einen derartigen » Kursus « , eine fünfjährige Tour durch Europa , lediglich an die weltmännische Ausbildung ihrer Söhne zu setzen ? Damals war ein derartiges » die hohe Schule Beziehen « so allgemein , daß unser Hans Adam seinen Pariser Aufenthalt mit einem Aufenthalt in Orleans vertauschen mußte , » weil ihm die Anwesenheit so vieler Deutschen in Paris an völliger Erlernung der französischen Sprache hinderlich war . « Seit hundert Jahren ist bei uns » die Armee « die hohe Schule für die Söhne unserer alten Familien geworden , und so unleugbar der große politische und nationale Fortschritt ist , der in dieser Wandlung der Dinge liegt , so fraglich erscheint es doch , ob dem gegenwärtig Gültigen auch nach der Seite der weltmännischen Bildung hin der Vorzug gebührt . Jene edelmännische Erziehung , die Hans Adam von Schöning erhielt , erweiterte den Blick , während unsere jetzige nur allzusehr geeignet ist , den Blick zu beschränken . Wie vorzüglich auch das sein mag , was daheim gehegt und gepflegt wird , die Isolierung hindert die Wahrnehmung , ob draußen in der Welt nicht vielleicht doch noch ein Vorzüglicheres entstanden ist . Wir haben diesen Fehler einmal in unserer Geschichte schwer gebüßt . Die Armee müßte nur die eine Hälfte unserer adeligen Erziehung sein , und die andere Hälfte , nach Vorbild dessen , was früher Sitte war , folgen . Der Eintritt aus des Vaters Edelhof in die Armee und der Rücktritt aus der Armee in den Edelhof – das genügt nicht mehr . Es ist dies einer der Punkte , wo das Bürgertum den Adel , wenigstens den unsrigen , vielfach überholt hat . Aber wenden wir uns wieder unserm Schöning zu . Bald nach seiner Rückkehr starb sein Vater ( 1665 ) und kaum vierundzwanzig Jahre alt wurde Hans Adam Besitzer von Tamsel . Ziemlich um dieselbe Zeit trat er in kurfürstlichen Dienst , vermählte sich 1670 mit einem Fräulein von Pöllnitz , avancierte rasch , wurde Rittmeister , Oberst , Gouverneur von Spandau und war mit kaum sechsunddreißig Jahren Generalmajor . Dieser seiner Ernennung , die 1677 erfolgte , waren aber bereits kriegerische Ereignisse : eine Kampagne am Oberrhein gegen Turenne ( wo ihm bei Erstürmung eines festen Platzes die drei äußern Finger der rechten Hand zerschmettert wurden ) , die Verjagung der Schweden aus der Mark 53 und die Eroberung Stettins vorausgegangen . Hans Adam von Schöning war nun Generalmajor . Die beiden ersten Akte des Krieges mit Schweden hatten ausgespielt . Die Marken waren befreit , Stettin erobert . Das folgende Jahr brachte gleiches Waffenglück . Rügen wurde besetzt und das feste Stralsund , das seit den Tagen Wallensteins für uneinnehmbar gegolten , fiel , nach weniger als einer Woche , in die Hände des Kurfürsten . An allen diesen Waffentaten nahm Hans Adam rühmlichen Anteil ; wir folgen ihm aber bei keiner derselben und begleiten ihn vielmehr auf dem weniger durch seine Resultate , als durch die glänzende Art der Ausführung berühmt gewordenen » Winterfeldzuge in Preußen « . Dieser Winterfeldzug , wie er den Schlußakt des Schwedenkrieges bildet , gab auch Schöning zum ersten Male Gelegenheit , sich in hervorragender Weise geltend zu machen . Die Veranlassung zu dieser » Januarkampagne zwischen Pregel und Düna « ist bekannt . Der schwedische General Horn war im November mit 16000 Mann in Ostpreußen eingefallen , hatte die festen Plätze weggenommen und bedrohte Königsberg . Die Nachricht davon traf den Kurfürsten im Dezember 1678 . Sofort beschloß er , durch » einen raschen Ritt « die Schweden ebenso aus Ostpreußen hinauszuwerfen , wie er sie vier Jahre früher aus der Mark hinausgeschlagen hatte . Wenn schon der » Ritt auf Fehrbellin « um seiner Kühnheit willen bewundert worden war , um wieviel mehr mußte dieses