seiner grausamen Feinde zu hören . Seines Vetters Gestalt sogar , die sich früh und Mittags zeigte , um den kleinen Gefangenen Atzung hinzustellen , beruhigte seine aufgeregten Sinne nicht . Er wußte ja leider , daß sein Verwandter selbst zu der abscheulichen Rotter gehörte ; er durfte argwöhnen , daß vielleicht in der nächsten Stunde der entartete Mann selbst die Hand zu seines unschuldigen Vetters Tode bieten möchte . Und näher und immer näher schlich schon wieder der Abend , und näher und näher kam die Zeit des Verderbens , und er , der um Alles wußte , mußte schweigen , an Schwur und Kerker gefesselt ! - Da wurden hastige Schritte in dem Vorgewölbe hörbar : geschäftige Hände riegelten auf und drehten den Schlüssel der Thüre behende , und Brändling , blaß und verstört rannte in den Keller . Der erschrockene Knabe , nur seinen Tod ahnend , floh in die Ecke des Gewölbes , aber Brändling beruhigte ihn durch Wort und Geberde , indem er zu ihm sprach : » Guter Vetter , lieber Heinrich ! Du warst von jeher ein wackrer Knabe und Verwandter , und nicht meine Schuld ist ' s - du weißt es wohl , - daß Du hier sitzest , gleichwie in der Löwengrube . Zürne mir darum nicht , und thu ' mir das zu Liebe . « - Der Knabe war bereitwillig , und Brändling fuhr fort : » Ein schlechter Mensch von meinen Zechgästen hat den Weinstecher Veit verrathen , daß ich dann und wann , stummen Wein ausschenke . Du lieber Gott ! in der Zerstreuung geht wohl manchmal dergleichen vor , und ich habe nicht ' mal recht gewußt , daß ich ein unklar Faß im Keller habe . Veit war aber da , er hat ' s gefunden und ist hinweg gegangen , mit der Drohung , noch heut ' den Stöckerknecht zu schicken , daß er das Faß abhole und vor dem Römer auslaufen lassen . Bedenke Henrich , - welche Schande , ... welcher Anlaß zu andern Entdeckungen ! Wenn Du nicht hilfst , so kann mich ' s heute an den Galgen bringen . Veit ist mir nicht hold , aber Dir , mein Neffe und Söhnlein , den er aus der Taufe hob , um desto mehr . - Deine selige Mutter war ihm lieb und werth , und - nun - es wird schon alles gut werden , wenn Du stracks zu ihm laufen , und für mich eine Fürbitte einlegen wolltest . Nur den Stöcker lasse er zu Hause , und zahlen will ich , was er will , - Morgen schon bezahlen , - und den Wein vertilgen im Geheim . Willst Du , mein Söhnlein ? « - Heinrich bejahte gütmüthig . - » ' s ist jetzt die beste Zeit , « sprach Brändling weiter : » die Wütheriche sind nicht daheim , bis auf einen . , der oben in der Giebelkammer faullenzt . Es sieht dich Niemand fortgehen , und zurück bist Du , ehe und ohne daß dich eine Seele bemerkt . Aber , - Heinrich , - gutes Kind , denke an Deinen Eid , und an Deine ewige Seligkeit , und plaudre an keinem Menschen aus was Du Unglückseliger vielleicht gehört ! « - Heinrich gelobte es noch einmal in des falschen Mannes Hand , und entrannte , wie ein flüchtiges Reh , dem unbequemen Kerker . - Die Sonne neigte sich zum Untergange , und des Pathen Haus war , obgleich fern , - doch bald erreicht . Der treuherzigen Fürbitte des Knaben konnte der biederherzige Veit nicht lange widerstehen , und ließ ihn endlich mit guter Botschaft , aber auch mit der strengen Warnung für den Ohm ziehen . Heinrich flog wieder heimwärts ; allein , da es um die Zeit war , da alle Handwerksgesellen durch die Straßen jubelten , von der Arbeit kommend , - die reichern Kaufleute ihre Laden schlossen , und die Vornehmem der Stadt behaglich lustwandelten durch die Straßen in der abendlichen Kühle , - da wurde dem Knaben das Herz schwer , seine Tritte wurden langsamer , da er der Gräul gedachte , die in diesen froh lebendigen Straßen bald wüthen sollten . Hausväter und ihre Frauen , ihre