jenem Sturz . « Zwei der Mainoten fesselten mit einem Riemen die Arme der Türkin und nahmen ihr den Dolch , der in ihrem Gürtel steckte . Ohne Widerstand ließ es das Mädchen geschehen , nur ein stolzer verächtlicher Blick fiel auf den jungen Grivas , der sein Gesicht in die Hände verbarg . » Bringt sie in den hintern Raum der Kula und fesselt ihr dort noch die Füße , damit sie keinen Versuch der Flucht machen kann , « befahl der Führer . » Euer Leben bürgt mir für das ihre . Legt Andunah gleichfalls dahin und leistet ihm Hilfe , so gut es sich thun läßt . - Wie hoch schätzest Du die Zahl unserer Feinde , Neffe ? « wandte er sich an diesen , während die Maini ' s22 seinem Befehl Folge leisteten . Nicolas gab die Auskunft , so weit er vermochte . » Du magst die Stelle Andunah ' s einnehmen , « sagte der General , » und Dich mit seinen Waffen versehen ; der Kampf , den wir zu bestehen haben werden , wird ein harter sein . Und jetzt laßt uns vor Allem daran gehen , den Zugang zu sperren , so gut es uns möglich ist , denn , verlaßt Euch darauf , wir werden bald von ihnen hören . « Sie begannen alsbald Steine und Trümmer vor dem Zugang des Walles aufzuhäufen . Zwei der Mainoten bestiegen auf des Generals Geheiß das flache Dach der Kula und lagen an den Schießscharten . Die andern vier mit dem General und dem Flüchtling , der sich der Frauengewänder , so weit es thunlich , entledigt hatte , behaupteten den Wall , häuften Steine und Holzwerk im Innern der Kula zusammen zur Verpallisadirung des offenen schmalen Zugangs und durchfpäheten die Umgegend . Das Erdgeschoß des Thurmes war in zwei Theile geschieden . Im zweiten nach dem schroffen Felsenabhang zu lagen auf Lagern von Zweigen und Blättern , wie sich die Hirten des Gebirges sie bereitet hatten , einander gegenüber Fatinitza und der verwundete Krieger , dessen Waffen und Munition der junge Grivas an sich genommen . Der Letztere hatte noch einen Versuch gemacht , sich der verrathenen Geliebten zu nahen , um ihre Lage möglichst zu erleichtern und sein Thun zu rechtfertigen , die Türkin jedoch ihm verächtlich und ungeduldig den Rücken gewandt und kein Wort war ihren Lippen zu entlocken . Mit von widerstreitenden Gefühlen zerrissenem Herzen verließ er sie endlich . Dir Sonne war nunmehr über den Gipfeln des Pindus und ihre Strahlen hatten die Nebel vertrieben und zeigten den Bedrängten klar und deutlich die Gefahr , von der sie umgeben waren . Am Eingang des Felsengrates außer Flintenschußweite lagerte die Hauptschaar der Türken , und eine Gruppe von Feigenbäumen schien ihren Mittelpunkt und das Lager ihres todten oder verwundeten Führers zu bilden , denn man konnte vom Thurme aus bemerken , daß Shawls und Decken dort ausgebreitet waren . Kleine Abtheilungen schlossen bereits im Grunde das Platean auf allen Selten ein und die Mannschaft der beiden Feldgeschütze bemühte sich eben , dieselben am Zugang des Felsendammes zum Wall , in der Entfernung von sieben- bis achthundert , Schritt von diesem , aufzustellen , da es zum Glück für die Griechen nicht möglich befunden worden , sie auf dem Felsdamm selbst durch die Bespannung weiter vorwärts zu bringen . Zu ihrem Staunen sahen die Mainoten jedoch statt des Beginns des Sturmes einen einzelnen Reiter , den Zweig eines Olivenbaumes in der Rechten - das Zeichen des Friedens oder Waffenstillstandes - heran nahen . Es war der Emir , der kühn und unbesorgt bis zur Felsspalte vorritt , welche den schmalen Weg vom Felsplateau der Palanka trennte , und dort den Zweig als Zeichen über dem