neue Kriegsabenteuer in Erstaunen setzen , das bei bitterer Kälte , in unwirtbare Gegenden hinein , unternommen wurde . Am 30. Dezember brach der Kurfürst auf ; am 10. Januar 1679 war er in Marienwerder und nahm Musterung über das kleine Heer ab , das er so rasch von der Oder aus bis an die Weichsel geführt hatte . Die Schweden standen am Pregel , dicht vor Königsberg , das durch 3000 Brandenburger unter General Görtzke verteidigt wurde . – Vgl . S. 197 . Die Aufgabe , die sich der Kurfürst gestellt hatte , war ersichtlich die : mit einer Hälfte seiner Truppen die Königsberger Besatzung unter Görtzke zu verstärken , mit der andern Hälfte die Schweden zu umgehen . Dann sollte Görtzke von Königsberg aus angreifen , während der Kurfürst selbst dem Feinde den Rückzug abschneiden und ihn auf einen Schlag vernichten wollte . Was indessen auf dem berühmten Ritte » vom Rhein bis an den Rhin « möglich gewesen war , nämlich das Verschwiegenbleiben des Unternehmens , das erwies sich als unmöglich auf dem Wege von der Oder bis zur Weichsel : – es wurde nicht reiner Mund gehalten und die Schweden schlüpften aus dem Garn . Ihr Rückzug ging auf Tilsit . Der Kurfürst , als er diese Nachricht empfing , resolvierte sich schnell , und da von Einschließung und Gefangennahme des Feindes nicht länger die Rede sein konnte , so galt es , ihn einzuholen . In Geschwindmärschen ging es bis Braunsberg und Heiligenbeil , dann – um Zeit zu sparen – in Schlitten über das Frische Haff . Schon am 16. war Königsberg erreicht , und nach eintägiger Rast folgte man in drei Abteilungen den Schweden , die mittlerweile Tilsit besetzt und daselbst Halt gemacht hatten . Die drei brandenburgischen Abteilungen bestanden aus einer äußersten » Spitze « von tausend Mann , aus einer eigentlichen Avantgarde von dreitausend und aus einem Gros von etwa fünftausend Mann . Treffenfeld führte die Spitze , Görtzke die Avantgarde , Derfflinger und der Kurfürst selbst das Gros . Wie die Truppen zehn Tage früher das Frische Haff passiert hatten , so jetzt das Kurische zwischen Labiau und Gilge ; aber die Nähe des Feindes erlaubte keine Schlittenfahrt mehr , und kampffertig , in Reih und Glied , ging es über das Eis . Die Schweden standen inzwischen nach wie vor bei Tilsit und schienen entschlossen , das preußische Gebiet nicht ohne Schwertstreich räumen zu wollen . So kam es zweimal zu einem blutigen Rencontre : am 20. bei Splitter , wo Treffenfeld , ähnlich wie bei Fehrbellin , der Held des Tages war ; dann Tags darauf , am 21. bei Heydekrug , wo Görtzke die feindliche Arrieregarde angriff und halb vernichtete . Bis dahin waren alle Ehren des Kampfes den beiden Avantgardeführern zugefallen ; erst der weitere Verlauf des Kampfes gab auch Schöning Gelegenheit , sich auszuzeichnen . Das Gefecht bei Heydekrug hatte über die Schweden entschieden , und in schleunigem Rückzuge ging es nördlich auf Riga zu . Die Frage für den Kurfürsten war , ob er diesen Rückzug ruhig gestatten , oder die Fliehenden verfolgen und sich eines gefährlichen Feindes wo möglich für immer entledigen sollte . Er entschied sich für das letztere . Die schwierige Aufgabe der Verfolgung , des Nacheilens durch verschneite Wüsteneien hin , fiel Schöning zu . Mit 1600 Reitern brach er auf . Diese bescheidene Zahl würde der schwedischen Armee gegenüber , die immer noch nach Tausenden zählte , sicherlich in eine sehr bedenkliche Lage gekommen sein , wenn nicht die verfolgenden Brandenburger in der litauischen Bevölkerung einen Bundesgenossen gefunden hätten . Kälte und Bevölkerung schienen sich zu einer völligen Vernichtung der Schweden verschworen zu haben . Oberst Truchseß , den Schöning auf diesem Zuge mit einer Meldung an den zur Zeit noch in Königsberg weilenden