. « » Wenn - wenn - Manches anders wäre , « sagte der Jäger mit ganz leiser Stimme . Dies Wort mußte den Andern ziemlich schwer betroffen haben , denn obgleich er ein Lächeln versuchte , wurde es doch gleich darauf von einem wehmüthigen Zuge verdrängt . Er ließ den Kopf in die Hand sinken und verharrte so einige Sekunden . » Allons ! « rief er alsdann nach einer Pause in seinem gewöhnlichen heiteren Tone , » du hast mir gewiß noch mehr zu sagen , Josef , denn wegen einer Bagatelle , wie diese , läßt du dich nicht bei mir sehen . « » Sie haben Recht , Herr , « erwiderte der Jäger ; » es trieb mich , aufrichtig gesagt , nach langem Kampfe , hieher - nicht aus Furcht vor Ihrem Zorn , Herr , obgleich ich wohl weiß , daß mich derselbe in einem Nu zermalmen könnte , obgleich ich weiß , daß es Sie nur einen Zug an jener Klingel kostet und ich sehe das Tageslicht nie wieder . Aber ich komme aus Dankbarkeit , für Alles , was Sie an mir gethan . Und dies Gefühl ist es auch , welches mich zwingt , Ihnen - diesen Brief zu übergeben . - Es ist ein Verrath an meinem Herrn , aber ich kann nicht anders . « » Ei , ei , ein zierliches Briefchen ! « lachte der Andere , indem er das Schreiben entgegen nahm . » Die Aufschrift kann ich mir denken . - Fräulein Eugenie von S. - Dergleichen wirst du viele zu überbringen haben , Josef ? « » Es ist der Erste , Herr , « versetzte der Jäger sehr ernst ; » und deßhalb dachte ich mir , Sie werden einen Werth darauf legen . « » Vielleicht , « sagte der Andere achselzuckend ; » doch wird nicht viel Interessantes darin stehen - einige Liebesbetheuerungen , Versprechen ewiger Treue , so was dergleichen . Wann schrieb es der Graf ? « » Seine Erlaucht kamen vor einer Stunde mit dem Herrn von Steinfeld von einer Whistpartie , ich glaube bei dem Herrn Major von S. Der Herr Graf waren verdrießlich und erregt , und sprachen , während sie sich umkleideten , viel mit dem Herrn von Steinfeld . « » So , so ! Und was zum Beispiel ? « » Seine Erlaucht sagten : der Herzog wird wahrhaft unerträglich ; hast du je so etwas erlebt ? Bietet mir da - freilich unter vier Augen - eine so unsinnige Wette an - eine Wette , die , wenn er vielleicht mein Verhältniß zu Eugenie ahnt , an ' s Unverschämte grenzt . « » Brav , Josef ! Du hast gut behalten . - Und die Wette ? « » Sie betraf Fräulein von S. Der Herr Herzog wollte es nämlich von heute bis über acht Tagen dahin bringen , daß bei dem großen Maskenballe , der am Hofe stattfindet , das Fräulein in ihrem Anzuge Bänder von den Farben des Herrn Herzogs tragen solle . « » Ah ! Seine Durchlaucht sind leichtsinnig im Wetten , aber geniren sich nicht um den Teufel ; das muß biegen oder brechen . Er ist ein gefährlicher Mensch . « - Diese Worte murmelte er vor sich hin , so daß der Jäger nicht im Stande war , sie zu verstehen . - » Nun zu dem Briefe ! « sagte er nach einigen Augenblicken mit lauter Stimme . - » Na , Josef , « fuhr er lächelnd fort , » du wirst nicht Alles verlernt haben . Oeffne den Brief geschickt und vorsichtig . Du weißt , dort im Wandschrank befindet sich das Nöthige dazu . « Der Jäger zauderte . Der Andere betrachtete das Siegel und schien dieses Zaudern nicht zu bemerken . » Er hat sich ein neues ganz gleiches machen lassen , « sprach er lächelnd vor sich hin . Dann fuhr er lauter fort : » Es ist fein , aber dick ; der Abdruck ist schwierig ; du kannst es hinweg schneiden . - Da . « Der Jäger kämpfte einen schweren Kampf ; sein Auge blitzte , seine Brust hob sich gewaltsam von tiefen Athemzügen . - » Verzeihen Sie mir , Herr , « sagte er nach einer längeren