vor einer Zeit von deinem Sitze aufgestanden bist . Und wenn es auch nicht so wäre , so bist du doch der Älteste . Sprich . « Lubomir sprach : » Hocherlauchter König , wenn du mich hören willst , und wenn mich die Versammlung hören will , so werde ich reden . « » Rede , rede « , riefen viele Männer in dem Saale . Lubomir schwieg einen Augenblick . Dann redete er : » Liebe hochehrwürdige Herren der Kirche und der Länder . Wie mir nach meinen geringen Einsichten und nach meinen Jahren mein Sinn eingibt , ist die Veränderung , die sich in unseren Ländern zugetragen hat , sehr wert , daß wir derselben unsere genaue Aufmerksamkeit schenken . Wir wissen jetzt noch nicht , was aus alledem werden wird . Wir wissen nicht , was werden wird , wenn unser Herzog ein König ist , und wenn alle unsere künftigen Herzoge Könige sind . Werden die Könige die Art der Herzoge fortbehalten , oder wird eine andere Art werden ? Sind unsere Länder in der alten Lage gegen ihre Nachbarn , oder wird die Lage neu sein ? Werden wir in Pflichten gegen die kommen , welche die Ehre gespendet haben ? Wenn wir alles erst wohl überdacht haben , wenn ein jeder das , was ihm zu Sinne gekommen ist , den andern in Lieb und Treue mitgeteilt hat , dann können wir beraten , wie das Gute , das in den Dingen liegt , von uns nach unsern Rechten und Pflichten dem Lande zugeführt werden kann , und wie wir das Üble , das die Sache hat , von dem Lande fern zu halten vermögen . Ich denke wohl , daß es gut gewesen wäre , wenn vorher alle Obliegenheiten und Notwendigkeiten der Sache beraten und festgestellt worden wären . Aber ihr wisset alle sehr gut , wie unser erlauchter Herzog Wladislaw , seit er auf dem Fürstenstuhle ist , immer in den Dingen des Landes den Rat zusammen berufen hat , und wie in dem Rate beschlossen worden ist . Wenn er es jetzt nicht getan hat , so wird er Ursachen dazu gehabt haben . Er wird alles sehr reiflich erwogen haben , und er kann uns am sichersten sagen , was in dieser Angelegenheit liegt , und was nicht in ihr liegt . « » Das ist wahr , das ist gut « , riefen mehrere Männer . » Er hätte es aber heute sagen sollen « , rief eine Stimme . Und es wurde ein Rufen des Beifalls und des Tadels . Lubomir setzte sich wieder auf seinen Stuhl nieder . » Preda , sprich « , sagte der König . Preda , welcher stand , redete nun : » Meine Worte sind die Worte Lubomirs . Es kann sehr Übles für die Länder in der Sache sein . Ich füge nur hinzu , daß es jetzt fast ist , als wären die , welche viele Jahre dem Lande gedient haben , nicht mehr die Räte und nicht mehr die Freunde des Herzogs . « » So ist es « , riefen viele Männer . Preda setzte sich auf seinen Stuhl nieder . » Slawibor , rede « , sagte der König . Slawibor sprach : » Wir haben in unserem Reiche gelebt , und die Herzoge haben nur uns über die Angelegenheiten befragt . Wratislaw , der Großvater unseres erlauchten Herzoges , ist ein König gewesen ; aber es war nur ein Ehrenkleid , und er hat als Herzog fortgeschaltet . Und nach ihm sind wieder Herzoge gewesen , wie Wladislaw , der Vater unsers jetzigen Königs , der gute und großmütige , und wie Sobeslaw , der Oheim und Vorgänger unsers jetzigen Königs , der feste und ruhmreiche , und wie unser Herzog , der bis jetzt auch ein Herzog gewesen ist . Nun ist das Land für alle Zeiten ohne Ratschluß in ein Königreich umgewandelt worden , und Pflichten und Abhängigkeiten sind im Wege , und das Blut soll in das Ausland gegossen werden . Vor diesen Dingen stehen wir , und ich sage : Wenn der erlauchte Herzog nicht unsern offenen Rat gehabt hat , so hat er geheimen gehabt , und diesen trifft Verantwortung und Strafe . « » Die Strafe , die Strafe , die Strafe « , riefen Männer durcheinander . » Nein , nein , nein « , riefen andere . Und es wurde wieder ein wüster Lärm . Als er sich gemildert hatte , rief der König : » Diwis , rede . « Diwis redete : » Ich sage wie Lubomir , daß es gut gewesen wäre , wenn die Umwandlung der Länder in dem Rate genau erwogen worden wäre . Ich sage wie Slawibor , daß es ein alter Brauch ist , daß die Söhne unserer Länder nicht in entfernten Reichen kämpfen dürfen . Aber ich sage auch , daß wir über diese Sache noch nicht urteilen können , weil sie uns noch nicht mit allen ihren Teilen bekannt ist . Der hocherlauchte König Wladislaw hat nur von dem Zuge nach Mailand gesprochen , dann ist der Zorn der Männer entstanden , und es ist weiter eine Wesenheit der Sache nicht dargelegt worden . Ich meine wie Lubomir , ein jeder solle gehört werden , und der soll am meisten gehört werden , der am meisten von der Sache reden kann . Und dann sollen wir umsichtig beratschlagen , daß wir das Gute einführen , und das Üble abhalten . « » Die Sache ist ja deutlich « , rief Mireta . » Sie ist deutlich , deutlich , deutlich « , rief eine Zahl von Männern . Da rief der König : » Es muß ein jeder gehört werden , wie ihr gehört werden wollet . « » Höret einen jeden , das Recht hat er « , schrie Predbor . » Höret ihn , höret ihn « , riefen fast alle in der Versammlung . Dann sprach der König : » Rede , Nemoy . « Nemoy redete : » Da das Alterserblichkeitsgesetz gemacht wurde , sind alle Lechen und Herren und Wladyken der Länder dazu zusammen berufen worden , und es ist die Nachfolge auf dem Fürstenstuhl ruhig vor sich gegangen . Als das Alterserblichkeitsgesetz aufgehoben wurde , hat es der Herzog Bretislaw mit der Mithilfe des deutschen Kaisers Heinrich allein getan , und es sind die Nachfolgekämpfe gekommen , die bis in unsere Zeit gedauert haben , und die nach euch in die Zeiten hinein dauern können . Ich sage das , weil es geschehen ist , und weil es zu beachten ist . « » Es ist zu beachten « , riefen mehrere Männer . » Es ist so « , riefen andere , » es ist jetzt wieder so . « » Ja , ja , ja « , riefen andere . » Nein , nein , nein « , riefen wieder andere . Als das Rufen aufgehört hatte , sagte der König : » Jetzt haben die gesprochen , welche mit einander aufgestanden sind . Ich glaube , daß ich sie nach dem Alter genannt habe . « » Du hast sie genannt , hocherlauchter König « , sagte Nemov . Nun stand der alte Rodmil auf , und sprach : » Es ist eine Verletzung der Rechte und der Bräuche der Lechen gewesen . Die Lechen sind die Söhne des Landes , sie sind das Land . Und das Land ist der Quell der Ehren und der Macht , und für das Land ist das Blut seiner Kinder . « Es wurde ein Beifallsrufen nach diesen Worten , und man hörte : » Ja , eine Verletzung , eine Verletzung , und kein Blut für andere . « Nach Rodmil stand Daniel , der Bischof von Prag , auf . Und wie er stand , wurde es stiller , und wurde immer stiller , und endlich so stille , daß nicht ein einziger Laut in dem ganzen Saale zu vernehmen war . Dann wartete Daniel noch eine kurze Zeit . Dann sprach er : » Es war einmal ein Mann , der hatte einen schönen Hof mit schönen Gründen . Sein Vater und sein Großvater und sein Urgroßvater und sein Ururgroßvater haben vor ihm den Hof besessen . Aber der Hof ist nicht immer schön geblieben . Es kamen Regengüsse , und es floß ein Wasser daher , und brachte Bäume und Sträucher und Sand und Steine und Unrat . Und als es abgelaufen war , lagen Steine und Sand auf den Streifen , auf dem es gewandelt . Der Mann und seine Knechte brachten die Steine und den Sand fort , und der Streifen grünte wieder . Aber es kamen wieder Regen , und es kam wieder Sand und kamen Steine . Und jeder Regen brachte Sand und Steine . Da ging der Mann von dem Hofe fort , dem Wasser nachzuspüren . Er ging durch das Gut mehrerer Männer , und kam in den entfernten hohen Wald . Dort waren in Mulden weite Wässer . Die Wässer hatten eine Erdwulst durchfressen , und durchfraßen sie bei jedem Regen mehr . Der Mann und die Besitzer der Güter und der Besitzer des Waldes verbauten die Lücke der Erdwulst , und leiteten die Wasser in Schluchten . Wäre der Mann in seinem Hofe geblieben , so wäre sein Hof ein Haufen von Sand und Steinen geworden . « Bogdan sprang auf , und rief : » Ja , ihr beide , du und dein Schreiber Vincentius , seid fleißig in die Fremde gegangen , und habt dort gespähet , du hast dich von dem deutschen Kaiser in allerlei Orte senden lassen , und bist sein Diener geworden , und bist ein Fremder geworden , und bringst so viel von der Fremde , bis wir selber Fremde sein werden . « Ein dröhnender Lärm entstand nach diesen Worten . Der Bischof Daniel setzte sich wieder auf seinen Stuhl nieder . Nach ihm erhob sich Bozebor . Als der Lärm sich nach und nach gelegt hatte , sprach er : » Hohe und niedere Herren der Kirche und der Länder , Männer und Freunde . Der alte Rodmil hat gesagt : Das Land ist der Quell der Ehren und der Macht . Es ist der Quell der Ehren und der Macht , und ein anderer Quell ist eine Pfütze . Hocherlauchter Herzog Wladislaw , wer hat dich genötigt , von den Deutschen Ehre und Macht zu gewinnen ? Hätten wir dir nicht beides geben können ? Wir haben den Kaiser Lothar besiegt , und haben von ihm die Königskrone gewonnen . Konntest du sie nicht von uns empfangen ? Du wärest dann ein König der Böhmen gewesen , und wir hätten dich auf unsern Schilden getragen . Jetzt aber bist du ein deutscher König , und mußt den Lohn bezahlen . Du bist zinspflichtig , und wir sind die Knechte eines Knechtes . Oder sollen wir uns von dir lossagen ? sollen wir die Länder in Krieg und Jammer stürzen ? Wer wird das Elend ergründen können ? Die alten Herzoge von Böhmen sind lange , ehe ein deutscher König und Kaiser war , zur Zeit , da noch ein Wald stand , wo jetzt die Stadt Prag ist , auf der heiligen goldenen Burg im Walde gesessen , und ihre Lechen und Wladyken waren um sie , und sie haben gerichtet und geurteilt , und ihre Völker haben auf sie geschaut , und niemand konnte eine Nadel von ihren Wäldern nehmen , und sie waren ehrenreich , daß die uralten Sänger und die Völker von ihnen gesungen haben . Die Herzoge sind höher gewesen , als die Könige und die Kaiser . Daß sie Herzoge wurden , sind sie auf den alten geheiligten Herzogstuhl gesetzt worden . Darum hieß der Felsstuhl der Herzogstuhl . Soll er jetzt ein Königsstuhl werden ? Oder willst du dir einen andern schnitzen lassen , und ihn mit Gold und Farben verzieren ? Werden nach dir die Könige die Bastschuhe Premysls anziehen wollen , der nur ein Herzog gewesen ist ? Werden die Könige nach dir sich , ehe sie auf den Herzogstuhl gesetzt werden , schlechte Kleider anziehen lassen , um sich ihres Ursprunges zu erinnern ? Werden sie sich auch nur auf den Herzogstuhl setzen lassen , dadurch sie ja nur Herzoge würden , und jetzt schon durch den Spruch des Fremden , ehe sie noch in dem Leibe ihrer Mutter entstehen , Könige sind ? Unsere geheiligten Gebräuche , unsere heimatlichen Sitten , unsere vorväterlichen Geräte werden verschwinden , und so groß der Fels des Herzogstuhles ist , so werden Jahre kommen , in denen man nicht mehr weiß , wo er gestanden ist . Wenn wir die Sache eingeleitet hätten , so hätten wir das Geheiligte sichern können . Die Könige werden wie du ohne uns handeln , sie werden ihres Glanzes pflegen , und wir werden die Diener und die