Kurfürsten zurückschickte , traf mit den Worten im Hauptquartier ein : die Brandenburger hätten keine Wegweiser nötig , um dem Feinde zu folgen , weil der ganze Weg mit toten Schweden bedeckt sei . » Viele kommen vor Kälte um , aber die meisten fallen von den Händen der Landesbewohner ; die litauischen Bauern schlagen die Schweden mit Keulen tot und legen die Keulen alsdann auf den erschlagenen Körper . « So war die Lage des schwedischen Heeres . Aber wir würden irren , wenn wir daraus den Schluß ziehen wollten , daß es ein leichtes gewesen wäre , diesem Heere zu folgen . Das Folgen selbst , ganz abgesehen von Kampf und Krieg , war ein Schrecknis . Die Kälte stieg oft auf sechsundzwanzig Grad , vielen erfroren ganze Gliedmaßen , niemand hatte Geld , und die wenigen , die noch eine Münze in der Tasche hatten , konnten meist nichts dafür erstehen . So näherte man sich Telschi , einem Städtchen etwa halben Weges zwischen Tilsit und Riga , und nur fünf Meilen noch von der kurischen Grenze ( damals schwedisch ) entfernt . Hier beschloß Horn , der ohnehin mit Beschämung wahrgenommen haben mochte , daß der verfolgende Gegner um vieles schwächer sei als er selbst , das Glück der Waffen noch einmal zu versuchen , und ziemlich unvermutet sahen sich Schöning und seine Brandenburger einem plötzlich standhaltenden Gegner gegenüber , den man sich gewöhnt hatte , auf diesen Schneefeldern zu verfolgen , aber nicht zu bekämpfen . Von dem Augenblick ab , wo sich Horn zu dem Entschluß eines Widerstandes aufraffte , war die Lage Schönings eine sehr bedrohte . Nichtsiegen war gleichbedeutend mit völligem Zugrundegehen . So kam es zum Gefecht bei Telschi . Horn hatte von seinen 16000 noch etwa 3000 Mann übrig , mit ihnen eine ziemliche Anzahl von Geschützen ; Schöning , da die bittere Kälte viel Menschenleben gekostet hatte , verfügte über wenig mehr als 1200 Reiter und Dragoner . Die Aufstellung , die er nahm , war kurz folgende : die Reiterei in zwei Treffen , in Front des Feindes , die Dragoner aber , nachdem sie abgesessen , in ein links und rechts gelegenes Gehölz , um im entscheidenden Momente die Schweden in bei den Flanken nehmen zu können . Diese glückliche Terrainbenutzung entschied den Tag . Oberst von Dewitz , ein Schwiegersohn Derfflingers , eröffnete den Angriff und warf einige Kompanien schwedischen Fußvolks über den Haufen ; aber er drang nicht durch und die Gegner ihrerseits machten jetzt Miene , zum Angriff überzugehen . In diesem Augenblicke ließ Schöning die Dragoner aufsitzen und brach von zwei Seiten her mit Ungestüm in die vorrückenden Schweden ein . Ein Gemetzel begann , da jeder instinktmäßig fühlte , daß fliehen verderblicher sei als fechten , und erst die hereinbrechende Nacht machte dem Kampf ein Ende . Keiner hatte ein Recht , sich den Sieg zuzuschreiben , aber die Schweden zogen sich in der Dunkelheit zurück und erklärten sich dadurch für geschlagen . Die Verluste waren auf beiden Seiten ungeheuer . Die feindlichen Offiziere hatten , während des ganzen Kampfes , immer in langer Linie vor der Front ihrer eigenen Leute gefochten und vom schwedischen Leihregiment war alles tot oder verwundet . Auch Hans Adam war , an der Spitze seiner Dragoner , nur durch die Geistesgegenwart eines Rittmeisters gerettet worden , der einem schwedischen Reiter das Pistol aus der Hand schlug , das dieser eben auf Schöning abfeuern wollte . An den zwei folgenden Tagen ließ dieser durch kleine Streifkorps die Verfolgung der Schweden bis in die Nähe von Riga fortsetzen ; dann trat er selbst den Rückzug an , um dem , wie schon erwähnt , in Königsberg zurückgebliebenen Kurfürsten , wenige Trophäen nur , aber die schwer wiegende Nachricht von der gänzlichen Auflösung des schwedischen