1. Porträt Friedrichs des Großen . ( Kniestück . ) Vorzügliches Bild , wenn nicht von Pesne selbst herrührend , so doch wahrscheinlich unter seiner Leitung gemalt . Es erinnert wenigstens in Ton und Auffassung an andere Friedrichsporträts dieses Meisters . Der König ist auf diesem Bilde etwa dreißig Jahr alt , in weißgepudertem , natürlichem Haar . Um das noch volle Kinn herum bemerkt man einen bläulichen Bartton . Neben ihm liegt ein Hermelinmantel und ein mit Lorbeer geschmückter Helm . Er trägt einen eleganten blauen Rock mit rotem Futter und Goldbrokatbesatz , weiße Ärmel , die sich unter den kurzen Rockärmeln präsentieren , den Stern und das Orangeband des Schwarzen Adlerordens , Küraß und Schärpe . 2. Porträt des Prinzen Heinrich . Der Prinz in Generalsuniform , die Ärmelaufschläge von Tigerfell . Neben ihm der Plan der Schlacht bei Freiberg ; im Hintergrunde die Schlacht selbst . 3. Das Schloß zu Cölln an der Spree im Jahre 1602 . Höchst interessantes Bild ; 5 Fuß hoch , 6 Fuß breit ; der Name des Malers nicht bekannt . Es ist die der Breiten- und Brüderstraße zugekehrte Front und kaum irgend etwas erinnert an die Schloßfassade , wie sie jetzt dem Auge sich darbietet . Der Bau ist noch durchaus mittelalterlich , mit gotischen Giebeln . In der Mitte der Fassade und in Höhe des ersten Stocks bemerkt man einen eigentümlich geformten , kunstreich gegliederten Balkon , während sich in Höhe des Erdgeschosses , an der ganzen Front hin , eine Kolonnade , nach Art der noch jetzt existierenden Stechbahn hinzieht . Diese Kolonnade ist von rötlichem Stein . Der Rest des Bildes zeigt einen grauen Ton . – König Friedrich Wilhelm IV. , als er bei seinem Besuche in Tamsel ( etwa 1845 ) dies Bild sah , nahm das größte Interesse daran und ließ eine Kopie anfertigen , die sich gegenwärtig im Berliner Schlosse befindet . Das Original wurde während der dreißiger Jahre nur durch einen glücklichen Zufall vom Untergange gerettet ; man fand es verstaubt , geschwärzt , zerrissen auf einem Bodengelaß . Im Ahnensaal . Unter den verschiedenen Porträts , die sich hier vorfinden sind die folgenden die wichtigsten : 1. Hans Adam von Schöning , der Türkenbesieger . Großes Bild , 9 Fuß hoch , 10 Fuß breit . Hans Adam sitzt zu Pferde und trägt einen gelbledernen Waffenrock , rote Gamaschen , eine kurze braune Perücke , Dreimaster mit weißen Straußenfedern und Galanteriedegen . Die rote Satteldecke ist reich mit Gold und Silber gestickt . 2. Die Gemahlin Hans Adams von Schöning . Das Pendant zum vorigen , also ebenso groß . – Die Feldmarschallin ist noch jung , mit weißgepuderten Locken und Perlen darin . Sie trägt ein weißes Atlaskleid mit Goldstickerei ; ebensolche Schuhe . Vier Kinder spielen um sie her , ein fünftes ruht auf ihrem Schoß . Das älteste der Kinder , ein junges Mädchen , ist im Dianakostüm , ein Windspiel ihr zur Seite ; ein anderes Kind trägt ein Füllhorn , ein drittes spielt mit einem Lamm ; dazwischen Windspiele und Bologneserhündchen . Links in der Ecke des Bildes Genien mit Kränzen und Palmen . Im Hintergrunde Schloß Tamsel vor 1686 . 3. , 4. , 5. Drei Bilder des Generals von Wreech , des Gemahls der schönen Luise Eleonore . 6. und 7. Die Bilder des Ministers von Brandt ( wahrscheinlich des bekannten Eusebius von Brandt ) und seiner Gemahlin . 8. Frau von Wreech ( Luise Eleonore ) . Kniestück . Sie ist hier achtundzwanzig bis dreißig Jahre alt , also ein Bild , das noch zu Lebzeiten ihres Gemahls gemalt wurde . Sehr hübsch , frisch , üppig , die Augen voll Leben und Klugheit . Sie trägt ein weißes Brokatkleid mit natürlichen Blumen aufgesteckt , dazu eine hellblaue , silber- oder weißgestickte Unterjacke ; Granatblumen im weißgepuderten natürlichen Haar und Perlenohrgehänge . 