Solch ' Echo bin ich nicht : all ' meiner Seele Schwung Entspringt aus einem nur , aus der Bewunderung Womit ich vor dir steh ' ; dein Tun , das in mir lebt , Dein Schicksal ist ' s allein , was mich zu dir erhebt . Es huldigt mir dein Wort ; ich habe des nicht Leid , Ist doch huldvolles Wort der Hoheit schönstes Kleid , Und du , du botest mehr , der Grazien schöne Hand Gestaltete zum Lied , was deine Huld empfand , Du gabst mehr Ehre mir , als je mein Herz erfuhr , Und all ' mein Sein ist Dank und stille Huld ' gung nur . Dies sei genug . Auffallend ist es , daß sich in diesen Versen , die spätere Ruhmesbezeichnung gleichsam antizipierend , bereits der Ausdruck » le grand Frédéric « vorfindet . Das bewundernde Hinaufblicken aber zu diesem grand Frédéric erklärt sich wohl überwiegend aus der erst kurze Zeit zurückliegenden » Küstriner Tragödie « , die den Kronprinzen , vor aller Welt Augen , mit einem Märtyrer- und Glorienschein umkleidet hatte . Ich sagte , die Sechsfüßler , die der Kronprinz seinen Briefen beilegte , waren doppelter Art : einerseits Huldigungen gegen Frau von Wreech , andererseits kleine literarische Beilagen , die ein Geplauder , einen Meinungsaustausch , eine espritvolle Kontroverse wachrufen sollten . Begreiflicherweise sind es diese letzteren , denen ich ein besonderes Gewicht beilege , weil sie das ästhetisch-literarische Fundament des Verhältnisses ungleich besser charakterisieren , als jene Huldigungsstrophen . Diese literarischen Beilagen bestanden zunächst aus Satiren , ebenfalls in den unvermeidlichen Alexandrinern geschrieben . Er rächt sich in ihnen für alle während seiner Gefangenschaft erlittene Unbill und jeder , der ihn gepeinigt oder auch nur vorübergehend gelangweilt hat , erhält seinen Geißelhieb . Der Gouverneur von Lepel , der Kammerdirektor Hille , die neidische Frau von Wolden , alle ziehen sie noch einmal vorüber , zuletzt die Colonelle Eberts , von der es heißt , » daß sich über ihre Dummheit eine ganze Äneide schreiben ließe . « An Noten , Erläuterungen und Randbemerkungen ist kein Mangel , und in einem Postskriptum erfahren wir , daß die ganze Satire in etwa vierzehn Tagen geschrieben und doch immer noch voller Fehler sei , während alles Gute darin dem Horaz oder Juvenal entstamme . Oder auch dem Boileau . So waren die Verspakete , die die kronprinzlichen Briefe nach Tamsel hin begleiteten . Diese selber glichen Aufsätzen und hoben das literarische Interesse weit über das Herzensinteresse hinaus . Etwa um die Mitte November , kurz vor seiner völligen Aussöhnung mit dem Vater , schreibt er : » Verehrteste Cousine ! Des guten Glaubens , daß Sie zu meinen besten Freunden in diesen Gegenden zählen , kann ich nicht unterlassen , Ihnen einen Plan mitzuteilen , der sich auf meinen demnächstigen Einzug in Berlin bezieht . Es ist ungefähr folgendes , was ich Ihnen darüber mitzuteilen habe . Der Zug soll durch eine Herde jener verpönten Tiere von zartem Fleisch und unzarten Gewohnheiten eröffnet werden , denen die Aufgabe zufallen wird , aus Leibeskräften und in Gemäßheit angeborener Instinkte zu schreien . Dann folgt eine Schaf- oder Hammelherde unter Führung eines meiner Kammerdiener . Danach eine Herde podolischer Ochsen , die mir unmittelbar voraufgehen . Nun ich selbst . Mein Aufzug ist folgender : ein großer Esel trägt mich , so einfach als möglich aufgeschirrt . Statt der Pistolenhalfter befinden sich zwei Getreidesäcke vor mir , und ein tüchtiger Mehlsack vertritt die Stelle von Sattel und Schabracke . So sitz ich da , einen Knüttel als