während weder die eine noch der andere dort existirt . Die Häfen sind beide längst nur Handelshäfen und zwar ist der eine - der frühere Kriegshafen - der jetzige Pratika- oder Freihafen , welcher die Handelsschiffe nach überstandener Quarantaine aufnimmt , der andere der Quarantainehafen . Beide werden nur von sechs Batterieen geschützt ; im Uebrigen ist Odessa eine ganz offene Handelsstadt . 5 Es ist Thatsache , daß während des Donaufeldzugs von den Häuptern der revolutionairen Propaganda der russischen Regierung ein solcher Vorschlag gemacht wurde , aber an der Abweisung des Kaisers scheiterte . 6 Dasselbe Schiff , das am 12. Mai in der Nähe von Odjessa auf den Strand gerieth und im Kampfe von den herbeigeeilten russischen Batterieen trotz der Hilfe zweier heranfahrender großer Schiffe gezwungen wurde , die Flagge zu streichen und sich zu ergeben . Nachdem die Mannschaft gelandet , wurde es in Brand geschossen . 7 Baron von Osten-Sacken begrüßte bei der Rückkehr den Tapfern als Ritter des Militair-Verdienstordens . Der Kaiser beförderte ihn zum Stabs-Capitain und die Batterie , die er so tapfer koimmandirt , erhielt seinen Namen . 8 Die Franzosen nennen gewöhnlich ihre Schiffe mit dem männlichen Artikel , die Engländer mit dem weiblichen . Aug ' um Auge , Zahn um Zahn ! Wir kehren zurück in die Kula von Protopapas . Ein grauenhafter - schrecklicher Kampf hatte sich dort entsponnen , um so schrecklicher , als er schweigend von beiden Theilen geführt wurde , und der einzige Zeuge , außer Gott - stumm war . Der riesige Klephte warf sich auf die Türkin - den ersten ungehört verhallenden Auffschrei der weiblichen Angst , - den Ruf : » Nicolas , herbei ! « benutzte er , um den seidenen Knebel ihr zwischen die Zähne zu pressen . Von dem Augenblicke an sprachen nur ihre Augen - eine furchtbare , jeden Anderen , als den wilden Sohn des Taygetos entsetzende Sprache . Der Kampf des gefesselten Mädchens , während die rohe Hand des Maini ' s ihre Kleider in Stücken riß , war lang - schrecklich ! Die Brust keuchte in dem vergeblichen Widerstand unter der riesigen Kraft des Mannes , verdoppelt durch die wilde Erregung aller Nerven und Sehnen . Dann unterlag sie endlich - ruhig , still - mit der Gleichgültigkeit der Verzweiflung . Nur in den dunkeln , krampfhaft starren Augen lag es wie ein furchtbarer Schwur . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Zu den fünf Gefährten , die mit ihren Yatagans das Grab des erschossenen Maini ' s gruben , trat Demetri-Bey und nickte schweigend mit grauenhaft frechem Blick an Georg Zanet , indem er ihm den Yatagan aus der Hand nahm und selbst zu schaufeln begann . Der Mainot George Zanet hatte eilf Augen geworfen , er ging nach der Kula . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Nach Georg Zanet kam Hassan Stavro - acht Würfelaugen ! Ihm folgte der Vetter des Erschlagenen - Constantin Comodouro - Sechs ! Ohne ein Wort zu sprechen , lösten sich die sechs Mainoten an der Gruft ab . Als der Letzte - Panagotti Zanetacchi - zurückkehrte , war das Grab fertig . Jetzt entfernten sich Alle Sechs nach dem Thurm , den Todten zu holen . Sie warfen keinen Blick nach dem Opfer der furchtbaren Rache , sondern faßten stumm den Körper und trugen ihn hinaus . An der Wand lag die Türkin , der Knebel war längst aus dem Munde gefallen - aber kein Laut hatte mehr die grimmige Resignation unterbrochen , mit der sie nach dem erschöpfenden Kampf Alles geduldet . Gleich einer Todten lag sie da - das Auge geschlossen , geisterhafte Blässe