9. Frau von Wreech als Witwe ; achtunddreißig bis vierzig Jahr alt , halbe Figur . Sie trägt ein schwarzes Kleid , und über dem schönen Nacken einen weißen , durchsichtigen Tüllkragen , mit einer kleinen Halskrause daran . Die schwarze Schnebbe der Witwenhaube geht bis tief in die Stirn ; an der Haube hängt der schwarze Witwenschleier . 10. Frau von Wreech ( drittes Porträt ) . Brustbild , lebensgroß . Sie ist hier etwa vierzig bis einundvierzig Jahr alt . Es scheint um die Zeit gemalt zu sein , wo sie die Witwentrauer ablegte . Sie trägt ein ausgeschnittenes , weißes Atlaskleid , kurze Ärmel , breite Fallunterärmel , eine Halskrause ( trotz des tief ausgeschnittenen Kleides ) und eine schwarze Samtjacke mit buntem Futter über die Schulter geworfen . In der Hand hält sie eine Tabatiere . Das Ganze macht einen sehr angenehmen Eindruck : eine vornehme , zugleich an spruchslos-hausmütterliche Dame , noch hübsch , aber ohne besondere Schönheit . – An Kunstwert ist ihr zweites Porträt , im Witwenkleide , das beste . Auch tritt sie einem hier am meisten als » schöne Frau « entgegen 61 . 11. Generalfeldmarschall Graf Kurt von Schwerin . Derselbe , der bei Prag fiel . Kniestück . Sehr gutes Bild , lebensvoll . Der Gesichtsausdruck freundlich , klug , fest und schlicht . Er ist in voller Rüstung , mehr Ritter als Kürassier , und trägt über der linken Schulter , als bloße Drapierung , einen Purpur-Samtüberwurf , auf dem der Schwarze Adlerorden sichtbar ist . Dieses Bild , das sich früher im Besitz des Generals Kurt von Schöning in Potsdam befand , kam auf folgende Weise nach Tamsel . General Kurt von Schöning hatte bei seinen gelegentlichen Besuchen in Tamsel nie versäumt , seines Ahnherrn Hans Adam von Schönings Bild ( den Reiter mit den blutroten Gamaschen ) mit lebhaftestem Interesse zu betrachten , und Graf Hermann Schwerin nahm deshalb Veranlassung , eine Kopie des großen Bildes anfertigen und diese dem General von Schöning überreichen zu lassen . Ein Schwerin also hatte einem Schöning das Bildnis seines berühmten Ahnherrn zum Geschenk gemacht . Jahre vergingen und General von Schöning starb . Bei Öffnung seines Testaments fand man in demselben folgendes : » § 12. Das Bild vom Generalfeldmarschall Grafen Schwerin erhält der liebenswürdige , edle Herr Graf Schwerin auf Tamsel . Nur wenn derselbe eher als ich das Zeitliche segnen sollte , erhält es das Schloß von Tamsel in Anerkennung der treu-bewahrten Alt-Schöningschen Erinnerungen über und unter der Erde . « So kam das Bild nach Tamsel . Ein Schöning hatte nunmehr einem Schwerin das Bildnis des berühmtesten Schwerinschen Ahnherrn als Gegengeschenk überreicht . Ich habe geglaubt , bei Aufzählung alles dessen , was Tamsel einerseits an Erinnerungen , andererseits an Kunstschätzen bietet , ausführlicher verweilen zu sollen , weil diesem schönen Landsitze , durch länger als ein Jahrhundert hin , die Rolle zufiel , nicht nur ein historischer Schauplatz , sondern auch eine Pflegestätte für die Künste zu sein . Wir haben Stätten in unserer Provinz , die , wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf , glänzender debütiert , oder vorübergehend ein intensiveres Leben geführt haben , aber was dem Ruhme Tamsels an Intensität abgehen mag , das ersetzt er durch Dauer , durch ein konsequentes Sich-auf-dem-Niveau-halten . Es gibt märkische Schlösser , aus denen berühmtere Feldherrn als Feldmarschall von Schöning , schönere Frauen als