Heeres zu bringen . Dieser glänzende Zug bis an die kurische Grenze , das erste Unternehmen , das Schöning in voller Selbständigkeit ausgeführt hatte , hob sein Ansehen in den Augen des Kurfürsten , der ihm bereits so mannigfache Beweise seiner besonderen Gunst gegeben hatte , und Hans Adam , der mit sechsunddreißig Jahren zum Generalmajor ernannt worden war , wurde mit zweiundvierzig Jahren Generalleutnant und Gouverneur von Berlin , das damals , nach Plänen des alten Feldmarschalls Sparr , von fünf Ravelins und dreizehn Bastionen eingefaßt , durchaus den Charakter einer Festung hatte . Wir verweilen aber nicht bei den Friedensjahren unseres Generalleutnants , sondern begleiten ihn statt dessen auf seinem Türkenzuge , bis zur Erstürmung der Festung Ofen . Zwischen Kaiser und Kurfürst war ein Vertrag zu gegenseitiger Hilfeleistung geschlossen worden , und in Gemäßheit dieses Vertrages sah sich der Kurfürst gezwungen , zu einem bevorstehenden » Zuge gegen die Ungläubigen « , dessen Hauptzweck die Einnahme Ofens war , ein Hilfskorps von 8000 Mann zu stellen . Der Kurfürst sah sich » gezwungen « , diese Auxiliarmacht zu stellen ; aber wir würden irren , wenn wir aus dieser Bezeichnung ableiten wollten , daß der Kurfürst nur einem Zwange nachgegeben und für die Besiegung des Christenfeindes kein Herz gehabt habe . Die Sache war einfach die , daß er seinem erschöpften , durch immer neue Kriege gegangenen Lande vor allem den Frieden gönnte . Der protestantische Norden stand ohnehin anders zur Türkenfrage wie der katholische Süden , ja , ein bedrohtes Österreich erschien manchem lutherischen Herzen als gleichbedeutend mit Sicherung und Kräftigung des Protestantismus ; aber weit über dieses Abwägen einzelner hinaus ging doch , als Grundstimmung , durch die ganze Christenheit ein Doppelgefühl von Furcht und Haß gegen die Ungläubigen . Das siegreiche Vordringen der Türken bis an die Tore Wiens ( 1683 ) war noch frisch im Gedächtnis und eine dunkle , im Volke fortlebende Erinnerung an die Tatarenhorden , die einst bis an die Oder hin alles verwüstet hatten , mochte auch in den kurfürstlichen Landen die Vorstellung einer Gefahr und den guten Willen , ihr vorzubeugen , wachgerufen haben . 54 Wenn dieses Gefühl schon im protestantischen Norden lebendig war , so stieg es in den katholischen Ländern Südeuropas bis zu einem Enthusiasmus , ähnlich dem , wie ihn die Kreuzzüge gesehen hatten . Von allen Seiten strömten Freiwillige auf den Kampfplatz , besonders aus Spanien . In Wien fanden sich diese Volontärs zusammen , darunter allein sechzig Katalonier , und wurden dem Starhembergischen Regimente als eine eigene Truppe beigegeben . Astorga , ein Spanier , führte dieses Freiwilligenkorps , das später vor Ofen mit höchster Auszeichnung focht und beinahe vollständig aufgerieben wurde . Gleich zu Anfang , bei einem der ersten Ausfälle der Türken , fielen der Herzog de Vecha , ein Grande von Spanien , und Karl Freiherr von Derfflinger , jüngster Sohn des Feldmarschalls , der , von einer Reise in Italien eben zurückkehrend , in die Astorgasche Volontärkompanie eingetreten war . 55 Wir sind aber , in der Absicht den Geist zu schildern , der damals das christliche Europa durchwehte , Schöning weit vorausgeeilt , den wir zunächst noch in Krossen , an der märkisch-schlesischen Grenze finden , wohin von Ost und West , von Königsberg und Kleve her , die Truppen beordert waren , die nach dem Willen des Kurfürsten das brandenburgische Hilfskorps bilden sollten . Der Kurfürst selbst nahm am 17. April die Musterung ab . Ein Augenzeuge beschreibt die Truppen wie folgt : » Die Service war überaus kostbar und trachtete darinnen einer den andern zu übertreffen , indem etliche sie gar von Augsburg und anderen