Kopfe schwang , daß er eine friedliche Unterredung wünsche . Der General mit Nicolas , indem er den Uebrigen gebot , im Anschlag zu bleiben , erschien sofort auf dem Wall . » Hunde und Söhne von Hunden , « begann der Emir die friedliche Anrede , » Ihr seht , daß Allah Euch in die Hand der Gläubigen gegeben hat , die zahlreich sind , wie der Sand am Meere , und daß kein Entrinnen für Euch ist . Bist Du Grivas , der Anführer der aufständischen Griechen ? « » Nimm Dich in Acht , Freund Araber , mit Deinen Worten , « entgegnete der General in türkischer Sprache . » Meine Mainoten und ich selbst sind nicht gewillt , geduldig die Schmähungen eines Götzendieners zu ertragen . Wer bist Du und was willst Du ? « » Ich bin Abdallah ben Zarugah , das Haupt meines Stammes und der Freund des Pascha ' s von Skadar , Selim Beh ' s , eines Tapfern , dem die Hand eines Verräthers Unglück gebracht hat . Ich rede in seinem Namen und führe seine Krieger gegen Euch zum Kampf . « » Sage mir , Emir Abdallah , bei Deinem Haupte beschwöre ich Dich , « unterbrach Nicolas Grivas das Gespräch , » ist der Pascha bei dem Sturz umgekommen , oder glücklich der Gefahr entgangen ? « » Ich erkenne Dich an Deiner Stimme , Pferdedieb , « entgegnete der Araber , » und Fluch über Dich , denn Du hast Verrath geübt an dem , dessen Brot Du gegessen . Allah hat seine Hand über dem Pascha gehalten , er ist schwer verwundet und sein Schenkel gebrochen aber er lebt Euch zum Verderben . « Ein unwillkürliches » Den Heiligen sei Dank ! « entfloh den Lippen des jungen Mannes . Dann verließ er hastig den Wall und eilte in das Gefängniß Fatinitza ' s , um ihr die Nachricht zu verkünden . Sie nahm sie schweigend auf , kein Laut , kein Blick des Auges verkündete ihre Gefühle . Unterdeß nahm die Unterhandlung draußen ihren Fortgang . » Weshalb kommst Du , Emir ? - Ich bin Grivas , der General der freien Griechen . « » Deine Krieger , « sagte der Araber , » werden in diesem Augenblick von dem Pascha von Janina vernichtet , Du hörst den Donner der großen Büchsen . Schaue auf die Zahl meiner Tapfern und Du siehst , daß ein Entrinnen unmöglich ist . Es ist keine Schmach für den Kühnen , der Macht zu weichen . Gieb Dich gefangen mit Deinen Lecken , und das Urtheil des Pascha ' s wird milde sein . « » Bin ich ein Kind oder ein Weib , daß Du so mit mir redest ? Mir haben Kugeln in unsern Flinten und Blut in unsern Adern . « » Du bist ein Tapferer , ich weiß es , und Abdallah , der mit den Rothjacken vor Aden gefochten , ehrt die Tapfern , auch wenn sie seine Feinde sind . Gieb mir mein Pferd Eidunih und Fatinitza , die Tochter des Pascha ' s , nebst dem Verräther heraus , der sie beide entführt hat , und liefert Eure Waffen ab , so will der Pascha Dir und den Deinen den Abzug erlauben , wenn Ihr bei dem Koran der Christen schwören wollt , nie wieder gegen das Licht der Welt zu kriegen . « » Der Mann , den Du einen Dieb nennst , « sagte der General , » ist mein Reffe und ein Krieger des Kreuzes , dessen Blut nicht für die türkischen Henker bestimmt ist . Das Weib und das Pferd kannst Du erhalten , aber nicht unsere Waffen , die wir brauchen wollen , so lange ein Moslem auf griechischer Erde steht . Ueberdies , was bürgt uns für die Erfüllung des freien Abzugs ? wir kennen die Treue der Türken . « » Mein Wort , « entgegnete der junge Araber stolz , » der Eid Abdallah ' s ben Zarugah , und die Sterne würden eher in ihrem Lauf zurückgehen , als daß ein Hauch des Eides bei seinem Bart nicht gehalten würde . « Der griechische General