Frau von Wreech und glänzendere Poeten als Graf Ludwig Wreech oder Graf Hermann Schwerin hervorgegangen sind , aber es gibt keinen Landsitz , der , wie Tamsel , durch sechs Generationen hin , in bewußter Ausübung und Pflege jeglicher Kunst sich immer gleich geblieben wäre . Schloß Rheinsberg , mit dem es überhaupt vieles gemeinsam hat , steht ihm hierin am nächsten , da die Zeit seiner Blüte siebzig Jahre umfaßt . Alle übrigen Schlösser aber , die hierlandes den schönen Künsten ihr gastliches Tor öffneten , sahen die Muse nur zeitweilig in ihren Mauern . Sie kam und ging . Tegel : die Humboldts , Blumberg : Canitz , Wiepersdorf : Achim von Arnim , Nennhausen : Fouqué , Madlitz und Ziebingen : Tieck – alle hatten ihre Zeit und die literarische Bedeutung dessen , was in ihnen geboren wurde , ging weit über das hinaus , was Tamsel hervorbrachte . Aber dilettantisch wie alles sein mochte , was der schöne neumärkische Herrensitz entstehen sah , klein wie das Feuer war , es losch nie aus . Der Besitz wechselte vielfach und ging durch Erbschaft auf immer neue Namen über , jeder folgende jedoch empfand sich stets als Erbe gewisser Traditionen , und die Schönings , die Wreechs , die Dönhoffs , die Schwerins , wie verschieden sonst auch , sie zeigten sich einig in gefälliger Pflege der Kunst . Und um dieser Eigentümlichkeit Tamsels gerecht zu werden , bedurfte es einer ins einzelne gehenden Aufzählung des reichen Materials , das sich daselbst in Schloß und Park und Kirche zusammenfindet . Zorndorf Zorndorf Moskoviens Bär mit eisbehangnen Haaren Dürstete Friedrichs Blut . Christian Fr . Daniel Schubart Mit Vergunst , Der Will ' ist eins , ein andres ist die Kunst . Eine halbe Meile nördlich von Tamsel liegt Zorndorf . Der Weg führt zunächst durch eine tiefe Schlucht , die hier , unmittelbar im Rücken des Dorfes , die Hügelkette torartig durchbricht und immer ansteigend auf ein Plateau von mäßiger Höhe mündet . Die Fahrt , die sehr malerisch beginnt , verliert sehr bald ihren Charakter ; Sand und Baumwurzeln treten an die Stelle von mit Laubholz besetzten Berglehnen , bis endlich das freundlich daliegende Zorndorf die ziemlich reizlose Öde wieder unterbricht . Zorndorf ist wohlhabend , wie fast alle Dörfer , wo Schlachten geschlagen wurden . Ob es lediglich daran liegt , daß die während des Kampfes zerstörten Dörfer besser und hübscher wieder aufgebaut werden , oder ob die Schlachtfelder , wie große Kirchhöfe , einen reicheren Acker schaffen ? Es stehe dahin . Vielleicht auch kommt noch ein drittes hinzu . Das Auferbauen aus Trümmern schafft nicht nur einfach ein neues Dorf , es schafft auch , in nötig gewordener Anspannung , ein rührigeres Geschlecht . Und Fleiß und Energie , einmal wachgerufen , vererben sich weiter von Vater auf Sohn . Unser Wagen hielt vor dem Krug , und mein in Zorndorf halb heimischer Reisegefährte rief nach dem Krüger . Und siehe da , aus einem kleinen dürftigen Laden trat eine Hünengestalt heraus , grüßte , und stellte sich halb dienstlich neben den Tritt unseres Wagens . Seine riesige Gestalt und die kleine Ladentür paßten wenig zusammen . Ein ähnlich komisches Verhältnis bestand zwischen seiner Gestalt und seinem Namen . » Guten Tag , Herr Nonnenprediger . « Der Angeredete erwiderte ruhig den Gruß und verzog keine Miene . » Herr Nonnenprediger « , fuhr mein Reisegefährte fort , » einer von den Bauern hier sammelt ja wohl alles , was auf dem Schlachtfelde gefunden wird . Verlohnt es sich , bei ihm vorzufahren ? « Nonnenpredigers Mund ging in ein leises Grinsen über , das über seine Stellung zu » vaterländischen