Du , Frau ? es ist Zeit , daß Du scheidest von dieser furchtbaren Scene . Entferne Dich - ich werde für Deinen Schutz Sorge tragen . « Die Frau sah ihn trübe lächelnd an . » Das heilige Sakrament , « sagte sie ruhig und ernst , » das uns einst für das Leben vereinigen sollte hat uns wenigstens zum Tode verbunden . Trenne die nicht nochmals von dem Manne ihrer Liebe , Grausamer , die Du von dem Manne ihrer Pflicht getrennt hast . Aphanasia Delanyi hat keine Wahl mehr , als zu sterben mit Anastasius Caraiskakis ! « » Wahnsinnige - denkst Du nicht an Dein Kind ? « » Du nahmst ihm den Vater - möge es auch die Mutter vergessen lernen . Bring ' es an meiner statt den Meinen und möge die Jungfrau es segnen . « » Vertraue mir das Mädchen , Frau , « sagte eine jugendliche Stimme an ihrer Seite , » ich werde es schützen mit meinem Leben , wie ich es auf dem Wege hierher geschützt . « Es war Bogdan , der junge Czernagorze , der gesprochen und die unglückliche Griechenfrau nahm eine Perlenschnur von ihrem Hals und reichte sie ihm . » Gieb sie dem Kinde und Gott lohne Dir , was Du an der doppelten Waise thust , denn ihr Erzeuger liegt unter den Todten vor der Palanka von Protopapas , wie ich vernommen habe . « » Bei dem Haupte meines Vaters , das auf den Wällen von Skadar bleicht , « schwor der junge Mann , » Dein Kind soll einst das Weib des Hauptes der Martinowitsch werden , wenn mein Haus ihr genügt ! « Die Griechin nickte ihm freundlich zu und schloß den kranken Freund dann in ihre Arme , sich und ihn mit dem Chlamis umhüllend , und deutete dann nach dem Bischof . » Unsere Zeit ist gekommen , « sagte sie , » mögen die Heiligen für Euch bitten , wie sie es für uns thun . « Der greise Bischof wankte zurück nach der Sacristei , nochmals stehend die Hände gegen den General ausstreckend . Vergeblich ! » Lebe wohl , Anastasius ! lebt wohl , meine Brüder ! « Noch ein Mal stürzte er an seine blutende Brust , dann riß er sich empor . Die dunklen Schatten der Nacht hatten sich während der heiligen Handlung auf das Gewölbe gesenkt , nur die ewige Lampe brannte in ihren silbernen Ketten und von dem Hochaltar leuchteten matt die heiligen Kerzen . Dicht zusammen gedrängt in Gruppen hatten sich die dem Tode Geweihten . » Griechenbrüder , « fragte die helle Stimme des verwundeten Capitani ' s , » seid Ihr bereit ? « » Wir sind es ! « - Die Worte klangen dumpf und hohl . » Heilige Jungfrau , erbarme Dich unser ! Kreuz und Griechenland - Feuer ! « Die Salve der Klephten donnerte durch das Gewölbe der Kirche und zersprengte die Fenster - drei Mal wiederholte sie sich - dann ward Alles still - der letzte Schrei des irdischen Schmerzes war verstummt - einhundertsechsundsechszig Leichen mit der todten , ihrer Liebe gestorbenen Frau deckten die Marmorfließen der Kirche von Metzovo4 . - Längst hatte der General sie verlassen und die wilden Klephten , die sich vom Tode seiner Opfer überzeugt , waren ihm gefolgt . Aus dem Pulverdampf , der das weite Gewölbe erfüllte , schlich eine einzelne Gestalt vom Altare her , ein junger Krieger in griechischer Tracht mit krausem entstellenden Bart , die Flinte in der Hand . - Die ewige Lampe warf ihren falben Schein auf ihn , als er unter ihr hinschlüpfte , und wurde zurückgespiegelt von dem blitzenden dunklen Auge . - Seine Lippen waren roth von Blut . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Das brennende Metzovo leuchtete dem Rückzug des griechischen Generals - viele Bewohner der unglücklichen Stadt , die Rache der siegenden Türken fürchtend , die entsetzlich wütheten in den christlichen Phistans des Gebirges , hatten sich ihm angeschlossen . Ein griechischer Krieger , am Fuß verwundet und außerdem den rechten Arm in ein Tuch gebunden , war zurückgeblieben von dem Hauptzug und schwankte , auf die Schulter eines jungen Kameraden gestützt , langsam hinterdrein . Schon am Thor von Metzovo hatte dieser sich zu ihm gefunden und ihn hilfreich unterstützt . Es war derselbe , der zuletzt die Kirche verlassen . Das Gehen hatte die Schmerzen der Wunde arger gemacht , nur langsam kam das Paar vorwärts . Dennoch verließ der menschenfreundliche Helfer den verwundeten Mainoten nicht . » Bei der Panagia , « schwor dieser , » ich wollte , ich läge bei den erschossenen Brüdern in der Kirche von Metzovo , so sehr schmerzt mein Bein und so sauer wird mir der Weg . Die Heiligen mögen Deine Hilfe lohnen , Panagotti Zanetacchi aber wird ewig Dein Freund sein . « » Gieb mir Deine Waffen - sie belasten Dich , « sagte der Andere . Zugleich nahm er ihm die Flinte ab und hing sie um , ebenso die Pistole und den Handjar . Wiederum wandelte das Paar längere Zeit dahin , nur von den einzelnen Schmerzenslauten des Verwundeten ward das Schweigen unterbrochen . » Wohin führst Du mich ? - wir sind von der großen Straße abgekommen und keiner der Nachzügler ist mehr zu sehen . Wir werden den Türken in die Hände fallen . « » Ich bin in diesen Gebirgen zu Hause , tapferer Maini , und dieser Pfad kürzet die große Straße und führt über jenen Höhen uns wieder mit dem General zusammen . Stütze Dich auf mich . « Eine halbe Stunde waren sie gewandert , dann warf der Mainote sich erschöpft auf den Boden . » Du thust wohl daran , es ist Zeit , daß Du ausruhst . « Der Mond schien hell auf den Berghang zwischen den dichten Büschen von Thymian , wildem Wein und Oleander - durch eine Oeffnung leuchtete in der Ferne noch immer das brennende Metzovo . » Bis hierher , « sagte der Führer . » Es ist Zeit , zu enden . « » Wie meinst Du das ? - Willst Du mich hier verlassen ? « » Nicht ich , Mainote - aber Du mich . « » Ich verstehe Dich nicht . Gieb meine Waffen zurück ! « Der Führer lachte hell auf , dann schleuderte er behende Flinte und Handjar in die dichten Büsche und trat , die Pistole in der Hand , vor den Erschrockenen , der sich auf den gesunden Arm aufrichtete . » Kennst Du mich ? « » Wer bist Du ? - sprich - bin ich in die Hände eines Verräthers gefallen ? « Wieder lachte der vermeintliche Grieche höhnisch auf , dann riß er mit einem Griff sich den falschen Bart voll Lippen und Wangen , den Feß vom Haupt , und die schwarzen Flechten eines Weibes rollten hernieder , Fatinitza ' s dunkle dämonische Augen blitzten schadenfroh den verwundeten Krieger an . » Weib -