auf dem Antlitz , und ihr langes , dunkles Haar floß wirr auf den Boden . Die mitleidigere Hand des Letzten hatte die leichte Decke ihres Mantels über die Unglückliche geworfen - darunter lag sie und nur ein krampfhaftes Zucken , das von Zeit zu Zeit über ihre Glieder schauerte , verkündete das Leben in der sonst regungslosen Gestalt . Mit demselben eintönigen Gesang , der den Tod des Kriegers begleitet , begannen sie jetzt ihn in sein Grab zu legen . Da scholl der Ruf des Generals von der Platform des Thurmes und Nicolas Grivas sprang von seinem Posten auf der Höhe des Walles herunter in die Umringung . In demselben Augenblicke zischte es durch die Luft und prasselte es zwischen die Erde und die Steine des Walls und die einschlagende Kugel streute sie weit umher . Ein schwerer Stein traf die Leiche , gleich dem rächenden Donnerstrahl des Himmels , und warf sie aus den Händen der Träger kopfüber in das Grab . Alle Sechs waren von leichten Splittern leicht verwundet , - Schrammen nur , - wenige Blutstropfen , die kein Mann achtet , am Wenigsten der wilde Krieger der Maina . Doch - sie waren gezeichnet ! » Zu den Waffen , Kameraden , an Eure Posten ! « befahl der General , von der Stiege des Thurmes herabeilend . » Die Feuer angezündet und dann deckt Euch hinter den Wällen . « Zwei schon vorher bereitete Feuer von Reisig und Geröhr im Innern des Zuganges und möglichst gedeckt , qualmten alsbald empor . Um dieselbe lagen Bündel von trockenen Zweigen , Laub , Binsen , Gras , mit Streifen leichten Zeuges durchwunden , in welche der Mantel und Schleier der Verkleidung des jungen Griechen zerrissen worden war . Kugel auf Kugel schlug jetzt in kurzen Pausen an Thurm und Wall und endlich , als die Artilleristen das Ziel gefunden , in die Stein- und Holzbarrikade des Einganges . Den Vertheidigern der Palanka schadeten die Kugeln wenig , sie lagen theils im Thurm versteckt , theils wohl geschützt hinter dem Wall ; die Wachen aus den Schießscharten des Thurmes beobachteten ungefährdet die Gegner . Die Kanonade hatte eine halbe Stunde gedauert und die Barrikade des Einganges am klaffenden Felsenspalt war jetzt zerrissen . Dann schwieg das Feuer und von der Höhe des Thurmes tönte der Ruf der Wache : » Sie kommen . « Die Griechen sprangen empor aus ihren Verstecks und sammelten sich um den Führer , der bereits Jedem seinen Antheil am Kampfe bezeichnet hatte . Nur Einer - Panagotti Zanetacchi - wurde als Wache auf den Thurm zurückgesandt , die Anderen machten sich zum Kampf bereit , Jeder untersuchte sorgfältig das Schloß seiner Flinte und der langen Pistolen und lüftete den Handjar . Frische Reisigbündel wurden auf die Feuer gelegt , die anderen näher zur Gluth geschoben ; dann nahm Jeder seinen Posten am Wall ein , so gut gedeckt als möglich und doch mit freiem Blick auf den nahenden Feind . Und er kam heran - diesmal waren es die Arnauten Selim-Bey ' s , geführt in Stelle des Pascha ' s , von Abdallah , dem jungen Emir . Auf dem Felsenwall und zu beiden Seiten desselben drängte es wieder heran in dichten bunten Haufen , jeder Mann vor sich ein oder zwei große Reisigbündel tragend , die seinem Körper zugleich Schutz gewährten gegen die Kugeln der Griechen . Aber die Kugeln der Mainoten blieben aus ; der General hatte ihnen streng befohlen , den Schuß zu sparen , bis der Feind in größter Nähe und jede Kugel ihres Zieles sicher war . Als die Anrückenden etwa die Hälfte des Dammes zurückgelegt hatten , gab der Emir , den Säbel schwingend , mit dem arabischen Kampfruf : » Allah