Altertümern « keine weiteren Zweifel gestattete . » Können Sie uns nicht ungefähr sagen , was der Bauer alles hat ? « » Kanonenkugeln , Gewehrläufe , Schäfte , Flintensteine . « » Nicht den Lehnstuhl , darauf Friedrich der Große die Nacht vorher geschlafen hat ? « » Nein , der steht in der Neudammschen Mühle . « » Sonst nichts ? « » Nicht daß ich wüßte . « » Danke schön . Guten Abend , Herr Nonnenprediger . – Fahr zu ! « Und so ging es weiter an der hübschen neuen Kirche vorbei , hinaus ins Freie . Unmittelbar hinter Zorndorf beginnt das Schlachtfeld . Es ist ein Viereck , das von der Neumühlschen Forst und dem Zicher Bach im Westen und Osten , und von der Mietzel und einem Höhenzug im Norden und Süden gebildet wird . An dem Höhenzuge liegen Wilkersdorf und Zorndorf . Auf diesem Stückchen Erde wurde die Schlacht geschlagen . Der Boden ist wellenförmig , aber die Einschnitte ziehen sich nicht horizontal von West nach Ost , sondern senkrecht von Nord nach Süd , so daß das ganze Terrain mit seinen Höhen und Tiefen einer Tischplatte gleicht , auf der eine Riesenhand mit gespreizten Fingern liegt . Das an jenem Tage den Mittelpunkt der russischen Stellung bildende Dorf Quartschen entspricht dem Handgelenk . Hier trafen alle Höhen und Tiefen in einem Punkte fächerförmig zusammen . Auf einem zwischen zwei dieser Vertiefungen , dem Zabern- und dem Galgengrunde gelegenen Hügelrücken , entschied sich die Schlacht . Richtiger : von hier aus wurde sie entschieden . Von Zorndorf her den Zaberngrund hinaufrückend , begleitete Seydlitz am äußersten linken Flügel der preußischen Aufstellung den Auf- und Vormarsch der Angriffskolonnen . Selber ungesehen sah er seinerseits alles . Auf die Aufforderung des Königs , » anzugreifen , bei Gefahr seines Kopfes « , gab er die bekannte Antwort : » Nach der Schlacht stehe dem Könige sein Kopf zu Befehl ; während derselben möge er ihm noch erlauben , davon in seinem Dienste Gebrauch zu machen . « Der Zeitpunkt war eben noch nicht da . Im Moment aber , als die bereits siegreichen Russen ihre Reiterei vorschickten , um in die fliehenden preußischen Bataillone einzuhauen , schwenkte Seydlitz plötzlich rechts , passierte den Bach und stieg aus der Tiefe herauf . Und nun wie Sturm über das Plateau zwischen dem Zabern- und Galgengrund hinfegend , führte er jene weltberühmte Attacke aus , die mit der Niederwerfung des zunächst stehenden russischen Flügels endigte , und sechs Stunden später gegen den andern Flügel wiederholt , den Tag zugunsten des Königs abschloß . » Seydlitz , auch diesen Sieg verdank ich ihm . « » Nicht mir , Majestät . Hier diesem Löwen , dem Rittmeister von Wakenitz . « Es war überhaupt , wie ein Tag glänzender Attacken , so auch ein Tag glänzender Impromptus und Repliken . » Keine Schlacht ist verloren , solange das Regiment Garde du Corps nicht angegriffen hat « usw. Die Chaussee von Zorndorf nach Quartschen läuft auf der Höhe des flachen Hügelrückens zwischen dem Zabern- und Galgengrunde hin und durchschneidet also genau denjenigen Teil des Schlachtfeldes , auf dem die Würfel fielen . Wir machen den Weg bei Sonnenuntergang . Der goldene Ball hängt verschleiert am Horizont , die Luft ist still und nur hoch im Blauen singt es und klingt es noch . So geht es zwischen dem wogenden Korn dahin . Etwa tausend Schritt hinter Zorndorf passieren wir einen altmodischen Bauernhof mit Plankenzaun und Strohdach . Wieder fünfhundert Schritte weiter fällt uns , rechts am Wege , ein auf verschiedenen Stufen errichtetes und das Kornfeld weithin überragendes Steinmonument auf , das am 25. August 1826 