lachte verächtlich . » Du magst redlich genug sein für einen Araber , aber die Türken , Deine Brüder , sind Pesevenks , Schurken . Wir verlassen uns auf die Jungfrau und unsere Flinten , wenn Du keine bessern Bedingungen giebst . Zieht Euch zurück nach Janina , laßt die Berge frei , und ich will Dir Pferd und Weib unbeschädigt zurückgeben . Willst Du nicht , so mache , daß Du fortkommst . « » Hund ! Sohn eines Juden und einer Hündin , willst Du Abdallah in den Bart lachen ? « rief der Emir wild , indem er sein Roß wandte und den schützenden Zweig hinwegwarf . » Dein Blut komme über Dich ! Allah Akhbar - zum Kampf ! « Eine Kugel pfiff dicht an seinem Haupt vorbei , aber die Bewegung des Pferdes rettete ihn und er jagte unverletzt davon , - die Griechen sparten ihr Blei für den Kampf auf Tod und Leben , der , wie sie wußten , jetzt folgen mußte . Kaum war der Emir zu der Gruppe unter den Feigenbäumen zurückgekehrt , so wurde auch das Zeichen zum Beginn des Kampfes gegeben , und die beiden leichten Feldgeschütze eröffneten ihr Feuer gegen die Palanka . Die Geschütze waren jedoch zu schwach , um auf diese Entfernung hin von energischer Wirkung zu sein , und sie beunruhigten und gefährdeten kaum die Personen du Vertheidiger . Die Kugeln übten gleichfalls nur geringe Zerstörung an den dicken Marmorquadern des Thutmes und wühlten den ohnehin halb zerstörten Wall auf , - die Einnahme der Palanka konnte allein von dem Sturm mit gewaffneter Hand erwartet werden . Dieser ließ denn auch nicht lange auf sich warten . Die Maini ' s sahen den jungen kühnen Führer gleich einem Pfeil von einem der Posten zum andern jagen , welche das etwa 50 bis 60 Fuß über das Thal emporragende Plateau umgaben , und ihnen seine Befehle ertheilen . Sie bestanden größtentheils ans seinen berittenen Arabern , und diese rückten jetzt bis auf Schußweite ihrer langen Luntenflinten heran und begannen ein scharfes Feuer auf alle Oeffnungen des Thurmes und auf den drei ihnen zugekehrten Seiten des Walles , während eine Abtheilung des Nizam an den Seiten des Felsendammes und auf diesem selbst vorrückte . Sobald sie auf etwa 200 Schritt heran gekommen , gab der General das Zeichen zur Eröffnung des Feuers , und Schuß auf Schuß aus den sichern Flinten der Mainoten schlug in die Reihe der Stürmenden , und zwölf Todte oder schwer Verwundete deckten den Weg , ehe sie bis an die Spalte herankamen , welcher jetzt die verbindende Brücke fehlte . Die Untenstehenden versuchten zugleich , an der hier etwa vierfache Manneshöhe haltenden Felswand heraufzuklimmen , während ihre Gefährten vom Damm aus ein heftiges Feuer auf die kleine Schaar der Vertheidiger unterhielten ; aber Grivas hatte drei seiner besten Schützen eilig nach dem zweiten Stockwerk der Kula gesandt und ihre Kugeln schlugen Tod bringend in das Gedränge der Türken auf dem Wege oder warfen Mann um Mann zerschmettert von der mit Mühe erklommenen Felswand zurück in die Tiefe , während die beiden auf dem Dach des Thurmes postirten Krieger unter gleichem Erfolg mit den herandrängenden Trupps der Araber im Thale Kugeln wechselten . Die Offiziere der Türken sahen ein , daß sie ohne andere Vorbereitungen nutzlos ihre Leute dem tödtlichen Feuer der Griechen aussetzten und befahlen den Rückzug . Ueber zwanzig Todte lagen bereits auf dem Kampfplatz , zahlreiche Verwundete schleppten sich zurück aus dem Gefecht . Man sah die Offiziere des abgeschlagenen Nizam und die Buluk-Baschi ' s der Arnauten Selim ' s um das Lager des verwundeten Pascha ' s sich versammeln und Kriegsrath