Akhbar ! « das Signal zum Angriff und die ganze Masse , etwa Dreihundert an der Zahl , von denen die Hälfte in dichten Gliedern den Damm einnahm , stürzte in wildem Lauf vorwärts . Sie waren zwanzig Schritt vom Felsspalt , als die Büchse des Generals das Zeichen zur Salve gab . Fast gleichzeitig knallten die sechs Flinten und die Kugeln warfen die Vordersten zu Boden oder hinab vom Felskamm auf ihre Kameraden . Einige Kugeln hatten in dem dichtgedrängten Haufen Mehrere verwundet , - keine gefehlt , aber die Arnauten hielten sich nicht auf mit einer Erwiderung des Feuers , sondern stürzten mit jener Todesverachtung vorwärts , die den Moslem auszeichnet . Ueber Todte und Verwundete drängten die Krieger zum Rande des Felsenspaltes , auf dessen Grund zu beiden Seiten bereits die Kameraden ihre Reisigbündel emporthürmten . Zugleich warfen sie die ihren in den Grund , und viele Leiber , von den Pistolenkugeln der Mainoten in dieser Nähe durchbohrt , halfen den Spalt füllen . In wenig Augenblicken war die Füllung bis auf einen Nest von Mannshöhe geschehen , und die wilden Krieger stürzten sich , von den Folgenden gedrängt , reihenweise hinab und begannen an der anderen Wand empor zu klimmen , an den Zacken des Gesteins sich haltend oder Einer auf des Andern Schultern . In der Bresche standen jetzt Grivas , sein Neffe und drei der Maini ' s , mit dem Säbel , der Kolbe und dem Yatagan die Heraufstürmenden abwehrend , während die beiden anderen Mainoten fortwährend die Pistolen luden , und Panagotti Schuß auf Schuß von der Höhe des Thurmes in den dichten Haufen sandte . Das Allahgeschrei , der Kampfesruf der Anstürmenden war furchtbar , sinnebetäubend ; schweigend - jeden Athemzug zu einer Kraftanstrengung sparend , kämpften die Griechen . Herüber , hinüber knatterten die Pistolenschüsse , die Gegner schauten einander in ' s Weiße der Augen ! Und immer höher thürmte sich die Füllung des Spaltes , Reihe auf Reihe stürzte sich hinab und klomm empor , und für den zerhauenen Schädel , die vom Arm getrennte Faust , die zerschossene Brust , drängten zehn Andere empor ! » Allah Akhbar ! Zum Kampf ! Zum Kampf ! « Der wilde Ruf des Führers spornte sie zu immer neuen Anstrengungen . Die Griechen waren sämtlich verwundet bis auf den jungen Grivas , der vergeblich im Handgemenge den Tod zu suchen schien - ihn floh der finstere Gesell mit jener schneidenden Koketterie des Grabes , das den Begehrenden von sich stößt . Demetri-Bey lag , zum Tode getroffen , am Boden ; Georg Zanet kämpfte , an den Wall gelehnt , aus zwei Wunden Ströme von Blut vergießend , gleich dem sein Ende fühlenden Eber . Zwölf Augen ! - Eilf Augen ! Ein Teufel schüttelt die Würfel ! - Da erscholl über das Toben des Kampfes hin ein schneidender Pfiff des Generals , der im Handgemenge wie jeder seiner Krieger focht . Die beiden Schützen am Wall sprangen zu den Feuern und rissen die flammenden Bündel heraus , mit dem Fuße neue hinein schleudernd . Wie qualmende rauchende Ballen flogen sie im nächsten Augenblick hinunter in die Masse der stürmenden Türken . Die leichten Gewänder erfaßten die sprühenden Funken - die Stürzenden theilten das Feuer den aufgehäuften Faschinen , der Bekleidung der Erschlagenen mit - und von der Hand der Mainoten flog Bund auf Bund , in Flammen gehüllt , hinab in den Menschenknäuel . Ein furchtbares Geschrei stieg zum blauen wolkenlosen Himmel , eine Mauer von Rauch und Qualm wälzte sich aus der Felsspalte empor - in sie zurück warfen die Kolbenschläge und Yataganshiebe der Mainoten