von Männern des Kreises an ebendem Punkte aufgebaut wurde , wo , alter Überlieferung zufolge , der König hielt und den Gang der Schlacht ordnete und überblickte . Diesem Punkte gilt unser Besuch . Wir lassen halten und suchen nach einem Feldweg . Aber nichts derart ist zu finden . Besucher auf dem Schlachtfelde von Zorndorf sind so selten , daß es sich nicht verlohnt , einen Weg nach dem Denkmale hin offenzuhalten . Lauter Ackerland . Oder wie es in dem Chamissoschen Liede heißt : » Der Pflug geht drüber hin . « Nach langem Suchen entdecken wir endlich eine Furche , die uns in gerader Linie , wenn auch von schräg liegenden Halmen völlig verdeckt , dem Denkmal entgegenführt . Wir stehen nun vor einem Sand-und Lehmhügel von der Form eines Backofens , auf dem sich das Monument erhebt . Der Aufgang ist steil und man kann deutlich erkennen , daß die früher sich allmählich abflachenden Wände von dem Bauer , dem jetzt das Feld gehört , ab- und niedergepflügt wurden , um dadurch ein paar Qudratruten Ackerland zu gewinnen . Bauernegoismus ist sicherlich das einzige Motiv gewesen , aber der Egoismus ist hier zum Segen ausgeschlagen und der Hügel mit seinen jetzt steil abfallenden Wänden , hier und dort von Liguster und Distelbüschen überwachsen , nimmt sich vortrefflich aus als Postament für das auf seiner Höhe errichtete Denkmal . Dieses ist einfachster Art. Es besteht aus drei Granitstufen , auf deren oberster sich ein Oblong , ebenfalls aus Granit , erhebt . Das Ganze ein etwa mannshoher , höchst schlichter Steinbau , der früher an einer seiner Fronten eine Inschrift trug . Man liest noch jetzt : » Hier stand Friedrich ... M.D.C.C.L.VIII. « Alles andere ist verlöscht . Das Monument ist schlicht genug . Aber der Blick über das Schlachtfeld hin , das jetzt schattenhaft-grau vor der dahinter gelagerten Abendröte liegt , ist entzückend . Der Abend schickt einen Luftzug ; ein leises Rauschen und Knistern ist in den Halmen ; die Lerchen sind eben still geworden und nur von rechts und links her rufen die Unken über das Feld hin . Die hausen noch im Zabern- und Galgengrund , wenn auch freilich nicht mehr wie sonst . Denn die beiden Gründe haben längst aufgehört eigentliche Wasserrinnen zu sein ; die Kultur hat sie trocken gelegt , und nur wo hier und da noch ein Restchen Sumpfwasser in der Vertiefung steht , halten sich ihre alten Bewohner . Noch einmal , es ist ein schlichtes Monument , das an dieser Stelle das Gedächtnis an den Tag von Zorndorf zu wahren trachtet . Aber es ist gut , daß es schlicht ist . Prächtige Monumente gehören in die Stadt , in das Bereich der Kunst . Zu Wald und Feld stimmen Denkmäler , die sich einreihen in den Hausrat der Natur . Übergang und Verschmelzung , nicht Gegensatz . Würfel und Obelisk werden auf Schlachtfeldern noch lange das beste bleiben . Mein Reisegefährte , zu dem ich in diesem Sinne gesprochen haben mochte , legte seine Hand auf meine Schulter und sagte lächelnd : » Sie haben recht . Dieser Stein weiß davon zu erzählen . Es schleicht sich nämlich etwas von höherer Kunstexistenz in sein Leben ein . Aber es waren keine glücklichen Tage . « Auf meine Bitte fuhr der Sprecher fort : » Gern er zähle ich davon . Es soll Ihnen nichts verschwiegen bleiben . Aber ändern wir zuvor unsere Front und nehmen wir auf den Stufen der Rückseite Platz , damit wir nach Bauer Mertens Gehöft hinübersehen können . Denn das Gehöft und seine Insassen spielen mit . « Ich tat wie geboten . » Sie haben im Tamseler Parke sicherlich das Monument gesehen , das auf seiner Spitze die Rauchsche Viktoria trägt . Dies Monument hat