Pause , » das kann ich nicht . « » Was kannst du nicht ? « » Der Brief ist von meinem Herrn , « fuhr er mit weicher , bittender Stimme fort , » von einem gütigen Herrn . O , es ist schon des Verraths genug - aber selbst öffnen - meine Hand zittert . « » Ah , mein Freund , « rief der Andere , und wie es schien gewissermaßen lustig , aus , » aber deine Hand zittert nicht , wenn sie auf eigene Rechnung die Büchse führt . « Josef senkte sein Haupt und entgegnete : » Wenn ich Ihnen mit meinem Leben nützen kann , Herr , so werde ich nicht einen Augenblick zaudern , es hinzugeben , aber - es ist ja Ihre Schuld , « fuhr er mit einem trüben Lächeln fort , » warum brachten Sie mich zu einem solchen Herrn ? « » Nun meinetwegen , sei es darum ; das soll uns nicht entzweien ! « Er stand ruhig von seinem Stuhle auf , ehe er aber den Tisch verließ , blickte er den Jäger fest an , und als er das ein paar Sekunden gethan , wurden seine energischen Züge weicher ; etwas Wehmüthiges erschien auf denselben . Dann ging er rasch zur Thüre , die sich , sowie er die Hand auf die Klinke legte , wie von selbst öffnete ; er reichte den Brief hinaus und sagte : » Das Siegel behutsam ablösen ! « Unsichtbare Hände schienen ihn in Empfang zu nehmen , den Befehl augenblicklich zu vollziehen und ihm das geöffnete Schreiben zwischen den Vorhängen der Thüre wieder zu überreichen . Er trat an den Tisch zurück und überflog den Brief . In demselben stand : » Verzeihe mir , Eugenie « - ah ! das Sie wäre glücklich übersprungen , murmelte er , - » daß ich durch dieses Schreiben mit einer Bitte belästige . Heute Abend wird bei Ihrer Hoheit der Frau Herzogin die Zusammenkunft stattfinden , wo man über die Kostüme zu dem bevorstehenden Maskenball berathet . Wenn es dir möglich ist , die Farbe des deinigen so zu wünschen , daß du ein weißes Band darauf anbringen kannst , so wird mich das unendlich glücklich machen . Morgen will ich dir sagen , weßhalb ich diese sonderbare Bitte stelle . « - Teufel ! dachte der Leser , er geht gerade darauf los . Da wird der Herzog einen schweren Stand haben . - Nun , ich wünsche es dem Grafen , wenn er baldigst die Braut heimführt ; es ist das eine noble Seele , sie nicht minder - es ist ein Paar , das Gott in der allerbesten Laune just für einander geschaffen zu haben scheint . - Er faltete den Brief zusammen ; die unsichtbare Hand hinter dem Vorhang mußte ihn schließen , und dann gab er ihn dem Jäger zurück , wobei er sagte : » Ich danke dir , Josef , für deinen Eifer , obgleich der Brief nichts Wichtiges enthält . - Apropos ! Du hast von deiner Frau nichts mehr gehört ? « Einen Augenblick blieb der Jäger die Antwort schuldig , dann sprach er : » Doch , Herr , sie ist mir gefolgt , sie hat mich gefunden . « » Ah ! das ist schlimm ! Da werde ich helfen müssen ; sie wird dich verrathen . « » O nein , Herr ! « rief der Andere eifrig . » Glauben Sie mir , sie ist überglücklich , mich wieder gefunden zu haben . « » Und du ? « » Weiß Gott , ich nicht minder , Herr ! Sie hat mir die ganze unglückselige Geschichte erzählt ; sie ist unschuldig - der Andere aber nicht ; er hat sein Schicksal verdient . « » Und wo ist sie ? Nehm ' dich in Acht : Franz Karner ist nicht verheirathet . « » Aber er wird es sein , sobald Sie wollen , Herr , « sagte Josef mit leiser Stimme , indem er seine Hände wie bittend zusammenfaltete . » Lassen Sie mir dieses Glück ; ich liebe das arme Weib mehr als je . « » Seltsame Menschen ! « erwiderte der Andere ; doch schaute er nicht ohne Theilnahme in die glänzenden Augen des Jägers . - » Nun ja , du sollst die Papiere