die verzweifelnd Emporklimmenden . Noch wenige furchtbare Augenblicke , dann verstummte der Kampfruf vor dem wahnsinnigen Geschrei des Schmerzes und die Arnauten wandten sich auf allen Seiten zur wilden Flucht . Vergebens waren alle Anstrengungen des jungen Führers . Die Flucht der orientalischen Völker ist nie zum Stehen zu bringen . Sie fühlten sich erst sicher im Schutz ihrer Kanonen ; - zahlreich waren die Opfer an Todten und Verwundeten . Acht Griechen hatten den Sturm von dreihundert tapfern Kriegern abgeschlagen , die Palanka seit neun Stunden vertheidigt . Hätten jetzt die Moslems auf die zum Tode Erschöpften einen neuen Sturm mit den frischen Kräften gewagt , die ihnen zu Gebote standen , so wäre der Sieg ihnen sicher gewesen . Doch mit jener Langsamkeit , welche sie charakterisirt , mußten sie erst den erhaltenen Schlag überwinden und sich auf ' s Neue vorbereiten . - Sehnsüchtig wandte General Grivas vor der Höhe der Kula den Blick nach Westen , wo seine fernen Tapfern gestanden und gefochten . Der Geschützdonner hatte aufgehört und die Befürchtung lag schwer auf seiner Seele , daß der Angriff der Türken seine Schaar zersprengt habe . Zum Wahrzeichen und als trotzige Herausforderung seiner Gegner ließ der General zugleich an einer Stange auf der Brüstung des Thurmes eine aus Stücken von Bekleidung der Gefallenen roh gebildete blaue Fahne aufstecken , an welche die Mainoten von Fetzen der Fustanellen die Form des griechischen Kreuzes geheftet hatten . Ein wildes Geschrei der Türken und das wiederholte Feuern aus ihren Kanonen antwortete dieser Herausforderung . - - In dem den Kugeln am wenigsten ausgesetzten Gefängniß Fatinitza ' s hatten Demetri-Bey und Georg Zanet , Beide schwer verwundet , die Stelle des jetzt begrabenen Andunah eingenommen . Die Hilfe , die ihre Kameraden ihnen leisten konnten , war gering , der Krug mit Wasser , den die Maini ' s am Abend von der Quelle im Thalgrunde geholt , längst erschöpft , und doch ist der Durst nach Wasser bekanntlich gerade das , was die Verwundeten am meisten quält . Der Wall war von den Kugeln der Türken jetzt so demolirt , daß an ein Halten desselben nicht mehr zu denken war , und Grivas vereinigte seine verringerten Streitkräfte in dem zweiten Stockwerk und auf dem flachen Dach der Kula , nachdem die Steine und Balken , welche zur Barrikadirung des Wallzugangs gedient hatten , zur Befestigung der schmalen Pforte verwendet worden , welche in das Innere des Thurmes führte und die zum Glück durch ihre Seitenrichtung nicht den Kugeln der Geschütze ausgesetzt war . Zu wiederholten Malen hatte es Nicolas Grivas versucht , sich zu dem verrathenen Türkenmädchen zu begeben , doch immer wieder war er am Eingange zurückgekehrt , von dem niederdrückenden Gefühl seines Verraths und dem Gedanken an ihre verächtliche Behandlung zurückgetrieben . Fatinitza , von dem Kampfgetöse aus ihrer Erstarrung erweckt , saß jetzt , den Mantel um sich gezogen , aufrecht an der Mauer . Ihr Antlitz war noch immer todtenbleich , doch ihre Züge waren jetzt finster und entschlossen , gleich aus Marmor gehauen wie die der Medeia ! Die dunklen Augen , starr und unbeweglich auf die beiden verwundeten Maini ' s gerichtet , funkelten und glühten doch in dämonischem Feuer . So saß sie bereits stundenlang , ohne sich zu rühren , und die wilden Söhne des Taygetos schauderten vor dem Auge des geschändeten Türkenmädchens und kehrten ihr Gesicht nach der Wand des Thurmes , um ruhiger zu sterben . Es war am Nachmittag gegen vier Uhr , als über