Graf Hermann Schwerin errichten lassen , ein sehr liebenswürdiger und kunstsinniger Herr . Sie werden gleich sehen , warum ich mit ihm beginne . Es war um 1846 , als ein benachbarter Freund bei dem Tamseler Grafen erschien , und ihm von einem Küstriner Klempner erzählte , der in überpatriotischem Eifer auf die Idee gekommen war , den alten Fritz in Weißblech zu treiben . Er hatte jahrelang seine Feierabendstunden daran gesetzt . Nun stand der große König endlich fix und fertig da , sieben Fuß hoch und blank wie ein Zinnlöffel . Aber niemand wollte ihn haben . Der Graf , der nicht nur ein kunstsinniger , sondern vor allem auch ein sehr gütiger Herr war , überlegte sich ' s einen Augenblick , akzeptierte dann das angebotene Kunstwerk , zahlte den Preis und traf seine Dispositionen . Ein paar Tage später traf alles in Tamsel ein . Tamsel aber war nicht Bestimmungsort . Der Graf hatte bereits anderweitig darüber verfügt , freilich mit einer an Vorahnung grenzenden Besorgnis . Es war Anfang November , und zu mitternächtiger Stunde hielt ein Leiterwagen vor dem Schloß . Jetzt mußte sich ' s entscheiden . Die Statue wurde rasch aufgeladen und ehe zehn Minuten um waren , setzte sich der Zug unter Begleitung von einem Mauerpolier und drei Gesellen in Bewegung . Andere Dienstleute folgten . Es ging still durch Schlucht und Wald , noch stiller durch Zorndorf hin , an Mertens Gehöft vorüber , bis der Wagen hier zu Füßen des Hügels hielt . Und nun rasch und ängstlich und mit fast gespenstischer Stille wurde der blecherne Fritz auf den Granitwürfel gestellt . Sie können noch sehen , wo der Mörtel gesessen hat . Dann in stiller Nacht , wie der Zug gekommen war , verschwand er auch wieder . Am anderen Morgen trat Mertens ältester Sohn in die Haustür , um nach dem Wetter zu sehen . Er sah auch zufällig nach dem Monument hinüber und bemerkte , daß eine menschliche Figur auf dem Steinwürfel stand . Er dachte aber nichts Arges dabei und ging in den Stall , um die Pferde zu füttern . Als er nach einer Stunde wieder in die Haustür trat , wurde es ihm verwundersam und er brummte vor sich hin : » He steiht ümmer noch ! « Und er weckte nun den Alten . Der kam und alles Hausgesinde mit ihm . Aber es blieb , wie es war . » De snaksche Kerl steiht ümmer noch « , wiederholte der Sohn . Und in der Tat , im Nebel des Novembermorgens , regungslos und rätselvoll , stand eine menschliche Figur auf dem Zorndorfer Schlachtenstein . Welche Hypothesen in jener Stunde geboren sein mögen , ist schwer zu sagen . Endlich , wie sich von selbst versteht , löste sich der Spuk . Die Mertensschen waren nun zufrieden , aber Graf Schwerin war es nicht . Sein künstlerisches Gewissen schlug ihm , und wenn anfangs das gute Herz über die ästhetischen Instinkte gesiegt hatte , so rächten sich diese jetzt und drangen ihrerseits auf Abhilfe . Der Graf , wenn er des Weges kam , ging an dem » alten Fritzen « vorüber , wie an einer Schuld , welche Sühne verlangte . Und endlich fand er sie . Nachdem das Bildnis einen Winter lang allen Stürmen getrotzt und jegliches Blanke seiner Erscheinung längst eingebüßt hatte , erschienen die Vermummten wieder , und siehe da , nächtlicherweile wie die Statue gekommen war , so verschwand sie wieder . Eine kurze , freudlose Existenz . Wie Leidtragende folgten der Mauerpolier und die Seinen und geleiteten die Figur nach Tamsel zurück . In einem der dortigen Kohlenkeller ist sie verschollen . « Völlige Dämmerung lagerte jetzt auf den Feldern , und war es nun die Kühle des Abends , oder die Stelle , auf der wir standen , ein leises Frösteln überlief