Sklaven eines Herrn sein . Und wenn wir uns empörten , und alle aus dem Stamme Premysl entfernten , so würde einer von uns der Herr werden , er würde sich durch seine Macht wieder zum Könige machen , und wir stünden vor dem nämlichen Dinge , vor dem wir jetzt stehen . Wer zu solchem den Rat gegeben hat , der verdient an das Kreuz geschlagen zu werden . So sage ich , so rede ich , und so habe ich die Sache bis in mein Alter erfahren , und so spreche ich von der Sache . « Da er diese Worte geredet hatte , setzte er sich schnell auf seinen Stuhl nieder . Aber nun brachen viele in ein Schreien aus , das stärker war als jedes , das sich bisher erhoben hatte . Es machte fast die Fenster erzittern , und machte die Ohren unfähig , irgend etwas zu vernehmen . Nach langer Zeit erst hörte man die Rufe : » Ans Kreuz , ans Kreuz , ans Kreuz . « Und nicht lange hörte man die Rufe . Es wurde wieder ein übertäubendes Schreien , aus dem nichts zu vernehmen war . Dann schlugen die Männer an die Schwerter , daß es rasselte , und manche schwangen sie in der Scheide wieder wie früher um das Haupt . Bogdan zog das seinige hervor , daß es durch den Saal blitzte ; aber die zunächst um ihn waren , umschlossen ihn mit ihren Armen , zogen ihn nieder , und nahmen ihm das Schwert . Das Schreien und das Rasseln mehrte sich . Dann hörte man wieder Stimmen : » Ans Kreuz , ans Kreuz , ans Kreuz . « Dann drang der außerordentliche Ruf Predbors durch den Lärm : » Laßt die andern reden , und höret sie ; ihr habt es versprochen . « Der Lärm wurde auf diese Worte etwas geringer . Dann standen einige auf , um zu beschwichtigen . Da sie aber nicht gehört wurden , mußten sie ihre Stimmen stärker erheben , und das Getöse wurde wieder ärger als früher . Jetzt erhob sich der König Wladislaw langsam von seinem Stuhle , und stand aufrecht da . Er nahm nach einiger Zeit seine Haube von dem Haupte , und legte sie auf den Tisch . Seine blonden Haare waren um sein Angesicht , und seine blauen Augen blickten auf die Versammlung . So stand er da . Und wie es bei Wsebor und bei dem Bischofe Daniel gewesen war , so wurde es auch bei ihm . Das Getöse minderte sich , und endlich wurde es so stille , daß man keinen Laut vernehmen konnte . Da sprach der König : » Höchste und hohe Herren der Kirche , Sprossen des Stammes Premysl , hohe Herren und Herren der Länder , Herren des Hofes , Führer , Kriegsgenossen , Räte und Freunde . Ich hätte erst geredet , wenn alle andern ihre Rede vollendet gehabt hätten ; allein es sind immer mehr Worte gegen mich entstanden , und eure Herzen sind von den Worten ergriffen worden . Ich will also jetzt schon meine Worte entgegen sprechen . Dann sollen alle andern reden , die noch reden wollen , und sie sollen gehört werden . Vielleicht wird ihre Meinung durch meine Worte ein wenig geändert . Wenn sie bei ihrer Meinung bleiben , so sollen sie dieselbe aussprechen . Ich bitte euch , höret mich an . « » Höret die Worte « , riefen mehrere Stimmen . » Höret die Worte « , riefen dann fast alle in dem Saale . Als es wieder stille geworden war , sprach der König : » Ihr habt getadelt , daß ich mit den Fremden in Verbindungen gekommen bin . Als die Reiche noch klein und einsam waren , schalteten sie in ihrem Hause , und mochten , wenn ein Überfall eines Nachbars kam , ihn abwehren . Aber die Reiche sind gewachsen , und einzelne sind erstarkt . Und andere haben sich an dieses Reich angeschlossen , um seine und ihre Macht zu mehren . Wer in seinem Hause bleibt , der ist ohne Bundesgenossen , und wird von denen besiegt , die Bundesgenossen haben . Ihr habt gesagt : Wir haben den Kaiser Lothar besiegt . Lothar ist mit einem Heere in die Schlucht von Chlumec