die Berge von Westen her von Neuem der ferne Donner groben Geschützes an das Ohr der Mainoten schlug - bald darauf konnten sie selbst die Salven des Kleingewehrs undeutlich hören . Zugleich sahen sie , daß die Türkeit vor ihnen sich zu einem neuen Angriff rüsteten . Der General versammelte die fünf noch kampffähigen Vertheidiger um sich . - » Kameraden , Brüder des heiligen Kreuzes « , sagte er , » unsere Freunde sind uns nahe , ob Sieger oder geschlagen , wir wissen es nicht , aber wir werden uns mit ihnen vereinen können , wenn es uns gelingt , die Fahne dort oben aufrecht gegen den Sturm zu erhalten , der uns droht . Unsere Bedränger werden dann genug zu thun haben , sich selbst zu wehren . Laßt uns daher den Thurm vertheidigen bis zum letzten Blutstropfen , es ist die einzige Aussicht auf Rettung und unsere Pflicht als Söhne Griechenlands . Nur die Flinte kann uns in diesem letzten Kampfe nützen , zielt fest , laßt keinen Schuß vergebens fallen und uns jetzt noch ein Mal unsere Hilfsmittel prüfen . « Während Zanetacchi wieder als Wache zurückblieb auf dem Dache des Thurmes , stieg der General mit den übrigen Vier hinab in das zweite , und untere Geschoß , ihnen Anweisungen zum Kampfe ertheilend . Das obere Stockwerk ragte auf breiten steinernen Trägern etwa anderthalb bis zwei Fuß über das Erdgeschoß hinaus , und die Seitenwände waren mit schiefen trichterförmigen Schießscharten versehen , so daß von hier aus die nähere Umgebung des Thurmes unter wirksamem Feuer gehalten werden konnte . Die Schießscharten der untern dicken Mauern waren dagegen , wie bereits erwähnt , so hoch angebracht , daß von Außen nicht dazu zu gelangen war . Der schmale Eingang der Kula war vollständig mit Steinen und Balken verrammelt und durch die Schießscharten über ihm gedeckt . Grivas beschloß daher , seine wenigen Vertheidigungsmittel in dem zweiten Stockwerk zu concentriren , das den Wall und den innern Ring bestrich , und in dessen Schutz sie am wenigsten den Kugeln der Gegner ausgesetzt waren . Um die Verwundeten dahin bringen zu lassen , betrat er die hintere Abtheilung - Nicolas und die drei Maini ' s folgten ihm . Der junge Mann vermied , das Auge auf das Mädchen zu richten , und trat mit dem Oheim zu den beiden Verwundeten . Die Verblutung war indeß so stark gewesen und die Beschaffenheit ihrer Wunden so gefährlich , daß ein Transport in das obere Stockwerk ihnen unzweifelhaft große und nutzlose Schmerzen verursachen mußte ; der General entschied daher , daß sie gelassen werden sollten , wo sie waren , da sie hier fast eben so sicher sich befanden . » Auch die Türkin mag hier bleiben « , befahl er , » sie ist hier am wenigsten im Wege . « Jetzt erst wagte der junge Mann einen hastigen verstohlenen Blick auf das Mädchen , aber so kurz er auch war , zeigte er ihm doch die Zerstörung in ihrem Aeußern , und er sprang wie vom Blitz getroffen auf sie zu mit dem Ruf : » Fatinitza - was ist geschehen ? - um der Panagia willen , sprich ! « Mit einer rachsüchtigen Gleichgültigkeit gegen das Heiligste des Weibes warf das Mädchen durch eine Bewegung den Mantel von ihren Gliedern , und die um Brust und Hüften hängenden Fetzen ihrer Kleidung zeigten der Schaam Hohn sprechend den furchtbaren Kampf , den sie bestanden , und verriethen das schändliche Verbrechen , das an ihr verübt worden war . Selbst der wilde Führer der Klephten schauderte zurück . Die Stirnadern des jungen Mannes schwollen zu rothen Strängen an , nachdem Todesblässe einen Moment lang sein Gesicht bedeckt . Dann