eine Gelegenheit , wo Deine Hilfe , Deine Fürsprache meinen Freunden nützen kann . « Die seinem Volke - selbst den edleren Charakteren - eigenthümliche Verstecktheit und Hinterlist ließ ihn fast unbewußt die Worte wägen , - sein Herz sann bereits auf mehr . Das Türkenmädchen schaute ihn fest und prüfend an . » Ich will Dein Verlangen erfüllen , « sagte sie endlich , » aber bei der lodernden Gluth , die für Dich durch meine Adern strömt , täusche mich nicht zum zweiten Male , denn Fatinitza ' s Liebe würde zum blutigen Haß werden . Ich will mit Dir gehen zur Kampfstätte , doch nur unter der Bedingung , daß wir Beide dem Kampfe fern bleiben . Möge die Schlacht walten und ihre Opfer nehmen , Allah entscheide ! Fallen die Freunde Deines Blutes lebendig in die Hände der Meinen , wird Fatinitza sie schützen . Ich gehe zu meinem Vater ! « Sie hüllte sich in den leichten Schleier und verließ das Gemach . Kaum hatte sie sich entfernt , so ergriff der Grieche den seinen und sein Haupt darin verbergend , folgte er ihr . Die Angst , die unbestimmte Hoffnung , irgend etwas für die gefährdeten Kämpfer des Kreuzes thun zu können , litt ihn nicht in dem engen Gemach und trieb ihn hinaus auf die Terrasse , von der im Strahl der sinkenden Sonne der Blick über die Stadt und die umliegenden Höhen schweifte . An der Mauer des mit Blumen geschmückten Vorsprungs lehnte der neue Oglan der Paschatochter , der Knabe , den ihr Hund am Vormittag zu Boden geworfen und der mit diesem jetzt kameradschaftlich spielte . Der Befehl Fatinitza ' s hatte ihn bereits mit einem neuen Gewande versehen . Der Grieche trat , ohne darauf zu achten , daß der Knabe ihn aufmerksam betrachtete , hastig zu der Balustrade und schaute hinüber zu den Bergen , auf denen die Schaar seiner Freunde lagerte . » Möge die Panagia sie retten , ich vermag es nicht ! « sagte er unwillkürlich in griechischer Sprache vor sich hin . Einen Augenblick darauf trafen Laute in derselben Sprache sein Ohr . Es war ein leiser Gesang , den der Knabe ohne jetzt aufzublicken vor sich hin summte , dennoch war jedes Wort verständlich und Grivas hörte mit Staunen seinen eigenen Namen darin . Es war eine wilde Erzählung seines Kampfes in Montenegro , so weit Bogdan sie hatte geben können , in Form einer Piesme . » Wer bist Du , Knabe , « fragte der junge Mann hastig , » bist Du von griechischen Eltern oder aus den Bergen Czernagora ' s ? « Der Knabe schaute ihn schlau an . » Man fragt Keinen , ohne selbst Antwort zu geben , sagt das Sprüchwort . Gefällt Dir mein Lied ? « » Sprich , wer lehrte es Dich ? « » Ich hörte die Erzählung von Bogdan , einem Knaben der Hochlande , der bereits ein Krieger ist . Man nennt Dich die weise Frau , - kannst Du mir bessere Kunde geben von dem Tode dessen , von dem ich sang ? ich höre gern Geschichten . « » Knabe , « sagte hastig und tief bewegt der Grieche , » Du verstellst Dich und bist ein Anderer , als Du scheinen willst . Bei den Gräbern Deiner Väter , bei dem Kreuz , wenn Du ein Christ bist , - rede die Wahrheit . Was suchst Du im Lager der Türken ? « Mauro blickte hastig um sich , - sie waren allein auf der Terrasse . » Nicolas Grivas , den Bruder des Gregor Caraiskakis und den Neffen des tapfern Generals der Krieger des Kreuzes . « Die leidenschaftliche Erregung erstickte fast das Wort in der Brust des Griechen . » Ist mein Bruder Gregor im Lager der Griechen ? Knabe , rasch , ich selbst bin Nicolas Grivas ! « » Dann hat meine Ahnung mich nicht getäuscht , « sagte der Bursche , » die die Heiligen mir zugeflüstert bei den seltsamen Erzählungen der Arnauten von der mirditischen Zauberin , die seit der Tödtung ihres Wolfes die unzertrennliche Gefährtin der Herrin von Skadar geworden . Sie meinen , der böse Dämon habe nur seine Gestalt gewechselt . « » Rasch , rasch , was kümmert mich das Geschwätz der Thoren . Sage mir schnell Deine Botschaft . « » Bogdan , der Czernagorze , ist gestern in ' s Lager gekommen und hat von Deinem seltsamen Verschwinden erzählt . Das weckte die Hoffnung Deines Bruders , Herr , daß Du in Skadar gefangen gehalten würdest und ich ward auf Kundschaft ausgesandt . « » Ist Gregor - dessen Namen Du nanntest - im Lager der Griechen ? « » Mein Herr ist in Varna - ich bin ein smyrniotischer Knabe und als Bote von ihm zu den Hellenen gesandt . Auf jenem Berge dort , in dem Kloster der armen Heiligen , weilt Anastasius Caraiskakis , Dein zweiter Bruder , der mir den Auftrag gab . « » Ich weiß es ; hast Du von meinem Oheim Grivas gehört ? « » Er zog gestern mit wenigen Leuten nach Dervendzista . Dein Bruder begleitete ihn und sollte heute zurückkehren . « » Allmächtiger Gott , dann ist Grivas , die Hoffnung des Kreuzes der Mann , den der verrätherische Papa in die Hände der Türken liefern will . Wie viel Krieger stehen bei meinem Bruder ? « » Dreihundert . Die Hauptmacht des Generals lagert an der Arta gegen Fuad-Pascha , der mit 9000 Mann in Prevesa steht . General Tzavellas liegt in Suli , aber es ist Feindschaft zwischen ihm und Deinem Oheim ! « » Fluch über diese Uneinigkeit , sie wird Alles verderben . Jetzt begreife ich den Plan der Türken , sie wollen sich zwischen die Abtheilungen drängen und sie einzeln vernichten . Wer befiehlt im Lager an der Arta in Stelle meines Oheims ? « » Der Oberst Stratos . « » Mein Bruder muß benachrichtigt , Grivas muß gerettet werden . Ein Engel hat mir es eingegeben , auf meiner Theilnahme am Zuge zu bestehen . Knabe , ist es Dir möglich , die Stadt zu verlassen ? « » Ich hoffe es . « » Es gilt die Rettung Deiner Glaubensbrüder . Suche das Kloster zu erreichen und sage meinem Bruder , im Dunkel der Nacht rücken Abdi-Pascha und der Pascha von Skadar aus , der Erste auf Rapsista zu , der Andere , ihnen den Weg in ' s Gebirge zu sperren und Grivas zu vernichten , der sich unvorsichtig vorgewagt hat . Wenn es eine Möglichkeit ist , soll er den General retten und Stratos benachrichtigen von der Gefahr . Lebe wohl , Knabe , und die Panagia schütze Dich ! « Er hüllte sich in den Yaschmak und eilte über die Terrasse zurück , auf der Aejischa , die Mohrin , ihn bereits zu suchen , erschien . - - Die Pascha ' s warteten das Dunkel ab , um mit ihren Truppen die Festung zu verlassen . Sie bestanden aus 2500 Mann Nizam und Arnauten , 150 arabischen Reitern und 4 Kanonen . Ein Bote war bereits am Nachmittag nach der Küste abgegangen , um Fuad-Effendi von dem beabsichtigten Ausfall in Kenntniß zu setzen und sein Vordringen zwischen die Stellung der beiden griechischen Generale anzurathen . Abdi-Pascha mit dem Nizam und zwei Geschützen wandte sich gegen die Arta und die Stellung des Hauptcorps , Selim-Bey mit den Reitern und zwei Kanonen in das Thal zwischen dem Kloster und dem Fuß des Mitzikeli , so den Posten bei dem erstern zwischen zwei Feuer bringend und den verwegenen Führer der Griechen gänzlich von den Seinen abschneidend . Dem Unwillen ihres Vaters trotzend und unter dem Vorwand , daß sie sich nicht von ihm trennen wolle , begleitete die Amazone von Skadar den Zug , an ihrer Seite die Verhüllte , vor der die von Aberglauben erfüllten Krieger scheu zur Seite wichen . Der verrätherische Primat machte den Führer und ritt an der Spitze der Abtheilung , von Abdallah , dem arabischen Emir , bewacht . So gelangte der aus etwa 600 Kriegern bestehende Zug im Schatten der Nacht bis auf die Entfernung von etwa 2000 Schritt in die Nähe seines Ziels und machte hier , von einer Schlucht gedeckt , Halt . Nach dem Rath des Verräthers sollte der Ueberfall in der Morgendämmerung erfolgen . Wo die Quellen der Arta zwischen dem Tzumeria-Gebirge , dem Mitzikeli und den Höhen des Pindus entspringen , in einer der an Romantik und Lieblichkeit reichsten Gegenden der Welt , erhebt sich auf einem kühn vorspringenden , von drei Seiten fast unzugänglichen Felsen die Palanka oder die Kula von Protopapas . Auch der Abhang der vierten Seite ist durch Erdspalten zerklüftet , so daß nur ein schmaler Weg für Fußgänger und Reiter offen bleibt , an dessen Seite jäh der Felsenabhang hinabfällt . Citronenbäume und der hohe Oleander zieren die Höhen , wilder Wein rankt an den Stämmen empor und Büsche von Rosen , von denen das unsern gelegene Rhodostopos seinen Namen hat , füllen die Lüfte schon im Frühling mit Wohlgeruch , während die Hänge und Gründe vom dunklen Grün der Olive gefüllt sind . Dies war die Stelle , wo Grivas mit seinen sieben Mainoten den russischen Agenten von Metzowo erwartete . Der Ort war noch unter Ali-Pascha eine kleine Feste mit geringer Besatzung , seitdem aber gänzlich verlassen und nur von den Kolbaus , den Hirten des Gebirges , benutzt . Ein eingesunkener Wall umgab im engen Kreis einen viereckigen starken Thurm , von massiven Quadern zwei Stockwerke hoch aufgeführt , dessen Mauern und Zinnen Zeit und Verödung nur wenig zu schaden vermocht hatten . Durch ganz Epirus und an der Küste entlang , selbst in den acroceraunischen Gebirgen finden sich noch , zum Theil öd und verlassen , zum Theil als abgeschlossene Posten der Khawassen dienend , viele solche feste Thürme , gleich den Trümmern , der alten Feudalburgen in Mitteleuropa . - Die türkenfreundliche Presse hat Zeter und Wehe geschrieen über die Plünderung , die der Führer der aufgestandenen Epiroten an dem Hause des Primaten von Dervendzista begangen , nachdem er die Nacht dort zugebracht und sich alle Mühe gegeben , die gleich darauf folgende an Thermopilä und die heldenmüthigsten Thaten des Alterthums erinnernde Vertheidigung der Kula zu verdächtigen und in den Staub zu ziehen . Der Schriftsteller jedoch , der die Geschichte jener Tage in den bunten Kaleidoscopen des Romans schildert , kümmert sich nicht um den Streit und Neid der Parteiungen , sondern malt mit kühner Feder die Thaten und Menschen , wie sie sind . Die Namen der sieben Gefährten des General Grivas im Thurm von Protopapas sind dem Andenken erhalten : Hassan Stavro , Demetrios , Andunah Vati , Constantin Comodouro , Panayotti Zanetacchi , Andreas Zanet und Georg Mauromichalis , der Namensvetter und Neffe des Klephten , der 1831 den Präsidenten Capodistrias erschoß , - alle Sieben Söhne der Maina - Wölfe des Taygetos . Nicht mit Unrecht führen die Bewohner von Bassa-Maina , des alten Gebiets von Sparta , den letztern Namen . Rauh und hart wie das Felsgestein des Taygetos , scheint ihr Sinn allen milderen Freuden des Lebens unzugänglich . Das Land , dessen Schoos keine Quelle entrinnt , zeugt Kinder , die an Wildheit , aber