Peitsche in der Hand und einen Strohhut statt des Helmes auf dem Kopf . Zu beiden Seiten meines Esels marschiert ein halbes Dutzend Bauern mit Sensen , Pflugscharen und anderen Attributen der Landwirtschaft , und müht sich Schritt zu halten und einen Ernst zu zeigen , wie er der Sache angemessen ist . Dann folgt , auf der Höhe eines schwerbeladenen Heuwagens , die heroische Gestalt des Seigneur von Natzmer , der Wagen selbst von vier Ochsen und einer Stute gezogen . Ich bitte Sie , verehrteste Cousine , mich bei Anordnung dieser Zeremonie unterstützen zu wollen . Was mich angeht , so zieh ' ich es vor , eine wirkliche Ursache zu Hohn und Spott zu geben , als ohne allen Grund von einem frechen Volkshaufen ausgelacht zu werden . Ich treffe alle Vorbereitungen für diesen meinen Einzug und warte nur noch Ihrer Ordre , um sie ins Werk zu setzen . « Dieser Brief , mit allen seinen Vorzügen und Schwächen , was ist er anders , als ein kleiner humoristischer Versuch , der der schönen Freundin in Tamsel übersandt wird , um bei nächster Gelegenheit einiges Schmeichelhafte darüber zu hören . Noch einmal , die ästhetisch-literarischen Bedürfnisse des Kronprinzen schufen und unterhielten das Verhältnis , und wenn die Gefühle des jungen Poeten , wie kein Zweifel ist , zu Zeiten die Gestalt einer leidenschaftlichen Zuneigung annahmen , so bleibt es doch mindestens ungewiß , ob diese Neigung eine glückliche , eine gegenseitige war . Wenn wir darüber die Schlußsätze des letzten Briefes vom 20. Februar zu Rate ziehen , so scheint es beinahe , daß Frau von Wreech einfach hinnahm , was sie nicht ändern konnte , und daß sie , namentlich nach Ablauf einer ersten Epoche poetischer Bewunderung , des Kronprinzen Liebe mehr duldete als erwiderte . Diese Schlußsätze des prinzlichen Briefes lauten : » So schicke ich Ihnen denn mein Bild . Ich hoffe , daß es mich wenigstens dann und wann in Ihre Erinnerung bringen und Sie zu dem Zugeständnis veranlassen wird ; er war au fond ein guter Junge ( un assez bon garçon ) , aber er langweilte mich , denn er liebte mich zu sehr und brachte mich oft zur Verzweiflung mit seiner unbequemen Liebe . « Diese Worte , die fast wie ein Resümee klingen , sind mir als besonders charakteristisch erschienen . Ende Februar verließ der Kronprinz Küstrin , um vorläufig nicht mehr dahin zurückzukehren . Die Jahre gingen , andere Zeiten kamen . Das Verhältnis , das einen Winter lang so viel Trost und Freude gewährt hatte , schien tot und erst sechsundzwanzig Jahre später sehen wir den Kronprinzen , nun König Friedrich , abermals in Tamsel . Aber wie anders sieht ihn jetzt Tamsel an ! Es ist am 30. August 1758 , fünf Tage nach der Schlacht bei Zorndorf . Das Schloß ist von den Russen ausgeplündert , alle Bewohner sind geflohen , der zurückgebliebene Lehrer der Wreechschen Kinder liegt erschlagen im Park , alles ist wüst , öde , halb verbrannt und nur mit Mühe konnte ein Tisch für den König herbeigeschafft werden . Und jetzt gedenkt er entschwundener Tage und alter Pflicht und alter Liebe , und angesichts der Zerstörung , die sein Herz an diesem Orte doppelt trifft , richtet er noch einmal einige Zeilen an die schöne Frau . Keine Verse sind eingeschlossen , aber ein Besseres hat er sich in der Schule des Lebens erobert – ein echtes Gefühl . Der Brief selbst aber lautet : » Madame ! Ich habe mich nach der Schlacht vom 25. hierher begeben und eine volle Zerstörung an diesem Orte vorgefunden . Sie mögen versichert sein , daß ich alles nur mögliche tun werde , um zu retten , was noch zu retten ist . Meine Armee hat sich genötigt gesehen , hier in Tamsel zu fouragieren , und wenn freilich die verdrießliche Lage , in der ich mich befinde , es ganz unmöglich macht , für all ' den Schaden aufzukommen , den die Feinde ( vor mir ) hier angerichtet haben , so will ich wenigstens nicht , daß von mir es heiße , ich hätte zum Ruin von Personen beigetragen , denen gegenüber ich die Pflicht , sie glücklich zu machen , in einem besonderen Grade empfinde . Ich halte es für möglich , daß es Ihnen selbst , Madame , eben jetzt am Notwendigsten gebricht , und diese Erwägung ist es , die mich bestimmt , auf der Stelle die Vergütung alles dessen anzuordnen , was unsere Fouragierungen Ihnen gekostet haben . Ich hoffe , daß Sie diese Auszeichnung als ein Zeichen jener Wertschätzung entgegennehmen werden , in der ich verharre , als ihr wohlgewogener Freund Friedrich . « Frau von Wreech empfing diesen Brief am selben Tage noch , woraus sich schließen läßt , daß sie auf einem der benachbarten Güter Zuflucht gesucht hatte , denn dem Briefe sind von der Hand der Empfängerin die Worte hinzugefügt : » Empfangen am 30. August 1758 , in demselben Jahre , in dem ich alles verlor , das ich mein nannte « – oder wie es im Originale heißt : » L ' année où j ' ai perdu tout ce que j ' avais dans le monde pour vivre . « Diese Worte der Frau von Wreech sind charakteristischer , als sie auf den ersten Blick erscheinen mögen . Der Brief des Königs hatte zweifellos den Zweck , ein Trostbrief zu sein ; der Ausdruck seiner Teilnahme , zugleich die Zusage für alles aufkommen zu wollen , was die Verpflegung seiner Truppen gekostet hatte , alles das bezeugt genugsam , daß er aufzurichten wünschte , tatsächlich , aber auch in Worten . Frau von Wreech indessen , unberührt von dem schönen Inhalte des Briefes , scheint nur dem einen bitteren und niederdrückenden Gedanken gelebt zu haben : Ich war reich und bin nun arm ; ich konnte geben und helfen und bin nun selber hilfebedürftig . Es würde gewagt sein , aus der kurzen Notiz : » das Jahr , in dem ich alles verlor , was ich mein nannte « , so weitgehende Schlüsse auf die damalige Stimmung der Frau von Wreech zu ziehen , wenn nicht die Korrespondenz , die sich von jenem 30. August an zwischen Jugendfreund und Jugendfreundin entspann , keinen Zweifel darüber ließe , von welchen Empfindungen das Herz der freilich schwer heimgesuchten Frau damals ausschließlich erfüllt wurde . Und wenn die Jugendbriefe des Kronprinzen uns mehr mit der Empfängerin in Tamsel als mit dem Küstriner Verfasser sympathisieren ließen , so wendet sich jetzt das Blatt und der König kommt zu seinem Recht . Auch auf die zweite Korrespondenz werfen wir noch einen flüchtigen Blick . Sie besteht nur aus fünf Briefen und diese wirken neben der Jugendkorrespondenz , wie die Billetts eines sich mit Anstand zurückziehenden Ehemanns neben dem Briefpäckchen , das er als Bräutigam geschrieben . Aber sie verlieren dadurch nichts von ihrem Wert . Im Gegenteil . Von verschiedenen Punkten aus datiert , wohin der Krieg den schwerbedrängten König gerade rief , von Dresden , Breslau , Leipzig aus , gereicht jeder einzelne dem Schreiber zu hoher Ehre . Aus ihrem Inhalt ergibt sich , daß Frau von Wreech nicht müde wurde , den König erst um Unterstützung für die verarmten Bauern der Wreechschen Güter , dann um Darlehen für sich selbst zu bitten . Diese Gesuche waren sicherlich dazu angetan , die Geduld des Königs zu erschöpfen , der z.B. einen dieser Briefe kurz nach dem schwer erkauften Siege von Torgau , will also sagen in einem