halten . Inmitten der Phistans , der bunten Kleidung der Albanesen und der dunkelblauen Röcke der Offiziere , wehte der weiße Burnus des Arabers , und seine heftigen Gestikulationen zeigten , mit welchem Feuer er sprach . Sein Rath schien Beachtung gefunden zu haben und ein Beschluß gefaßt zu sein , denn während seine Boten den größten Theil der Reiter um ihn versammelten , wurden die Artilleristen und eine Anzahl Nizams an die Kanonen kommandirt , und man versuchte eine derselben durch Menschenhände auf dem Felsendamm vorwärts und näher dem Eingange der Palanka zu bringen . Mit vieler Mühe und nach langer Arbeit gelang es , eine Kanone bis auf 300 Schritt heran zu bringen . Noch in dieser Entfernung trafen die Kugeln der Griechen und namentlich aus der Büchse des Generals oft ihr Ziel , und die Türken hielten es daher für räthlich , hier ihren Halt zu machen . Unterdeß hatten die um den Emir Abdallah versammelten Araber sich auf die erhaltenen Befehle nach allen Seiten hin zerstreut . Der Führer der Mainoten hatte alle diese Anstalten der Feinde eifrig und nicht ohne Besorgniß beobachtet . Der entfernte , fortdauernd von Zeit zu Zeit rollende Donner des Geschützes benachrichtigte ihn , daß in der Ferne gleichfalls ein harter Kampf geschlagen wurde gegen seine Truppen , die des Führers durch seine eigene Unvorsichtigkeit beraubt waren . Mit einem kleinen Fernrohr , das er bei sich hatte , verfolgte er die Araber , die sich in die Berge zwischen die Bäume und Büsche verloren - er konnte sehen , wie sie mit ihren Yatagans leichte Zweige und Aeste abhieben und zu starken Bündeln zusammen banden . Im Augenblicke stand die Absicht der Gegner vor seinen Augen - sie machten Faschinen , um die Schlucht , die sie vom Platean trennte , zu füllen . Seine Augen flogen umher , um ein Gegenmittel zu suchen und fanden es . Zwischen dem Wall und dem Thurme lag ein ziemlich großer Vorrath von trockenen Reisern , Röhricht und Binsen aus den Sümpfen , den die Hirten hier zu ihrem Gebrauch aufgehäuft . Dasselbe Mittel , das ihr Verderben bereitete , sollte die Gegner schlagen . Während zwei der Mainoten fortwährend auf dem Thurme Wache hielten , traf der kühne Palikarenführer seine Vorbereitungen . Stunden waren mit dem ersten Angriff und mit diesen beiderseitigen Vorkehrungen seither vergangen - der Mittag nahte und die Zeit , da die Kranken und Verwundeten in die Hand des schwarzen Engels gegeben sind . Eine furchtbare - entsetzliche Scene hatte im Thurm der Palanka , im Kerker des Türkenmädchens , begonnen , den weder Grivas noch sein Neffe wieder betreten . Die Feder weigert den Dienst , jene Thaten niederzuschreiden , mit der die Krieger des Kreuzes die heldenmüthige Vertheidigung der Palanka von Protopapas entweihten ; doch der Schriftsteller hat die Pflicht der Gerechtigkeit , und mit Grauen über die Bestialität in der menschlichen Natur , muß er Scenen schildern , wie sie zwischen Völkern vorkommen , welchen seit Jahrhunderten Tyrannei und Fanatismus , Rohheit und Haß das Entsetzliche zum Gewöhnlichen gemacht haben . Zu dem General kam der Mainot Constantin Comodouro und meldete ihm , daß der Engel des Todes an das Lager seines Verwandten getreten sei , und daß dieser wünsche , von ihm Abschied zu nehmen und zum Sterben eingesegnet zu werden . Die rauhen Krieger der Maina , deren Religion noch immer ein phantastisches Gemisch von altem Aberglauben und den Lehren der griechischen Kirche ist , während sie seit Jahrhunderten bereits muthig für das Kreuz in den Tod gehen , - hängen