auch an Kühnheit und Tapferkeit alle Stämme der Erde übertreffen . Raub und Mord ist ihr Gewerbe , der Haß und die Blutrache erben unter den Geschlechtern grimmiger , unversöhnlicher , als selbst auf den schwarzen Felsen Czernagora ' s und den Bergen Corsika ' s , und wenn ein Mann eines natürlichen Todes stirbt , so beklagen sie ihn , weil er nicht erschlagen wurde und daher keiner Rache bedarf . Räuber zur See und zu Land , unbezwungen und ungebändigt , im wilden Kampf unter einander , seit sie nicht täglich mehr mit ihren Feinden , den Türken , kämpfen können , war noch in den vierziger Jahren , und ist es zum Theil noch , jedes Haus der Maina eine Feste und jeder Zugang durch eine Schießscharte beherrscht , die man so genau bewacht , daß Nachts nicht einmal Licht gebrannt wird , um dem Feinde nicht die an den Oeffnungen vorbeigehenden Gestalten als Ziel zu verrathen . Das ganze Gebiet ist ein Land von Thürmen ; die meist auf felsigen Anhöhen stehen , so daß sie den benachbarten District überblicken können . Die unteren Stockwerke werden als Ställe benutzt , während nach den oberen Gemächern eine so niedrige Thür führt , daß man nur gebückt eintreten kann . Nur die Weiber gehen zum Arbeiten aus , die Greise und Knaben bleiben zu Hause auf der Wache und es giebt Fälle , daß Männer in zwanzig Jahren nicht die Schwelle ihres Thurmes überschritten haben , um nicht der Blutrache zu verfallen . Die baierschen Truppen , welche im Jahre 1834 auf Befehl der Regierung in Athen diese Festen zerstören sollten , wurden von den Mainoten zurückgeschlagen und alle Anstrengungen der Regierung scheiterten an dem Trotz der wilden Klephten , - ihre Thürme blieben unzerstört . Erst in der letztern Hälfte der vierziger Jahre hat die Civilisation einigermaßen Wurzel in dem wilden Lande geschlagen . Viele unserer Leser werden uns bei dieser Schilderung der Uebertreibung beschuldigen , aber wir können nicht oft genug wiederholen - wir geben Thatsachen im Gewand des Romans . Noch im Juni 1843 schreibt ein griechischer Correspondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung : » Die Blutrache wird so weit ausgedehnt , daß sie von einem sterbenden Vater testamentarisch den Kindern vermacht wird . Die Erben überblicken mit eben solcher Begier die Anzahl der aufgezählten Morde , welche zu rächen sind , wie das übrige Eigenthum , und haben sie durch Blutvergießen die Anweisungen des Testaments vollkommen erfüllt , so begießen sie das Grab des Vaters mit Wasser , zum Zeichen , daß jetzt seine Leidenschaft abgekühlt sein könne . « Die wilden Söhne des Taygetos gehorchten dem Sohne des Pindus . Grivas , der mit den Mainoten 1827 die Akropolis von Corinth erstürmt , konnte sicher bauen auf die Treue und den Muth dieser Krieger . In ihre Aba ' s gehüllt , lagen die Tapfern um das verglimmende Feuer im Innern der Kula ; denn die Nächte des Orients sind oft kalt und schneidend , während am Mittag heiß der Sonnenstrahl brennt . Comodouro und Demetrios hatten die Wache auf dem Thurm und dem Wall , bis die Sonne sich erhoben über die schneeigen Gipfel des Pindus und Dodona ' s heilige Eichenhaine . Aus den Schluchten und Thälern ballten in formlosen Massen die Morgennebel empor , gleich als ahnten und fürchteten sie den nahenden Strahl der Sonne . Auf den Wolken über dem See von Janina malten sich die purpurnen und violetten Strahlen des noch hinter den Bergen verborgenen Tagesgestirns . Da dröhnte es von Westen her in langsam auf einander