haben , aber ein reger Eifer für mich sei mein Lohn . Du hast mich verstanden ? Ich wünsche dich öfter zu sehen als bisher . « » O tausend , tausend herzlichen Dank für Ihre Güte ! « rief Josef freudig . » Und wenn das Andere sein muß , so will ich mich bestreben , pünktlich zu sein . « - Das sagte er mit einem Seufzer . » Es wird dir schwer ; du hast dich schon sehr in die Ehrlichkeit hinein gelebt , Josef . Nun , ich habe heute meine gute Laune ; wie wäre es , wenn ich dich von jetzt ab ganz frei ließe ? « » O mein Gott ! Das würden Sie thun ? « » Natürlich würden wir uns in dem Falle niemals wieder sehen . « » Niemals , Herr ? « » Oder nur dann , wenn es dir wieder ' mal schlecht ginge . In dem Falle würde ich dir erlauben , mich nochmals hier aufzusuchen . « » Sie überhäufen mich mit Großmuth ; und ich soll nicht im Stande sein , etwas - Anderes für Sie thun zu können , Herr ? « » Ich glaube nicht . - Doch halt ! Vielleicht wäre es dir möglich , später einmal einem meiner Freunde einen Dienst zu erzeigen , ohne daß es dich im Geringsten kompromittirt . Das wirst du thun ! « » O gewiß , Herr ! « rief der Jäger freudig aus und faßte mit seinen beiden Händen die Rechte des jungen Mannes , der sie ihm auch ruhig ließ und dabei sagte : » Sollte also später Jemand irgend einen vielleicht auffallenden Dienst von dir verlangen und sagen zu dir , dem Franz Karner , es geschieht für mich , Josef , so wirst du thun , was er wünscht . « » So wahr mir Gott helfe ! « erwiderte der Jäger mit leuchtenden Augen ; » und sollte es mich meinen Dienst , ja mein Leben kosten . « Er zog hastig die Hand des jungen Mannes an seine Lippen und küßte sie innig . Dieser entwand sie ihm aber sanft , und als er Josef darauf anblickte , schüttelte er traurig lächelnd das Haupt , da er Thränen in den Augen des Jägers bemerkte . » So gehe denn , « sagte er mit weicher , fast zitternder Stimme ; » drunten vor der Thüre schüttle den Staub von deinen Füßen und wenn du kannst , so vergiß es , daß du je diese Mauern betreten ! Für deine Papiere werde ich sorgen , - sowie auch dafür , « setzte er leise hinzu , » daß es dir nicht zu schwer wird , dir und deiner Frau einen neuen Hausstand zu gründen . - Jetzt verlaß mich ! « Er streckte die Hand gebietend gegen die Thüre aus und der Jäger befolgte diesen Befehl mit zögernden Schritten . Doch ehe er hinaus ging , wandte er sich nochmals um , stürzte dem jungen Manne zu Füßen und sprach , indem er seine beiden Hände ergriff : » O verzeihen Sie mir , Herr , so konnte ich nicht scheiden ; wenn man sich Jahre lang gekannt , wie wir , so wird es Einem hart , unendlich hart , sich zu trennen . Gott möge Sie behüten und möge es gnädig fügen , daß wir uns einstens freudig wieder sehen ! « - Damit sprang er auf und war verschwunden . » Amen ! « sagte der junge Mann nach einer Pause , während er sich langsam mit der Hand über das Gesicht fuhr . Darauf blieb er noch einen Augenblick nachdenkend an dem Tische stehen und verließ alsdann das Zimmer auf die früher dem geneigten Leser schon beschriebene Art. Achtundsechzigstes Kapitel . Achselbänder und Karrikaturen . Am gleichen Abend , in dem unser voriges Kapitel schließt , vielleicht eine starke Stunde später , verließ der Baron von Brand seine Wohnung ; er trug einen sehr eleganten Paletot von dunklem Tuch , den er fest zugeknöpft hatte ; sein blonder Bart war wie immer sorgfältig zugespitzt und parfümirt ; er schritt lustig trällernd die Treppe hinab , wobei er seine Handschuhe zuknöpfte , und als er hierauf vor die Hausthüre trat , warf er einen Blick an den Himmel