Augenblick empfing , wo die halbe Monarchie ziemlich ebenso verwüstet war wie die Güter der Frau von Wreech ; aber seine Antworten zeigen nirgends Ungeduld oder jenen herben Ton , durch den er so schwer verletzen konnte , und selbst da , wo er auf das bestimmteste ablehnt , lehnt er nur ab , weil er muß . Er schreibt eigenhändig von Breslau aus : » Madame , Sie stellen sich die Dinge sehr anders vor , als sie sind . Bedenken Sie , daß ich seit einem Jahre weder Gehalte noch Pensionen zahle ; bedenken Sie , daß mir Provinzen fehlen , daß andere verwüstet sind ; denken Sie an die enormen Anstrengungen , die ich machen muß , und Sie werden einsehen , daß meine Ablehnung nur in der völligen Unfähigkeit ihren Grund hat , Ihnen zu helfen . Sobald die Dinge sich ändern , soll geschehen , was möglich ist . « Ja , er geht schließlich weiter und bewilligt wirklich eine Summe zu einem Betrage , der nicht genannt wird , dessen Unzureichendheit aber sich mutmaßen läßt , denn die Anfangsworte des Begleitschreibens lauten : » Es tut mir aufrichtig leid , Madame , weder so viel tun zu können , wie ich möchte , noch so viel , wie Sie wünschen . Aber ich habe Ordre gegeben usw. « Dies sind die letzten Zeilen , die Friedrich nach Tamsel hin richtete . Sie zeigen , wie diese letzten Briefe überhaupt , daß er auch unter den pressendsten Verhältnissen nie vergaß , was er diesem Hause und dieser Frau an Dankbarkeit schuldig war . Er hätte sonst einen ganz andern Ton angeschlagen . Frau von Wreech indes scheint anders empfunden und bis zuletzt die Vorstellung unterhalten zu haben , daß des Königs Benehmen hart überhaupt und speziell hart gegen sie , die Genossin , die Freundin seiner Jugend gewesen sei . Der Friede kam , das verwüstete Tamsel blühte wieder auf , der alte Feldmarschall mit seinen roten Gamaschen hing wieder an der boisierten Wand , und der Park , schöner werdend von Jahr zu Jahr , füllte sich mit Marmorstatuen . Dem Ruhme des Prinzen Heinrich wurden Tafeln und Obelisken errichtet , jedem einzelnen aus dem Hause der Hohenzollern fiel eine Huldigung zu . Nur dem Größten nicht . Kein Stein , keine Tafel trug damals den Namen König Friedrichs . Hier , wo er glücklich gewesen war und vielleicht auch glücklich gemacht hatte , sollte sein Name vergessen sein . Aber die Zeiten üben Gerechtigkeit . Im Sommer 1795 wurde der jüngste Sohn der schönen Frau von Wreech , zugleich der letzte seines Stammes , in die Kirchengruft hinabgesenkt , und andere Bewohner zogen in Schloß Tamsel ein , andere , die lächeln mochten über den Unmut , der sich unterfangen hatte , den Namen des großen Königs von dieser Stelle ausschließen zu wollen . Am 31. Mai 1840 , am hundertjährigen Jahrestage der Thronbesteigung Friedrichs II. , fiel die Hülle von dem Monumente , das Graf Hermann Schwerin dem Andenken des Königs im Tamseler Parke hatte errichten lassen . Es ist ein Denkstein von 30 Fuß Höhe . Auf der Spitze desselben erhebt sich eine vergoldete Viktoria , während der Sockel die Inschrift trägt : Es ist ein köstlich Ding einem Manne , daß er das Joch in seiner Jugend trage . Unter Beteiligung vieler Tausender aus Dorf und Stadt wurde die Enthüllungsfeier begangen . Ein alter Bauer , als er die Hüllen fallen sah , rief seinem Nachbar zu : » Ick dacht , et süll de olle Fritz sinn , un nu is et sine Fru . « Der alte Bauer hatte die Wahrheit gesprochen . Waren doch Viktoria und Friedrich immer zu treuem Bunde vereint gewesen . Die Hohenzollern aber , mögen sie nie aufhören , in gleicher Art dem Siege vermählt zu sein . Tamsel II Der Park Der Park Der Tamseler Park zerfällt in einen Außen- und Innenpark . Der Außenpark ist eine Waldpartie , die vom Fuß des Hügels an bis zur Kuppe desselben aufsteigt und vom Bruch aus gesehen die Schlußkulisse des ganzen Bildes bildet . Auf der Höhe des Hügels erhebt sich einer jener griechischen Tempel , wie sie die Rokokozeit zu bauen liebte , während weiter abwärts eine Schlucht die Hügelwand durchbricht , eine Talrinne , durch welche der Weg nach Zorndorf führt . In dieser Schlucht war es , wo in den achtziger Jahren dem Prinzen Heinrich zu Ehren die Forcierung des Passes von Gabel , die letzte Kriegstat des Prinzen , noch einmal in Szene gesetzt wurde . Natürlich bei bengalischem Feuer . Die Schlucht wurde zu diesem Behuf überbrückt ; Minerva , die schöne zwanzigjährige Gräfin Dönhoff , führte die Sturmkolonne mit begeisterter Anrede über die Brücke , an deren anderem Ende der Prinz von drei Johanniterrittern : von Schack , Graf Dönhoff und Graf Tauenzien in voller Ordenstracht begrüßt und mit den schon an anderer Stelle ( Band I. ; in den Rheinsberger Kapiteln ) mitgeteilten Worten empfangen wurde : Henry parait ! il fait se rendre ! Vous frémissez fiers Autrichiens ! Si vous pouviez le voir , si vous pouviez l ' entendre , Vous béniriez le sort qui vous met dans ses mains . Also etwa : Heinrich erscheint . Vor seinem Begegnen Zittert Österreich und unterliegt ; – Kenntet ihr ihn , ihr würdet es segnen Stolze Feinde , daß er euch besiegt . Zur Erinnerung wieder an diesen Erinnerungstag wurde gleich nach der Festlichkeit ein Obelisk an jener Stelle errichtet , wo die drei Johanniterritter den Prinzen begrüßt hatten und diesem Obelisken die Inschrift gegeben : En Memoire du Passage de Gàbel en Bohème par le Prince Henri de Prusse , le 31. Juillet 1778 . Darunter : Ce marbre véridique aux siècles à venir Du héros de notre siècle attestera la gloire , Mais tout ce qu ' il peut contenir N ' est qu ' un feuillet de son histoire . Dieser Obelisk steht noch . Der Innenpark ist sehr reich an Statuen und Gedenksteinen und soll , vor nicht allzu langer Zeit , noch um vieles reicher daran gewesen sein . In einer seiner Ecken erhebt sich ein Altar mit den Büsten des » Prince Henri « und des Großen Kurfürsten , und französische und deutsche Verse wetteifern , teils in unmittelbarer Huldigung gegen den Prinzen , teils in Vergleichen , die sie zwischen dem Ahnherrn und seinem Enkel ziehen . » Il a tout fait pour l ' état « heißt es an einer Stelle . Aber diesem einfachen Ausspruch folgen Verse des Chevaliers de Boufflers auf dem Fuß : Dans cette Image auguste et chère Tout Héros verra son Rival . Tout Sage verra son Egal Et tout homme verra son frère . Nun beginnen die Parallelen mit dem Großen Kurfürsten . Zuerst französisch : Grands dans la paix , grands dans la guerre , Tous deux , par de fameux exploits , Devinrent et l ' exemple et la leçon des rois . D ' infortunés proscrits le premier fut le père , Le second , par son art d ' etonner et de plaire , Mit des Français tous les cœurs sous ses loix . Dann folgen deutsche Distichen : Mächtig erhub sich der Staat durch Wilhelm , der ihm zu Lehrern Jeder friedlichen Kunst Galliens Flüchtlinge gab ; Mächtig beschützt ihn der Sieger bei Freiberg , der in die Lorbeern Früh sich des feinen Geschmacks gallische Lilien wand . Endlich , im lapidarsten Lapidarstil , machen lateinische Worte den Schluß . Zuerst ( dem Kurfürsten geltend ) : Fridericus Guilielmus vere Magnus . Civium Parens . Hostium Victor . Libertatis Germanicae Vindex . Fidei Exulis Perfugium . – Dann ( dem Prinzen geltend ) : Henricus Militum Amor . Hostium Terror . Gallicae Gentis Deliciae . Musarum Altor . Ad Freibergam Victor . Hiermit schließen die Inschriften zu Ehren des Prinzen Heinrich , aber nicht die Denksteine und Inschriften überhaupt . » Rose elle a vécu ce que vivent les roses , – l ' espace d ' un matin « , so lauten die Worte auf einem halb unter Rasen verborgenen Sandstein , der zugleich den Namen der Frühgeschiedenen trägt : Lisette Tauenzien . Weiter abwärts begegnen wir in den Gängen des Parks einem Epitaph mit Bild und Urne , » dem Gedächtnis seiner zwei Geschwister er richtet vom Grafen Ludwig Alexander Wreich « . ( Complaints de Louis Alexandre Comte de Wreich sur la perte de sa sœur et de son frère . ) Darunter folgende Verse : Naissez mes vers , soulagez mes douleurs Et sans efforts coulez avec mes pleurs ! Pour vous pleurer je devance l ' aurore , L ' eclat du jour augmente mes ennuis , Je gémis seul dans le calme des nuits , La nuit s ' envole et je gémis encore . Vous n ' avez point soulagé mes douleurs , Naissez mes vers , laissez couler mes pleurs . Noch weiter abwärts erhebt sich das Denkmal , das ebenfalls Graf Ludwig Wreich dem Andenken seines Lehrers Fahndorff errichtete , desselben , der am 24. August 1758 von den plündernden Russen ermordet und unter die Bäume des Parks geworfen wurde . Noch vieles andere ist an Tafeln und Inschriften da , aber wir verweilen dabei nicht länger und wenden uns vielmehr der Stelle zu , wo im Mittelpunkte des Parks , en vue des Schlosses vom Grafen Hermann Schwerin der große Denkstein errichtet wurde , dessen ich schon S. 334 flüchtig erwähnte . Es ist , wie an jener Stelle hervorgehoben , ein Steinobelisk von etwa 30 Fuß Höhe , der sich auf einem gegliederten Postamente er hebt und seinerseits wieder eine Viktoria trägt . An den Seiten und der Rückfront des Postaments befinden sich drei , auf den Küstriner Aufenthalt des Kronprinzen Bezug nehmende Basreliefs : ein Studierzimmer mit Büchern , Noten und Karten ; ein strahlender Jüngling , der den Wagen der Sonne lenkt ; Küstrin mit der alten Oderbrücke ; während die Vorderfront folgende Inschrift trägt : Eh die Sonne ( mit des Schöpfers Macht im Bunde ) Sendet ihren Glühstrahl über Welt und Ocean , Geht des Frühlingsmorgens Nebelstunde Thränenschwer , doch Segen bergend , ihr voran . Weitere am Obelisken selbst befindliche Inschriften knüpfen ebenfalls an den Aufenthalt des Kronprinzen in Küstrin und Tamsel an . Vorderfront : Hier fand Friedrich II. als Kronprinz von Preußen in seinem Duldungsjahre 1731 erwünschte Aufheiterung in ländlicher Stille . Rückfront : Es ist ein köstlich Ding einem Manne , daß er das Joch in seiner Jugend trage . Klagelieder Jeremiä 3 , 27. An einer der Seitenfronten befinden sich einige auf die Errichtung des Denkmals bezugnehmende Worte : » Dem erhabenen Verklärten Anno 1840 , nach 100 Jahren seiner Thronbesteigung , geweiht vom Grafen Hermann von Schwerin . « Ein Gitter und Rosenbüsche fassen das Denkmal ein . Es ist an derselben Stelle errichtet worden , an der , laut Aussage alter Fischersleute , der Kronprinz , wenn er im Tamseler Parke spazieren ging , mit Vorliebe zu verweilen und unterm Laubdach der Bäume zu lesen pflegte . Die Enthüllung des Denkmals war , wie schon hervorgehoben , ein Fest für die ganze Gegend . Friedrich Wilhelm III. , der sieben Tage später starb , hatte noch den größten Anteil daran gewonnen und acht Invaliden aus der friderizianischen Zeit , zur Erhöhung des festlichen Eindrucks , nach Tamsel geschickt . Die Uniformierung war eigens nach Angaben des Königs erfolgt 59 . Die Kirche Die Kirche Die Tamseler Kirche steht ebenfalls im Park . Es ist ein alter , gotischer Bau , der durch Schinkel restauriert und malerisch in die Landschaft eingefügt wurde . Dies Bestreben , einer sterilen Landschaft künstlerisch aufzuhelfen oder eine hübsche Landschaft noch hübscher zu machen , spielt bei allen Schinkelschen Dorfkirchen eine wesentliche Rolle . Wir treten ein . Das linke Querschiff ist eine mit Statuen und Waffentrophäen geschmückte Ruhmeshalle für die Schönings . Hier befinden sich , in einer Doppelnische , die überlebensgroßen Steinbilder des Feldmarschalls Hans Adam von Schöning und seiner Gemahlin . Zur Linken beider steht die Marmorbüste des Sohnes ( Johann Ludwig † 1713 ) und trägt folgende Inschrift : » Der Hochwohlgeborne Herr , Herr Johann Ludwig von Schöning , des St. Johanniter Ordens Ritter und designirter Commendator zu Lago , Sr. Königl . Majestät in Polen und churfürstlichen Durchlaucht zu Sachsen gewesener Kammerherr , Herr zu Tamsel , Warnick , Groß und Klein Kamin , Birckholz und Schönhoff , ist geboren zu Küstrin den 25. Dezember St. vet . anno 1675 und auf dem adeligen Gute zu Neuendorf in dem Fürstenthum Halberstadt anno 1713 , den 29. Oktober , selig in dem Herrn entschlafen , seines Alters 37 Jahr 10 Monate und 10 Tage . « Andere Statuen enhält die Kirche nicht , wohl aber zwei Ölbilder zur Rechten und Linken des Altars . Das eine , von Wach gemalt , ist eine » Himmelfahrt « ; das andere , ein » Christus am Kreuz « , wurde von Wach restauriert . Dies zweite Bild ist wesentlich besser und gilt für wertvoll . Es heißt » der Feldmarschall habe es nach seinem Türkensiege aus Ungarn mitgebracht « , doch erscheint mir das wenig wahrscheinlich . Alles , was sich in den Schlössern und Kirchen unserer » Türkenbesieger « vorfindet , ist regelmäßig » aus Ungarn mitgebracht « . Ich meinerseits halte mich überzeugt , daß selbst die S. 302 erwähnten , berühmten Stuckarbeiten im Tamseler Schloß einfach von Berliner Künstlern herrühren , an denen unter der Regierung König Friedrichs I. in der brandenburgischen Hauptstadt kein Mangel war . Der » Christus am Kreuz « konnte freilich damals von keinem Berliner Maler gemalt werden und stammt wahrscheinlich aus Dresden , wo , wie wir gesehen haben ( vgl. S. 317 ) , Feldmarschall Schöning von 1691 an lebte und 1696 starb . Die Kirche hat zwei Erbbegräbnisse : das eine , ein neuerer Anbau , hinter dem Chor der Kirche , das andere eine gewölbte Gruft aus der Zeit der Schönings oder noch früher . Der » neuere Anbau « ist das Dönhoffsche Erbbegräbnis . Es wurden darin beigesetzt : 1. Graf Dönhoff , an den , nach dem Tod des letzten Wreech , Tamsel als Frauenerbe fiel ; 2. Gräfin Dönhoff , geborene Gräfin Schwerin ; 3. und 4. zwei junge Grafen Dönhoff , von denen der eine als Kind starb , der andere , kaum einundzwanzig Jahr alt , von seinem Freunde , dem Grafen Saldern , im Duell erschossen wurde . Das Duell fand in Göttingen statt ( 1816 ) , wo beide studierten . Graf Dönhoff hatte das Jahr vorher als Garde-du-Corps-Offizier die Kampagne mitgemacht . – Außer diesen vier Särgen befinden sich noch zwei ältere in dem Erbbegräbnis , und zwar die Särge des Freiherrn Dodo Heinrich von Inhausen und Knyphausen , Erbherr der Herrlichkeit Jenelt und Visket , und seiner Gemahlin , einer gebornen Baronesse von Wreech . Er , der Freiherr , war am 5. August 1729 geboren und starb am 31. Mai 1789 . Er gehörte dem Rheinsberger Kreise