folgenden Schlägen - ferne Kanonenschüsse . Die Hand der Wache legte sich auf die Schulter des Führers - im Augenblick war der General empor und gleich darauf auf der Plattform des Thurmes , um ihn sammelten sich die Mainoten . - Es war die höchste Zeit - ein seltsames abenteuerliches Schauspiel entwickelte sich phantastisch aus den ballenden Nebeln am Fuße der Höhe , auf welcher der Thurm steht : - gleich Gespenstern , die der Hahnenruf des Morgens von ihren nächtlichen Wegen auf und davon jagt , stürmten durch die Schatten des Thales drei Reiter - voran auf windschnellem arabischen Roß eine Frauengestalt in fliegenden grünen Gewändern - hinter ihr d ' rein ein alter Moslem , den Säbel in der Faust , offenbar bemüht , der Fliehenden den Weg abzugewinnen und zuerst am Eingang des schmalen Felsensteiges anzukommen , der den Weg zum Plateau der Palanka bildete ; - den Beiden in der Entfernung von 60 bis 100 Schritt folgend , eine zweite türkische Frau in prächtigen Gewändern , den goldglänzenden Panzer des Tosken um Brust und Schultern , den hohen Reiherbusch über dem Turban . Und hinter ihnen d ' rein in der Ferne , aus dem Nebel und Dunkel , hoben sich im Morgengrauen Lanzenspitzen , blitzten Bajonnette und wogte es heran in dunklen Massen . » Zu den Waffen , Kameraden , die Moslems sind vor der Palanka ! « und zu dem Eingang des Walls stürzten Grivas und seine Maini ' s. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der Halt , den die Türken gemacht , war , wie gesagt , kaum eine Viertelstunde Weges von der kleinen Feste entfernt , und der Bey sandte von hier aus seine Späher , die bald mit der Nachricht zurückkehrten , daß die Griechen zwar Wachen ausgestellt hätten , sonst aber keine Ahnung von der Gefahr und der Nähe des Feindes zu haben schienen . Es wurde nun beschlossen , daß die Kula durch Tirailleurs überrascht werden sollte , die sich im Schatten der Klüftungen auf das Plateau schleichen und plötzlich auf das Zeichen eines Schusses eindringen sollten , während die Hauptmacht ihnen langsam folgte . Der Emir Abdallah mit seinen Arabern erbot sich , den Versuch zu wachen . Er stieg von seiner Stute , deren Zügel er um den Schaft seiner in den Boden geschlungenen Lanze schlang , und seinem Beispiel folgten sofort alle seine Leute . Dann untersuchte der Emir sein langes Luntengewehr , ertheilte den Arabern einige Befehle und verschwand mit ihnen nach verschiedenen Seiten in den Nebeln , in denen ihre weißen und grauen Gewänder verschwammen . Der Bey mit Fatinitza und dem verkleideten Griechen waren jetzt die einzigen Reiter , die in der Nähe hielten , und er hieß sie ihnen folgen , um von einem näher liegenden Hügel den Erfolg des Ueberfalls zu beobachten und dort während des Gefechts , außerhalb jeder Gefahr , zu verweilen . Im Gespräch mit ihrem Vater bemerkte das Türkenmädchen Anfangs nicht , daß ihre Begleiterin zögerte , zu folgen , und einige Augenblicke zurückblieb , bis der Vorsprung des Felshügels sie verdeckte . Plötzlich verkündete ein Schrei der Ueberraschung ein ungewöhnliches Ereigniß . - - In der Brust des jungen Griechen hatte ein wilder Sturm getobt - Qual und Angst um die Blutfreunde , und Liebe und Dankbarkeit zu dem wilden Türkenmädchen . Dennoch war er von Anfang an entschlossen gewesen , jede sich bietende günstige Gelegenheit zu ergreifen , um seinen Oheim und dessen Gefährten zu retten . Der drängende Augenblick war jetzt gekommen , denn er fühlte , daß , wenn die ahnungslosen Griechen