hinauf , welcher ruhig und klar war und , wie oft im Winter , in glänzender Sternenpracht funkelte . Es lag kein Schnee auf dem Boden , auch war dieser hart gefroren , weßhalb Herr von Brand keinen Wagen befohlen hatte . Kaum aber wollte er den Fuß auf das Pflaster setzen , so fuhr eine Equipage , die in vollem Trabe aus der Mitte der Straße abgelenkt war , dicht an das Haus hin , wo die Pferde augenblicklich still standen . Der Baron zog seinen Fuß zurück , und that wohl daran , denn der Wagen war so nah bei der Thürschwelle vorgefahren , daß er den Heraustretenden beinahe in Gefahr gebracht hätte . » Zum Teufel ! « rief dieser dem Kutscher zu , » ist das auch eine Manier , harmlose Fußgänger jählings zu überfallen ! Heh ! mein Freund ! Weiß Er wohl , daß er mich um ein Haar überfahren hätte ? « » Ah ! Sie sind es selbst , bester Herr von Brand ! « hörte er nun eine laut lachende Stimme aus dem Wagen . » Wenden Sie Ihren Zorn von dem Unschuldigen draußen auf mich . Es drängte mich , Sie zu sehen , und deßhalb befahl ich , so schnell zu fahren . « » Coeur de rose ! « entgegnete der Baron , indem er an den Schlag trat . » Aber , gnädiger Herr , ich versichere Sie , mein kostbares Leben schwebte in augenscheinlicher Gefahr , oder , was fast noch schlimmer ist , meine geraden Gliedmaßen . - Wollen Euer Durchlaucht vielleicht aussteigen ? « » Nein , nein , « versetzte lachend der Herzog ; » Sie wollten eben ausgehen , und da kann ich mich nicht unterstehen , Ihre besetzte Zeit so sehr in Anspruch zu nehmen . Auch bin ich selbst eilig wie immer . « » Wie Sie befehlen , gnädiger Herr . Aber da Sie zu mir wollten , so muß ich mir schon erlauben , Sie zu fragen , womit ich Ihnen dienen kann . « » Ich habe zwei Worte mit Ihnen zu sprechen , « sagte der Herzog , indem er den Schlag von innen öffnete , » und wäre Ihnen sehr dankbar , wenn Sie für wenige Augenblicke in meinen Brougham steigen wollten . - Aber Sie müssen mir im Voraus verzeihen , bester Baron , daß ich Sie zu so ungewohnter Stunde überfalle und meinen Besuch nur halb mache ; doch wissen Sie , ich bin immer so ungeheuer beschäftigt , und wenn ich mir auch oft vornehme , nach Ihnen zu sehen - « » So kommen Euer Durchlaucht doch nur , wenn Sie Ihre wichtigen Gründe haben , « schloß der Baron von Brand mit dem ihm eigenen süßen Lächeln den Satz . Bei diesen Worten war er in den Wagen gestiegen und ließ sich neben dem Herzog auf die weichen Kissen nieder . » Ich war heute wieder bei dem Major von S. , « sagte Seine Durchlaucht . » Da wurde Whist gespielt , « warf der Baron leicht hin . » Nachher rauchten wir unsere Cigarre , der Major zeigte Steinfeld einige Waffen , ich und Graf Fohrbach wir traten an ' s Fenster . « » Da proponirten Sie ihm eine Wette . « » Woher wissen Sie das ? « fragte erstaunt der Herzog . » Nun , ich weiß es eben , gnädiger Herr ; ich erfahre so Manches . « » Teufel auch ! so habe Sie den Grafen Fohrbach gesehen ! « » Coeur de rose ! - seit mehreren Tagen nicht . « » Oder den Herrn von Steinfeld , oder den Major , denen Graf Fohrbach vielleicht getratscht . « » Ebenso wenig . « » Unbegreiflich ! « sagte der Herzog ; » nun wenn Sie allwissend sind , so brauche ich Ihnen auch nicht zu sagen , weßhalb wir gewettet . « » Gewiß nicht , gnädiger Herr , denn ich weiß das ganz genau . Die Konversation betraf Fräulein von S. , und Sie vermaßen sich - nehmen mir Euer Durchlaucht nicht übel - leichtsinniger Weise , das Fräulein zu bestimmen , Ihre Farben zu tragen . Ah ! Durchlaucht , das ist stark ! « » Alle Teufel ! Baron , woher wissen Sie das ? « rief