mich . Dann sprangen wir über die Ligusterwand hinweg in die hohen Halme hinein , und Arm und Brust vorschiebend , schwammen wir durch das Kornfeld hindurch . Wir hörten nichts als ein Rauschen und Knistern , selbst im Zaberngrunde war es still geworden , und unser Gespräch belebte sich erst wieder , als der Wagen über die Landstraße hinrollte und in das Prusten unserer Pferde hinein Bauer Mertens uns seinen » guten Abend « bot . Es klang treuherzig genug , ahnungslos , daß er und sein Ältester eben die Helden oder doch die Mitspielenden in einer Geschichte gewesen waren . Auf dem Hohen-Barnim » Der Blumenthal « » Der Blumenthal « Und aber nach fünfhundert Jahren Will ich desselben Weges fahren . Chidher der ewig junge » Der Blumenthal « , d.h. der Blumenthalwald , ist der Name eines großen Forstreviers , das den Hohen-Barnim von Westen nach Osten hin durchzieht und durch die von Berlin nach Wriezen führende Straße fast seiner ganzen Länge nach durchschnitten wird . » Der Blumenthal « hat seine Romantik . Etwas von dem Zauber Vinetas ist um ihn her und die Sage von untergegangenen Städten , verschwunden in Wasser oder Wald , begleitet den Reisenden auf Schritt und Tritt . Wer um die Mittagsstunde hier vorüberzieht , der hört aus Schlucht und See herauf ein Klingen und Läuten , und wer gar nachts des Weges kommt , wenn der Mond im ersten Viertel steht , der hat über Stille nicht zu klagen , denn seltsame Stimmen , Rufen und Lachen ziehen neben ihm her . Und ein schöner Wald ist » der Blumenthal « . Die vielen Seen , die ihn durchschneiden , geben , auch wo sie nicht sichtbar werden , seinem Laub eine duftige Frische und ein Blühen ist ringsum , als wolle es der Wald immer wieder beweisen : ich bin » der Blumenthal « . Rapsfelder an den offenen Stellen , die sich breit in den Wald hineindehnen , würzen im Mai die Luft ; dem Blühdorn folgt die Hagerose und dem Faulbaum der Akazienstrauch ; die roten Erdbeeren lösen sich ab mit den röteren » Mallinekens « ( wie der Landmann hier , poetischen Klanges , die Himbeeren nennt ) und wenn endlich der Herbst kommt , so lachen die Ebereschenbeeren überall aus dem dunklen Blattwerk hervor . Dabei ein Reichtum an Hölzern , wie ihn märkische Forsten wohl kaum zum zweiten Male zeigen . In reichstem Gemisch stehen alle Arten von Laub- und Nadelholz ; Eiche und Edeltanne , Else und Kiefer , Buche und Lärchenbaum machen sich den Rang der Schönheit streitig ; vor allem aber ist es die Birke , der Liebling des Waldes , die mit weißem Kleid und langem Haar an dem Auge des Reisenden vorüberfliegt . Der Blumenthal ist fast zwei Meilen lang und ziemlich ebenso breit . Hier und dort aber , wie schon angedeutet , unterbrechen Ackerstrecken das Revier und dringen von rechts und links her bis an die Chaussee hin vor . Ungefähr in der Mitte des Waldes treffen von Nord und Süd her zwei solcher Einschnitte zusammen und teilen den Forst in zwei ziemlich gleiche Hälften , in eine westliche und östliche , oder in eine Werneuchensche und Prötzelsche Hälfte . Die erste ist die landschaftlich schönere , die andere die historisch interessantere . Der schönste Punkt der westlichen Hälfte ist der Gamengrund . Hier war es , wo Schmidt von Werneuchen seine Sommer- und Familienfeste zu feiern liebte . Sein feiner Natursinn bekundete sich auch in der Wahl dieser Stelle . Sie zeigt eine besondere Schönheit , und während sonst der Bau einer Chaussee wenig zum Reiz einer Landschaft beizusteuern pflegt , liegt hier ein Fall vor , wo das Landschaftsbild durch die durchschneidende Weglinie gewonnen hat . Der Chausseebau machte