nicht gewarnt würden , der Ueberfall der Araber gelingen müsse . Er wußte aus den Erzählungen des Emirs an Fatinitza , daß das Roß desselben eine Stute aus jenem berühmten Geschlecht der Nedjhi war , einer durch ganz Arabien wegen seiner Schnelligkeit und Muskelkraft berühmten Race , und als daher der Emir den Sattel verlassen und die Pferde fast unbewacht zurückgelassen wurden , war sein Entschluß rasch gefaßt . Er drängte , zurückbleibend , sein Maulthier an die Seite der Stute und den Augenblick entschlossen ergreifend , wechselte er den Steigbügel und sprang in den Sattel des arabischen Pferdes , zugleich die Lanze aus dem Boden reißend und die scharfen , statt der Sporen dienenden Spitzen der Bügel in seine Flanken pressend . Wie ein Pfeil schoß die Stute vorwärts , und im nächsten Augenblick an Fatinitza , dem Pascha und den ihnen zum Hügel gefolgten Kriegern vorüber . Im ersten Moment fesselte Ueberraschung und Verwirrung jede Lippe , da außer Fatinitza Keiner die Bedeutung der seltsamen Handlung sich zu enträthseln vermochte , bis der Ruf derselben : » Verrätherischer Christ ! Allah verderbe Dich ! « und ihr wüthendes Anspornen des Rosses hinter dem Fliehenden d ' rein plötzlich das Staunen mit einem anderen löste . Ein unterdrückter Wuthschrei brach von den Lippen Aller und dann folgte der ganze Haufe der wilden Jagd . Diese ging mit Windesschnelle durch den Thalgrund , auf dessen anderer Seite das Felsenplateau der Palanka sich erhob . Da der Pascha und seine Tochter die einzigen Berittenen in der Gruppe gewesen , unternahmen diese auch allein mit einiger Aussicht die verzweifelte Verfolgung . Das Pferd des Pascha ' s war ein Thier von edlem Berber Blut , das nur wenig dem schnellen Roß des Flüchtlings nachstand , und der greise Moslem , sobald er sein erstes Erstaunen überwunden , sprengte wüthend hinter dem Griechen d ' rein , denn der Ruf seines einzigen Kindes hatte ihm im Augenblick gezeigt , wie grausam er betrogen worden . Die ganze Hoffnung des jungen Mannes lag darin , daß er zuerst den Felskamm erreichte , welcher den einzigen Weg zum Plateau der Palanka bildete , und die Augen auf die Feste geheftet , jagte er durch das Thal . Doch hatte er , um der Gruppe am Hügel zu entgehen , schon beim Fortstürmen die gerade Richtung verlassen müssen , und wurde auch auf dem weiten Ritt wenn auch nur Augenblicke lang aufgehalten . Zwei Mal trat ihm aus dem Nebel die weiße Gestalt eines arabischen Kriegers entgegen und versuchte , sich ihm in den Weg zu werfen . Aber die Lanze des Emirs warf den Einen , der Sprung des Pferdes den Andern zu Boden , und Keiner wagte es , auf das wohlbekaunte Roß seines Häuptlings zu feuern . So gelang es dem Griechen , fast gleichzeitig mit dem Bey , den Aufgang des Felsenkammes zu erreichen , und ein Sprung des prächtigen Pferdes brachte ihn voran auf denselben . Er hatte den Schleier von seinem Haupte gerissen und schwang ihn durch die Luft . - » Zum Kampf , Oheim Grivas , zum Kampf ! die Moslems sind Euch nahe ! « » Verfluchter Ghrist ! Schänder meines Harems ! stirb ! « Eine rasende Anstrengung seines Pferdes hatte auf einer breitern Stelle den greifen Bey an die Seite des Griechen gebracht , und er lehnte sich zurück auf den Sattel , den Hieb von hinten zu führen , denn er befand sich zu seinem Unglück auf der rechten Seite des Flüchtlings . Ein Blick zeigte diesem die Gefahr und daß nur das Verderben des Einen den Andern zu retten vermöge . Der Trieb der Selbsterhaltung