Kinder und Enkel saßen vor den Thüren , durch welche der Mord eingehen sollte , - buntgekleidete Musikanten , Lustigmacher und dergleichen Volk durchstreiften die Gassen , und wenn man sie fragte : » wohin die Reise ? « so antworteten alle : » Zu des Altburgers Froschen Haus ; ' sist Hochzeit dort , und die Stoßpfeifer dürfen zum Tanz nicht fehlen ! « - Diese Worte zerrissen Heinrichs Brust , und ohne Bewußtseyn und Willen fast , flüchtete er sich in die uralte Kirche der Weißen-Frauen , die noch offen stand für Reuige und Leidende . Ein innrer Trieb zwang den Knaben , sich vor den Stufen des vergitterten Chors nieder zu werfen auf seine Kniee , und inbrünstig zu Gott zu beten , um Erleichterung , um Trost , um Hülfe und um Eingebung von Oben . Nachdem er sein Gebet verrichtet , sah er sich um in der Kirche und sie war leer ; er blickte , mit Anstrengung auf den Zehen sich erhebend , durch das Chorgitter , und gewahrte eine von den weißen Frauen , die auf einen Betschemel kniete , und zu beten schien ; sonst niemand . Da fuhr dem aufgeregten Knaben ein abentheuerlicher Gedanke durch den Kopf , und er schritt auf der Stelle zur Ausführung , - dem Zufall es überlassend , ob seine Saat auf guten Boden falle , oder auf Stein . Die Nonne dort konnte ja schlafen , - sie konnte taub seyn oder ungläubig ; aber - Gott wird ja Alles zum Besten lenken , dachte der Knabe , ... und Deinen Schwur hast Du nicht gebrochen . - Er wendete sich daher frischen Muths knieend mit ausgespannten Armen zu dem Magdalenenbild , das , verwittert und . bemooßt am Eingange des Chors trauerte , und sprach mit vernehmlicher Zunge : » O Du , mein heiliges Steinbild , laß Dir vertrauen , was ich geschworen habe , keiner lebenden Seele zu verrathen , und wann der Herrgott nicht ein Wunder thun will , und Dir den steinernen Mund öffnet , daß Du redest , - so behalte in Deinem tauben Ohre meine Rede . Wisse , daß die Stadt in großer Gefahr ist , daß böse Gesellen sich verschworen haben , mit der zehnten Stunde Glockenschlag noch heute den Hochzeitschmauß in der Froschen Hause in ein Blutbad zu verwandeln , und zu erwürgen Alles , was sich dort zusammenfindet , vom Bräutigam bis zur Magd . Wisse , daß auf diesen Mord die Stadt angestossen werden soll mit Feuer , und geplündert der Reiche , und ermordet Arm und Reich . Wisse , daß die Ägypter herübergerufen werden sollen , um Stein von Stein zu reißen , während die Mörder den Main hinunterschwimmen wollen auf abgekappten Schiffen , von Blut und Beute schwer . Wisse dieß All ' , du heiliges Steinbild , denn mein Herz kann ' s nicht bewahren , und die Zunge soll ' s doch verschweigen . Wahr ist ' s ; dazu helfe mir Gott , und von dem Tode all ' den armen Leuten , die morgen nicht mehr leben sollen . Amen ! « - Der Knabe hatte dieses Bekenntniß kaum abgelegt , als er mit der Eile eines flüchtigen Wildes die Kirche verließ , um heimzulaufen . Seine Worte waren nicht ungehört verhallt . Die weiße Frau hatte sich horchend erhoben , und keine Sylbe verloren ; aber nicht minder hatte eine dienende Schwester , die von einem vorspringenden Grabmal verdeckt , dem Blick des Knaben entgangen war , alles gehört mit zagender entsetzter Seele . Der kleine Redner war auch kaum ausser der Kirche , als die Schwester zu der Nonne trat , und dringend fragte : » Habt Ihr gehört , hochwürdige Frau ! « - Die Nonne nickte stolz mit dem Kopfe . - » Um aller Heiligen willen ! « fuhr die Andere fort : » war das ein wahnsinniger Bube , oder ein gesunder Herold der Wahrheit ? « Die Nonne zuckte die Achseln . - Die Schwester sprach ängstlicher , und die Hände ringend weiter : » Wie mögt Ihr doch so kalt und gleichgültig seyn , würdigste Frau , da