der Herzog in höchstem Erstaunen . » Es ist so , wie Sie sagen : ich sehe in ungeheurer Achtung zu Ihnen empor . Wahrhaftig , Baron , ich bin glücklich , daß ich Sie Freund nennen darf . « » Weil Sie wahrscheinlich einen Wunsch auf der Seele haben , gnädigster Herr , « entgegnete Herr von Brand . Und wenn es in dem Wagen nicht so dunkel gewesen wäre , so hätte der Herzog nothwendig sehen müssen , von welch ' verächtlichem Lächeln diese Worte begleitet waren . » Bei Gott ! den habe ich auch , Sie Allwissender ; und einen ziemlich großen Wunsch . « » Den ich mir denken kann . Ich soll Ihnen helfen Ihre Wette gewinnen . « » Ja und Nein , « sagte Seine Durchlaucht . » Die Wette ist nicht zu gewinnen , denn der Graf nahm sie gar nicht an : aber meinen Willen durchzusetzen , das wäre mein höchster Wunsch . « » Daß das Fräulein bei dem Hofball Ihre Farben trägt ? « » Ja , das muß ich durchsetzen , « sprach der Herzog eifrig . Dann fuhr er auf vertrauliche Art und sehr leise fort : » Dabei müssen Sie mir helfen ; ich versichere Sie , Baron , ich gewinne nicht einen halben Pas bei dem starrköpfigen Mädchen . Was nützt mich das Fürwort des Vaters ? - was nützt es mich , daß wir sie von allen Seiten umgarnt haben ? - was helfen mich Ihre sonst so vortrefflichen Berichte ? Ueber Alles , was ich erfahre , muß ich mich ärgern ! - Wo geht sie hin ? - Zum Kriegsminister oder zum Major von S. - Wer ist da täglicher Gast ? - Graf Fohrbach ! - Baron , wir müssen einen Hauptcoup ausführen ; ich muß mit einem Mal das verlorene Terrain wieder gewinnen . Sie muß auf dem Hofball meine Farben tragen und sich so kompromittiren . « » Das Letztere kann nicht ausbleiben , wenn wir sie zu dem Ersteren vermögen . Das wird aber sehr , sehr schwer sein . « » Schwer , haben Sie gesagt , bester Baron ! « jubelte der Herzog , » also doch nicht unmöglich . O , meine Dankbarkeit wäre unbegrenzt . Sprechen Sie , ist was zu machen ? « » Das will sehr überlegt sein . Und wie lange haben wir Zeit ? « » Noch acht bis zehn Tage , dann ist der große Maskenball bei Hof . - Sprechen Sie , Baron , machen Sie mich zu Ihrem ewigen Schuldner ! « » Ich fürchte , gnädiger Herr , « erwiderte Herr von Brand lachend , » Ihre Ewigkeiten sind sehr kurz und vergänglich . - Doch will ich ' s darauf hin wagen . Aber erschrecken Sie nicht , wenn auch ich nächstens anfange , meine Forderungen zu stellen . « » Verlangen Sie ! « erwiderte der Herzog bestimmt . » So lieb es mir ist , Ihr Schuldner zu sein , so sollen Sie mich doch jederzeit bereit finden , für Sie zu thun , was in meinen Kräften steht . « » Das höre ich jetzt schon zum zweiten Male , und es wird nächstens die Zeit kommen , wo ich Euer Durchlaucht fest beim Worte nehme . « » Ich hoffe es ; aber meine Angelegenheit - sprechen Sie , bester Baron ! « » Soll - besorgt werden . « » Bei meiner Ehre ! Baron , « rief erfreut der Herzog , » versprechen Sie nicht zu viel ? « » Das thue ich nie , « erwiderte ruhig Herr von Brand . » Es ist das freilich keine leichte Kommission , aber ich thu ' Alles , um Sie mir zu verpflichten . Doch bedarf ich ein klein wenig Ihrer Hilfe ; - heute Abend ist bei der Frau Herzogin eine Zusammenkunft , der Sie wahrscheinlich anwohnen werden . « » Ich habe von Mama die gnädige Erlaubniß erhalten , « lachte der Herzog ; » ich als einziger Mann zwischen ein paar Dutzend Hofdamen und Ehrenfräuleins . « » Sie Glücklicher ! - Nun also , da werden Sie erfahren , welches Kostüm dem Fräulein von S. zugedacht ist . Sorgen Sie darnach für die bewußten Bänder in den Farben , die Sie wollen , sei es als