war rascher als alle Ueberlegung , und mit aller Kraft seiner Hand und seiner Schenkel sein Pferd parirend , drängte er es nach dem Gegner , indem er den rechten Arm nach ihm ausstreckte , den Hieb aufzufangen . Ein wilder Schrei klang an seine Ohren - die Stimme der Geliebten : » Schone meinen Vater ! « - aber im selben Augenblicke schon stieß sein Knie an den hohen Sattel des Gegners , seine Hand faßte den erhobenen Arm - ein Stoß - und über die Seite der Felsenkante stürzten Roß und Reiter ! Im nächsten Moment flog das Araberpferd weiter und dem offenen Eingang des Walles zu , auf dem jetzt , die Flinten schußgerecht in der Hand , die sieben Mainoten lagen . Hinter ihm d ' rein gellte in seine Ohren der schneidende Zeterruf des Türkenmädchens , das Klagegeschrei der herbeieilenden Arnauten , und vor ihm am Eingang des Walles lag eine breite Kluft , über die eine einzige Bohle führte , welche die Mainoten liegen gelassen und in der unerwartet andrängenden Gefahr noch keine Zeit gehabt , hinwegzuräumen . Aber sie war zu schmal , selbst im Schritt ein Pferd zu tragen ; noch ein Mal preßte er die spitzen Bügel dem seinen in die Flanken , und mit langem Sprunge gewann es den jenseitigen Rand und stand zitternd und schaumbedeckt zwischen den wilden Gestalten der Griechen . Nicolas Grivas sprang herab , sprachlos - Entsetzen auf dem bleichen Antlitz - deutete er hin nach dem gefährlichen Wege , den er so eben zurückgelegt hatte . - - Dort jagte die Wölfin von Skadar heran , - der Schleier fliegend im Zug der Luft , gluthroth das Antlitz , rachesprühend das dunkle Auge - in der erhobenen Hand die Pistole . - Kaum sah sie den Abhang , der sie von dem Verräther trennte , noch weniger ihn achtend in der wilden Leidenschaft , die jede ihrer Fibern spannte , - der Schuß knallte , indem das Pferd sich zum Sprunge erhob , aber seine Kraft war diesem nicht gewachsen und die Hand der Reiterin hatte es nicht unterstützt , es erreichte kaum den jenseitigen Rand und brach zusammen über der Planke , welche über die wenn auch nicht tiefe doch gefährliche Felsspalte führte . Einen Augenblick hingen Pferd und Reiterin über dem Abgrund und dieser Augenblick genügte dem ältern Grivas , um vorzuspringen . Seine kräftige Faust erfaßte das Türkenmädchen und riß es empor , und ein Fußtritt schleuderte die schwankende Brücke und das Roß auf ihr in die Tiefe . Die Flinten der Mainoten krachten zu beiden Seiten und das » Allah Akhbar21 ! « der Araber erschütterte die Luft . Abdallah an der Spitze , versuchten die wilden Asiaten , das Plateau , an den Felsen und Steinen emporkletternd , zu erstürmen , - aber die Kugeln der sechs wachsamen Spartaner warfen die kleine Zahl , die emporzuklimmen vermochte , todt oder verwundet von dem Felsrand zurück - kein Schuß fehlte bei dem leichten Ziel , und der Ruf des kühnen griechischen Führers belebte den Widerstand . Seine weitreichende Büchse schlug zugleich auf dem Felskamm in die Schaar der dort Anstürmenden und trieb sie zurück . Die Sonnenstrahlen brachen glänzend über die Berge , und die Palanka vergoldend , zeigten sie sicher den Schützen ihr Ziel . Nach ihrer gewöhnlichen Kampfweise , ähnlich der der nordamerikanischen Wilden , ließen die Asiaten nach dem ersten Sturm vom Angriff ab , sobald sie sich überzeugt , daß die Ueberraschung mißlungen und der Gegner zum Empfange bereit war . Die Araber und die unterdeß herbeigekommenen Arnauten zogen sich unter wildem Geschrei aus der Schußweite der Kugeln