drehte er sich wild zu dem Kreise seiner Gefährten und seine Augen schienen Blitze zu sprühen , während seine Hand die Pistole aus dem Gürtel riß und den Hahn spannte . » Verfluchte ! - Ihr ! « In diesem Augenblick vernahm er das erste Wort von den Lippen des Mädchens , seitdem er sie verrathen . Sie schnellte empor auf ihre gebundenen Füße , und die gefesselten Arme von sich streckend , warf sie sich zwischen ihn und die Maini ' s , die bereits gleichfalls zu den Waffen gegriffen . Ihre Augen sprühten Haß und Verachtung , der Ton , mit dem sie ihm ihr » Halt ein , Verräther ! « zuherrschte , schien von den Steinmauern wieder zu gellen . » Nicht Du ! « sagte sie mit bitterer Verachtung , » nicht Du , meineidiger Christ ! Dein eigen ist Fatinitza ' s Schande , und verflucht und verfolgt sei ' st Du dafür bis zum Ende der Tage , das Dein Prophet verkündet hat ! « Dann sank sie zurück auf das Lager und blieb in finsterm Vorsichhinstarren gleichgültig gegen ihren Zustand liegen . Der junge Mann hatte das Gesicht in seine Hände verborgen , denen die Pistole bei den vernichtenden Worten entfallen . Der General schaute finster aus die Maini ' s. » Wer hat das gethan gegen meinen Befehl ? « » Wir Alle , « sagte trotzig Comodouro . » Dein Befehl , General , lautete , uns nicht am Leben der Türkin zu vergreifen ! Was wir gethan , war das Vermächtniß unsers sterbenden Bruders - sein Tod ist gerächt worden an seiner Mörderin . « Ein halb mitleidiger Blick des wilden und grausamen Häuptlings streifte die Unglückliche ; dann wandte er sich schweigend nach dem Eingang und führte seinen Neffen hinaus . Zur selben Zeit klang von der Höhe der Allarmruf Panayotti ' s : » Zu den Waffen ! Die Moslems kommen ! « und die Mainoten stürzten an ihre Posten . - Fatinitza war mit den Verwundeten allein - mit wildem Frohlocken haftete ihr Blick auf der geschlossenen Thür und hörte sie den drohend näher dröhnenden Schlachtruf ihres Volkes , das » Allah il Allah ! « das wild an allen Seiten der Palanka empor zu gellen schien . In der That rückten die Türken diesmal von allen Richtungen gegen die kleine Feste , nur Wenige zurücklassend zum Schutz des verwundeten Pascha ' s und der Geschütze . Die Flintenschüsse der Araber , der Arnauten und des Nizams krachten vereint gegen den Thurm , und von den vier Seiten suchten die Moslems das Plateau , zu ersteigen . Kugel auf Kugel aus den Schießscharten der Kula traf unter die Stürmenden , - jede Kugel warf ihren Mann von der erstiegenen Felswand , aber den Stürzenden folgten Andere , und die sechs Flinten der Vertheidiger konnten die Ueberzahl nicht zurückhalten , der jubelnde Ruf der Arnauten und der Ansturm gegen die Barrikade des Eingangs verkündeten bald der Türkin , daß die Ihren Meister des Plateau ' s geworden . Hierhin an die Schießscharten , welche die Pforte bestrichen , warf der General jetzt seine besten Schützen , während die Uebrigen fortwährend die abgeschossenen Flinten luden . Ein Wall von Todten lag bald vor dem Eingang . Das wilde Getümmel der Schlacht war der Augenblick , den die Wölfin von Skadar ersehnt . Das mißhandelte Mädchen erhob sich aus die Knie , - auf den Knieen rutschte sie langsam den beiden Verwundeten näher - die Augen mit teuflischer Freude auf diese geheftet . Die sterbenden Mainoten sahen sie auf sich zu kommen , - näher und näher , gleich dem finstern Engel des Todes . Sie blickten dem großen Würger furchtlos und trotzig in ' s Angesicht , aber sie begannen sich zu fürchten vor dem dämonischen Auge des rächenden