Orten hatten herbeischaffen lassen . Die Infanterie war blau , die Artillerie braun , die Kavallerie , sowohl Reiter als Dragoner , in lederne Kollette gekleidet . Zwei Soldaten bekamen ein Zelt und einen Strohsack ( welch ein Train ! ) , damit sie , wenn sie an einem Ort anlangten , nicht nach Holz oder Stroh laufen dürften . Die Unteroffiziere und Pikeniere hatten Pistolen im Gürtel und die Derfflingerschen Bataillone Kessel an der Seite ; die Reiter und Dragoner führten dabei noch Dolche . « So waren die achttausend Brandenburger , die durch Schlesien und den Jablunkapaß vor die Türkenfestung Ofen zogen , Hans Adam von Schöning als Oberstkommandierender , General von Barfus und General von der Marwitz als nächste im Kommando . Am 24. Juni trafen die Brandenburger vor Ofen ein , das bereits seit mehreren Wochen von einer Reichsarmee von über 90000 Mann unter Führung des Herzogs von Lothringen belagert und durch 14000 Janitscharen und Spahis unter Oberbefehl von Abd ur Rahmân Pascha verteidigt wurde . Zwölfhundert Brandenburger unter General von der Marwitz rückten sofort in die Linie ein , avancierten unter dem lauten Beifall der ganzen alliierten Armee bis auf fünfzig Schritt an die Stadtmauer und stellten rechts und links ihre Verbindung mit den Kaiserlichen her . Die Festung war nun völlig zerniert . Aber noch über zwei Monate vergingen bis zum letzten siegreichen Sturm , und während dieser Monate wurden , wie die Belagernden überhaupt , so auch namentlich die Brandenburger von immer wachsenden Verlusten betroffen . Der Minenkrieg kostete Opfer über Opfer und die zahlreichen Ausfälle konnten nur mit großem Verlust an Menschenleben zurückgeschlagen werden . Von drei Grafen Dohna , die mit vor Ofen waren , fielen zwei , während der dritte , Graf Christoph , dessen Memoiren für die Geschichte jener Zeit und jener Belagerung so wichtig sind , verwundet wurde . In Wahrheit traf das Sprichwort zu , das damals in Kurs kam : » Je näher dem Ofen , je größer die Hitze . « Taten größter persönlicher Tapferkeit geschahen von beiden Seiten . Leutnant von Wobeser , nachdem sein älterer Bruder , ein Kapitän im Bataillon Prinz Philipp , von einem Spahi niedergesäbelt war , ging vor , um seinen Bruder zu rächen oder sein Schicksal zu teilen , und auf einen türkischen Anführer förmlich Jagd machend , zerschmetterte er ihm , im endlichen Zweikampf , mit einem Morgensterne den Kopf . Der 17. August war der Tag , der über das Schicksal der Festung entschied . An diesem Tag erschien vor Ofen das große türkische Heer , 70000 Mann stark , unter Führung des Großveziers , das die Aufgabe hatte , die hart bedrängte Festung zu entsetzen . Es kam zur Schlacht angesichts der Belagerten , und das türkische Heer wurde geschlagen . Von diesem Augenblick an war die Einnahme der Festung nur noch eine Frage der Zeit . Am 2. September schritten die Christen zum Sturm . Achttausend Mann , zur Hälfte Kaiserliche , zur Hälfte Brandenburger , jene vom Herzog von Croy , diese vom General von Barfus geführt , bildeten die Sturmkolonne und drangen unwiderstehlich vor . Nachdem die Palisaden erklettert waren , drang man in die Straßen der Stadt ein . Nur Türken und Juden hausten darin , und alles wurde niedergemacht , leider auch Weiber und Kinder . Die Türken steckten weiße Fahnen aus , zum Zeichen , daß sie bereit seien , sich zu ergeben , aber die Stürmenden rissen die Fahnen nieder und ließen alles über die Klinge springen . Vergebens mühte sich der Herzog von Lothringen , dem Gemetzel ein Ende zu machen ; neuntausend wurden erschlagen ; ein Rest von Janitscharen , der sich in das feste Schloß gerettet hatte , kapitulierte am andern Tage . Unter diesen , da sein Tod nicht gemeldet wird , befand sich