fanatisch an ihren Priestern . Wenn der Tod sie fern von denselben ereilt , ist es der Capitano , der das Recht hat , jenen zu ersetzen und ihnen die Absolution und den letzten Segen zu ertheilen . Ein sterbender Krieger verlangte ihn , und der wilde Palikarenführer zögerte nicht , den Wunsch zu erfüllen , so lange die Waffenruche es erlaubte . - Ein Halblicht , durch zwei enge hochangebrachte Schießscharten der Mauer , zu denen steinerne Stufen führten , hereinfallend , beleuchtete das ziemlich große Gemach , an dessen einer Wand halb aufgerichtet der Sterbende ruhte , während auf der andern Seite auf dem Lager von Binsen und Laub das gefesselte Türkenmädchen lag , mit dem Gesicht - nach dem Krieger gekehrt , dem ihre Kugel den Tod gebracht , und ein Zug hohnlächelnden Frohlockens war in ihren dämonischen Augen und um den festgeschlossenen Mund . Der General betrat allein das Gemach und setzte sich auf einen Stein an die Seite des Verwundeten . Es war ein Kakavouniot , der wildeste und grausamste Stamm der wilden und grausamen Mainoten , ein Mann , längst über das mittlere Lebensalter hinaus und ein Häuptling seiner Familie , der bereits mit dem General in mehreren Schlachten des ersten Befreiungskrieges gefochten . Die Natur von Eisen , die an vierzig Jahre lang den blutigsten Kämpfen getrotzt , unterlag jetzt der Kugel eines Mädchens . Grivas reichte dem Getreuen die Hand und verkündete ihm die Stellung des Gefechts und die Vorbereitungen , die der Feind und er selbst getroffen , - das war sein Trost zum Tode , und die Augen des alten Klephten funkelten bei der Erzählung des Empfangs , den seine Gefährten den Türken bereiteten . » Lebt wohl , Capitano , « sagte er , » und mögen die Heiligen Euch beschützen und die Unterirdischen Euch helfen ! Ich gehe zum Acheron und die Panagia möge mir gnädig sein . Habt Ihr die Zeit , so laßt ein Grab für mich bereiten , damit die Moslems , wenn der Teufel ihnen den Sieg giebt , nicht meinen grauen Kopf nehmen . Gebt mir den Segen , Capitano , denn mein Athem ist kurz und ich habe noch von den Kindern der hohen Maina zu scheiden . « Der General sprach ein kurzes Gebet und machte das Zeichen des Kreuzes über ihn . Dann fragte er , ob er vielleicht das Türkenmädchen entfernen solle , damit ihr Anblick seine letzten Augenblicke nicht störe . Der Klephte aber machte heftig das Zeichen der Verneinung , und noch ein Mal ihm die Hand reichend schied Grivas von dem Krieger . Draußen befahl er dem Neffen , am Eingang des Walles Wache zu halten ; er selbst übernahm den Posten auf der Höhe des Thurmes , die sechs Mainoten zu ihrem sterbenden Genossen sendend . - Die wilden Gestalten der Krieger knieten um den Gefährten , den Comodouro , sein leiblicher Vetter , unterstützte . Der sterbende Klephte sprach in leisen Worten zu ihnen , er sprach von dem Kampf , in den sie gehen würden , und von der Tapferkeit , die er von ihnen erwartete . Dann sprach er von den Seinen in der Heimath und von den Tscheta ' s , - den Blutfehden , - die er seiner , Familie zurückgelassen . Er gab ihnen Allen die Grüße an die Heimath und seine letzten Bestimmungen , damit , wenn Einer von ihnen den Türken entrinne , dieser sie den Seinen überbringe . Zuletzt sprach er von seinem Tode und von der Pflicht der Rache , die er ihnen hinterlasse . » Ich sterbe von der Hand eines Weibes , Fluch über ihr Geschlecht ! Der Tod durch Weiberhand ist kein Tod im Kampf , und das Gesetz unserer Väter verlangt , daß er gerächt werde . « » Der General ist kein Sohn der Maina , « sagte Constantin , » er kennt nicht das Gesetz der Blutrache . Das Weib wird sterben von meiner Hand ! « Der Verwundete winkte abwehrend mit der seinen . - » Der Capitano hat befohlen , daß ihr Leben geschont werde . Sie ist seine Gefangene - und wir sind freie Krieger , die ihm Gehorsam geschworen . Das Weib darf nicht sterben , - es würde der Tod eines Tapfern sein ! « » Der Deine muß dennoch gesühnt werden , Andunah Vati , oder Dein Schatten wird die Unterirdischen verlassen und Fluch bringen über die Schwelle unserer Häuser . « » Er soll es ! « Der Sterbende warf einen Blick wilden Hasses auf das Mädchen , das bisher gleichgültig dem schaurigen Auftritt beigewohnt . Er flüsterte mit dem Auge auf ihr ein Wort . Der Klephte nickte stumm . » Alle - Alle ! Fluch und Schmach über sie ! « Sie neigten Alle das Haupt . » Ich danke Euch , Brüder . - Das Auge wird dunkel - lebt wohl , Maini ' s , und vergeßt Euren Schwur nicht ! - Heilige Jungfrau , bitte für mich und vernichte die Moslems - - « Die Sechs begannen einen Gesang zu murmeln - eintönig , mit jener plärrenden unangenehmen Weise der Griechen , die sich einzig in zwei Tönen bewegt - den Sterbegesang eines Kriegers - halb Psalm , halb Hymnus ! Die Augen des Sterbenden ruhten mit glühendem Haß auf dem Türkenmädchen , starrer und immer starrer , während seine Hände über die Brust gefaltet waren . Dann begannen seine Glieder sich zu strecken - ein unheimliches Gurgeln quoll die Kehle herauf und ein Zucken erschütterte die Glieder . Der Wolf des Taygetos hatte geendet ! Die Wölfin von Skadar schauderte unwillkürlich zusammen , - eine furchtbare unbestimmte Ahnung überkam die wilde Amazone der Berge . Starr , wie das des Todten , haftete ihr Auge auf der Gruppe um denselben . Fort und fort murmelten die Maini ' s den Sterbegesang . Dann erhoben sie sich Alle zusammen und schlugen das griechische Kreuz , während Constantin Comodouro der Leiche die Lider über die großen starren Augen drückte und sie lang auf das Blätterlager ausstreckte . Der Blutsfreund des Todten leitete die Leichenceremonieen - dazu gehörte die Rache ! Er winkte nach der Gefangenen , die noch immer mit aufmerksamen Blicken jede seiner Bewegungen beobachtete , den Tod erwartend . Sie that es trotzig und furchtlos - ihr Auge zeigte nur Verachtung und Haß . Er nahm aus der Tasche seiner Jacke zwei Würfel und alle Sechs kauerten sich im Kreise neben den Todten . Sie würfelten - Comodouro begann ! Sollte das Spielerglück entscheiden , wer ihr den Todesstoß gab ? Comodouro warf Sechs ! Hassan Stavro - Acht ! Georg Zanet - Eilf ! Panagotti Zanetacchi - Vier ! Georg Mauromichalis - Fünf ! Demetri-Bey - Zwölf ! Das Loos fiel auf ihn - aber seltsam - was sollte das bedeuten ? - er begann seine Waffen von sich zu legen , - die Waffen , die der Klephte nie von seiner Seite läßt , außer - Die Fünf zogen ihre Yatagans und nahten sich der Thür . Ein höhnisch frecher , faunenartiger und gehässiger Blick fiel auf das türkische Mädchen und den von den Würfeln Erwählten . Der Mainote Demetri-Bey , ein Mann von wildem Aussehen und riesigen Körperformen , von etwa dreißig Jahren und in der Fülle seiner Kraft , begann ein seidenes Tuch knebelartig zusammenzudrehen . Dann nickte er den Gefährten . Sie verließen schweigend die Halle - hinter ihnen fiel die Thür zu . Sie gingen , draußen am Wall mit ihren Yatagans ein Grab zu schaufeln . Der Maini - der Todte - und die Türkin waren allein ! Die Blicke der beiden Lebenden begegneten sich - die des Mainoten bohrten sich frech