Weibes . Vergeblich versuchten sie zurückzuweichen , - ihre Glieder waren machtlos , die Arme bleischwer von dem vergossenen Blut ; bei dem Bemühen , sich zu erheben und der Feindin zu begegnen , lösten sich die leichten Verbände , und auf ' s Neue quoll der rothe Lebenssaft aus den geöffneten Wunden . Jetzt versuchten sie zu schreien , - der wüste Demetri-Bey rief angstvoll nach seinen Gefährten . Ihr schwacher Ruf verklang unter dem Krachen der Flinten hoch vom Thurm , rings um den Thurm . Jetzt war das Türkenmädchen am Nächsten - Demetri ; - langsam , unter dämonisch befriedigtem Lächeln ihrer scharfen Züge erhob sie die gefesselten Hände und faßte das . Messer , das in dem Gürtel des Mainoten steckte . Er vermochte nicht zu hindern , daß sie es hervorzog . Dann beugte sie sich über ihn , - das Auge des Dämons haftend auf dem bangen starren Blick des Sterbenden . - - Die gefesselte Hand stieß das Messer ihm zwischen die Zähne und bohrte es tief und immer tiefer bis zum Griff in den Hals des Maini ' s , die Zunge zerschneidend , die Röhren und Arterien des Lebens zerreißend . Ein Strom dunklen Blutes quoll den zerschnittenen Hals herauf und floß über die Lippen ; - auf diese bleichen und kalten Lippen , die frech und frevelnd die ihren entweiht , heftete der Dämon in Weibergestalt - der Vrokoklak - die seinen und tränkte sie mit dem Blute . Dann erhob sie sich blutig und finster wieder auf die Knie und kroch zu ihrem zweiten Opfer . Andreas Zanet hatte mit stierem Auge das Ende seines Gefährten geschaut - der Todesschweiß der Angst perlte auf seiner Stirn , denn er zweifelte keinen Augenblick , den bösen Geist , den Vampyr vor sich zu sehen , der das Blut trinkt und die Seelen dem , ewigen Pfuhl überliefert . Aller Aberglauben seiner Religion füllte seine Seele und verzweifelnd sah er sich diesseits und jenseits verloren . Die Vrokoklak war über ihm - sein Schicksal erfüllt - - Lautlos , nur von den Schüssen der Stürmenden umdonnert , wiederholte sich die schreckliche Scene . Dann kroch sie zurück , die junge schöne Megäre , das Pistol , das der verrätherische Geliebte von sich geworfen , unter ihrem Lager verbergend . Fort und fort hörte sie die Schüsse um sich her krachen - dann erhob sich plötzlich auf der Höhe des Thurmes ein lautes wildes Triumphgeschrei , das über den Lärm des Kampfes hinausgellte . Denn auf den Berghöhen im Westen zeigten sich starke Schaaren griechischer Krieger und begannen herabzuströmen . In ihrer Mitte flatterte die blaue Fahne mit dem weißen Kreuze . Wie aus Verabredung schwieg für Minuten lang der Kampf an und aus der Kula . Man konnte jetzt in größerer Nähe über den Bergen die Salven eines heftigen Gefechts hören , das die auf dem Rückzug begriffenen Schaaren des Generals Grivas an Abdi-Pascha lieferten . Immer neue Abtheilungen quollen über die Bergkuppen , - von der Kula aus konnte man sehen , wie sie sich zum Angriff sammelten . Deutlich konnte der General durch sein Fernrohr die Seinen erkennen - Anastasius Caraiskakis , den Czernagorzen Bogdan . Vom Schmerzenslager des Pascha ' s her jagte Bote auf Bote , dem jungen Führer der Stürmenden den Befehl zum Rückzug zu bringen . Die steinernen Mauern der Kula trotzten seinem Zorn - die melancholischen Töne der gebogenen Hörner des Nizams gaben endlich das Signal zum Sammeln , und zähneknirschend führte der Emir die Seinen zurück zum Lager des Bey ' s , wo ihre Colonnen gegen die anrückenden Griechen Position nahmen . An hundert Todte und Verwundete hatten die Türken in