doch die Schreckenskunde euer eigen Haus betrifft ? Die Stimme des Herrn ist die eines Löwen , daß Zion sie vernehme ! « - » Was wollt Ihr denn thun , Schwester Judith ? « fragte die weiße Frau langsam und bedächtig . - » Reden , reden will ich ; « antwortete Judith heftig : » des Herrn Gnade verkünden . Du sollst Dein Licht nicht unter den Scheffel stellen . Die Oberin , der Beichtvater , der Rath soll wissen und erfahren , du Himmelskönigin und Jesu Christe ! es ist keine Zeit zu verlieren . « Die Nonne blickte starr und schweigend vor sich hin . Judith machte sich indessen fertig , dem Chor zu melden , plötzlich jedoch besann sie sich , und sagte zu sich selbst : » Die Pflicht geht vor . Thue zuerst , was Du mußt , und dann erst , was Du sollst . Bald hätte ich den Geißelstrick der Oberin aus dem Gewölbe mitzunehmen vergessen . « » Gleich « , setzte sie zu der Nonne gewendet hinzu : » gleich , hochwürdige Frau , bin ich zurück , und dann laßt uns den Mund aufthun , um zu reden mit der Stimme der Gewitter , wie der Herr gethan hat , auf den Höhen Horeb ; denn zornig ist der Herr , und doch allmächtig in dem Schwachen . « - Bei diesen Worten schob sie den schweren Riegel vor der Fallthüre des Geißelgewölbes , und bemühte sich , die ungeheuern Eichenbohlen aufzuheben ; mit aller Anstrengung gelang es ihr nicht , und sie wollte schon das Werk verlassen , als die Nonne sich selbst herabließ , ihre Hülfe anzubieten , und zu leisten . Der vereinten Kraft der Weiber fügte sich die schwere Last , und ließ sich in ihren Angeln herumlegen . Judith , den scheidenden Abendstrahl , der durch die Fenster schimmerte , als einzige Leuchte mit sich nehmend , eilte die Treppe hinab , nachdem sie noch gesehen , wie die Nonne durch die Seitenthür in den Kreuzgang verschwunden war . Kaum aber war der Klang ihrer Schritte schwächer geworden , und sie im Gewölbe selbst angekommen , als schnell die Nonne zurückkehrte , auf die Gruft zueilte , die eiserne Stützstange der Fallthüre wegriß , und die Pforte donnernd und dröhnend in ihre Fugen fallen ließ . Der Schlag hallte schrecklich im ganzen Gebäude wieder , und vor ihrer eignen Handlung erschreckend , floh die Boshafte nach ihrer Zelle . Dort athmete sie ruhiger . - » Muth , Wallrade ! « sagte sie zu sich : » geht heut die Rache nicht in Erfüllung , so verzichte ich auf sie in Ewigkeit « . Die schwatzhafte Judith schmachte , bis die Stunde vorüber . Ihr ohnmächtiges Poltern an der Grabespforte wird die furchtsame Beschließerin zum Gespensterspuck rechnen , und mit scheuem Kreuzschlage ihres Weges ziehen . Ein Zufall entschuldigt wohl später der Laienschwester unwillkommne Haft . Ich aber will spielen mit dem Schicksal , das jetzt in meiner Hand liegt . Die zehnte Stunde muß erst geschlagen haben , ehe ich durch meine Worte die Stadt rette . Ich will sehen , wie in meinem Hause daß Unglück schreitet ; ob ich allein dazu verdammt bin , oder Andre mit . Falscher Dagobert ! so schnell konntest Du Deine Liebe vergessen , und treulos in die Arme einer andern sinken ? So war es nicht gemeint . Ich raubte Dir der Zelle Trost , damit Du der Entsagung und der Täuschung Foltern schmeckest dein Lebelang ; damit Du Unkraut säest im Vaterhause , wie bisher . Glücklich wollt ich Dich nicht sehen , und heute - welche Freude - heute trittst Du an Deines Glückes Gränze . Die Pforte dazu ist auch schon sein Markstein . Fahre hin ; und Du , einfältige Braut , und Du , scheinheilige Stiefmutter , welche einen Sieg über mich errungen zu haben wähnt ; fahrt hin , ihr Lästerzungen alle , die ihr meinen Leumund zerfleischt habt , und an meiner Feinde Hochzeitstisch zu prassen denkt . Schon rüstet sich der Pfaff zu Eurer