auf das blasse , aber dämonisch schöne Antlitz des Weibes und die Wellenformen ihrer gefesselten Gestalt - Die Blicke des Weibes sprachen Haß , Verachtung , aber zugleich Entsetzen . Die Augen des Todten sagten Nichts - sie waren geschlossen für dieses Leben und geöffnet für das furchtbare Jenseits , wohin er seinen sündigen Haß mit hinüber genommen und wo er gewogen wurde von der Schale des ewigen Richters , der keinen Haß kennt , nur Gerechtigkeit ! Die Türkin sah den Mainoten auf sich zukommen , seine Linke hielt den Knebel ! Schritt um Schritt - jetzt war er an ihrer Seite ! Ihre Hände rangen sich wund , die ledernen Bande zu sprengen . Noch kam kein Laut von ihren Lippen . Dann - - - - Fußnoten 1 Gleich 48 Drachmen oder circa 17 Gulden , 1 Drachme = 100 Lephtas oder 21 Kreuzer . 2 Dieselbe lautete : » Wir Unterzeichnete , Bewohner der ( Türkischen ) Provinz Arta , sehr unterjocht und mit Abgaben überhäuft , Unsittlichkeiten und Gewaltthätigkeiten gegen unsere Jungfrauen erduldend von diesen wilden und barbarischen Türken , setzen fort den gemeinschaftlichen Krieg von 1821 und schwören auf den Namen Gottes und des geheiligten Vaterlandes , daß wir unsere Waffen nicht eher niederlegen wollen , bis wir unsere Freiheit errungen haben . Wir hoffen bei dieser Fortsetzung des Kampfes von 1821 , daß nicht nur alle freien , sondern auch die noch unter der Knechtschaft der Türken senfzenden Griechen die Fahne der Freiheit erheben werden , um den Kampf für Glauben und Vaterland fortzukämpfen . Dieser unser Kampf bleibt ein heiliger , ein gerechter , begründet im Nationalrecht , deshalb wird uns Niemand unser Vorhaben verdenken . Wohlauf denn , Brüder in Griechenland , Epirus , Macedonien , Thessalien und Anatolien , erhebet auch Ihr die Fahne und steht uns bei im Kampf für Freiheit und Glauben . Gott und die Heiligen mögen unser Beginnen segnen . « 3 Kreise . 4 Sein Gesuch lautete : » Majestät ! Mein engeres Vaterland grenzt an den Schauplatz des Krieges , welchen die Nachbarn und Landsleute , die Epiroten , gegen die türkische Tyrannei begannen . Was der gehorsamst Unterzeichnete zuerst bei seiner Ankunft hier vernahm , war der Waffenlärm der für Glauben und Vaterland kämpfenden Brüder und das Echo einer fernen Stimme , welche mich selbst wieder auf das Schlachtfeld rief . Diese Stimme ist die des Vaterlandes , die Niemand unbeachtet lassen kann , ohne Verräther an der Heimath und sich selbst zu werden . Indem ich auf diese Stimme meines unterdrückten Volkes horche und ihm zu Hilfe eile , bitte ich Ew . Majestät , mein Gesuch um Entlassung von meiner Stelle als Militair-Oberst , welche Ew . Majestät mich würdigten , zu bekleiden , gnädigst anzunehmen . In tiefster Ehrfurcht Ew . Majestät gehorsamer Diener und Unterthan Sotiris Stratos . « 5 Allgemeine Benennung der Bewohner von Albanien . 6 Die Führer der Freischaaren . 7 Tapfere . 8 Klan oder Stamm . 9 Kriegsgefang . 10 Familienhaupt , Hausherr . 11 Griechische Benennung der heiligen Jungfrau . 12 Mäntel von Ziegenhaaren . 13 Fehde . 14 Stammes . 15 Madame . 16 Wehrwölfe . 17 Secte des Ali , im Gegensatz zu den Suniten , den gewöhnlichen Türken . 18 Mausoleum . 19 Stellvertreter des Pascha ' s oder Gouverneurs . 20 Georg Kastriota , genannt Scanderbeg ; seine Nachkommen , zum Islam übergetreten , regierten drei Jahrhunderte lang die Landschaft Toskarien oder Mutasche . 21 Der Kampfruf der Araber . 