und in den Hinterhalt der Böhmen gegangen , und einzelne Teile seines Heeres wurden vernichtet , und der Rest umringt . Und dennoch hat unser fester und kluger Herzog Sobeslaw , mein Oheim , da Lothar fast gefangen war , von ihm die Bestätigung der Herzogswürde von Böhmen angenommen , nicht weil er König der Deutschen war , sondern weil er römischer Kaiser sein würde . Sobeslaw hat die Gefahr solcher Kriege erkannt , die gekommen wäre , wenn er auch das Heer Lothars völlig vernichtet und Lothar gefangen hätte . Friedrich , welcher jetzt in Deutschland herrscht , ist nicht wie Lothar , er führt die Heere besser . Habt ihr gesehen , was er getan hat ? Friedrich hat zuerst das Reich beruhigt , es ist dann die Krone der Lombarden und die römische Kaiserkrone auf sein Haupt gesetzt worden . Er hat hierauf die Mächtigen im Reiche , die eigene Fehden führten , zu schimpflicher Strafe verurteilt , und keiner wagte zu widersprechen , und die Fürsten standen zu ihm . Und er hat die Raubritter ausgerottet , und seine Macht wuchs über Dänemark und Polen und über Lyon bis Avignon , und England schickte Geschenke , und trug ein Bündnis an , und Spanien und Frankreich und Burgund und andere schickten Abgesandte , und Ungarn verpflichtete sich ihm mit Reitern . Wenn Friedrich die Länder Böhmen und Mähren zu einer deutschen Mark machen wollte , wie einmal vor ihm der Kaiser Karl mit dem Lande der Avaren bis zur Raab getan hat , so würde der Streit ein sehr schwerer sein . Eure Tapferkeit würde öfter siegen ; aber der endliche Ausgang wäre sehr ungewiß . Denn der Kaiser hat Bundesgenossen , und sie würden sich mehren . Ihr werdet sagen : Das wäre ein Raub . Wenn nun Friedrich ein Räuber sein wollte , wie Attila und andere vor ihm , wer hätte es gehindert ? Wenn wir den Räuber , der in unsere Häuser oder Burgen bricht , strafen und ihn vernichten , so werden wieder andere Räuber . Wäre es nicht besser , wenn wir machen könnten , daß gar keine Räuber mehr entständen ? Wenn eben so nun Friedrich Räubergedanken hegen sollte , wäre es da nicht zuträglicher , zu bewirken , daß solche Gedanken gar nicht emporkeimten ? Ich bin im Anfange wider Friedrich gewesen , weil es mir geschienen hat , daß er gegen Österreich und meinen Schwager Heinrich nicht gerecht ist . Ich führte mit ihm Verhandlungen , und die Verhandlungen erreichten kein Ziel . Da ging ich selber zu Friedrich , erkannte ihn , lernte ihn lieben , und wurde sein Freund , und er wurde mein Freund . Und die Sache mit Österreich und Baiern lösete sich glücklich für alle , und der Zug gegen Polen brachte uns Ehre und Ruhm und Beute , und die Macht der Länder Böhmen und Mähren wurde befestigt . Wer in Verbindung mit Fremden ist , der ist darum nicht abhängig von den Fremden , wie einer , der von einem Handelsmanne etwas kauft , von ihm nicht abhängig ist . Oder sind wir von dem Fremden abhängig , so ist der Fremde ingleichen von uns abhängig , wie der Käufer und Verkäufer von einander abhängig sind , aber beide zu ihrem Frommen . Wenn viele in einer Verbindung sind , so sichern sie sich , wenn sie über die Dinge gemeinsam reden , und in ihnen gemeinsam handeln . Es sollten alle Reiche unseres Erdteiles ihre Angelegenheiten gemeinsam schlichten , so würde keines von einem andern besiegt , und keines würde die Beute eines entfernten Feindes . Ich kann es euch sagen : Wenn Friedrich weit über mein Leben hinaus in Deutschland herrscht , so wird ihm nie zu Sinne kommen , die Länder Böhmen und Mähren sich zu Füßen zu werfen , oder sie auch nur zu schmälern . Das habe ich über die Verbindung und über den Umgang mit den Fremden gesprochen . Denket daran , und denket , was ich einst über die