mutmaßlich auch Abd ur Rahmân selbst , ein geborner Schweizer mit Namen Coigny . Schon während der Belagerung war er von einem in die Stadt geschickten Parlamentäroffizier namens Wattenwyl als Landsmann erkannt worden . Auch die brandenburgischen Oberoffiziere waren bemüht gewesen , dem Blutvergießen Einhalt zu tun , und hatten durch ihr Dazwischentreten gerettet , wo noch zu retten war . Aber nur in einzelnen Fällen war es ihnen geglückt . General von Barfus rief zwei Türken Pardon zu , welche wie Verzweifelte sich wehrten , und brachte sie dem Kurfürsten als die Tapfersten nach Berlin . Schöning dagegen hatte das Glück , zwei schöne Türkinnen , noch Kinder , den Händen der alles niedermachenden Soldaten zu entreißen . Was aus dem älteren Mädchen geworden , entzieht sich unserer Kenntnis ; die jüngere aber wurde , unter Beibehaltung ihres türkischen Namens , Fatime getauft und von Schöning , der sie mit nach Tamsel nahm , sorgfältig erzogen . Fatime kam später nach Warschau , wo sie ebenso sehr durch ihre blendende Schönheit wie durch das romantische Interesse ihres Geschicks aller Augen auf sich zog und ein Glanzpunkt der Gesellschaft wurde . Unter ihren Bewerbern war auch König August , dem sie lange widerstand , bis sie endlich dem Grafen Rutowski das Leben gab . Fatime vermählte sich später in die Spiegelsche Familie ; ihr Sohn Rutowski aber stieg bis zum sächsischen Feldmarschall und ist , wenn wir nicht irren , derselbe , der bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges gezwungen war , bei Pirna zu kapitulieren . 56 Doch wir kehren zu Schöning und dem Türkenkriege zurück . – Die Beute , welche in Ofen gemacht wurde , war überaus groß . Namhafte Summen von Dukaten und Zechinen , sowie Edelsteine und orientalische Perlen fielen den Siegern in die Hände . Unter den fünfhundert großen Geschützen , die man eroberte , befand sich auch eine vierundzwanzigpfündige Schlange mit dem brandenburgischen Wappen , die nun dem Führer des brandenburgischen Hilfskorps als Trophäe zurückgegeben wurde . Außerdem überbrachte Schöning dem Kurfürsten einen türkischen Roßschweif und ein paar tatarische Pauken , Siegeszeichen , die sich bis auf diese Stunde im Berliner Zeughause vorfinden . Der Rückmarsch ging abermals durch die Jablunka und am 7. Dezember trafen die Brandenburger wieder in ihrer Heimat ein . Sie hatten unzweifelhaft mit großer Tapferkeit gefochten ( fast die Hälfte war vor Ofen geblieben ; 30 Offiziere tot und 61 verwundet ) und die Türken gaben ihnen deshalb den Beinamen » Feuermänner « . Zugleich brachten sie das Sprichwort in Umlauf : » Der steht wie ein Brandenburger « . Schöning aber , von seinem Landesherrn reichlich geehrt , empfing ebenso vom Kaiser Leopold mannigfache Beweise seiner Huld , darunter einen mit Diamanten besetzten Degen von großem Wert . Wir nähern uns nun jener Epoche im Leben unseres Helden , die durch einen kleinen , scheinbar geringfügigen Vorfall den Namen desselben ungleich bekannter gemacht hat , als aller Glanz seiner Siege zusammengenommen . Ich meine seinen Streit mit General Barfus . Das Persönliche ist immer das Siegreiche . Die Schlachten und Belagerungen sind vergessen , oder doch halb vergessen , aber bis diesen Tag lebt in Barnim und Lebus das Sprichwort fort : » Die hassen sich wie Schöning und Barfus . « Wir wollen erzählen , wie es zu diesem Hasse kam . Schöning war ein Glückskind und hatte , freilich nicht ohne großes persönliches Verdienst , seine Karriere über die Köpfe anderer Leute hin gemacht . Er war sechs Jahre jünger als Barfus und ihm doch immer um sechs Jahre voraus . Das ergab eine Differenz , oder wenn man so will , eine Ungerechtigkeit von zwölf Jahren . Der einundfünfzigjährige Barfus hatte vor Ofen