an . Die Gruft scheidet sich in zwei gewölbte Räume . In der ältern , mehr zurückgelegenen Gruftkammer befinden sich die Särge der alten Familie von Schönbeck , die schon um 1510 Tamsel und Warnick von dem Johanniterorden zu Lehn trug . In dem andern Gewölbe stehen elf zum Teil sehr prachtvolle Särge , darunter der der schönen Frau von Wreech ( Luise Eleonore ) 60 , der beiden letzten Wreechs und des Feldmarschalls Hans Adam von Schöning . Der Sarg der schönen Frau von Wreech hat keine Inschrift , wohl aber befinden sich solche auf den Särgen ihrer beiden Söhne , der » letzten Wreechs oder Wreichs « . Beide Schreibarten gelten . Diese Inschriften lauten : 1. Friedrich Wilhelm Feodor , Freiherr von Wreich , Sr. K. Majestät von Preußen wirklicher Kammerherr und Hofmarschall bei Sr. K. Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen , sind geboren zu Berlin den 29. Januar 1733 und gestorben zu Berlin den 23. Mai 1785 . 2. Ludwig Graf von Wreich , der letzte seines Stammes , Königl . Preuß . Kammerherr und Hofkavalier Sr. K. Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen , Erb-und Gerichtsherr auf Tamsel usw. , Ritter des Johanniter-Ordens und Domherr des Stifts zu Magdeburg , ward geboren im Jahre 1734 zu Kyritz in der Altmark und starb den 20. Juni 1795 zu Rathenow im 61. Jahre seines ruhmwürdigen Lebens . Der Sarg des Feldmarschalls Hans Adam von Schöning ist sehr groß und prächtig , und ganz von Kupfer . Ein goldenes ( oder silbernes ) Kruzifix liegt oben auf ; das Wappen befindet sich oberhalb , der Namenszug unterhalb dieses Kruzifixes . Die Seitenwände basreliefartig mit Fahnen geschmückt ; dazwischen folgende Inschrift : » Der hochwohlgeborene Herr , Herr Hans Adam von Schöning auf Tamsel , Warnick , Birkholz , Churf . Sächs . wohlbestallt gewesener General-Feldmarschall , wirklich Geheimer und Geheimer Kriegsrath , Obrister der Leibgarde zu Fuß , wie auch über ein Regiment Cürassiers und ein Regiment Dragoners , ward geboren zu Tamsel den 1. Oktober 1641 , starb selig zu Dresden , den 28. August 1696 . « Die Rückseite dieses Sarges enthält die Bibelstelle : Psalm 18 , Vers 32 – 36. – Der Deckel ist aufgelötet und macht ein Öffnen sehr schwierig . Zu Lebzeiten des Generals und Historiographen der Armee Kurt von Schöning , der alljährlich am Geburtstage seines berühmten Ahnherrn in Tamsel zu erscheinen und in der Gruft daselbst zu verweilen liebte , war öfters von Öffnen des Sarges die Rede , aber es unterblieb jedesmal , einmal weil die Sache große Schwierigkeit hatte und andrerseits , weil man sich scheuen mochte , die so wohlverwahrte Ruhe des Toten zu stören . Handelte es sich dabei doch ohnehin nur um Befriedigung einer Neugier . Freilich einer verzeihlichen . Man wollte nämlich in Erfahrung bringen , ob er mit dem mit Diamanten besetzten Degen , den ihm Kaiser Leopold nach der Einnahme von Ofen zum Geschenk gemacht hatte , begraben sei oder nicht . Dieser Degen war bis jetzt nirgends zu finden . Das Schloß Das Schloß In seinen Umfassungsmauern ist es noch das , was vom Feldmarschall von Schöning gebaut wurde ; von seiner inneren Einrichtung ebenso hat sich das Treppenhaus und der Ahnensaal erhalten . Im ganzen aber darf es , namentlich nach Beseitigung des gotischen Daches , das vor etwa vierzig Jahren durch ein Flachdach ersetzt wurde , als ein Neubau gelten . Das Schloß ist reich an Bildern und Skulpturen aller Art ; wir verweilen jedoch nur bei den historisch-interessantesten , wie sie sich im Billardzimmer und im Ahnensaal vorfinden . Im Billardzimmer .