gleichen Dinge gesprochen habe , und was erfolgt ist , da wir meinen Schwager Konrad , den König der Deutschen , um Hilfe gegen die mährische Verbindung angegangen haben . Nun rede ich von der böhmischen Königskrone . Ihr sagt , ihr hättet sie mir gegeben . Meinet ihr , die Krone hätte in die weiten Länder , oder auch nur in dem eigenen Lande geleuchtet ? Wir hätten uns selber zu einem Königreiche gemacht , und hätten dem Beherrscher dieses Reiches die Königskrone aufgesetzt . Wer sich aber selber mit einer Ehre schmückt , der hat keine Ehre . Die Ehre muß von der Höhe kommen , daß sie heilig ist . Und was würden die Männer und Weiber unserer Fluren von der Krone gesagt haben ? Das ist die Krone , würden sie gesagt haben , die die hohen Herren des Landes gemacht , und dem Herzoge geschenkt haben ; sie würden die Krone wie eine Burg angeschaut haben , die vor ihren Augen gebaut worden ist . Der uralte Wysehrad ist heilig , und der uralte Herzogstuhl ist heilig , weil sie da sind aus der grauen Zeit , und den Menschen scheint , daß sie von der Höhe stammen . Und wie würdet ihr selber die Krone angeschaut haben ? Sie wäre euer Werk gewesen , und ihr wäret höher gewesen als euer Werk . Ihr habt gesagt : Unser Land ist der Quell der Ehren und der Macht . Aus dem Lande fließt Ehre und Macht ; aber der höchste Quell aller Ehren und aller Macht ist der allmächtige Gott . Er sendet Gaben und Geschicke , auf die Ehre und Macht folgt , und er sendet die , welche Ehre und Macht verteilen dürfen . Die sind aber immer über uns , nicht neben uns oder unter uns . Wenn der deutsche König eine noch hundertmal größere Macht hätte , so könnte er sich nicht die römische Kaiserkrone auf das Haupt setzen , sie bliebe eine deutsche Krone , und bliebe strahlenlos . Aber der Heilige Vater , der Herrscher aller Gläubigen auf der Erde , setzt sie ihm auf , er wird der weltliche Herr der Christenheit , und die Kaiserkrone glänzt über die Völker , und von ihr erglänzen die Königskronen , und aus ihr entstehen die Königskronen . So glänzen die Kronen von Frankreich , von Spanien , von England , und so entstand auch die Krone von Böhmen . Nicht Friedrich , der König der Deutschen , hat mir die Königskrone gegeben , sondern Friedrich , der römische Kaiser , der Schirm und Schimmer der Christenheit hat sie mir freiwillig verliehen , und sie strahlet in die Welt . Er hat mich geehret , er hat alle geehret , die nach mir herrschen , und er hat das Land und hat euch geehret . Ihr könnt die Ehre nicht ablehnen , und wenn ihr es auch tut , so strahlt ihr wider euern Willen in der Ehre . Unser Volk hat sie erkannt , und hat gejauchzt , als ich in das Land gekommen bin . Jetzt rede ich davon , daß ich wegen der Krone nicht vorher euern Rat einberufen habe . Der Kaiser hat mir freiwillig die Krone gegeben , es konnte also nicht vorher des Rates darüber gepflogen werden . Ich rede nun auch von den Lasten , die das Königtum bringen soll . Es wird keine bringen : denn die Hoheit liegt in der Krone , und geht auf die Dinge . Und unsere Sitten und unsere Gebräuche und unsere Heiligtümer werden heilig sein wie früher , und ihre Heiligkeit wird den Wert der Krone noch heiliger machen . Zuletzt rede ich von dem Zuge nach Italien . Es ist wahr , daß nach den Satzungen unserer Länder keiner verpflichtet ist , in die Kriege ferner Reiche zu ziehen . Ich habe aber auch den Heerbann unserer Länder nicht nach Italien aufgeboten , sondern ich habe gesagt , daß ich dahin ziehe , damit jeder es wisse , der sich freiwillig zu mir gesellen wolle . Der Kaiser Friedrich ist ein Ritter voll Schimmer und Adel , der auszieht , die übermütige Stadt zu züchtigen , und die von ihr unterdrückt