nämlich , wenn überhaupt eine passierbare Straße geschaffen werden sollte , die Überbrückung des Gamengrundes nötig , und da die Herstellung eines Dammes als passendstes Mittel erschien , ward ein Viadukt quer durch die Schlucht geführt , der nun das Hüben und Drüben des Hügellandes verbindet . Von der Höhe dieses Viaduktes aus blickt man jetzt nach links hin in die Wassertiefe des Gamensees , nach rechts hin in die Waldestiefe des Gamengrundes hinab . Der Vorüberfahrende fühlt sich wie gebannt und der Eiligste hat es nicht eilig genug , um nicht ein paar Minuten an dieser Stelle zu verweilen . Beide Bilder sind schön , auch einzeln betrachtet ; aber das eine steigert noch die Wirkung des andern . Nach links hin Klarheit und Schweigen . Der Gamensee , wie ein Flußarm , windet sich in leicht gespanntem Bogen zwischen den Tannenhügeln hin und nichts unterbricht die Stille als ein plätschernder Fisch , den die Nachmittagssonne an die Oberfläche treibt . Nach rechts hin Dunkel und Leben . Aus dem Grunde herauf und bis an die Höhe des Dammes , beinahe greifbar für unsere Hände , steigen die ältesten Eichen , und während sich die Stämme in Schatten und Waldesnacht verlieren , blitzt die Sonne über die grünen Kronen hin . Allerhand Schmetterlinge wiegen sich auf und nieder und die Vögel sind von einer Herzlichkeit , als wäre dies das Tal des Lebens und nie ein Falk oder Weih über den Gamengrund dahingezogen . In der Ferne Kuckuckruf . Und ein blauer Himmel über dem Ganzen . Die Westhälfte des » Blumenthals « ist der landschaftlich schönere Teil , aber die Osthälfte ist reicher an Sage und Geschichte . Wir wandern dieser anderen Hälfte zu . Der Wald hat uns bis an ein Vorwerk begleitet , dessen Stall- und Wirtschaftsgebäude bis hart an die Chaussee treten . Jenseits derselben fängt der Wald wieder an . Dies ist die Stelle , die wir suchen . Der Weg über den Hof hin wird uns auf Ansuchen freundlich gestattet und hinaustretend in die halb bebauten , halb brachliegenden Felder , halten wir , einige hundert Schritte weiter abwärts , vor einem mit Steinmassen überdeckten Terrain . Dies Steinfeld ist die sogenannte » Stadtstelle « . Hier stand vor fünfhundert Jahren das Städtchen Blumenthal , das seitdem dem ganzen Walde den Namen gegeben hat . Die ältesten Nachrichten reichen bis auf 1375 zurück und das Landbuch der Mark Brandenburg führt » Blumendal « noch unter den Ortschaften des Landes Barnim auf . Der Umstand aber , daß nur das Areal des Städtchens angegeben und weder von Abgaben noch Hofediensten gesprochen wird , spricht dafür , daß die Feldmark bereits wüst und wertlos zu werden begann . Die Trefflichkeit der Äcker macht es zwar wahrscheinlich , daß im Laufe der nächsten Zeit noch Versuche gemacht worden sind , die wüst gewordenen Höfe neu zu besetzen , aber diese Versuche mußten notwendig scheitern . 1348 war das große Sterben gewesen ; fünfzig Jahre später , als neue Kolonisten mutmaßlich eben anfingen , dem toten Ort ein neues Leben zu geben , fielen die Pommern ins Land und wieder dreißig Jahre später ging der Hussitenzug mit Mord und Brand über » den Blumenthal « hin . In achtzig Jahren die Pest , die Pommern und die Hussiten – das war zu viel . Ein Fluch schien über den Ort ausgesprochen zu sein ; er war nun wirklich tot , und das Mauerwerk zerfiel . Der Wald mit Eichen und Schlingkraut zog in die offenen Tore ein , die Mallinekens rankten und blühten über Steintrog und Brunnen hinweg und ehe ein Jahrhundert um war , war es ein unheimlicher Ort , eine » verwunschene Stelle « . Jeder mied sie . Wie es Seen und Seestellen