Todtenmesse ! - Sie schauderte selbst vor dem entsetzlichen Gedanken zurück , und ein Bild mit greisen Zügen und weißen Haaren , ein Bild voll Liebe und Gram stellte sich langsam in der Dämmerung vor ihre Augen . - » Mein Vater ! « seufzte sie unter menschlicher Regung : » Mein Vater ! Er ist der Einzige in jenem Hause , der nicht fallen sollte wie die Andern ? Er ist aber auch der tugendhafteste , setzte sie , in grausamem Wahn sich selbst belügend , hinzu : und Gott thut Wunder an dem Gerechten . Wenn Gott nicht will , so erlahmt der Arm des Mörders , sein Stahl zerbricht , und frei aus geht der Gute unter ' m fürchterlichsten Wirrsal . Fasse Muth , Wallrade , rede nicht matt und feige . Gott wird unter den Sündern die Seinen finden und behüten . « - Also ihr böses Trachten mit ihrem nagenden Gewissen trotzig , und schlau vereinbarend , ließ die tückische Wallrade die Stunde hinschleichen , und schwelgte im Voraus in den Schreckensauftritten , die im Vaterhause vorfallen sollten . Ihres Vaters gedachte sie zwar häufig , - weniger , ihres armen Sohnes , aber die Glut wilder Leidenschaft und eine gewisse freche Lust , das Schicksal in die Schranken zu fordern , erstickte den Funken von Kindesliebe in ihrer Brust . Mutterliebe hatte sie nie gekannt , und das Andenken an den so gehaßten Vater des kleinen Johannes war allein schon hinreichend , um sie zu bewegen , den Knaben einem dräuenden Unheil sonder Mitleid zu überlassen . Während nun die Schreckliche also still und einsam in der dunkeln Zelle brütete , und die arme Judith im ganzen Kloster wie verschwunden schien , dämmerte tiefer und tiefer der Abend nieder ; die Straßen wurden leerer , die Trinkstuben voller , und auch im Knippling ging es lustig und geräuschvoll her . In der vordern Stube johlten Waidträger , Löher und Schiffknechte , in dem hintersten Gemache saßen die Verbündeten mit mehreren ihrer Helfershelfer beim schäumenden Trunke . Die neunte Stunde hatte schon längst geschlagen , und mit Ungeduld harrten die Raublustigen , auf die zehnte . Um sich die Langeweile und Unruhe zu vertreiben , trank der Hornberger Zug für Zug einen Becher leer , und der Reiffenberger , wie auch Veit von Leuenberg thaten herzhaft Bescheid . Zodick hingegen hielt sich nüchtern , und ermahnte die Führer der , bereits auf ihren Sammelplätzen versteckten Knechte , die sich ebenfalls zum Abendtrunk hier eingefunden hatten , klar und hell im Kopfe zu bleiben , um den Dienst nicht zu versäumen . - » Wie der Jude schwatzt ! « rief der Reiffenberger unwirsch : » Ein rüstiger Mann und ein wackrer Fußknecht müssen trinken wie Teufel , um , gleich Teufeln , losschlagen zu können .. Im offenen Streit ist ein kleiner Weinnebel an seiner Statt ; man sieht nicht lange , wo man hinschlägt . Um eine Kehle abzuschneiden , bedarf man freilich klarerer Augen . « - » Mein ! mein ! « versetzte Zodick giftig : » wir wollen sehen , wer lacht von uns am letzten : ich mit meinen hellen Scheinlingen , oder Ihr mit Euern trüben . Ich und meine Gesellen , und diese guten Freunde , wir werden noch immer thun müssen das Beste . « - » Pest und rother Hahn ! « polterte Leuenberg dazwischen : » fröhlich gelebt und fröhlich gestorben ..... wie heißt das Sprüchlein , Bruder Hornberg ? « - » Laß mich doch ungeschoren mit Deinem Possenschwank ! « antwortete ihm der Hornberger , eine Kanne leerend , und damit auf den Tisch klopfend : » Ich weiß ein beßres Liedlein : Firnewein vor der Schlacht , hat viele , zu Helden gemacht ! und so wollen wir ' s heute halten . Donner , Strahls Hagel und Gewitter ! keine halbe Stunde mehr , und der Tanz geht los . Bis hieher haben uns alle Heilige bewahrt und geschirmt . Von all den Stadtschurken , die uns vorgekommen sind , hat uns kein einziger gekannt , - nicht mich , der ich mit der Stadt meine Späne haben , - nicht den Reiffenberg , der hier so viel schuldig ist , daß er von dem Gelde sein verfallnes Dach mit Goldgulden decken , und seinem Hof damit pflastern könnte ; - nicht den Leuenberg , der im Stadtbann liegt , er weiß wohl , warum ... ? « - » Nicht einmal den verfluchten Judenchristen hier haben sie erwittert ; « fiel der Leuenberg ein , - » ob er gleich von Stadt , Kaiser und Reich verfehmt und geächtet ist . « - Zodick lachte pfiffig . - » Wißt ihr , ihr Herren , « sprach er : » woher das kommt ? weil ich mir nie getrunken habe einen Rausch , weder im Wein , noch im Früßelhannes . Nüchtern seyn , ist klug . Für den Groschen , den hinauswirft der trunkne Mann , gewinnt der nüchterne ein Pfund . « - » Pah ! « rief der von Leuenberg : » wie könnte , auch ein Jude fröhlich seyn , wie ein christlicher Rittersmann . Gebt dem Gelichter ' ne Zwiebel , schimmlich Brod und faul Wasser ; glücklich ist ' s dabei , wenn es nur Münze zusammenscharren mag . « - » Daß Ihr doch lahm würdet , verfluchte Gojim ! « murmelte Zodick in den Bart , während er , es zu verbergen , sich unter den Tisch bückte , als wollte er ein Messer aufheben . - » Laßt doch den Friedrich ; « brummte der Hornberger : » der ist ein Christ , so gut wie einer , und wer ihn schimpft , hat ' s mit mir zu thun . Aber , Donner und Teufel ! wo steckt der Wirth ? Vergebens klopfe ich seit einer ewigen Frist nach einer frischen Kanne , und doch ist zu Frankfurt mehr des Weins in den Kellern , als Wasser in den Brunnen ! Heda ! eingeschenkt ! « - Vergebens mahnte der vorsichtigere Zodick ab ; Hornberg polterte aus allen Kräften mit den Kannen auf den Eichentisch , bis endlich Brändling erschrocken zur Thüre hereinsprach . Der Mann hatte zwar in der Freude über Heinrichs willkommne Botschaft , so wie in der heimlichen Seelenangst vor der kommenden Nacht , ebenfalls viele Schlucke über den Durst gethan , und wankte unsicher auf seinen Beinen umher , aber die Sorge für die Sicherheit seines Hauses und seiner Gäste verließ ihn selbst in diesem Zustande nicht . » Um der ewigen Barmherzigkeit willen ! « rief er : » Ihr Herren macht doch nicht des Lärmens so viel . Die Trinker in der Stube werden aufmerksam werden , und wissen wollen , wer dahinten also rumort . Und denkt ' mal ; wer Euch also sähe , bewahrt und bewaffnet , wie Ihr seyd .... « - » Halt ' s Maul , Hund ! « fuhr ihn der Hornberger an : » Schenk ein : wir sind die Herren , Du der Knecht , und nicht lange währt ' s , so haben wir ganz Frankfurt unter unsrer Sohle . Schaff Wein herbei , und sey nicht lässig im Dienst , sonst schneide ich Dir , - Gott verdamme meine arme Seele , - für jede Kanne einen Kerbstrich in Dein Hundeantlitz , daß Du aussehen sollst , wie ein bemalter Turnierpfahl . Wein , Schurke ! Wein ! Wasser unter ' n Wein ! Wasser darunter ! « flüsterte Zodick dem erschrocknen Brändling zu , welcher verblüfft seinen Abtritt nahm , und bald neuen , sehr getauften Weinvorrath brachte . Mit ihm trat ein Knecht des Reiffenberg in die Stube , auf welchen alle neugierig losgingen und taumelten . » Sieh da , Eckart ! « fragte sein Herr : » Wie ist ' s ? wie steht ' s ? was bringst Du ? « - » Alles ruhig , ihr Herren ; « meldete der Knecht : » die Leute alle auf ihrer Stelle im Hinterhalt . Ich gab noch den Befehl , daß keiner von ihnen sich unterstehen solle , etwas zu beginnen , bevor Ihr nicht mit Euern Freunden an ihrer Spitze seyd . Sie erwarten das Zeichen ungeduldig . « - » Wahrlich nicht mit größrer Ungeduld als wir ; « antwortete der Hornberger : » Gewitter und Strahl ! will denn die Zeit