werden , zu schirmen . Ich habe zu ihm gesagt : ich ziehe mit dir . Und wenn das Wunderbare geschähe , daß von meinem Volke keiner mit mir ginge , so würden die Menschen sagen , Böhmen hat noch einen Ritter , den König . Und wenn manche mit mir ziehen , so sind sie in ihrem Rechte , wie ich in meinem Rechte bin , und ich verleihe ihnen aus meinem Eigentume jede Zier der Ehre und Mittel . Und die in der Heimat bleiben , tun auch nach ihrem Rechte und ihrer Pflicht . Es werden auch solche sein , die mit Frauentändeleien und Muße zufrieden sind , diese mögen sicher unter meinem Frieden in ihrem Hause sitzen . Endlich spreche ich noch von einem . Bozebor hat gesagt : Wer zu solchen Dingen den Rat gegeben hat , der verdiene an das Kreuz geschlagen zu werden . Ich sage euch : es ist niemand da , der an das Kreuz geschlagen werden könnte . Ich habe nach keines Menschen Rate gehandelt . « Nach diesen Worten setzte der König seine Haube auf das Haupt , und ließ sich auf seinen Sitz nieder . Im Saale aber riefen die Männer : » Wir ziehen , wir ziehen . « Dann wurde gerufen : » Heil , Ehre , Glück Wladislaw , dem großen und mächtigen Könige . « » Heil , Ehre , Glück Wladislaw , dem großen Könige « , riefen sie wieder . Da stand Witiko von seinem Sitze auf . » Hört Witiko « , riefen Stimmen . » Hört Witiko « , rief Predbor . Und als es nach und nach stiller geworden war , sprach Witiko : » Ich rede noch von einem Dinge , das bei den Menschen groß und erhaben ist , und über ihre Länder und ihr Leben hinaus reicht , von dem Ruhme . Wenn ein Mann das Höchste tut , das preiswürdig ist , wenn viele Männer , wenn ganze Völker das Höchste tun : so kömmt es in den Mund der Menschen , sie erzählen es , sie preisen es , einer sagt es dem andern , und wieder sagt es einer dem andern , und dann kömmt es in die Lieder , und die Lieder und die Erzählungen tönen in allen Zungen der Völker , und die das Große getan haben , sind in der Liebe und Bewunderung der Menschen , und ihre Ehre und ihre Macht wächst gegen die Wolken empor . Und die Menschen haben die Kunst erfunden , ihre Worte in Buchstaben zu legen , die dauern , und durch diese Erfindung und durch das , was noch erfunden werden wird , lebt der Ruhm fort , wenn die , welche Großes verübt haben , längst schon vor dem Throne Gottes sind . So haben schon Männer vor uns aufgeschrieben , was geschehen ist , und so schreiben Männer jetzt auf , was geschieht . Und das wirkt in die Zeiten ; denn die Worte sind so mächtig , daß sie alles bewegen , wie das feste Recht der Taten die Menschheit gestaltet . Das Wort ist stärker als die Wurfschleuder , und die Mäßigung besiegt den Erdkreis . Wenn wir nach Italien gehen , so sind wir in einem Lande , auf welches die Völker schon in den ältesten Zeiten geschaut haben , als das größte Reich der Welt von Italien ausgegangen ist , und auf das jetzt die Völker schauen , weil dort der Herrscher aller christlichen Seelen seinen Sitz hat . Und wenn wir in dem schönen Lande siegreich die Ordnung und das Recht wieder einführen geholfen haben , und der Übermut zu unsern Füßen geworfen ist , so kömmt unser Land in die Erzählungen von weiten Völkern , weil es vor weiten Völkern gehandelt hat , und es kömmt in die Lieder und Schriften , und durch sie in die folgenden Zeiten , und unser Volk ist geachtet und stark unter den Völkern . Und daß es geachtet und stark bleibe , müssen wir einig sein , daß nicht jeder nach einem andern Sinne geht . Wären die Christen unseres Weltteiles gegen die Ungläubigen einig , und stünde das griechische Reich aufrichtig zu uns , so wäre das Land Jerusalem , das noch heiliger ist als Italien , gesichert bei den Gläubigen , während