zurück . Von der Höhe des Walls sah der General noch , wie sie den Körper ihres greifen Führers aus der Schlucht , wo hinein ihn und das Roß der Arm seines Neffen gestürzt , davon trugen , doch vermochte sein Falkenblick nicht zu erkennen , ob der Verunglückte noch am Leben . Der General wußte , daß er vorerst Ruhe und Zeit haben werde , die Anstalten zur weiteren Vertheidigung zu treffen , und jetzt erst wandte sein Blick sich wieder auf seinen Neffen und seine schöne Gefangene . Wir haben gesagt , daß sechs Flinten der Mainoten dem Angriffsgeschrei der Araber geantwortet hatten ; - Andunah Vati , der Siebente , lag , die Hand auf die rechte Seite gepreßt , an der Mauer der Kula und durch seine Finger quoll in dicken Tropfen das rothe Blut , während sein Auge finster und drohend auf das Türkenmädchen geheftet blieb . Die Kugel ihrer Pistole hatte bei dem Sprunge das Ziel ihrer Rache , den meineidigen Geliebten , gesehlt und den Mainoten niedergeworfen . Der schreckliche Vorgang und der Angriff der Araber waren aber so rasch auf einander gefolgt , daß keiner der Vertheidiger Zeit gehabt , auf den Verwundeten zu merken oder sich um ihn zu kümmern . In einiger Entfernung von ihm , auf einer der Quadern , saß Fatinitza ; der Turban war ihr vom Haupte gefallen und das dunkle glühende Auge starrte finster und gleichgültig durch die Oeffnung des Walles auf die ferne Schaar der Ihren . Sie schien den treulosen Freund nicht zu bemerken , der , nur wenige Schritte von ihr entfernt , an dem Roß des Arabers lehnte . Ein einziges Mal während des kurzen Kampfes hatte er gewagt , ihr näher zu treten , aber ein wilder stolzer Blick des Mädchens scheuchte ihn zurück , und stumm , mit niedergeschlagenen Augen blieb er in seiner Stellung . So traf die stumme lautlose Gruppe der General , der mit mehreren seiner Gefährten jetzt in das Innere der Umwallung sprang , während andere derselben die Wache auf dem Wall behielten . » Andunah ist verwundet , seht nach ihm , « befahl der Führer , » und jetzt , Neffe , nachdem die erste Blutarbeit gethan , sei willkommen trotz Deines seltsamen Aufzugs . Wer ist dies Weib ? « » Fatinitza , die Tochter des Pascha ' s von Skadar , meine Lebensretterin . Laßt sie zum Dank dafür , daß es mir gelang , Euch noch im letzten Augenblick zu retten und auf die Nähe der Feinde aufmerksam zu machen , unbeleidigt zu den Ihren zurückkehren . « » Sie ist die Mörderin meines Vetters Andunah , « sagte bei der Bitte wild der Mani Comodouro . » Ihre Kugel traf , ihn - sie muß sterben ! « Er hob die Pistole gegen die Unglückliche . Der General jedoch stellte sich vor sie . - » Zurück , Mann ! Andunah Vari wurde im ehrlichen Kampf erschossen und die Türkin ist meine Gefangene . Wer es wagt , die Waffe gegen sie zu erheben , hat es mit mir zu thun . Du aber , Neffe , irrst , wenn Du glaubst , ihre Freiheit dafür in Anspruch nehmen zu können , daß Dein Ruf uns gerettet . Der Donner jener Kanonen über das Gebirge her , den Du hörst und der uns die Schlacht unserer Brüder verkündet , hatte uns bereits in die Waffen , gerufen . Dieses Mädchen , deren Namen und blutigen Ruf wir Alle kennen , hat die Jungfrau vielleicht zu unserer Rettung in unsere Hand gegeben . Bindet ihre Hände und nehmt ihr ab , was sie an Waffen noch bei sich trägt . « » Oheim ! « flehte der junge Grieche . Der General schüttelte finster das Haupt . - » Sie ist die Gefangene meiner Hand und es muß sein ! Deine Rettung ist vergolten durch die ihre von