den drei Stürmen aus die Palanka verloren ; zwölf Stunden lang hatte Grivas mit seinen acht Kriegern dieselbe gehalten ! - Aus Aesten und Lanzen war schon früher eine Tragbahre gefertigt worden für den schwer verletzten Pascha . Auf dieser wurde er jetzt weiter geschafft , und langsam traten die Türken ihren Rückzug nach der Richtung des See ' s vor den andrängenden Griechen an und waren bald im Rücken der Palanka . In einiger Entfernung nahmen sie eine günstige Stellung ein und begannen von hier aus mit ihrer einen Kanone die Griechen ziemlich unschädlich in dieser Weite zu beschießen . Das andere Geschütz fiel in die Hände der Feinde , da es den Topschi ' s1 nicht möglich war , es so rasch von dem Felsengrate zurück zu schaffen , doch konnte es von jenen nicht benutzt werden , da es ihnen an Minition fehlte . Jubelnd warfen sich die verwundeten Mainoten auf die Barrikade , die sie gegen die Feinde geschützt , und noch ehe ihre Befreier den Felsenaufgang erreicht hatten , waren die Balken und Steine fortgeräumt , von den erstern der Uebergang über die Felsspalte hergestellt , in der noch die Leichen der Arnauten lagen , und Grivas mit den Mainoten eilte den Befreiern entgegen . Es war wenig Zeit zu verlieren , denn Abdi-Pascha , der im Lauf des Morgens Verstärkungen aus Janina an sich gezogen , bedrängte hart den Rückzug der Griechen . Er hatte am Morgen den Posten des Capitani Caraiskakis angegriffen , als dieser eben erst durch den Knaben Mauro die Kunde von dem Leben seines Bruders und der Gefahr des Generals erhalten und eilig Boten nach dem Obersten Stratos gesandt hatte . Dieser bald darauf von dem Nizam Abdi-Pascha ' s und den Aegyptern von Arta her bedrängt , ohne daß General Tzavellas ihm zum Beistand eilte , schlug sich durch die Erstern , vereinigte sich mit der stark gelichteten Schaar des Caraiskakis , der bis Mittag sich am Kloster tapfer gehalten , und setzte mit ihm den Rückzug gegen Metzovo fort , Beide kaum noch hoffend , den General unter den Lebenden anzutreffen . Um so größer war der Jubel und der Feuereifer der Griechen , als sie die improvisirte Fahne von der Brustwehr der Kula wehen und zugleich die Bedrängniß der Ihren sahen , und Caraiskakis hatte alsbald zum Angriff gerüstet , während Oberst Stratos noch auf den Berghöhen die Türken in Respekt hielt . General Grivas übernahm nach einer kurzen freudigen Bewillkommung seines Neffen sofort den Oberbefehl ; und als ihm Anastasius und Bogdan sagten , daß sein Stiefneffe Nicolas in Janina am Leben , theilte er ihnen zu ihrem Staunen mit , daß derselbe den Heldenkampf der Verteidigung der Palanka mitgefochten und in wenigen Augenblicken sie selbst begrüßen werde . Ein Wink von ihm jedoch wehrte sie von der Palanka ab mit dem Bedeuten , daß Jener dort noch einen Auftrag allein zu vollziehen habe . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Während der General und seine vier verwundeten Mainoten zu den Freunden eilten , trat der junge Grieche in das Gefängniß Fatinitza ' s. Ein kurzer Blick auf die Maini ' s überzeugte ihn , daß sie todt , und näher tretend , kniete er an ihrem Lager nieder und durchschnitt schweigend die Bande an ihren Händen und Füßen . » Fatinitza , « sagte er dann weich und stehend zu ihr , » höre mich , denn wenige Augenblicke nur sind mir und Dir zur Entscheidung vergönnt . Was ich gethan - meine Flucht , die Warnung an die Meinen - ich will es jetzt nicht verteidigen . Mein Bruder , mein Oheim waren unter den Bedrohten . Bei dem ewigen Gott , zu dem Christen