22 Mainoten . Das Bombardement der Civilisation . Es war am Nachmittag des 21. April , am Charfreitag des russischen Osterfestes , als auf der schönen Straße von Kiew her nach Odessa eine der gewöhnlichen russischen Courier-Kibitken mit dem Dreigespann , der Troitza , eilig daher rollte . Der Insitzende , ein Mann in Civil , zwischen Vierzig und Fünfzig , durch das Begegnen zahlreicher Estafetten und Ordonnanzen während des ganzen Tages aufmerksam gemacht , hatte bereits auf der vorletzten Station die sich mit Blitzesschnelle verbreitende Nachricht erhalten , daß das vereinigte französisch-englische Geschwader unter Vice-Admiral Hamelin und Admiral Dundas am Tage vorher auf der Höhe der berühmten Handelsstadt erschienen sei und daß man jeden Augenblick ein Bombardement erwartete . Zahlreiche Militair-Kommando ' s , die in Eilmärschen , von Depeschen requirirt , auf Odessa zurückten , hatten während des Vormittags die Straße gesperrt , und nur der Umstand , daß der Reisende , dessen Aussehen zwar den Militair verrieth , der aber nur wenig Russisch sprach , einen vom Kriegsminister selbst unterzeichneten Courier-Paß und Befehl zur Pferdestellung besaß , und auf der vorletzten Station einem der ausgesandten Ordonnanz-Offiziere des General-Adjutanten Baron von Osten-Sacken , der in Odessa kommandirte , höflich die Mitfahrt angeboten , hatte ihm die Mittel zur Fortsetzung der Reise verschafft . Der Offizier , vom Tschugujeff ' schen Lancier-Regiment » Graf Nikitinn , « verstand in russischer Manier die Pferde zu erzwingen und gab unterwegs seinem Begleiter , den er durch den kaiserlichen Befehl als genügend legitimirt für das russische Interesse ansah , einen Bericht über die Ereignisse der letzten Tage . Am 8. April war die englische Dampffregatte » Fourious « auf der Rhede von Odessa erschienen und hatte unter Aufhissung einer Parlamentairflagge ihren Weg in den Hafen fortgesetzt , bis die Abfeuerung von zwei blinden Schüssen von der Hafenbatterie ihr Halt gebot . Sie zeigte hierauf die englische Flagge und hielt sich außerhalb der Schußweite , ohne jedoch Anker zu werfen , indem sie ein Boot mit weißer Fahne nach dem Molo absandte . Dies wurde von dem diensthabenden russischen Offizier empfangen , dem der Parlamentair , Lieutenant Alexander , erklärte , daß er den englischen Consul sprechen - wolle . Der Russe erwiderte , daß beide Consuln - da die Kriegserklärung bereits am 27. März erfolgt sei - schon vor drei Tagen Odessa verlassen hätten . Verschiedene andere Fragen nach der Anwesenheit englischer und französischer Unterthanen und Schiffe , mit denen der Parlamentair offenbar einige Zeit hinzubringen suchte , wurden mit der endlich determinirten Erklärung abgeschnitten , daß man jede weitere Auskunft verweigern müsse und das Boot sofort zu seinem Schiff zurückzukehren habe . Dies geschah ; - das Boot jedoch , statt den direkten Weg nach der » Fourious « einzuschlagen , beschrieb einen halben Bogen entlang den Hafenbatterieen . Zugleich hatte der Capitain der » Fourious « , William Loring , obschon allerdings die Maschine des Schiffes außer Thätigkeit war , die Nordwestbrise benutzt , um sich von derselben nach der Seite der Rhede , dem innern oder Quarantainehafen , hintreiben zu lassen , und befand sich bereits innerhalb der Kanonenschußweite . Es lag demnach absichtlich oder unabsichtlich dasselbe Manöver vor , welches von der » Retribution « im Januar auf der Rhede von Sebastopol versucht worden , und der Kommandant der Batterie des Molo , dessen Befehl lautete , kein feindliches Kriegsschiff innerhalb Kanonenschußweite herankommen zu lassen , ließ daher auf die Fourious , die , vergeblich