stehen bleiben ? Sag an , Bursche : welche Stunde ist ' s ? « - » ' s muß im Augenblicke Zehne schlagen ; « antwortete der Knecht : » in Sachsenhausen drüben riefen die Wächter schon die Stunde ab , doch pflegen sie ' s stets früher zu thun , als hier herüben die Glocke schlägt . « - » Ei , so laßt uns die Krüge leeren ! « sprach der Hornberger : » Gott sey gelobt ; wir stehen am Ziele . « - » Krüge , aus , Waffen an ! « lallte der Leuenberg : » Bruder Reiffenberg , schnalle mir den Gurt fester ; meine Hand ist schwer und ungeschickt geworden . « - » Du wirst doch nicht zu viel im Kopfe haben ? « fragte der Hornberger spöttisch : » Ich fühle Bärenmark in meinen Knochen , und wollte einen Eichbaum spalten . « - Um den Beweis zu führen , hob er die schwere Klinge mit Macht , und wollte einen Hieb gegen den Ofen thun , allein die niedre Stubendecke wehrte dem Streich , und die Waffe fiel klirrend aus des Zechers Hand . - » Weh geschrieen ! weh geschrrieen ! « begann Zodick , der unruhig wurde : » Was soll daraus werden . Hab ' ich doch gezählt auf einen Simson , und es wird nicht da seyn ein Davidchen ! Ihr Leute , ihr Waffenknechte : haltet Euch besser als eure Herren , und folgt dem , was ich werde befehlen ; denn ich werde gehen sicher , und zustoßen ohne Fehl , und wenn herabkäme vom Himmel der Melach der Könige ! « » Bist Du gewesen an der Frosche Haus ? « fragte er sodann den Eckart leise . Dieser bejahte , und berichtete , Alles gehe dort hell auf , von Kerzenschimmer funkle Fenster und Thor , die Pauke wirble , der Bombard schnurre und die Pfeifer bliesen lustig zum Tanz . - Zodick rieb sich , teuflisch lachend , die Hände , während die Edelleute in Braus und Verwirrung ihre Waffen und Wehr ordneten , zusammensuchten , schalten und lästerten , und die Knechte alle Hände voll zu thun hatten , ihre Gebieter zum Strauß zu rüsten ; und sprach vor sich hin : » Ich danke Dir , hochgelobter Gott , daß Du mich lässest Rache nehmen an meinen Feinden . Ich war flüchtig wie Kain , aber bald werden sie vor mir fliehen ; ich war getreten in den Staub , aber bald werd ' ich sie stoßen in ' s Elend ! Warum kann ich nicht mit diesem blanken und haarscharfen Messer trennen vom Rumpfe der Menschheit alle Hälse meiner Feinde ? Warum ist Ben David gegangen in die Welt ? Jochai geflohen von wannen man nicht kehrt heim , und Esther gewandert mit ihrem Bruder in ' s Weite , wohin mein Dolch nicht trifft ? Aber euch verfolge mein Fluch ; euch sey die Hölle und das Feuer der Geheime , Amen ! « - Indem blies vom nahem Stiftsthurme der Wächter , und die Glocken schlugen die zehnte Stunde an . » Halloh ! halloch ! « rief der Hornberger : » rüstig , ihr Genossen ! der Teufel ist : los ! « - » Hand in Hand noch einmal laßt uns stehen ! « sprach der Reiffenberg , » und schwören , ehrlich an einander zu halten , und unsre Pflicht zu thun . « - » Wir schwören ' s , « riefen Edle und Knechte . - » Du , Jude , thue Deine Schuldigkeit . « - » Gott soll mir helfen , daß ich sie thue ; « erwiederte Zodick , sich die Mütze fest bindend . - » Geschwinde ! « rief Eckart in die Thüre : » Stunde schlug , Thür ' ist offen , der Wirth harrt unser , leis an der Stube vorbei , hinaus auf die Gasse ! « - » Baschol ! baschol ! « trieb nun Zodick selbst eilfertig und heimlich : » wir haben gewonnen , so wir behalten den Kopf frei und die Hand . Wenn ich nicht vollführe , was ich versprochen , so will ich den Talles haben im Augenblick ohne Gebet und Barmherzigkeit . Fort ! fort ! « Der Schwarm von Menschen drängte sich zur Thür , als diese rasch aufging , und Brändling ' s geisterbleiches Angesicht hereinsah . - » Halt ! halt ! « stammelte er entsetzt : » wir sind verloren ... ! « - » Verloren ? « donnerte ihm der Hornberger zu , und hob das gewichtige Schwert ; aber , wenn gleich des Schenkwirths Stimme versagte , so ergab sich doch alsobald der Bescheid auf des Hornbergers Frage . » Im Namen der kaiserlich freien beschlossenen Acht ! « schallten mehrere Stimmen draußen , begleitet von Schlägen an Wand und Thüre . - » Die heimliche Vehm ! « riefen die Söldner verwirrt , und aus ihren Händen fiel die Wehr , einige verkrochen sich unter Tische und Ofen , wohin auch Brändling sich geflüchtet hatte , andere schmiegten sich auf die Bänke an Wand und Ecke . Selbst den Leuenberg und den von Reiffenberg hatte dieser Schreckensname dergestalt erschüttert , daß sie auf ihre Stühle zurücksanken , und der Hornberger senkte das dräuende Schwert , hinter der Thüre lauschend , durch welche einige vermummte Gestalten rasch und keck hereintraten , und wie Falken nach allen Seiten die Augen drehten . » Keiner rühre sich ! « schrie der Erste von ihnen mit rauher Stimme , » und wer ein frommer Mann ist , sitze still ! « - Da ergriff den Zodick eine entsetzliche Angst . Wild sprang er auf , schlug die Lampe um , und wollte durch die Geheimen durch in ' s Freie brechen ; allein der Schimmer eines Windlichts , das durch die Öffnung der Thüre blitzte , blendete ihn , und der Verhüllte riß ihm indessen Kappe , Haarhaube und Pflaster , vom Kopf und Gesicht . - » Der ist ' s ! « rief er , den Schaudernden gegen seine Begleiter stoßend , und diese antworteten in tiefem Tone : » Bei unserm Eid ! der ist ' s ! « - » Jehova ! Sammael ! Christus ! rette mich ! « schrie der verzweiflungsvolle Jude , da ihn nun eine fürchterliche Ahnung durch ' s Herz zuckte : » Weh mir ! helft ihr Freunde ! « - Aber die Freunde blieben scheu und unthätig , weder Himmel noch Hölle that zu des Frevlers Gunsten ein Wunder , und der heftige Dolchstoß , den seine erprobte Faust mit aller Gewalt auf die Brust des Anführers der Verhüllten führte , brach sich an dem Panzer , den dieser trug . Ein heftiger Schlag schleuderte ihm die Waffe aus den Fingern , und eine feste Schlinge flog um seinen Hals , und riß ihn , seine Kehle zuschnürend , zu Boden . - » Genade Dir Gott , Missethäter ! « riefen die Trabanten der heimlichen Acht , und schleppten den ohnmächtig widerstrebenden vor die Thüre . Vor ihrem Anblick flohen die übrigen Gäste , -bisher neugierige Zuschauer , zur Pforte und Gasse hinaus . - » Macht geschwinde ! « herrschte der Schöffe seinen Frohnen zu : » Henkt ihn auf . « - » Wohin , Herr ? « fragten diese . - » Knüpft ihn an den Kettenhaken neben der Thür ! « befahl der Schöppe kalt ; und dies Todesurtheil brachte den halb bewußtlosen Mörder zu sich selbst . - » Gott ! hochgelobter Gott ! « stöhnte er , außer sich : » Ich bin doch unschuldig ! Ihr Männer ! ich bin unschuldig . « - » Du bist verfehmt , « erwiederte der Schöppe : » und all ist zu spät . Gott genade Dich . « - Schon ward der Strick um den Haken geschlungen . - In wüthiger Todesangst brüllte Zodick : » Ich gehöre nicht vor Euer Gericht . Ich bin ein Jude , des Kaisers Kammerknecht .... ! « - » Wardst Du nicht getauft , abtrünniger Hund ? « riefen die Frohnen : » Fahr ' hin ! « - Der Elende schwebte in die Höhe . All ' seine Glieder strebten an gegen den hart einbrechenden Tod , ... seine erstickende Kehle schnappte nach Luft , sein Mund versuchte noch den letzten Fluch , aber unter dem dumpfen : » Fahr ' hin ! Zeter ! fahr ' hin ! genade Dir Gott ! « stockte das verhaßte Leben und der Gräßliche war nicht mehr . Die Frohnen streckten ihn aus , der Schöppe stieß sein Messer in den Thürpfosten , und alle entfernten sich eilig durch die verödete Gasse - denn alle Gäste der Schenke hatten die