Haar- oder Busenschleife , wenn sie irgend ein vollkommenes Damenkostüm wählt , sei es als Achselbänder , wenn man sie vielleicht zu einer der Ecuyèren Ihrer Majestät bestimmt . Und das bin ich überzeugt bei der prachtvollen Gestalt des jungen Mädchens ! « » Ach ja , bei ihrer prachtvollen Gestalt ! « seufzte der Herzog . » Aber die Schleifen und Achselbänder müssen mir in der von Ihnen bestimmten Farbe vollkommen fertig , auf ' s Zierlichste gemacht , in drei Tagen , von heute ab , übergeben werden . « » Das werde ich selbst besorgen , bester Baron , und zugleich meinen herzlichen Dank überbringen . « » Mit Letzterem wollen wir warten bis nach dem Hofballe , « entgegnete Herr von Brand , » denn ich bin nicht allmächtig ; auch mir kann etwas mißlingen . « » Nein , nein , « rief triumphirend der Herzog , » Ihnen nicht . Glauben Sie mir , ich staune Sie an . Ich bin doch auch mit den Hofintriguen ziemlich bekannt , aber welche Wege Sie gehen , ist mir unerklärlich ; über welch ' immense Kräfte und Mittel müssen Sie zu verfügen haben ! « » Sie irren , gnädiger Herr , « erwiderte der Baron leicht , » die Kräfte , die ich anwende , sind klein und unbedeutend wie ich selbst ; es trifft sich nur zufällig , daß ich Ihnen dienen kann . « » Sie sind wahrhaftig zu bescheiden . Doch will ich jetzt Ihre Zeit nicht länger in Anspruch nehmen , « versetzte der Herzog ; » ich würde Sie einladen , mit mir zu kommen , aber ich muß , wie Sie wissen , bei jener wichtigen Zusammenkunst erscheinen . - Sie waren zu Fuß , wie ich sehe , kann ich Sie irgendwo absetzen ? « » Ich gehe zu Ihrem Rivalen , « sagte lachend der Baron von Brand ; » Sie sehen , wie ich offenherzig bin . Wenn Sie mich dahin bringen wollen , ist es mir angenehm . « » Und genirt es Sie nicht , wenn Sie in meinem Wagen anfahren ? « » Ganz und gar nicht , gnädiger Herr , « versetzte der Baron in sehr harmlosem Tone . - » Coeur de rose ! der Graf Fohrbach wird gar kein Gewicht darauf legen , ob ich von Euer Durchlaucht oder von Hause komme . « » So fahren wir also ! « sprach der Herzog . Er ließ die Scheibe des Schlages herab und rief seinem Kutscher zu : » Zum Adjutanten , Graf Fohrbach ! « Dumpf rollte der Wagen dahin , durch erhellte und belebte Straßen , und bog bald rechts , bald links . Zuweilen fielen Lichtstrahlen aus einem der glänzenden Magazine in den Wagen hinein , und dann hätte man sehen können , wie der Herzog zuweilen aber kaum merklich forschend den Baron Brand anblickte , dieser dagegen zum Wagenschlage hinaussah und die erhellten Läden sowie die vorüberhuschenden Spaziergänger angelegentlich zu betrachten schien . Jetzt hielten die Pferde ; Herr von Brand sagte : » Ah ! da sind wir schon ! « und während er leicht und gewandt auf die Erde stieg , faßte er die dargereichte Hand des Herzogs , welche ihm dieser mit Empressement nachstreckte . Auf einen Zug an der uns bekannten Klingel öffnete sich die kleine Thüre , der Baron ging durch den Garten in das Haus , wurde von dem alten Diener mit einer steifen , feierlichen Verbeugung empfangen , und trat in den Salon , wo sich der Hausherr befand , auch der Major von S. , Arthur Erichsen und Herr von Steinfeld . Sämmtliche Herren blickten auf , als er eintrat , Arthur und Graf Fohrbach wechselten einen bedeutungsvollen Blick mit einander ; doch als hätten sie sich wohl verstanden , winkte der Maler dem Eintretenden freundlich mit der Hand , und Graf Fohrbach , sich gewaltsam von einer kleinen Befangenheit losmachend , rief laut lachend : » Da kommt der Baron ! das ist unser Mann , der kann uns au fait setzen . « Der Baron