unter dem fünfundvierzigjährigen Schöning gestanden , und zu der natürlichen Bitterkeit , die sich einfach schon aus diesen Zahlen ergeben konnte , mochte sich bei Barfus die Betrachtung gesellen , daß ihm die grobe Arbeit des Belagerns und sich Herumschlagens , dem Oberstkommandierenden aber das Vergnügen des Repräsentierens , des Dinierens im herzoglichen Zelt und schließlich die Entgegennahme eines mit Diamanten besetzten Degens zugefallen sei . Jetzt drittehalb Jahre später , im Sommer 1689 , standen beide Generale ebenso am Rhein , wie sie damals an der Donau gestanden hatten , d.h. Schöning war abermals dem Barfus um einen Pas voraus , und wiewohl ein vorliegender Bericht aus jener Zeit eigens mit den Worten beginnt : » Es hat der Generalleutnant von Barfus dem General-Feldmarschall-Leutnant von Schöning bisher jedesmal den gebührenden Respekt gegeben « , so wagen wir doch , ohne das Gemeldete geradezu bestreiten zu wollen , die Vermutung , daß dem Barfus dieser » gebührende « Respekt in seinem Herzen sehr schwer und die Bezeugung desselben um eben deshalb etwas eckig geworden sein wird . Das Hauptkriegsereignis im Sommer des genannten Jahres war die Belagerung des von den Franzosen besetzten Bonn . Ehe die Brandenburger unter des Kurfürsten und Schönings Führung energischer vorgehen konnten , war ein Zurückdrängen der Franzosen aus den kleineren Plätzen , die in der Nähe von Bonn lagen , nötig . Es kam dabei zum Gefechte bei Ürdingen , das , von Schöning trefflich entworfen und von Barfus , der den rechten Flügel befehligte , mit vieler Bravour ausgeführt , dem Kurfürsten Raum schaffte , die Festung enger und mit mehr Aussicht auf Erfolg zu umschließen . Die Zernierung hatte schon über zwei Monate gewährt , als von dem durch Herzog Karl von Lothringen belagerten Mainz her die Nachricht anlangte , daß ein französisches Entsatzheer heranrücke und eine Verstärkung des dortigen deutschen Belagerungsheeres dringend wünschenswert mache . Barfus mit 6000 Brandenburgern ward auf diese Nachricht hin von Bonn nach Mainz detachiert . Als er am 30. August vor dem Kurfürsten Friedrich III. , späteren König Friedrich I. , erschien , um sich zu verabschieden , kam es im Vorzimmer zu folgender Szene . 57 Barfus fand den Schöning auf einem Stuhl sitzend vor und trat mit der Meldung an ihn heran : » daß er mit dem detachierten Korps nach Mainz marschiere , was er hiermit dem Herrn Feldmarschall-Leutnant zu wissen tue . « Hierauf gab Schöning eine » choquante Antwort « etwa dahin gehend : » wie es ihn Wunder nähme , daß ihm der Barfus endlich einmal die Zivilität täte und ihm die gebührende Meldung mache . « Barfus , dieser choquanten Sprache begreiflicherweise choquant begegnend , antwortete schnell , » daß er die Meldung nur auf Befehl des Kurfürsten gemacht und sie sicher unterlassen haben würde , wenn er gewußt hätte , daß er einer solchen Antwort zu begegnen habe . « Darauf Schöning : » auch ohne Befehl des Kurfürsten wäre die Meldung seine Schuldigkeit gewesen . « Worauf man sich trennte . Aber diese Szene im Vorzimmer war nur Vorspiel . Barfus , als er eben das Haus verlassen hatte , hörte sich von dem hinter ihm her eilenden Schöning angerufen , der ihn jetzt aufforderte , mit ihm auf die Seite zu treten . Barfus war dazu bereit ; Schöning aber , statt bei Seite zu treten , stellte sich etwa hundert Schritte vor der Hauptwache auf und rief Barfus zu , er solle den Degen ziehen . Barfus durchschaute das Spiel , das offenbar darauf aus war , ihn angesichts von Zeugen zu einer Insubordination hinzureißen , und ließ bedächtig den Degen in der Scheide . Schöning aber wiederholte sein : » Zieht , Herr Generalleutnant ! « und rief ihm endlich zu : » Der Teufel soll mich holen , wenn dieser Barfus das Herz hat , den Degen zu ziehen ! « Dabei schlug er zu gleicher Zeit dem Barfus den Stock aus der Hand , auf den sich dieser in vorgebogener Stellung während des ganzen Zwiegesprächs gestützt hatte . Barfus bückte sich , um den Stock wieder aufzuheben , und stieß dann mit dem spanischen Rohre nach Schöning , was dieser durch einen Stoß gegen des Gegners Hals erwiderte . Das war zu viel . Barfus fluchte : » Ei Sakrement ! « und zog seinen Degen . Schöning sah ihm lächelnd zu , und seine beiden Arme ineinander geschlagen , rief er jetzt : » Haha , Monsieur zieht seinen Degen zuerst ! « und zog dann auch . Es sprangen aber andere Militär dazwischen und die Streitenden wurden getrennt . Arrest folgte . Dieser Vorfall machte größeres Aufsehen als die ganze Belagerung von Bonn , die beiläufig am 2. Oktober mit Übergabe der Festung endete , und führte neun Monate lang zu einem halb juristischen , halb diplomatischen Kampf , in dem sich die gegenüberstehenden Parteien , die Schöningsche und die Barfussche , in unzähligen Briefen , Eingaben , Gutachten usw. befehdeten . Aber die Partei Barfus war stärker . Die einflußreichsten Leute des Hofes : Danckelmann , Spanheim , Otto von Schwerin , alle nahmen , entweder weil die Sache selbst oder aber der hochfahrende Charakter Schönings zugunsten Barfus ' sprach , die Partei des letzteren , und am 17. Juni 1690 erschien endlich folgendes kurfürstliches Reskript , das den Feldmarschall-Leutnant von Schöning , ohne einem Rechtsspruch vorgreifen zu wollen , in ziemlich ungnädigen Worten aus dem brandenburgischen Dienst entließ : » Se . kurfürstliche Durchlaucht haben Sich unterthänigst referiren und in Dero Geheimen Rath vortragen lassen : was Dero würklich Geheimer Kriegsrat und General-Feldmarschall-Lieutenant , der von Schöningen , sub dato Weißen-See bei Berlin den 11. Juni gehorsamst supplicirt und gebeten . Wohin denn S. K. Durchlaucht Sich dahin nochmalen in Gnaden erklären : daß Sie nicht unterlassen werden , in den zwischen gemeldetem Feldmarschall-Lieutenant und dem General-Lieutenant von Barfus entstandenen Mißhelligkeiten gebührende Justiz administriren und solche rechtlich untersuchen , erörtern und decidiren zu lassen . Daß aber S. K. Durchlaucht Dero General-Lieutenant des von Barfusen Person zu Dero Diensten bei Ihrer Armee indessen zu employiren resolviret , dessen haben Se . kurfürstliche Durchlaucht sowohl wegen deren hohen Interesse und Diensten , als auch in Consideration seiner , des von Barfusen , bisher observirten unterthänigsten Conduite und sonsten bewegende Ursachen gehabt und lassen es auch darbei nochmalen gnädigst bewenden , können Sich auch darunter von Niemanden Zeit noch Maaß setzen oder vorschreiben lassen . Sie wollen aber auch dem Feldmarschall von Schöning nicht wehren , sondern ihm vielmehr auch gnädigst erlauben , in einiger auswärtiger alliirter Potentaten Dienste , welche Deroselben und der guten Sache nicht zuwider sein , interimsweise zu treten , wenn er vorher dieselbe wird namhaft gemachet haben . – Indessen wiederholen Sr. kurfürstliche Durchlaucht Dero früher ergangene gnädigste Verordnung hiemit und befehlen dem General-Feldmarschall-Lieutenant von Schöning nochmalen gnädigst und ernstlichst : sich nicht allein dero hiesigen Residenzstädte zu enthalten , sondern auch aus bewegenden Ursachen , die so nahe daran gelegenen Örter zu meiden und sich daselbst nicht ferner aufhalten oder finden zu lassen . Cölln a. d. Spree , den 17. Juni 1690 . Friedrich . gegengez . Eberhardt von Danckelmann . « Aus diesem Reskript ( das wir dem nur als Manuskript existierenden Werke : » Geschichtliche Nachrichten über die Familie von Schöning « verdanken ) geht unverkennbar hervor , daß ,