grüßte verbindlich der Reihe nach , wobei er den Kopf senkte und mit den Augen nach aufwärts schielte . Er zog bedächtig sein Sacktuch heraus , wischte seinen Bart und wedelte sich hüstelnd einige Wohlgerüche zu . Man konnte ihm das nicht übel nehmen , denn der Dampf der Cigarren in dem Gemach war wahrhaft schrecklich ; er konnte auch nichts Gescheidteres thun , als sich selbst eine anzuzünden , was auch sogleich geschah , und dann erst , nach einigen starken Zügen , versicherte er , in der Verfassung zu sein , Rede und Antwort stehen zu können . » Baron Brand ist mir schon recht , « meinte Arthur , » und ich unterwerfe mich seinem Urtheilsspruch . « » Um was handelt es sich ? « fragte jener geziert . » Sie waren neulich bei mir , « fuhr der Maler fort , » oder Sie kamen vielmehr mit Herrn von Dankwart . Sie erinnern sich , daß dieser Protektor aller schönen Künste vorläufig ein Porträt des Herrn Herzogs bei mir bestellte . « » Vorher aber sollten Sie an seinem eigenen Kopfe beweisen , ob Sie auch fähig seien , ein gutes Porträt zu liefern . - Ganz recht , « entgegnete der Baron . » Und dies Porträt hat er gemacht ! « jubelte der Hausherr . » Vortrefflich ! Arthur , lassen Sie es sehen . « » Sie bringen mich wahrhaftig in Verlegenheit , Graf Fohrbach , « sagte lachend der Maler ; » ich habe Ihnen eine Zeichnung präsentirt , aber sie nicht als das Bildniß des Herrn von Dankwart ausgegeben . Gott soll mich bewahren ! das ginge wider allen Respekt . « » So lassen Sie sehen , « sprach gravitätisch der Baron , und zupfte seinen Halskragen sanft in die Höhe ; » wir wollen unparteiisch entscheiden . « » Meinetwegen ! « entgegnete der Maler . » Aber ich ersuche die Herren , meine Verwahrung zu Protokoll zu nehmen . « Er erhob sich und nahm aus seiner Mappe , die in einer Ecke lehnte , ein Blatt , welches er dem Herrn von Brand übergab . Dieser legte seine Cigarre auf das Kamin , wandte den Rücken gegen die Lampe , die auf dem Gesims stand , und als nun das volle Licht derselben auf jenes Bild fiel , fuhr ein höchst angenehmes Lächeln über seine Züge . Seine Oberlippe erhob sich kokett und zeigte die blendend weißen Zähne . - » In der That vortrefflich ! « sagte er nach längerem Betrachten ; » superb ! - göttlich ! Das ist das Bild eines Schimpanse , und hat zugleich große Aehnlichkeit mit Herrn von Dankwart . « » Zeigen Sie auch die anderen ! « rief Graf Fohrbach . Und der Maler brachte noch fünf andere Blätter zum Vorschein , worin der Schimpanse und Herr von Dankwart nach der bekannten Spielerei behandelt waren , mittelst welcher man in hundert Abbildungen mit ganz unmerklichen Aenderungen , wodurch zwei Blätter immer vollkommen ähnlich sind , dennoch den großen Sprung von einem ausgespannten Frosch bis zum Apoll von Belvedere zurücklegen kann . Hier aber genügten vollkommen sechs Blätter , um aus einem gerechten und untadelhaften Schimpanse zur vollständigen Figur des Herrn von Dankwart überzugehen . » Die Blätter sind kostbar , « sagte Herr von Brand nach einer Pause ; » ich gäbe was darum , wenn ich sie meinem Album einverleiben könnte . Lieber Herr Erichsen , könnte sie ein armer Mann , wie ich bin , bezahlen ? « » Wenn es eine präsentable Arbeit wäre , « erwiderte der Maler , indem er seine Blätter wieder zusammen packte , » so würde ich , mich aller Ihrer Gefälligkeiten erinnernd , mir ein Vergnügen daraus machen , sie in Ihr Album zu stiften . Aber verzeihen Sie mir , in diesem Falle wäre das vielleicht für uns Beide ein gefährliches Wagstück . « » Was geht uns Herr von Dankwart an ? « meinte der Baron . » Aber seine